xp*^ '^A*" t "W ;t^- "C V^:'^ r 1.:^r\ -*-?t;^*^^^'t.j^ . v-t;; \ -^ r ...#:-S^ri ' ..V, *' ^ -:f . ^^''^'. V-^-"^*' '^' J^:^. '^>-. ..^^.''''v?^ 1^ -'^ 1 '^' ttiG^ *-> :v4-li.. J^> Redigiert von Dl*. II. Potonie. ZWEITER BAND ^ (April 1888 bis September 1888). ^- -> H^H"-^' BERLIN. Verlag von Hermann Riemann. Inhalts-Verzeiehnis. Seite Allgemeines und Verschiedenes. Dreher, Der Zweck der Natiu*- wissenscliaft und die Art und Weise, wie sie betrieben wird ... 73, 83 Mller, Karl, Die Verwertbarkeit des His'schen Embryographen . . 171 Ptz, Die knstliche Beleuchtung in der Photographie 121 Raab, Ueber Verwendung des Torfs 140 Amerikanisten Kongress 205 Ansiclit Darwin's von der Er- scliaffung der ersten Wesen . . 47 Anthropologen-^'ersammlung . . . 151 Anwendung der lateinisclien Nomen- klatur 143 Brcke ber ilen Kanal 22 Chamisso's Stellung zur Lehre von der Verwandlung der Arten . . 182 Chamisso, Adalbert von 161 Fixierung des Stickstoffs durcli den Pflanzenboden 118 Humboldt-Akademie 14 Klub- u. Vereinsliaus-Aktienge.sellscli. 8 Lombroso, Studie ber den Hypno- tismus 174 Mannesmann'sches Elu'enwalzver- fahreu 31, 39 Naturgeschiclite des Verbrechers 81 Neues Mittel gegenKesselsteinbildiuig 103 Papiei'ertindung, Zur Geschiclite der 14 Pliotograpliische Aufnalime eines Eegenbogeus 150 Spencer's Ablehnung eines Eliren- doktorats 181 Spiritus, Denatui'irter 62 LXI, Versammlung deutscher Natur- forsclier und Aerzte zu Khi 1888 181 Zoologie. Dewitz, Aufgaben grosser zoolo- gischer Landesmuseen 158 G r i e s b a c h , ungebetene Gste unserer Tafel 90, 98 Kolbe, Aus dem Gesellschaftsleben der Ameisen 173 Ueber die Entwicklungsgeschichte der spanischen Fliege und anderer Blasenkfer 137 Mhrenthal, von, Wie benutzen die Zoologen die Einbettungswinkel . 199 Melsheimer, Abnorme Schnabel- bildung bei Vgeln 57 Nehring, Das Skelett eines weib- lichen Ur. (Bos primigenius) . . 130 Seite Neliring, Wolf und Htmd . ... 1 Peiter , Zwei seltene Gste des hohen Erzgebtrges 180 Schaff, Zum Seelenleben der Tiere 39 Schneider, Robert, Descendenz- frage und Urweltsforschimg . . 135 Staby, Das Schweben und Kreisen der Vgel 196 Alpenlmmergeier, Vorkommen des- selben 23 Bastard zwischen Wolf und Hund . 69 Biber an der Elbe 134 Byssusorgang derLamellibranchiaten 7 Gloake beim Hausscliwein .... 62 Coruiiirautischen in Japan .... 118 Fauna der Azoren 125 Giftige Fische der Marschall-Insebi . 157 Giftige Spinnen Russlands .... 45 Hausente mit Entevichgefieder . . 77 Kfei' auf Ulex europaeus .... 31 Kegelrobbe in der Gefangenscliaft . 54 Lebenszhigkeit unserer gemeinsten Ssswasserfisclie 125 Leuchtende Insekten ... .93, 103 Massenvertilgung von Vgeln ... 61 Miesmuscheln, giftige 55 Milben auf Nekropliorus germanicus 62 Missbildungen an niederen Tieren . 181 Moscliusochse , geographische Ver- breitung desselben 69 Nahrung des ;Maulwurfs 103 Parasiten in Hlinereiem .... 142 Physiologische Wirkung des Methaus und seiner Chlorderivate .... 142 Spargelfliege 126 Steppenhttliner in Deutschland . 69 Verein von Aquarien- u. Terrarien- Liebhabern 207 Vertreibung von Ameisen .... 207 Verwandschaft der Fllie .... 151 Wie stellt man Skelette dar . . . 205 Botanik. Ascherson, Der Farbeuwechsel des Saftmals in den Blten der Eoss- kastanie 129 C a m ]i b e 1 1 , Paraffin - Einbettungs- nietliode fr pflanzliclie Objekte 61 Frank, Ueber die Symbiose der Pfianzenwurzeln mit Pilzen . 3, 10, 76 Hennings, Ueber das Konservieren imd Prparieren fleischiger Hutpilze 20 Huth. die Verbreitung der Pflanzen durcli Meeresstrmungen .... 105 Klein, Eine neue Kraftquelle niederer Pflanzen 28 Seite Kohl, Arbeitsteihiiig und Geuossen- schaftsleben im Pflanzenreicli 153, 163. Ludwig, Die Feigen und ihreLiebes^ boten 113, 123, 159 Einige Notizen ber die Doppel-, natur der Flecliten 29 Potonie, Praktisclie Winke ber das Pflanzensammeln 52 Praktische Winke ber die An- legung eines Herbariums .... 188 Soll wendener, Rede zur Gedchtnis- ' feier Knig Friedricli Wilhebns III. in der Aula der Universitt Berlin am 3. August 1888 .... 177, 185 Algen auf den Haaren von Faultieren 103 Aufbewalirung von Pilzen .... 23 Bedeutung und Ursaclie des Honig- taues auf Laubblttern .... 176 Bezieluuigeu zwiselien Funktion und Lage des Zellkernes bei den Pflanzen 44 Dngung von Zimmer- und Garten- pflanzen 78 Ein neuer Flechtentypus .... 166 Entdecker der insektenfressenden Eigenscliaften der Pflanzen ... 39 Flora der egyptiscli-arabischen ^Vste 142 Generalversammlung der Deutschen botanischen Gesellschaft .... 199 Keimung von durch den Verdauungs- kanal gegangenen Samen . . . 190 Latliraea squamaria und Bartsia al- pina keine fleisclifresseude" Pflanzen 77 Pilze als Weinveredler 22 Eaphiden, Physiologisclie Bedeutung der 7 Sarracenia piu'purea 117 Ueber den Getreidekrebs . . . . 111 Unterschied zwischen Raps-, Rbsen-, Rben- imd Kolilsamen .... 198 Ursprung der baumlosen Grasprrien Nordamerikas 166 ^Veshalb reclmet man die Flechten jetzt zu den Pilzen? .... 55, 71 Mineralogie, Geologie und Palaeontologie. Berendt, Die Soolquelle im Admi- ralsgarteubad zu Berlin .... 9 Die sdliche baltische Endmorne des ehemaligen skandinavischen Eises in der Uckermark und Mecklenbiu-g-Strelitz 130 Frech, Ueber die Entstehung der Alpen 86 Ueber Eiszeiten in frheren geo- logischen Perioden 109 Seite Heim, Zur i'roiihezeiluuig der Erd- beben 193, 201 Krause, Anrel, Fossiles Eis . . 7, 23 Foto nie, lieber Stigmaria ... 74 W a li u s c h a t'fe , Die Entwicklung der Glazialtheorie in Nord- deutschland 4 lieber die Einwirkung des vom Winde getriebenen Sandes auf die an der Oberficbe liegenden Steine 145 Zimmermann, Zeclistein auf dem Kamm des Thringer Waldes und seine Bedeutung fr die Frage nacli dem Alter des Gebirges . . 65 Ammonit, Der grsste 46 Ausbreitungsgeschwindigkeit unter- h-discher Ersclitterungen ... 93 Bildung von Haarsilber . . . 134, 198 Diamant in einem Meteorstein . . 78 Fortptlanzungsgescliwindigkeit des Erdbebens bei Charlestone . . . 126 Gneiss mid Granit 14 Httinger Breccie 149 Internationaler Geologen-Kongress . 139 Kubine, Knstliche 22, 39 Physik. Dessau, Nene Phonographen. . . 116 Dreher, Das Beharrimgsgesetz . . 70 Gutzmer, Ueber die Klangfiguren quadratischer Platten .... 51, 95 Ueber einen Fernsprech- apparat 156 J r d a n . Die Wirksamkeit der dynamo- elektrischen Maschinen . . 107, 198 Apparat ti- Experimente bei hoher Temperatur in Gasen unter hohem Druck 118 Apparat zur Darstellung einfacher Schwingungen 14 Astatische Nadel, Eine neue Foi-m der 30 Ausbreitungsgeschwindigkeit des Sclialles 150 Ausntzung des Niagarafalles zur Elektricittserzeugung 46 Beobachtungen ber Hhe, Lnge und Geschwindigkeit der oceani- schen Wellen 205 Beziehungen zwischen der Elektricitt und dem Licht 174 Brechungsexponent der Metalle . . 7 Die Grsse der Sterne und das psycho- physische Grundgesetz .... 94 Durchgang des elektrischen Stromes durch Schwefel ...... 110 Eindringen des Lichts in das Wasser des Genfer Sees 69 Einuss der Intensitt des Lichts auf die Fortpflanzungsgeschwindigkeit desselben 8 Eiuuss der Temperatur auf die Magnetisierung des Eisens . . . HO Elektrische Erscheinung an Berg- kiystall und Glasgewichten . . 70 Elektricitt und Mathematik ... 70 Entstehungsgeschichte der Spektral- analyse HO Seite Hrte von Sletallen 30 Ist die Fortpflanzungsgeschwindigkeit des Lichtes von der Bewegung des Mittels, in welchem die Licht- scliwingungen vor sich gehen, ab- hngig'? 135 Konstitution der I>sungen .... 150 Leitungsfhigkeit des Vakuums fr Elektricitt HO Leitmigsvermgen beleuchteter Luft fr Elektricitt 30 Lichterscheinungen durch mecha- nische Einwirkung 175 Mathematisches Pendel 174 Messmig niedriger Temperaturen 204 Seefischerei mit elektrischem Licht . 23 Seismograph mit elektrischem Ee- gistrierapparat 30 Totah-eflexion, Eine neue Erschei- nung der 109 Ueber den infraroten Teil des Sonneu- spektrums 93 Versuche ber die elektrische Ab- stossung 198 Warum bleibt die von der Sonne ausgestrahlte Wrmemenge be- stndig dieselbe trotz des infolge der Strahlung stattfindenden Wrme- verlustes, den die Sonne erleidet? 166 Welches ist die geringste Lichtstrke, welche ein normales Auge noch wahrzunehmen vermag? .... 126 ^Virk^^Ilgen des elektrischen Stromes auf feine Wagen 134 Zerstuben glhender Metalle ... HO Mathematik. Schlegel, Ueber den sogenannten vierdimensioualen Eaum 41, 49, 58, 67 Schubert, Die Quadratur des Zii-kels 97 Die vermeintliche Herrschaft des goldenen Schnitts in Natur und Kunst .33 Astronomie. Albrecht, Einrichtung zur ffent- lichen Zeitregulierung . . . . 17, 25 Bestimmung der Bewegiuig von Sternen im Visiousradius ... 86 Das grsste astronomische Fei-nrohi- der Erde 46 Fixsternhimmel, Populrer Fhrer durch den 22 Helligkeitszunahme von i;" Argus . 198 Kalender, Astronomischer 8, 14, 22, 31, 46, 54, 62, 71, 78 Komet Sawerthal ... 22, 31, 62, 175 Mondfinsternis, Totale 14 Nachrichten vom Lyck-Observatory 167 Neuer Planet 31, 62, 71, 87 Ueber den neuen" Stern" im Schwan 167 Vernderlichkeit zweier Sterne . . 71 Vernderungen auf der Oberflche des Mars 135 A'ei-such, welcher die Axendi-ehung der Erde beweist 159, 207 Vomntersuchungen zur Herstellung photographischer Himmelskarten . 22 Seite Meteorologie. Bendt, Ueber die niedrigste Tempe- ratur der folgenden Nacht und die Mittel - Temperatur des knftigen Tages 68 Jordan, Unter welchen Umstnden und in welcher Weise geschieht die Bildung von Sclmeekrvstallen? 27 Less, die Erhaltungstendenz im Wittermigscharakter aufeinander- folgender Winter 8 Wagner, Das Aspirations-Thermo- meter 22 Polymeter 70 Wolken und Nebel 169 Abgeprellter Meteorit 167 Atmosplir.-optische Strung, Ueber die Entstehung und den Verlauf der 54 Beeinflussung der Eichtung von Ge- wittern durch Flsse und den Mond 119 Blitzableiterfrage 86 Donner und Blitz 46 Drehung der Windbahnen .... 93 Fhn luid Bora 181 Polarlichtes, Eine neue Erklrung des 62 Eegenverhltnisse der westlichen Staaten der Nordamerikanischen Union 62 Wetterprophet 23 Zur Vorausbestimmung der Tempe- ratur HO Chemie. Koppe, Ueber die Eaoult'sche Methode der Molekulargewichts- bestimmung 89 Bleikannuerprozesses, Theorie des . 38 Braunkohlenbildung in Dampfkesseln von Zuckerfabriken 167 Chlorstickstoffes, Zur Kenntnis des . 175 Knallgas-Explosion . 21 Langsame- Verbrennung organischer Substanzen 126 Liebreich's toter Eaum" .... 78 Saccharin 29 Theophyllin 166 Umwandlung von Hyoscyamin in Atropiu 109 Ursprung der chemischen Grundstoffe 38 Zur Kenntnis des Frbnugsvorganges 118 Geographie. Beschaffenheit der algierischen Sahara 204 Bestimmung der geographischen Lnge und Breite der Schneekoppe 7 Deutscher Geographentag .... 8 Hilfsmittel fr den geographischen Unterricht 14 Miclucho Maclay 151 Eeise nach dem Janalande und den neusibh'ischen Inseln .... 4.5, 71 Eio Xing, Erforschung des . . . 108 Medizin, Hygiene und Verwandtes. Bischoff, Arsen in Bierkouleur . 8 Gutzmer, Eine pathologische Wirkung des elektrischen Lichts 115 38812 Seite N u s s b a u m , Krperliche imd geisti ge Arbeit im leichgewiclit .... 12 Schmitz, Wirkuugsart der krauk- heiterregeiideu Mikroorganismen im tierischen Krper 148 British niedical association .... 151 Deutscher Aerztetag 199 Deutscher \'erein fr ffentliclie Ge- sundlieitspflege 190 Einuss der Genussmittel auf die Magenverdauuug 134 Einwirkung von Gasen auf den Organismus 93 Gesundheitssclidlichkeit melu-erer hygienisch und teclmiscli wichtiger Gase und Dmpfe 134 Giftigkeit der mensclilicheu Aus- dnstung 166 Kongress fr innere Medizin ... 14 Krankljeitskeim des gelben Fiebers und Schutzimpfung gegen dasselbe 85 Medizinalbeamtenverein, Preussisclier 205 phtlialmologischer Kongress . . . 151 Tuberkulose-Kongi-ess 135 Seite Vermeintliclie Giftigkeit der ver- nickelten Gebrauchsgegenstnde 181 Litteratur und Bcherschau. Beetz, Leitfaden der Physik . . . 143 Claus, Lamarck als Begrnder der Descendenzlehre 151 Der kleine Pilzsammler 167 Engler und Prantl, Die natrlichen Ptlanzenfamilien 78 Fritsch, Allgemeine Geologie . . 55 Gizycki, Autoritten 206 Hlzel, Geograpliische Cliarakter- bilder 23 Jordan, Goethe und noch immer kein Ende 190 Kerner, Pauzenleben 119 Nussbaum, Neue Heilmittel fr Nerven 95 Potonie, Elemente der Botanik . 87 Remseu, Einleitung in das Studium der Chemie 8 Riese, Wolinungsgrtnerei . . . 207 Runge, Die Mineralogie in Schule und Haus 111 Seite Schaff, Leitfitden der Zoologie fr Studierende der Naturwissenschaf- ten und der Medizin 103 Schubert, Pflanzenkunde fr hhere Mdchenschulen und Lehrerinnen- seminare 63 Schwalbe, Griech. Elementarbuch 47 Urbanitzky, von, Elektricitt des Himmels und der Erde ... 39, 199 V ihn or in ' s Illustrierte Blumengrt- nerei. II.Autl. Ergnzungsband, Die Neuheiten des letzten Jahrzehnts 176 Weiss, Die Sigillarien der Preus- sischen Steinkohlengebiete . . . 135 Wittwer, Grundzge der Molekular- physik u. d. matlieraatischenCliemie 31 Die thermischen Verhltnisse der Gase mit besonderer Bercksichti- gung der Kohlensure 31 Zenker, Die Verteilung der Wrme auf der Erdoberflche 159 Bcherscliau 23, 31, 47, 55, 63, 71, 79, 87, 95, 103, 111, 127, 136, 143, 152, 159, 167, 176, 183, 191, 199, 207. v^ ujCI^-IB Verlag von Riemann & Mller, Berlin SW. 48, Priedricli-Strasse 226. IL Band. Sonntag, den 1. April 1888. Nr. 1. - Abonnement: Mau abonniert bei allen Buclihaudlungen und Post- ^ Inserate: Die _ viergespaltene Petitzeile 30 4. Grssere Auftrge anstalteu, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist M 2. ; elp entsprechenden Rabatt. Beilagen nacli ebereinkunft. Inseraten- Bringegeld bei der Post 15 -j extra. Jl annhme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. Abdruck ist nnr mit vollstndiger ttHellenanoabe gestattet. Inhalt: Pml'. Dr. A. Neliring: Wolf und lUiiiJ. Prof. Dr. B. Frank: Uelier die Symbiose der Pflanzenwurzeln mit Pilzen. (Mit Abbild.). Dr. F. Wahn schaffe: Die Eutwickelung der Glacialtheorie in Norddeutschland. (Mit Abbild.). Kleinere Mit- teilungen: Fossiles Eis. Ueber da.s Byssusorgan der Lamellibranchiaten. Die physiologische Bedeutung der Raphiden. Ueber die Brechungsexponenten der Metalle. Bestimmung der geographischen Lnge und Breite der Schneekoppe. Astronomischer Kalender. Die Erhaltnngstendenz im Witterungscharakter aufeinander folgender Winter. Arsen in Biercouleur. Deutscher Geographentag. CUib- und Vereinshaus-Aktien- Gesellschaft". Fragen und Antworten: Fortpflanzungsgeschwindigkeit des Lichtes. LItteratur: Ira Remsen; Einleitung in das Studium der Chemie. Briefkasten. Inserate. Wolf und Hund. Von Prof. Dr. A. Nehring. Ueber die Abstammung der Haushunde und ber ihr Verhltni.s zu den Wlfen und Schalialen ist schon sehr viel geschiieben und gestiitten worden. Viele namhafte Autoi-en betrachten den Haushund mit Linne als eine besondere zoologische Species (Canis familiaris), andere nehmen fr die verschiedenen Gruppen von Hunderassen verschiedene fossile Stammarten an, welche schon im Diluvium als wilde Arten ausgestorben sein sollen, andere betrachten die noch jetzt lebenden Wlfe und Schakale oder doch gewisse Arten derselben als die Stammvter der Haushunde. Manche Autoren glauben auch die Fchse als Stammvter gewisser Rassen mit in Rechnung ziehen zu mssen. Langjhrige Studien an reichem Materiale haben mich zu der Ueberzeugung gebracht, dass Wolf und Schakal oder genauer gesagt: mehrere der noch jetzt lebenden Wolfs- und Schakal-Arten als die Stammvter der Haushunde zu beti'achten sind. Selbstverstndlich filUt die Domesticierung der betreffenden Wlfe und Schakale in eine weit entlegene Vorzeit*), und nur selten wird heutzutage gelegentlich eine direkte, selbstndige Domesticierung junger Wlfe und Schakale ausgefhi-t. *) Also genau genommen betrachte ich die diluvialen und altalluvialen Vorfahren der heutigen Wlfe und Schakale als die Stammvter der Haushunde. Dass die Zhmung und Abrichtung junger Schakale keine besonderen Schwierigkeiten bietet, steht fest; aber auch mit jungen Wlfen hat man noch krzlich manche erfolgreiche Versuche gemacht. Abgesehen von den dressierten Wlfen, welche vor wenigen Jahren hier in Berlin dem grossen Publikum vorgefhrt wurden und welche thatschlich einen hohen Grad von Zhmung resp. Ablichtung zeigten, sind mir mehrere sonstige Flle bekannt geworden. Besonders interessant erscheint in dieser Hinsicht eine Mitteilung von C. Ronge, welche krzlich unter der Ueberschrift : Zhmbarkeit der Wlfe" in Hugo's Jagd-Zeitung, 1887, Nr. 8, S. 243245 ver- ffentlicht wurde. Heir Ronge schildert in sehr an- sprechender, anschaulicl;er Weise, wie er einen jungen Wolf aufgezogen und derart gezhmt hat, dass er ihm folgte, wie ein Haushund. Wir knnen hier die sogenannte Hundefrage", d. h. die Frage nach der Herkunft der Hunde-Rassen, nicht nher verfolgen; wir woUen nui' die vielfach angefhrten und als specifisch betrachteten TJntei'schiede zwischen den Wlfen und den grsseren Haushunden ein wenig ins Auge fassen. Blasius sagt in seiner Naturgeschichte der Suge- tiere Deutschlands: Will man den Haushund als Art von den brigen Wlfen ti'ennen, so giebt es auch noch Natiu wissenscliaftliche Woclienschrift. Nr. l. kein besseres Kennzeichen, als das des links gekrmmten Schwanzes der lakonischen Diagnose Linnes: C. cauda sinistrorsum recurvata." Ist diese Schwanzlialtung wirklich ein specifischer Unterschied zwischen Hund und Wolf? Durchaus niciit. Denn erstens giebt es zahlreiche Haushunde, welche den Schwanz fin- gewhnlich abwrts hngen lassen und ihn nur im Affekt aufwrts krmmen, zweitens tragen ihn viele Hunde nicht nach links, sondern nach rechts ge- ki'ramt, und drittens gewhnen sich fast alle Wlfe, welche in der Gefangenschaft aufwachsen und lange Jahre mit Menschen verkehren, das Wedeln und Auf- wrtskrmmen des Schwanzes an. Ich habe letzteres bei den meisten Wlfen, welche in Menagerien oder zoolo- gischen Grten aufgewachsen waren, beobachtet, nament- lich dann, wenn ihr Wrter mit ihnen sprach. Ein alter Wolf, welcher fnfzehn Jahre im Berliner zoologischen Garten gelebt hat und von mir Jahre lang beobachtet worden ist, trug den Schwanz fast immer nach links aufwrts gekrmmt. Eine noch jetzt im hiesigen Garten vorhandene Wlfin, welch schon ber sieben Jahre in Gefangenschaft lebt, richtet regelmssig den Schwanz auf und wedelt mit ihm, wenn der Wrter oder ein ihr sonst Bekannter sie freundlich anspiicht. Dasselbe berichtet Professor Landois von den Wlfen des zoologischen Gartens in Mnster. Wo bleibt da der specifische Unterschied in der Haltung des Schwanzes? Ebenso hinfllig erscheinen die brigen Differenzen zwischen den Wlfen und den grsseren Hunderassen, namentlich, wenn man nicht nur den Lupus vulgaris von Europa, sondern auch die zierhcheren, schwchei'en Arten resp. Lokalrassen, wie Lupus pallipes (den indischen Wolf), Lupus japonicus (den Wolf von Nippon), Lupus mexicanus (eine kleinere Variett des Lupus occidentalis), Canis latrans (den Prairiewolfj, C. anthus etc. zum Ver- gleich heranzieht, und wenn man vor allem die tief- eingreifenden Wh-kungen einer Jahrtausende whrenden Domestication bercksichtigt. Es ist vollkommen richtig, dass bei den Haushunden das Gebiss durchweg schwcher und namentlich die so- genannten Reisszhne (Sectorii) kleiner sind, als bei Wlfen gleicher Grsse; ebenso weicht die Schdelform bei manchen Hunderassen (z. B. beim Bulldog) wesentlicli von derjenigen der Wlfe (und Schakale) ab. Ich habe aber vor einigen Jahren nachgewiesen, dass diese Ab- weichungen sich auf die AVirkungen der Domestication (Beschrnkung der Freiheit, veinderte Nahrung, Inzucht etc.) zuickfhren lassen, da die in der Gefangenschaft geborenen und aufgewachsenen Wlfe meist eine deut- liche Verkleinerung der Reisszhne und nicht selten auch Abweichungen in der Form des Schdels, wie z. B. ein gewisses Uebergreifen des Unterkiefers ber den Ober- kiefer zeigen. Auch felilt nicht selten der vorderste oder der letzte Backenzahn im Gebiss solcher, in der Gefangen- schaft geborener Wlfe, was ausnahmsweise auch wohl bei freilebenden Exemplai'en vorkommt, bei Haushunden aber relativ hufig beobachtet wird. Wenn man ferner die grssere Lnge des Darm- kanals als ein wichtiges Merkmal der Haushunde gegen- ber den Wlfen angefhrt hat, so kann ich auch diesen Unterschied nicht als specifisch betrachten. Die grssere Lnge des Darml^-anals bei den Haushunden gegenber den freilebenden Wlfen erklrt sich ebenso, wie die gi'sseie Darmlnge der Hauskatzen im Vergleich mit den Wildkatzen, der Hausschweine im Vergleich mit den Wildschweinen ; sie ist lediglich eine Folge der mehr oder weniger vorwiegenden vegetabilischen Nahrung bei den genannten Haustieren gegenber der fast ausschliess- lichen Fleischnalu'ung bei Wolf und Wildkatze, beziehungs- weise der lelativ stark in Betracht kommenden animaschen Kost des Wildschweins. Landois glaubt in der unersttlichen Fressgier und in dem hastigen Hinabschlingen der Nahrung einen charak- teristischen Unterschied zwischen Wolf und Hund gefun- den zu haben. Ich kann aber auf diesen Punkt kein besonderes Gewicht legen; die Art des Fressens ist im wesentlichen Sache der Gewhnung, des Temperaments, der Besorgnis vor neidischen Konkurrenten und der- gleichen. Ich besass frher einen Hund, der seine Nahrung stets, auch ohne starken Hunger zu haben, mit wahrer Wolfsgier verschlang, obgleich ihm Niemand die- selbe streitig machte; anderseits habe ich gefangene Wlfe beobachtet, welche ohne Hast mit aller Gemch- lichkeit ihr tgliches Futter verzehrten. Da nun ferner beobaclitet ist, dass sich Wlfe mit grsseren Hunden fruchtbni- vermischen, und auch die Bastarde sich durchweg wieder fortpflanzungsfhig er- weisen, so bestellen meines Erachtens keine anderen Unterschiede zwischen den oben genannten Wolfsarten und den gi'sseren Hunderassen, als solche, welche dui'ch langdaueinde Domestication unter vielfacher Kreuzung der entstandenen oder absichtlich produzierten Rassen hervorgebracht sind. Dass bei dem Zustandekommen der zahlreichen, mannigfaltigen Hunderassen, welche wir bei den Cultur- vlkern finden, Liebhaberei und Spoit neben den prak- tischen Bedrfnissen eine Hauptrolle gespielt haben, ist unverkennbar. Die Naturvlker, welche auf der Stufe des Jger- oder Hirtenlebens verblieben sind, haben sich im Allgemeinen mit ihren primitiven wolfs- oder schakal- hnlichen Hunden begngt und sich nicht bemht, die- selben umzumodeln. Ich schliesse meine Betrachtung mit dem Ausspruche Cardaus: ,, Lupi cicures post multas generationes in Canes transeuut." Nr. 1. Natufwissenschaftliclic^ Wodiensclnift. Ueber die Symbiose der Pflanzenwurzeln mit Pilzen. Von Professor Vor drei Jahren liabe icli nachgewiesen, dass ganz allgemein die Wurzeln unserer wichtigsten Waklbume eine wesentlich andere Organisation besitzen als die ge- whnlichen Wurzeln der anderen Pflanzen, indem sie regelmssig mit einem Pilz vergesellschaftet sind, welcher wie ein lckenloser Mantel die ganze Obeiflche der Saugwurzel bis zu deren Spitze nicht nur berzieht, sondern dabei auch in fester organischer "Verwachsung mit der Wurzel sich befindet. Die letztere ist daher hier auch kein einfaches, nur der Pflanze angehi'iges Organ, sondern ein aus zwei heterogenen Wesen zusammen- gesetztes Gebilde, dem ich deshalb den Namen Pilz- wurzel oder Mykorhiza gegeben habe. Genauere Untersuchung berzeugt uns, dass hier Pilz und Wurzel ein gemeinsames Ganze bilden, dass sie in gegenseitiger Abhngigkeit zusammen leben und zusammen weiter wachsen und augenscheinlich auch gemeinsame Punktionen ausben. Es ist also einer der in anderen Formen schon bekannten Flle von Symbiose zweier heterogenen Lebe- wesen. In welcher Weise hier die beiden Symbionten, die Baumwurzel und der Pilz, vereinigt sind und mit- einander loben, soll in nachstehendem beschrieben werden. Es ist bekannt, wie die gewhnlichen unverpilzten Pflanzenwurzeln gebaut sind: ihre usserste von der Wurzelhaube bedeckte Spitze ist aus lauter in Vermeh- rung begriffenen Zellen zusammengesetzt und bewirkt daher lediglich das weitere Lngenwachstum der Wurzel. Die rckwrts von der Wurzelspitze liegenden Partieen der Wurzel sind oberflchlich mit zahllosen Haarbildungen, den Wurzclhaaren, bekleidet, welche hauptschlich die Nahrungsstoft'e aus dem Erdboden in gelster Form auf- saugen. Pei der Mykorhiza dagegen ist die ganze Oberflche von einem dichten Pilzgewebe eingehllt, welches, eben weil es die Oberflche einnimmt, auch allein die Ueber- tragung der Nahrung in die Wurzel vermitteln muss, so dass die letztere dafr auch ihre eigenen Aufnahme- organe gar nicht ausbildet; denn die Mykorhiza ist vllig ohne WurzeUiaare, die sich unter dem dichten und fest angewachsenen Pilzmantel auch nicht wrden bilden knnen. Auch gestaltlich erscheinen die Mykorhizen ab- weichend von den gewhnlichen Pflanzenwurzeln, indem sie bei einer verhltnismssig dicken und kurzen Gestalt eine hohe Neigung zur Verzweigung zeigen, so dass sie mehr oder weniger korallenfrmig oder bschelfrmig aussehen. Fig. 1 unten. AVenn wir diese Gebilde strkerer Vergrsse- rnng unterwerfen, so sehen wir ihre ganze Obeiflche von einer verworrenen, filzigen oder feinzelligen Masse gebildet, Fig. 1 oben, die bei genauerer Betiachtung von pilzlicher Natur sich erweist, d. h. aus Pilzfden besteht, die ent- weder so verwoben sind, dass man ihre Fadenstruktur noch unterscheiden kann, oder auch so innig sich zwischen- Dr. B. Frank. einander pressen, dass ein sogenanntes Pseudoparenchym entsteht, in welchem man den Verlauf der Fden nicht mehr verfolgen kann. Eine gengende Vorstellung von dem Ganzen gewinnen wir erst, wenn die Mykorhiza im Lngs- durchschnitte betrachtet wii'd. Fig. 2, links. Man unter- scheidet innerlich den Wurzelkrper, welcher, wenn man von dem Fehlen dei- Wurzelhaare absieht, in der Haupt- sache einer gewhnlichen Wurzel gleich gebaut ist. Aus- Fig. L Onten : Wurzelstck mit Mykorhizen. NatrUclie Grsse. Oben: Spize einer Mykorhiza. 146fach vergrssert. Fig. 2. Links: Lngsschnitt durch die Spitze einer Mykorhiza von Hainbuche. p Pilzmantel, r Kinde, f Fibrovasalstrang. 240facli vergrssert. Rechts: Stck eines Lngsschnittes durch einen lteren Teil derselben Mykorhiza. p Pilzmantel. e Epidermis, darunter Itindezellen. 240 fach vergrssert. wendig geht ringsherum eine bald dickere, bald dnnere kon- tinuierliche Lage des Pilzgewebes, welche auch nicht einen Punkt der Wurzel frei lsst. Die Oberflche dieses Pilz- mantels ist manchmal ziemlich glatt, hufiger gehen zahlreiche seiner Fden in freiem Verlaufe weit in die umgebende Bodenmasse hinein, so dass die Mykorhiza oft eine dichte Naturwissenschaftliche Woclipn^;cliiift. Nr. 1. faserige Belileidung zeigt. Bei genauerer Verfolgung sieht man, dass diese Pilzfaden wie gewhnliche Pilz- mycelien die umgebenden Bodenteilchen, den Humus, besonders allerhand verwesende Pflanzenreste, wie Laub, Zweigstckciien etc., offenbar um aus ihnen Nlustofte zu holen, durchwucliern. Fig. 3. Sie sind also die nahrung- aufuehraenden Organe des Pilzmantels und veitreten da- her geradezu die fehlenden Wurzelhaare. Sogar darin sind sie den letzteren hnlich, dass man sie vielfach mit Brd- oder Humusteilchen verwachsen findet und dass sie Fig. 3. StcU-Humus mit My- korlzcn iind von diesen ausgeliendeii Mycel- strngen, die sicli im Humus verbreiten. Natrliche Grsse. daselbst anschwellend diese Teilchen mclii' odei- minder umwachsen. Andi'isolts berzeugen wii' uns aber auch, dass zwischen dem l'ilzinantel und dem Wurzelkern eine innige Vei'einignng besteht. Denn die Pilzfden diingen auch zwischen die luei' besondei's weiten Epideiraiszellen ein und umsiiinnenrtieselben ziemlich allseitig, Fig. 2, rechts. Durch diese Einriclitungen ist oltenbar ein iebliaftei- Stoif- austauseh zwischen Pilz und W'uizel ermglicht. Beide Teile, Wurzel und Pilz, wachsen auch Schritt haltend miteinander foi't: denn auch die ussei'ste die Verlnge- rung des Wui'zelkrpers liewirkende Wurzelspitze ist . von dem IMlzmantel umzogen; aber der letzteie ist an dieser Stelle auch wachstumsfhig, d. h. aus jngeren in lebhafte!' Veimehrung begrilfenen Fden zusammen- gesetzt. El' dehnt sich hiei' also in -dem Maasse mit weiter aus, als der wachsende Wurzelkei'n es verlangt. So kann sich die wachsende Wurzel nicht aus dem Pilzmantel befreien, beide wachsen zusammen gleichsam wie ein einheitliches Organ, und auch durch diese That- sache erweisen sich beide Symbionten als Teile eines hheren Ganzen. (Schluss folgt.) Die Entwickelung der Glacialtheorie in Norddeutschland. Von Dr. F. Wahnschaffe. Kol. Laiidesgeologe und Privatdocent an der Universitt Berlin. Die lockeren Ablagerungen von Gebirgsschutt, welche das norddeutsche Flachland bedecken, wurden in den ersten Anfngen der geologischen Wissenschaft nm- wenig beachtet. Man hielt sie fr Abstze einer grossen katastro phonartig hereingebrochenen Flut, welche man meist mit der biblischen Sintflut in Zusammenhang brachte. Aus dieser Zeit stammt die Bezeichnung Diluvium fr das sogenannte aufgeschwemmte Land". Die erratischen Blcke (AVanderblcke. Find- linge), jenes bunte Gemisch von Trmmern der verschieden- artigsten Felsarten, welche im ganzen norddeutschen Flachlande verbreitet sind, lenkten zuerst die Aufmerk- samkeit auf sich und gaben Veranlassung zu vielfachen Hypothesen ber ihre Herkunft. Obwohl einzelne Forscher schon sehr frh zu der Erkenntnis gelangt waren, dass die Hauptmasse dieser Blcke und Gerolle" aus Skan- dinavien und den brigen baltischen Gebieten zu uns gelangt sein msse, hat es doch noch langer Zeit be- dui'ft, bis diese ^''liatsache allgemeine Anei'kenniuig fand. Wir begegnen im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts noch zwei andei'en Ansichten, welche sich Geltung zu verschafien wussten. Nach der einen sollten die Blcke sdlicher Herkunft sein und von den deutschen Mittel- gebii'gen stammen, whrend sie nach der anderen Trmmer der im Unteigiunde Norddeutschlands vermuteten an- stehenden Gesteine waren, folglich einheimischen Ur- sprunges htten sein mssen. Diese zweite Auffassung wurde in betreff der versteinerungsfhienden Geschiebe noch um die Mitte dieses Jahrhunderts mit vielem Eifer von E. Bell vertreten, nachdem auch Klden, der un- ermdliche Durchforscher der Mark Brandenbung, 1834 ei'klrt hatte, dass die Fiage nach dem Vaterlande der Geschiebe der Lsung feinei' denn je sei und dass Schweden unmglich als die Geburtssttte unserer Pe- trefakten betrachtet werden knne. Gleichzeitig mit der Frage nach der Heimat der Geschiebe beschftigte man sich auch mit der Art und Weise ihres Transportes und dieser Punkt musste haupt- schlich fi' die Vorkmpfer der Ansicht von der nor- dischen Herkunft der Findlinge von Wichtigkeit sein. Die meisten der hier in Betracht zu ziehenden lteren Hypothesen kommen darauf hinaus, dass die Geschiebe durch eine grosse gewaltsame Flut oder durch Treibeis zu uns gebracht wurden. Bereits im .Jahre 1775 war Hauptmann v. Arenswald, welcher den ver-steinerungs- fhrenden Geschieben in Pommern und Mecklenbui'g grosse Aufmerksamkeit gewidmet hatte, durch Reisen in die das Diluvialgebiet umgrenzenden Lnder zu dei' Auf- fassung gelangt, dass die Versteinei'ungen eine grosse Aehnlichkeit mit s c h w e d i s c h e n Vorkommnissen besssen. Er leitete daraus den zu damaliger Zeit leider zu wenig beachteten Schluss ab, dass ein grosser Teil unserer Ge- schiebe durch eine Flut in Schweden losgebrochen und zu uns herbergefhrt worden sei. G. A. v. Winter feld wies im Jahre 1790 in einem Aufsatze vom Vater- lande des mecklenburgischen Granitgesteines" darauf hin, dass der nchste anstehende Granit in Schweden zu finden sei und dass der Blocktransport bei einer allge- meinen Meeresbedeckung durch Treibeis stattgefunden habe. Wie weit jedoch die Anschauungen auseinander gingen, beweist ein von dem Berhner Gelehrten Silber- schlag im Jahre 1780 verffentlichtes Buch, in welchem Xr. l. isatiu'wissenschauiiche Wochensclirift. derselbe ausflulicli darzulegen suchte, dass die erratischen Blocke samt dem nordischen Sande durch vulkanische Krfic aus grossen Kratern, welciie er in den kesscl- a;rg-en IMuhlen unseier Diluvialplateaus zu erkennen glaubte, hervoigeschleudert worden seien. Und noch im Jalire 1846 kommt der um die Geognosie der deutschen O-stseelndei' sehr verdiente E. Boll iiuf hnliche An- sichten zurck, nur dass er den Herd der vulkanischen Thtigkeit nach Skandinavien verlegte. Bei dem daselbst stattgehabten Durchbrach der Gianite soll sich ein Regen vulkanischer Bomben im weiten Kreise ber die luii- liegenden Lnder verbreitet haben. Ais hervorragende Vertreter der Fluttheorie bei d'T ^"elfrachtung des nordischen Materials mssen wir noch L. V. Buch (ISll) und den schwedischen Geologen Sef strm (183G) erwhnen. Letzterer nahm eine grosse Rollst einsflut an, welche sich ber Skandinavien und Norddeutschland fortwlzte und diu-ch die mitgefhrten Steine die Schrammung auf dem Felsuntergrunde her- voig-erufen haben sollte. Dui-ch Lyell, der die geologischen Vorgnge ihres katastrophenartigen Charakters entkleidete, indem er zeigte, dass die Krfte, welche noch heute wirksam sind, auch in frheren Erdperioden thtig waren und nur dui'ch die Lnge der Zeit grosse geologische Veinderungen hervorriefen, ist auch die erwhnte Fluttheorie fr immer beseitigt worden. Nachdem durch die Glacialforschung in den Alpen, namentlich durch die Untersuchungen von Agassiz, die Lehre von der Eiszeit begrndet w'orden war, iand die von Lyell zuerst 18.35 aufgestellte und spter weiter ausgefhrte Drifttheorie immer mehr An- hnger. Was insonderheit das norddeutsche Flachland betriift, so nahm Lyell eine allgemeine Meeresbedeckung desselben bis zum Nordrande der deutschen Mittelgebirge an, whrend zu gleicher Zeit Skandinavien von mchtigen Gletschern bedeckt war, die in dieses Meer ausliefen. Auf dem Rcken der von den Gletschern sich ablsen- den Eisberge sollte das nordische Material nach Nord- deutschland transjiortiert und bei der Strandung und Ab- schmelzung derErsteren abgelagert worden sein. Infolge der Autoritt, welche Lyell wegen seiner grossen Ver- dienste um die geologische Wissenschaft besass, gelangte seine Drifttheorie bald zu unbedingter Herrschaft, und sie hat mehrere Jahizehnte hindurch alle im norddeutschen Flachland ausgefhrten Forschungen beeinflusst. Diese Theorie, welche die ganzen Diluvialbildungen Nord- deutschlands, gleichgltig ob dieselben aus Geschiebe- meigeln, Sanden oder Thonen bestanden, als durch den Treibeistransport veimittelte Abstze des Diluvial- meeres ansah, hatte schliesslich einen gewissen Grad von Starrheit angenommen, sodass auf dieser Grundlage kein weiterer Fortschritt in der Entwickelung der Quartr- geologie mehr mglich war. Vom .Jahre 1875 an vollzog sich jedoch ein bedeut- samer Umschwung. Eine neue Theorie, die Gletscher- oder Glacialtheorie, die von Schweden aus zu uns herberkam, hat usserst befruchtend auf alle Forschungen im norddeutschen Diluvium eingewirkt und es sind so viel l'.eweise fr die Richtigkeit derselben erbracht worden, dass wir die ehemalige Vereisung Norddeutschlands gegen- wrtig als eine feststehende geologische Tliatsache be- trachten knnen. Dem schwedischen Geologen Otto Torell gebhrt das grosse Vei'dienst, diese Auffassung zuerst in Deutschland ausgesprochen und begrndet zu haben. Allerdings hat er in dem dent>clien Foischer Bei'uhardi bereits einen Vorlufer besessen, doch blieben die schon im Jahre 1832 geusserten Ansichten d^s Letzteren vollstndig unbeachtet und unbekannt. Gesttzt auf reiche Erfahrungen, die sich Torell durch ein eingehendes Studium der skandinavischen Glacial- bildungen, sowie auf grossen Reisen nach Sjiitzbergen, Grnland, Nordamerika und den Alpen erworben, halte er schon lange die Vermutung gehegt, dass Norddeutsch- land von Skandinavien aus mit Landeis berzogen w'orden sei, welches die Scluittmassen seines Ausgangs- gebietes im norddeutsdien Flachlande als Grundmorne verbreitete. Diese Grundmoine stellt eine scliichtungs- lose, lehmig-sandige Masse dar, in der die nordischen "'~<- Blcke, welche bei :55j ihrer Fortbewegung ^ ilui'ch das Eis hufig ' * mit Schrammen und , :. Kritzen versehen wurden, eingebettet sind. Fig. 1 zeigt ein derartiges Ge- schiebe. Die kanten- gerundete Form die- __^^^^^^^ ses silurischen, dem tm.n i\ti, Geschiebemergel " Fig. 1. von Hohenw^ai'the an der Elbe entstammenden Blockes ist fr die Diluvial- geschiebe charakteristisch und beweist, dass sie nicht durch Wasser transportiert sein knnen, denn dieses ist stets bestrebt, die Steine bei der Fortbewegung gleich- massig abzurunden. War die Annahme Torell's richtig, so mussto an den Punkten, wo sich fester Felsuntergrund in Nord- deutschland fand, eine Schrammung durch die unter dem Eise transiiortierten Gesteinstrmmer hervorgerufen sein. Dieser Nachweis wurde von ihm 1875 durch die Auf- findung von typischen Gletscherschrammen auf den Schichtenkpfen des Rdersdorfer Muschelkalkes gefhrt, und unter Vorlegung dieser Beweisstcke trug er an dem- selben Tage seine Ansichten in der Novembersitzung der deutschen geologischen Gesellschaft vor. Die beigegebene Abbildung Fig. 2 stellt ein Stck dieses in ost-westlicher Richtung geschrammten Muschelkalkes dar. Von deutschen Gelehrten waren es in der ersten Zeit besonders Berendt, Herm. Credner, Dames, Ortli und Penck, welche die Bedeutung der neuen Theorie erkannten, und wir woUen nicht unerwhnt lassen, dass Professor Dames Natunvissersc'Iiaftliche Woelienseliiift. Nr. 1. zuerst auf deutsclien Hochschulen die neue Lehre vor- getragen liat. w. ^ 0. /0!J!^>.>S''5i5;'''*"^**''^^?^^ Nachdem durch Torell die Anregung gegeben war, meinten sich seit 1879 schnell die Beweise fr die Richtig- keit seiner Ansichten. Zunchst war es Herrn. Credner, welcher durch eine Reihe wich- tiger Arbeiten ber die Diluvialbildungen Sachsens die Giacial- tlieorie wesentlich ge- frdert hat. Er zeigte, dass die von ihm und Penck auf den Por- phyrkuppen bei Leipzig, spter auch an anderen Punkten Sachsens von Dathe, Dalmer und Herrmann nachge- wiesenen Schliffe nur durch das Voircken des Landeises und sei- ner Grundmorne her- vorgerufen sein konn- ten. Er hob die Wichtig- keit der gekiitzten ein- heimischen Geschiebe hervor, welche sich nur durch eine Vereisung Norddeutschlands erklren lassen, beschiieb Schichten- strungen im Untergrunde des Gescliiebelehmes, die dui'ch den Druck der sich fortbewegenden Eismassen verursacht wurden und brachte den Geschiebetrans- port der dem schsischen Unteigrunde entstammenden Gesteinsbruchstcke in Beziehung zu den Schrammen- richtungen auf anstellendem Gestein. Ausser diesen Untersuchungen Credner's brachten die nchsten Jahre noch mehrere Arbeiten, die fr die Fortentwickelung dei' Glacialtheorie von Bedeutung waren. Fi.?. In dem Gletschertheorie oder Drifitheorie in Nord- deutschland?" betitelten Aufsatze surlite Berendt eine Vermittlung zwischen jenen beiden Theorien anzubahnen, whrend Heiland, Penck und Dames die Bildungen des norddeutschen Flachlandes mit den glacialen Ab- lagerungen Skandinaviens verglichen und aus der voll- kommenen Uebereinstimmung derselben eine gleichartige Entstehung folgerten. Angeregt durch die Untersuchungen, welche der Verfasser im Herbst 1880 mit Torell und De Geer in Rdersdorf ausfhrte und welche namentlich eine genaue Feststellung der Schrammenrichtungeu bezweckten, begab er sich nach dem bei Oebisfelde gelegenen braun- schweigischen Orte Velpke, um den daselbst im Abbau befindlichen Bonebed-Sandstein auf Glacialerscheinungen zu untersuchen. Es gelang ihm aucli alsbald, in ver- schiedenen Steinbrchen eine deutliciie G 1 a c i a 1 - schrammung nachzuweisen, welche nach Abdeckung des Geschiebelehms berall auf den Schichtoberflehen hervortrat und sich auf zwei Sj'steme zurckfhren Hess. Eine durch den gewal- tigen Druck des sich vorschiebenden Eises hervoi'gerufene Erschei- nung zeigte sich hier besonders deutlich in dt'r Bildung der Lokal- raoruen. Fig. 3 stellt dieselbe aus einem bei Danndorf unweitVelpke gelegenen Steinbruche dar. Man sieht zu Unterst den regelmssig abge- lagerten dunbnkigen Sandstein und darber ein wirres Haufwerk von Trmmern des- selben, welche fest in- einander gepresst sind. Unter ihnen kommen zerstreut einzelne nor- dische Geschiebe vor. Eins derselben, welches absichtlich in der nach einer Photographie her- gestellten Zeichnung schwarz gegeben ist, war zwischen die noch ungestrten Schichten fest eingekeilt. Derartige Lokalmornen, verbun- den mit Schichtenstiungen, sind vom Verfasser spter auch von Rdersdorf und Gonimern beschrieben worden. An letztgenanntem, sdstlich von Magdeburg gelegenen Orte fand derselbe ausserdem deutliche Gletschersclu-ammen auf. Solche fr die vormalige Vereisung Norddeutschlands hauptschlich beweisende Glacialschrammen wurden ausser den schon erwhnten Fundorten noch bei Landsberg unweit Halle a. S. durch Luddecke, bei Osnabrck Nr. 1. Natui wissenschaftliche Wochensclirift. diiirli Hamm, auf den Sciitarien des Hermsdorfcr Sep- tariontliones bei Berlin durch Lufer und ebenfalls auf einer Septarie bei Joachinistal durch Berendt nach- gewiesen. Die g-enaue Durchforschung des norddeutschen Flach- landes von Seiten der geologischen Landesanstalt hat er- geben, dass die frher von Lyell angeuonnnene allgemeine Meeresbedeckung sich nicht besttigt hat, denn abgesehen von einzelnen Gebieten in der Nhe der OstseekUste, wo Berendt, Jentzsch, Schrder u. A. eine marine Fauna nachgewiesen haben, sind in den sogenannten prglacialen, unter den Grundmornen liegenden Ab- lagerungen ausschliesslich Reste von Pflanzen und Tieren gefunden worden, Avelche das Land und die sssen Gewsser bewohnen. Von grosser Bedeutung fr die ganze Gliederung der glacialen Bildungen ist das Vorkommen von Pflanzen- und Tierresten in Schichten, die zwischen den Grund- mornen gelegen sind. Die Grandschicht mit diluvialen Sugetierresten, deren Lagerung zwischen zwei Geschiebe- mergeln namentlich bei Rixdorf klai- erkennbar ist, sowie ein Torflager bei Lauenburg in gleichem geologischen Niveau, sind zwingende Beweise fr die Annahme einer wiedei'holten Eisbedeckung Norddeutschlauds. Keilhack welcher die fossile Flora jenes Torfes genau untersuchte, konnte den interessanten Nachweis fhren, dass der Charakter dieser Pflanzen auf ein gemssigtes Klima hindeutet und dass mithin eine vollstndige, durch eine Aenderung des Klimas bewirkte Abschmelzung der ersten Vereisung vorausgegangen sein musste, um die Ein- wanderung dieser Flora zu ermglichen. Leider mssen wir es nns versagen, auf die von Dames, Nehring und anderen vielfach hervorgehobenen Beziehungen der Dilu- vialfauna zur Eiszeit sowie auf viele andere interessante Punkte, welche durch die Glacialtheorie eine Erklrung gefunden haben, hier nher einzugehen. Erwhnt sei nur noch, dass ausser der Eisbedeckung, auch die der zweiten Vereisung folgende Abschraelzperiode nach den Untersuchungen von Berendt, E. Geinitz und Klockmann das Relief des norddeutschen Flachlandes wesentlich beeinflusste. Wir schliessen hiermit unsere Betrachtung, deren Hauptzweck es war zu zeigen, durch welche Beweise die Torell'sche Glacialtheorie gesttzt wird und wie dieselbe un- sere Anschauungen ber die Entstehung der norddeutschea Quartrbildungen in ungeahnter Weise erweitert hat. Kleinere ^ itteiliing'en. Fossiles Eis. Im Jahre 1860 wurden von Kotzebue und seinen beiden wissenschaftlichen Begleitern, Chaniisso und Escbsoholtz an der Nordkste von America jene merkwrdigen Eisklippen in der Escbscholtzbai entdeckt, ber deren Bildung- und Entstehung nachmals sehr abweichende Ansichten aui'gestellt worden sind. Nacli der ursprnglichen Schilderung sollte dort ein ganzer Hgelzug' aus klarem festem Eise bestehen, berdeckt von einer dnnen Erdschicht mit einem ziemlich reichen Pflanzenwuchs. Im wesent- lichen ist auch diese anfnglich stark angezweifelte Auffassung durch die neuesten Untersuchungen besttigt worden. Es ist nun Tcin hohem Interesse, dass hnliche Bildungen auch auf den neu- sibirischen Inseln beobachtet worden sind Dr. A. Bunge und Baron E. Toll, welche im Auftrage der Kaiserlichen Akademie in Petersburg im Jahre 1886 die wissenschaftliche Erforschung jener Inseln unternahmen, fanden auf einer derselben, der grossen Ljaohow- Insel. das hgelige Land im wesentlichen aus ungeheuren Eismassen bestehend mit eingelagerten, 'J'ier- und Pfianzenreste fhrenden Erd- schichten. Nach Ansicht von Dr. Bunge sind diese Eisniassen, deren eine eine Jlchtigkeit von 22 m hatte, durch das Gefiieren des in Erdspalten eingedrungenen Wassers entstanden. J)urch die Ein- -wirkung der Sonne ndet eine jhrliclie Abnahme der Eishgel statt, und die aufgethauten Eidmassen flie>spn als dicker Schlammbrei dem Meere zu. Ein starker Moder- und Eulnissgeruch entstrmt diesen Massen, herrhrend von den fossilen Resten, unter denen sich nicht nur noch mit Mark gefllte Knochen, die von den Hunden begierig verzehrt wurden, sondern auch Reste von Weichteilen. Fell und Haare ausgestorbener Sugetiere fanden Eine vorlufige Untersuchung ergab das Vorhandensein des Mamniuths, zweier (?) Nashornarten, des Rindes, Pferdes und Moschusochsen, dreier Hirsch- . arten, des Hasen und des Seehundes. Dr. Aurel Krause. Ueber das Byssusorgan der LamelUbranehiaten teilt stud. rer. nat. Ludwig Reichel im , Zoologischen Anzeiger" (1887 ;p. 488) eine interessante Beobachtung mit. Die Byssusoigane, jene aus der Byssusdrse" in der Fussgegend vieler Muscheln aus- gesonderten, erhrtenden Fden, welche wie ein langer Bart zwischen den Schalen herausstehen, dienen ja den Tieren zu ihrer Befestigung .an fremde Gegenstnde. Nun war man bisher der Meinung, dass die Tiere zeitlebens den einmal gewhlten Platz inne behielten, wenn man auch die Beobachtung gemacht hatte, dass gewaltsam abgerissene Tiere sich unter Umstnden wieder festzusetzen ver- mgen. Der genannte Autor hat jedoch an der Dreissi-na polyniorpha beobachtet, dass diese Muschel zeitweilig wandert, und zwar wird der Byssus in seiner Gesamtheit abgestossen. worauf das Organ durch Neubildung ersetzt wird. Ein solcher Wechsel des Byssus T-findet regelmssig statu mit dem Eintritt der klteren Jahreszeit. Im Sommer sitzen die Tiere dicht unter der Oberflche des Wassers, im Sptherbst jedoch wandern sie unter Zurcklassung des Byssus in die Tiefe. Die physiologische Bedeutung der Raphiden. lu den Zellen der Lauborgane vieler Pflanzen kommen lange, nadei- frmige Krystalle, Raphiden ans Kalkoxalat, vor, welche gewhn- lich in grsserer Anzahl nebeneinander liegen und so ein dichtes ]5ndel herstellen. I)ie meisten Botaniker sehen in den Raphiden fr die Pflanze nutzlose Exkrete. Stahl glaubt jedoch (Biolog. Centralblatt 1887, Nr. 16) dieselben auf Grund von Ftterungsver- suchen mit verschiedenen Tieren als Schutzmittel gegen Tierfrass betrachten zu drfen, da zahlreiche Tiere raphidenfhrende Pflanzen berhaupt nicht oder nur ungern fressen, und einige Tiere z. B. Schneckenarten von Pflanzen, welche Nadeln aus Kalkoxalat fhren, nur die nadelfreien Teile verzehren. Manche Pflanzen, welche fr giftig gelten, z. B. der Aronstab (Arum maculatum), verdanken iliren brennenden Geschmack einzig den sehr zahlreichen Raphiden, welche durch den aufquellenden Schleim aus ihren Behltern liervor- getriebi'n werden und sicli in die weichen Teile der Mundwerkzeuge einbohren. Der durch Filtration gewonnene Saft hat durchaus milden Geschmack. Ueber die Brechungsexponenten der Metalle hat Prof. K undt in den Sitzungsberichten der K. Akademie der Wissen- schaften zu Berlin (16. Februar 1888) interessante Mitteilungen gemacht. Derselbe stellte sich eine grosse Zahl von Prismen aus .Silber, Gold, Kupfer, Platin, Eisen, Nickel und Wismuth mit sehr kleinen Winkeln lier und bestimmte durch sehr zahlreiche Beobach- tungen die Brechungsexponenten dieser Metalle und damit die Fort- pflanzungsgeschwindigkeit des Lichtes in denselben. Prof. Kundt kommt zu dem sehr interessanten und berraschenden Resultat, dass die Metalle sich in Bezug auf die Lichtgeschwindigkeit in dieselbe Reihe ordnen wie in Bezug auf die Leitung der Elektricitt und Wrme; die besten Leiter fr die letzteren besitzen den kleinsten Brechungsexponenten und somit die grsste Lichtgeschwindigkeit, eine Beziehung, welche die Perspektive auf weitere interessante Untersuchungen erffnet. A. Gutzmer. Bestimmung der geographischen Lnge und Breite der Sehneekoppe. Im nehsten Sonuner ist seitens des k. geo- daetisi-lien Institutes in Berlin die genaue Bestimmung der geo- grapliischen Lnge und Breite der Schneekoppe in Aussicht ge- nommen. Die geographische Lnge ist durch unmittelbare astrono- mische Beobachtungen berhaupt noch nicht bestimmt worden, da eine solche nur unter Benutzung des elektrischen Telegraphen er- folgen kann, die Schneekoppe aber erst seit einem Decennium mit Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 1. dem allgemeineu Telegraphennetz in Verbiiidiint gegen ist die geograpliisclie Breite zwar bereits wiederholt ermittelt worden, aber nicht in dem Umfange der Beobachtungen und daher nicht mit der Genauigkeit, welche fr einen Punkt von der Be- deutung der Scbneekoppe als der hchsten Erhebung Deutschlands nrdlich der Donau nothwendig erscheint. Die Beobachtungen werden ca. 3 Monate Zeit in Anspruch nehmen. X. Astronomiselier Kalender. Am 1. April Sonnenauf- gang 5 Uhr 33 Minuten, Sonnenuntergang 6 Uhr 33 Minuten; Slondaufgang 12 Uiir 4'2 Minuten, Untergang 9 Uhr 21 Minuten. Am 7. April Sonnenaufgang 5 Uhr 20 Minuten, Untergang 6 Uhr 43 Minuten; Mondaufgang frh 4 Uhr 24 Minuten, Untergang 1 Uhr 17 Minuten. Am 3. April 1 Ulir 35 Minuten letztes Viertel. Von Planeten sind sichtbar Mars und Jupiter. Fixsternbedeckungen finden in dieser Woche nicht statt. Um die brgerliche Zeit aus der wahren Sonnenzeit zu erhalten, muss man zu dieser hinzufgen am 1. April 3 Minuten 46.15 Sekunden, am 7. April 2 Minuten 0,69 Sekunden. Dr. F. Plato. Die Erhaltungstendenz im Witterungscharakter auf- einander folgender Winter. Bei der Untersiiclunig von Fragen nach der Wahrscheinlichkeit, dass der Witterungscharakter aufein- ander folgender Jahre oder Jahresabschnitte der gleiche bleibe oder sich ndere, begegnet man gewhnlich der Schwierigkeit, dass in den dabei in Rcksicht zu ziehenden ausgedehnten Beobachtungsreihen niclit selten die Aufstellung der Instrumente, zuweilen auch diese selbst gewechselt haben, woraus sich systematische Fehler in der Berechnung ergeben mssen. Nach einer von solchen gnzlicli un- abhngigen Methode ist krzlich durch J. Kleiber untersucht worden (vgl. Meteorologische Zeitschrift, Februarlieft 1888), in wie vielen von hundert Fllen auf einen strengen Winter in Russland wieder ein strenger und auf einen milden ein milder folge, nmlich aus der Zeit des Anfangs und Endes der Eisbedeckung der Newa, fr welche fast lckenlose Beobachtungen seit 1706 vorliegen. Im Mittel aus allen Jahren fllt der Tag des Zuganges der Newa auf den ir>. No- vember, der des Aufganges auf den 10. April, und die Dauer der eisfreien Zeit betrgt 219 Tage oder seclis Zehntel des Jahres. Die wahrscheinliche Abweichung der letzteren von ihrem Mittelwerte beluft sich fr den einzelnen Jahrgang auf elf Tage, aber es ist wahrscheinlicher, dass dieselbe hei aufeinander folgenden Wintern im gleichen als im entgegengesetzten Sinne stattfinde. Hat die eisfreie Zeit schon zweimal hintereinander zu lange oder zu kurze Zeit ge- dauert, so wchst noch die Wahrscheinlichkeit, dass das gleiche auch im dritten Jahre der Fall sein werde; und wenn in drei oder vier .Jahren nacheinander die eisfreie Zeit in demselben Sinne von ihrer normalen Dauer abwich, so kann man fast zwei gegen eins wetten, dass auch in dem folgenden Jahre der Sinn der Abweichung derselbe sein wird. Die hierin ausgesprochene Tendenz zur Erhaltung des gleichen Witterungscharakters beschrnkt sich jedoch keineswegs auf Russland, denn schon eine ltere Bearbeitung der Teraperatur- beobachtungen im preussischen Stationsnetz hat auch G. Hell- mann (vgl. Z. S. des k. .statistischen Bureaus 1883) das Resultat ergeben, dass die Jahre mit langen Wintern sehr liufig gruppen- weise aufzutreten ,pfleg-en. Einen neuen Beleg dafr lieferten wie- derum die drei letzten Jahre, deren WinternifunJ drfte kaum zweifel- haft auf die Verwendung unreiner Rohmaterialien zur Strkezucker- fabrikation zurckzufhren sein. Da im verHosseneu Jahre auch von 0. Schweissinger fr Zuckerconleur. die fr Konditoreizwecke als Farbe dienen sollte, die gleiche Beobachtung mitgeteilt ist, drfte das Vorkommen dieser gewiss niclit indifferenten Verun- reinigung weitere Verbreitung haben. Befunde dieser Art beweisen, \vie aus kaum geahnten Quellen in unsere tglichen Nalirungs- und Genussmittel Spuren von Giften einwandern knnen. Dr. C. IBischoff, vereideter Chemiker der Kgl. Gerichte u. des Kgl. I'ulizei-Prsidiums zu Berlin. Deutscher Geographentag. In Folge der in ganz Deutschland herrsclienden tiefen Trauer um das Hinscheiden des Kai- sers ist der VIII. deutsche Geographentag, welcher vom 4. bis 6. April in Berlin abgehalten werden sollte, um ein Jahr vertagt worden. W. Eine Club- und Vereinshaus Actien-Gesellschaft" ist in Berlin im Entstehen begriffen. Die Anregung ist vom Prsidium der Deutschen Chemischen Gesellschaft ausgegangen, welches die Bildung eines Consortiums aus Vereinsmitgliedern, Architekten und Finanzmnnern zur Vorbereitung einer praktischen Lsung dieser Frage veranlasst hat. Das Consortium hat sich bereits die Er- werbung eines Grundstckes in geeigneter Stadtgegend (Mauer- Strasse 4446) gesichert, Bauplne entwerfen lassen, eine Renta- bilittsberechnung des Unternehmens aufgestellt und den gesamten Plan einer aus hervorragenden Vertretern der grsseren technischen und wissenschaftlichen Vereine und Finanzmnnern bestehenden Versammlung zur Prfung vorgelegt. Diese hat das Unternehmen als ein zeitgemsses und dem allgemeinen Bedrfnisse entsprechendes begrsst und zur Frderung desselben aus ihrer Mitte ehien Ausschuss gewhlt, der nach Prl'ung und a\if Grund des von den Vereinen eingeholten statistisclien Materials die Ueberzeugung von der Durch- fhrbarkeit des Planes gewonnen, und di(! Verwirklichung desselben auf dem Wege der Bildung einer Aktiengesellschaft innerhalb der Interessenten zur Ausfhrung zu bringen, beschlossen hat. Fragen und Antworten. Hat die Intensitt des Lichtes Einfluss auf die Fort- pflanzungsgeschwindigkeit desselben ? Diese Frage war bis vor kurzem noch streitig, sie ist jedoch von Dr. Ebert in den Annalen der Physik 1887, N. F. B. XXXil durch genaue Untersuchungen dahin entschieden worden, dass die Wellenlno'e und folglich auch die Furtpflanzungsgeschwindigkeit Litteratur. Ira Remsen: Einleitung in das Studium der Chemie. Autorisierte deutsehe Ausgabe. Bearbeitet von R. Seubert. Laupp's Verlag in Tbingen, 1887. Preis geb. 7 JO. Unter den zum Teil ausgezeichneten Kompendien, Repetitorien, kurzen Lehrbchern etc. der anorganischen Chemie nimmt die Ein- leitung in das Studium der Chemie" von Remsen ohne Zweifel eine hervorragende Stelle ein. Es giebt wenige derartige Werke, die so klar, leicht verstndlich und dabei doch streng wissenschaftlich die Grundbegriffe der Chemie errtern. In der richtigen Erkenntnis, dass ein Uehermass von Einzelheiten sowie ein zu frhes Eing'ihen auf die Theorien geeignet ist den AnfUnger zu verwirren und das Ver- stndnis fr den Gegenstand zu erschweren, beschrnkt sich der Verfasser darauf, nur die wichtigsten Thatsachen mitzuteilen. Erst nachdem an typisclien Beispielen das Wesen der chemischen . Vor- gnge eingehend klargelegt, geht er zur Besprechung der wissens- wertesten theoretischen Grundlehren ber. Das Werk ist durch- aus eigenartig und verdient die weiteste Verbreitung. Die vor- liegende deutsche Uebersetzung resp. Bearbeitung dieses zuerst in englischer Sprache erschienenen Buches ist als eine treffliche zu be- zeichnen. Dr. C. Baerwald. Zur Nachricht! Die Redaktion wird sich bemhen, zeitgemsse und soweit es der Gegenstand nur irgendwie zulsst allgemein -verstndliclie also vor allen Dini^en mit mglichster Fernhaltung von Fremdwrtern geschrie- bene Aufstze und kleinere Mitteilungen aiis dem Ge- samtgebiete der Naturwissenschaft und ihrer praktischen Anwendung zu bringen. Wir bitten alle diejenigen, welchen die Naturwissen- schaft am Herzen liegt, uns ihr Vertrauen zu schenken! Redaktion und Verlag. Briefkasten. Den Entwurf zum Titelkopf verdanken wir der kunst- gebten Hand des Kgl. Preuss. Hof- Dekorations- Malers Herrn Carl Slevers. Hierzu eine Beilag^e. Verlag: Riemann & Mller, Berlin SW. 48, Friedrich-Strasse 226. IJ. Band. Sonnlag, den 8. April 1888. Nr. 2. Abonnement: Mau alioiinifit bei all>'n Bucbliaudlungen und Post- aiistaltPii, wie bei der E.xiieditiou. Der Vierteljabrspreis ist Jl 2. ; Briiigegeld bei der Post l .j extra. ir Inserate: Die viergespalteue Petitzeile 30 ^. Grssere Auftrge c'utsiireclienden Rabatt. Beilagen nach Debereiukunft. Inseraten- annabme bei allen Annonceubureaux, wie bei der Expedition. Abdruck ist nur mit vollstndiger (Quellenangabe gestattet. Die Soolquelle im Admiraisgarten-Bad zu Berlin. Voll Professor Dmvli die im Adrairalsgartenbade zu Berlin .statt- gehabte Eibohrung einer .seit dem 10. Dezember vorigen Jalires ununteibroehen tiie,s.senden Soolquelle hat wieder einmal die Geologie einen Tiiuraiih auf praktischem Ge- biete gefeieit und gleichzeitig die Intelligenz wohlver- diente Flchte tjverntet. Nicht umson.st war nmlich von wi.ssen.'^cliaftlicher Seite sclion vor lahren, als die Anstalt, um sich von dem kost.spieligen Leitungswasser frei zu machen, sich durch eine erste Tiefbohrung in den Besitz eines Ssswasser- brunnens setzte, darauf aufmerksam gemacht worden, dass es nur einigen Mutes und eines gewissen Ver- trauens auf die Beobachtungen der Geologie bedrfe, um die Kosten einer grsseren Tietbohrung nach .spring-en- dem Wasser zu wagen. Des damals gegebenen Winkes wusste man sich zur rechten Zeit zu erinnern. Ein von dem Verfasser noch besonders ei-betenes schriftliches Gut- achten stellte bei einer Tiefe von 2.30 bis etwa 300 m springendes resp. sogenanntes artesisches Wasser in einiger- massen sichere Aussicht. Ob die Wasser aber s.sse oder salzige sein wrden hiess es in dem Gutachten msse dahingestellt bleiben; jedenfalls drfte jedoch auch die Erschrotung von Soole dem Bade nur zum Vorteil ge- reichen. Im Juli vorigen Jahres wurde die, nicht unbedeutende Vorkehrungen eifordeinde und mit den neuesten Mitteln der Wa.ssersplung ausgefhrte Bohrung begonnen und schon im Dezembei" unter der Leitung des Bohr- Dr. 14. Jiereiidt. technikers Beyer aus Fleasburg durch dessen Bohr- mei.ster Christian Jenssen bei der angegebenen Tiefe von etwa 2.32 m eine zu Tage ausfliessende Sool- quelle glcklich erreicht. Die Soole ist 3procentig; .sie enthlt nach einer von Dr. G. Bischoff ausgefhrten voiliiutigen Analyse 27,01 Gramm im Liter Kochsalz, 0,1472 0,6631 0,9639 0,1882 Nati'iumsulfat, Chlorcalcium, Chlormaiinesium, Calciumsuifiit. Beiechnet 28,9724 Gramm Gewogen 29,62 Eingehendere, auch auf den Gehalt von Brom, Jod etc. gerichtete Analysen stehen in nchster Aussicht, einerseits durch Pi'ofessoi' Dr. Finkener in Berlin, andei- seits durch den Geheimrat Professor Dr. Fresenius in Wiesbaden. Die Bohrung durchsank 52 m Sande und Grande der Diluvialformation, 52 88 m Letten, Sande und Kohlen der Braunkohlen- bildung. 88 135 m Glimmersande des marinen Oberoligocn, 135 230) Septarienthon des marinen Mitteloligocn, 230 234 m Glaukonitische Sande und Sandsteinbnkchen, welche wohl dem marinen Unteroligocn zu- zusprechen sein drften. 10 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 2. Ueber die Symbiose der Pflanzenwurzeln mit Pilzen. \'un rrufessur Dr. B. Frank. (Schluss) Das eberraschende ist nun, dass diese Wui'zel- verpilzun;.;' kein vereinzeltes Vorkommen, sondern fr die betreffenden Pflanzen allgemeine Regel ist. Zunchst bin ich bei Gelegenheit der Untersuchung der Trffel- entwickelung, wobei es sich auch um ein genaues Studium der r>eschatt'enheit der Wurzeln der Waldbiiume an den Trtt'elorten handelte, auf diese Eigentmlichkeit auf- merksam geworden. Wurzelproben, die ich dann aus den Oberfrstereien des grssten Teiles der preussischen Monarchie erhielt, besttigten die Allgemeinheit der Mykoi'hiza an den Wurzeln dei' wichtigsten Waldbume. "Weitere Nachforschungen zeigten, dass auch in anderen Lndern Europas und auch in anderen Erdteilen z. B. am Kaji der guten Hoffnung die betreffenden Baum- gattungen ebenso verpilzte Wurzeln haben wie bei uns. Diese Mykorhiza ist auf bestimmte Pflanzenfamilien beschrnkt. Vor allen ist sie den Kupuliferen in ilirem ganzen Umfange eigen, also den Buchen, Hainbuchen, Haseln, Eichen und Kastanien; daran schliessen sich die Betulaceen. Ferner ist sie unter den Koniferen, nament- lich unter den bestandbildenden Arten verbreitet: nm- lich bei der Fichte, Tanne, Lrche, gemeinen Kiefer, Krummholzkiefer etc. Auch die Linde gehrt dazu. Dahingegen sind andere Holzpflanzen in ihren Wur- zeln constant unverpilzt, selbst wenn sie neben jenen Bumen .stehen und ihre Wurzeln mit den Mykoihizen benachbarter Bume verflochten sind; so z. B. die Esche, die Ahorne, die Rstern, die Obstbume. Auch die Wurzeln der kleineren Vegetation des Waldbodens sind nicht in dieser Weise verpilzt. Bei der Keimung der Samen jener Bume im Boden ist natrlich die junge Keimwurzel zunchst unverpilzt. Aber nach verhltnismssig nicht langer Zeit flnden sich die Wurzelpilze ein. Oft sieht man schon an einjhrigen Smlingen fast alle Wm-zeln verpilzt, odei- erst mit ei- nigen ist dies der Fall, um erst im zweiten oder dritten Jahre vollstndig zu werden. Augenscheinlich sind es also im Boden lebende Pilze, welche schneller oder lang- samer auf die im Erdboden sich entwickelnde Baumwurzel gelangen. Stei'ilisiert man vorher den Erdboden durch Erhitzen oder zieht man die jungen Pflanzen in Wasser- kulturen, wo die Nhrsalze in reinem Wasser gelst den Wurzeln dargeboten werden, so entwickeln sich die Wui'zeln pilzfrei und bilden Wurzelhaare, ernhren sich also selbstndig. Sind einmal die Saugwurzeln einer jungen Baumpflanze zu Mykorhizen geworden, so setzt sich dies Verhltnis auch in die knftigen Lebensjahre frt und das ganze Wurzelsystem des Baumes bildet Mykorhizen. Denn abgesehen davon, dass bei der Er- starkung der Wurzelentwickelung an immer neuen Punkten die Bodenpilze auf die Pflanzenwurzeln berwandern, folgt schon aus der Fortentwickelung einer Mykorhiza, dass der Pilz mit ihr selbst weitergebildet wird, indem er dem Lngenwachstume folgt und auch die neuen Zweige, welche die Mykorhizen treiben von Anfang an bekleidet. Wird die Wurzel lter und strker, so ent- steht an ihrer Obei-flche das regelmssig in dieser Periode auftretende Kork]ieriderm , durch welches die Pilzhlle abgestossen wird; in diesem Entwickelungszustande, wo die Wurzel eine Korkhaut bekommen hat, ist sie ber- haupt nicht mehr zur Aufnahme von Nhi'stoffen geeignet. Meine jngsten Untersuchungen haben mich nun weiter gelehrt, dass eine constante Wurzelsymbiose mit Pilzen auch noch weiter in der Natur besteht, wenn auch in anderen Formen. Bedenkt man, dass bei der bishei' beschriebenen Art der Mykorhiza der Pilz ausser- halb der Wurzel sich befindet, weshalb man hier- von einer ectotrophischen Pilzwurzel reden kann, so ist nun auch der andere Fall denkbar, dass der die Nahrung fi' die Wurzel aufnehmende und zubereitende Pilz ins Innere der Wm-zel, wenigstens in ihre peri- pherischen Gewebeschichten sich zurckzieht, so dass man einen solchen Fall als endotrophisehe Myko- rhiza bezeichnen kann. Thatschlich habe ich diesen Fall nachgewiesen in dem ganzen Umfange dei- Familie der Ericaceen, nmlich bei C'alluna vulgaris, Vacciniiun myr- tillus, vitis idaea, uliginosum, oxycoccus, Andi'omeda poli- folia, Ledum palustre, Azalea- und Rhododendron-Aiten. also bei Pflanzen, die teils auf humushaltigem Sand, teils auf Moorboden wachsen. Gestaltlich sind diese Myko- rhizen von den vorigen sehr verschieden. Die Wui'zel hat hier bei grosser Lnge eine haarfrmige Dnne und ist sehr sprlich verzweigt. Diese Wurzeln haben auf- fallend weite Epidermi-szellen , die aber wiederum niemals Wurzelhaare bilden. Wohl aber enthalten die meisten in ihrem Jnnern eine dichte, trbe Masse, die bei genauerer mikroskopischer Prfung sicli als ein Komplex miteinander vei-flochtener Pilzfden erweist. Fig. 4. Nicht selten wachsen einzelne dieser Fden durch die Membran der Eiiidermiszelle nach aussen und sjiinnen sich weiter ber die Wui'zel- oberflche hin, ohne sie jedoch wirklich mit einem vollstndigen Pilzmantel ber- ziehen zu knnen, oder sie wachsen auch von der Wurzel weg in den Boden hinein. Als endrotrophische Mykorhiza muss auch der schon bekannte Fall des Vor- kommens von Pilzen in den Orchideen- wurzeln betrachtet werden. Diese Pilze "ilo-'* '^'^^^0 '^^^^*^^ hau])tsclilichen Sitz in einer rhiza von^A.^^p^^ die ^(jg,. mehreren kontinuierlichen Schichten ^tn e zeigend '''" '^^'' usscren Rindenzellen, welche wiederum i75fach vergJsseit. dureh grosse Weite ausgezeichnet sind und in ihrem Innern gewhnlich einen mchtigen Knuel locker Fig. 4. Oben: Epidermis- zell.-iKU-rMykorliiza von Amhome\isseiisL'luiftlicIie \^'Olllenslll^il 13 I Wir wissen, dass jodrs Organ, \velrlu>s linnut/.ti wird, biutn'iclier wii'd, dass sicli seine Adrrn i'rwcili'rn; und wenn l)ereits bewiesen ist, dass durcii einen arbeitendiui Muskel viel mehi' Blut luft als durch einen rulienden, so gilt g-anz bestimmt das Gleiche beim (iehirn. Wird das Gehirn blutreiclier, so kann dit's nur auf Ko.sten anderer Organe gescliehen. Deshali) werden Arme und Filsse blutarm und kiliil, wenn das (iehirn vom Blute strotzt. .Te melw abei- dies Zenti'alorgan belastet und je blutiiuei' die Peripherie wird, desto unbehaglicher ist unser Befinden. Je frher feiner solche Mis,sverhiiltnisse im mensch- lichen Krper auftreten, je jnger das Individuum ist, desto verderblicher sind die Folgen solch mangelnden Gleichgewichtes. Ist einmt.1 der Krper ganz fertig, sind seine Ge- webe bereits solidere geworden, so sind auch alle Mem- branen, alle Gefsshute nicht mehi- so leicht ausdehnbar, wie bei ganz jungen zarten Naturen. Deshalb leistet der fertige Mann viel mehr Wider- stand als der Jngling und das Kind. Kommt es schon beim Kinde zu solchen Missver- hltnissen, so ist der Schaden ein unverkennbarer und bleibender, und eine Rckbildung zum gesunden Gleich- gewicht nur durch Opfer an Zeit und Geld mglich, die selten gebracht werden knnen. Soll ich es mit klaren Worten sagen, so muss ich behaupten, dass die ganze Zukunft eines Menschen eine unbehagliche werden kann, wenn sich die angedeuteten Uebei'reizungen schon im kindlichen Alter einbrgerten. Es ist durcli und durch eine fehlerhafte Beobachtung, wenn man glaubt, dass ein neunjhriges Knbchen in 7 8 Stunden tglich mehr lernt als in 4 5 Stunden. Ich habe sehr oft das Experiment gemacht und einem Kinde an einem Vakanztags-Moi'gen, nachdem es gut geschlafen, eine Stunde im Garten herumgelaufen, etwas ausgeruht und etwas genossen hatte, das in einer Viertelstunde eingelernt, was das arme Kind am Vorabende, trotz zehnmaligem Vorlesen, nach einei' Stunde noch nicht mei'ken konnte, nachdem es whi'end des Tages sieben Stunden gesessen hatte und mit heissem Kopfe, blden Augen, mde und erschlafft heimge- kommen war. Man spricht immer von Ueberbrdung, der Eine vei-steht dieses, der Andere jenes darunter. Einer meint, die Lehrgegenstnde trgen die Schuld, ein Anderer glaubt, die Lelumethode. nein. Beides ist unschuldig und biingt die Ueberbrdung nicht. Man gehe abends 9 Uhr in die Familie; dort findet man, was Ueberbrdung ist. Der Vater ist fort in seine Gesellschaft und unterhlt sich gut, die Mutter und Tchter haben einen kleinen Kreis von Freundinnen bei sich und erheitern sich; das neunjhrige Knbchen, das nun in das Bett gehrt, sitzt allein am Schreibtisch und hlt mit seinen kalten Hndchen den heissen Kopf, dem er nicht mehr iiineinl)ringt, was er morgen i'rii 8 Uhr wissen soll. Mancinual fllt eine Thrne aufs Bucli, und das, was den kleinen Mann freuen soll, sein Studium, das ist ihm eine Marter. Das ist die Ueberbrdung. Wenn vom Abend bis zum Morgen Aufgaben gelst werden mssen, welche vielleicht nui' von dem talentvollsten Zehntel der Schler ohne Beeintrchtigung des absolut notwendigen Schlafes bezwungen werden knnen. Das heisst das Gehirn ruinieren, nervs machen. Man frage die Vter und Mtter, ob dies nicht Wahrheit ist, ob die .armen Kinder nicht bis 9 und 10 Uhi' am Schreibtische sitzen, frh 5 Uhi' schon wiedei' aufstehen, weil sie abends absolut nicht mehr auffassten. Leider aber wird es dann morgens oft zu schnell 8 Uhr, die Aufgabe ist nur halb fertig, die Strafe folgt auf dem Fuss und bringt fr heute noch mehr Arbeit. Schon in den letzten Klassen der deutschen Schule, aber vorzglich in Latein-, Gewerbeschulen und Gymnasien und in hheren Tchterschulen und Instituten kann man die erzhlten Missstnde berall finden. Kinder gehren nach 9 Uhr in das Bett, und vor 5 Uhr lasse man sie ja nicht aufstehen, sonst rulit ihr Gehirn nicht ge- ngend aus. Ein Bauer, ein Tagelhner reicht bekanntlich leicht mit fnf Stunden Schlaf, aber wer Kopfarbeit leistet, soll mindestens sieben bis acht Stunden schlafen ; Kinder noch mehr. Ich halte das gegenwrtige Prinzip, ein Kind den ganzen Tag zu beschftigen, fr ein recht gutes; allein ein grosser Teil der Zeit sei der krperlichen Ausbildung gewidmet, wenn mglich in frischer Luft. Es war ein guter Anfang, das Turnen obligatorisch zu machen; allein, ich mchte die gegenwrtige Dosis dieser herr- lichen Arznei eine nahezu homopathische nennen, die nur weniges ntzen drfte. Ich bin fest berzeugt, dass die Zukunft lehren wird, dass man tglich stundenlang krperliche LTebungen mit geistiger Arbeit wechseln muss, wenn ein Kind gesund bleiben soll. Ich bin ebenso berzeugt, dass das Lernen viel leichter geht, wenn der Krper mehr gekrftigt wird, wenn die geistige .Spannung nicht so viele Stunden betrgt, wie jetzt fast in allen Lehranstalten. Mit Ausnahme einzelner hervorragend talentierter Kinder tritt bei den meisten jetzt oft schon nach- mittags, aber fast immer abends, eine stumpfe, mde Hirnfunktion ein, womit sie nur wenig melir fassen, hchstens nach langer Marter mechanisch einlernen, ohne denn Sinn zu berdenken. Diese meine Ueberzeugung wurde ganz besonders auch durcli Erfahi'ungen in mehreren hohen Familien besttigt, wo man schwchliche Kinder auf meinen Rat bis zum achten und neunten Jahre ganz frei aufwachsen liess, sich nur mhte, ihren Krper durch langen Auf- enthalt und Arbeiten in gesunder Luft zu strken und hchstens spielend vom Hofmeister den lteren Knaben 14 Naturwissenschaftliche Wochensclirift. Nr. 2. lue und da eine von ilmen selbst erbetene kurze Lektion geben lies. Als diese Kindei- im zehnten Jahre das Lernen mit Lust und Freude antingen, ging es so schnell vor- wrts, dass sie im sechszehnten Jahre so ausgebildet waren, wie ihre lteren Brder im sechszehnten Jahre gewesen waren, nur, dass ihnen das Lernen Freude machte und ihr Krper nebenbei kiftig war, wlu'end bei den lteien Brdern das Zanken und Strafen vom sechsten Jaln-e nicht mein- aufgehrt hatte und ihr Krper ein sehwchliclier geblieben war. Das Resume meiner Erfahrung geht also dahin, dass die Zukunft den Krper der Kinder durch Spiele und Arbeiten im Freien zum Lernen vorbereiten und whrend des Lernens die Ausbildung des Krpers energisch befrdern wird, damit die Belastung des Gehirnes, welche bei Tausenden zur Ursache ihres un- behaglichen Betindens wird, verlndert weiden kann. Trotz dieser Zeitopfer darf nun aber keine geringeren Lernergebnisse befrchten. Hingegen wird das Lernen, das jetzt vielen eine Marter ist, den meisten Freude machen; und es wird nicht schon in der Kindheit der Grundstein zu dieser jetzt so sehr berhand nehmenden und unglcklich machenden Nervenerregungen gelegt werden. Man haut bekanntlich keinen Baum mit einem Streiche um. Die Einfhrung des Turnens war der erste glckliche Griff zum Bessern. Man wird nun alsbald die staubigen Turnhallen mit der freien Luft vertauschen und wii'd eine eingreifende Aenderung der Schulordnung anstreben mssen; aber ich bin der festen eberzeugung, dass man es nie bereuen wird. Kleinere Mitteilungen. Einen neuen Apparat zur Darstellung einfacher Schwingungen, weldier sich sein- triit zur Demonstration bei Vorlpsnnui'n uiul in Sclnilen eignet, besclireibt Dr. Bergniaim in den Mitteilnnaren ans dem iiaturwisseiiscbaftlicben Verein fr Nen- Vor- pommern nnd Rgen in Greifswald". Der Apparat besteht .aus einer Tertil^alen, mittels einer Kurbel drehbaren Scheibe nnd einer Steuerunir. Diese letztere wird aus einem Kreuz, dessen Arme vertilial bezw. horizontal gerichtet und dnrcli Lngsschnitte zu Schienen umgewandelt sind, gebildet. Die Vertil^alschiene ist ganz durchbroclien. wlirend die Horizontalscluene in der Mitte eine lr Mittelpunkt des Kreuzes sichtbar. Der erstere fhrt bei gleiclifOrniiger I)rehung der Kurbel eine gleichfrmige Bewegung in dem Kreise ans. wh- rend der letztere stets die Bewegung der Projektion desselben auf einer Horizontallinie versinnbildlicht. A. Gutzmer. Finsternis vom 4. Oktober 1884 sich beziehen. Es wurden an 3.5 (41) vom Wetter begnstigten Orten von 83 (.46) verschiedenen Sternen 564 (399) Kontakte mit der Mondscheibe beobachtet, nm- lich '27(3 (234) Eintritte und 288 (10.5) Austritte; unter den Kontakten waren 128 (63) gepaarte, d. h. jedesmal Ein- uiul Austritt desselben Sternes notiert. Fr den Durchmesser und eine etwaige Abplattung- der Mondscheibe, die nur minimal sein kann, lassen sich wahrschein- lich Anhaltspunkte aus diesen Beobachtungen gewinnen. Ein neuer Planet, der 273. in der Reihe der kleinen, zwischen Mars nnd Jupiter kreisenden Gestirne, ist in Wien am 9. (10.) Mrz von Palisa entdeckt worden. Plassmann. Zur Geschichte der Papiererfindung. Professor Dr. .lulius Wii'siier in Wien hat in seiner .Schrif! Die mikroskopische Untersuchung des Papieres" nachgewiesen, dass die allgemein ver- breitete Annahme, das Hadern- oder Lumpenpapier sei im 13. oder 14. Jahrhundert nach Christi Geburt in Fhiropa erfunden, ebenso grundlos sei wie eine zweite gleichfalls gelufige Annahme, nach welcher die frheren, lteren Papiere aus ruber Baumwolle herge- stellt sein sollten. Nacli der Untersuchung von Hunderten der alten Papiere kam er zu dem Schlsse, dass jene alten Papiere, welche man als Baumwollenpapiere bezeichnete und aus roher Baumwolle erzeugt annahm, keine JJaumwollenpapiere, sondern meist ans Leinen- hadern, weit seltener teilweise aus Hanfhaderu liergestellt .sind, whrend Baumwollhadern hierzu nur selten liezw. in ganz unterge- ordneter Menge verwendet wurden. Die ltesten dieser Papiere stammen aus Aegypten oder dem Orient und es erscheint hierdurch festgestellt, dass die Ei-findung der Papiererzeugung aus Hadern orientalischer Herkunft ist. G. Brelow. Astronomische Nachrichten. Leber die Beobachtung der totalen Mondfinsternis vom 28. Januar liegen jetzt zu- sammenfassende Notizen voi-. Wir geben dieselben nachstehend wieder und bemerken, dass die eingeklammerten Zahlen auf die Astronomischer Kalender. Am 8. April Sonnenaufgang 5 Uhr 17 Minuten, Untergang Uhr 45 Minuten; Mondaufgang morgens 5 Uhr 8 Minuten, Untergang nachmittags 3 Uhr 33 Minuten. Am 15. April Sonnenaufgang 5 Uhr 2 Minuten, Untergang 6 Uhr 57 Minuten; Mondaufgang morgens 7 Uiu' 51 IMinnten. Untergang abends 11 Uhr 7 Minuten. Am 10. April 10 Uhr 1 Minute vor- mittags findet Neumond statt. Eine richtig gehende Uhr zeigt mehr wie eine Sonnenuhr am 8. April 1 Minute 43,9 Sekunden, am 15. April weniger 5,9 Sekunden. Sternbedeckungen finden auch in dieser Woche nicht statt. Dr. Plato. An der Humboldt- Akademie zu Berlin werden im 2. Quartal dieses Jahres die fulgenden naturwissenschaftlichen nnd philosophischen Vorlesungen abgehalten: Dr. H. Loni/e: Die Bewegung und die Einheit der Natur- krfte. (J^eginn 9. April, 7 Uhr abends), Dr. M. Wcifz: Experimentalchemie (Metalle). (Beginn 9 April, 8 Uhr abends), J?. Schneider: Die Umgestaltung der Erdoberflche und ihre Ursachen (Beginn 10. April, 7 Uhr abends). H. Pofonir: Die Pflanzenwelt unserer Heimat. (Beginn 10. April, 7 Uhr abends), Dr. F. Kirchner: Psychologie. (I3eginn 11. April. 8 Uhr abends), Dr. H. Spatzier: Einfhrung in die Lektre philosophischer Werke. (Beginn 10. April, 7 Uhr abends). Hegels Leben nnd Lehre (Beginn 10. April, 8 Uhr abends). Die Vorlesungen linden in den Rumlichkeiten des Domtheen- stdtischen Real-Gynmasiums (Georgenstrasse 30/31) statt. Anmel- dungen werden in der Buchhandlung in Berlin NW., Centralhtel, Laden 14 entgegengenommen. Jeder Cykhis besteht aus etwa 10 Vorlesungen. Das Honorar betrgt fr den ersten belegten Cyklus 5 JC. fr jeden weiteren, von demselben Hrer belegten Cyklus 4 JC. Dr. Dr. Der 7. Kongress fr innere Mediein findet vom 9 12. April zu Wiesbaden statt. Vorsitzender; I'rof. Leube aus Wrzl.iurg. Fragen und Antworten. Welches ist der Unterschied von Gneiss und Granit? Granit und Gneiss sind ihrer mineralogischen Zusammensetzung nach idente Gesteine; beide fhren die gleichen Gemengteile: Feld- spat, Quarz, Glimmer, in einigen Abarten auch Hornblende und Nr. _>. Naturwissenschaftliche Wochenscl i ril't. 15 Aiij;itals wcsciitlichi'. A]Kitit, /ii'kini, Mii^iictriscii. ('(irclicrit, (iraiiat 11. s. w. als iin\voseiitli<'lii' ndcr ziililllii^i' ( Ji'inongteili'. Nafli Apv Arr des (Jlimmtrs iiiul nach dem N'drliaiuli'iisiMM vim HorMljli'iidf und Augit gliedert man diesellien, den (iranit in Totitgranit. auch (iianitit genannt, Mnseovitgranit, Oranit im engeren Sinne mit Biotit und Jlnscovit. Hornblende- und Angitgranit; dem ganz entspre oder n hin durch Parallellagerung der Glimmerblttchen gneiss- artigen Habitus an, anderseits gehen Gneisse durch Abnderung im und einen Tiefstand V. Im Hochstand A'^ steht er ilher der Erdbahn i z E, wie das angelegte Lineal L L deutlieh angiebt. Der Schatten des Neumcuides N fallt darum, wie Fig. 4. I deutlicher zeigt, ber die Erde /? hinweg nach 1, ohne sie zu verKnstern; ebenso geht der Vollmond V unter dem Erdschatten 2 unverfinstert hindurch, weil der Vollmond sich im Tiefstand, also unter der Erdbahn, ereignet. WS' jVi" s^ s-jr s-y s'A' y- IT M' m jr i Fig. 2. Verlauf einer totalen und ringfrmigen Sonnenfinsternis. In Fig. 4. ir dagegen entsteht der Neumond N nicht ber, sondern in der Erdbahn (also in seiner Mittelstellung). Der Schatten Hilfsmittel fr den geographischen Unterricht. Die von Adolf Mang erfundenen und durch den \'erlag von Fr. Ackennann in Weinheim (Baden) zu beziehenden methodischen Lehrmittel fr den Unterricht in der astronomischen <.ieographie sowohl fr die Beobachtung der Himmelskrper als auch fr die plastische Darstellung der Himmelserscheinungen sind als sehr brauchbar und zweckmssig zu bezeichnen. Namentlich empfiehlt sich der einfachste zerlegbare Gesamtapparat fr den Unterricht in den Grundlagen der astronomischen Geographie sowohl durch die sehr anschauliehe Darstellungsweise der kosnnschen ]5e- wegungen. als auch durch die leichte Ausfhrbarkeit der darzustellenden Versuche. Ausserdem ermglicht die Billig- keit des Apparates <22 JC) die Anscliaf- iQ M fang in allen Ele- mentarschulen. Die hier zum Abdruck ge- brachten Figuren m- gen einen Teil dieses 'Universal - Apparates Teranschaulichen und zeigen, in wie zweck- mssiger Weise uns hier beispielsweise die Entstellung der F' i n s t e r n i s s e vor Augen gefhrt wird. Der Verfasser giebt F'g' 1- Folgen, wenn die Mondbahn mit der Erd zu diesen Abbildun- gen folgende Erklrung: bahn zusammenfiele. von N fallt finsternii ^^ daher auf die Erde E und es entsteht eine .Sonnen- Z/Z ~IL Fis Hocli- und Tiefstand des Mondes. Von der Erde E aus gesehen tritt die schwarze Mond- scheibe 'N vor die helle Sonnenscheibe und bedeckt sie nach und nach so, wie Fig. 2 angiebt. Der Vollmond F Fig 4, II ereignet Seh Scfv der Finsternisse. sich ebenfalls in der Erdbahn und geht darum so durch den Schatten der Erde hindurch, wie dies auf dem Schirm Seh daneben gezeichnet ist. Finsterni.sse entstehen also, wenn der Neu- oder Vollmond sich weder im Hoch- noch im Tiefstand, sondern in der Erdbahn sich ereignen. Dr. F. Wahnsohaft'e. Briefkasten. Allerdings lautet der von der Redaktion benutzte Satz in Sohwendener's akademischer Antrittsrede anders als das nach diesem gebildete Motto unserer Naturwissenschaftlichen Wochenschrift^' Mit welchem Rechte dennoch die Unterschrift des Herrn Professor Schwendener benutzt worden ist, zeigt die folgende Korrespondenz. Berlin, den 20. Februar 1888. Hochgeehrter Herr Professor! Wrden Sie mir wohl gestatten mit Vernderung eines Wortes eine Stelle aus der Rectorats-Rede als gedrucktes Motto mit Ihrer Unterschrift zu benutzen? Ich meine den Satz auf Seite 28 29: Was sie ... . schmckt", in welchem ich an Stelle des sie" setzen mchte die naturwissenschaftliche For- schung." Der Satz wrde dann heissen: Was die naturwissen- schaftliche Forschung aufgiebt .... schmckt." Ihr dankbarer Schler Antwort: H. Potonie. Geehrter Herr Doktor! Ich habe nichts gegen die beabsichtigte Vernderung ein- zuwenden, obschon ich 1. c. nur von der mikroskopischen Forschung rede. Das Gesagte gilt aber von der Naturforschung berhaupt. Berlin, den 27. Februar 1888. Ergehenst Ihr Schwendener. 16 Naturwissenscliaft Helle WoeliPiisi lirit't. Xr. Herder'sche Verlagshandlung, Treiburg (Breisgau). Sdfbfii ist ersi'liit'iieii u, diii'rli ;illi' Hiirlili;iiiilliiiij;i'ii zu iM'zii'lii'ii ; Plss, Dr. B., Unsere Bume und Strucher. ^ Fhrer durch Wald und Busch. Anlririnig' zum Hr-itiinuuMi unsiu-cr liiiunjr und Stniucbpr uacli ilirora Laube Zweite Auflage, mit 80 Holzschnitten. 12" (Vll u. 120 S.) . 1. i:iegaiit ycli, in Halblfiu\v:iiia mit Goldtitel und Buohdi'urk- nder lirouze-rm^idda^; . If 1.20. Inhalt: I. Die Teile der Holzgewchse. II. Erklrung der bota- nischen Ausdrcke. III. Anleitung zum Bestimmen. IV. Bestimmungs- tabellen. V. Kurze Beschreibung der Kolzgewchse. Das sehr rcicit il/it&hierlc und splviid'ul ausgestattete Biichleiii soll ein Wegweiser sein, mittelst dessen jeder imsere irildivachsenden BiDiie und Strucher. u-ie er sie rlirti auf einem Spaziergange trifft, sellisfnilig nach dem Lauhe luslimnien katiu. In Bruhn's Verlag (liiliaber: Eugen AppelUcaus) in Hraun- schweig' ist soeben erscliienen: NatiirpscMclite fr k eiiifaclie Vollsscliule, XaturkOrper der ^eimat iiuierlialb natrlicher Gruppen vorgetulirt und von eiulieitlicliem Gesiclitspinikte aus be- trachtet. Nebst Anleitung zu zahlreichen Beobachtungen. Ein Handbuch fr Lehrer. In 2 Kursen ju je 40 Lektionen bearbeitet von l>r. Franz Kie^sling: u. Kg^niont Pfalz. Mit zahlreichen Holzschnitt*Abbildungen. Preis 2 Jf, geb. 2,50 JL Das Buch ist in demselben Geiste gearbeitet wie das rijhmlichst bekannte grossere Handbuch derselben Verfasser, des ersten, welches den gesamten naiurgeschichtlichen Unterrichtsstoff innerhalb natrlicher Gruppen (Lebensgemeinschaften) auf Jahreskursc verteilt brachte. Wie das grssere Handbuch sucht auch das oben angezeigte das Verstnd- nis der Gesetzmssigkeit in der Natur, zu deren Beobachtung es an- leitet, sowie eine sinnige Naturbetrachtung zu frdern. ^^^^^1 Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, sowie ^^^^^| auch direkt gegen Franko-Einsendung des Be- trages von der Verlagshandlung, Aif/A vull.stiiiidi;^ ri'srhirm'ii Fr Wiederverkufer! ^^^^ Tafelraesser u. -Gabeln Nr. Sil. gute Ware Dtzd. . 3,80; do. Nr. SIL', feine Ware, Dtzd. J( 8,.50. Taschenmesser Nr. 142, mit 2 Klingen, Dtzd. .1/ 2,S0; do. Nr. 150, mit 1 schwer. Klinge, stark. Messer f. Land- leute, Dtzd. Jt 4; do. mit 2 Klingen u. Korkzieher, sehr fein, Dtzd. Jt 7,.W. Brot- messer, gute Ware, Dtzd. 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Behrendt: Die .Soohiuelle im Admiralsgarteiihad zu ISerlin l'r.if Hr. li. Frank: Ueber die ^jymbiose der Ptlanzenwurzeln mit Pilzm. (Mit ,\hbild.) Schluss. Gebeimrat von Nussliainn in Jlnclieii: Krperliche und geistige Ar- beit im Gleichgewicht. Kleinere Mitteilungen: Einen neuen Apparat zur DarstolhiuL'- einfacher Schwingungen. Zur Geschichte der l'apiererfindung. Astruuomische Nai'hricliten. Astroiiomisrhcr K'iilenilrr. - Verzeichnis von Vorlesungen an der Humboldt- Akademie zu Berlin. 7. Kongrcss fr innere Medicin. Fragen und Antworten: unterschied von Gneis und Granit. Unter- richtsmittel: Tlillsinittil fr den gengraphischen rnterricht. Briefkasten. Inserate. Verantwortlicher Redakteur; Dr. Henry Potonit:'. Verkag: Riemaiin & Mller. Druck: Gebrder Kiesau. SUmtlich in ]?erlin. Verlag: Riemann & Mller, Berlin SW. 48, Friedrich-Strasse 226. IL Hand. Sonntag', den 15. April 1888. Nr. 8. Abonnement: Jlaii abonniert bei allen Bucliliandlnngen und Post- aiistalTen, wie bei der i-]xiiedition. Der A'ierteljabrsiireis ist ^U 2. ; Bringegeld liei der Post l."i .j extra. ir f Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 3u ^. Grssere Auftrge entspreelienden Rabatt. Beilagen nach ebereinkunft, Inseraten- annahnie bei allen .\nnoneenbureaux, wie bei der Expedition. AImIi-iicU i!t mir mit vollitiidijg^er ({uellenani>'abe ^OMtattet. Einrichtungen zur ffentlichen Zeit-Regulierung. Von Professur J )r. Tli. Alljreclit, Sektion l)a.s Bedrfnis der Her.stellung von Einriclitiingen zur ltentliclien Zeit-Regiiliening- zu dem Zwecke, die Zeitangaben einlieitlicli zu gestalten, i.st be.sonders in den (ji'o.s.s.stdten zu einem diingliclien geworden. Die Au.s- deluuing die.ser Stdte und der be.stiindig wachsende Ver- kehr inneriialb derselben lassen es nicht mehr angngig erscheinen, die Zeitangaben auf eine einzige Noimaluhr zu basieren, soiuk-rn liaben eine Vervielfltigung der genauen Zeitangaben als ein unabweisbares Bedrfnis | hei'ausgestclit. Dieser Notwendigkeit ist bereits in ver- 1 scliiedenen Stdten Recimung getragen worden; Berlin, Wien, Neufchtel, Paris, London und verschiedene \ amerikanische Grossstdte besitzen mehr oder minder ausgedelinte Systeme einheitlich regulierter ffentlicher ' Ulircn. Am weitesten ist man in dieser Bezieliung in Pai'is vorgegangen, indem daselbst an ein grsseres Netz ffentlicher' Lliren ein ausgedehntes System privater Uhren angeschlossen ist. In Berlin sind bereits im Ijaufe des vorigen Jahr- zelints auf Veianiassung des Direktors der Sternwarte Professor Dr. Foerster seitens der Stadtverwaltung auf ffentlii-liiMi Pltzen seclis Normaluhren aufgestellt worden, welche \"on der Sternwarte aus elektrisch reguliert werden und die richtige Zeit bis auf die Sekunde genau angeben. Doch hat sich gegenwrtig- mit dei' wachsenden Aus- dehnung di^r Stadt die Notwendigkeit einer noch weiter- g-ehenden ^'elvi('Ifltigllng lierausge.stellt. Um eine der- artige En\('iteiung- der bestehenden Einrichtungen anzu- bahnen, hat Dr. Leman im Auftrage des Direktors der Sternwarte ein (iutaditen ber die fr die ffentliche fhef am k. geudtisclien Institut in lierlin. Zeit-Reguherung in Betracht kommenden technischen Einrichtungen ausgearbeitet, welches gegenwrtig in \'er- bindung mit Vorschlgen dos Herrn Professor Foerster, betreffend die knftige ( Jestaltung der ffentlichen Zeit- Regulierung in Berlin, publiziert worden ist. Diese Schrift ist zwar in erster Linie zur Information fr die betreffen- den Interessentenkreise bestimmt, da es sich hierbei aber um Errterungen von weitergehendem Interesse handelt, erscheint es angezeigt, im folgenden an der Hand dieser vSchrift eine fr weitere Kieise bestimmte^ Darlegung der einschlgigen Verhltnisse zu geben. Je nach dem Pi-zisionsgrad , bis zu welchem das Problem der Regulierung gelst werden soll, sind drei verschiedene Arten von Uhren zu unterscheiden. Erstens die Przisionsuhren, welche in ihien Angaben nur um Bruchteile einer Sekunde differieren; zweitens die ffent- lichen Uhren auf Trmen, Bahnhfen u. s. w., bei denen dei' Fehler bis zu 1 Sekunden anwachsen kann ; drittens endlich die Llireu iiu Innern von Gebuden, bei welchen selbst ein FeMer bis zu 20 30 Sekunden zulssig ist, da fr den gewhnlichen Verkehr die Minute als die kleinste Zeiteinheit angesehen werden kann. Als Mittel fr die Regulierung ist bisher fr die erste und zweite Art der Uhren ausschliesslich die Elektricitt in An- wendung gekommen, als solches fr die dritte Art aber neben der Elektricitt auch komprimieite oder verdnnte Luft. Welches dieser beiden Hilfsmittel mit Vorteil an- zuwenden ist, hng-t wesentlich von der Ausdehnung der ganzen Anlage ab. Ist dieselbe bedeutend, so kann die Regulierung nur auf elektri.schem Wege eifolgen, weil Natiu-wissenschaftliclie Wochensclirift. Nr. 3. die Fortiitianzung piieumatischei- Wirkungen niclit mit derjenigen Przision vor sich geht, welche erforderlich ist, um eine ausreichende Zuverlssigkeit der Zeitber- tragung auch fr grssere Leitungslngen zu sichern. Die lteste Methode der Zeitbertragung basiert auf der Anwendung der sogenannten elektrischen Zifferbltter. Die riir auf der Centralstation ist mit einei' selbstthtig wirkenden Vorrichtung versehen, durch welche im Ver- laufe einer jeden Sekunde ein elektrischer Strom ge- schlossen und wieder unterbrochen wird. Tn diesen Strom- kreis sind eine Anzahl P^lektromagnete eingeschaltet, deren Anker bei jedem Stromschluss angezogen werden und dni'ch Uebertragung dieser Be^\egung auf die neben den Elektromagneten betindlichen Zeigerwerke die Se- kundenzeiger derselben jedesmal um eine Sekunde vor- wrts bewegen. Diese Einrichtung leidet aber an dem Uebelstande, dass es fast unmglich ist, metallisclie Kon- takte fr den Stromschluss herzustellen, welche bei der Krze ihrer Zeitdauer (nur den Bruchteil einer Sekunde umfassend) und der stai'ken Inanspruchnahme (einmal whrend jeder Sekunde, also 86i00mal im Laufe eines Tages) nicht zeitweilig infolge Oxj-dation der sich be- rhrenden Metallflchen versagen. Jedes Ausbleiben eines Stromsclilusses hat aber zur Folge, dass die Anker der Elektromagnete nicht angezogen werden und infolge- dessen die Sekundenzeiger nicht weiterrcken. Die An- gaben der elektrischen Ziiferbltter werden dadui-ch un- richtig und bleiben im Laufe einer gegebenen Zeit um so viele Sekunden zurck, als whi'end dei'selben Kon- takte ausgeblieben sind. Man hat diesem Uebelstande dadurch abzuhelfen gesucht, dass man die Zahl der im Laufe eines Tages eintretenden Kontakte wesentlich ver- minderte und die Zeitdauei' eines jeden betichtlich er- hhte, indem man die Anker nicht mit den Sekunden-, sondern mit den Minutenzeigern in Verbindung setzte. Man erhlt dann eine springende Minute und bedarf im Laufe eines Tages nur 1440 Kontakte. Dieses System ist gegenwrtig vielfach auf Bahnhfen in Anwendung und in ausgedehntem Masse auch bei dem J3etriebe der Berliner Stadtbahn eingefhrt. Durch dieses Hilfsmittel ist allerdings eine Besserung erzielt, abei' eine volle Be- seitigung der Uebelstande dieses Systems auch auf diesem Wege nicht erreicht worden. Man hat auch eine pneu- matische Auslsung des Zeigei'wei'kes in Vorschlag ge- bracht, doch ist eine solche wegen der geringeren Zu- verlssigkeit in der Fortpflanzung pneumatischer Wirkungen nur bei Anlagen von geiinger Ausdehnung der Leitungen mit Erfolg anzuwenden. Im allgemeinen hat sich aber das System der elektrischen Zifterbltter nicht bewhrt und nui- dort gute Resultate geliefert, wo fr aufmerk- same Uebenvaehung und Unterhaltung der elektrischen Einrichtungen in umfassender Weise Sorge getragen ist. Dieser Unvollkommenheit des Ziflerblattsystemes ist in neuerer Zeit dadui'ch abgeholfen worden, dass man die zu regulierenden Uliren als wirkliche Pendeluhren konstruiert und den elektrischen Strom nur dazu benutzt, _*Vfl^/ej J^wf^, eine Synchronisation, d. i. eine volle Uebereinstunmung der Pendelschwingungen dieser Uhren mit denen dei' Hauptuhr herzustellen. Es entspiicht dies dem System der sj'mpathischen Uhren, welches fr die Przisions- bezw. die Noimaluliren in Berlin und l'aris adoptiei't worden ist und sich nach jeder Richtung hin bewhrt hat. Die folgende Figui' stellt das System dar. welches bei den Berliner Normaluhren in Gebrauch ist und das abgesehen von einigen Modifikationen demjenigen ent- spricht, welches im Jahre 1858 von Jones in Chester angegeben wurde. Die Normal- uhi-en sind voll- stndige Pendel- uhren, welche in der gewhnlichen Weise aufgezogen werden und so justiert sind, dass sie im Laufe des Tages bis auf eine geringe Anzahl Sekunden genau nach richtiger Zeit gehen. Die Pen- del tragen aber an Stelle der Linse einen Hohlcylinder, welcher mit iso- liertem Draht um- wunden ist, dessen Enden an der Pendelstange in die Hhe fhren und mit der Telegraphenleitung nach der Sternwarte oder der Erde in Verbindung gesetzt sind. Ferner ist seitlich an jeder Normaluhr ein stab- frmiger permanenter Magnet so angebracht, dass ilin die Drahtrolle bei der grssten Amplitude des Pendels gerade umschliesst, ohne ihn aber zu berhren. Die Hauptuhr auf der Sternwarte, welche so genau als mg- lich (bis auf Bruchteile einer Sekunde) auf richtiger Zeit erhalten wird, ist mit einer Vorrichtung (zeitweilige Be- rhrung eines am Pendel befestigten Metallstiftes mit einer seitUch aufgestellten Metallfeder) versehen, zufolge deren sie selbstthtig alle 2 Sekunden einen nur einige Zehntel -Sekunden andauernden Stromschluss bewirkt. Infolge dieser sich stetig wiederholenden Stromschlsse umkreist im Verlaufe jeder Doppelsekunde ein elektrischer Strom die Drahtrolle der Normalulir und ruft dadurch eine magnetische Anziehung mit dem permanenten Magnet, ber welchen die Rolle hinwegschwiugt, hervor. Diese magnetische Wechselwirkung wnd nur dann ohne Ein- fluss auf die Schwingungen des Pendels bleiben, wenn sich die Rolle im Moment des Stromschlusses genau in der Mitte des Magnet befindet, in allen brigen Stellungen aber wird dieselbe die Schwingungen des Pendels be- schleunigen oder verzgern. Nimmt man an, das Pendel habe sich in der neutralen Lage befunden, die Uhr zeige Fig. 1. Nr. 3. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 19 aller iiilolgi' uiivollkoiiiiiieiier .iustirriHi' oder aniler- weitlficr iiassero' Elntlsse die Tendenz, gegen die lich- tiire Zeil vorzueilen oder zurckzubleiben. In diesem Falle wird das Pendel bestrebt sein, seine chwlugungs- liliase zu verndern: da aber bei jeder Aenderung cler- selben sofort die verzgernde oder beschleunigende mag- netische Anziehung zu wirken beginnt, wird das Pendel in seine richtige Lage zurckgcfhit und tiotz der Tendenz der Uhr. vorzueilen oder zurckzubleiben, eine voll- kommene eberelnstunmung der Pendelschwingungen der Normaluhr und der Hauptuhr erzielt weiden. Aus diesen Dailegungen geht, ferner hervor, dass ein Ausbleiben eines oder selbst mehrerer Kontakte aus dem (i runde keine Beeintrchtigung der Ang-abe der Normaluhr be- wirkt, well die geringe Abweichung in der Schwingungs- phase des Pendels, welche infolge des Versagens selbst einer massigen Reihe von Kontakten eintreten kann, duii-li die folgenden Kontakte binnen krzester Frist wieder beseitigt wird. Zur Sicheiung des Betriebes sind auf der Zentral- station in die nach den einzelnen Normaluhren fhren- den Leitungen Galvanoskope eingeschaltet, an denen bei jedem Stiomschluss eine Bewegung der Nadel wahrzu- nehmen ist. Die regelmssige AMedei'kehr dieser Nadel- au>schlge nach Ablauf von je zwei Sekunden bietet eine Gewhr, dass die Leitung intakt ist und die Re- gulierung in vollem Pmfange erfolgt. LTm indess volle (iewissheit zu erlangen, dass die Angaben der einzelnen Normaluhi'en streng mit denen der Hauptuhr berein- stimmen, ist ferner die Einrichtung getrofi'cn, dass jede Uhr allstndlich nach der Sternwarte ein Kontrollsignal abglebt. Zu diesem Behufe ist auf der ;Mlnutenwelle jeder zu regulierenden Uhr ein Stift angebra(^ht, welcher einmal im J^aufe jeder Stunde bei einer im A'oraus be- stimmten Stellung des Zeigers eine Feder beihrt, hier- durch einen elektrischen Strom schliesst und durch Vei'- mittelung desselben auf der Sternwarte ein Signal ver- zeichnet. Trifl't dieses Signal zu der i'ichtlgen Minute und Sekunde ein, so gewhrt dies eine volle Sicherheit dafr, das die Zoitregulierung vollkommen zuveiissig funktionleit. Sollte jedo<'h infolge vorbeigehend wirken- der Hindernisse oder einer zeitweisen Unterbrechung der Leitung ein Zurckbleiben odei' Voreilen einer der Normaluhren erfolgt sein, so wird der Fehler der betreffen- den Uhi' \on der Sternwarte aus auf folgende Welse beseitigt. Die \'erbindung der Ncnuialuhr mit der Haupt- uhr wird aufgehoben und an Stelle der letzteien eine flilfsuhr eingeschaltet, deren Pendel, je nachdem die zu regulierende Uhi' zurckgeblieben oder vorgeeilt ist, etwas rascher bezw. langsamer schwingt, als das Pendel der Haui>tulu'. Dadurch wird die Normaluhr so lange zu einem rascheren bezw. langsameren Gange gentigt, bis der Fehler beseitigt ist, worauf die Hilfsuhr ausgeschaltet und die Verbindung mit der Hauptuhr a\ leder hei gestellt wird. Grssere Hindernisse werden freilich auch auf diesem Wege nicht zu beseitigen sein, wenn man nicht zu dem Hilfsmittel der Anwendung sehr starker gal- vanischer Batterieen seine Zuflucht nehmen will. Da aber dieses Auskunftsmittel anderweitige Unzutrglichkeiten im Ciefolge hat, und bei staikem Vorelleu oder Zurck- bleiben die Gefahr nahe liegt, dass es sich um eine dauernde Betnnflussung des Ganges dei' betieffendcn Uhr handelt, wird man bei Eintritt eines solchen Falles auf Beseitigung des Fehlers von der Sternwarte aus ver- zichten und statt dessen an Ort und Stelle die Ursache der Abweichung zu ermitteln suchen. In l'aris ist ein System der Reguhcrung in (iebrauch, welches im Jahre 1847 von Foucault angegeben wurde und gleichfalls daiauf basiert, unter Vermlttelung elektri- scher Stromimpulse eine volle Uebei-einstimnuuig der Pendelschwingungen der Normaluhren und der Hauptuhr zu erreichen. Die Pendel der Normaluhren tragen an Stelle der mit Draht umwundenen Hohlcylinder gewhn- liche Pendellinsen, unterhalb derselben aber noch ein Stck weichen Eisens, welches sich bei den Schwingungen des Pendels an zwei zu beiden Selten aufgestellten Elektro- magneten in sehr geringer Entfei'nung vorbeibewegt. Der Stromimpuls wiid in diesem Falle nicht auf das Pendel selbst, sondern auf die feststehenden Elektromagneten bertragen, im biigen aber in analoger Weise wie bei dem System .) ones durch die in jeder Sekunde wieder- kehrenden magnetischen Anziehungen eine volle Syn- chronisation der Pendelschwingungen eizielt. Auch bei diesem System ist es aber nicht unbedingt erfordei'lich, die regulierende AVirkung von beiden Seiten aus auf das Pendel ausben zu lassen ; man kann den einen Elektro- magnet weglassen und daduirh die Anordnung gleichwie bei dem in Berlin angewandten S,ysteme zu emov ein- seitigen machen. Dadurch wird nicht allein eine Vei- einfachung der ganzen Einrichtung erzielt, sondern auch eine grssere Unemptindllchkeit geg-en Variationen in der Stromstrke erreicht, sowie an Kosten fr die Erhaltung der Batterieen gespart, da bei einseitiger Anordnung die Stromimpulse nur alle zwei Sekunden erfolgen. Welches der beiden in Berlin bezw. Baris adop- tierten Systeme den ^orzug verdient, ist schwer zu ent- scheiden; im allgemeinen wird nicht zu leugnen sein, dass das System Foucault in seiner Anordnung einen eleganteren und geflligei'en Eindruck macht. Nicht allein, dass die Handhabung der ganzen Einrichtung bei dem letztgenannten System dadurch wesentlich \ereinfacht wird, dass der Strom nicht an der Pendelstange herab- luft, sondern es wird auch eine etwaige Umkehrung der Stromrichtung bei demselben einflusslos sein, wh- rend eine solche bei dem System Jones zu sehr empfind- lichen Strungen Anlass giebt.*) *) In neuester Zeit hat Cornu (Coinptes Rendus, Tome CV, pag. 1106) fr die Synchronisation ein System vorgesclilagen, dessen Anwendung- gegenber denjenigen von Jones und Foucault wesent- liche Vorteile in Aussicht stellt. Dasselbe ist in gewissem Sinne eine mkehrung des Systems von .Jones, indem Cornu den seit- lich aufgestellten permanenten Magnet und die am Pendel be- festigte Drahtrolle miteinander vertauscht. Der etwa 15 ci lange Magnet, welcher unterhalb der l'endellinse angebracht ist. bilder 20 Natiir\vis.senschaftliche Wuclieuschrift. Nr. 3-. Was brigens die Aufstellungsweise der Normaluliren anbelangt, so wird in Berlin besonders bei einer Ei-wei- terung der Anlage eine Abnderung geboten sein, da die Uliren bei dei' gegenwrtigen Ai't der Aufstellung in zu hohem Grade strenden F]inttssen ausgesetzt sind. einen Kreisbogen, dessen Mittelpunkt dem Anflingepunkt des Pendels entspricht. Die Drahtrolle, welche alle 2 Sekunden vom Strura durch- laufen wird, ist soweit seitlich aufgestellt, dass im Moment der grssten Amplitude nur die auf der zugewandten Seite gelegene Hlfte des Magnet von derselben umschlossen wird. Dieser Rolle gegenber steht auf der anderen Seite eine zweite von gleichen Dimensionen, deren Drahtwindungen aber nicht mit der Hauptuhr in Verbindung gesetzt, sondern in .sich selbst geschlossen sind. Sobald das Pendel nach dieser Seite hin schwingt, tritt der andere Pol des Magnet in diese Rolle ein und induciert in derselben einen Strom, welcher infolge seiner Rckwirkung auf den Magnet eine Dmpfung der Schwingungen des Pendels herbeifhrt. Der An- ziehung des einen Magnetpoles infolge der stetig wiederkehrenden Stromimpulse auf der einen Seite steht daher eine fortgesetzte Dmpfung der Schwingungen auf der anderen Seite gegenber, wo- durch eine noch wesentlich przisere S.ynchronisation erzielt wird als bei den Systemen Jones und Foucault. Selbst bei Anwendung nur schwacher Batterieen ist die Wechselwirkung zwischen der Rolle und dem Magnet eine so intensive, dass das Pendel aus voll- kommener Ruhe in Schwingungen versetzt werden kann und die Synchronisation ist eine so krftige, dass es C'ornn selbst gelungen ist. eine pro Tag um 6 Minuten 30 Sekunden fehlerhaft gehende Uhr zu vollkommen bereinstimmendem Gang mit der Hauptuhr zu bringen, whrend bei den Systemen Jones und Foucault schon ein Fehler im tglichen Gange der Uhr von etwa einer lialben Minute die Grenze dessen bezeichnet, was bei Anwendung nicht zu starker Batterieen durcli diese Regulierungssysteme noch zu com- pensieren ist. Dieselben participieren nicht allein an allen Temperatur- schwankungen der freien Luft, sondern sind infolge der einseitigen Bestrahlung des Gehuses durch die Sonne und der Erwrmung durch die Ga.sflamnien, welche wh- rend der Nacht zum Zwecke der Beleuchtung der Ziffer- bltter im Innern des Gehuses angezndet werden, Temperaturdifferenzen in noch erhhtem Masse ausgesetzt, und es ist bei der jetzigen Aufstellungsweise kaum mg- lich, die Uhren hinreichend voi' dem Verstauben zu schtzen. Um diese nachteilig wirkenden Einflsse auf ein mglichst geringes Mass abzuschwchen, schlgt Dr. Leman vor, das Ulu'werk unter das Strassenniveau in eine gemauerte und berwlbte Kammer zu legen, welche mit einem Einsteigeschacht versehen ist, und bei' diesei- Kammer ein Postament zu errichten, welches allein das Zifferblatt und Zeigerwerk enthlt. Die Uhr wird dann einem geringeren Temperaturwechsel ausgesetzt, sowic^ \or ussei'en Strungen und dem Verstauben besser ge- schtzt sein. Man wird indes denselben Erfolg in ein- facherer Weise und vielleicht noch erhhtem Masse erzielen, wenn man dai'auf verzichtet, die Uhren auf ffentlichen Pltzen aufzustellen, und sie statt dessen in J'arterre-Lokalitten so unterbringt, dass das Zifferblatt von der Strasse oder dem l*latze aus zu sehen und ab- zulesen ist. (Schluss folgt.) Ueber das Konservieren und Prparieren fleischiger Hutpilze/') Von P. Hennings, A.ssistent am Mit wie grossen Schwierigkeiten das Konservieren mancher ffutpilze fr wissenschaftliche Sammlungen ver- bunden ist, weiss jeder, der Gelegenheit hatte, sich hiermit zu beschftigen. Es wird auch wohl schwerlich jemals ein Verfahi'en ei'sonnen werden, durch welches die fleischigeren Ai'ten derselben vllig unverndert in ihrer Form und Farbe erhalten bleiben. Der ungemein grosse Wa.ssergehalt vieler Pilze bedingt schon eine grosse Veinderung beim Trocken- werden. Ausserdem sind die einzelnen Arten sowohl, als auch grssere Gruppen dei' Hutpilze, so die Corti- narien, Maiasmien, Russuleen, Lactarien von der eigent- lichen Gattung AgaricHS durch Merkmale verschieden, die wohl im frischen Zustande recht gut kenntlich sind, durch das Trocknen oder Aufbewahren in Spiritus aber zum Teil oder ganz verschwinden. Hierzu kommt noch, dass eine und dieselbe Pilzart hutig infolge Witterungs- einflsse, des Standortes, Substrates u. s. w. in Form und Farbe sehr variieit, und ein und dasselbe Individuum ausserdem, je nach seinem Entwicklungs-Stadiura, sekr verschieden sein kann. Ich will hier niu' au den be- kannten Fliegenpilz erinnern. Whrend \iele Arten, besonders aus den Familien der Helvellaceen, Pezizeen, Phalloideen, Tuberaceen u. s. w. sich ziemlich gut in Alkohol konserviei'en lassen, ohne ihre charakteristischen Kennzeichen we.sentlicli zu verndern, werden die meisten *^ Vcrgl. iiiirli li:ind I iliescr /eilscliril't. Seite 147. Red. Kgl. biitaiiischen (iarten zu ]5erliii. Boletus- und .Vgaricus-Arten hierin vllig unkenntlich. Eine Amanita- oder Kussula-Species zu konservieren, ist mir bishei' nicht gelungen. Manche Art liis.st sich dadurch ziemlich unverndert eihalten, dass ich sie sehi" kurze Zeit in sch\\'ache schwefelige Surelsung lege, sie dann auswssere und in Spiritus setze. Derartig pflege ich fast smmtliche Helvellaceen, Pezizeen und manche Agaricineen zu behandeln. Selbst Russula adusta und R. nigricans, die in Alkohol tief schwarz werden, bleiben auf diese Weise jirpaiiei-t, nebst der Flssigkeit unver- ndert. Was nun das Prparieren fleiscliiger Hutpilze fr das Herbar anbelangt, so verfahre ich mit diesen in fol- gender Weise: Jede Pilzart wird mglichst in mehreren Exemplaren und in verschiedenen Entwickelungs- Stadien gesammelt. Die Hte einzelner sporenreifer Exemplare werden an der Ansatzstelle \on den Stielen abgeschnitten und be- hufs Erlangung von Sporenjirparaten auf entsprechende Papierstckclien gelegt. Von den brigen Pilzen suche ich mglichst dnne Lngsschnitte zu fertigen. Nachdem ich mehrere gut erhaltene, sich gegenberstehende La- mellen auf der Unterseite des Hutes aufgesucht, fhre ich mittelst flachei', scharfer Messerklinge einen Schnitt von oben durch den Hut und Stiel aus und zerspalte damit den Pilz in zwei gleiche Lngshlften. Von beiden erden dann ein odei' mehreie dnne Lngssclinitte, Nr. 3. Natiirwissenschaftliclie Woclienschrift. 21 wi'k-lie ingliclist nur rinr Lamelle besitzen, yefertigl. Diese Schnitte werden auf einen glatten Seiden- oder l-'esspapieiiiogen geleg-t und dann zwiselien Flie.ssi)a])iei- lag-en geti'oclinet. Die beiden Hutluilften lst man vom Stiele ab und entfernt dui'cli Ausselineiden und Aus- schaben die Lamellen und das Fleisch soweit als mglich, iiline die Oberhaut zu verletzen. Ist letztere schmierig oder mit Waizen bedeckt, wie es beim Fliegenpilz der Fall ist, so leg-e ich die ausgefleischten Hte mit der Fnterseite auf Fliesspapier und lasse die Oberseite ent- weder in der Luft etwas trocken werden, oder erziele dieses durch sorgfltiges Abtupfen mit einem weichen Tuche. Alsdann werden die einzelnen zusammengelegten Teile auf Bogen zwischen Fliesspapierlagen gebracht und getrocknet. Fi' gewhnlich ist nui- ein einmaliges Wechseln der Lagen erforderlich. In manchen Fllen ist es rtUch, einzelne Exemplaie nur zu halbieren, die Lamellen nicht zu entfernen und sie schwcherem Diuck auszusetzen, um sie spter lose in Papierkapseln beizufgen. Klei- nere Arten mit wenig fleischigen Hten, wie viele My- cenen, Omphalien, Marasmien u. s. w. sind ebenfalls teils halbiert, teils ganz, ohne dass Fleisch und Lamellen aus- geschnitten werden, einzulegen. Die trockenen Exemplare werden, wenn ntig, mit der Scheere etwas beschnitten und auf der Unterseite mit in Alkohol gelstem (Queck- silber-Sublimat mittelst eines feinen Pinsels bestrichen. Seilten Papierreste an den Hten festgeklebt sein, so lsen sich diese beim Durchdringen der Sublimatlsung gewhnlich ab, oder sie lassen sich leicht abziehen. Um die Pilze auf Papierbogen zu befestigen, ver- wende ich am besten einen gut zerriebenen Strkemehl- kleister, der mit einem \'ierteil aufgelsten Gummi ara- bicum gleichmssig gemischt wird. Zuerst wird der Stiel und dann der Hut aufgelegt, so dass das Priiarat die Form des lebenden Pilzes im Profil zeigt. Gewhnlich klebe ich die verschiedenen Entwickelungsstadien der Reihe nach auf, und daruntei- in gleicher Weise die Lngs- schnitte, alsdann die Sporenprparate und etwaige Kapseln mit losen Exemplaren derselben' Ai't. Am besten ist ein starkes, festes Papier oder Kartonpapier zu ver- wenden und zwai- in entsprechenden Formaten. Die aufgeklebten Pilze werden zwischen Papierlagen gut ge- presst. Was nun die Anfertigung dei- Spoi'enprparate be- trifft, so wende ich je nach der Sporenfi-bung verschie- dene Methoden an. Die vom Stiel getrennten Hte mit unveiletzten Lamellen werden, falls sie farbige Sporen besitzen, auf weisses Schreibpapier gelegt, dagegen die mit weissen Sporen auf blaues Papier, dessen Farbe aber konstant sein muss und dann mit einer Glasglocke und Schachtel bedeckt. Kleinere Arten, die leicht trocken werden, kann man auf Blumentpfe odei' Schsseln, die etwa 1 oder -2 an unteihalb des Randes mit feuchtem Sand gefllt sind, legen und diese dann mittelst einei- Gla.sscheibe oder eines Brettes bedecken. WJuend grssere Pilze gewhnlich schon nach 6 12 Stunden so viele Spoi'en abgi'worfen haben, dass auf dem Papier- blatte ein deuthches Abbild des Hyni(;niums sichtbar ist, dauert dieses bei sehr kleinen Pilzen oft 1 bis 2 Tage. Um fai'bige Sporen auf dem Papier zu fixieren, so dass sie nicht verwischbar sind, nehme ich soviel Kolophonium, als sich im Alkohol bestei' Qualitt auflst, und bestreiche mit dieser Lsung das Papier mit dem Sporenprparat von unten. Die Flssigkeit muss das Papier und die Sporen hinreichend durchdiingen. G. Heipell in St. Goar, welcher das Fixieren dei' Sporenprjiarate zu- erst bekannt gemacht hat, wendet zu diesem Behufe compliciertere Lsungen von verschiedener Sti'ke an, doch drfte das einfachei-e Verfahren, wenn es den Zwet'k gleich gut erfllt, das bessere sein. Fr die weissporigen Pilze ist in manchen Fllen die Heipell'sche Fixierungs- flssigkeit, bestehend in einer Auflsung von einem Teil Mastic, in dreissig Teilen Aeter ganz vortrefflich. Bei vielen Tricholoma-, Clitocybe-, Mycena-, CoUybia-Arten aber wei'den die Sporen durch diese Behandlung meistens durchsichtig oder durch zu starken Zusatz von Mastic gelblich gefrbt. Fr diese Arten verwende ich letzt- zeitig ein besonders prpariertes Paiiier, welches mit der oben beschiiebenen Kolophonium-Lsung ein- oder mehr- mals getrnkt whd. Dieses Papier kann man stetig vor- rtig halten und in Benutzungsfllen ein entsprechendes Stck abschneiden. Der Pilzhut wird darauf gelegt und wenn gengend Sporen abgeworfen sind, sorgfltig ab- gehoben. Das Papier wird von unten ber einer Gas- flamme gleichmssig erwrmt. Hiei'durch wird das im Papier enthaltene Harz flssig und bindet beim Erkalten die Sporen, welche ihre Farbe unverndeii bewahren und schwer verwischbar sind. Kleinere Mitteilungen. Ueber die Knallgas -Explosion liattc Bnnseii bereits 1867 auf i-irund experimenteller und tbeoretischer Untersueliungen die Behauptung aufgestellt, dass dieselbe aus einer Reihe aufein- ander folgender Partial-Explosionen bestehe, (regen dieselbe war von einigen Seiten Widerspruch erhoben worden, so dass man ber diesen Punkt unklar war. I)aber haben A. v. Oettingen und A. V. (iernet neue Versuche zur Feststellung des Vorganges liei einer Knallgas-Explosion unternommen, und sie kommen (Ann d. Phys. u. t'hem.) zu dem Resultat, dass die Pefunde der experimen- tellen Untersuchungen sich mit Bunsen's Aimahme gut deuten lassen. L)ie Explosion wurde dabei mittels eines elektrischen Funkens hervorgebracht und auf einem rotierenden Spiegel, welcher mit einer photographischen Camera in Verbindung stand, beobachtet. Die pbotographischen Aufnahmen zeigen drei verschiedene Arten von Lichtwirkungen, welche sich als Wellenzge zu erkennen geben. Ferner ergiebt sich, dass die Kxplosion selbst lichtlos vor sich geht; die beobachtete gelbliche Lichterscheinung rhrt von anderen Teilen (Natrium) her, welche bei der liolien Temperatur aufleuchten. Der fehlenden Licbter.scheinung wegen kann die Kxplosion auch keine AVirknng auf die photographische Platte ausben, whrend man durch Hinzufgen von Metallsalzen gute Aufnahmen erhlt. Die Explosion geschieht von der Funkensfelle aus in einer Reihe auf- einander folgender Partial-Fjxplosionen, welche sich auf dem photo- graphischen Pilde in den sogenannten Nebenwellen" erkennen 22 NatinTV'issenschaftliche Wochenschrift. Nr. 3. lassen. ]>ie nhere quantitative \'ei\venung der Resultate (le- stimmung- der Explosionsgeschwindigkeit u. s. w.) knnen wir in diesem kleinen Rahmen nioht ausfhrlich angeben und mssen auf das Original selbst verweisen. A. (iutzmer. Knstliehe Rubine. Die Bedeutung, welche die Ver- suche, Mineralien knstlich darzustellen, lr die Wissenschaft haben, liegt hauptschlich darin, dass dieselben geeignet sind, eine Erklrung der natrliclien Entstehung der Mineralien und Gesteine anzuhahnen und zu geben, ber die Art ihres Auftretens und endlich ber die genaue chemische Zusammensetzung gewisser Mineralien Licht zu verbreiten. Dass die Darstellung der Edelsteine fr das praktische Leben von hoher Bedeutung sein muss. liegt auf der Hand. Nach- dem die knstliche Erzeugung von Korund (AI- 0') schon auf ver- schiedene Weise gelungen ist, hat im letzten Jahre Freniy in Paris in Gemeinschaft mit dem Chemiker Verneuil (V'ergl. l'omptes rendus) eine schon frher von ihm und Feil angewandte Methode weiter verv(]llk(imranet. Dieselbe beruht auf der Anwendung von Fluoriden, die sich bei der knstlichen Erzeugung verschiedener Mineralien- fruchtbar erwiesen hat vermge der erkannten niineralbildenden Kraft der Flusssure. Fi-i-my erhitzte Fluurbaryum und Thonerde, der winzige Mengen von doppelchromsauren Kali beigemischt waren, zusammen etwa 50 g, in einem Tiegel. Das Chrnuisalz hat nur den Zweck, die rote Farbe des entstehenden Korunds hervorzurufen, die Vdii Spuren von Chromoxyd herrhrt. Die Hhe der Temperatur und die Zeit des Erhitzens ist genau abzumessen (aber zunchst noch nicht bekannt geworden). Aus der weissen, porsen Schmelze sind die gebildeten roten Korunde (Rubine) durch Ausschtteln mit Wasser leicht zu isolieren. Die Grsse der Krystalle erreichte 0,6 bis 0,75 mm. Die chemische Analyse ergab nur Thonerde mit Spuren von Chrom. Die Krystalle gleichen in Schwere, Hrte, Farbe, Glanz, Durchsichtigkeit und Lichtbrechung durchaus den natrlichen Rubinen, gleich denen sie auch rhomboedrisch krystalli- sieren. Interessant ist dabei, dass nach den krystallographischen Untersuchungen, welche Des toizeaux vornahm, ausser Rhomboeder und Basis sich Flchen vorfinden, die wohl an dem mit dem Korund isomorphen lOisenglanz (Fe^ 0-''), aber nicht am natrlichen Korund beobachtet worden sind. l'",s sollen nun Versuche angestellt werden grssere Krystalle zu erzielen. in einer der folgenden Numniern der Naturw. W. werde ich mich ber die Bedeutung und die Ergebnisse der knstlichen Er- zeugung Von Mineralien aussprechen. Dr. It. Scheibe. Das Aspirationsthermometer. Eine der schwierigsten Aufgaben der meteorologisi'hen Beobachtungskunst, nmlich die Ermittelung der wahren Lufttemperatur eines gegebenen ( )rtes ist neuerdings durch die Untersuchung-en des Dr. R. Assmann, Ober- beamten des Kniglich Preussischen Meteorologischen Instituts, einer vllig befriedigenden Lsung nahe gerckt worden. Da die An- gaben der Thermometer in festen Aufstellungen, d. h. in melir oder wein'ger gut ventilierten Gehusen resp. Htten durch vielfache Fehlerquellen strend beeiiitlusst werden, ferner das von Arago an- gegebene Schleuderthermometer" neben seinen Vorzgen leichter Handhabung und grosser EmpKndlichkeit dennoch erhebliche Mngel besitzt, erscheint die Konstruktion eines Thermometers das von den Nachteilen sowohl der festen Aufstellung als auch des Thermometers fronde" frei ist. als ein erheblicher Fortschritt. Da die erste Bedingung zur Erhaltung der wahren Luft- temperatur die bestndige Berhrung des Thermometergeflisses mit den der freien Atmosphre angelirendeu Luftmasseu ist. erwies sich als einzig zum Ziel flirendes Verfahren die Aspiration der zu untersuchenden Luft, indem diese durch ein lihrensystem an dem Thermometer vorbeigefhrt wird, ohne vorher durch Wrme- wirkung fremder, grssere Masse besitzender Krper beeinflusst werden zu knnen. Der zweiten Beditigung, nmlich der Fern- haltung jeglicher Erwrnmng durch Strahlung wurde nach langen Versuchen durch Anwendung hochp(dierter MetallHlichen gengt, welche zur Umhllung des Thermometers verwendet werden. Danach besteht das Aspirationsthermometer aus zwei Haupt- teilen: dem Thermometer, umschlossen von einem hochpolieiten Metall- rohr und dem Aspirator, der mit demselben durch einen (Jummi- schlauch verbunden wird. Als bequemster Aspirator dient ein mit sehr exakt schliessenden Ventilen versehener .Saugebalg (als um- gekehrt wirkender Blasebalg zu denken), mittelst dessen ein Luft- strom von konstanter Geschwindig-keit aus der freien Atmosphre durch die Umhllung des Thermometers hindurchgesaugt wird. Zur Verhtung eines etwaigen Ilestes von Strahlung kann das Thermo- metergefUss mit einer zweiten polierten Metalllrlse versehen werden, durch welche gleichfalls die Aspiration stattfindet. Ein so kon- struiertes Instrument zeigt bei gleiohmssiger Aspiration im Schatten und im vollen Sonnenschein keinen wahrnehmbaren Unterschied seines Standes die Verwendung desselben Instruments als Psychro- meter, indem ein ebenso konstruiertes befeuchtetes Thermometer da- eben geschaltet wird, ermglicht es, endlich zuverlssige und brauch- bare Bestimmungen der Feuchtigkeit der Luft zu erhalten, was mich den bisherigen Methoden nanientlii-h bei Frostwetter oft unaus- fhrbar ist. Wir hoffen die Eigenschaften des neuen Apparates spater ein- gehend durzulegen, und bemerken nur, dass er wegen seiner grossen EmpfiiuUichkeit. mit welcher er jede Aenderung der Temperatur sofu't anzeigt, bei Ballonfahrten und auf Reisen als einzig biauchbar erscheint, aber auch fr die gewhnlichen Aufgaben klimatohjgischer Forschung der ausgedehntesten Verwendung fhig ist. Dr. Ernst Wagner. Astronomisches. I. Astronomische Neuigkeiten; Voruntersuchungen zur Herstellung photographisclier Himmelskarten. Bei dem im Frhjahr 1887 stattgehabten astronomischen Kongress in Paris wurde liesclilossen, photographische Aufnahmen des gesamten Sternenhimmels zu machen. Einen grossen Teil der hierzu titigen Vorarbeiten bernahm das Potsdamer astrophysikalische Observatorium zu Potsdam. Die bezglichen Aufgaben waren die folgenden: 1. Herstellung pliotographisrher ( iitter zur Ausmessung der Plat- ten. Diese Gitter sollten zunchst dem Zwecke dienen, Verzerrunpen der lichtempfindlichen Schicht nachzuweisen, um bei den Messungen dieselben in Rechnung stellen zu knnen. Whrend der Unter- suchung zeigte es sich, dass sie aiicli direkt zu Messungszwecken sich vorzglich verwenden Hessen. Bei der Ausfhrung der Netze versah man zunchst Glasplatten mit verschieden gefrbten Lack- berzgen, in welche feine Linien eingerissen wurden. Allein die Kopien fielen nicht zur Zufriedenheit aus, ebensowenig wie die von Netzen, die dadurch hergestellt wurden, dass man feine Platin- drhte ber einen Rahmen spannte. Vorzgliche Gitter dagegen wurden von Dr. Scheiner bei der Verwendung stark vei-silberter Glasplatten erhalten, allerdings auch ntir bei besonderer Form und Anwendung des Reissers. 2. Untersuchungen ber die Vernderung der empfindlichen Schicht in Folge der durch Hervorrufung und Fixierung bedingreu Manipulationen. Die Untersuchungen des Dr. Scheiner haben gezeigt, dass trotz des hohen Genauigkeitsgrades der Messungen, der Betrag der Verziehnngen ein ausserordentlich geringer sei bei der Anwendung von Gelatineschicliten, dass er dagegen bei Kol- lodiumschichteu unter gewissen Umstnden recht erheblich werden kann. Komet Sawerthal. Dieser Komet ist nun auch in Europa, gesehen und zwar auf der Sternwarte in Palermo am 13. Mrz. Der Kern erscheint glnzend, der Schweif breit, divergent und nach AVSW gerichtet. Populrer Fhrer durch den Firsternhimniel. Unter diesem Namen bringt Vogtherr in Bamberg ein Instrument in den Haiulel. das in der einfachsten Weise dem Laien eilaubt jeden Stern am Himmel aufzufinden. Der Apparat ist von Lieldiabern der Astronomie und aucli fr Unterrichtszwecke recht gut zu verwertheu. IL Astronomischer Kalender. Am 10. April Sonnenauf- gang 4 Uhr 59 Minuten, Untergang 6 Uhr 59 Minuten; Mondaiifgang morgens 8 Uhr 32 Minuten, Untergang abends 12 Uhr 5 Minuten. Am 23. April Sonnenaufgang 4 Uhr 44 Minuten, Untergang 7 Uhr 11 Minuten; Mondaufgang nachmittags 3 Uhr 18 Minuten. Unterg-ang frh 4 Uhr 22 Minuten. Am 19. April mittags 12 Uhr 45.8 Minuten erstes Viertel. Von Planeten sind Mars die ganze Nacht und Jupiter sechs Stunden sichtbar. Um lirgerliche Zeit aus der waliren Sonnenzeit zu erhalten muss man von letzterer abziehen am 16. April 20.3 Sekunden, am 23. April 1 Minute 50.1 Sekunden. In der Zeit vom 19. bis 23. April findet ein verhltnismssig bedeutender Stern- schnuppenfall mit mehreren Sfrahlung.spunkten statt, dessen Bahn mit der des Kometen I von 1861 ziemliche Uehereinstimmung zeigt. Dr. F. Plato. Pilze als Weinveredler. Unsere Kenntnis derjenigen Pilze, die durch ihre Lebensprozesse bei der Bildung unserer Genuss- mittel sich beteiligen, ist neuerdings vermehrt worden durch eine Arbeit von Dr. H. Mller - Thurgau ber den Traubenpilz Botrytis cinerea. (Landwirtschaftliche .Jahrbcher 1888.) Dieser Schimmelpilz, eine Conidienform der zu den Ascomyceten gehrigen Peziza Fuckeliana, befllt die reifen Trauben und versetzt sie in einen Zustand der Fulnis. Whrend nun andere Schmarotzerpilze der Trauben . wie das Oidium Tuckeri oder selbst der gemeine Pinselschimmel (Penicillium glaucum), den Ertrag der Beeren er- heblich schdigen, kann die Botrytis cinerea unter gnstigen Um- stnden im Gegenteil eine wesentliche Verbesserung des Weins zur Folge haben. Dass die faulen Trauben vielfach bedeutend edlere Weine liefern, wissen die Winzer der deutschen Rhein- und Mosel- gegend lngst, sie lassen daher in guten Jahren die Trauben am Stock, bis sie faul geworden sind, und lesen die faulen Beeren ans, um .sie gesondert zu verkelteru. Mller-Thurgau hat nun nach- gewiesen, dass die Ursache der Veredlung in den Lebensprozesseu des Pilzes zu suchen ist, und dass diese Fulnis, die Bdelfule", eine au.sschliessliche Wirkung der Botrvtis cinerea ist, nicht aber Nr. ;?. Naturwissenscliaf'tliclie Wochenschrift. 23 diiroli aiidi're I'ilze. 7. V> iiiclit dmcli reipilliiim trlauoiim. das auch auf den Trauben vorkuniint, liervdiijeriileii werden kann. Der Pilz verlirauclit zu .einer Ernillirun!,' /ucker. Siiure und Stiekstnii' aus der Heere, die beiden letzteren aber in viel liliereiu Verliltni.>i, und da zugleich au.s den edell'aulen Beeren mehr Wasser verdun.tet, als aus den g'esunden. so erhlt man aus jenen zwar eiiii' g-pi-jHcrere Menpe Most, aber einen solchen von viel edh-rer Besehatt'enheit, mit hherem Zucker- und viel geringerem .Sure- und .StiekstoffgehaU. Daraus entstehen mildere und zugleich langsamer und weniger voll- stndig verghrende, daher sssere Weine. Dieses Resultat wurde durch chemische l'iitersueliung gesunder und fauler Trauben, sowie durch einknltur des liotrytispilzes in vorher sterilisiertem Most gewonnen. Iteinkultureii des renicillium brachten im Gegensatz zu solchen der Hotrytis eine erhebliclie \'er.schlechteruiig hervor. Die Veredlung des Weines dureli den Pilz betriti't nielit mit die (brigens nach Mller von dem Aroma" zu unterselieidendeii) eigentmlichen Bouquetstoffe", die den deutschen Uieslingweinen den lieblichen Duft und liesclnnack geben; im Gegenteil wirkt die Fulnis auf diese zerstrend ein. aber um so weniger, je edler die Traube, d. h. je zuckerreicher sie ist. Ueberliaupt machen sieh die gnstigen Wirkungen der Fule nur bei edlen Reben, in guten Lagen und bei gnstiger Witterung voll geltend; weniger gnte Trauben werden von der Fulnis leicht zu sehr ergriften, und bei feuchter Witterung kann leicht ein erheblicher Schaden durch Aus- waschen der faulen Beeren tntstehen. Der Winzer wird daher mit den Verhltnissen seines Weinbergs und insbesondere mit dem Wetter zu rechnen haben, wenn er sich entscheidet, ob er seine Trauben gesund oder edelfaul ernten will. Dr. IP Klebahn. Eine Brcke ber den Kanal ist neben dem unterseeischen Tunnel schon ein altes Projekt, um England mit Frankreich zu verbinden. Dasselbe musste frher mit Recht fr unausfhrbar gehalten werden, soll aber nach den neuesten Erfahrungen ber Eisenkonstruktionen als vollkommen mglich zu betrachten sein. Xach dem Plane des Unternehmers der Arbeiten heim Suezkanal. Hersent, wrde diese Brcke in Frankreich am Kap Gris-Nez be- ginnen und in zweimal gebrochener Linie bei der Lnge von 37,5 A'r bei Folkestone in England enden. Die Kosten dieses Riesenprojektes werden im ganzen auf etwa eine Milliarde Franks geschtzt wird es ausgefhrt werden? wird sich eine solche Summe durch den Ver- kehr verzinsen? Seefischerei mit elektrischem Lichte wird jetzt in Ame- rika in grsserem Masse betrieben. Zu dem Zwecke wird in dem Xetz eine Glhlampe angebracht, durcli deren Lichtschein die Fische angelockt und so leicht gefangen werden. Aehnlich hat man das elektrische Licht zur Aufiuchnng von Gegenstnden verwendet, welche sich auf dem Grunde des Wassers befinden. Fragen und Antworten. 1 . In der Fragebeantwortung Seite 210211, Band I, bezglich des Vorkommens des Alpenlmmergeiers oder Bartgeiers geht uns folgende Ergnzung zu: Vom Bartgeier Bosniens und der Herzegowina habe ich ein alti's Paar und einen jungen Vogel, von jenem des Kaukasus ein altes Mnnchen in Hnden gehabt; alle diese Exemplare stimmten mit solchen aus den Alpen, aus Siebenbrgen und Spanien bis auf die durch das Alter bedingten Verschiedenheiten vollstndig berein. Der afrikanische Bartgeier, von dem ich selbst je ein Mnn- ehen ad.. Mnnchen und Weibchen med. und Mnnchen juv. besitze, unterscheidet sich konstant vom europischen durch etwas geringere Grsse und durch die Befiederung der Tarsen, welche bei ihm nicht so tief an die Zehenwurzel hinanreicht, wie bei jenem. Aber auch er bildet nur eine klimatische Variett (Gypaetus barbatus, var. meridionali .Schlegel), keine Art. In den sterreichischen Alpen Iiat das letzte Paar im Jahre 1880 gehorstet, [m Retyezat, dem Grenzgebirge zwischen Rumnien und Siebenbrgen, wo alljhrlich 12 Stcke geschossen werden, ist der Bartgeier noch regelmssiger Brutvogel. E. Ritter v. Dombrowski, Chefredakteur der Zeitschrift Der Weidmann." 2. i\ach eiller Angabe soll ein Witferungswcchsel auf eine luft- dicht abgeschlossene Mischung von Salmiak: Sal2>eter, Kampher. Spiritus, Wasser, mehrtgig digeriert und dann abgegossen, derartig verndernd einwirken, dass man das kommende Wetterviei-undztcanzig St)(nden vorher bestimmen kann. Es wurden genau nach Vorschrift zweiWetterglser hergestellt ; aber absolut keine Vernderung infolge von Witfenuigswechsel an denselben wahrgenommen. Wie stellt sich die Wissenschaft zu dem geschilder- ten Wetterpropheten? Derartige Hausmittel zur Vorausbestimmung der Witterung pfle- gen meistens auf mangelhafter Statistik oder Beobachtung zu beruhen. Auf eine luftdicht abgeschlossene .Salzlsung knnten, abgesehen von der Temperatur, hclistens Aenderiingeu iu der Intensitt oder Qualitt der Sonnensfralilung Einfluss ben, aus denen sich jedoch nach unseren heutigen Kenntnissen noch keinerlei Schlsse auf das kommende Wetter ziehen lassen. Dr. E. Less. 3. Bezglich der Frage: In welcher Flssigkeit kann man Pilze aufbewahren? Oder kann man sie auch noch auf andere Weise konservieren? vergl. den Artikel des Herrn Hennings in dieser Nummer der Xaturwissenschaftlicheu Wocliensclirift." Litteratur. Hlzel's Geographische Charakterbilder. Kleine Hand- ausgabe. 30 Chromolithographische Tafeln mit beschreibendem Text von Prof. Dr. Fr. Umlauft und V. v. Haardt. Wien. Eduard Hlzel. Preis 7,50 Mark. Die vor kurzem erschienene und fr den Handgebrauch bestimmte kleinere Ausgabe von Hlzel's Geographischen Charakterbildern kann als eine vortieffliche litterarische Gabe bezeichnet werden. Auf 30 Tafeln werden uns die hauptschlichsten geographischen Landschafts-Typen vor Augen gefhrt, deren Farben- gebung zum Teil eine so ausgezeichnete ist, dass uns die eigen- tmlichen Charaktere der Landschaft in voller Naturwahrheit ent- gegentreten. Von diesen Darstellungen zeichnen sich durch be- sondere Schnheit aus ; der Canon und Wasserfall des Shoshone aus der nchsten Nachbarschaft des Nationalparks in Nordamerika, die Wste Sahara mit dem gelblichen Ton ihrer Sanddnen, das Pano- rama des Bemer Oberlandes, der heisse Sprudel tukapuarangi in Neuseeland mit seiner rosarothen Sinterterrasse, das Panorama des Golfes von Neapel, der Gross-Glockner mit dem Pasterzengletscher, das Sulenkap auf Kronprinz Rudolfs-Land, der Hafen Nagasaki auf der japanischen [nsel Kiu-Siu, die eigentmlichen Erosionsformen der Weckelsdorfer Felsen, das Stettiner Haff, der Tafelberg mit der Capstadt und der Grand Cafion des Colorado. Eine allgemein ver- stndliche kurze Beschreibung macht uns auf die Eigentmlichkeiten jedes einzelnen Bildes aufmerksam. Auf diese Weise stellt das Buch ein treifliches Hilfsmittel fr den geographischen Anschauungs- unterricht dar und kann berhaupt jedem Freunde der Erdkunde auf das Wrmste empfohlen werden. Mge es bei seiner grossen Wohlfeilheit die weiteste Verbreitung finden. Dr. F. Wahnschaffe, Kgl. Landesgeologe und Privatdocent an der Universitt Berlin. Archiv der natiirivissenschaftlichen Landesdurchforschung von Bhmen. 6. Bd. Nr. 6. (Botanische Abtlg.) gr. 8". Preis QM-. Inhalt: Prodromus der Alpenflora von Bhmen. 1. Tl. (Enthlt die Rhodophyceen, Phaeophyceen u. Chlorophyceen). Von A. Hans- girg. 2 Hft. (m. lUustr.) Fr. Rivne in Prag. Goldschmidt, V., lieber krystallographische Demonstrationen mit Hilfe von Korkmodellen mit farbigen Nadelstiften, gr. 8". (20 S. m. 6 Taf) Preis 3 JC. Julius Springer in Berlin. Index der Krystallformen der Mineralien. 2. Bd. 1. 3 Hft. u. 3. Bd. 1. Hft. gr. 8. Preis 12^ 80 -j Inhalt: H. 1. Pahl- erz Frieseit. (64 S.) Preis 3 JC 60 -^. 2. Gadolinit Gyps. (S. 65128) Preis 3 JC- 60 -j. 3. Haidingerit Jarosit. (3. 129192). Preis 3 M 60 -j. III. 1. Quarz. (25 S.) Preis 2 JC. Julius Springer in Berlin. lieber Projektion und graphische Krystallherechnung. gr. 8'. (IV, 97 S. m. lUustr.) Preis 6 Jt. Julius Springer in Berlin. Gegen Einsendung des Betrages (atich in Brief- marken) liefern wir vorstehende Werke franko. Zur Besorgung lifterarischen Bedarfes halten wir uns bestens e)nj)fohlen. Berlin S\V. 48. Die Expedition der Xatnrwissensciiaftiichen. \%'o<'liensohrift". Briefkasten. Herrn Lehrer 0. Bick. Vielleicht gengt Ihnen; H. Wendt, Ueber Schul-Excursioneu mit besonderer Rcksicht auf grssere Stdte. Verlag von Appelius in Berlin. Preis 0,30 JC. Berichtigung. Die Reise um die Welt mit der Romanzotfischen Entdeckungs- Expedition, an der Chamisso und Eschscholtz als Naturforscher be- teiligt waren, fand bekanntlich 1815 1818 statt: auf Seite 7 Bd. II. Fossiles Eis" muss es daher in der ersten Zeile nicht 1860 sondern 1816 heissen. 24 Natiirwissenscliaftliche Wochenscluift. Ni'. 3. S^^Q^a^'b namentlich Anzeigen allei' optischen, chemischen, physikalisclien etc. Gertschaften, Naturalien, Chemikalien, sowie Bchei-anzeigen finden weiteste und passendste Verbieitung. Seit Aufang dieses Jalires ersclipint 'lip PFaktisehe Physik Zeitschrift fr Experimentalphysiker, Studierende der Physik. Mechaniker. Optiker u. s. w uiiil Organ fr den physikalischen Unterricht. Unter Jlitwirliung liervorra;^eiuler Autoritiiten uiul bewlirtev Faclimnuer lierausgegeli. vnn Dr. M. Krieg. Mouatlicli 1 IV2 Bogen. Preis lialhjilhrlicli 3 M. Die Pralitisclie Pliysili" enthlt Original-Artikel, welehe sich auf die Praxis der Pliysik beziehen, untersttzt die Vertt'entlieimng guter und brauchbarer, teils verbesserter, teils neu konstruierter Aiiparate und ist eine Central.stelle aller Bestrebungen zur Frderung der physikalischen Technik und der physikalischen Demonstrationen. 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Friedrichstrasse 226 emptiehlr sieh zur Besorgung von naturwissenschaft- lichen Werken und Zeitschriften. ( Ansichtssendungen stehen jederzeit zu Diensten. )* liehufs anhaltender Verbindung wolle man sich mit der Firma in Korrespondenz setzen. Band I (Okt. 1887 Mrz 1888) unseres Blattes liefern wir gegen b^iiiseuduiig von JC 4,20 (in liriefinarkeu) fran- ko, einzelne Quartale des Bandes gegen Emsendiing von .//f 2,10 (in Briefmarken.) Einzelne Nummern kosten 25 ,j. Die Expedition der Naturwissenschaftliciien Wociienschrift" Berlin SW. 48. Friedrich-Strasse 226. [nserate fr Nr. 5 Bei Benutzung der der Naturwissenschaftlichen Inserate bitten Wir un- Wochensehrift" mssen spte- sere Leser hfliclist, auf stens bis ^Sonnabend, 21. April in die NaturwiSSeDSChaftChe "" ' Wochenschrift" Bezug neh- unseren Hnden sein. Die Expedition. men zu wollen. Inhalt: l'rof. I)r. 'J'li. All)recht; Einrichtung zur OIFeutlichen Zeit-Regiiliernug. (Mit .Abbild.) unil l'riiparieren fleisebiger Mutpilze. Kleinere Mitteilungen: Ueber die Knallgas-Kxplosion. r. Hennings: Ueber das Konservieren Knstliche ilubine. Das Aspiration.s- therniometer. Astronomisches. Pilze als Weinveredfer. Eine Brcke ber den Kanal, Seefischerei mit elektrischem Lichte. Fragen und Antworten. Litteratur: Hiilzel's Geographische Charakterbilder. Bcherschau. Briefkasten. Berichtigung. Inserate. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henrj' Potonie. Verlag: Riemann & Mller. Druck: Gebrder Kiesau. Smtlich in Berlin. Dr. H. Potonie. Verlag: Riemann & Mller, Berlin SW. 48, Friedricli-Strasse 226. IL Band. Sonntag-, den 22. April 1888. Nr. 4. Abonnement: Man abonniert bei allen Buchhandluugeu und Post- nstalten. wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist JC 2. ; Bringegeld bei der Post l-f extra. 1 Inserate: Die viergespalteiie Petitzeile 30 -j. Grssere Auftrge eiatspreclieiulen Rabatt. Beilagen nach Uebereinkanft. Inseraten- annahnie bei allen Annoncenbureaiix, wie bei der Expedition. Abdrnck it nur mit vollitnclijfer 4{nellenans:al>e g;e!!itattet. Einrichtungen zur ffentlichen Zeit- Regulierung. Von I'rofpssnr Dr. Tli. .\lbrpclit, Spktion.schef am k. geodtischen Institut in Berlin. Whieiul fr die Pici.siuii.suliii.'ii uQstreitig das System der sympathischen Uhren als die beste Lsung des Pi'oblenis der Zeit-Regiiliei'ung anzusehen ist, wird man fr die in viel grsseiei- Zahl vorhandenen ffent- lichen L'hien zweiter Art, bei denen ein Fehler bis zu 10 Sekunden zulssig ist, entsprechend diesem geringeren Genauigkeitsgrade einfachere Lsungen de.s Problems in Anwendung bringen knnen. Im Vordergrunde stehen in dieser Beziehung die sogenannten Stundensteiler, welche dai-auf basieren, dass allstndlich oder nach Ablauf einer gewissen Anzahl von Stunden durch Aermitthing eines elektrischen oder pneu- matischen Stromes dei' Minutenzeiger richtig eingestellt (Scliluss) .Je nach der Art und Grsse der zu regulierenden Uhr sind fr den Regulierungsmechanismus sehr ver- schiedenartige A'orrichtungen in Vorschlag gebracht woiden. Am einfachsten ist die in neben.stehender Figur dargestellte Einrichtung. Auf der Achse des Minutenzeigers ist dicht hinter dem Zifferblatt ein Arm angebracht, der zur Zeit der Regulierung d. i. bei Beginn einer jeden vStunde senkrecht nach abwrts gerichtet ist. Unter demselben befindet sich, um eine horizontale Achse drehbar, ein Ankerhebel, des.sen freies Ende nach oben hin gabelfrmig aus- geschnitten ist. Sobald nun zur vollen Stunde die Centraluhr den Kontakt schliesst, wiid dieser Ankerhebel und somit der in der Zwischenzeit entstandene Fehler ! durch den Elektromagnet nach oben gezogen, die Gabel wiederum beseitigt wird. Da der Minutenzeiger nur durch Reibung auf seiner Achse aufsitzt, kann diese Manipulation vor sich gehen, ohne dass hierdurch eine Strung auf den Gang des Uhrwerkes ausgebt wird. Fig. 2. umfasst den Hilfsarm und flirt in, falls er um diese Zeit nach der einen oder der andern Seite geneigt steht, genau in die senkrechte Lage zurck. Da bei dieser Konstruktion die Kraft des Elektromagnet unmittelbar zur Zeigerstellung benutzt wird, kann diese Einrichtung nui' zur Regulierung kleinerer Uhren angewendet werden, wenn man nicht unverhltnisrassig starke und grosse Elektromagnete benutzen will. Dieselbe lsst sich aber ohne Schwierigkeit auch auf grssere Uhren bertragen, wenn man davon absieht, den Elektromagnet direkt auf den Ankerhebel wirken zu lassen und ihn niu- zur Aus- lsung eines Hilfsmechanismus verwendet, welcher unter dei- Wirkung eines Gewichtes oder einer Feder die Richtigstellung des Minutenzeigers bewirkt. Das Auf- zieJien dieses Mechanismus erfolgt gleichzeitig mit dem 2(1 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 4. Aufzielien der Uhr in analogei' Weise wie das des Schlagwerkes bei den gewhnlichen LThren. Ausser dieser einfachsten Vorrichtung zui- Regulierung sind noch andere mehi- oder mindei' komplizieite Ein- richtungen in Vorschlag gebracht worden, welche gleich- falls auf dem Prinzip basieren, den voigeeilten oder zurckgebliebenen Minutenzeigei' nach Ablauf bestimmter Zeitintervalle wiedei' in seine richtige Lage zurck- zufhren. Andere Einrichtungen gehen von der Er- wgung aus, dass es einfacher ist, eine Uhr von Zeit zu Zeit richtig zu stellen, bei der die Abweichungen immei' nur nach deiselben Seite gerichtet sind, welche also von Hause aus so justiert ist, dass sie tglich um ein bis zwei Minuten voreilt odei' zurckbleibt. In diesem Falle wird die Regulierung an das [Rdeiwerk verlegt; dasselbe wird entweder so lange angehalten bis der durch die Voreilung entstandene Fehler wiederum beseitigt ist, oder bei jeder Regulierung das P^chappement ausgelst, bis dei' fehlende Betiag wieder eingeholt ist. Bei der Beurteilung des Wertes derartiger Einiichtungen ist zu bedenken, dass es unnatrlich ist, ein Pendel gleich von vornherein mit einem Fehlei- zu behaften. Alle Vor- richtungen dieser Art sind berdies ziemlich kompliziert und funktionieren kaum mit g-rsserer Zuverlssigkeit als die Regulierung mittelst dh-ekter Einstellung des Zeigers, bei der eine unrichtige Justierung des Pendels nicht vorausgesetzt ist. Endlich giebt es noch Systeme, bei denen jeder Eingrilf auf die Zeiger und das Rderwerk vennieden wird und die Regulierung durch ein kleines lngs der Pendelstange verschiebbares Gewicht erfolgt. Im PrinzriJ sind Einrichtungen dieser Art deshalb am vorteilhaftesten, weil sie auf mglichst natrlichem Wege die Aufgabe zu lsen suchen; ob sie aber auch in dei' praktischen Ausfhrung am besten funktionieren, ist gegenber der Einfachheit in der- Konstruktion und Wirkungsweise der eigentlichen Stundensteller um so mehr in Zweifel zu ziehen, als die bisher in Vorschlag gebrachten Ein- richtungen dieser Art der wnschenswerten Einfachheit entbehren. Ein System (Redier-Tresca), welches sich auf dieses Prinzip grndet, ist bei der Regulierung der ffentlichen Uhren in [Paris eingefhrt. An jeder Uhr sind zwei durch Windflgel regulierte Laufwerke an- gebracht, welche sich in entgegengesetzten Richtungen drehen und durch Vermittlung einer Rolle eine Hebung oder eine Senkung des an der Pendelstange verschieb- baren Gewichtes bewirken. Bei richtigem Gange der Uhr laufen am Schlsse jeder Stunde beide Laufwerke nacheinander je 15 Sekunden lang, das Gewicht wh-d unter der Wiikung dieser Bewegungen um ebensoviel gehoben als gesenkt und infolge dessen keine Aenderung dei' Schwingungsdauer des Pendels hervorgebracht. Wenn aber die Uhr voreilt oder zurckbleibt, findet das Anhalten des einen und das Auslsen des anderen Laufwerkes nicht in der Mitte der Zeit, sondern um so viel frher oder spter statt, als dei' Fehler [der IThr betrgtj; das Gewicht verndert infolge dessen seine Stellung, und das Pendel schwingt in der Zwischenzeit zwischen dieser und der nchstfolgenden Regulieiungsepoche langsamer oder rascher, wodurch der Fehler allmhlich wieder ein- gebracht wird. Ein anderes System (Aron) schliesst sich mehr dem- jenigen an, welches bei der Regulierung der Berliner Normaluliren in Gebrauch ist. Das Pendel trgt an seinem unteren Ende an Stelle der Linse eine Drahtrolle, welche bei jeder Regulierungsepoche, sobald ein Fehler der Uhr eingetreten ist, je nach der Glosse dieses Fehlers krzere odei' lngere Zeit von einem konstanten positiven oder negativen elektrischen Strom duichlaufen wird. Da die Rolle ber einen permanenten Magnet schwingt, der aber in diesem Falle nicht seitlich sondei'n senkrecht unter dem Auflingepunkte des Pendels aufgestellt i.st, erfhrt das Pendel fr die Zeildauer der Einschaltung des Stiomes eine konstante Verzgerung oder Beschleuni- gung, durch welche der Fehler der Uhr allmhlich wieder beseitigt wird. Diese Einrichtung hat den Uebelstand, dass die Regulierung in hohem Grade von der Intensitt des elektrischen Stromes abhngig ist und daher bei einer Aendeiung der Stromstrke leicht einmal versagen kann; auch ist die Mglichkeit nicht ausgeschlossen, dass in- folge der magnetischen Anziehung zwischen der Draht- rolle und dem Magnet eine so staike Dmpfung auf die Pendelschwingungen ausgebt wird, dass das Echappe- ment nicht mehr auslst und die Uhr stehen bleibt. Was die Anordnung der ganzen Anlage betrifft, so wird man bei allen Systemen der zweiten Art von dem Verfahren Gebrauch machen, eine grssere Anzahl Uhren in ein und dieselbe Stromschleife zu legen; anderseits Avird man aber die Uhren nicht von einem einzigen Centralpunkte aus leguheren, sondern sie an die einzelnen Noimaluhren anschliessen, weil hierdurch der Umfang der Leitungen und somit auch der Kostenbetrag der ganzen Anlage wesentlich herabgemindert wird. Endlich sind noch die Uhren im Innern von Ge- buden zu erwhnen, welche fr den Privatgebrauch bestimmt sind. Zur Regulierung dieser Uhren ist, ab- gesehen von dem nicht sehr zuverlssigen System der elektrischeil Zift'erbltter, nui' das System von Mayrhofer mit wirklichem Erfolg in Anwendung gebracht. Bei diesem System wird die Regulierung durch den Druck komprimierter oder verdnnter Luft bewirkt, und diese Kraft ausser fr die Zwecke der Regulieiiing auch zum selbstthtigen Aufzielien der Uliren verwendet. Hier- durch wird der grosse Vorteil erlangt, dass die nach diesem System regulierten Uhren gar keiner Beaufsichti- gung bedrfen. Als Motor ist in einfacher und sinn- reicher Weise der Druck der Wasserleitung in der Art verwendet, dass die Centraluhr selbstthtig zur betref- fenden Zeit einen Hahn ffnet und das Wasser in einen Windkessel oder einen Ejektor ausstrmen lsst. Hier- durch entsteht eine Verdichtung oder Verdnnung der oberhalb des ausfliessenden Wassers befindlichen Luft, Ni'. 4. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 27 welche sich in krzester Fi'ist durch das stanze Kiu'en- system fortpflanzt, an das siimmtliclie Uhren angeschlossen sind. Die nach den einzelnen Ulu'en fhrenden Zweig'- rohre endigen in Metallkapseln, welche durch Membranen abgeschlossen sind. Wenn diese unter dem Di-ucke dei- Luft gespannt werden, tritt ein Hebel in Thtigkeit, der nach dem System der Stundensteiler den Minutenzeiger in seine richtige Lage zurc^k fhrt. Sobald dies ge- schehen ist, gleitet der Hebel ab und fllt in seine Ruhelage zurck, worauf infolge der fortgesetzten Km- pression oder Evakuation ein zweiter Hebel die Winde- oder Federtrommel der Uhr um soviel vorwrts bewegt, als sie seit der letzten Regulierungsepoche abgelaufen ist. Dieses System ist zwar in der Ausdehnung der An- lage gewissen Beschrnkungen unterworfen, weil die Fortpflanzung pneumatischer Wirkungen nur bei massigen Leitungslngen mit der erforderlichen Prcision voi' sich geht; es gestattet aber anderseits, eine grosse Anzahl Uhren a dieselbe Leitung anzuschliessen und diese Zahl beliebig zu verndern, ohne die Sicherheit im Betriebe der Anlage zu gefhrden. Es knnen auch Uhren von sehr verschiedener Grsse in ein und dieselbe Leitung eingeschaltet werden, da man bei grsseren Uhren nur eines weiteren Zufhrungsrohi'es und einer Membran von grsserem Durchmesser bedarf, um den zur Regulierung und zum Aufziehen derselben notwendigen Mehrbedarf an Kraft zu erhalten. Bei ganz grossen Uhren (Turm- uhren u. s. w.) ist es zweckmssiger, die Regulierung nicht mehr dii-ekt zu bewh-ken, sondern de pneumatischen Impuls nur zur Auslsung eines mittelst Gewichtes be- triebenen Hilfsmechanismus zu benutzen, welcher letztere die richtige Zeigerstellung ausfhrt. Der Wasserverbrauch ist selbst fr ausgedehnte An- lagen nur ein geringer und auf nicht mehr als 10 30 Liter pro Regulierung zu veranschlagen. Da das be- nutzte Wasser bei'dies in keiner Weise vei'unreinigt wird, ist es fr die meisten gewerblichen und Haus- haltungszwecke noch weiter verwendbai'. Die Uhren sind als Pendelulu'en konstruiert, welche nach vollem Aufziehen acht Tage lang gehen und es wii'd daher eine zeitweise Absperrung der Wasserleitung kein Versagen der ganzen Anlage zur Folge haben, sondern nur bewirken, dass die Uhi'en whrend dieser Zeit uni-eguliert weitergehen. Um nichts desto weniger liinsichtlich des ungestrten Funktionierens der ganzen Anlage eine fortlaufende Kontrole zu haben, ist sowohl an der Centraluhr als auch an der entferntesten Stelle des Leitungsnetzes je ein Zhlwei-k angebracht, von denen das Erstere von dei' Centraluhr direkt, das Letztei'e in hnlichei' Weise wie die Stellvorrichtungen an jeder Uhi- mittelst einer Membran ausgelst jwird. So lange die Angaben beider Zhlwei'ke untereinander berein- stimmen, hat dei' Apparat ohne Strung gearbeitet; zeigt sich aber eine Dirterenz, so ist aus derselben zu ersehen, wie lange die Strung angehalten und innerhalb welcher Zeit weder eine Regulierung noch ein Aufziehen der Ulii'en stattgefunden hat. Es bedarf bei lngeier Dauer des Versagens nur einei' nachtrglichen Prfung des Standes der Uhren und dines gelegentlichen dii'ekten Aufziehens dei' Uhi'werke bis zum vollen Betrage, um jeden nachteiligen Einfluss einer derartigen Strung zu beseitigen. Eine besonders ausgedehnte Veiwendung hat dieses System zum Betriebe der Privatuhren in Paris gefunden, aber auch in Berlin ist in der Brse seit dem vorigen Jahre eine ziemlich umfangreiche Anlage dieser Art, 30 gewhnliche und 2 gi'osse mit Schlagwerk versehene Uliren umfassend, in Betrieb. Eingehende Prfungen diesei' letzterwhnten Anlage haben einen Genauigkeits- grad ergeben, welcher die Anwendung dieses Systems sogar zum Betriebe ffentlicher Uhi'en als geeignet und zweckmssig erscheinen lsst. Die Vorzge dieses Systems beruhen hauptschlich darin, dass bei demselben drei Paktoren in sehr zweckentsprechender Weise verwertet sind: die Elektricitt zui' Regulierung der Centraluliren, die komprimiei'te Luft zur Signalbertragung auf die einzelnen Punkte und zur Ausbung einer massigen Ej'aftusserung, und der Druck der Wasserleitung als bequemer, billiger und zuverlssiger Motor. Das vorteilhafteste System der Zeitregulierung besteht daher darin, von einem Centralpunkte aus eine geringe Anzahl auf die einzelnen Stadtgebiete verteilte Prcisions- uliren nach dem System Jones, Foucault oder Cornu zu regulieren ; diese wieder als Ausgangspunkte einer grsse- ren Zahl ffentlicher Uhren anzusehen, welche gleichfalls unter Anwendung des elektrischen Stromes nach einem der hieifr angegebenen Systeme allstndlich in ihren Angaben berichtigt werden, und an Letztere endlich die nach dem System von Mayi'hofer regulierten Privatuhren anzuschliessen, welche unter Benutzung des Druckes der Wasserleitung auf pneumatischem Wege nicht allein reguliert, sondern auch aufgezogen werden. Unter welchen Umstnden und in welcher Weise geschieht die Bildung von Schneekrystallen? Vuii Hr. K. Wenn in der Atmosphre die Temperatur untei' den Gefrierpunkt gesunken ist, so hlt sich das Wasser da- selbst im festen Zustande auf, vorausgesetzt, dass solche Umstnde nicht felilen, welche eine Unterkhlung ver- hindern. (Vergl. darber meine Mitteilung ber Raulireif F. Jio'rdan. und Glatteis in Bd. I Ni'. 25 dieser Zeitschrift.j In den hchsten Luftschichten sind nach neueren Beobachtungen auf Luftschiffahi'ten wahrscheinlich immer Eiski-ystaUe vorhanden, auch wenn sie ihrer Feinlieit wegen von der Erde aus nicht gesehen werden, ebenso gut wie 28 Natunvissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 4. die niederen Schichten oft Wasserdunst oder Nebel, siclier aber stets Wasserdanipf fliren; diese Eiskrystalle schweben oberhalb einei- mannig-fach in ihrer Gestalt wechselnden, im ganzen wagerechten Flche, in welcher die Luft die Temperatur Grad besitzt der soge- genannten Isothermflche Null. Wenn in der kalten Jahreszeit oder in kaltei' Gegend die Isothermflche Null sich gesenkt hat, so dass auch auf der Erdoberflche negative Temperaturgrade henschen und wenn sich nun ein Niederschlag dei- Feuchtigkeit ereignet, so erscheint derselbe statt in der Form der Wassertropfen in der- jenigen der wohlausgebildeten Schneekrystalle, der dich- teren Schneeflocken oder der festen Graupelkrner; auf den Hagel woUen wir an dieser .Stelle nicht eingehen. Die schn ausgebildeten Schnee- oder Eiskrystalle treten in selteneren Fllen auf; meist hngen unvollkommen entwickelte oder zertrmmerte Eisndelchen oder -bltt- chen in dichten Haufen aneinander und bilden so die Schneeflocken, welche wegen der lockeren Anhufung der Bestandteile und der zahlreichen, zwischen ihnen eingeschlossenen lufthaltigen Zwischenrume die bekannte undurchsichtige, weisse Beschafl'enheit erhalten. Die Schneeflocken entstehen wahrscheinlich immer in Wolken, welche entsprechend ihrer dichten Beschafl'enheit in dem niedrigen Gebiete des Haufengewlks dem Cumulus- gebiete schweben; die anfangs vorhandenen kleineren Eiskrystalle werden durch fortwhrende Verdichtung von Wasserdmpfen grsser, fgen sich aneinander und wachsen dann noch beim Herabfallen durch die untersten Luftschichten. Die Schneeflocken tieten meist bei reich- licherem Schneefall auf. Ihnen knnen die Graupelkrner zur Seite gestellt werden, da auch diese aus zusammen- gehuften Eisndelchen bestehen, die aber ziemlich fest zusammengeballt sind. Sie eischeinen hauptschlich in der strmisch bewegten Uebergangszeit vom Winter in den Fihhng oder auch vom Herbst zum Winter. Wenn die Umstnde in der Atmosphre eine ruhige Krystallbildung vor sich gehen lassen, so werden feine, Karte Schneekiystalle von schnster Ausbildung gezeitigt. Aus ihnen besteht das hoch schwebende, wenig massige Feder- oder Cirrusgewlk. Bei sprlichem Schneefall und mehr oder minder trockener Klte gelangen sie an Stelle der Schneeflocken zur Erdoberflche herab. Einige trocken kalte, zugleich stark windige und fast heitere Tage im vei-flossenen Febiuar (der 22. und 24.) brachten den Niederfall von Schneekiystallen mit sich, welche nach dem, was ich beobachtete, die in Fig. 1 bis 6 ab- gebildeten Formen aufwiesen. Dieselben gehren dem drei- und einachsigen oder hexagonalen Kiystallsystem an, einesteils bestehen sie aus feinen Nadeln, die wahrscheinlich sechsseitige Sulen sind und zu sternartigen Figuren zusammentreten (Fig. 1 bis 3); andernteils sind sie sechseckige Tfelchen oder Blttchen, denen oft Verstrkungsrippen aufgesetzt sind, und die in verschiedenen Verbindungen beobachtet werden knnen (Fig. 4, 5 und 6). Wann die einen, wann die anderen Formen in der Atmosphre entstehen, lsst sich bisher mit vlliger Sicher- heit nicht sagen. Erwhnt sei, dass die grossen Mond- und Sonnenringe auf das Vorhandensein der Eisnadeln, die irisierenden Wolken auf dasjenige der Eistfelchen in der Atmosphre hinweisen. Die Eisnadeln beobachtet man ferner bei Schneefllen, die nicht bei allzu niedrigen Temperaturen auftreten, whrend bei strengei'er Klte die Eisblttchen hufiger werden. In seltenen Fllen werden neben den genannten Formen auch krperliche Gebilde, sechsseitige Pyi-amiden und dergleichen gesehen. Kleinere Mitteilungen. Eine neue Kraftquelle niederer Pflanzen. Allver- breitet in stehenden und fliessenden Gewssern, namentlich in solchen, in welchen organische Stoffe faulen, wie Fabrikabwsser, aber auch im Meere wie z. B. in dem sogenannten toten Grunde der Kieler Bucht, und ganz besonders in schwefelwasserstoffhaltigen Quellen finden sich grosse Spaltpilze, die Beggiatoen und ihre Verwandten, ausgezeichnet durch meist reichliche Einlagerung von stark licht- brechenden , dunkelcontourierten Krnchen, die durch Gramer' s Untersuchungen von 1870 als Schwefelkrnehen erkannt wurden Diese reichliche Schwefeleinlagerung in Verbindung mit dem Umstnde, dass die Beggiatoen in schwefelwasserstofireichem Wasser am besten gedeihen und selbst dann noch am Leben bleiben sollten, wenn Schwefelwasserstoff bis zur Sttigung in dem betreffenden Wasser gelst ist Verhltnisse, die fr alle anderen Organismen unbedingt tdlich sind fhrte Cohn 1875 dazu, einen causalen Zusammenhang zwischen der Lebensthtigkeit der Beggiatoen und dem Schwefelwasserstoffgehalt des betreffenden Wassers anzunehmen. und bis in die neueste Zeit sah man allgemein die Beggiatoi'U als Organismen an, welche Sulfate unter Bildung von Schwefel und Schwefelwasserstoff zu reducieren vermchten, wobei .sie den Schwefel in ihren Zellen aufspeicherten. Dabei blieb es zweifelhaft, ob Schwefel in den Beggiatoazellen direkt aus Schwefelsure abge- schieden wrde oder durch Oxydation von Schwefelwasserstoff ent- stnde. Letzterer Annahme standen indess schwern-iegende Bedenken chemischer Natur gegenber, da nicht wohl in einer und derselben Zelle neben energischer Sulfatreduktion, wie sie die Entstehung des Schwefelwasserstoffs voraussetzt, eine Schwefelwasserstoff Oxy- dation stattfinden kann. Hoppe-Seyler (1886) fand dann bei seinen Untersuchungen ber Celluloseghrung, dass dieser Prozess im Sommer in jedem wasserdurchtrnkten Boden stattfindet und als Produkte dieser Ghrung Kohlensure und Methan zu gleichen Teilen gebildet werden, dass dagegen bei Gegenwart von leicht re- ducierbaren Krpern wie Bisenoxyd, Manganoxyd und Sulfaten ein Teil des Methans im Status nascens Sulfate unter Schwefel- Nr. 4. Natiiiwissenschaftliche Wochenschi-ift. 29 wassprstoffiiusscheidung: reduciert. Dns gleiche gfilt auch fiir andere bei Luftausschluss voreichg-ehende Ghruiigeii, bei denen Methan und Wasserstoff gebildet werden. Demgemss ist diese Reduktion der Sulfate fr sich allein nicht denkbar und stets ein sekundrer Prozess", kann also darum auch nicht ein von 15eggiatoen hervorgerufener Vorgang sein, wie er berhaupt nicht an irgend eine bestimmte Species geknpft sein kann. Durch diese Resultate wurde natrlich die Schwefelfrage der Beggiatoen aufs neue verdunkelt, indess nur af kurze Zeit, denn die ganz vorzgliche Experimentaluntersuchung von Winogradsk.v (Botanische Zeitung 1887. Nr. 3137) brachte auf einmal neues und unerwartetes Licht in die Sache. Diese Arbeit ist es, auf die sich vorliegende Mitteilung als Quelle sttzt. Winogradsky fand unabhngig von Hoppe-Seyler und auf anderem Wege, dass die Beggiatoen, und die anderen, Schwefel- krnchen in ihren Zellen enthaltenden Bakterien, die er unter dem Namen Schwefelbakterien zusammenfasst, keinen Anteil an der Sul- fatreduktion und Schwefelwasserstoffentwickelung nehmen, vielmehr den Schwefel nur infolge von Oxydation des aufgenommenen Schwe- felwa.sserstoffs im Plasma der Beggiatoen eingelagert wird in Form von kleinen Kgelchen, welche aus amorphem, weichem Schwefel bestehen und innerhalb der lebenden Zellen w\e in den krystallini- schen Zustand bergehen. Er kam ferner zu dem berraschenden Resultate, dass freier Schwefelwasserstoff, fast fr alle andere Orga- nismen ein heftiges Gift, nicht nur gnstig auf die Beggiatoenent- wickelung einwirkt, sondern vielmehr fr das Leben derselben ganz unentbehrlich ist, indess nur dann, wenn der Schwefelwasserstoff- gehalt des Wassers noch ziemlich weit von Sttigung entfernt ist. Dieser Konzeutrationsgrad ttet auch die Beggiatoen. Bei Schwefel- (resp. Schwefelwasserstoff-) Entziehung werden Lebensprozesse und Bewegung sistiert und es tritt frher oder spter der Tod ein. Dem- gemss kann auch der Sohwefelgehalt kein morphologisches Merkmal sein, wie frhere Beobachter glaubten und ebenso wenig kann davon die Rede sein, dass die Beggiatoen, wie Hoppe-.Seyler noch an- nahm, den Schwefelwasserstoff' unter .sonst fiir sie gnstigen Be- dingungen ertragen", indem sie Schwefel aufspeichern. Die Beggiatoen begngen sich aber nicht damit, den Schwefelwasserstoff' zu Schwefel zu oxj'dieren. sondern dieser ( ).\ydationsprozess wird noch weiter gefiilirt der in den Zellen ausgeschiedene Schwefel wird noch weiter in denselben oxydiert bis zur hchsten Oxydation.sstufe, der Schwefel- sure und zwar weit (ungefhr 20 mal) energischer als die Oxydation von .Sehwefelpnlver im Wasser vor sich geht, so dass man sie hier- mit nicht vergleichen kann. Die so gebildete Schwefelsure wird von den Zellen wieder ausgeschieden und verwandelt die kohlen- sauren Basen des Wa.ssiTs in schwefelsaure, hauptschlich kohlen- sauri-n Kalk in schwcfi-lsaurpu Kalk, ein Vorgang, der sich hchst wahr>rhiMnlich schon innerhalb der ISeggiatoenzelle abspielt, denn mit dem Verbrauch der im Wasser gelsten Karbonate steht auch die ]Jeggiatoeneiitwickelung still und niemals lssi; sich dann freie Schwefelsure im Wasser nachweisen. Darum ist auch das Leben der Beggiatoen an die Gegenwart von Karbonaten geknpft. Ein starker Schwefelverbrauch findet auch bei langsamem Wachstum und sellist dann noch statt, wenn das Wachstum ganz stille steht. Die eingelagerten Schwefelmengen sind im Verhltnis zur Masse des Fadens und namentlich im Verhltnis zur Masse des Plasmas sehr gross und zwar um so grsser, je gerundeter und beweglicher der Faden ist; sie knnen sicher bis zu 80 mitunter vielleicht bis zu 9.5*'/o des Gesamtgewichtes betragen. Mit diesen Eigentmlichkeiten stehen die Sohwefelbakterien ganz vereinzelt da. Zur Synthese der Eiweissstoffe knnen diese Schwefelmassen nicht verbraucht werden, dazu sind sie viel zu gross und ausserdem werden sie fortwhrend aufgelst, die Beggiatoen verbrauchen tglich das 2 bis 4 und mehrfache ihres Gewichtes an Schwefel. Winogradsky's Versuche die Beggiatoen mit organischen Substanzen zu ernhren, gestatteten auch hierfr die Erklrung zu finden. Die Beggiatoi^n brauchen nmlich au.sserordentlich wenig organische Substanz zur Erhaltung ihres Lebens, so wenig, wie es bis jetzt fr keinen chlorophj-llfreien Organismus bekannt ist, und knnen dabei als Kohlenstoffquelle noch solche Substanzen benutzen, wie Ameisen- und Propionsure, welche das Leben anderer Organis- men nicht zu erhalten vermgen. Sie knnen leben und sich sehr ppig vermehren in einer Flssigkeit, die kaum nac^hweisbare Spuren von organischer Substanz enthlt, wie viele natrliche Schwefel- quellen. Dagegen sind die gewhnlichen Bakterienkulturflssigkeiten, berhaupt alle sogenannten guten" Nhrstoffe wie Kohlehydrate, in erster Linie Zucker, also Stoffe bei deren Zerfall resp. Verbrennung viel Wrme frei wird die Haupt-Kraft-Quelle fr die brigen Organismen fr die Beggiatoen geradezu schdlich. Sie be- gnstigen eine rapide Vermehrung anderer Bakterien, deren Kon- kurrenz sie rasch erliegen. Die Erklrung fr diese in ihrer Art einzig dastehenden Ver- hltnis.se findet Winogradsky wohl mit Recht die der oben er- whnten Schwefeloxydation, Sie bildet hier die Kraftquelle, sie ersetzt hier die normale mit Kohlensureausscheidung verbundene Athmung, iibwohl ein chemisch ganz verschiedener Prozess, physiolo- gi.sch doch vollkommen. Eine solch normale Atmung findet bei den Schwefelbakterien hchst wahrscheinlich berhaupt nicht statt und wenn, dann jedenfalls in ganz untergeordnetem Ma.sse, Die Sohwefel- bakterien passen eben nicht in das gewhnliche ernhrungsphysiolo- gische Schema und stellen eine eigenartige Anpassungserscheinung dar, die es diesen Pflanzen ermglicht an Orten und unter Bedingungen zu leben, wo alles sonstige Pflanzenleben und damit auch jede Kon- kurrenz ausgeschlossen ist. Dies siiul aber nur die hauptschlichsten Resultate, Bezglich der zahlreichen interessanten Details und der sinnreich ausgedachten und kritisch durchgefhrten Experimente, die zu obigen Resultaten fhrten, muss auf das Original verwiesen werden. Dr. L. Klein, Privatdocent in Freiburg i, B, Einige Notizen ber die Boppelnatur der Flechten. Auf Seite 78, Bd, I dieser Zeitschrift hat Herr Dr. Kienitz- Gerloff die Leser ber den gegenwrtigen Stand der Flechtenfrage unterrichtet und ber die wichtigen Arbeiten, welche neuerdings im Laboratorium Brefeld's ausgefhrt worden sind, berichtet. Es ist hiernach festgestellt, dass durch geeignete Kulturen nicht allein der eine Bestandteil der Flechte, die Alge, sundern auch der Pilz fr sich zu .selbstndiger Entwickelung gebracht werden kann. Whrend jedoch die in den Flechtenarten aufgefundenen Gonidienbildner schon seit langer Zeit als selbstndige freilebende Algen bekannt sind, hat man in freier Natur die Flechten-Pilze nur zusammenlebend mit ihnen gefunden. Eine Arbeit der letzten Jahre, an die mich die neueren Kulturen des Pilzelementes der Flechte erinnern, behauptet jedoch auch das isolierte Vorkommen eines Flechtenpilzes. Die Roesleria hypogaea Thm et Pass., eine Discoraycetenform, die bald als Ursache, bald als Begleiterin der Wurzel faule des Weinstockes auftritt, ist nach den eingehenden Untersuchungen, welche der belgisc'ie Botaniker E. L;Hurent angestellt hat, nichts als ein unterirdischer go nidienloserZust an d des Flechten- konsortiums Coniocybe pallida Pers. Auch der berhmte englische Mykologe Cooke, zieht den Pilz in die Entwicke- lung der Flechte Coniocybe pallida Pers. (vgl, Laurent, E., Di- couverte en Belgique du Coniocybe pallida (Pers,) Fr. (Roesleria hypogaea Thm. et Pass.) (Compt. rend. d. seances de la s, bot. Belg. T. XXHLII 1884 S. 1727 u X. G i 1 1 o t , Notes mycologiques, Revue myc. VI p. 65 68). Die bekannten einheimischen Flechten gehren ihren Pilzele- menten nach ausschliftsslich zu den Schlauchpilzen (Ascomyceten), whrend die grosse Gruppe der Basidioniyceten, die z. B in der Gattung Telephora die Pilze der von Mattirolo und Johow ent- deckten westindischen Hymenolichenen bilden, bei uns Flechten nicht zu bilden scheint. Dass sich indessen auch hier wenigstens Ueber- gnge irgend welcher Art finden mssten, vermutete ich fters, wenn ich an feuchten Stellen des Waldes und nach anhaltend feuchtem Wetter Exemplare von Trametes, Daedalea, Telephora, Polyporus (z. B. versicolor) von grnen Algen ppig durchwuchert fand. G. V. Lagerheim hat nun thatschlich in hnlichen Fllen eine Beeinflussung der Algen seitens der Pilze Trametes Pini, Daedalea quercina, Polyporus lucidus beobachtet, die der in bekannten Flech- ten der Ascomyceten ganz gleich ist. Die Alge Stichococcus bacillaris Ng. nimmt nmlich auf und in jenen Pilzen eine Form an, wie sie von Neubner im Flechtenthallus der Oalicien bei derselben Alge beobachtet worden ist. Von Lagerheim hat diese Form, die er in Deutschland und Schweden antraf und welche De Toni und Levi neuerdings in Italien fanden (Intorno ad una Palmellacea nuova per la flora veneta. Notarisia 1887 p. 281) als Stichococcus bacillaris Ng. b. fungicola Lagerh. bezeichnet (vgl. Algologiska och mykolo- giska anterkningar fran en botanisk resa i Lule Lappmark, Ofvers. af k. vet, Akad. Frhandl. 1884 p. 106. Flora 1888 Nr. 4). Prof. F. Ludwig. Das Saccharin. Seit einiger Zeit wird von der Firma Fahlberg, List & Comp*, in Salbke a. Elbe ein chemisches Pr- parat unter dem Namen Saccharin*) in den Handel gebracht, welches durch seinen ausserordentlich sssen Geschmack und seine ander- weitigen physiologischen Wirkungen ausgezeichnet, die Aufmerksam- keit weiterer Krei.se auf sich gelenkt hat. Dasselbe, ein Benzol- derivat, wird unverndert vom Organismus wieder ausgeschieden und ist deswegen geeignet als Versssungsmittel fr die Nahrung der Diabetiker zu dienen. Auch wird es als Verss.sungsmittel fr Arzneien angewendet. Ferner zeichnet es sich durch seine anti- septischen Eigenschaften aus. *) Dieser Name ist insofern unglcklich gewhlt, als bereits ein anderer organischer Krper diesen Namen fhrt. Es ist dies das Anhydrid der Saccharinsure C^ Hio O.5, Dasselbe ist isomer mit Strke. 30 Natui-wissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 4. Ueber die Darstellung'sweise dieses iiiteressaiiteii Krpers ist bisher folgendes bekannt geworden ; Tohiol wird bei einer Temperatur unter 100". unter starkem Rhren mittelst gewhnlicher konzentrierter Schwefelsure sulfuriert. Wird das entstandene Gemisch von Ortho- und Paratoluolsulfosure mit Oxydationsmitteln behandelt, so erhlt man ungefhr gleiche Teile von Ortho- und Parasulfobeiizoesure. Die getrockneten Alkali- salze dieser Suren gehen beim Behandeln mit Chlor liei Gegenwart von Phosphortrichlorid in die Dichloride C(, Hi (SO., Gl) (C O Ol) ber. Setzt man zu diesen, nachdem das entstandene Phosphoro.xi- chlorid abdestilliert ist. Ammoniumcarbonaf, so wird das Dichlorid der Parasure in das unlsliche Diamid bergefhrt, whrend das Orthosulfobenzoesuredichlorid in das wasserlsliche Ammouiumsalz der Ortho.sulfaminbenzoesure bergeht. Laugt man nach beendeter Reaktion mit Wasser aus und setzt Salzsure zu dieser Lsung. so erhlt man das Saccharin. Dasselbe hat die Zusammensetzung C'e H4 CO SOo NH, ist also das Anhydrodrivat der Orthosul- faminbenzoi^sure. Von einigen Seiten ist die Ansicht ausgesprochen wurden, dass dieser Krper der Zuckerindustrie gefUbrIich werden konnte. Dies muss jedoch bezw^eifelt werden. Denn, abgesehen davon, dass noch keine Erfahrungen darber vorliegen, ob nicht ein Antiseptikum wie das Saccharin bei fortgesetztem Gebrauch dem Krper schadet, so ist im Auge zu behalten, dass das .Saccharin stets nur als Genussmittel dienen wird, whrend dem Zucker doch als Nahrungsmittel ein betrchtlicher Wert zukommt. Dr. K. Baerwald. Neues aus der Elektrieittslehre. 1) Eine neue porm der astatischen Xadel. Um sehr schwache elektrische Strme nachzuweisen und zu messen, fhrt man bekanntlich den Strom in vielfachen Windungen \im eine Magnetnadel, wodurch die Wirkung desselben auf die letztere sehr verstrkt wird. An .Stelle der einfachen Magnetnadel verwendet man die von Nobili ange- gebene, viel emptindlicbere astatiscbe" Nadel, welche aus zwei fest verbundenen, gleich grossen, gleich schweren und mglichst gleich stark magnetisierten Nadeln besteht, welche in derselben Ebene einander parallel sind, und deren Pole entgegengesetzt gerichtet sind, wie (}ie schematisehe Figur erkennen lsst. J S_ Eine neue Eorm der astatischen Nadel j giebt nun Herr- Oberlehrer A. H e m p e 1 1 in der wissenschaftlichen Beilage zum -^ ^ Programm der Priedrichs-Werderscben '- Ober-Realschule zu Berlin: ber elektrische Induktion" an. Die- selbe besteht aus einem Paar hufeisenfrmiger, magnetischer Stahl- nadeln, die in ihren indifferenten Teilen fest miteinander in der Weise verbunden werden, wie es die Figur darstellt. Ein solches Nadelpaar von Hufeisenmagneten lsst sich natrlich auch als eine obere und eine untere Nadel auti'assen, so dass dasselbe wie- der eine astatische Nadel darstellt. Es gelang A. Hempel durch geeig- netes Abschleifen der Schenkel u. s. w. ein nahezu vUi} N S N symmetri- sches Nadelpaar herzustellen, das nur sehr langsame Schwingungen machte. Die so konstruierte Nadel zeigt, wenn sie in das Galvano- meter eingehngt wird, eine sehr grosse Empfindlichkeit und giebt sogar bei dem Strom einer Holtz'schen Maschine einen Ausschlag. Als Hauptvorteile dieser neuen Form der astatischen Nadel bezeich- net A. Hempel a. a. O.: 1) dass die Nadel auf die Dauer nahezu gleich stark astatisch bleibt; 2) dass dem Nadelpaar leicht ein vor- geschriebener Grad von Astasie erteilt werden kann derart, dass das Paar an einem Coconfaden von gegebener Lnge aufgehngt in der Zeiteinheit eine vorgeschriebene Zahl von Schwingungen macht. 2) Ueber das Leitungsvermgen beleuchteter Luft hat Arrhenius im neuesten Heft von Wiedemann's Annalen d. Phys. u. Chemie interessante Mitteilungen gemacht. In einem Glas- rohre, welches mit Luft gefllt war .und zur Regulierung des Druckes mit einer Luftpumpe in Verbindung stand, waren zwei Platindrhte eingelohtet. Dieselben waren durch eine Leitung verbunden, in der ein empfindliches Galvanometer eingeschaltet war. Die in dem Glas- rohre befindliche Luft konnte nach Belieben durch elektrische Funken von au.ssen beleuchtet werden, welche von einer Holtz'schen Maschine erzeugt wurden. Die Versuche von Arrhenius zeigen nun. dass der Druck sowohl als auch die Beleuchtung auf die elektrolytische Leitung der eingeschlossenen Luft von starkem Einfluss ist. Es ergiebt sich nmlich, dass bei Drucken von etwa 1 20 mm die Luft bei Bestrahlung mittels geeigneten Lichtes sich wie ein Elektrolyt verhlt. Dies wurde noch in einer etwas vernderten Versuchsan- ordnung besttigt, indem hier ein Draht aus Platin und einer aus Zink verwendet wurden. Es wurde in allen Fllen beobachtet, dass in der durch Beleuchtung leitend geraachten Luft ein Strom vom Zink zum Platin ging, ganz in derselben Weise als ob statt der Luft Wasser zur Vereinigung von Zink und Platin verwendet worden wre. Wie Ar rhenius selbst hervorhebt, ist es ihm nicht gelungen, diese Erscheinung bei hheren Drucken zu beobachten, doch unterliegt es seiner Ansicht nach keinem Zweifel, dass eine solche Wirkung der Beleuchtung auf die Leitnngsfhigkeit der Luft auch dann stattfindet. Es sprechen allerdings die interessanten Versuche von Hertz fr eine solche An.sicht: denn aus denselben geht mit Sicherheit hervor, dass in Luft von gewhnlichem Druck die elektrischen Funken sich leichter ausbilden, wenn die Funkenstrecke beleuchtet wird, als wenn dies nicht der Fall ist. Es ist mit diesen Versuchen ein neues Feld schner Unter- suchungen erffnet worden, welche vielleicht geeignet sein werden, uns nhere Aufschlsse ber das Wesen der Elektricitt zu geben, wie sich auch erwarten lsst. dass die Lehre von der Elektricitt der Atmosjjhre und die Meteorologie ihnen Fortschritte verdanken werden. 3) Seismograph mit elektrischem Registrierapparat, Dr. Carl Prhlicli giebt in Exner's Repertorium der Physik, Bd. 24 Heft IL die Beschreibung eines neuen, von ihm selbst er- fundenen Seismographen. Das Wesentliche desselben besteht in folgendem. An einer Spirale hngt frei ein Gewicht aus Metall, welches mit einer Spitze in ein Quecksilbergefiss taucht und da- durch mit einem Elemente verbunden ist. Dem Gewichte stehen, den vier Himmelsrichtungen entsprechend, vier Kuntaktfedern gegen- ber. Bei der geringsten Erschtterung des Bodens wird das Ge- wicht eine oder zwei der Kontaktfedern berhren, dadurch wird aber eine elektrische Leitung geschlossen, denn jede der Federn steht in Verbindung mit je einem Elektromagneten , welche Auslsevor- richtungen besitzen, hnlich den in Hotels und Wohnungen blichen elektrischen Einrichtungen. Ebenso wird eine Hebung oder Senkung des Gewichtes .angegeben. Der Apparat steht ferner mit einer Regulatoruhr in Verbindung, welche bei einer eintretenden Er- schtterung sofort zum Stillstehen gebracht wird. Dadurch wird die Zeit des ersten Anstosses und durch die an einem Elektm- magneten herabfallende Signalscheibe die Richtung desselben ange- geben. Damit wird zugleich ein Lutewerk geschlossen, das so lange ertnt, bis die Hemmungsvurriclitung der Uhr -wieder zurckgestellt ist. Die nhere Einrichtung des Apparates knnen wir hier nicht ausfhrlich angeben. Wir wollen nur bemerken, dass der Apparat 1) die Himmelsrichtung der horizontalen Erdbewegung (und zwar die Richtung, in welcher eine Senkung stattfindet), 2) die vertikale Richtung (aber nur falls der Apparat sich zufllig gerade ber der Zentralstelle der Bewegung befindet) und 3) die Zeit des ersten Stosses angiebt. Sind mehrere solcher Apparate an verschiedenen Stellen aufgestellt, so lsst sich aus ihren Angaben der Ort einer Senkung oder Hebung bestimmen. Da der Apparat die kleinsten, sonst gar nicht bemerkten Erschtterungen der Erdoberflche an- giebt, so empfiehlt Dr. Frhlich denselben in vereinfachter Form als Warnungssignal fr vulkanische Gegenden, wobei dann auf die Richtungsbestimmungen kein Gewicht gelegt zu werden braucht. A. Gutzmer. Die Hrte von Metallen. Wenn man nach der lteren Methode, welche Calvert und Johnson (1859) und Bettone (1873) zur Bestimmung der Hrte fester Krper angewendet haben, eine belastete Stahlspitze bis zu einer bestimmten Tiefe in den KOrper eindringen lsst, so ergiebt das zur Verwendung gelangte Belastungs- gewicht kein reines Mass der Hrte; sondern eines Widerstandes, der sich aus der Hrte und der Zhigkeit zusammensetzt; denn zum Eindringen der Stahlspitze gehrt nicht nur ein Vorsieh herschieben, sondern auch ein Seitwrtsdrngen der kleinsten Teilchen des festen Krpers Th. Turner (Beibl. z. d. Annal. d. Phys. u. Ch. 1887. Bd. XI. S. 752.) hat sich daher eines anderen, schon von See- beck, Franz und Pfaff vorgeschlagenen Verfahrens bedient, um die Hrte unabhngig von der Zhigkeit zu bestimmen. Ueber die polierte Flche des zu untersuchenden Metalls wird eine belastete Diamantspitze gefhrt, welche einen Strich einritzt; alsdann wird die Belastung so weit vermindert, bis kein Einritzen mehr zu be- obachten ist. Die letzte Belastung, welche noch einen Strich hervor- brachte, gilt als Mass der Hrte. Aus den nach diesem Verfahren vorgenommenenUntersuchungen ergab sich die interessante Beziehung, dass bei den Metallen im amorphen Zustande die Hrte proportional dem Quotienten s/a ist, worin s das specifische Gewicht, a das Atom- gewicht bedeutet. Derselben Grsse zeigte sich auch die Zhigkeit proportional, fr welche die absolute Festigkeit als Mass genommen wurde. Bei krystallinischen Materialien findet keine Proportionalitt zwischen Hrte und Zhigkeit statt. Was lehrt dies Ergebnis? Die Grsse s/a ist, wenn wir s und a auf dieselbe Einheit beziehen, nichts anderes als die relative Anzahl der in der Volumeinheit enthalte- nen chemischen Atome des untersuchten Metalls. Je grsser die.se An- zahl ist, je dichter also die chemischen Atome in einem Metall bei- einander ' liegen, desto grsser ist sofern der amorphe Zustand vsrhanden ist die Hrte und auch die Zhigkeit des Metalls. Dr. K. F. Jordan. Nr. 4. Naturwissenschaftliche "Wochenschrift. 31 Mannesmann'sches Rhrenwalzverfahren. Kin neues Heiirlieituiipsvei't'iihreM fr delnibare Metalle. (Las sof^-eiiuinite Maniies- maiin'srlie Klireinvalzverfahreii veiilieiit wes! seiner fast ans Wuiiderliare grenzenden Leistungen auch ber den engeren Kreis der Teelmiker liinaus bekannt zu werden. Mittelst desselben ist man niinilich im Stande volle Metallstiibe dbne ein ins rnnere der- selben dringendes Werkzeug, nur iluroh Kimvirkung auf die ussere berrtitelie in Rliren von beliebigen usseren und inneren Durch- messer zu verwandeln. niese dem Uneingeweihten ganz unmglich erscheinende Wir- kung wird dadureb hervorgebracht, dass der Oberflache des Metall- stahes. der sich in dehnbarem oder teigartigem (z. B. als Eisenstab in glhendem") Zustande befinden muss, mittelst zweier sich unter spitzem Winkel kreuzender, in Umdrehung versetzter Walzen von Kegelstunipf-Oestalt eine schrauhentormig fortschreitende Bewegung erteilt wird, deren Geschwindigkeit in der Richtung der Fort- Schreitung zunimmt. Hierbei muss notwendiger Weise eine Dehnung oder Streckung der OberfSche in derselben Richtung erfolgen und das darunter liegende Metall vermiige seiner Kohsion an dieser Dehnung teilnehmen. Wenn Jedoch ein Krper in einer Richtung ausgedehnt wird, so ist damit stets eine Zusammenziehung in der Querrichtung verbunden, wie man an jedem angespannten Gummi- band oder -Schlauch beobachten kann. Diese Zusammenziehung er- folgt nun bei unserem Metallstabe in der zu allen Windungen der schraiibenformigen Fortschreitungslinie senkrechten, d. i. in der ra- dialen Richtung derart, dass das Metall sich rings um die Stabachse nach aussen etwas zurckzieht. Da nun alle .Stellen der Stabober- flftche, nacheinander zwischen den Walzen hindurchgehend, gleich stark gedehnt werden, so wird auch berall im .Stabe eine gleiche radiale Zurckweichung des Materials von der Achse stattfinden oder mit anderen Worte im Innern ein cylindrisches Loch und aus dem Stab eine Rhre gebildet werden. Durch Vorstellung der Walzen lsst sich der ussere und innere Durchmesser des Rohres verndern, so dass man mit einem und demselben Walzenpaare Rohren von den ver.schiedensten Durch- messern, oder Rhren mit beliebig abwechselnden Verengungen und Erweiteningen oder auch mit eingeschalteten vollen Stcken her- stellen kann. Das ist in kurzen Worten das Princip des Walzverfahrens, welches, eine deutsche Erfindung, bestimmt zu sein scheint, eine vollstndige Umwlzung in der Metallindustrie, soweit sie auf der Walzarbeit beruht, hervorzurufen. G. Brelow, Ingenieur und Docent an der Kgl. Bergakademie zu Berlin. Astronomisches. I. Astronomische Neuigkeiten. Wiederum ist die Anzahl der kleinen Planeten zwischen Mars und .lupiter um ein Exemplar vermehrt worden. In der Nacht vom 3. zum 4. April entdeckte Palisa in Wien den 274. Stern dieser Gattung im Sternbilde der Jungfrau. Das Objekt ist aus.serordent- lich lichtschwaeh und nur 13. Grsse, seine Bewegung ist nach Nord- westen gerichtet. rer Komet 1888 (Sawerthal) ist Ende Mrz und Antkng April in Turin, Nizza, Rom, Strassburg und Kiel be- obachtet. Da seine Nordpoldistanz sich immer mehr verringert, so nimmt die Dauer seiner Sichtbarkeit fr die nrdlichen Gegenden zu, leider aber nimmt seine Helligkeit in gleichem Masse ab. Schon Ende Mrz war sein Kern nur noch so hell wie ein Stern fnfter Grsse. II. Astronomischer Kalender. Am 24. April Sonnen- aufgang 4 Uhr 42 Minuten, Untergang 7 Uhr 13 Minuten; Mond- aufgang nachmittags 4 Uhr 42 Minuten, Untergang morgens 4 Uhr 46 Minuten. Am 1. Mai Sonnenaufgang 4 Uhr 28 Minuten, Unter- gang 7 Uhr 25 Minuten; Mondaufgang nachts 1 Uhr 22 Minuten, Untergang abends 9 Uhr 56 Minuten. Am 25. April abends 7 Uhr 15,7 Minuten findet Vollmond statt. Um die brgerliche Zeit aus der wahren .Sonnenzeit zu erhalten, muss man von diesen abziehen am 24. April 2 Minuten 1,2 Sekunden, am 1. Mai 3 Minuten 4,9 Sekunden. Dr. F. Plato. Fragen und Antworten. Kommen auf Ulex europaeus L. Kfer vor, welche nur diese Pflanze beherbergt? Nur auf Ulex europaeus L. lebt Apion Ulicis Schh.; auf Ulex nanus L. Apion scutellare Kirby (=ulicicola Perr.), der nach Kalten- bach aufU. europaeus vorkommt. Wahrscheinlich ist auch das nur aus Frankreich bekannte Apion uliciperda Pand. ein alleiniger Be- wohner von Ulex. Man vergl. E. Perris. (Jbservations sur les insectes qui habitent les galles de l'Ulex nanus et du Papaver dubius (Ann. .Soc. Ent. France 1840 S. 8999 Taf. 6). und Goureau, Note pour servir l'histoire des insectes q\ vivent dans les gousses du genet epineux (Ulex europaeu.s) (Ann. Soc. Ent. France 1847 S. 245253 Taf. 3 Nr. U). H. .T. Kolbe. Litteratur. 1) W. C.Wittwer: Grundzge der Molekular -Physik und der mathematischen Chemie. Stuttgart, Verlag v(ni K. Wittwer. l'reis 5 , K 2) W. C.Wittwer: Die thermischen Verhltnisse der Gase mit besonderer Bercksichtigung der Kohlensure. 8". 56 Seiten. Verlag von K. Wittwer. Stuttgart. 1887. Preis 1 ./^ 80 .j. 1) Obwidil dieses Werk, welches uns soeben von der Verlags- handlung zugeht, bereits vor lilngerer Zeit (1885) erschienen ist, wollen wir doch nicht unterlassen, unsere Leser auf dasselbe auf- merksam zu machen. Verfasser sucht tiefer in die Erkenntnis der Konstitution der Materie einzudringen und studiert zu dem Zwecke ganz besonders den Aether" im Verhltnis zu den Massenteilchen". D.ahei wird manche der bisherigen Anschauungen ber den Aether, als, mit den Erfahrungsthatsachen im Widerspruch stehend, durch neue ersetzt. Besonders bemht sich Verfasser, den Aether in der Chemie einzubrgern, wo er bisher gar nicht bercksichtigt worden ist. WeTingleich Verfasser teilweise auf dem lteren Standpunkte der Physik steht und z. B. dem Gesetze der Wrmequivalenz keine allgemeine Bedeutung zuerkennt, bietet das Werk doch manche An- regung, und empfehlen wir dasselbe der Beachtung. Die Au.s- stattung in l'apier und Druck seitens des Verlages muss als vor- zglich bezeichnet werden. 2) Dieses Heft bildet gewisserniassen eine Fortsetzung der Molekulargesetze" (Leipzig 1871) und der vorstehend besprochenen mathematischen Chemie" desselben Verfassers. Es wird hier der Aether in die Wrmelehre eingefhrt und besonders bei den ther- mischen Verhltnissen der Gase bercksichtigt. Die Kohlensure studiert Verfasser eingehender, weil dieselbe das bestbekannte Gas ist. Verfasser steht nicht auf dem Standpunkte der kinetischen Gastheorie und nimmt deshalb nur Oscillationen" der Atome inner- halb enger Grenzen als Grundlage der Wrmeerscheinungen der Gase an. Der originelle Versuch eines tieferen Eindringens in das Verstndnis der noch so wenig aufgeklrten Molekularverhltni,s.se enthlt mancherlei Anregungen und ist der Beachtung sicher wert. A. Gutzmer. Anton, F., Specielle Strungen u. Ephemeriden fr die Planeten Cassandra u. Bertha. gr. 8". Preis 60 ^. G. Preytag in Leipzig. Beitrge zur Antliropologie u. Urgeschichte Bayerns. Organ der Mnchener Gesellschaft fr Anthropologie, Ethnologie und Urge- schichte. Red.: J. Ranke u. N. Rdinger. 8. Bd. 1. u. 2. Hft. gr. 8". (105 S. m. lUustr.) Preis pro kplt. 24 JC. Literarisch- artistische Anstalt (Theodor Riedel) in Mnchen. Ellenberger, "W., Grundriss der vergleichenden Histologie der Haussugetiere, gr. 8". (VL 270 S. m. Illustr.) Preis geb. IM. Paul Parey in Berlin. Grofe, G., Ueher die Pendelbe^vegtmg an der Erdoberflche. 4". Preis 1 JC 20 -j. E. J Karow in Dorpat. . Pinner, A., Bepetitorium der organischen Chemie. 8. Aufl. gr. 8". Preis 6 Jt 50 4. Robert Oppenheim in Berlin. Bath, G. vom, Durch Italien und Griechenland nach dem heiligen Land. Beisebriefe. 2. Ausg. 2 Bde. 8". Preis 6^. geb. SJt: C. Winter in Heidelberg. Reich, E., Das Heilbestreben der Natur im Organismus der Ge- sellschaft, gr. 8". Preis 2 JC. Verlagsverein fr Wissenschaften, (Rothermel & Co.) in Karlsruhe. Sarasin, P., u. F. Sarasin, Ergebnisse naturioissenschaftlicher Forschungen auf Ceylon in den Jahren 1884 1886. 1. Bd. 2. Hft. Fol. (Mit 4 Taf.) Preis in Mappe 14 JC. C. W. Kreidel's Verlag in Wiesbaden. Sitzungsanzeiger der kaiserl. Akademie der Wissenschaften in Wien. Mathematisch-naturwissenschaftliche Klasse. Jahrg. 1888. Nr. 1. (gr. 80.) pro kplt. Preis 3 JC. G. Freytag in Leipzig. Sitzungsberichte und Abhandlungen der naturivissenschaft- lichen Gesellschaft Isis in Dresden. Jahrg 1887. Juli Decbr. gr. 8". Mit 1 Taf. Preis 3 JC. Warnatz & Lehmann in Dresden. Steinbruch, Der Darwinismus und seine Folgerungen. Ein Vor- trag, gr. 8". Preis 30 ..f. Ludwig Wiegand in Hilchenbach. Tollens, B., kurzes Handbuch der Kohlenhydrate. 8". (M. Illustr.) Preis geb. 9 JC. Eduard Trewendt in Breslau. Zaengerle, M., Gnmdriss der Mineralogie. Anh. zum Grundriss der anorgan. Chemie. 3. Aufl. gr. 8". Preis 1 JC. 20 ..f. Gustav Taubald in Mnchen. Gegen Einsendung des Betrages (auch in Brief- marken) liefern wir vorstehende Werke franlto. Zur Besorgung litter arischen Bedarfes halten urir uns bestens empfohlen. eilin S\V. 48. Die Kxiteflitioii der KatnrM issensohaftlifhen VVocliensclirift". 32 Naturwissenschaftliche Wochenscliiift,. Nr. i. X^^m^^^%& namentlich Anzeigen aller optischen, chemisclien, physikalischen etc. Gertschaften, Naturalien, Chemiivalien, sowie Bcheranzeigen finden weiteste und passendste Veibieitung-. Im Bruhn's Verlag (Inhaber: Eugen Appellians) in Hraiin- sfhweig ist soeben ersoliieiien : NaturpscMclite fr k mkk Yolksscliiile, Naturkrper der Heimat innerhalb natrlicher (iruppen vorgefhrt und von einheitlichem Tesichtspunkte aus be- trachtet. Xebst Anleitung: zu zahlreichen Beobaehtungen. Ein Handbuch fr Lehrer. In ;; Kursen zu je 40 Lektionen bearbeitet von I>r. FraiiK Kiesf^ling: u. l^s:niont Pfalz. Mit zahlreichen Holzschnitt-Abbilctungen. Preis 2 J{ . geb. 2.50 .//. Das Buch ist In demselben Geiste gearbeitet wie das riihmlichst bekannte grssere Handbuch derselben Verfasser, des ersten, welches den gesamten naturgeschicbtlicben Unterrichtsstoff innerhalb naturlicher Gruppen (Lebensgemeinschaften) auf Jahreskurse verteilt brachte. Wie das grossere Handbuch sucht auch das oben angezeigte das Verstnd- nis der Gesetzmassigkeit in der Natur, zu deren Beobachtung es an- leitet, sowie eine sinnige Naturbetrachtung zu fordern. HHmH Zu beziehen durch alle Buchhandlungen, sowie ^gm auch direkt gegen Franko-Einsendung des Be- trages von der Verlagshandlung. , Brockhaus' ConversationS' Lexikon. Mit Abbildungen Tund Karten. > , 76 Bnde und 1 Supplementband. Kein Nachahmer Imt notariell I hestiit. lobende Anerkennungen wie zu Tausenden nur B. Becker in Seesen a. Harz l)er k. HoU. Taback. 10 Pfd. frk. 8 Mk. [35] Der Wetterprophet, j Eine Anleitung, das Wetter ! 24 Stunden vorausznbestimmen und wie sich jedermann ein Wetterglas fr noch nicht 50 Pfennige herstellen kann, von l>r. W. I$$chalz. i Elegant brosch. Preis 50 ..j. 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'V, Ansichtssendungen stellen .jederzeit zu Diensten 5 Behufs anhaltender Verbindung vrolle man sich mit der Firma in Korrespondenz setzen. Band I (Okt. 1887 Mrz 1888) unseres Blattes liefern wir gegen Einsendung von JC 4,20 (i Briefraaiken) fran- ko, einzelne Quartale des Bandes gegen Einsendung von ,/? 2,10 (m Briefmarken-) Einzelne Nnniniern kosten 25 .'. Die Expedition der Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" Berlin SW. 48. Friedrich-Strasse 226. Bei Benutzung der Inserate bitten wir un- sere Leser hflichst, auf die Naturwissenschaftliche Wochenschrift" Bezug neh- men zu wollen. S N \ S N N N VV>N,I Der heutigen Nummer der .Naturwissensch.aftlichen Wochen- schi'ift" liegt ein vierseitiger Pro- .'^pekt der Verlagsbuchhandlung von Ferdinand Hirt i. Breslau b. Natur- geschichtliche Lehrbcher" bei. \ s s s \ v;.K;','n Uebergang von der Natur zur Kunst vei'mittelt, und die Natur, besonders abei- auch die menschliche Hand, den goldenen Schnitt zeigt, so muss ihn auch die Kunst zeigen". In der Ai'chitektur ist es den Aposteln des goldenen Veililtnisses nicht schwer geworden, Bauwei'ke, namentlich all-rlnistiiclie Kirchen, auslindig zu machen, bei denen die Breite und die Lnge, letztere, wie es am besten passte, teils mit Vorhalle, teils ohne Vorhalle ge- messen, das gewnschte Verhltnis haben. Auch in Auf- rissen lassen sich natrlich Lngenpaaie finden, die dem Gesetze gehoi-chen. Um zu zeigen, wie in der Plastik und Malerei die passenden Beispiele mit den Haaren heibeigezogen werden, whlen wii' folgendes Beispiel. Auf dem Abendmal" von Leonardo da Vinci befinden sich rechts und links vom Heiland zwei Grappen von je drei Aposteln. Der Raum nun, welchen auf jeder Seite die Kpfe der di'ei nheren Apostel einnehmen, hat zu dem Rume, welchen die Kpfe der drei entfernteren Apostel einnehmen, das Verhltnis 3 : 5, also ein Ver- hltnis, das als Nherungswert des goldenen Schnittes aufgefasst werden kann. In der Musik will Pfeiffer den goldenen Schnitt schon durch die Schwingungszahlen der Tne eines gewhnlichen Akkordes besttigt finden. Diese Zahlen verhalten sich aber bei c, e, g, & wie 4:5:6:8. Besser passt daher nach des Referenten Ansicht der erweiterte Akkord c, g, e', e", dessen Schwingungszahlen sich wie 2:3:5:8 verhalten, also vier aufeinanderfolgende Zahlen der Lame' sehen Reilie geben. In der Poesie sieht Pfeiffer den goldenen Schnitt in dem Gesetze der ,.Vermittelung''. Die vermittelnde Rolle spielt z. B. in der antiken Tragdie der Chor, in Schiller's Brgschaft" der Freiind, der also nicht bloss mittlere Proportionale zwischen Moros und dem Tyrannen, sondern auch gleich der Differenz beidei' ist. Gegen die Unteisuchungen, die den goldenen Schnitt als morphologisches Naturgesetz hinstellen wollen, lassen sich manchei-lei Bedenken geltend machen. Die wesent- lichsten Bedenken sind wohl folgende. Erstens ist das Vorherrschen des goldenen Schnittes in Natur und Kunst so lange nicht bewiesen, als nicht durch Beobach- tungen und Messungen klargelegt ist, dass nicht auch jedes andere N'erhltnis, etwa 1 : 2, wenn man es nur ebenso eifrig sucht, ebenso hufig zu finden ist. Zweitens sind alle solche l'ntersuchungen so lange mehi- Spielereien als wissenschaftlich wertvoll, als sie nicht von dem Streben begleitet werden, den inneien Giund dieses Vorkommens mechanisch oder biologisch zu erklren, d.h. das vermeintliche Gesetz mit den feststehenden Natui'gesetzen in logischen Zusammenhang zu bringen, um dadurch dem Vorherrschen des goldenen Schnittes den Charakter des Zuflligen und Unbegi'eiflichen zu nehmen. Descendenzfrage und Unterweltsforschung. Vdii |)r. Rober Bekannthch gipfelt die moderne Naturanschauung, wie sie besonders durch Darwin und seine Schule zur Geltung gekommen ist,^ im Prinzipe der Descendenz, d. h. in der Auffassung, dass alle heute lebenden Tier- und Pfianzen- arten allmhUch im Laufe der unendlich langen geologi- schen Zeitrume aus anderen, meist niedriger organisierten t Seh neider. Formensich auf natrlichem Wege entwickelten; dass nahe verwandte Formen (Gattungen, Arten) auch stets in gene- tischem Zusammenhange stehen, d.h. von geraeinsamen Vor- fahren abstammen mssten. Die Vernderlichkeit der Ar- ten" ist die fundamentale Voraussetzung, die Entstehung der Arten" die nchste Konsequenz dieses Natursystemes. 36 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. .5. Es liegt nun nahe, dass die Aniinger und Verfech- ter dieser natrlichen Entwickelungslehre in ei'ster Linie darauf bedacht sein mssen, nicht nur auf dem Boden eines Theoremes stellen zu bleiben, sondern ein mglichst reiches Beweismaterial fr die Richtigkeit ihrer Anschau- ung im einzelnen beizubringen. Solches Beweismaterial erglebt sich aber der exakten Forschung in erster Linie da, wo es gelingt, Vermittel ungs- und Uebergangsformen zwischen mehreren sich verwandtschaftlich nahestehenden, i aber doch artlich unterschiedenen Organismen nachzu- weisen, sodass der Weg, welchen die Entwickelung, die Abnderung im einzelnen Falle genommen, gewisser- massen aufgedeckt und beleuchtet erseheint. Je mehr derartige Flle von genetisch verwandtschaftlicher Be- ziehung, also positiver Beweiskraft, bekannt werden, desto besser fr die Begrndung und Sicherung der Descendenz- lehre. Dieselbe kommt insofern lediglich auf eine Zeit- frage, auf ein Additionsexempel hinaus. Bis jetzt nun freilich ist es der Wissenschaft erst gelungen, eine relativ geringe Zahl solcher wh'klich be- weiskrftigen Bindeglieder zwischen bestimmten sich nahe- stehenden Tier- oder Pflanzenarten aufzufinden. Darwin selbst legt seinen eigenen Erwgungen und Entwickelungen in dem berhmten Werke : On the origin of species" als Ausgangspunkt die Thatsache zu Grunde, dass die mancherlei im Laufe der Kulturent- wickelung dem Menschen zu eigen gewordenen Haustiere und Kulturpflanzen, von ursprnglich wild lebenden, die als solche meist nicht mehr vorhanden, also ausgestorben, abstammen; dass deren gezhmte und gezchtete Nach- kommen ihrerseits wieder unter dem verschiedenartigen Einflsse der Menschen in eine oft grosse Zahl ver- schiedener sogenannten Rassen und Spielarten ausein- ander gegangen seien, und das alles in mindestens geologisch gesprochen kurzen, zuweilen nachweisbar sehr kurzen Zeitrumen. Was aber der Mensch, der hier gewissei-massen selbst neue Arten gemacht hat, innerhalb verhltnismssig beschrnkter Zeitdauer vermag, sollte dies nicht, fragt Danvin, durch die allmchtig und un- aufhaltsam wirkende Werde-Eneigie der Natur innerhalb der ungeheueren geologischen Zeitspannen weit gross- artiger zm\ege gebracht worden sein? Wir htten also hier eine Gruppe von Thatsachen, welche die Abstammung, die Abnderungs-Fhigkeit, ja -Notwendigkeit der Lebewesen unter vei-nderten usseren BedQgungen darthun. Indessen wird hiergegen von ge- wisser Seite mit einer Art Recht der Einwand erhoben, dass es sich hier gar nicht um spontane Abnderungen, um natrliche Entwickelungsprozesse einer Art in eine andere und neue handele, sondern um knstlich er- zwungene, auf dem Wege der sogenannten knstlichen Zuchtwahl zu Stande gebrachte, was sich mit dem Ver- laufe der Dinge im Frei- und Natiuleben gai' nicht ver- gleichen lasse. Ja, man hat sogar berhaupt alle Hausrassen schlechthin als krankhafte Missbildungen im Vergleiche zu ihren wildlebenden Vorfahren hinstellen wollen! Mag man nun diese Bedenken teilen oder nicht, von besonderem, durchgreifendem Werte werden jeden- falls im Frei- und Naturleben beobaclitete Uebergangs- und Vermittelungsstadien sein, und auch solche auf- zudecken ist der Forschung der letzten Decennien mehr- fach gelungen. So hat man, um einige Beisi)iele zu er- whnen, in der Krebsgattung Art emia (Blattfusskrebse) zwei Arten kennen gelernt, welche frher als vllig selbst- stndig und getrennt galten, von denen in Wahrheit aber die eine durch eine natrliche und allmhliche Reihe von Zwischenstadien in die andei'e bergehen kann, und zwar, was in diesem Falle besonders interessant, unter dem rein physischen Einflsse salzhaltigen Wassei's, in welches sie versetzt wird oder worden ist. Ferner entdeckte man bei einer sdamerikanischen Erd-Orchideen-Gruppe, dass drei usserst verschiedene Angehrige derselben, die sogar als gnzlich verschiedene Gattungen beschrieben worden waren, (Gatasetum, Monachanthus und Myanthus) ineinander bergehen knnen, oder wie laienliafte Berichte schon vorher erwhnt hatten, Neigung htten, sich in- einander zu verwandeln". Es ist begreiflich, dass, nachdem die ersten Anre- gungen dieser Art einmal gegeben waren, besonders die Vorwesenkunde es sich angelegen sein liess, bei ihrem Durchforschen der im Laufe geologischer Vergangenheit abgelagerten Erd- und Gesteinschichten nach fossilen Tier- und Pflanzenresten, die x\hnen und Urahnen unserer heute lebenden Geschlechter aufzusuchen und auch hier womglich die heute fehlenden, weil ottenbar ausgestor- benen Bindeglieder zwischen verwandten, aber nicht mehr direkt vermittelten Organismengruppen ausfindig zumachen. Da ist es besonders den unermdlichen Anstrengungen amerikanischer Forscher neuerer Zeit gelungen, in ihren weiten, bisher nur wenig aufgeschlossenen Gebieten die wichtigsten und wertvollsten Funde ans Tageslicht zu frdern. Da hat man in den unzhligen dort aufge- huften Knochenresten und Versteinerungen der palaeo- und mesozoischen Formationen die eberbleibsel von Ge- schpfen erkannt, welche die grossen, heute vllig zu- sammenhangslos erscheinenden Hauptste des Wh'bel- tierstammes in schnster Weise vermitteln und zu ihrem gemeinsamen Ursprnge wieder zusammenleiten: so direkte Uebergnge zwischen Vogel und Reptil, zwischen Am- phibium und Sugetiei' etc., wie solche heutzutage nicht mehr vorkommen. Nachdem man schon vorher in unserem Vateiiande den berlimten Archaeopteryx, ein direktes Mittelglied zwischen Vogel und Eidechse, aufgefunden hatte, unterlag es keinem Zweifel mehr, dass die Vor- wesenkunde ganz besonders dazu auserlesen war, in Zu- kunft eine der vornehmsten Sttzen der modernen Ent- wickelungslehre zu werden. Neuester Zeit scheint auch die Untersuchung der unterirdisch, also in Hhlen, Grotten, Brunnen und Schchten lebenden Wesen dazu berufen, eine gewisse Rolle in der Descendenzfrage zu spielen und Beitrge im obigen Sinne zu liefern. Nr. NTatuiwissenscliaftliche Wocliensclnift. 37 Schon Danvin widmet diesem Gcirenstande eine wenn auch nui' kurzgefasste Besitrechung-. Es musste fi- ihn uusseroidentlicli naiie liegen darauf hinzuweisen, dass jene lieutzutage im Dunkel der Untei-welt ein- heimischen Tiere, meist durch Kn)erbleichheit und ver- kmmerte Sehorgane gekennzeichnet und von den nchst- verwandten oberirdischen Arten somit scharf unterschieden, nicht gleich von Anfang an dort gelebt haben konnten, sondern ursi>rnglich von normalen, oberirdisch lebenden P'ormen abstammen raussten, welch letztere in alter Zeit durch verschiedene Ursachen in jene, zum Teil Schutz gewhrenden Tiefen der Erde liinabgefhrt worden waren. Die Bedeutung dieseV Erscheinung fr die Abstammungs- lehre liegt also klar zu Tage. Dass alle jene merkwrdig abgenderten Untenveltsbewohner in der That erst von obenher hinabgelangt sein werden, dafr spricht schon der Umstand, dass jene Grotten, Hhlen etc., in denen sie besonders vorkommen, vorwiegend Tropfsteingebilde sind und als solche erwiesenennassen einer nicht allzu- weit zurtickgelegenen geologischen Vergangenheit ihre Entstehung verdanken. Ferner hat man bei genauerer Untersuchung gefunden, dass viele jener bleichen und blinden Hhlenbewohner noch deutlich nachweisbare Reste eines Gesichtsorganes besitzen; so hat der berlimte Grottenmolcb der Ki-ainer Kalksteinhhlen, der 01m oder Proteus, in seinem verkmmerten, unter der Haut ver- steckten Auge noch alle Teile aufzuweisen, nur die Linse fehlt. .Jene vorhandenen Bestandteile aber knnen nicht wohl vom Organismus bei stetem Leben im Dunkel er- worben worden sein, sondern nur als verkmmerte Reste ursprnglich noimal, d. h. im Lichte funktionierender Organe erklrt werden. Gerade hier haben wir also schlagende Beispiele einer wirklichen natrlichen Neu- Entstehung von Arten innerhalb geologisch nicht allzu bedeutender, wenn auch nicht nher bestimmbarer Zeit- rume. Trotzdem ist es usserst schwierig, die unmittelbare Abstammung solcher stark und eigentmlich abgenderten Unterweltsarten von bestimmten noch vorhandenen und bekannten oberweltlichen Foimen nachzuweisen. Kein Mensch weiss bis jetzt, von welchem oberirdischen Molche der 01m, von welchem Ahnen der merkwrdige Blind- fisch (Amblyopsis) aus der Mammuthhhle von Ken- tucky abstammt: die nchsten oberirdischen Verwandten dieser einzig dastehenden Gattungen sind eben allem Anscheine nach nicht mehr am Leben. Nur- auf Um- wegen oder durch glckliche Fossilfunde drfte man vielleicht den hier fehlenden Mittelgliedern noch auf die Spur kommen knnen. Nhei- lag die Mglichkeit eines Abstammungs-Nach- weises bei einigen typischen Vertretern unserer vater- lndischen Hhlenfauna, besonders dem bleichen und blinden Grotten-Flohkrebs (Niphargus puteanus) und der Hhlen-Wasserassel (Asellus cavaticus). Beide, obwol als selbstndige Arten vllig bestimmbar, haben eine entschieden nahe Veiwandtschaft mit zwei ganz bekannten oberirdischen Arten aufzuweisen: ersterer mit dem gewhnlichen Bachflohkrebse (Gammarus pul ex), letztere mit der gewhnlichen Wasserassel (Asellus aquaticus). So allgemein verbreitet diese beiden Tiere bei uns in ihren oberirdischen Bezirken, sind auch jene in ihren unterirdischen. Die Haupt- Eigentmlichkeit beider Dunkelbewohner besteht auch hier wieder in der vollkommenen Ki-perbleichheit, d. h. dem Fehlen von Haut-Farbstoffen, und dem Mangel der Gesichtsorgane, whrend die beiden oberirdischen Arten sehr lebhafte Frbung und wohlentwickelte Augen be- sitzen. Dazu kommen noch feinere, weniger ins Auge springende x^bweichungen. Sollte sich, nun in diesem unserem Falle eine Ab- stammung der beiden Hhlenarten von der entsprechenden oberirdischen Form oder einer ihr sehr nahestehenden mit annhernder Sicherheit erweisen lassen? sollten irgendwo vermittelnde Uebergangsstufen zwischen den je zwei entsprechenden Extremen zu finden sein? Diese Fragen sind durch Untersuchungen der letzten Jahre im bejahenden Sinne entschieden worden. Die Stollen und Bauten unserer ltesten Bergwerke haben fr beide Tierformen solche Zwischenstadien geliefert, Clausthal im Oberharze fr die Flohki-ebse, Freiberg im Erz- gebirge fr die Wasserasseln. So leben in den alten Stollen von Clausthal Scharen bleicher Gammariden, die seit ca. 300 Jahi'en dort eingebrgert sein' mssen und, wie die noch deutlich vorhandenen Augenflecke und der brige Krperbau zeigen, vom gewhnlichen Flohkrebse abstammen. Die Bleichheit aber weist sie wieder mehr zu den Hhlentieren hin, und die genauere Untersuchung des Auges lehrt, dass dasselbe schon un- verkennbare Spuren von Verkmmerung, speziell der Linsenkrper, an sich trgt. Bezeichnend ist es dabei, ' dass die auch in den jngeren Stollenstrecken lebenden Flohkrebse diese Abweichungen erst in weit geringerem i Grade aufzuweisen haben und schliesslich stufenweise zu der normalen oberirdischen Form bergehen. Eine ganz entsprechende Mittelstellung zwischen den beiden Extremen nimmt auch die im Alten tiefen Frstenstollen" von Freiberg entdeckte bleiche Wasserassel ein; auch sie zeigt uns, in welcher Weise die Dunkeltiere aus den gewhnlichen Formen entstanden 1 sind. Grabenbewohner, soweit sie in sehr alten Schchten nachzuweisen, drfen also ganz allgemeinhin als Mittel- stufen zwischen der oberudischen und der Hhlenform gelten und bieten ausserdem den wichtigen Anhalts- punkt, dass man bei ihnen mit annhernder Genauigkeit die Dauer ihrer unterirdischen Existenz ermitteln kann, was bei Hhlenbew^ohnern kaum mglich ist. Uebrigens ist es gleichzeitig auch gelungen, andere dem kleineren Tierleben angehrige Schachtbewohner als Anpassungs-Mittelglieder zwischen den entsprechen- den oberirdischen und den unterirdischen Arten zu er- kennen, so gewisse dort lebende Cyclopenkrebse, Daphniden oder Wasserflhe u. a., bei welchen allen 38 Natunvissenscliaftliclie Wocliensclirift. Xi auch vorherrschend Auge und Krperfarbstoff die be- Avussten Anklnge an Hhlenformen verraten. Auf die stark umgestaltende Kraft jener wichtigen Verhltnisse, welche dort in den dunklen Erdtiefen so unverkennbar auf den Organismus einwirken, kann ich hier nur hindeuten; so auf den bedeutsamen Eintluss der Finsternis an sich, den Fortfall jahreszeitlicher Unter- schiede, den iibernormalen Eisen- und Kalkgehalt dei- Grund Wsser. Mag die jngst von einem Forscher ausgespiochene Hoffnung in immer reicherem Masse in Erfllung gehen : dass einer jenei' zur Autheilung der natrlichen Sciipfungs- geschichte beitragenden Lichtstralileu aus dem Dunkel heiaufzudringen bestimmt sei. Kleinere Mitteilungen. Der Ursprung der chemischen Grundstoffe. Ueber dieses Thonia bat ili;r eiiglisclie Forscher WiUiam Crookes. der durch die Erfindun g des Radiometers und noch mehr durch die Ent- deckung Afv strahlenden Materie" auch in weiteren Kreisen hekannt geworden ist, in der Royal Institution" zu London einen Vortrag*) gehalten, iu welchem er die gemeinsame Herkunft aller unserer chemischen Grundstotte aus demselben Urstoft' verkndet. Der Ge- danke, den er hiermit vertritt, ist nicht neu; schon Hingst hatte man vermutet, dass den Elementen jene starre Unveriinderlichkeit. welche wir als ihre Griindeigenschaft ansehen, nicht von^ Ewigkeit her zu- kommt, da.ss sie nicht das schlechtliin und in letzter Hinsicht Ein- fache in der Welt des Stolfes sind; auf diese Vermutung war man dnrch die Thatsache hingewiesen worden, dass die Spektren der Gi-undstoffe aus einer grsseren oder kleineren Anzahl von Licht- liuien zusammengesetzt sind und diese Linien sich verschiedenen Bedingungen gegenber verschieden verhalten. JJem genannten Gedanken, der indessen bisher nur ein loser, tmsicherer war, geben die C'rookes'schen Versuche ber die Yttrium- Metalle eine neue wissenschaftliche Sttze. Die Scheidung dieser Metalle, die sich im Samarskit. Gadolinit und einigen anderen Mine- ralien finden, ist eine usserst schwierige, weil die Eigenschaften der ]'',leiiiente wie ihrer als seltene Erden" bezeichneten Sauer>;toi}- verbindnngen nur wenig verschieden voneinander sind. Man glaubte bishei- dre^ jener Metalle zu kennen: Yttrium, Erbium und Ytterbium, doch wurde neben ersterem wohl noch das Samarium als besonderer Grundstoff genannt; und im Jahre 1866 hatte Nordenskjld dazu die merkwnidige Entdeckung gemacht, dass sich jene drei Elemente nicht nur immer in Gesellschaft, sondern auch stets in demselben Mengenverhltnis vorfinden : das in den verschiedenen Mineralien ent- haltene Gemisch der Oxyde der drei Elemente zeigte nmlich stets das gleiche Molekulargewicht. Deswegen war Nordenskjld auch berechtigt, ihm einen einheitlichen Namen Gadoliniumoxyd zu geben. Jetzt aber ist Crookes zu dem Ergebnis gelangt, dass das alte Yttrium" aus neun Korpern besteht, welche sich durch ihr phosphoreszierendes Spektrum in so bestimmter Weise unterscheiden, dass man gentigt ist, sie als ebenso viele Grundstoffe anzusprechen. Crookes stellte seine Versuche in der Weise an, dass er die Losung der Yttriumerde mit schwachem Amraoniakwasser versetzte und einen Teil des gelsten Oxydes austollte. Das in der Lsung bleibende Oxyd musste dann etwas, aber nur ganz wenig, strkere basische Eigenschaften haben als der Niederschlag. Wurde nun das Oxyd wieder gelst und in beiden Lsungen eine abermalige teil- weise Fllung vorgenommen, so erhielt der Versuchsansteller 4 Oxyde (zwei als Niederschlag, zwei gelst), welche eine regelmssige Stufen- folge der Basicitt einhielten. Auf diesem Wege der Fraktionie- rung" konnte Crookes solche Oxyde erhalten, die in ihren Eigen- schaften so weit als mglich auseinander gehen. Den Yttrium-Metallen gegenber scheinen wir nach dem Ge- sagten den Begriff des chemischen Grundstoft'es nicht aufrecht er- halten zu knnen. Das Nordensk jld'sche Gadolinium benimmt sich wie ein Element und besteht doch aus drei anderen : Yttrium. Erbium. Ytterbium, von denen sich aber das erste wiederum aus neun anderen zusammengesetzt erweist. Crookes erklrt dieses Verhalten durch die Annahme, dass die Atome, aus denen sich das alte Yttrium" (und ebenso das Gadolinium) zusammensetzt, nicht alle gleicher Natur sind; dass vielmehr verschiedene Arten der Atome jener fr Grundstoffe ge- haltenen und in gewissem Sinne ja auch als solche auftretenden Krper unterschieden werden mssen, welche wahrscheinlich in ihrem Gewichte, sicher aber in ihren inneren Bewegungszustnden von- einander abweichen. Letzterer Umstand bewirkt es, dass gewisse Atome diese, andere wieder jene Linien und Bnder des Gesamt- Spektrums des Elementes liefern, so dass bei einer Trennung der Atome verschiedene Spektren erhalten werden. *) Als eigene Schrift erschienen unter dem Titel : Die Genesis der Elemente", deutsch von Dr. A. Delisle. Vieweg & Sohn in Braunschweig 1888. Soweit sttzt sich die Crookes'sche Hypothese fest und sicher auf die beobachteten Thatsachen. Aber auch der weitere Ausblick, den sie uns auf alle brigen Grundstoffe und auf das periodische System derselben gewhrt, scheint mir ein rfurohaus klarer und be- friedigender zu sein, wenn auch mit ihm noch nicht das Rechte ge- troffen sein sollte. Nicht nur das Gadolinium und das alte Yttrium", sondern alle Grundstoffe sollen aus Atomen von verschiedener Be- schaffenheit, aber in feststehenden Verhltnissen zusammengesetzt sein; aus ihnen entspringen die verschiedenen Spektralstrahlen, wel- che in ihrer Gesamtheit erst das Spektrum des Elementes, wie wir es zu sehen bekommen, bilden. Aber auch diese Bestandteile sind nicht das Letzte, sie bringen uns demselben nur nher. Die letzten Bestandteile alles Stoft'es sind gleichartig beschatt'ene Atome (ver- gleichbar den i)hilosophischen Atomen" Fechner's), welche in ver- schiedener Anzahl und Lagerung zusammentreten, um so die Atome der Elemente zu bilden. Den Stoff, welchem jene Atome angehren, nennt Crookes Protyle" oder Protyl"; ich mchte den deutschen Namen Urstoff" whlen. Dieser Urstofl^ erfllte einst den Welt- raum, und er ist es vielleicht, der noch heute als Welt- oder Licht- ther uns Kunde von den brigen Himmelskrpern giebt, denn ohne ihn wrden die Strahlen, die sie aussenden, nicht zu uns gelangen. Aus ihm haben die chemischen Grundstoffe ihren einstigen Ur- sprung genommen und zwar infolge fortschreitender Abkhlung und Verdichtung- und unter Mithilfe elektrischer Erregungen. Nachdem eine gewisse Anzahl von Atomen der Grundstoffe entstanden war und zwar derjenigen mit den niedrigsten Atomgewichten: des Wasser- stoffs, Lithiums, Berylliums, Bors, Kohlenstoffs, Stickstoft's, Sauer- stoffs, Fluors, ferner des Natriums, Magnesiums, Aluminiums, Sili- ciums, des Phosphors, Schwefels und Chlors kehrten hnliche Bedingungen der Stoff bildung wieder; nun aber war die Temperatur gesunken und so ist anzunehmen, dass die dann entstehenden Elemente jenen zuerst aufgetretenen zwar hnlich wurden ('so Kalium dem Lithiurn etc.), aber eine Abnderung in gewissem Sinne aufwiesen, vor allem geringere molekulare Beweglichkeit und ein hheres Atom- gewicht hesassen. Spter wiederholte sich die Stoffhildung noch fters, so dass nach und nach Elemente das Dasein gewannen, die in Reihen eines periodischen S3'stems wie es ja von Mendelejeff und L. Meyer begrndet wurde eingeordnet werden knnen. Die zuerst gebildeten Grundstoffe hatten die grOsste chemische Energie, welche indess im Verlaufe der Zeit ebenso wie die Wrme abnahm. Erfolgte in einem gewissen Zeitpunkte der Bildung der Grund- stoffe der Abkhlungsvorgang rasch und unregelmssig, so entstand nicht ein einzelnes Element, sondern es schlugen sich verschiedene Arten von Atomen gleichsam nieder, die zwar Elementen mit hn- lichen Eigenschaften, aber doch mehreren besonderen Elementen zu- zuweisen sind, welche eine Gruppe wie die Yttrium-Metalle oder wie Eisen, Nickel und Kobalt bilden. Wieder ist es somit in erster Linie die Spektralanal.vse, welche wie sie uns vor mehr als einem Vierteljahrhundert lehrte, dass die gleichen Stofl'e, welche die Erde zusammensetzen, auch in den fernsten Himmelskrpern angetroffen werden uns nun auf die Einheit alles Stoffes in Bezug auf seine Herkunft und seine wahren Elemente mehr oder weniger deutlich hinweist, Dr. Karl Friedr. Jordan. Die Theorie des Bleikammerprozesses. Prof. Lunge in Zrich hat vor kurzem die von Raschig aufgestellte Theorie in den Berichten der Deutschen Chemischen Gesellschaft einer Kritik unterzogen und sich berhaupt sehr eingehend mit diesem theoretisch so interessanten und fr die chemische Technik so wichtigen Gegen- stand beschftigt. Raschig nahm im Gegensatz zu seinen Vor- gngern, welche die Theorie des Bleikammerproze.sses aufzuklren versuchten, eine neue unbekannte Substanz an. welche durch Zu- sammentreten von salpetriger und schwefliger Sure entstehen soll. Im Augenblicke des Entstehens soll .sie .sich in Berhrung mit mehr salpetriger Sure in Stickoxyd, Schwefelsure und Wasser spalten. Das Stickoxyd .soll mit Sauerstoff und Wasser wieder salpetrige Sure geben. Lunge hlt die von Raschig angegebene Nr. Naturwissenschaftliche Wociienschrift. 39 Erklrung des Prozesses iiiclit iiufrecht, zei^t vielmehr, tlass diese 'J'lieorie auf imlmltbareii VoraussetziingHii beruht und erkUirt seiner- seits den Przess, ohne irgend eine unbekannte Substanz anzunehmen. Luno-p's Ansicht ist die: Das .S ouenen. 381-383. - II. epfliiiidje ^3tooel= len. 384-386. - m. ataiij5iii(i)e 9!ci. OtDell. 387-389. - IV. 3t(ilitni die 5lo. uellcn. 390 392. - V. (Snglif(i)C 9(oel. len. 473. 474. - VI. StutWie SRoDellen. 47.5. 476. fir8tr,cbiit)lE. 272.273. - 5Dind)t)ujen iHeiicn u. VIbtilt. 30a 801. Sgion, gljilbe ^aroIbS '4)ilgfrtat)tl.398.399. - Sic Snjel. - elJDO. - SJtaui ton 'JlbijDoS. 188. 189. - ^onSuaiu 192-194. - S).ot(ai.-Siata.87.88. - TOonfnl). - floin. 133. 13.3. [159.1 - iHiQjeliba.- SJ.eiiaut./ - SarConapl. 451. -152. eamcrmi, 3)aS gfejima^l tiE tltajer. 334. tf Qatnlfl, ISebii4le.263 - 268. - !IJetet etlemil)!. 92. S^alcoubrianli, 'iltala. - Sene. 163. 164. - DttSeSlebttSlbencic tagtn. 418. Sanle, %(^tev. 432. 3. - ieincIt.^udiS. 186.187. - SleUo. 394. - Sorgualoidfio 89.90. - Sit MWl'cnuanbt. IdiajltiL 103-106. @octliesSil|iUtr, itcnien. 208. tobbt, iapoleon. 3;is- 339. @riromeUtiaufcn, Sim> lUicijflnni 278/283. ^ageborn. (fabeln u. (*t= jQtllmigeii 425-42?. uuff, i^it iteltlerin om SBontbeSSlrtl. 00.61. - 3ub gfe. - OlljeHo. 95. 96. - SD.Ratawane. 137.138. - i;i*lenftein. 34-38. - 3!et Monii im JIonb. 415-417 - 5Die ngerin. - l'e^te SRittet on Woticn. brg. 130. 131. - 3^erc^eiIu.ir^lleMan- btia- 139. 140. - 2!08 SBittsljauS Im Sbeliatt 141. 142. ^tlitl, 6dia^[fUiin be$ r^eini)d)en ^aitl fteunbiS. 286-288. getne, tia Itoa. 410 - Sucllb.l'iebtt.243-245. - SCeutidilanb. 411. - 9!eueebid)te.246.247. - Sie tiatjteiie. 250. - 35.>)lorb|ce. 2o6Sud) L'c (Sianb 45 486. - Momanieto. 248. 249. gfrber.TecCSib. 100. 101. - ber bcn Ursprung ber gprnibe. 321. 322. - oltllieber. 461-464. eiffel. ber bie (51|t, 441-443. ^affmoiin, %ai (Vrulcin oon cuberi. 15. - 5i>.golb2o()f. 161.162. - SDaS Majorat 153. - 5Mci|'ler TOartin. 46. - 3;er un^einilidie aft - Eon 3uan. 129. ^Olbtro, Seppe om SJerge. 308. etlberltn, ebli^te. 190. 191. - J;i)perion. 471. 472. mtr, 3lia8. 261-256. - Obl)!lec. 211-215. Sumbolbt, 9D. D., riefe on eine greunbin. 802-307. al". S>ie 3dger, 3i. 341. - 2 er Siiitlcr. 395.396. 3mmermaiiii, Xer Cbec* bot. 81-84. - 1'.iiEUeitt)gniaIiDn.85. - Irifloii unb ;jioIbe. 42S-43a - Suliriinldien, 477 478. Srbtiig, aqen uu 0er SlUiainbra. 180. 3con <(aul, i^legeljalire. 28-33. - SEier Romet. 144-148. - Siebent.i. 115-120. 3une = Stllliiiae vttien. 310-314. Kam, Son ber;e(0(|t, Irr timlenbeSeu- feL 69-71. [39.1 e||)ng, emilia^alDlti.j - iSebii^te. 241. 242 - l'oofoon. 25-27 - ^linna on 9?am' beim. 1. - 3)ii6 8ara Sainbion. 209. 210. [63.1 - 9!atl)anberiffieife. 62.| - SOabemetumfiirliajtor Vange. .!48. llUtr. ai|*rebeii. 400. mattliifion.Wtbidite 484. 'Jerimtt,(clombo.93.ii4. - RlEiiic vlinifUtii- 13. Dlton, TaS oerlonif 'iiarabieS. 121-124. hhere, Xte gEleljtteii Srauen 109. - Xer Dliiant^rop. Iii5. - Ter Inrliitf 8 SllB(tr,1ilrioli(c6eHtian. taRen. 422-424. OtufSut, l'egenben Don Ubeta^L 72. - 3)olHmdr*en I. 225. 226. [228.1 - ollrardieii IL 227.) - SBolfmri^en llt 229. 230. 9!oDall9. ^einridibon Of- terbiiigcn. 497, 498 Cel]leHirl]liigcr, (iorreg. gio. 49. 470 ipeftaliijjl, iiiEiiljorb unb crtriib. 315-320. qsioten.ojiidiie. 269.270. <))ufit|tin,'J3oriS(iiobunof. 29:1. 'flocUit, llialia. 172. - !i'ritaniiicu. 409. - '|tl)dbra. 440. Woimnnb. 5Det Souer als OTiUionr. 436. - XerSBcridnenbEr.437. 438 9(0111)0, Xer liiarr u. fein Siiiib. 435, Satitt:^icrrr, ^taul unb iirginie. 51. 52. .wallet, "2aien = pange. lium 487-490. anB,tVraiii,ber (Scampi. 97. 98. - Xer ^EutelSjumpf. 47. Silicnicnbiirj, i^ebii^tc. 336. 337. sibillcr, Xie Sraut Bon TOejfina. 184. 1S5. - XoM .(lorlos. 44. 45 - (rjdljlungen. 91. - ie-r-Io. 55. 56. - ytuSQEludlilte lJebid)te. 169. 170 - XetWciflEtWet 21.22. - iie Jungfrau bon Or- leans. 151 152. - < ^' -^yw^i ; =^0. ' IT z!" 2 o z:. =- = ^ ff" Tgliche Zuschriften besttigen, dass der seit IS.S um- vnn mir fabriz. Holland. Taliak (10 Pfd. lose in eiu. Beutel Ico. 8 Mk.) in Gte von kein. Nachahmer erreicht wird. B. Becker in Seesen a. Harz. [31] Inserate fr Nr. 7 der Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" mssen spte- steus bis Sonnabend, 5. Mai in imseren Hiulen sein. Die Expedition. Bei Benutzung der Inserate bitten wir vm- sere Leser hflichst, auf die Naturwissenschaftliche Wochenschrift" Bezug neh- men zu wollen. Inhalt: Dr. H. Sohnbert: Die vermeintliche Herrschaft des goldenen Schnittes in Natur und Kunst. (Mir Abbild.) Dr. Ro- bert Schneider; Descendenzfra- g-e und Unterweltsfurschunt;. Kleinere Mitteilungen: Der Ui- .spriing- der chemischen Grundstotfe. Die Theorie des Bleikamiin-r- jirozesses. Das Seelenleben der Tiere Fragen und Antworten: Wer hat die insektenfressenden" Eigenschaften der Pflanzen ent- deckt und wie viele und welche Pflanzenarten in Deutschland ge- hren zu den insektenfressenden? Litteratur: Dr. A. Ritter von Urbauitzky: Die Elektricitt des Himmels und der Erde. Berichtigungen. Inserate. Verantwortliclier Redakteur: Dr. Henry Potoni6. Verlag: Riemann & Mller. Druck; Gebrder Kiesau. Smtlich in Berlin. Dr. H. Potonie. Verlag: Riemann & Mller, Berlin SW. 48, Priedricli-Strasse 226. 11. Band. Sonntag-, den 6. Mai 1888. Nr. 6. Abormement: Mau abonniert bei allen Bucliiiandlungen und Post- anstalten, wie bei der Kxiieditiou. Der Vierteljahrsiireis ist Jt 2. ; Bringegeld bei der Post 15 ^ extra. Inserate; Die viergespaltene Petitzeile 3U ^. Grssere Auftrge entsprechenden Rabatt. Beilagen nach ebereinkunft. Inseraten- annahme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. Abdruck ist nur mit vollstndiger 4{nellenang;abc gestattet. Ueber den sogenannten vierdimensionalen Raum. \mi Dr. V Wenn wir die P'oit.scinitte betrachten, welche die g-eometiisclie \Vissen.schaft gemacht liiit, seit sie durch Euklid in die Form eines logisch begrndeten Systems gebracht wurde,' so lallt uns auf, wie sehr die Bereiche- rung ihres Inhalts diircli neue Waiirheiten und die Er- kenntnis des Zasammenlianges derselben jedeizeit ab- hngig gewesen ist von der Ausbildung ihrer Methoden. Welche Flle neuer Resultate verdankt sie nicht dem genialen Gedanken des Descartes, die Operationen der Aritliraetik und Algebra, deren sie sich vorher nur zu dem beschrnkten Zwecke von Messungen bediente, ihr zum Zwecke systematischer Durchforschung von noch unbekannten Gebieten dienstbar zu machen! Wie sehr wurde nicht die Einsicht in den inneren Zusammenhang dieser Resultate gefrdert durch Steinei's erfolgreichen Versuch, die Geometrie auf ganz neuer Grundlage aufzu- bauen, unabhngig, wie das System des Euklid, von den inzwischen schon oft zur drckenden Fessel gewordenen Rechnungsmethoden, umfassend, und aus dem engen Ge- dankenkreise der Euklidischen Forschung liinausflirend, wie das System des Descartes ! Wir sehen aber auch, wie bei allen diesen Fort- schritten die Geometrie in einer bestimmten Hinsicht den Charakter einer Erfahrungswissenschaft bewahrt. Wenn sie auch lngst ber das in ihrem Namen liegende be- .schrnkte Ziel, die Thatsachen der Ebene zu erforschen, hinausgegangen war und den Raum in den Kreis ihrer Betrachtung gezogen hatte, unseren Weltraum mit der FUe dei- in ihm teils wirklich existierenden, teils ge- dachten krperlichen Gebilde: aus diesem a priori g^gQ- .Schlegel. benen Gebiete war sie nie herausgekommen, ja man wrde, selbst in den Kreisen der Mathematiker, bis in die neuere Zeit jeden Gedanken einer aus.serrumlichen Geometrie als absurd verworfen haben, wie man noch vor 30 Jahren in den Lehrbchern die imaginren Grs- sen, die jetzt ein Gemeingut unserer Rechnungen sind, als unmgliche bezeichnete. Auch die philosophischen Spekulationen und wechselnden Ansichten ber das Wesen dieses Weltraumes hatten auf die Richtung und den Charakter der geometrischen Forschung keinen Ein- fluss gehabt; aus der Erfahrung nahm man die Grund- lagen der Geometrie, in dem Erfahrungsraume vollzogen sich ihre Operationen, entstanden und blieben ihre Gebilde. Wenn nun trotzdem in verhltnismssig kurzer Zeit Begriffe wie vierte Dimension des Raumes" und ,,vierdimensionaler Raum" nicht nur in der Wissen- schaft sich eingebt'gert, sondern sogar die Aufmerksam- keit des grossen Publikums, welches doch sonst von den Spekulationen der reinen Mathematik sich fernzuhalten pflegt, in dem Masse auf sich gezogen haben, dass sie ihm trotz ihrer Rtselhaftigkeit wenigstens gelutige Ausdrcke geworden sind, so drngen sich von selbst die Fragen auf: Woher stammen diese anscheinend so widerspruchsvollen Begriffe? wie konnten sie so populr werden? wie sind sie zu verstehen? und welche wissen- schaftliche Berechtigung haben sie ? Elin Versuch, diese Fragen von dem hier allein massgebenden mathematischen Standpunkte zu beantworten, difte auch den Lesern unserer Zeitschrift nicht unwillkommen sein, zumal da in 42 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. G. der Regel jeder, der ber die.sen Gegenstand Belehrung sucht, nicht nur den in der Natur der Sache liegenden Schwierigkeiten, sich daiber klar zu weiden, gegenber- steht, sondern auch einer teils durch weitverbreitete, unabsichtliche Missverstndnisse, teils durch bewusste Tusclunigen herbeigefhrten argen Verwirrung der Vor- stellungen und Begriffe. Schon die doppelte Ausdrucksweise: vierte Dimen- sion des Raumes" und vierdimensionalei' Raum" ist ein Zeichen dieser Verwirrung. Wenn man von einer vierten Dimension des Raumes spricht, so stellt man sich vor, dass unserem Weltrume neben den drei Ausdehnungen der Lnge, Breite und Hhe, noch eine mysterise vierte Dimension von gleichartiger Natur mit den anderen zu- geschrieben werde. Dies ist aber ein Unding, und die ganze Ausdrucks weise vierte Dimension des Raumes" beruht auf einem Missverstndnis und ist zu verwerfen. Spricht man dagegen von einem vierdiuiensionalen Rume, so hat zu diesem Begriffe die folgende Ueberlegung ge- fhlt: In der Geometrie wiid uns gezeigt, dass der Punkt keine Ausdehnung hat, die gerade Linie eine einzige, die wir Lnge nennen, die ebene Flche deren zwei, nmlich Lnge und Breite, der Raum dagegen, wie jeder Krper, der ja nur einen Teil desselben vor- stellt, deren drei, wie schon oben bemerkt. Da nun die Gerade, die Ebene und der Raum in gleicher Weise Gebiete sind, in denen wir allerlei geometrische Gebilde konstrieren und deren Eigenschaften untersuchen knnen, \ so knnen wir auch den Begriff' des Raumes erweitern, indem wir die Gerade einen eindimensionalen Raum nennen und die Ebene einen zweidimensionalen, whrend unser Weltraum ein dreidimensionaler Raum bleibt. Und wir knnen uns, zwar nicht in anschaiichei', aber doch in abstrakt denkender Weise zu dem Begriffe eines vier- dimensionalen Raumes erheben, in welchem unser Welt- raum (Erfahrungsraum) neben beliebig vielen anderen seinesgleichen ebenso Platz htte, -vde beliebig viele Ebenen in unserem Weltrume, oder beliebig viele Ge- raden in einer Ebene. Dieser ,,vierdimensionale Raum" ist also ein reines Produkt mathematischer Spekulation, dient nui' mathematischen Zwecken, und um die Frage nach seiner etwaigen wirklichen Existenz kmmert sich kein Mathematiker. Dies rausste zur Klarstellung des Begriffes vorange- schickt werden. Man wird nun fi'agen: Wenn die Ge- ometrie sich 2000 Jahre lang mit den Rumen zufrieden gab, die nur mit einer, zwei oder drei Dimensionen be- dacht sind, und wenn doch von diesen allein praktische Anwendungen auf die Gebilde der realen Welt zu machen sind, wie kam man in dem nach piaktischen Anwendungen alles Wissens gierigsten aller .Jahrhunderte dazu, die Geometrie auf ein so nebelhaftes Gebiet auszudehnen, und lermit einen Schritt ins Abstrakte zu thun, wie er in gleicher Khnheit in der Wissenschaft selten dage- wesen? Die Erklrung ist leicht, wenn man bedenkt, dass zwar die angewandten Wissenschaften in ihrer Ent- wickelung durcli die Forderungen der Zeit beeinflusst, hier gehemmt, da gefrdert werden, dass aber eine reine Geisteswissenschaft, wie die Mathematik, in ihrer Aus- bildung unentwegt vorwrts schreitet, da die treibenden Krfte nur in ihr selbst wirken. Wie diese Krfte nun gerade in unserem .Jahrhundert zur Entstehung einer Geometrie des vierdimensionalen Raumes drngten, sei der nchste Gegenstand unserer Betrachtung. Schon lange war es den Mathematikern aufgefallen, dass fr einen der elementarsten geometrischen Stze, betreffend die Winkel, welche eine Gerade mit zwei Parallelen bildet, ein strenger Beweis nicht erbracht werden konnte, so dass derselbe als eine unbewiesene Thatsache unter dem Namen Parallelenaxiom" (IL Axiom des Euklid) in den Lehrbchern seine Stelle fand. Dieser Umstand fhrte schliesslich mehrere Geometer auf den Gedanken, die Grundzge einer Geometrie zu entwickeln, in welcher dieses Axiom nicht galt, also auch nicht be- wiesen zu werden brauchte. Natrlich wurden in dieser nichteuklidischen" Geometrie alle diejenigen Resultate, die sonst aus jenem Axiome folgten, durch neue, unseren gewohnten geometrischen Anschauungen und Begriffen widersprechende ersetzt. Namentlich zeigte sich, dass in der nichteuklidischen Geometrie die Winkelsumme eines Dreiecks kleiner als 180" war. Spter fand man, dass noch eine dritte Geometiie erdacht werden konnte, in welcher jene Summe grsser als 180 gefunden wurde. Theoi'etisch erschienen alle drei Arten der Geometrie als gleichberechtigt, aber es mussten die beiden neu gefun- denen Arten so lange als widersinnig betrachtet werden, als man nicht ein Gebiet angeben konnte, in welchem sie wii'klich galten. Nun stellte sich aber heraus, dass die letztgenannte Geometrie keine andere war als die der (konstant positiv geki'mmten) Kugelflche, vorausgesetzt, dass man die grssten Kugelkreise als gerade Linien der Kugelflche auffasste; und auch fr die nichteuklidische Geometrie wuixle eine (konstant negativ gekrmmte) Flche gefunden, auf welcher sie unter entsprechenden Voraussetzungen Geltung fand.*) Diese Flchen erliielten nun durch die besonderen Geometrieen, die man fr sie gefunden, g-ewissei'massen gleichen Rang mit der Ebene (Flche mit der Krmmung Null); und wenn man nun alle drei Flchen als zweidimensionale Rume bezeichnete, die sich nur durch die Beschaffenheit ilrrer Krmmung unterschieden, so konnte es nicht ausbleiben, dass man diese neuen Vorstellungen auch auf den dreidimensionalen Raum zu bertragen suchte, und neben den bisher allein betrachteten Weltraum, der jetzt als einziges uns be- kanntes und zugngliches Exemplar der Gattung drei- dimensionaler Raum mit der Krmmung Null" erschien, *) ]Seispiele fr die oben erwhnten Dreiecke liefern: 1. im Falle der ziiletzfgenannten Geometrie ein Dreieck auf der Erdkugel, begrenzt von einem Aerinatorbogen und zwei aus seinen Endpunkten nach einem l'ol gellenden Meridianbogen; 2. im Falle der nicbt- euklidischen Geometrie ein ebenes Dreieck, gebildet aus drei Kreis- bogen, welche einem in der Dreiecksflche gelegenen Punkte smt- lich ihre convex gekrmmte Seite zuwenden. Nr. 6. Natunvissenschaftliclie Wochensclirift. 43 noch zwei Arten von Rumen setzte, einen positiv und einen neg-ativ g-ekriimraten. Selbstverstndlich verzichtete man hier von vornherein auf jeden Versuch, einen der- aitigen Raum wirklich aufzufinden; auch war man in der Erkenntnis der Bedeutung- der abstrakten Geometrie schon weit genug vorgeschritten, um diese Rume nicht deshalb als widersinnige Denkprodukte zu verwerfen, weil unsere Erfahrung ber die Existenz eines einzigen krmraungslosen Raumes uns verbot, diese Rume als wii-klich existierend anzusehen. Dieselben waren eben Produkte mathematischer Ueberlegung, wie tausend an- dere geometiische Gebilde, nur dass sie der Anschau- lichkeit entbehrten. Nun lehrte aber die Geometrie, dass alle ebenen und gekrmmten zweidimensionalen Flchen in unserem dreidimensionalen krmmungslosen Weltrume existierten, oder konstruiert, oder wenigstens gedacht werden konnten, und es lag daher wieder nahe, fr die drei Arten des dreidimensionalen Raumes ein gemeinsames krmmungs- loses vierdimensionales Gebiet anzunehmen, in welchem sie alle Platz finden konnten, und zwar nicht in je einem, sondern in beliebig vielen Exemplaren. Dieses Gebiet ist der vierdimensionale Raum der Mathematik. Die Methode der Analogie, welche uns hier aus dem Gebiete des dreidimensionalen Raumes in das des vier- dimensionalen gefhrt hat, gestattet sofort den Schluss. dass dieser abstrakte Piozess der Raumbildung beliebig weit fortgesetzt werden kann, und in der That besitzen wii' schon zahlreiche Resultate der Geometrie, welche fr einen Raum von beliebig vielen Dimensionen gelten. Neben den Betrachtungsweisen der nichteuklidischen Cieometrie boten sich aber auch noch andere Wege, um zu einer Ausdehnung des Raumbegriffes auf mehi' als drei Dimensionen zu gelangen. Namentlich htte die von alters her bekannte und seit Descartes, wie im Ein- gange erwhnt, zur Auffindung neuer Wahiheiten plan- inssig ausgenutzte Anwendung des Zahl- und Massbe- griffes auf die Geometrie schon lngst zur Ausfhrung jener Verallgemeinerung fhren knnen, wenn nur irgend eine zwingende Veranlassung dazu sich geboten htte. Bedenkt man nmlich, dass eine einfache Zahl a die ]^nge einer gemessenen Strecke darstellt, die zweite Potenz dieser Zahl, a-, den Flcheninhalt des ber der Strecke a als Seite errichteten Quadrates, und die dritte Potenz a^ den Rauminlialt des ber diesem Quadiate als Grundflche konstruierten Wi-fels, so entsteht naturge- niss die Frage nach der geometrischen Bedeutung dei- folgenden Potenzen a*, a^ u. s. w., und man sieht leicht, dass diese Grssen die Resultate der einfachsten Inhalts- bestimmungen in den Rumen mit 4, 5 und mehr Di- mension sind, sobald man sich nur entscUiesst, diesen Rumen und den fr sie geltenden Geometrieen das Brgeirecht in der Geometrie zu gewhren, trotzdem dass die Anschauung uns hier berall im Stich lsst. Da ferner eine Gleichung als algebraische Ausdrucksform fr einen Punkt, eine Linie oder eine Flche angesehen werden kann, je nachdem sie 1, 2 oder 3 vernderliche Grssen enthlt, so ergiebt sich von selbst die Frage nach der geometrischen Bedeutung einer Gleichung mit 4 und mein- Vei'nderlichen. Und auch diese Bedeutung wird in den Rumen mit 4 und mehr Dimensionen ge- funden. Wenn nun auch, wie gesagt, diese Uebeile- gungen nicht die Veranlassung zur Aufstellung des Be- griffs mehrdimensionaler Rume geworden sind, so sieht man doch, wie einfach diese Rume sich in den Rahmen gelutiger geometrischer Vorstellungen einfgen, und wie brauchbar sie sind, um die sonst nur in beschrnkten Grenzen mgliche gegenseitige Verwandlung algebraischer und geometrischer Betrachtungen und Resultate beliebig weit auszudehnen. Wir haben oben g-esehen, dass die Geometrie ur- sprnglich den Charakter einer Erfahrungswissenschaft besitzt, und zwar nicht nui', weil die Ausgangspunkte ihrer Betrachtungen in dem Erfalirungsraume und der in demselben verteilten Krperwelt liegen, sondern auch, weil sie bestndig in der Lage ist, die Richtigkeit ihrer Ergebnisse durch die Uebereinstimmung derselben mit den Thatsachen der Wirklichkeit messend zu kontrolieren. Da aber anderseits die geometrischen Gebilde neben ihrer Verkrperung (wozu auch Zeichnungen und alle sonstigen Hilfsmittel der Anschauung zu rechnen) auch eine ideale Existenz in unserem Geiste besitzen, und sogar erst in diesen gedachten und vorgestellten Gebilden ihre Eigen- schaften in voller Reinheit zum Ausdruck kommen, so muss es nicht nur mglich sein, die Geometrie, wie lngst blich, in dem Sinne als reine Geisteswissenschaft auf- zufassen und zu entwickeln, dass man, den Begriff des Weltraums und die Grundaxiome abgerechnet, von der Erfahrung gnzlich Abstand nimmt, sondern es muss auch mglich sein, die Anzal der Dimensionen des betrach- teten Gebietes (Gerade, Ebene oder Raum) als neben- schlich anzusehen und eine Geometrie zu entwerfen, deren Wahrheiten in jedem Gebiete von beliebig vielen Dimensionen gelten. Zu dieser abstrakten Wissenschaft wrden dann unsere Geometrieen der Ebene und des Raumes in dem Verhltnis stehen, dass sie specielle Flle derselben darstellen, welche in den Erscheinungen unserer Krperwelt ein reales Geltungsgebiet besitzen. Diese abstrakte Auffassung der geometrischen Wissenschaft ist nun in der That vor mehr als 40 .Jahren durch Grass- mann begrndet und zur Durchfhrung einer solchen n-dimensionalen Geometrie, der Ausdehnungslelu-e", ver- wendet worden, wozu allerdings eine besondere analy- tische Methode erforderlich war, die schliesslich von dem parallelen geometrischen Gedankenprozesse sich niu' durch die ussere Form der Darstellung und die Terminologie unterscheidet. Es ist demnach im Ganzen ersichtlich, dass es sich bei diesem Unternehmen nicht nur um einen vierdimensionalen Raum, sondern um ein Gebiet mit be- liebig vielen Dhnensiouen handelt, und dass in dieser abstrakten Geometrie der anscheinende Widerspruch, in welchen sich der Begriff eines mehr als dreidimensionalen 44 Natunvissenscliaftliche Woclienschrift. Nr. 6. Raumes mit den sonstigen Tliatsachen der Geometrie setzt, vllig vei'schwindet. Aus der Art und Weise, wie man zu dem Begritie eines vier- und meln'dimensionalen Raumes gelangt, er- giebt sich nun auch die Methode, wie man diese anfng- lich leeren Gebiete mit widerspruchsfreien geometrischen Gebilden fllen und an diesen Gebilden Eigenschaften erkennen kann. Es ist einfach die Methode der Ana- logie, die freilich mit umso grsserer Vorsicht gehandhabt werden muss, da die Kontrole der Anschauung, durcli die wir in der Geometrie gewisserraassen verwhnt sind, liier fehlt. Da wo man eine algebraische Grundlage fr die geometrischen Untersuchungen hat, also namentlicii in der analytischen Geometrie des Descartes, ist diese Methode der Analogieschlsse eine ganz leichte und sichere; denn die Ausdeluiung der algebraischen Be- trachtungen auf mehrdimensionale Gebiete erfolgt nach bestimmten, allgemein anerkannten Gesetzen, und im Uebrigen kommt es nur noch daiauf an, die Eigebnisse der Rechnung in die Sprache dei' Geometrie zu ber- tragen. Denn ebenso, wie man aus melireren aufein- andei'folgenden Gliedern einer gesetzmssig gebildeten Zahlenreihe, z. B. 1, 4, 9, 16 . . . oder 1, 3, 6, 10 . . . auf die Grsse aller folgenden scliliessen kann, ebenso ist auch das Verfahren, durcli welches man aus der Ge- stalt der (Jleichungen mit 1, 2 oder 3 vernderlichen Grssen auf die Existenz und die Eigenschaften der ihnen entsprechenden geometrischen Gebilde scliliessen kann, vorbildlich fr die Untersuchung von Gleichungen mit noch mehr Vernderlichen und die durch sie darge- gestellten Gebilde. (Fortsetzung folgt.) Ueber die Beziehungen zwischen Funktion und Lage des Zellkernes bei den Pflanzen. Professor G. Haberlandt in Graz hat ber das im Titel genannte Thema ein interessantes Buch (.Jena 1887) verffentlicht. Er bietet in demselben eine Zu- sammenfassung und abgerundete ausfhrliche Dai'stellung desselben Gegenstandes, ber den er schon in der ersten Hlfte des vorigen Jahres in den Berichten der Deutschen botanischen Gesellschaft eine vorlufige Mitteilung ge- macht hat. Der berhmte Botaniker C. Ngel i hat in seinem Werke Mechanische Theorie der Abstammungslehre" den Begriff des Idioplasma aufgestellt mit der Vorstel- lung, dass dieses derjenige Teil des Gesamt-Plasmas sei, dui'ch welcheu der Organismus die Gesamtheit seiner Eigenschaften bei der Fortpflanzung verei'be: das Idio- plasma ist also der Trger der vereiljlichen Eigenischaften des Organismus. Nach Ngel i tritt das Idioplasma strang- frmig, je nach der Form der Zelle verschiedengestaltig auf. Es wird in den grsseren Pflanzenzellen gewhnlich innerhalb der Membran die Oberflche berziehen, ferner auch hufig durch den Zellraum verlaufen und besonders auch im Kern zusammengedrngt sein. Dem Idioplasma gegenber steht das Ernhiungsplasma. Der Kern wird als ein Magazin von Idioplasma und Ernhrungs- plasma angesehen. Die vom Kerne ausgehenden und zu demselben zurckkehrenden Plasma -Strmchen deuten nach dem genannten Autor ohnehin darauf, dass sich hier ein Centrum von Stofl" und Kraft befindet. Sehr bald sprachen sich jedoch mehrere Gelelute: 0. Hertwig, Wasmann, Klliker, dahin aus, dass das Idioplasma ausschliesslich in den Zellkernen vorhanden sei, eine Ansicht, die sich auf Grund der Beobachtung gebildet hat, dass der Befruchtungsvorgang allein auf dei- Ver- schmelzung des Eikernes mit dem Spermakerne beruht. Dazu kam dann noch die Entdeckung Pflger 's, dass der Krper des Eies aus gleichartigen Teilen besteht, so dass also nicht bestimmte Organe des Embryos aus ganz bestimmten Teilen des Eiki'pers hervorgehen. Haberlandt glaubt ebenfalls, dass die Zellkerne die alleinigen Trger des Idioplasmas sind. Sie sind es, welche die besondere Entwickelungsrichtung in den Organismen bedingen und die besondere Ausgestaltung jedes einzelnen Organes, Gewebes und jeder Zelle an- regen und beheiTschen. Wenngleich nicht ohne weiteres behauiitet werden darf, dass in einem knstlichen keinlosen Teilstck einer Zelle der Einfluss des Zellkernes auf das kernlose Plasma aufgehoben ist, da er ja mglicherweise eine Nach- wirkung" ausbt, so sprechen doch N'ersuche, welche zeigen, was solche ihres Kernes befreite Plasmateile leisten knnen, ein gewichtiges Wort mit. M. Nuss- baum und A. Gruber haben solche knstliche Teihmgs- versucho an Infusorien voi genommen, und es hat sich als Hauptresultat ergeben, dass kernlose Teilstcke von Infusorien unfhig sind, verloren gegangene Teile zu ersetzen, Neubildungen zu erzeugen und so eine voll- stndige Regeneration zu einem normal gebauten Indi- viduum zu erfahren, daher Gruber den Kern als den arterhaltenden Bestandteil der ^elle" bezeichnet. Mit Pflanzen sind entsprechende Experimente von G. Klebs ausgefhrt worden. Ei- brachte meist Algen-Zellfden in 16 bis 25iirozentige Rohrzuckerlsung, in welcher Plasmolyse der Zellen eintritt, d. h. der Zellsaft giebt einen grossen Teil seines Wassers an die Lsung ab, was sich durch Zusammenballen des Plasmas und Zurck- ziehen desselben von der Wandung kund tliut. Bei dieser Zusammenziehung des Plasmakipers durchschnrt sich derselbe hufig und zerfllt in zwei Tee, von denen der eine den Kein enthlt, der andere kernlos ist. Es zeigte sich nun, entsprechend den Beobachtungen an Infusorien, dass nur die kernhaltigen Teilstcke im Stande sind, Sich mit einer neuen Zellwandung zu umkleiden, in die Lnge zu wachsen und berhaupt die ganze Zelle voll- stndig wiederzubilden. Was nun die jeweilige Lage des Kernes in seiner Ni-. Naturwissenscliaftliclie Wochensclirift. 45 Zellr anbetiiift, so ist diese iceineswegs beliebig- sondern stellt mit seiner Punktion in Bezielumg, ebenso wie aucli die Lage der CloiopliyHkrper in den assimilierenden Zellen von bestimmten Verhltnissen abhngig ist. Mit Ngeli stellt sich Haberlandt die Wirkungsweise des Idiojilasmas im Kern auf das brige Plasma ausserhalb des Kernes, das Cytoplasma, dynamisch vor, nnd berck- sichtigt man, dass eiue Uebertragung von Bewegungs- zustnden um so gesicherter und vollstndiger sein nuiss, je kleiner die Entfernung zwischen den in Bewegung gesetzten Teilen und dem dynamisch wirkenden Apparat ist, so kann es keineswegs gleichgiltig sein, welche Lage der Zellkern in der sich entwickelnden Zelle einnimmt. In der That zeigt denn auch Haberlandt au vielen Beispielen im speciellen Teil" seines Buches, dass sich der Kein in grsserer oder geringerer Nhe jener Stelle in der Zelle findet, wo besondere Wachstumsvorgnge einzuleiten sind. Die Lage des Kernes in sich ent- wickelnden Zellen ist also hufig keineswegs regellos wie man stiUscln\'eigend frher annahm , vielmehr nimmt der Kern in jungen Geweben und Zellen eine je nach der Ali derselben verschiedene, ganz bestimmte Lage ein. Er betindet sich in grsserer oder geringerer Nhe derjenigen stelle, wo das Wachstum der ganzen Zelle und speciell auch wie unsere Figuren zeigen wo ein Dicken- oder Flchenwachstum der Zellhaut Fig. 1. Stark versriJssevtfe Kpidtnmiszelleii des Laubblattes von Cypripediuiu in- signe. stark vergrsserte, nahezu vollkommen ausgebildete Epi- dermiszelle der Sameuschale von Scopolina atropoldes. Innenwand und teil- weise auch die Seiten- wnde sehr stark verdickt. statttindet. Ist iiielir als eine Stelle im Wachstum be- vorzugt, so nimmt der Kern eine solche cen- trale Lage ein, dass er von den Orten aus- giebigsten Wachstums ungefhr gleich weit ent- fernt ist. In der aus- gebildeten Zelle zeigt der Kern meist eine unbestimmte La- gerung. Bezglich der Funktion des Zell- kernes schliesst Haberlandt aus den beobachteten Tiiatsachen, dass dieselbe liauptschlicli mit den Entwickelungsvorgngen zusammenhngt, und dass der Kern beim Wachstum der Zelle, speciell beim Dicken- und Flchenwachstum der Zellhaut eine Rolle spielt. Da- mit ist nicht ausgeschlossen bemerkt unser Autor aus- drcklich , dass er in dei' ausgebildeten Zelle eventuell noch andere Funktionen zu erfllen hat. Als Hauptergebnis seiner Arbeit stellt Haberlandt den Satz auf: ,.Die Lage des Kernes in sich entwickelnden Pflan- zenzellen steht in der Regel in Uebereinstimmung mit der Funktion des Zellkernes als Trgers des die Ent- wickelung beherrschenden Idioplasmas." H. P. Kleinere Mitteilungen. Eine Reise nach dem Jana -Lande und den Neu- Sibirischen Inseln. Blu-oh Eduard v. Toll bericlitetc in der ' am 3. Mrz d. J. abgelialteiien Sitzung der Gesellschaft fr Erd- kunde zu Berlin ber seine, in Begleituntr des Dr. Bunge nach ; den Neu-Sibirischen Inseln unternommene Reise. Die Reisenden ' veressen im Dezember 1884 Petersburg, am .5. Mrz des folgenden Jahres Irkutsk am Baikal-See. gelangten ber Jakutsk die Lena i abwrts bis zu dessen stlichem Zuflsse Aldaii, den sie eine Strecke weit verfolgten, nnd passierten dann nordwrts einen Pass, um da.s noch wenig bekannte Tlial der Jana, welche in das Eismeer mndet, zu besuchen. Das Tliermometer zeigte hier am 26. April .38" 0. '. Im Winter sinkt das (Quecksilber oft bis tief unter 50" herab. Fr die weitere Reise nordwrts, die schnell im Schlitten zurckgelegt wurde, musste die l'elzbekleidung der zunehmenden Klte wegen bedeutend vermehrt werden, [n der von Jakuten .sprlich bewohnten Gegend sind Stationen nur alle 20 bis 24 Stunden anzutreffen. Am L Mai war Wercho.jansk erreicht, welcher Ort schon jenseits des Polarkreises liegt. Die Jana wurde am 1. .Juni eisfrei. Im August befanden sich die Reisenden an der Mndung dieses Flusses und an der Kste des Eismeeres. Hier liegt der Ort Kasatsclije. Von demselben aus wurde in westlicher Richtung ein Ausflug quer durch die Tundra nach Bnlun an der Lena unternommen. Der arktische .Sommer machte sich hier durch die unermesslich vielen Mcken in empfindlicher Weise bemerkbar. Die Reisenden schtzten sich gegen diese Plage durch Rauch und doppelte Schleier. Zurckgekehrt nach der Jana richteten sie ihre Winterquartiere ein. Die Nhe des Meeres milderte die Klte, welche im Binnenlande viel inten- siver ist; nur zweimal im Winter stand das Thermometer tiefer als 50" C. Im April 1886 wurde die Reise fortgesetzt, zunchst um den Mammutplatz aufzusuchen, der unter 71" n. Br. 35 Meilen Ostlich von Kasatsclije liegt. Man sah den wohlerhaltenen Kadaver eines Mammuts teilweise in gefrorenem Lehm steckend auf einer mchtigen Bisschicht liegen; die Weichteile waren so gut erhalten, dass einer von den Eingeborenen Fleischstcke von den Gelenk- kapseln der Ulna behaglich verspeiste Vermittelst Hundeschlitten fuhr man alsdann zum Kap Swjatoi Noss und erreichte von hier aus bald die 10 Meilen vom Kap entfernte Ljachofski-Insel, die nchste der Neu-Sibirischen Inseln, wohin die Schlitten in neun Stun- den gelangten. Die Expedition blieb auf den Inseln bis zum Winter und benutzte die Zeit zu wissenschaftlichen Sammlungen und Beob- achtungen. Am 10. Juli war das Thermometer auf -f- 10" C. ge- stiegen. Der Pfl.mzenwuchs der Inseln ist sehr gering. Insekten sind zahlreich. Auch die Vogelwelt ist reich vertreten. Von Suge- tieren wurden Bisbren, Eisfchse und wilde Renntiere gefunden. Auf der Ljachofski-Insel befinden sich die Kiwchenlager ausge- storbener Tiere, die namentlich vom Mammut. Nashorn und Moschus- ochsen herrhren. Die Mammutzhne locken viele Elfenbeinsammler nach den Inseln, die den ganzen Sommer auf diesen zubringen. Mitte Dezember 1886 kamen die Reisenden wieder in Kasatschje auf dem Kontinent an und kehrten nach Petersburg zurck. Das ber diese Reise ausgearbeitete Werk, betitelt Expedition nach den Neu-Sibirischen Inseln und dem .Jana-Lande", bildet den in diesem Jahre in St. Petersburg erschienenen III. Band der dritten Folge der Beitrge zur Kenntnis des russischen Reichs" und ent- hlt sechs Karten. H. J. Kolbe. lieber die giftigen Spinnen Russlands, von denen drei ein besonderes Interesse haben, hielt Prof. Dr. Kobert in einer der letzten .Sitzungen der Dorp. Naturf -Ges. einen Vortrag. I. Die Solpuge, Galeodes araneoides Pall.. wird, da es kein eigentliches russisches Wort dafr giebt. vom Volke Phalaug genannt, ein Wort, welches Aristoteles fr giftige Spinnen ber- haupt eingefhrt hat, und das von Linne dafr acceptiert wurde. Die erste genaue Kunde und zugleich leider auch die letzte stammt von dem Akademiker Pallas (1778). Danach soll sie ausserordent- lich giftig sein und Menschen und Tieren gefhrlich werden. Es ist aber jetzt wieder in Frage gestellt, ob sie giftig ist oder nicht. Experimente wurden ber die Giftwirkung wenigstens nie angestellt und von keinem Zoologen die Anwesenheit der Giftdr.se nachge- wiesen. Dass ihr Biss eine starke Verwundung setzt, ist bei der Grsse des Tieres natrlich selbstverstndlich und soll nicht be- stritten werden. IL Die Tarantel. Trochosa singoriensis Lax., ist mit der italienischen nicht identisch und scheint weniger giftig als diese zu sein. In Berichten des vorigen Jahrhunderts wird zwar oft von der giftigen Tarantel" gesprochen, es ist jedoch nur sehr selten 46 Naturwissenschaftliche Woehenschi-ift. Nr. 6. darunter die Trochosa zu verstehen. Wenn sie berhaupt dem Menschen gefhrlich wird, so ist dies in den Monaten Juli und August der Fall. In anderen ist sie so wenig bsartig, dass in manchen Gegenden die Kinder mit ihr spielen knnen. An der Existenz ihrer Giftdrsen ist nicht zu zweifeln ; pharmakologische "V'ersuche ber das Gift liegen aber nicht vor. Hofi'entlioh findet sich noch Gelegenheit, solche in Dorpat anzustellen. III. Die Malmignatte, Lathrodectus tredecimguttatus Walk., kommt in Russland in einer bunten und einer schwarzen Varietilt vor. Letztere wird Kara kurt, d.h. schwarzer Wolf, in anderen Gegenden auch schwarze Wittwe genannt, llit Un- recht hat Prof Kessler dieses Tier als ungiftig bezeichnet, da.sselbe ist vielmehr, wie beispielsweise MotschuLski behauptet hat. enorm giftig und ist dadurch schon den Schriftstellern des Altertums auf- gefallen. 1839 wurden von ihr an der unteren Wolga 7000 Rinder gettet. Pur Pferde und Kamele ist sie aber noch viel gefhrlicher, so dass in manchen Gegenden 33 Prozent aller Kamele daran zu Grunde gehen. Auch Berichte ber Todesflle nach ihrem Biss bei Menschen liegen bereits aus Spanien. Italien und Russland (z. B. von Ucke) vor. Vortragender untersuchte die Wirkung des Giftes der leben- den und der toten Spinne an Ratten, Vgeln, Katzen, Hunden und Frschen. Fr alle diese Tiere ist dasselbe gleich gefthrlich; selbst der Igel kann demsalben nicht widerstehen. Ob das .Schaf es ver- mag, ist noch nicht ausgemacht, nach den Berichten der Reisenden aber denkbar. Kobert verbreitete sieh weiter ber das Zustande- kommen der Wirkung, die das Blut und das Herz .sowie wahrschein- lich auch das Zentralnervensystem betrifft. Das Gift lhmt die ge- nannten Organe noch bei mehr als millionenfacher Ver- dnnung und ist hinsichtlich der Strke seiner Wirkung nur mit dem Schlangengift zu vergleichen. Wie dieses, ist es bei innerlicher Darreichung ganz unwirksam. Wahrend aber das Schlangengift sich nur in der Giftdrse und nicht im brigen Krper findet, wird das Malmignattengift im ganzen Krper und selbst in den Beinen und in den unentwickelten Eiern ange- troffen. Seiner chemischen Zusammensetzung nach ist es eine Ei- weisssubstanz und zwar ein sogenanntes Ferment. Daher wird es durch Kochen vernichtet, whrend das Schlangengift selbst bei mehr- minutlichem Kochen seine Wirksamkeit behlt. An eine Identitt beider Gifte kann also gar nicht gedacht werden. s. Der grsste Ammonit. Im Mnsterlande ist, wie Prof Landois in derZeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. mitteilt, im vorigen Sommer ein Ammonit (Ammonites Coesfeldensis) gefunden worden, der durch seine Grsse gerechtes Staunen erregt und das grsste bekannte Weichtier berhaupt bilden drfte. Whrend die gr.ssten bisher gefundenen Ammoniten etwa 1 m Durchmesser hatten, zeigt dieser bei 35 cm Dicke 1,50 m Durchmesser. Da daran nun auch noch die mindestens V2 Umfang einnehmende Wohukaramer fehlt. ,so muss das Gehuse des lebenden Tieres mindestens 2,40 m Durch- messer besessen haben. Das Gewicht des versteinerten Restes be- trgt 25 Centner 1 Denkt man sich das ausgewachsene Gehuse gestreckt, so wrde schon der letzte Umgang eine Lnge von mehr als 7,5 m haben. Was wollen gegen solche Rie.senformen die grssten, versteinerten Formen der zweiten Cephalopodenabteilung, die 2 ni langen Orthocer>^n sagen? Der genannte Riesenanimonit fand sich in der obersten Kreide, und es hat von je Wunder genommen, dass gerade in dieser Schichtengruppe. in welcher die Ammoniten auf der ganzen Erde pltzlich ausstarben, die grssten Individuen auftreten. Eine Erklrung hierfr ist bisher nicht gegeben. Vermutungsweise hat Carus Sterne ausgesprochen, dass diese Tiere einen Meister in der Gefrssigkeit gefunden haben knnten in dem verwandten Stamm der gehuselosen Tintenfische, welcher sich seitdem mannig- facher entfaltete und sie aus dem Felde drngte. Sind doch von diesen Tintenfischen (Polypen") Exemplare beobachtet worden, die mit ausgestreckten Armen 30 Fiiss msten. Dr. B. Zimmermann. Donner und Blitz. Bekanntlich kann aus der Zeit, welche zwischen dem Sichtbarwerden eines Blitzes und dem Hrbar- werden des darauffolgenden Donners verstreicht, auf die Ferne der heranziehenden Entladungssteile (die Entfernung des Gewitters) ge- schlossen werden. .Jede Sekunde, die nach einem Blitze donnerlos verluft, entspricht nach dem Gesetze der Schallbewegung annhernd einer Entfernung von 330 m, so dass -- da man mehrfach 40 Se- kunden zu zhlen vermochte der Halbmesser des ganzen Schall- kreises eines Blitzschlages eine Lnge von nahezu 2 Meilen ^ 15 fcw haben kann; nach einigen Angaben betrug derselbe bisweilen sogar 3, ja 4 Meilen; der Kreis des Blitz seh ein es in der Nacht ist bei weitem grsser (sein Halbmesser kann 30 Meilen = 225 km betragen), da das Licht der Gewitterwolke von den hchsten Cirruswolken zurckgeworfen werden kann. Da der Donner lngs der ganzen Blitzbahn entsteht und zwar wegen der grossen Blitzgesohwindig- keit, die sich fr 1 km nur auf zehntausendstel Sekunden belauft. inneihalb sehr kurzer Zeit, weil aber ferner die Fortplianzung des Schalles verhltnismssig langsam geschieht, so werden wir das- jenige Donnergerusch zuerst hren, welches an der uns zunchst gelegenen Stelle der Blitzbahn entsteht, whrend die weiteren Schall- wellen in drm Masse spter nachfolgen werden, als sie an ferneren Stellen ihren Ursprung nehmen. Deswegen knnen wir auch aus der Dauer eines Donnerschlages einen gewissen Schluss auf die Lnge der Blitzbahn machen (genauer zunchst nur auf die Lnge des Teiles der Bahn von dem dem IJeobacliter am fernsten bis zu dem ihm am nchsten gelegenen Punkte), wenn wir ausserdem die Richtung der Bahn in Betracht ziehen. Als grsste Lnge hat sich so SdOOm, als durchschnittliche 1000 m ergeben. Die Ursache der Lufter- schtterung, welche sich uns als Donner kundgiebt, hat man in der Wrmeausdehnung der Luft erblicken wollen. Ueber eine solche selbst ist aber nichts bekannt; es ist noch sehr zweifelhaft, ob der Blitz, welcher in festen Krpern eine grosse Erhitzung zu erzeugen ver- mag, wie es insbesondere die Blitzrhren lehren, in dnnen oder lockeren Stoffen, welche ausweichen knnen, auch nur entfernt hn- liche Wirkungen nach sich zieht. So wird z. B. trockenes Schiess- pulver durch einen Blitzschlag auseinander gestreut, ohne zu znden. Zudem msste, damit ein Schall entstehen konnte, die Luft nach der Ausdehnung pltzlich wieder an Dichte zunehmen, die Wrme also pltzlich verlieren, was nicht anzunehmen ist. In dem vorigen Jahr- gange (1887) der Zeitschrift Das Wetter" wird daher die Ansicht ausgesprochen, dass die Ursache des Donners in der pltzlichen mechanischen Ausdehnung und in dem ebenso pltzlichen Zu- sammenschlagen der Luft lngs der ganzen Bahn zu suchen ist. Diese Ansicht sttzt sich auf die Thatsache, dass der Blitz auf die von ihm getroffenen Krper mechanisch zerreissend, zersprengend wirkt. Kme es bei der Entstehung des Donners bloss auf Er- hitzung an, so msste derselbe auch bei Meteoriten zu hren sein, die in der Atmosphre bis zu 6000" C. erhitzt werden, whrend bei ihnen doch nur ein kurz dauerndes Gerusch unterschieden werden kann, das vielleicht von einer Explosion herrhrt. Dr. K. F. Jordan. Ausnutzung des Niagarafalles zur Elektricitts- erzeugung. Die von Dr. William Siemens vor lngerer Zeit gegebene Anregung, die Wassertalle zum Betriebe von dynamo- elektrischen Motoren zu benutzen, ist nach dem Centralblatt fr Elektrotechnik" bei den berhmten Niagarafllen ausgefhrt worden. Die Anlage wird den umliegenden Ortschaften gi'ossen Vorteil ge- whren, da die Kosten sehr geringe sind. Dabei ist der Bezirk, welcher von dieser Stelle aus mit Elektrioitt versehen werden soll, ein sehr ausgedehnter, denn sogar das 32 h entfernte Buft'alo ver- langt allein ein Zehntel der gesamten Kraft zum Betriebe der elek- trischen Beleuchtung. Vorlufig wird den Fllen nur ein Prozent des Wassers entzogen, doch wird man wohl in krzerer oder lngerer Zeit eine neue Anlage machen mssen, da die Anfragen wegen des Anschlusses an das elektrische Stromnetz sich ausserordentlich hufen. A. G. Das grsste astronomische Fernrohr der Erde. Fr die Lick-.Sternwarte in Kalifornien ist von den Mechanikern Warner und Swassey in Cleveland (Nord-Amerika), wie die Zeitschrift fr Vermessungswesen mitteilt, ein Ferni'ohr hergestellt worden, dessen Grsse alles hnliche in den Schatten stellt. Das Fernruhr wird von einer quadratischen gusseisernen Sule getragen, die nicht weniger als 360 Zentner wiegt und fr sich die Hhe eines dreistckigen Gebudes besitzt. Diese Sule trgt zunchst einen 80 Zentner schweren Aufsatz, innerhalb dessen sich eine 28 Zentner wiegende Stahlaxe von 10 Puss Lnge befindet, welche der Erdaxe parallel gerichtet ist. An dieser befindet sich wieder die 10 Puss lange und 23 Zentner schwere Deklinationsachse. Die letztere wieder hat das Rohr zu tragen, welches, bei einer Lnge von 50 Puss, aus dnnem Stahlblech hergestellt ist. Das Objektivglas, dessen Durchmesser 36 Zoll und dessen Gewicht 638 Pfund betrgt, lsst eine 4000fache Vergrsserung zu. Die verschiedenen Teilkreise werden durch elek- trisches Glhlicht beleuchtet und knnen vom Okularende des Fern- rohres abgelesen werden. Desgleichen kann man jede dem Instru- mente zu erteilende Bewegung vom Okularende aus bewirken. Damit der beobachtete Himmelskrper immer in der Mitte des Sehfeldes bleibt, wir das Fernrohr durch ein genau reguliertes Uhrwerk um seine Achse gedreht, so dass es der Bewegung des Objekts folgt. Wenn das Instrument nach dem Zenith gerichtet ist, so hat das Objektivglas eine Hhe von 22 m ber dem Sulenfuss. Das Ge- wicht des ganzen In,strumentes betrcr 650 Zentner. A. Gutzmer. Astronomischer Kalender. Am 2. Mai geht die Sonne auf um 4 Uhr 26 Minuten, sie geht unter um 7 Uhr 26 Minuten; Mondaufgang 2 Uhr Minuten frh, Untergang mittags 11 Uhr 5 Minuten. Am . Mai geht die Sonne auf um 4 Uhr 14 Minuten, sie geht unter 7 Uhr 38 Minuten; Moudaufgang nachmittags 4 Uhi- 14 Minuten, Untergang abends 7 Uhr 38 Minuten. Am 2. Mai nachts Nr. 6. Naturwissenschaftliche Wocliensclirift. 47 12 Uhr 40,7 Jliiuiton Irrzres Viertel. Um ilie biiri^rrliclic Zeit aus der wuhrt'U Sinmenzeit zu erluilteii, muss man vmi der letzteren ab- ziehen am '2. Mai '^ Minuten 15.9 Sekunden, am 9. Mai .'! Minuten 44.4 .Sekunden. Dr. V. I'lat. Fragen und Antworten. An welcher Stelle sagt Darwin in seinen Werken von dem ersten oder den ersten Wesen, von welchen die brigen abstammen sollen, dass diese von Gott geschaffen worden seien"? (Vergl. Naturwissensehaftliche Woehenschrit't" Bd, 1 .Seite 181). Auf .Seite 488 der ersten deutschen Uebersetzung des Darwin- schen liuche.'i ber die Entstehung der Arten, die wir H. G. Bronn verdanken (E. Schweizerhart. .Stuttgart 1860), findet sich der folgende Satz: .... Daher ich annehme, dass wahrscheinlich alle organi- schen Wesen, die jemals auf dieser Erde gelebt, von irgend einer Urform abstammen, welcher das Leben zuerst vom Schpfer einge- baucht worden ist." In spteren Auflagen (z. B. Seite .57.3 der 6. deutschen von J. Victor Carus besorgten Auflage. Stuttgart 1876) lsst Darwin an dieser Stelle jedoch den Schpfer weg und der ent- sprechende Satz lautet hier folgendermassen : . . . . Und wenn wir dies zugeben, so mssen wir auch zu- geben, dass alle organischen Wesen, die jemals auf dieser Erde ge- lebt haben, von irgend einer Urform abstammen." Allein der Anfang des Schlusssatzes des ganzen in Rede .stehenden Werkes lautet in allen Auflagen : .... Es ist wahrlich eine grossartige Ansicht, dass der .Schpfer den Keim alles Lebens, das uns umgieht, nur wenigen oder nur einer einzigen Form eingehaucht hat, ...."" Litteratur. Prof. Dr. B. Schwalbe: Griechisches Elementar- buch, Griindzge des Griechischen zur Einfhrung in das Verstndnis der aus dem Griechischen stammenden Fremd- wrter. Berlin, S. Reimer 1887. Preis gebunilen 3,20 JC. Das vurliegende Buch enthlt eine praktische und theuretische Widerlegung der Ansicht, dass ohne die auf den humanistischen Gj-m- nasien gebotene Kenntnis der griechischen Sprache die Erklrung und das Verstndnis der wissenschaftlichen Nomenklatur berhaupt unmglich sei. Es wre ja auch klglich, wenn man eines so rein usserlichen Zweckes willen die edle Sprache der Hellenen auf den Gymnasien 6 .Tahre hindurch gelernt wrde. Ist ja doch auch in jeder Wissenschaft die Sachkenntnis das eigentlich wesentliche und wichtige, whrend die Wortkenntnis nur V'okabelwert besitzt. Schwalbe zeigt, dass die Deutung der aus demGriechischen stammen- den termini technici auf einfachere und leichtere, aber doch rationelle Weise erreicht werden kann. Er zeigt aber auch, dass in der Medizin, Mathematik, Naturbeschreibung, besonders aber in der Chemie und Physik neugebildeten Worte keineswegs alle mit dem Primaner- griechisch zu erklren sind, dass die meisten Klassizisten sich mit der Empfindung begngen, da.ss das Wort aus dem Griechischen stammt." (_Wie viele Philologen werden in diesen Wochen um die Erklrung des Wortes Perichondritis" auch von klassisch Ge- bildeten" angegangen worden sein!'?). Es ist sehr dankenswert, dass Schwalbe mit grosser Sorgfalt und Umsicht aus der Summe der griechischen Sprachkenntnis heraus, wie sie auf dem Gymnasium erlangt wird, dasjenige zusammenstellt, was fr das Wort Verstndnis des gewhnlichen Lebens und der wissenschaftlichen Nomenklatur von Wichtigkeit ist"; er leistet damit auch uns gymnasial Gebildeten einen grossen Dienst. Aber noch mehr haben ihm diejenigen fr das Buch zu danken, welche einen realistischen Bildungsweg zurckgelegt haben; denn sie gewinnen daraus jedes wnschenswerte Wortverstndnis fr die dem Griechi- schen entlehnte Nomenklatur Diese Nomenklaturen sind brigens grossenteils recht willkrlich -gewhlt und erfordern die Kenntnis der verschiedensten Sprachen, wie Schwalbe u. a. in seinem Vortrage auf der deutschen Naturforscherversamralung 1886 dargethan hat. Die Grundstze, nach welchen er sein Elementarbnch ausge- arbeitet hat, legt der Verfasser im Vorworte ausfhrlich dar; wir knnen denselben nur beistimmen. Auch an der Ausfhrung des Planes im Einzelnen drfte wenig auszusetzen sein Die Beispiele fr die Lese- und Uebersetzungsbungen sind recht passend gewhlt; erwnscht aber wre die Hinzufgung einer kurzen Quellenangabe. Die interlineare Uebersetzung knnte fr wissenschaftlich Gebil- dete etwas freier gestaltet sein. Und so htte der eine vielleicht dieses, der andere jenes zu wnschen. Aber jeder wird den grossen Wert dieser ebenso mhevollen als verdienstlichen Arbeit freudig und bereitwillig anerkennen. Das zuverlssige Register macht das Ele- menrarliiieh brigens auch zu einem wertvoMen Nachschl.agebuch fr jeden hln'r Gel)ildetcn. insbesondere fr den .Jnger der Natur- wissenschaft. Dr Th. Bach. Direktor des Falk-Real-Gymnasiums zu Berlin. Amsel, H., (Imndzijc der anorganischen und organischen Chemie als Leitfaden und zu Uepetitionen fr Mediziner, Pharmazeuten, Chemiker etc. 8'\ Preis i JC 60 .f. R. Friedlnder & Sohn in Berlin. Bungartz, J., Kaninchen-Rasse^}. Illustriertes Handbuch zur Be- urteilung der Kaninchen-Rassen. 8". Preis 2 JC. Creutz'.sche Buchh in Magdeburg. Emmerig, A., Unser nchtlicher Sternenhimmel. 8". M. lUustr. u. 1 Karte. Preis kart. 2 JC. Buchner'sche Verl. -Buchh. in Bamberg. Erde, die, in Karten nnd Bildern. Hand-Atlas in 60 Karten u. 800 lllustr. 25. Lfg. Fol. M. 1 Karte. Preis 80 ,j. A. Hart' leben's Verlag in Wien. Hoppe, J. J., Erklrung der Sinnestuschungen (Hallucinationen und Illusionen aller fnf Sinne) bei Gesunden und hei Kranken. Beitrag zur Lehre von den Geisteskrankheiten. 4. Aufl. gr. 8". Preis 5 JC. Adalbert .Stuber's Verlagsh. in Wrzburg. Israel-Holtzwart, K., Beitrge zur nu-endung unendlicher Reiheti im Gebiete der Bahnhercchnung der Planeten u. Kometen, gr. 8". Preis '2JC 40 ..f .J. F. Bergmaiui in Wiesbaden. Krieger, R., Gnmdriss der Zoologie. Fr hhere Lehranstalten. 2. Aufl. gr. 8^V M. lllustr. Preis 1 JC 60 4, kart. 1 JC 80 4. F. A. Brockhaus in Leipzig. Krist, J., Anfangsgrnde der Naturlehre. Ausg. f. Rejilschulen. 5. Aufl. gr. 8*). 264 S. Preis geb. 2 JC 50 4. Wilhelm Brau- mller in Wien. Leuckart, R., u. H. Nitsche, Zoologische Wandtafeln zum Ge- hrauche an Universitten und Schulen. 26. Lfg. Taf. 57, 62 u. 63. 4 Blatt. Lith. u kolor. Fol. Mit Text. 4". Preis 9 .. F. Aufziehen auf Leinw. m. Rollen ^ Taf. 3 JC. Theodor Fischer in Kassel. Pietsch, J., Herleitung und Aussprache der wissenschaftlichen Namen in dem E. F. v. Komeyer'schen Verzeichnisse der Vgel Deutschlands, gr. 8". Preis 2 JC. Carl Gerold's Sohn, Ver- lagsbuchh. in Wien. Rabenhorst's L., Kryptogamen-Flora von Deutschland, Oester- reich und der Schweiz. 2. Aufl. 3. Bd. Die Farnpflanzen oder Gefttssbndelkryptogamen v. Ch. Luerssen. 11. Lfg. gr. 8". Preis "2 JC 40 ..(. Eduard Kummer in Leipzig. Rahmer, S., Physiologie oder die Lehre von den Lehensvorgngen im menschlichen und tierischen Krper. 8. u. 9. Lfg. gr. 8". M. lllustr. Preis pro Lfg. .50 4. Otto Weisert in Stuttgart. Schubert, A., Pflanzenhunde fr hhere Mdchenschulen und Lehrerinnen-Seminare. 1. Teil. gr. 8". M". lllustr. Preis geb. 2 JC. Panl Parey in Berlin. Settegast, Die Lehre der Tierzucht, vertreten in der zootechnisoheu Abteilung d. Museums der konigl. landwirtschaftl. Hochschule in Berlin durch Sammlungen. 3. Aufl. gr. 8". M. lllustr. Preis 1 JC. Paul Parey in Berlin. Steinthal, H., L>er Ursprung der Sprache im Zusammenhange mit den letzten Fragen alles Wissens. 4. Aufl. gr 8". Preis 8 JC. Ferd. Dmmler's Verlagsbuchh. in Berlin. Vogel, H., Schulnaturgeschichte. Ausg. B. Ein Wiederholungs- buch fr Schler. 2, Heft. gr. 8". Preis 36 .^. H. W. Schlimpert in Meissen. Wchter, Gh., methodischer Leitfaden fr den Unterricht in der Zoologie. 1. u. 2, Tl. gr. 8". Preis 3 jfC 50 4. Inhalt: 1. Die Wirbeltiere. (XIX, 215 S. m. lllustr.) Preis 2 JC. 2. Die wirbellosen Tiere. (IX, 140 S. m. lllustr.) Preis l JC 50 4. Friedrich Vieweg & Sohn in Braunschweig. Gegen Einsendung des Betrages (mich in BiHef- niarken) liefei'n wir vorstehende Werke franko. Zur Besorgung litterarischen Bedarfes halten wir uns bestens empfohlen. Berlin S>V. 48. Die Expedition der Naturwissenschaftlichen Wochenschrift". Briefkasten. Herrn L. u. a. Wir beschrnken uns der Richtung unseres Blattes entsprechend in unserer Rubrik Fragen und Antworten" auf die Beantwortung von Fragen aus den Gebieten der Naturwissenschaften. 48 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. fi. Sm^^g'a'b namentlich Anzeigen aller optischen, chemischen, physikalischen etc. Gertschaften, Naturalien, Chemikalien, sowie Bcheranzeigen linden weiteste und passendste Verbreitung", Ifir empfehlen unser Jilatt zur Insertion von Stellen- Gesuchen und -Angeboten, sowie zu Anzeigen, welche An- gebote Sachfruge und Tausch nUurwis8nschaftlicher Sammlungen ete. vermitteln. In Ernst Gnther's Verlag in Leipzig rrsclninr; Tkie iiieiiNciilicIic M^aiiiilie naoii ihrer Entstehung' und natrlichen Entwir-khing von Hellwald. eferungen zu 1 Mark. wir folgende Uebersicht folgen: 9) Exogamie und Clanbilduiig. 10) Das Matriarchat etc. 11) Polyandrie u. verw. Erscheinungen. 12) Der Frauenraub und seine Folgen. 13) Die Kaufehe und ihre Verbreitung. 14) Das Patriarchat. 15) Die antike Familie. 17) Die vaterliche Familie der neueren Zeit etc. etc. Die Expedition der Naturwissenschaftliehen Wochen- schrift'' ist in den Stand gesetzt, die erste Lieferung vorzulegen und Bestellung auf die Fortsetzung entgegen zn nehmen. Friedr, v. In 10 monatlichen Li Aus dem reichen Inhalt lassen 1) Die Geschlechter u. d. Paarungstrieb. 2) Werbesitten, Geschlechtsverkehr im Tierreich. 3) Die Familie im Tierreich. 4) Natur- und Urmensch. 5) Das Schamgefiihl u. dessen Aeusse- rungen. 6) Kuss und Liebe. 7) Der Geschlechtsverk. in der Vorzeit. Grundzttge der Meteorologie. Die Lehre von Wind und Wetter nach den neuesten Forsolmngen gemeinfasslich dargestellt von H. MOHN Professor der Meteorologie an der Universitt zu Christiania, Direktor des norwegischen meteorologischen Instituts. I>ent$ehe Original-Ansgabe. Vierte verbess. Auflage m. 23 Karten u. 36 Holzschnitten. 1887. ^^-^^a Preis gebunden Mar Je. : Zu liahen hei der Expedition der Naturwissenschaftlichen Wochen- schrift", Berlin SW. 48. Gegen Einsendmii; von 1 ^1/ 20 ,( pro Band (:iiieli iu Brief- marken) liefern wir franko: Klein, Dr. Herrn. I., Allgemeine WitternngskundH. Eleg. geb. Taschenberg, Prof. Dr. E., Die In.sekten nach ihrem Nntzen und Si'hadi'ii Mit 70 Alibildnngen Eleg. geb. Taschenberg, Dr. Otto, Die Verwandlungen der Tiere. Mit 88 Ab- liildiin<;('n. I'^lfg. geb. Becker, Dr. Karl Emil, Die Sonne und die Planeten. Mit 68 Ab- l)ilduiit;en. Eleg. geb. Gerland, Dr. E., Li.lit nd Wrme. Bieg. geb. Peters, Prof. Dr. C. F. W., Di' Fixsterne. Mir 69 Abbildungen. Kleg. gell. Lehmann, Paul, Die Erde und der Mond. Eleg. geb. Hartmann, Prof. Dr. R., Die Xillimder. Eleg. geh" Valentiner, Kumeten und Meteore. Mit 62 Abbildungen. Eleg. geb. Wassmuth, Prof. L, Die Elektricitat und ihre Anwendung. Mit 119 Abbildungen. Eleg. geb. Hansen, Dr. Adolf, Die Ernhrung der Pflanzen. Mit 74 Abbildungen. Eleg. geb, Berlin SW. 48. Riemann & mller. Neue Preisliste ber Coleopteren ist erschienen u. wird an kauti'nde SanunlHrgriiti.'; m. fraiiku eingesandt. K. V. Steigerwald, Entomologe [80] in Choteboi- (P.uhemia). Von Aqiiariefl, Terrarie, Fontnen, Felsen, Fischen, ReDlilien, Pflanzen, Laubfrosch- u. Wetterliusclien, Bienenzuchtge- rtlien vers. iihistr. Preisliste gratis W. Siebeneck, Blannheim. (.m) Verbreitung durch Empfehlung treuer Kunden an Freunde fand tausendfach der vorziigl. Holland. Tabak. 10 Pfd. franko 8 M bei B. Becker in Seesen a. Harz [32] MP~ Der heutigen Xuramer unserer Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" liegt ein Prospekt von A. Pichler's Wwe. & Sohn in Wien ber empfehlenswerte Bcher, Lehrmittel etc. bei. Band I (Okt. 1887 Mrz 1888) unseres Blattes liefern wir gegen Einsendung von JC 4,20 (in Briefmarken) fran- 1 ko, einzelne Quartale des Bandes gegen Eiseudimg' von M 2,10- (In Briefmarken.) Einzelne Nummern kosten 25 -j. Die Expedition der Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" Berlin SW. 48. Friedrich-Strasse 226. ber 500 Illustrationstafeln und Kartenbeilagen. = Unentbehrlich fr jeden Gebildeten. ^^ g MEYERS Konversations-Lexikon Z VIERTE AUFLGE. Das 1. He und den 1. Band liefert jede Buchhandlung ^\ zur Ansicht, 25G Hefte 50 Pfennig. 16 Halbfranzbnde 10 Mark. Zu hezieheii dur< ii Riemann & nller in Berlin SW. 48. Friedrichstrasse 22fi. Inserate fr Nr. 8 Bei Benutzung der der Naturwissenschaftlichen Inserate bitten Wir un- "Woehenschrift" mssen si)te- Sere Leser hflichst, auf stens bis Sonnabend, 12. Mal in die Naturwissenschaftliche unseren Hnden sein. WOChenSChfift" Bozug neh- Die Expedition. man zu wollen. Inhalt: Dr. V. Schlegel; Ueber den sgenannten vierdimensionalen Raum. Ueber die IJeziehnng-en zwischen Funktion und Lage des Zellkernes bei den Pflanzen. (Mit Abbild.) Kleinere Mitteilungen: Eine Reise nach dem Jana-Lande und den Neu-Sibirischen Inseln. Ueber die giftigen Spinnen Russlands. Der grosste Ammunit. Donner und Blitz. Ausnutzung des Niagarafalles zur Klektricitts-Erzeugung. Das grs.ste astronomische Fernrohr der Erde. Astronomischer Kalender. Fragen und Antworten : An welcher Stelle sagt Darwin in seinen Werken von dem ersten oder den ersten Wesen, von welchen die brigen abstammen sollen, dass diese von Gott geschaffen worden .seien"? Litteratur: Prof. Dr. B. Schwalbe: Griechisches Elenieutarliui.di, (iriindziige des Griechischen zur Einfhrung in das Verstndnis der ans dem Griechischen stammenden Fremdwrter. Bcherschau. Briefkasten. Inserate. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonie. Verlag: Riemann & Moller. Druck: Gebrder Kiesau. Smtlich in Berlin. Verlag: Riemann & Mller, Berlin SW. 48, Friedricli-Strasse 226. IL Band. Sonntag, den 18. Mai 1888. Nr. 7. Abonnement: Mau abonniert bei allen Buchhandlungen und Post- -^i- Inserate: Die viergesjialtene Petitzeile 30 -;. Grssere Auftrge anstauen, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrsjireis ist M 2. ; G^p entsprechenden Rabatt. Beilagen nach ebereinkunft. Inseraten- Bringegeld bei der Post 1.') ^ extra. A annhme bei allen Aunoncenbureaux, wie bei der Expedition. Abdruck iit nnr mit vollstndiger <{nellenang;abe gettattet. Ueber den sogenannten vierdimensionalen Raum. Von Dr. V. Schlegel. (Fortsetzung) Schwieiif,'er wird der Fortschiitt in.s Mehrdimensionale i und Kanten jede.smal gleich viele Grenzkrper zusammen- da, wo die rechnerische Begrndung dieses Fortschrittes ' treffen. Solcher Gebilde giebt es sechs, und zwar sind nach der Natur der Sache ausgeschlo.ssen oder nur kn.st- die Grenzki-per in drei Fllen Tetraeder, in je einem lieh zu erlangen ist. Ein Beispiel fr diesen Fall bietet > Falle Hexaeder, Oktaeder und Dodekaeder. Dehnt man die Frage nach der Anzahl und Beschaffenheit der so- genannten regulren Gebilde, zunchst im vierdimen- sionalen Rume. Man weiss, dass es in der Ebene re- gulre Vielecke von jeder behebigen Seitenzahl giebt, die das gemeinsame Merkmal haben, dass ihre Flchen von lauter gleichlangen Strecken begrenzt werden, von denen immer je zwei in einem Eckpunkte, und zwar unter lauter gleichen Winkeln zusammenstossen. Die entsprechenden Gebilde des Raumes sind die regelmssigen Krper, die von kongruenten regelmssigen Vielecken begrenzt werden, von welchen in jeder Ecke des Krpers eine gleiche Anzahl zusammenstsst, Avhrend in allen Kanten je zwei Flchen unter gleichen Winkeln zu- sammentreffen. Solcher Krper giebt es bekanntlich nur fnf. Unter diesen werden drei von gleichseitigen Drei- ecken begrenzt, von welchen in jeder Ecke drei (beim Tetrai'der) oder vier (beim Oktaeder l oder fnf (beim Ikosaeder) zu.sammenstossen ; einer (der Wrfel oder das Hexaeder) wird von Quadraten, einer (das Dodekaeder) von regelmssigen Fnfecken begrenzt, wobei jedesmal drei Grenzflchen um eine Ecke gelagert sind. Es ist nun nachgewiesen, dass auch der vierdimensionale Raum ganz analoge regelmssige Gebilde besitzt, die ihrerseits wieder von regelmssigen Krpern begrenzt werden, und zwar so, dass bei jedem dieser Gebilde in allen Ecken diese Betrachtungen auf Rume von beliebig vielen Dimen- sionen aus, so findet sich, dass drei Arten regelmssiger Gebilde in jedem dieser Rume vertreten sind. Die erste Reihe von Gebilden beginnt in der Ebene mit dem gleichseitigen Dreieck, begrenzt von drei kon- gruenten Strecken ; dann folgt im dreidimensionalen Rume das regelmssige Tetraeder (Vi er flach), begrenzt von vier kongruenten gleichseitigen Dreiecken, und im vier- dimensionalen Rume das sogenannte Fnfzeil, begrenzt von fnf kongruenten regelmssigen Tetraedern. Die zweite Reihe beginnt in der Ebene mit dem Quadrat (Viereck), begrenzt von vier kongruenten Strecken, setzt sich im dreidimensionalen Rume fort mit dem Wrfel (S echsflach I, begrenzt von sechs kongruenten Quadraten, und im vierdimensionalen Rume mit dem Achtzeil, begrenzt von acht kongruenten Wrfeln. Die dritte Reilie beginnt in der Ebene ebenfalls mit dem Quadrate; es folgt im gewhnlichen Rume das Oktaeder (Achtflach), begrenzt von acht kongruenten Dreiecken, und im vierdimensionalen Rume das Sechzehnzell, begrenzt von sechzehn Tetraedern. Das Bildungsgesetz dieser drei Reihen von Gebilden Ist nach diesen Angaben auch fr die hheren Rume leicht zu erkennen. Aber so einfach auch fr das abstrakte Denken der Fortschritt in den vierdimensionalen Raum sich oft ge- 50 Natuiwissenscliaftliche Wochenschrift. Nr. 7. staltet, immer wieder macht, sich dt-v Mangii an An- schaulichkeit bei allen Begriffen und Stzen, welche diesen Raum betreffen, auf das Strendste geltend, und selbst gebte Forscher sind Irrtmern aus diesem Anlass nicht entgangen. Man hat daher auch nach verschiedenen Richtungen berlegt, wie wohl diesem Mangel abzuhelfen sei. Die grndlichste Abhilfe wre freilich die, dass es uns gelnge, unsei'e geometrische \'()r>tellungskraft in der Weise auszubilden, dass es uns mgiicii A\rde, vier- dimensionale Gebilde uns im Geiste ebenso vorzustellen, wie es mit den dreidimensionalen Gebilden der J*'all ist. Mau knnte nmlich so argumentieren: Dasjenige Sinnes- organ, welches in erster Unie uns geometrische An- schauungen vermittelt, das Auge, giebt uns ursiirnghch auch nur die Eindrcke von Flchen, also zweidimen- sionalen Grssen. Nicht anders steht es mit dem das Auge untersttzenden Tastsinn. Trotzdem erwerben wir uns vom Beginn unseres Lebens au allmhlich die Fhig- keit, die uns umgebende Krperwelt als eine dreidimen- sionale zu erkennen, und ebenso auch nach Belieben, ohne Zuhilfenahme des Auges, uns di-eidimensionale Ge- bilde aller Art so anschaulich vorzustellen, wie wir es zum Zwecke geometrischer Einsicht nur \ erlangen knnen. Dass im brigen diese letztere Fhigkeit, sich rumliche Dinge vorzustellen, je nach dem dai'auf verwandten Masse von Hebung eine sehr verschiedene sein kann, thut hier nichts zur Sache. An diese Thatsache Hesse sich nun die Ei'wartung knpfen, dass, w(;nn nicht das Auge, so doch vielleicht die geometrische IMiantasie das ei'\\hnte Vorstellungsvermgen so ausbilden knnte, dass zu dem hinzuerworbenen Sinne fr die dritte Ausdehnung auch noch der fr die vierte treten knnte. Es ist aber leicht einzusehen, dass dieser Gedanke gnzlich hoff- nungslos ist. Dasjenige nmlich, was unsere Wahr- nehmungsfhigkeit fr dreidimensionale Dinge erzeugt und ausbildet, ist erstens die Erfahrung, welche wir teils mittelst des Auges durch die Bewegungserschei- nungen unseres eigenen Krpers und der uns umgebenden Welt, teils mittelst unseres Tastsinnes erlaugen, zweitens unser Urteil, welches die durch Sehen und Fhlen ge- 'onnenen Erfahi'ungen combiniert, und die immer nui' zweidimensional bleibenden Wahrnehmungen des Gesichts- nnd Tastsinnes zu einem der objektiven Wirklichkeit entsprechenden Bilde vereinigt.*) Alier erst diese ge- steigerte Fhigkeit des Gesichtssinnes befhigt uns auch *) Die Hilfe, welche das stereo.skopisohe Sehen mit zwei Augen gewhrt, kommt natrlich ehentalLs in Betracht. Wie sehr brigens selbst fr ein normal ausgebildetes Auge in besonderen Fallen der Mangel jener Erfahrung und jenes Urteils das objektive Sehen beeintrchtigen kann, und wie unbehilliich das Auge in solchen Fllen wird, bemerken wir am besten, wenn wir vom Gipfel eines hohen Berges eine tief unter uns liegende Landschaft betrachten. Dieselbe wird unserem Auge verhltnissmssig eben erscheinen, und so berraschend der durch diesen Umstand gesteigerte Eindruck der Hlii' unseres eigenen Standpunktes ist, ebenso berraschend wird beim Abstieg die Entdeckung von allerlei frmlich unter unseren Augen anwachsenden Unebenheiten sein, von deren Vorhandensein wir oben keine Ahnung hatten. Aehnlichen Tuschungen ist namentlich das Auge des Bewohners der Ebene im Gebirge auch beim horizon- talen Sehen ausgesetzt. zur Bildung von \'orstellungen dreidimensionalen Inhalts, denn mit der Wahrnehmungsfhigkeit wiid gleichzeitig unser Voi'stellungsvei'mgen ausgebildet, welches bestndig Veranlassung hat, die Gegenstnde dei' Wahrnehmung- innerlich (vor dem geistigen Auge") zu reproduzieren. Vergleichen wir mit diesen Thatsachen die Bedingungen, unter welchen eine Vor.stellung von vierdlmensionalen Gebilden mglich wie, so ist vor allem klar, dass hier die wesentliche Grundlage vollstndig fehlt, nmlich das Vorhandensein einer vierdlmensionalen Aussenwelt, aus welcher wir die Erfahrungen schpfen knnten, welche die ursprngliche Thtigkeit unserer Sinneswerkzeuge ergnzen wrden. Es ist daher auch dem Geiste un- mglich, sich irgend welche Voi'stellungen auf diesem Gebiete zu bilden. Denn wenn der Geist auch frei schaffen und sich Dinge vorstellen kann, die das Auge nie gesehen hat, so bleibt doch dieses Schaffen stets in die aligemeinen Grenzen gebannt, die auch der Wahr- nehmung des Auges gesteckt sind. Mit anderen Worten: wiv knnen uns nur solche Gegenstnde und Gebilde vorstellen, von denen wu', wenn wiv sie nicht schon ge- sehen haben, doch ^\enigstens begreifen, dass wir sie sehen knnten. Muss nun auf eine direkte Wahrnehmung und Vor- stellung von Gebilden mit mehr als drei Dimensionen endgilti.g verzichtet werden, so kann man zunchst ver- suchen, die vierte Dimension durch irgend ein Surrogat der Vorstellung nher zu l)ringen. Gesetzt, wir betrachten die gewhnliche pei'spektivisehe Zeichnung eines undurch- sichtigen Wrfels, bestehend aus einem Quadrat mit zwei anstossenden Parallelogrammen. Ein im Betrachten solcher Zeiclmungen ungebtes Auge wird im vorliegenden Falle vielleicht nur die eben erwhnten ebenen Figuren sehen, nicht aber eine Darstellung des rumlichen Krpers. Denn es ist eben bei dieser Abbildung eines Krpers auf einer Ebene eine Dimension verloren gegangen. Erscheint aber etwa das Quadrat in hellgi'auer Frbung, und die beiden Parallelogiainme in zwei abgestuften dunkleren Farbentnen, so kann die Frbung jedes einzelnen Punktes der Zeichnung gewissermassen als ein Surrogat der fehlen- den dritten Dimension angesehen werden, so dass wh' statt mit Lnge, Breite und Dicke 'nunmehr zu thun haben mit Lnge, Breite und Farbe. Der Nutzen dieses Surrogats bewhrt sich sogleich darin, dass es dem Auge dadurch leichter wird, in der Zeichnung die Dai'stellung eines krperlichen Gebildes zu erkennen, weil ein wirk- Ucher Wrfel untei' gewhnlichen Beleuchtungsverhlt- nissen hnliche Abstufungen in der Frbung seiner sicht- baren Flchen zeigt. In hnlicher Weise knnte man allgemein sagen, dass bei einem in Farben ausgeflnten Gemlde die fehlende dritte Dimension fr das Auge durch die Farben ersetzt wird, bei einem Holzschnitt oder Kupferstich durch die Schattierungen, whi-end eine nui' die Umrisse der Gegenstnde bietende Skizze die Vorstellung des Krperhhen am unvollkommensten her- vorrufen wird. Wenn trotzdem solche Skizze, von der Nr. 7. Natiirwissenscliaitliclie Wo(,-lieiiscliiii't. 51 Flaiul eines Meisters hervorgebracht, grossen W(!rtii haben i > - - >- - > - - - - - - - - -< -c - - -C -C - - - < mikroskopische Prparate und Mikroskope [73] smtliehe Utensilien zur Milirosliopie. Kataloge grati). Gegen Einsendung von 1 M 20 ..( pro Band (auch in Brief- marken) liefern wir franko: Klein, Dr. Herrn. I., Allgemeine Witterungskunde. Eleg. geb. Taschenberg, Prof. Dr. E., Die Insekten nach ihrem Nutzen und Schaden, Mit 70 Abbildungen. Eleg. geh. Taschenberg, Dr. Otto, JJie Verwandlungen der Tiere. Mit 88 Ab- bildungen. 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Im Oktober 1884 beobiu- (Stuniiis vulgiuis I..) und es fiel mir dabei auf. dass einer daranter \on einem andern gefttert wurde. Da das Fttern der jungen Staare dureli die .Uten um diese Zeit langst auf- geiirt liat, so vermutete ich gleicli, dass der also geftterte Staar in innera Zustande sich befinden msse, der iiim eine Selbst- ernhrung unmglich mache. Um mir Gewiss- heit darber zu vei'schaffen, schoss ich ihn, leider abei- mit so dickem Schi-ot, dass nui' der Kopf unversehrt blieb. Der untere Sclmabel weicht um 32" nach rechts ab, wodurch sich meine obige Vermutung besttig- te. Bei der Untersuchung /.u Hause stellte sich her- aus , dass es ein altes Weibchen war. Das ^Jnn- chen hatte also schon seit .lahren nicht nur seinem ATeibchen, sondern auch den itete Vdii Oberfurster Melsheimev ich einen Fliifi- Staaiv Mit in Linz um Rhein. Avi'lcjiem Eifer es SICH Liebesarbeit unterzog CL^ l Tungen Nahrung zugetragen. Manne dieser ging aus dem beraus wolil- genlnten, feisten Zustan- de des Weibchens hervor, wie ich es frher beim Staare nie Avahrgenommen liabe. Fig. a stellt den Kopf dieses Staarweib- chens in natrlicher Grsse dar. Nachdem ich vorstellen- des in der Herbstversamm- lung des Naturhistorischen Vereins der preussischen Rheinlande und Westfalens vom Jahre 1886 unter Vor- zeigung des betreffenden Kopfes mitgeteilt hatte, kam tags darauf, am 4. Oktober, mein Sohn Leo- pold zu mir und sagte, es sitze ein Spatz (Passer domesticus L.) auf einem Baume, der von einem an; deren gefttert wrde. Ich liess ihn den geftterten Spatz mittelst einesFlobert- tiintchens herabschiessen und fand, dass es ein altes diesmal von seinem Weibchen ge- 58 Natiin\-isen.sc]iaftliche Wochenschrift. Nr. S. fttert worden i>t. Her obere Schnabel ist fast ganz verkmmert, so dass eine Selbsternhrung auch hier ganz ausgeschlossen erscheint, wie Fig. '< in natrliche)- Grsse veranschaulicht. Spter im Dezember erliielt ich von meinem Bruder aus Andernach eine Saatkrhe (Corvus frugilegus L.) zu- geschickt, deren Kopf in natrlichei' Grsse in Fig. / abgebildet ist. Hier erscheint der Oberschnabel 1 ^ 2 cn> ber den untenan herabgebogen, der untere aber gegen den oberen linksseitig kahnfrmig heraufgebog'en, so dass zwischen beiden eine rechtsseitig 1 mm, linksseitig 2 mm weite nach vorn und hinten spitz zulaufende Oetfnung sich befindet. Allem Anscheine nach war auch diese '< Krhe nicht im Standr-, sich selbst zu ernhren und er- ! hielt ihre Nahrung ebenfalls von einer anderen zugetragen. Ueber den sogenannten vierdimensionalen Raum. Von Dr. V. Schlegel. (Fortsetzung) Gleichwohl Ijraucht man das eben beschriebene Ver- fahren nur von der berflssigen und strenden Zuthat dessen zu befreien, was die vierte Dimension ersetzen soll, um ein auf dem Boden der reinen Mathematik >vurzelndes Anschauungsmittel zu erlangen, welches alles das leistet, was man Mer der Natur der Sache nach berhaupt von einem solchen verlangen kann. Es ist bei'eits hervorgehoben worden, wie eine ebene Zeichnung sehr wohl als Abbildung eines gewhnlichen Krpers gelten kann, wobei zwai' eine Dimension verloren geht. aber durch unser Yorstellungsvermgen wieder hineinge- tragen wird. Das Verfahren, durch welches eine solche Zeichnung zu stnde kommt, ist die Projektion, ber deren Begriff hier wohl nichts errtert zu wei'den brauc-ht. Nehmen wir nun die schon oben erwhnte Zeichnung des Wrfels wieder vor, nur mit dem Unterschiede, dass der Wrfel jetzt als durchsichtig gelten soll, wodurch also smtliche Ecken und Kauten in der Zeichnung zum Vorschein kommen. Gesetzt, es sei jemand, der diese Zeichnung betrachtet, nicht im stnde, sie als Abbildung eines Krpers zu erkennen, indem sein rumliches Vor- stellungsvermgen ihn lerbei im Stich Hesse. *) Er wird gleichwohl, wenn er wenigstens weiss, was sie vorstellt, aus der Zahl der Ecken, Kanten und Flchen, und der Art ihier Verteilung aneinander im stnde sein, allerlei Angaben ber den Krper zu machen, und so von der Figiu- Nutzen zu ziehen. Werden, wie es in der dar- stellenden Geometrie geschieht, in gesetzmssiger Weise zwei oder drei solcher Projektionszeichnuugen hergestellt, so knnen dieselben sogar berhaupt zur wissenschaft- llcheu Erforschung der Eigenschaften des dargestellten Krpers benutzt werden. In ganz entsprechender Weise kann nun auch von einem vierdimensionalen Gebilde, namentlich wenn es von gewhnlichen, ebenflchigen Krpern begrenzt ist, eine Projektion im dreidimensionalen Rume hergestellt werden. Wie bei der gewhnlichen ebenen Projektionszeichnung eines Krpers, so werden auch bei der Hei'stellung der Projektion eines vierdimen- sionalen Gebildes nur die Kanten, und zwar dui-ch Drhte, resp. Fden zui' Darstellung gebracht, so dass die Pro- jektion sich als ein rumliches Liniennetz darstellt. Auf *) Dies kann auch einem gebteren Beobachter leicht begegnen, wenn die Zeichnung den Krper in einer ungewohnten Stellung zeigt. diese Weise hat z. B. der Verfa.ssei- die oben erwhnten regelms.sigen Krper des vierdimensionalen Raumes zur Anschauung gebracht. Das einfachste dieser Projektions- modelle besteht aus einem Draht-Tetraeder, in ^\'elchem ein innerer Punkt durch Fden mit den vier Ecken ver- bunden ist. Wie es nun berhaupt mglich ist, von Gebilden, die man sich nicht einmal vorstellen kann, erstens die theoretische Existenz zu beweisen, und zweitens zuverlssige Projektionen dei'selben herzustellen, diese Frage kann in dem Rume dieses Aufsatzes nicht be- antwortet werden, wrde auch zu sehi' in das specielle Gebiet der Mathematik hinbergreifen. Es ist im all- gemeinen von diesen rumlichen Projektionsgebilden nur noch zu sagen, dass genau so, wie bei den oben be- schriebenen Projektionszeichnungen, eine Dimension des dargestellten Gebildes verloren geht, dass aber diese Dimension nicht durch unser rumliches Vorstellungs- vermgen ersetzt werden kann, weil uns eben dieses Vermgen hinsichtlich der vierten Dimension im Stich lsst. Sie leisten also dem Beobachter dieselben Dienste wie jene Zeichnungen, vorausgesetzt, dass die letzteren vom Verstnde als richtige Abbildungen begrien, vom Auge aber nicht als solche erkannt Averden. Die im Vorstehenden gelegentlich mitgeteilten Proben Aierdimensionaler Gebilde knnen als Bausteine zu einer Geometrie des vierdimensionalen Raumes angesehen werden. Und nachdem wir in der Projektion dieser Gebilde auf den dreidimensionalen Raum auch ein Hilfsmittel der Anschauung gewonnen haben, wie wir es in analoger Weise auch in der Stei'eometrie benutzen, wenn wir ebene Zeichnungen der betrachteten Raumgebilde anfertigen, so sehen wir, dass die wissenschaftliche Entwickelung einer solchen vierdimensionalen Geometrie keineswegs ausser dem Bereich der Mglichkeit liegt. Thatsclich ist auch in den letzten beiden Jahrzehnten auf diesem Gebiete nach allen Richtungen, sowohl in niederer wie in hherer Geometrie, so vieles geleistet worden, dass der Abschluss wenigstens der elementaren Geometrie des viei'dimen- sionalen Raumes nicht mehr fern zu liegen scheint. Diese Zukunftsgeometrie" wird allerdings mangels jeder Anwendbaikeit auf Verhltnisse der Wirklichkeit niemals die Wichtigkeit und Bedeutung der Geometrie der Ebene und des Raumes erlangen, und auch in ihi'er Nr. 8. Natui'wissi'iiscliartlielii' Woclieiisclirif't. Kigensehaft als loiniales liilclunirsmittel unseren chulen fernbleiben, fs ni^stc d''nn sein, dass in einei- knt'tiiien (ieneration die Mntlastun,' von unmodernem Lehrstoff eine norli un.-eahnte Steigerung des \'orstellungs- und Abstraktions\erni()gens zur Folge htte. Dahingegen ist der rein wissenscliat'tiiche Nutzen dei- geometrischen Betrachtungen und Resultate auf vier- wie auf mehrdimensionalem (Jebiete keineswegs gering anzuschlagen. Denn nicht nur wiid der Zusammenliang analoger Wahrheiten in den (Tebieten dei' geraden Linie, dci' Kiiene und des gewhnlichen Kauiiu's besser be- iiritfen, wenn wir diese Gebiete als Anfangsglieder einer ganzen Keihe von (iebieten kennen lernen; wir vermgen aucli aus Resultaten der melu'dimensionalen Geometrie durch Specialisieiung und andere Mittel neue Wahrheiten der ge- whnliclien Geometrie abzuleiten, zu denen ein andererWeg n\u- schwer aufzutinden wre. Dazu kommt, dass jede Fort- entwickelung eines Zweiges der nwthematischen Wissen- schaft auch auf andeie Zweige befiuchtend und frdernd einwirkt, die mit jenem, sei es als Anwendungsgebiete, sei es als Hilfswis-senschaften, zusammenhngen. Ans dem, was wir bisher bei' den vierdimensionalen Raum gesagt liaben, ist nun wolil ersichtlich, dass er das Interesse des Mathematikers erregen kann; allein die weite Verbreitung, welclie wenigstens die Kenntnis seines Namens im gi'sseren Publikum eilangt hat, wide sich hieraus noch lange nicht erklren. Denn naturgemss sind es niclit die Resultate der reinen Wissenschaft, sondern erst ihre Anwendungen auf Verhltnisse der Wirklich- keit, welclie die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf sich zielien. Und es ist vorhin ausdrcklich betont worden, wie sehr gerade die vieidimensionale Geometrie von ] iraktischen Anwendungen entfernt ist. Wie nun trotz- dem der Begriff des vieidimensionalen Raumes mit ge- wissen Problemen, die uns im Weltrume begegnen, theoretisch zusanuiienhngt, diesei' Fi'age wollen wii- im Folgenden nher tiefen. Zimchst giebt es Probleme der ebenen Geometiie, die sich nicht in der Ebene allein erledigen lassen, sondern nur unter Zuhilfenahme des di'eidimensionalen Raumes. Legen wir z. P. zwei einseitig schwarz gefrbte ]-'apier- bltter so auf einander, dass die schwarzen Seiten oben liegen, schneiden gleichzeitig aus beiden ein ungleich- seitiges Dreieck aus, und legen dann diese beiden Drei- ecke, die schwarzen Seiten wieder nach oben gewendet, auf eine Ebene, so knnen dieselben durch einfaches Verschieben in der Ebene zu vollstndige]- Deckung ge- bracht werden. Man nennt sie in diesem Falle kon- gruent. Lagen dagegen die Pajjierbltter etwa so auf- einander, dass die schwarzen Seiten einander von innen berhilen, so knnen die beiden (in diesem Falle sym- metrisch genannten) Dreiecke, wenn sie ebenso wie oben auf die Ebene gebracht worden sind, nicht mehr durch blosse Verschiebung zur Deckung gelangen. Man muss vielmehr das eine derselben vorher so umklappen, dass die weisse Seite oben liegt, und diese Umklappung ist nur dadurch mglich, dass das Dreieck aus der Ebene in den Raum hinaus gebracht, dort umgewendet, und endlich wieder in die Ebene zurckversetzt wird. Eine ganz analoge Anfgabe bietet der Raum selbst. Ziehen wir nmlich auf den weissen Seiten zweier Rapier- bltter der vorigen Art von einem Punkte des Randes aus zwei Linien, welche mit dem Rande auf beiden Blttern gleiche Winkel bilden, falten dann beide Bltter lngs dieser Linien so, dass die schwarzen Flchen nach aussen kouunen, und befestigen die offenen Rnder jedes Blattes aneinander, so entstehen z\\ei kongiueute drei- seitige E(;ken, die so in einander geschoben werden knnen, dass Scheitelpunkte, Kanten und Flchen der einen sich mit denen der andern vollstndig decken. Faltet man dagegen das eine der beiden Bltter lngs derselben Linien so, dass die weisse Flche nach aussen kommt, so sind die beiden Ecken symmetrisch, d. h. sie lassen sich trotz Gleichheit allei' ihier Winkel nicht mehr in einander schieben. Man schliesst nun durch Analogie wie folgt: Geiade so, wie eins von zwei symmetrischen Dreiecken dadurch zui- Deckung mit dem andern gebracht werden kann, dass man es erst aus der gemeinschaft- lichen Ebene herausnimmt, in den dreidimensionalen Raum bringt, dort umkehrt (d. h. Ober- und Unterseite ver- tauscht) und dann wieder in die Ebene zurcktransportiert, geradeso knnten wir, wenn uns ein vierdimensionaler Raum zur Verfgung stnde, und die Mglichkeit, Gegen- stnde in denselben hinein zu veisetzen, gegeben wre; die eine von zwei sjTiimetrischen Ecken erst aus unserem Weltrume in diesen vierdimensionalen Raum bringen, dort umkehren (d. h. Innen- und Aussenseite vertauschen) und dann in unseren Raum zurckbiingen, worauf die Deckung der beiden Ecken durch Ineinandeischieben gelingen wrde. Diese Operation wrde mglich sein, ohne irgendwie die Gestalt der Ecke zu ndern und nachtrglich wieder herzustellen. Wenn freilich dieses letztere Verfahren zugestanden wird, dann kann eine solche Papierecke, selbst ohne den Zusammenhang ihrer Oberflche zu zerstren, auch im gewhnlichen Rume umgekehlt werden. Sehr nahe liegt hier der Vergleich der beiden symmetrischen Ecken mit einem Handschuh- paar, dessen ebenfalls sjTmnetrisch gestaltete Glieder dadurch kongruent gemacht werden knnen, dass man durch Umkehrung die Innenseite des einen zur Aussen- seite, und so z. B. aus dem linken Handschuh einen zweiten rechten macht. Ein geschickter Taschenspieler knnte, indem er den linken Handschuh verschwinden lsst, und dann statt desselben einen zweiten rechten produziert, uns glauben machen, er habe die Umkehrung auf die vorher beschriebene Weise im vierdimensionalen Rume vollzogen oder vollziehen lassen, wohin unser Blick natrlich nicht reicht. Alles selbstverstndlich unter der Voraussetzung, dass wii- entweder den Glauben an die wirkliche Existenz des vierdimensionalen Raumes schon mitbringen, oder durch dieses Experiment uns in diesen Glauben versetzen lassen. Theoretisch wre unter dieser 60 Naturwissen.-icliaftlicliP Wochenschrift. Nr. S. Toraiissetzuiig- nichts gegen die voi'gebraclite Erklrung einzuwenden. Ein anderes Beispiel. Zeichnen wir einen Kreis auf der Ebene, setzen die Spitze der Feder, die uns einen Punkt bedeuten soll, in das Innere des Kreises, und lassen, indem wir die Spitze der Fedei' auf dem Papier \'orwrts rcken lassen, diesen Punkt sich bewegen. Wollen wir den Punkt aus dem Innei'n des Kreises herausbringen, ohne dass er die Ebene verlassen soll, so rau-ss er notliwendig irgendwo die Kreislinie passieren, d. h. die Spitze der Feder muss die Kreislinie kreuzen. Heben wir aber die Feder vorher auf und setzen ihre Spitze ausserhalb der Kreisflche auf dem Papier nieder, so ist Unser Punkt von innen nach aussen gekommen, ohne die Kreislinie zu passieren, er hat dieselbe offenbar dadurch umgangen, dass er sich aus der Ebene in den Raum hinausbewegte, um nach erfolgter Umgelunig in die Ebene zurckzukehren. Dabei ist zu beachten, dass der Uebergang in den Raum an jeder beliebigen Stelle der Kreisflche erfolgen kann, und dass dei' Punkt fr ein Auge, welches ihn nur in der Ebene sucht, so lange verschwindet, als er ausserhalb derselben im Rume ver- weilt. Denken wir uns jetzt eine vollstndig geschlossene hohle Glaskugel, und innerhalb derselben einen beweg- lichen Punkt; derselbe mag durch ein Schi'otkorn dar- gestellt sein. Offenbar kann diesei' l*unkt aus dem von der Kugelflche eingeschlossenen Rume nur dadurch nach aussen kommen, dass die Kugelflche irgendwo durchbrochen wird. Htten wir aber einen vierdimen- sionalen Raum, so wrden wh' dieselbe Wirkung ohne Verletzung der Kugelflche erzielen knnen, wenn wir den l'unkt da. wo wir ihu gerade vorfnden, in den vierdimensionalen Raum versetzten, ihn hier die Kugel- flche umgehen lies'sen, und ihn endlich ausserhalb der- selben irgendwo in den gewhnlichen Raum zurckver- setzten. Ohne Schwierigkeit ist liieraus das Receipt zu entnehmen, nach welchem de)- Taschenspieler, der uns dieses Wunder vorfhi-en will, zu verfahren hat, indem er nmlich zwei usserlich ganz gleiche Kugeln, von denen die eine das Schrotkorn enthlt, mit einander \'erwechselt. Eine dritte, sehr bekannt gewordene und viel- umstrittene Aufgabe mge als letztes Beispiel dienen. Man kann in einem mit zwei offenen Enden versehenen Stck Band eine einfache Sclinge oder einen Knoten anbringen, und ebenso diese Gebilde wieder auflsen. Sind dagegen die beiden Enden an einander befestigt, so dass das Band die Gestalt einer geschlossenen oder in sich zurckkehrenden Linie hat, so ist weder das eine noch das andere mglich. Auch diese, im di'eidimen- sioualen Rume unlsbaren Aufgaben knnten, natrlich ohne die Geschlossenheit des Randes aufzuheben, oder sonst hgendwie den Kern der Aufgabe zu umgehen, im vierdimensionalen Rume gelst werden, und das in den Weltraum zurck\'ersetzte Band wi'de im ersten Falle mit dei- Schlinge versehen, im zweiten von derselben befreit, wieder in die Erscheinung treten. Dei' Beweis fr die theoretische Richtigkeit dieser Behauptung ist auf streng mathematischem Wege erbracht worden, und jeder Mathematiker kann sich ohne Schwierigkeit durch Verfolgung der gar nicht weitluftigen, allerdings ler nicht mitteilbaren Rechnung davon berzeugen. Auch sonst hlt es eben nicht schwer, mancherlei im gewhn- lichen Rume unlsbare Raumprobleme anzugeben, die unter Zuhilfenahme des vierdimensionalen Raumes ihre Erledigung flnden wrden. Aber ebenso leicht ist auch einzusehen, dass alle diese Lsungen nur in der geometrischen Phantasie be- stehen knnen. Dort freilich sind sie gleichwertig mit zahllosen anderen Konstruktionen und Lsungen von Aufgaben, die man eben auch nur in Gedanken ausfhrt, wie (um nur einige ganz einfache Beispiele anzufhren) das Legen einer Ebene durch drei ] 'unkte des Raumes, die Konstruktion einer Kugelflche mit gegebenem Radius aus einem Punkte des Raumes. Ja selbst unsere Zeich- nungen von Linien und Figuren auf einer Ebene ent- sprechen ja keineswegs genau den reinen geometrischen Konstruktionen unserer Phantasie, sondern sind nur mehr oder wenigei- grobe Verauschaiichungsmittel fr das Auge. Und der einzige Unterschied zwischen den eben genannten Arten von Konstruktionen und denjenigen, welche den vierdimensionalen Raum zu Hilfe nehmen, besteht darin, dass wir uns die letzteren eben nicht vorzustellen und daher auch nicht, ihrer richtigen Beschaffenheit ent- sprechend, zu veranschaulichen im Stande sind. Indem wir nun insbesondere die mathematischen Gesetze, welche wir an den von uns ausgedachten und durch Zeichnungen oder Modelle veranschaulicliten Krperformen entdecken, in der uns umgebenden Krperwelt \er^virklicht und besttigt finden, so geben auch umgekehrt die noch un- erklrten Erscheinungen dieser Krperwelt uns Anlass, verborgenen mathematischen Gesetzen nachzuspren, und j ebenso veranlassen uns Aufgaben, welche A\irklich vor- handene Kr])er aller Art betreflen, die Lsungen dieser Aufgaben an den entsprechenden mathematischen, d. h. gedachten Krpern auf mathematischem Wege zu suchen. SoU nun eine so gefundene Lsung in die Wirklichkeit umgesetzt, d. h. an wirklich vorhandenen Krpein aus- gefhrt werden, so ist es eine unerlssliche Voraus- setzung, dass dazu nur das uns allein zugngliche Gebiet des Weltraums in Anspruch genommen wird. Reicht dieses Gebiet zur Lsung einer solchen i iraktischen Auf- gabe nicht aus, muss vielmehi- der vierdimensionale Raum dazu herangezogen werden, so ist die Aufgabe eine fr uns absolut unlsbare. Werden dennoch vor unseren Augen solche im \^'eltraum unlsbai'e Aufgaben, wie die oben beschriebenen, gelst, so handelt es sich eben um eine Tuschung unserer Gesichtswahrnehmung, d. h. um ein mehr oder weniger interessantes Taschenspieler- kunststck. (Scliluss folgt.) Nr. K; Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 61 Paraffin-Einbettungs-Methode fr pflanzliche Objekte. Villi Dl'. Dniigla In der letzten Zeit sind Versuclie gemacht worden [ dit^ von den Zoologen mit so grossem Erfolge gebrauchte I Methode der Paraffin-Einbettung solcher zarteren Organe, die zur anatomischen Untersuchung dui'chschnitten werden mssen, auch fr das Durchschneiden zarter jiflanzlichei' (rewebe zu verwenden. Bei embryologischen Untersuchungen, die ich an- gestellt habe, envies sich mir die genannte Methode als usserst brauchbar, jedoch habe ich weder die von S. S'-hnland (Bot. Centralblatt 1S87 Nr. 22), noch die von .1. W. Moll (Bot. Gazette. Jan. 1888) angegebenen Verfahren allein benutzen knnen, sondern habe beide verbunden und modifiziert. Wenn die ZeUmembran nicht cuticularisiert ist, kann man Alkohol-Mateiial benutzen, ist sie aber cuticula- risiert wie bei der Macrospore von Pilularia . so ziehe ich dem Alkohol eine einprozentige Chromsure- | Lsung odei- das auch von Moll empfohlene Flemming- sehe Gemisch von Chromsure, Osmiumsure und Essig vor; mit Alkohol gehrtete Sporen machen das Durch- dringen des Paraffins durch das Exosporium fast un- | mglich. Zur Einbettung empfelile ich ein Paraffin mit dem ' Schmelzpunkt von etwa 50" C, weil das leichter schmelz- bare zu wenig fest ist, um gute Schnitte zu bekommen s H. CanipliHll. Im Gegensatz zu Schnland habe ich nie gefunden, dass eine Temperatur von .50 .5.5" C. im inindesten schdlich auf die Pflanzenobjekte wirkte. Das Verfahren der Einbettung, das ich anwende, ist das folgende: Ich nehme zur Herstellung eines Papierkstchens fr die Einbettung, einen Papierstreifen, wickele diesen um einen Flaschenkorken und klebe das freie Ende mit Gummi fest: bis das Gummi trocken geworden ist, be- festige ich das freie Ende mit einer Stecknadel. Zur Fertigstellung des Kstchens entfernt man den Koi'k und legt ein kreisfrmiges, festes Stck Papier als Boden in den l'apiercylinder hinein. Der einzubettende Gegen- stand wird dann auf den Boden gebracht und das Kst- chen mit geschmolzenem Paraffin gefllt. Darauf stellt man das Ganze in ein mit Paraffin geflltes Schlchen, welches 8 10 Stunden lang in einem Wrmschrnkchen in einer Temperatur von 50 55" C. verbleiben muss, um ein vollstndiges Eindringen des Paraffins in das zu untersuchende Objekt zu erreichen. Um Luftblasen zu vermeiden, muss die Abkhlung mglichst pltzlich er- folgen. Sobald daher die Obeiflche des Kstcheninhaltes mit einer dnnen Paraffinhaut bekleidet ist, tauche man dasselbe in kaltes Wasser. Kleinere Mitteiliingen. Ueber MassenvertUgung von Vgeln. Als das nun- mehr erschienene und demnchst in Kraft tretende Reichs-Vogel- schutzgesetz Gegenstand der Verhandlungen des Reichstages war, liildete den am meisten besprochenen und von allen mglichen Seiten errterten Punkt derjenige Paragraph, welcher vom Fang der Krammets- vgel handelte. Von den Cxegnern des Krammetsvogelfanges wurde besonders hervorgehoben, dass durch die ausserordentlich grosse Zahl der gefangenen Drosseln diese ntzlichen Vgel stark vermindert werden mssten. Von anderer Seite wurde geltend gemacht, dass es barbarisch und unsthetisch sei, einen Singvogel massenweise in Schlingen zu fangen und zu verspeisen. Es msste ferner besonders dies dem Zustandekommen eines internationalen Vogelschutzgesetzes hinderlich sein; denn wenn z. . von den Italienern verlangt wrde, sie sollten keine Singvgel und Wachteln in der bisher blichen Weise fangen, so drften in Deutschland auch keine Drosseln auf dem Dohnenstrich gefangen werden. In vielen Zeitschriften und Tagesblttern kam man bei dieser Gelegenheit wieder auf das un- erquickliche Thema des Vogelfanges in den Mittelmeerlndern. All- bekannt, genugsam beklagt und (umsonst) bekmpft ist die Art und Weise, in der speciell in Italien den Zugvgeln nachgestellt wird. Ob eigentlicher Jagdvogel oder Singvogel, das ist dem Italiener gleich- giltig. Was Federn trgt, sei es Drossel, Schwalbe, Xachtigall, das wird erlegt, in Netzen gefangen, erschlagen und wandert in die Kche. Unzhlbar sind die Scharen der auf diese Weise getteten Vgel und mit Recht schreibt man es diesem Verfahren zum grossen Teil zu. wenn von ,Jahr zu Jahr die Zahl vieler Vogelarten bei uns abnimmt. Wenn wir aber anderen Nationen vorwerfen, dass sie in ber- triebenem Masse zur Verminderung der Vgel beitragen, so mssen wir auch im eigenen Lande Umschau halten, ob sich nicht hnliches auch in Deutschland findet. Zwar sind Finlienherde und eine ganze Reihe anderer Einrichtungen zum Fange kleinerer und ntzlicher Vgel wohl fr immer verschwunden; vom Dohnenstrich ist mit Sicherheit und zahlenm.ssig nachgewiesen, dass er eine Verminderung der Drosseln nicht herbeigefhrt hat. Aber wir haben noch an unseren Ksten besonders in Ostfriesland, ferner auf den Inseln an den Ksten Schleswig-Holsteins in den Entenkojen Vorrichtungen, in denen ein wichtiger Vogel der Niederjag-d, die Stockente, nebst vielen ihrer Verwandten (Pfeif-, Krick-, Eis-, Samt-, Trauerenten etc.) in geradezu erstaunlichen Mengen gefangen wird. E . Pfannen- s c h m i d fhrt in einem kleinen Aufsatz im Weidmann" (1888, Nr. 27) Zahlen an, fr die in einem Jahr durch die Entenkojen und durch unter Wasser an den Ksten errichtete Netze gefangenen Enten. (Es werden nmlich vielfach die Tauchenten durch unter der Ober- ' flche des Wassers befindliche Netze gefangen, in welche sie beim Tauchen geraten, um darin zu ersticken). Nach einer glaubwrdigen Notiz sind auf Fhr im vergangenen Jahre gegen 32000 Stck er- beutet worden. AufFehmarn und an verschiedenen Orten der Kste, wo unter Wasser" gefangen wird, drfte die Kopfzahl mindestens 50,000 betragen; wir hier an der ostfriesisohen Kste nehmen unser bescheidenes Teil. d. h. weidmnnisch, wenn es hoch kommt alles in allem mit ungefUhr 10,000 Stck weg. Streiche ich auf Sylt und Fhr selbst diverse Tausende und schtze ich den Fang auf den beiden Inseln zusammen jhrlich auf 50.000. Fehmarn mit der Kste auf 50,000, in Ostfriesland auf 10,000, so beluft sich die Gesamt- ausbeute an der deutschen Nord- und Ostseekste auf 110,000 Stck Enten .... Muss es da nicht Wunder nehmen, wenn es berhaupt noch Enten giebt?" .... In der That ist es klar, dass die Entenkqjen zur Verminderung der Enten ausserordentlich viel beitragen, und es erscheint gerecht- fertigt, wenn die Frage angeregt wird, ob nicht etwa dieser lassen- fang etwas eingeschrnkt werden knne oder msse, etwa durch Ver- krzung der Fangzeit oder vielleicht durch ein Verbot des Unter- Wasser-Fangens. Nicht nur, dass diese Methode durchaus unweid- mnnisch ist, sondern das Wildpret wird sehr oft durch das lange Liegen im Wasser fr die Kche total unbrauchbar. Freilich ist der Entenfang ein altes friesisches Recht, welches die zhen Ksten- bewohner nicht werden aufgeben wollen. Es knnte aber schliess- lich dahin kommen, dass die Kojen von selbst ausser Betrieh gesetzt werden, weil es an gengender Beute fehlt. Dr. Ernst Schaff. 62 Natuiwissensi-liaftllehe Woohenschiift. Nr. 8. Kloake" beim Haussehwein. G. Lurze teilt in dem Zoologischen (iarteii" (Mrz 1888) die Beobachtung', einer Miss- bildung am Verdanungskanale eines Haiissch weines mit. Das Tier, vielleicht ein halbes Jahr alt, 150 Pfd. schwer und zum Schlachten bestimmt, hatte keine besondere Afteroftnung, sondern der Mastdarm mndete etwa einen Zoll von der Vulva in die .Scheide ein. so dass in dieser Vereinigung ein Analogon zur Kloake der Monotrematen erblickt werden kann. Eine neue Erklrung des Polarlichtes. Auf .Seite 30 Bd. II der Naturw. Wochenschrift" habe ich kurz ber die inter- essanten Versuche von Arrhenius ber das Leitungsvermgen beleuchteter Luft lieriohtet und am Schlsse angedeutet, dass diese Untersuchungen mit denen von Hertz und Wiedemann neue Aufschlsse ber die Elektricitt der Luft erwarten Hessen. Dieses hat sich nun berraschend schnell schon whrend des Drucks jener Nummer besttigt, denn in Nr. 16 des Naturforscher" benutzt l>r. P. Andries die erwhnten Thatsachen zur Erklrung des Polarlichtes. Neuere Untersuchungen haben mir Sicherheit dar- gethan. dass unsere Atnio.sphre stets Eisnadelschichten enthlt und diese verwertet nun Dr. Andries fr seine Auti'assung. Es lsst sich nmlich experimentell nachweisen, dass die Sonnenstrahlen im Eise Elektricitt hervorrufen, und daher kann man wohl schliessen, dass durch die Bestrahlung der Eisnadelschichten durch d-ie Sonne elektrische Strome in denselben erregt werden. Die Luftsiliicht auf derjenigen Seite, welche von der Sonne beleuchtet wird (Tag- .seite), befindet .sich, da Beleuchtung und Leitungsvermgen eines fiases ja in Zusammenhang stehen, im Zustande grsster Leitungs- fhigkeit. Zur selben Zeit findet aber in den Eisnadelschichten die Elektricitiitsentwicklung .statt und zwar am strksten da, wo die Sonne im Zenitli steht. Von dieser Stelle der strksten Beleuchtung und Elektricittsentwicklung wird daher die Elektricitt nach allen Dichtungen strmen, so dass an der Beleuchtungsgrenze die Dichtig- keit derselben wchst. Denkt man sich nun die Erde als aus zwei zum Erdmittelpunkt konzentrischen Kugelschalen bestehend, von denen die eine mit freier positiver Elektricitt geladen ist. und sich an der Grenze der Atmosphre befindet, whrend die andere, mit negativer Elektricitt geladene, sich in der Erdrinde befindet, so kann man sich von den elektrischen Vorgngen der Erde und Luft eine Vorstellung machen. Unter dieser Annahme erklrt Dr. An- dries das Nordlicht als den Ausgleichungsprozess zwischen der ErdobeiHche und jener elektrischen Kugelschicht der Atmosphre". Hat die Elektricitt in der Luft eine gewisse Spannung erreicht, so wird dieser Ausgleich vor sich gehen, wobei die untere At- mosphre durch ihren Widerstand hemmend wirkt. Die Folge ist, dass in hheren Schichten Strahlen auftreten, die Nordlichtstrahlen, welche also nur die Strome darstellen, die den Ausgleich bewirken. Bei dieser sehr interessanten iM'kliiing des Nordlichtes ist das Auftreten lokaler Polarlichter ohne weiteres erklrlich, es wird dies dajin gescheheji, wenn der Leitungswiderstaiul der Luft aus irgend welchen Grnden an einem Orte verringert ist, hier wird alsdann jener Ausgleich stattfinden, d, h. ein Nordlicht zum Vorschein koinmen. Nimmt man diese Erklrung an, so sieht man sofort ein. dass einerseits die Erdstrme sehi' stark vom Nordlicht beeintlusst werden mssen, und dass anderseits das letztere von den Vernderungen der Beleuchtungsgrenze und der Beleuchtungsintensitt alihngt. Die Grenze ndert sich sowohl tglich als auch jhrlich, es wii'd also der Nordlichtgrtel, d. h. das Gebiet, in welchem Nordlichter auftreten, eine tgliche und jhrliche Vernderung oder Verschiebung erleiden. Von der Beleuclitungsintensitt hngt ferner die mehr oder minder grosse Strke und Hufigkeit des Polarlichtes ab, und zwar weiss man, dass hierin eine eltjhrige Periode herrscht. Da aber die Inten.sitt der Sonnenstrahlen ohne Zweifel mit der grsseren oder geringeren Zahl der Sonnenflecken in Zusammenhang steht und in dem Auftreten der letzteren eine eltjhrige Periode kon- statiert ist. so wird jedem der hier herrschende urschliche Zu- sammenhang einleuchten. Wir mssen es uns versagen, diese interessante und einfache Erklrung jener geheimnisvollen und rtselhaften Lichterscheinung weiter zu verfolgen, wie dies Dr. Andries in seinem Aufsatze thut. Der .Schleier des Geheimnisvollen ist von dem Phnomen des Polarlichtes gezogen worden, welches dazu bestimmt sein sollte, dem Bewohner der Polargegenden whrend der langen Nacht des Winters das rosige Licht zu ersetzen, ist aber der Zauber der Wirklichkeit" dadurch verringert worden? A, Gutzmer. Ueber die Regenverhltnisse der westliehen Staaten der nordamerikanischen Union .sind von dem General Greely Untersuchungen angestellt worden, welche vor allen Dingen beweisen, dass es in Nordamerika keine regenlosen Gebiete giebt, wie so oft behauptet worden ist. Je mehr Stationen in Thtigkeit traten, desto mehr zogen sich die Trockengebiete auf den Karten zusammen und das Gebiet des mit weniger als 125 mm geschtzten jhrlichen Niederschlages ist fast ganz verschwunden. Dass berhaupt die Existenz umfangreiclier Troekengvbiete so lange als sicher angenommen wurde, hat zum Teil seinen Grund darin, dass man von der irrigen Ansicht ausging, zur Kulturfhig- keit der beregten Landstrecken gehre eine jhrliche Niederschlags- menge von mindestens 500 mm Hhe, .ledocli ist die Regenhhe allein nicht massgebend, wie die Erntestatistik von Dakota beweist, woselbst die durchschnittliche Kegenhhe 1885 und 1887 nur 3^0 resp. 384 mm betrug. Der Schluss von der Kulturtahigkeit des Landes auf das notwendige Minimum des Niederschlages ist daher unzulssig, da sehr viel von der Jahreszeit abhngt, in welcher die Hauptmasse des Niederschlages fllt, sowie von der grsseren oder geringeren Verdunstungsfahigkeit des Bodens. Die in frheren Jahren gemeldeten niedrigen Ilegeinnengen erklren sich zum Teil durch den Umstand, das,'; eine gr^s^^ Zahl der Stationen an der Zentral-Pacitic-Eisenbahn gelegen war. welche gerade den allertrockensten Teil des Landes durchschneidet, sodass der Durchschnitt fr das Land infolgedessen viel zu gering ausfallen musste. l)r. Ernst Wasner. Astronomisches. 1. Astronomische Neuigkeiten. Neuer Planet. l)er uneimdliche Planetenentdecker, Palisa hat die Anzahl der kleinen Planeten wieder um ein Exemplar vermehrt, es ist dies bereits der 276. seiner Gattung. Aufgefunden wurde er am 17. April im Sternbilde der Jungfrau. Seiner Helligkeit nach ist er der elften Grssenklasse zuzuzhlen. Komet Sawerthal. Der neue Komet gewhrt einen ausser- ordentlich schnen Anblick im Fernrohr. Engelhardt berichtet aus Dresden nnterni 15. und 19. April, der Komet ist sehr hell. Der Schweif welcher am 15. eine Lnge von 40 Bogeuminuten hatte, ist am 19. bereits bis auf 75 Bogeuminuten angewachsen. Anlang- lich schmal, erweitert er sich allmhlich und ist an dem Ende etwa dreimal breiter als am Kopfe. Vom Kopfe bis zur Mitte des Schweifes ist in demselben ein heller, linienfOrmiger Streifen sicht- bar, welcher genau in der Schweifaclise liegt. Der Kern war am 15, von gelblich-weisser Farbe und doppelt. Der Hauptkern ist scheibenfrmig, sein Begleiter ist kleiner, sternartig und geht dem Hauptkerne sdlich voran. Die Kerne liegen in einer kleinen, ge- meinschaftlichen, ov.ilen, hellen Hlle, welche von einer zarten Nebel- hlle umgeben ist. Am 19. war die Hlle gelblich und so hell, wie die Kerne selbst, dass die 1'eilkerne in unscharfer Trennung erschie- nen. Die Entferiumg der beiden Kerne betrug 6,3 Bogensekunden. H. Astronomischer Kalender. Am 18. Mai Sonnenauf- gang 4 Uhr 1 Minute, Sonnenuntergang 7 Uhr 52 Minuten; Mond- aufgang nachts 1 Uhr 4 Minuten, Untergang mittags 10 hr 23 Minuten, Am 25, Mai Sonnenaufgang 3 Uhr 52 Minuten, Unter- gang 8 Uhr 2 Minuten; Mondaufgang abends 7 Uhr 53 Minuten, Untergang nachts 4 Uhr 9 Minuten. Am 18. Mai 11 l'hr 58.7 Minuten erstes Viertel, am 25. Mai 2 Uhr 33.7 Minuten A'ollmond. Um die brgerliche Zeit aus der wahren Sonnenzeit zu erhalten, muss man von letzterer abziehen am 18. Mai 3 Minnten 47.2 Sekunden, am 25. Mai 3 Minuten 15,5 Sekunden. Dr. F. I'lato. Denaturierter Spiritus. Die unter dem Publikum noch immer bestehende Abneigung gegen den Gebrauch von denaturiertenj Spiritus im Haushalte, sowie zu gewerblichen Zwecken, llirt, wie die Chemiker-Zeitung vom 18. April d. J. ausfhrt, zum grossen Teil daher, dass anfangs die zur Ungeniessbarmachung dienenden Zusatzstoffe in einem anderen Mischungsverhltnis und in zu grosser Jlenge angewandt wui'den und dass der so denaturierte, ziemlich stark riechende Spiritus gegenwrtig noch nicht vllig im Kleinhandel abgesetzt worden ist. Das zuerst angewandte Verfahren bestand darin, dass man zwei Raumteile Holzgeist mit einem Raumteil Pyridin mischte und von diesem Gemisch 3/ auf 100 ! 100 prozentigen Alko- hol anwandte. Das Pyridin (C5H5N). eine farblose, stark basische, bei 117" ('. siedende Flssigkeit, ist nebst anderen Pyridin-Basen namentlich in dem durch trockene Destillation entfetteter Knochen gewonnenen animalischen Teer enthalten. Es ergab sich nun schon nach den ersten Monaten, dass die zugesetzte Menge des Pyridins zu hoch gegriffen war. Infolgedessen hat man durch Bundesratsbeschluss vom 15. Dezember v. J. ab das Denaturierungsverfahren derartig abgendert, dass man 4 Teile Holz- geist mit einem Teil Pyridin mischt und den Zusatz auf 2V2 ' fr 100 / lOOprozentigen Alkohol ermssigt. Auf diese Weise untrink- bar gemacht, drfte er den billigen Anforderungen des Publikums entsprechen, da er durch den Zusatz die Verwendbarkeit zu allen sonstigen Zwecken behlt, whrend der gegen frher weit schwchere Holzgeist- und Pyridin-Geriic-h bei einiger Lftung ziemlieh rasch verfliegt. W. Fragen und Antworten. Gesammelte Exemplare von Neerophorus germanieus fand ich mit einer Menge von Milben besetzt. In welchem Ni'. s. Natiu'wLssenschaftlidie Wocliensclirift. 63 Verhltnis stehen diese zu dem Kfer? An Schmarotzer ist doch wohl kaum zu denken. Dil' aiil iliT Krpi>robfrrtclu' Vdii Necruphorus ,i;eMii:uii<'us uiid alliieren Aiteii ilersellioii (iattmig lii'tiiiillii'luMi MiHii'ii neliiirT'ii zu (ramasus coU'optratd rum L. (Uaniusiilae, Klasse Arai'linoiilea"). Es sind keine eiyt'iitlielien Sclimarotzer, da sie aiit' dem Ivilrper der Kfer -iitzen, oliiie sioli t'estzusaug'en. Sie leben vielnielir in faulen- den Substanzen (Aas. Kotauswurf) und benutzen die an gleichen Orten lebenden KUfer, z. B. die eben j^enanuteu. nur als Vehikel. Aui'h Mistkfer ((xeotrypes) sind si'wOhnlii'h mit diesen Milben be- haftet. Kiillie. Litteratur. A. Schubert: Pflanzenkunde fr hhere .Mdchen- schulen und Lehrerinnen-Seminare. 'IVil I. (Erster und zweiter IvursusV Mit 104 Holzschnitten. Verlag von Paul Parev in 15erlin. 1888. Preis geb. 2 J(. Weitgehender Arbeitsteilung verdankt unsere Zeit die raschen Fortschritte auf vielen Gebieten der Kultur. Aus unzhligen Quellen Hies.^t der Strom unserer naturwissenschaftlichen Erkenntnis. Die l'dagogik kann uiul darf sich nicht der allenlinu iwierigen Auf- gabe entziehen, die leitenden Ideen ihrer Zeit fr die T<>ziehung und Bildung der .lugend soweit fruchtbar zu machen, als aus ihnen ein gesicherter Bildungsinhalt von bleibendem Werte sieb gewinnen liisst. An der Verniittelung dieses Bildungsinhaltes nimmt heutzutage das weibliche Geschlecht einen stets wachsenden Anteil. Dass aber die derzeitige Mdchenerziehung dafr berall gengende Grundlagen geschati'en htte, wird kaum jemand zu behaupten wagen. Am schwchsten ist es erfahrungsmssig mit der Befhigung bestellt, auch nur die Elemente naturkundlichen Brkennens richtig und zweck- mssig der Erziehung- dienstbar zu machen. Die Schuld trgt hutig eine Art der Unterweisung, welche die Natur nicht beim Geiste zu fa-ssen versteht. Wie wenig insbesondere der liotanisclie Schulunter- richt den modernen Standpunkt der Wissenschaft bercksichtigt, lehrt zur Genge ein Blick auf die noch vielfach in Jldchensoliulen demselben zur Grundlage dienenden sogenannten Leitfden, welche meist den Eindruck hervorbringen, als htte die botanische Forschung seit Linne's Zeiten einen hundertjhrigen Schlaf geschlafen und nie- mals Mnner wie Darwin, Mller, Ngeli, Sachs. Bichler, Schwendener u. a. in ihren Reihen gehabt. Diesem Mangel ab- zuhelfen, den unerschpdichen Bildungsgehalt der Pflanzenwelt dem Teile der Menschheit besser zu erschliessen, dem mehr und mehr die Aufgabe zufallen muss, den heranwachsenden Geschlechtern schon vor der Schulzeit durch die erste Anleitung und Beleh- rung die Grundlagen einer vernnftigen Weltanschauung vorzu- bereiten: das ist der Zweck des im Titel genannten Buches. Es sucht denselben zu erreichen durch Untersttzung bei einer ein- gehenden und grndlichen Betrachtung pflanzlicher Individuen, durch mannigfaltige Anregung zur Naturbeohachtung, durch stete Bezugnahme auf den Zusammenhang zwischen Form und Punktion der Organe, durch Hinweis auf die Wechselwirkungen in der organischen Welt, durch Anbahnung des Verstndnisses der die Vernderungen in der organischen Gestaltuiig bedingenden lokalen und klimatischen Verhltnisse u. s. w. Die Form, in welcher der angedeutete Inhalt dargeboten wird, bercksichtigt in geschickter Weise die Mdchennatur und trgt dem jugendlichen Verstndnisse Rechnung, ohne sich soweit zu verriachen. dass sie aufhrte, be- stndige Denkarbeit herauszufordern. Schubert hat mit Begeisterung fr seine Sache die Arbeit aufgenommeu und bei den gediegenen Kenntnissen, die ihm zur Verfgung stehen, trefflich ausgefhrt. Fr die Schule, welche die Zukunft des Men.schengeschlechtes in Hiulen hat. hst das Beste gerade gut genug'". Schubert's Pflanzenkunde ist das dem Rezen- senten bekannte beste Buch seiner Art: mchte es den Schund (ich linde kein besseres Wort), den man den Kindern vielfach zu bieten wagt, verdrngen helfen I Breuer, A., Konstruktive Geometrie der Kegelschnitte auf Grund der Fokaleigenschafien. gr. 8". (V, 110 S.) Preis \ jW m ^. .1. Bacmeister in Eisenach. Ceechi, A., Fnf Jahre in Ostafrika. Reise durch die sdlichen Grenzlnder Abes.siniens von Zeila bis Kaffa. gr. 8*^. (XI, 541 S. :n. Illustr.) Preis 15 Jt.\ geb. 17 JC. Julius Bohne in Berlin. Damm, L. A., Xeura Handbuch der Medicin fr Aerzte und gebildete Nichtrzte. 1. Bd. 6. Lfg. gr. 8". (S. 145176.) Preis SO ..j. Staegmayr'sche Verlagsh.-(Ant. Carl Staegmeyr) in Mnchen. Darwin, Gh., Gesammelte Werke. Aus dem Engl, bersetzt von .1. V. Carus. 112. u. 113. (Schlus.s-)Lfg. gr. 8". (10 Bd. S. 2-57 Ins 402.) l'reis a 1 JC 20 ..j. E. Schweizerbart'sche Verlagshdlg. (E. Koch) in Stuttgart. Drechsel, E., Leitfaden in das Studium der chemischen Reaktionen und :ur qualitativen Analyse. 2. Aufl. gr. 8". (VIII, 126 S.) Preis geb. 3 M. Johann Ambrosius Barth in Leipzig. Engler, A., u. K. Prantl, Die natvliehen Pntizenfamilien nehst ihren Gattungen und wichfigeren Arten, insbesondere den Xuttpflanzen. 18. Lfg. gr. 8". (3 Bog. m. Illustr.) Sul)3kr.-Pr. 1 .K ."i(l .(; Kinzi'lpr. 3 Jt'. Wilhelm Engelmann in Leipzig. Ettingshausen, C. Frbr. v., u. F. Krasan, Beitrge zur Er- forschung der atavistischen Formen an lebenden P/lanzen und ihrer Beziehungen :u den Arten ihrer Gattung. (Sep.-Abdr.) gr. 4". (12 ,S. m. 4 Taf.i In Komm. Preis 2 JC 20 j. G. Freytag in Leipzig. Everett, J. D., l'hgsikalisrhe Einheiten und Konstanten. Den deutschen Verhltnissen angepasst durch P- Chappuis u. I>. Kreioh- gauer. gr. 8". vV, 120 S.) Preis 3 JC. J. A. Barth in Leipzig. Erk, F., Der Fhn. Eine meteorolog. Skizze. (Sep.-Abdr.) gr. 8". (19 S- m. 4 Karten.) Preis 1 JC. Literarisch-artistische Anstalt (Theodor Riedel) in Mnchen. Griebsch, P., Beitrge zur Keiuitnis der physikalischen Isomerie einiger Hgdro.rgUiminderivate. 8". (44 S.) Preis 1 .'(C. Grfe und Unzer in Knigsberg in Pr. Haeekel, E., Sijsteni der Sipltonophoreii. auf phylogenet. Grund- lage entworfen. (Sep.-Abdr.) gr. 8". (46 S.) Preis 1 JC 20 4. Ciustav Fischer in .lena. Hansen, A., u G. Khne, Die Pfaiizemoelt. 9. Lfg. gr. 8". (2 Bog.) Preis 40 .(. Otto Weisert in Stuttgart. Hauck, G., Lehrtiuvh der Stereometrie. Auf Grund v. F. Kommerell's Lehrbuch neu bearb, 6. Aufl. gr. 8. (XVI, 226 S. m. Illustr.^ Preis 2 JC 40 .j. H Laupp'sche Buchh. in Tbingen. Hertwig, O., Lehrbuch der Entivickehingsgeschichtc d. Menschen u. der Wirbeltiere. 2 Aufl. gr. 80. (XII, 519 S. m. Illustr.) Preis 11 JC. Gustav Fischer in Jena. Hann, J., Resultate d. L .Jahrganges der meteorologischen Be- obachtungen auf dem Sonnhlick (3095 m.) (Sep.-Abdr.) gr. 8". (34 .S.) In Komm. Preis 60 ..j. G. Frevtag in Leipzig. Hempel, A., Ue/;-r elektrische Induktion.' i^. (18 S.) Preis U<^. R. Grtner in Berlin. Hollenberg, A., Stcke aus der Physik. Ein Wiederholungsbucli fr Schler der Vidk.sschulen. 3. Aufl. 8". (32 S.) Preis 20 .4. J. W. Spaarmann in Moers. Klscher, F. M. A., Die naturwissenschaftliche Weltansicht in Beziehung auf Religion und Staat, Erwerb und Ehe. Kritik V. M. Nordau's konventionelle Lgen etc. gr. 8". (127 S.) Preis 2 JC 40 .(. Friedrich Andreas Perthes in Gotha. Httmann, Jastram, Mrten, Weltkunde. Leitfaden d. Geographie, Geschichte, Xatur>;eschichte, Physik und Chemie 12. Aufl. Be- arbeitet V. Httmann, Mrten, Renner, gr, 8". (394 S.) Preis l ^'IC 00 -.11. Helwing'sche Verlags-Buchhandlung (Th. Mierzinsky) in Hannover. Hoesch, L., lieber die Koefficienten d. Ausdrucks z]"x'' u. einige ni. ihnen verwandte Zahlenverbindungen. 4". (22 S.) Preis 1 JC. R. Grtners Verlag in Berlin. Kerner v. Marilaun, A., Studien ber die Flora der Diluvial- zeit in den stlichen Alpen. (Sep.-Abdr.) gr. 8". (33 S.) In Komm. Preis 60 .j. G. Freytag in Leipzig. Kleneke, H., Das Weib als Gattin. Lehrbuch ber die physischen, seel. u. sittl. Pflichten, Rechte u. Gesundheitsregeln der deutschen Frau im Eheleben. 9. Aufl. 8. (XV, 506 S.) Preis 6JC; geb. 6 JC. Eduard Kummer in Leipzig. Krebs, G., Grmidriss der Physik fr hhere realist. Lehranstalten. 2. Aufl. gr. 8". (VI. 524 S.) Preis 5 JC. Veit & Comp, in Leipzig. Landois, L., Lehrbuch der Phi/siologie der Menschen. 6. Aufl. 3. Abt. gr. 8". (S. 481720.) Preis b JC. Urban & Schwarzen- berg in Wien. Mitteilungen, Botanische, aus den Tropen, hrsg. v. A. F. W. Scliimper. 1. Heft. gr. 8. Preis 4 ./^^ bO 4 Inhalt: Die Wechselbeziehungen zwischen Pflanzen u. Ameisen im tropischen Amerika, Von A. F. W. Schimper. (96 S. m. Illustr.) G. Fischer in Jena. Gegen Einsendung des Betrages (auch in Brief- marken} liefern tvir vorstehende Werke franko. Zur Besorgung litterarischen Bedarfes halten tvir uns bestens euijifolilen. Berlin 8W. 48. Die Kxpedition der ,,iratnrwisseiischaf'tlichen Woehensflirift". Briefkasten. Herrn William Baer. Denaturierter Spiritus kann auch zum Konservieren naturhistorischer Objekte verwendet werden. Vergl. die kleinere Mitteilung in dieser Nummer der Naturw. Wochenschr. Herrn Hayn. Die Beantwortung Ihrer Frage finden Sie in dem Buch von G. A. Ziegeler: ,Die Analyse des Wassers" (Stutt- gart 1887). 64 Natnrwissetii'haftlii'he Wodit^nschritt. s. 1^P^.%, namentlich Anzeigen aller optischen, chemisclien, physikalischen etc. Gertscliaften, Naturalien, Clit-mikalien, sowie Bcheranzeigen linden weiteste und passendst<^ Yeibre'itiini.'-. H'ir ftnitt'chlcH unser liUitt xiif Insertion von Stellen- Gesuchen iinil -Angeboten, sowie xu Anseigen. u-elrhe An- gebot. XaefiJ'ruffe und Tausrli naturu-issensrhuftlieher Saintnlunf/en etr. vermitteln. Herder'sehe Verlagshandlung, Freiburg im Breisgau. Siirhfii ist ersihiciit'ii u. ilmcli allf IJuclihaiulliiii^^fii zu luv-ii-hfii : Jahrbuch der Naturwissenschaften, "l'^^^tr Eiitlialtoml die liei-vrragt'iidsteii Furtsflirittc auf ili'U (ieliieteu : Physik, t'heniie und i-iieiiiisohe 'iVi-lmologie; Jleohaiiik; Asrro- uuniie und mathematische Gengraphip; Meteorohjgie nnil physi- kalische (ieograpliie; /oohigie und Jiotanik. Forst- und Land- wirtschaft ; Mineralogie und (ieologie; Anthropologie und g^i t^rgeschiclite; Gesundheitspflege. Medizin und l'liy Biologie; 0, liiindcr- und Vlkerkunde; Handel, Industrie und Verkehr. T^nter litwirkung von FachniJinnern herausgegeben von Dr. Max Wildermann. Mit 24 in den Text gedruckten Holz- schnitten. 8". (XX u. 6.5 S.) J(!- (j; in Original-Einhand. Lein- wand mit Deckenpressung i/^ 7. Die Einbanddecke alleiTi 10 4. hieses Jahrbuch fhrt in gemeinverstndlicher, anregender Sprache die wichtigsten Errungenschaften vor, die das verflossene Jahr auf dem Gesomtgebiet der Xatnrwissenschaften gebracht hat. Die beiden frheren Jahrgnge haben eine beraus gnstige Auf- jrahnie gefunden. L^uj gg mehr ist dies von dem vcjrliegenden. in mehr- facher Tir-ziel: ziehuna' verv llkomnineten neuen Jahrgang zu erwarten. Balbi-ArendS, Allgemeine l^Irdbi-srhreibung oder Hausbuch des gengr. Wissens, (i Aufl. '2 starke Hnde. Lex. 8". 2424 Seiten mit vielen lllustr. 187s. In 2 eleg. Ganzleinenbnden. Statt M. 30, nur M. 10,. Bernstein, A., .Naturkraft und Geisteswalten. 1876. broch. Statt M ."., nur M. 3,. Diercks, 6., thitwicklungsgeschichte des Geistes der Menschheit. 2 Bde. 1882 Statt M. 10, nur M. 5,. Haeckel, E., (iesammelte populre Vortrge aus dem Gebiete der Ent- wickelungslehre. 2 Bde. mit 82 Abbild. Lex. 8". 1879. broch. Statt n. 8 nur BI. 5,. Harms, F., Die l'bilosophie in ihrer Geschichte. 2 Bde. 1879/80. Statt .AI. 18.50 nur 111. 7,. , (leschichfc der I'svchologie. 2. Aufl. 1879. Statt M. 7.50 nur M. 5,-. , Gescliichte der Logik. 1881. Statt M. . nur M. 4,. Horaeyer, E. F. V., Die Wanderungen der Viigel. 1881. broch. Statt M s. - nur M. 4,. , Ornitliologische Briefe, gr. 8. 1881. broch. Statt M(i. nur 111.2, . Vorstehende Bcher sind zu den beigesetzten bedeutend ermssigten Preisen von uns franko zu beziehen. Berlin SW. 48, Rieiiiaiin &. Mller. l-'riedrichstrass,- 22ii. Buchliandl'jnp fr Naturwissenschaft und verwandte Fcher. ber 500 Illustrationstafeln und Kartenbeilagen. = Unentbehrlich fr jeden Gebildeten. =^ " MEYERS KONVERSAriONS-LEXIKON Xotariollo Kewtti;;aiig i'S tausendfarhcn Lolies l>er den lolUind. Tabak v. B. Kecker in Seesen a. Harz 10 1'fd. f ko. S Mk., haben die versch. Zeitungsexpedi- tioneii eineespheii. r.=?4] ti. 10. 'Tausend. Dr. "Wilh. Medicus, iliiisrri'-rtes mit 183 fein kol. Kferbuch ^S:"^;,. 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Dr. V. Schlegel: Ueber den sogenannten vierdiniensionalen R;iuni. (Fortsetzung.) Dr. Douglas H. Campbell: Paraftin-Einbettungs-Jlethode fr pflanzliche Objekte. Kleinere Mitteilungen: Ueber Massenvertilgung von Vgeln. Kloake" beim Hausschwi'in. Eine neue F>klarung des Polarlich- tes. -- Teller die Regenverhilltnisse der westlichen Staaten der nordamerikanischen Union. Astronomisches. Denaturierter Spmtus. Fragen und Antworten: Gesammelte Exemplare von Necrophorus germanicus fand ich mit einer .Menge von Milben besetzt. In welchem Verhltnis stehen diese zu dem Kfer? An Schmarotzer ist doch wohl kaum zu denken. Litteratur: A. Schubert: J'flanzenkunde fr hhere Mdchenschulen und Lehrerinnen-Seminare, Tl. 1. Bcherschau. Briefkasten. Inserate. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonie. Verlag: Riemann &, Mller. Druck: (irbrder Kiesau. Smtlich in Herliu. Verlag: Riemami & Mller, Berlin SW. 48, Friedrich-Strasse 226. . Band. Sonntag, den 27. Mai 1888. Nr. 9. Abonnement : Man abonniert bei allen Buclihan.llungen iiuil Post- x Inserate : Die viergespaltene Petitzeile 30 ..j. Grssere Auftrag austalteu, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrsj)reis ist Je 2. ; (S entspreeliemlen Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft. Inseraten- Bringegeld bei der Post l ^ extra. Jl annhme bei allen Annonceubureaux, wie bei der Expedition. Abdruck i!^t nur mit vollstndiger i^uellenangabe gestattet. Zechstein auf dem Kamm des Thringer Waldes und seine Bedeutung fr die Frage nach dem Alter des Gebirges. \'ii Dr. Er II .st Das eigentllclie Thringer Waldgebiige scheidet sich, wie jedem seiner zahlreichen Besucher sofort bei der An- nherung an dasselbe oder bei einem Au.sbliok vom Kamm aus auf das Vorland aufiaUt, von letzterem sehr scharf ab, sowohl durch die Hhe und Bodengestaltung, wie auch duich die Vegetation: Das Gebirge ist ein mchti- ger Krper aus hohen, dichtbewakleten Kegeln und Kuppen, die zum Teil nooii hoch ber den etwa 2300' hohen Kamm emporragen und durch tiefe Thalschluchten geti-ennt sind; das Vorland i.st ein feldbedecktes, flaches Tafelland von etwa 1400 bis weniger als 1100' Meeres- hhe, und von flachen TJialrinnen durchfurcht. Die Ur- sache dieses scharfen Unterscledes beruht auf dem eben- so sclu'o'en Gegensatz, den der geologische Bau beider Landesteile zeigt: Das Vorland ist lauter sedimentres Gebru", wie es V. v. Scheffel in seinem bekannten Lied vom Granit"' nennt, gebildet aus weithin horizon- ; talen oder schwachgeneigten Schichtentafeln der Trias (Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper), im Gebii-ge aber sehen wh- Eruptivgesteine, jenen Granit und die, wie j es im selben Liede, aber freilich wenig naturwahr heisst, \ von ihm zu Hilfe gerafenen wackeren Porphyre" mch- | tige Bergmassen zusammensetzen, und daneben noch deren j Epigonen, d. h. die aus ihrer mechanisciien und chemi- ' sehen Zertrmmerung und Veiarbeitung hervorgegangenen Tuffe, Konglomerate und Sandsteine in hervorragender, ! manchmal fast ausschliesslicher Weise am Gebirgsbau sich ! beteiligen ; es haben diese Bildungen Rotliegendalter, sonst waren im eigentlichen Thringer Walde bisher nur noch / iiiiiiifirmann. ltere, keinejngeren Gesteine bekannt. Der geologischen Bildungszeit nach ist nun zwischen RotUegend- und Bunt- sand.stein das Bindeglied der Zechstein, und dieser Rolle entsprechend findet sich dieser denn auch als fast un- unterbrochenes, wenn auch oft recht schmales Band am ganzen Fuss des Gebirges, d. h. also an der Grenze gegen das Vorland. Auch um den Harz herum bildet der Zechstein ein ebensolches Band. Er ist eine der ltestbekannten Formationen, ja von ihm ist ein gutes Teil der ersten geologischen Wissenschaft au.sgegangen, da in seiner untersten Schicht, dem Kupferschiefer, ein reicher Kupfei'- und Silbergehalt sich findet, seit alters der Segen des Mansfelder Bergbaues", von welch' letz- terem viele Bergleute und Geologen sich ihre Ausbildung geholt haben. Dieser Zechstein nun besitzt, wenn man nur wenig- stens ^/-i bis 1 hu vom Fuss des Gebirges entfernt ihn durch Bergbau aufgeschlossen vor sich sieht, ebenso wie die Trias eine ziemlich horizontale oder nur schwach vom Gebirge weg geneigte Lagerung, und so schloss man, dass das letztere vor .seiner Bildung entstanden war und nun als Festland aus dem Meere herausragte, dessen er- hrtete Kalk- und Mergelschlammabstze eben nun als Zech- stein bezeichnet weiden. Bei dieser Annahme ist aber schAver zu erklren, woher dann die steile bis senkrechte Schichtenaufrichtung des Zechsteines, ebenso aber auch der Trias an der unmittelbaren Grenze gegen das Rot- liegende komme; ebenso ist schwer zu erklren, warum nicht Gerolle, welche die Flsse aus jenem Festland doch 66 Naturwissenschaftliclie Wochenschrift. Nr. 9. bringen mussten, nicht im Zechstein, Buntsandstein u. s. w. ; zu finden sind; endlich litten doch, wenn das jetzige Thiinger Waldgebirge Festland von der Zechsteinzelt an war, die Wittemngseintlsse (Frost und Hitze, Luft, Regen und Flsse) im Laufe der seitdem verflossenen Milonen von .Tahien Zeit genug gehabt, das Gebirge zu zerstren, wo doch die Flsse jetzt noch aUjhrlich ungeheuere Mengen von Schutt daraus fortfliren. Man sah sich deshalb zur Aufstellung einer anderen Theorie ber das Alter des Gebirges gentigt. Man sagte : das- selbe habe zur Zeit des Zechsteines und der ganzen Trias noch nicht als solches existiert, sei vielmehr damals unter i Meer getaucht gewesen und von dessen Sclamm- und i Sandabstzen berdeckt worden, sodass man sich das in : Fig. 1 dargestellte schematische Bild des Schichtenbaues , machen knne, wie es etwa am Ende der Triaszeit in j dem Gebiete, wo heute der Thringer Wald sich ei'hebe, I bestanden habe. Man nahm dann weiter an, dass spter (man hat Grund zu der Vermutung, dass es zur Zeit der Norddeutschen Braunkolenbildung geschehen sei) entlang von zwei gewaltigen, am ganzen jetzigen Gebkge beider- seits hinlaufenden Spalten .4,1 und BB in Fig. 2 das jetzige Vorland um wenigstens 2000 bis 2500' in die Tiefe gesunken und so das Gebhge erst als Hervorragung entstanden sei. Ursprnglich war es dann natrlich noch von der ganzen Sclchtenreihe des Zechsteines und der Trias bedeckt, aber diese Decke ist im Laufe der oben erwhnten Jahrmillionen abgesplt worden; ebenso hat die Absplung auch im Vorland gewirkt, wenngleich natrlich nicht so mchtig, und so mussten in der Zeich- nung durchpunktierte Linien die eliemals vorhandenen Lager, die jetzt nicht mehr vorhanden sind, ergnzt werden. Bei Gelegenlieit des Niedersinkens wurden die Rand- partien dei- Senkungsfelder geschleift und so ihre Schichten in steile Stellung gebracht. Man muss dieser Theorie, welche den Thringer Wald als einen zwischen gesunkenen Tafeln stehen ge- bliebenen Horst" ansieht, grosse Einfachheit und eber- einstimmung mit allen beobachteten Thatsachen, also grosse Wahrscheinlichkeit zusprechen ; aber sie bheb doch einigermassen immer noch Theorie gegenber der anderen, dass der Thringer Wald schon zur Zechsteinzeit aus dem Meere emporgeragt habe, bis nicht zusammenhngende Lager oder wenigstens einzelne Reste der vorauszusetzen- den ehemaligen Sedimentrdecke auf der Hhe des Ge- birges gefunden waren. Diese erst konnten Beweis fr die Richtigkeit der Horsttheorie efern. Und solche Reste finden sich in der That. Bekanntlich ist eine sehr charakte- ristische Tierform, welche zur Zechsteinzeit gelebt hat, ein muschelartig, zweiklappiges Tier mit langen Stacheln, welches den Namen Productus horridus fhrt. Die von mir bewirkte geologische Aufnahme des beliebten herr- lich gelegenen Luftkurortes Oberhof unweit des grossen Brandleitetunnels lehrte auf einem IS-IO' hohen Berg- gipfel bei dem Chausseehaus Wegscheid nrdhch von Oberhof, und in einigen Thlchen, die von da nach ver- schiedenen Richtungen ausgehen, beraus zahlreiche und bis ber centnerschwere Gesteinsblcke kennen, von denen einzelne ziemlich hufig jenen Productus samt seinen Stacheln enthielten. Diese Blcke lagen also ungefhr 450' ber dem Fuss des Gebirges, und nur etwa 250' unter dessen Kamm ; und ihre Beweiskraft war eigentlich schon gross genug; aber es fanden sich spter im Schnabel- bach sdstlich von Oberhof noch ebensolche Blcke in nur 1 km Entfernung vom Kamm, mussten also gerade- zu auf diesem selbst ursprnglich gelegen haben, wenn man in Betracht zieht, dass sie nicht mehr fest anstehen und somit schon ein Stck am Bergabhang von den Wssern hinabgefhrt worden sind. An letzterem Orte fanden sich freilich keine Productus im Gestein vor, und zudem zeigt dieses und das ist der zweite Grund, warum der Zechstein auf dem Kamm des Thringer Waldes ein ganz besonders hohes Interesse verdient eine solch himmelweit abweichende Ausbildung, dass wohl selbst kein Geolog, wenn er nicht die Gesteinsbergnge in die ebenfalls sehr stark, aber doch noch nicht ganz so stark abweichende Muttermasse der oben erwhnten Productus sehen knnte, an die Zechsteinnatur jener Blcke glauben wide. Es ist nm- lich im Schnabelbach ein sehr grobkrystallinischer, dunkel- brauner, dem Eisenkiesel linlicher Quarzit, der usserst hart und zh ist, am Stahl Funken giebt und nicht die Spui' von Kohlensure enthlt, whrend alle sonst be- kannten Zechsteingesteine ziemlich weich, kalkig, dolo- mitisch oder mergelig sind, und mit Salzsure befeuchtet stets lebhaft aufbrausen und Kohlensure entwickeln. Auch das produktusfhiende Gestein au der Wegscheid ist ein solcher Quai-zit, aber nicht so grobkrystallinisch. Unter dem Mikroskop zeigt das Gestein beider Fund- orte eine berraschende, beraus charakteristische Struktur, auf die hier nicht nher eingegangen werden kann; aber diese ist so eigentmlich, dass der Beweis fr das Zech- steinalter der Schuabelbacher Blcke trotz des Productus- mangels unumstsslich ist. Es ist nicht anzunehmen, dass der Quarzit ursprnglich als solcher entstanden, sondern durch kieselhaltige Quellen aus Kalkstein um- gewandelt ist. Nheres ber die interessanten Blcke findet man in den Erluterungen zur geologischen Special- karte \on Preussen und den Thringischen Staaten, Blatt Crawinkel. Nr. 9. Naturwissenscliaftliche Wocliensclirift. G7 Ueber den sogenannten vierdimensionalen Raum. Von Dr. V. Sclilegel. (Schlussj Diircli die letzten Betracht ung-en liaben wir uns der (Jrenze genhert, wo die Kompetenz der exacten Wissen- schaft in Sachen des vierdimensionalen Raumes auflirt, und das freie unbegrenzte Feld beginnt, auf welchem sich willkrlich und ohne zwingenden Grund erdachte Hypothesen tummeln, aberglubische Vorstellungen, welche den Inhalt dieser Hypothesen als Wahi'heit beti-achten, und endlich gewissenlose Spekulationen, welche sich be- mhen, wider besseres Wissen jene aberglubischen Vor- stellungen zu verbreiten. Ist nmlich der Mann, welcher vor unseren Augen das Schrotkorn aus der geschlossenen Kugel heraus- eskamotiert, ehrlich, so zeigt er uns entweder, wie er die Tuschung durch natiiiche Handgriffe in unserem Rume zu stnde gebracht hat, oder er lsst uns wenig- stens die Ueberzeugung, dass er unsere Wahrnehmung auf eine wenn auch von uns niclit begriffene Weise ge- tuscht hat. Will er sein Kunststck wrzen, so kann er dazu einen Vortrag halten, etwa wie folgt: Verehrtes Publikum, Thr gesunder Menschenverstand sagt Ihnen, dass weder ich noch ein anderer Sterblicher im Stande ist, das Schrotkorn, welches Sie in dieser Glaskugel liegen sehen, oder, wenn ich schttle, klappern hren, aus der Kugel heraus zu bringen ohne irgendwo die Kugel zu ffnen. Ich wrde es knnen, wenn ich im Stande wre, die Kugel mitsamt ihrem Inhalt fr einen Augenblick in den vierdimensionalen Raum zu versetzen." (Folgen die oben mitgeteilten Grnde.) Dieser vierdimensionale Raum existiert nun allerdings, und wiid, geradeso wie unser Weltraum, von denkenden und fhlenden Wesen bewohnt, welche einen vieidimensionalen Krper besitzen, geradeso wie Sie selbst einen dreidimensionalen. Diese Wesen sind keine anderen als die Geister unserer Ab- geschiedenen, welche dort in einer hhei'en Existenz weiter leben. Fr einen solchen Geist ist es ebenso leicht, unsichtbar fr uns, an jeder beliebigen Stelle in unseren Raum einzugreifen, und dort Dinge zu voll- bringen, die uns, weil sie die Gesetze der natrlichen Weltordnung verletzen, als Wunder erscheinen, wie es fr uns selbst ist, in jedem beliebigen Punkte der Papier- flclie die Federspitze aufzusetzen, daselbst Zeichnungen auszufhren, und die Spitze der Feder wieder von der Papiei-flche verschwinden zu lassen. Wre die Papier- Hche von zweidimensionalen Wesen bevlkert, so wrde diese Zeichnung fr sie ein ganz gleiches Wunder sein." (Folgt als Vorbereitung auf das zu erwartende Kunst- stck die Schilderung des oben beschriebenen zweidimen- sionalen Wunders, wie ein Punkt aus dem Innern eines Kreises herauskommt, ohne die Kreislinie zu passieren.) Ja noch mehr, ebenso, wie Sie selbst auf einer Ebene einen zweidimensionalen Schatten werfen, so venngen auch die vierdimensionalen Leiber jener Geister sich in unseren dreidimensionalen Raum zu projizieren, und so als dreidimensionale Gebilde Ihnen sichtbar zu werden. Es giebt nun besonders veranlagte Menschen, zu denen auch meine Wenigkeit gehrt, welche im stnde sind, die Geister zu solchen Eingriffen in unseren Raum zu veranlassen. Ich werde demnach die Ehre haben, diese Kugel einem von mir eigens zu diesem Zwecke citierten Geiste zur Vei'fgung zu stellen, der Geist wird sie, uns selbst unsichtbar, ebenfalls zum Verschwinden bringen, indem er sie in den vierdimensionalen Raum versetzt, dort wird er sie von dem Schrotkorn befreien, und dann wird beides, die Kugel und das herausgenom- mene Schrotkorn, pltzlich wieder vor Ihren Augen er- scheinen." Ist nun nach dieser Vorbereitung das Kunst- stck geglckt, und hat der Knstler seinen Vortrag mit dem Humor und dem Tone der leisen Selbstironie ge- halten, welcher dem Zuschauer die Ueberzeugung giebt, dass der Knstler zwar im Ernste seine Augen, aber nur im Scherz seinen Verstand habe tuschen wollen, so werden die Zuschauer die oratorische Zugabe als eine passende geistige Wrze des Kunststckes betrachten. Sollte aber einer unter ihnen sein, der dem Redner alles aufs Wort geglaubt hat, und dem nun eine vorher un- geahnte Perspective in eine vierdimensionale Geisterwelt und einen mglichen Verkehr mit derselben aufgegangen ist, so ist dieser' Mann ein Spiritist geworden, und zwar' ein ehrlicher, der wirklich glaubt, was er' gesehen und gehrt, und was er' sell)st vielleicht andere glauben machen will. Wenn endlich der' oben erwhnte Knstler den Anspruch erliebt, dass alles, was er' zur' Erklr'ung seines Kunststckes sagt, von den Zuscharrer'n fr- wahr- gehalten werden soll, und wenn er' diese seine vermeint- lichen Ueberzeugungen auch im Ernste anderen bei- zubringen sucht, so ist er' ebenfalls ein Spir'itist, aber' einer' von der schlimmen Sorte derjenigen, welche unter' dem Deckmantel der Wissenschaft das in dieser Wissen- schaft nicht gengend bewanderte oder' sonst leicht- glubige Publikum zu tuschen ver'suclien. Wir knnen jetzt die Popularitt des vierdimensionalen Raumes begreifen. Denn wir sehen ja diesen Begriff dur'ch den Spiritismrrs in Zusammenhairg gebr'acht mit derjenigen Frage, die von jeher den denkenden Geist wie keine an- dere beschftigt hat und beschftigen wird, so lange es Menschen giebt: mit der Frage nach unserer' Fortexistenz nach dem Tode. Fassen wir' lediglich die eine Behaup- tung des Spiritismus, dass die Seelen im vierdimensionalen Rume weiterexistieren, als eine der zahlreichen Hypo- thesen auf, welche zur Beantwortung dieser Fr'age auf- gestellt worden sind, so ist die Annahme dieser Hypo- these, wie so vieles Andere, wofr kein direkter Beweis erbracht werden kann, eben Sache des Glaubens. Wenn aber wirklich jemand im Ernste die Verbreitung dieses Glaubens sich wollte angelegen sein lassen, dann wrde er' besser thun, ein ehrliches ignorabimus auszusprechenj 68 Naturwissenschaftliche Wochenschi'ift. Nr. 9. als wie der Spiiitist es macht, ein aller Wissenschaft und Erfahrung hohnsprechendes Beweisverfahren einzu- schlagen, welches nicht nur alle Augenblicke als Tuschung entlarvt wird, sondern selbst dem (ilubigen die Aussiclit auf eine Zukunft veileiden msste, in der er keinen Augenblick sicher wre, von seinen ehemaligen Mit- menschen citiert und zur Verbung von allerlei Unfug und Albei'nlieiten missbraucht zu werden. Ueberlassen wii' also den vierdiniensionalen Raum den Mathematikern, die schon seit einer ganzen Reihe von Jahren sich in demselben huslich eingerichtet und eine wahrhaft fruchtbringende und fr die Fortentwicke- lung der Wissenschaft ntzliclie Thtigkeit darin ent- faltet haben. Unterscheiden wir aber vor allen Dingen zwischen diesem rein abstrakten Gebilde geometrischer Ueberlegung, welches uns nirgends in Widersprche mit anerkannten Gesetzen verwickelt, und dem Raum der Spiritisten, welcher ohne weiteres als wiiklich existierend angenommen und mit unserem Weltraum in einen Zu- samuienhang gesetzt wird, der zwar zum Teil theoretisch richtig begiiindet ist, dagegen in seinem Anspruch auf wirkliclie Existenz mit den durch jahrtausendelange Er- fahrung besttigten Gesetzen unserer Weltordnung in Widerspruch gert und daher zu verwerfen ist. Mit dieser Gegenberstellung drfte der Begriff des vier- dimensionalen Raumes hinreichend geklrt sein. Ueber die niedrigste Temperatur der folgenden Nacht und die Mitteltemperatur des knftigen Tages. Von Franz Bendt. Es ist eine bekannte Erscheinung, dass durch eine einzige kalte Nacht zuweilen die gesamte Ernte der Weinberge einer Gegend vernichtet werden kann. Auch der Grtner hat jene launige Eigentmlichkeit der Witte- rung zu frchten, diu'ch welche besonders im Frhling und im Herbst nach einem milden Tage die Temperatur der Nacht pltzlicli unter den Gefrierpunkt sinkt. Es drfte daher von Interesse sein, mit einer voi' kurzem von dem Genfer Astronomen A. Kammermann gegebenen Me- thode bekannt zu werden, welche es ermglicht, die tiefste Tempei-atur der folgenden Nacht schon am Nachmittage vorausbestimmen zu knnen. Eine fr die Land- whtschaft hchst bedeutungsvolle Frage", schreibt der- selbe, ist im Frhling unzAveifelhaft die Vorausbestim- mung der tiefsten Nachttemjjeratur, und gei'ade diese knnen die meteorologischen Centralstationen fr einen bestimmten Ort unmglich beantworten. Es ist ja lngst bekannt, dass zwei nui- wenige Meilen oder noch weniger von einander entfernte Orte zwei sehr verschie- dene Nachtminima aufweisen knnen und meist auch aufweisen. Diese Bestimmung ist also nur durch rtliche Beobachtungen mglich, und zwar, wie ich zeigen werde, mit ziemlich grosser Annhe- rung, schon um 1 Uhr Nachmittags." Es erschien anfangs, als ob der Beobachter, welcher sich der Kammer man n'schen Methode bedienen wollte, gezwungen sei, eine bestimmte Konstante fr seinen Ort zu ermitteln. Durch sptere Untersuchungen von Troska ist aber festgestellt worden, dass die Zaiden fr Genf allgemeine Giltigkeit haben. Wir gehen nun zur Schilderung des hchst einfachen Verfahrens ber: Man bedient sich zur Vorausbestiinmung der tiefsten Temperatur des feuchten Thermometers", welches folgende Einrichtung hat. Ein gutes Celsius-Thermometer mit mglichst grosser Gradeinteilung wird an seiner Kugel mit einer Hlle von Musselin oder Leinwand in einfacher Lage umwickelt und aus einem daninter aufgestellten. mit Wasser angefllten Gefsse andauernd feucht ge- halten. Dies auf dem Wege kapillarer Leitung zu ver- mitteln, dient ein entsprechend langes Bndel von etwa zehn Baumwollenfden, welche oberhalb der Thermometer- kugel zusammengescWungen. im brigen Verlaufe zu- sammengeflochten werden und in das mit Wasser gefllte Gefss hineinhangen. Die Musselinhlle, sowie die Baum- wollenfden mssen vor dem Gebrauche in warmem, weichen Wasser ausgewaschen und fernerhin sehr sauber gehalten werden; gut ist ein monatlicher Wechsel. Das feuchte Thermometer ist sodann an einem Orte auf- zustellen, wo es vor den Sonnenstrahlen und auch vor der Ausstrahlung des Hauses geschtzt ist, am besten inneihalb eines weiss angestrichenen Kastens, dessen Inneres mit der Luft mglichst frei zirkuliert, wie solcher zu diesem Zwecke von den Mechanikern verfertigt wird. Man wird bemerken, dass ein feuchtes Thermometei' um einige Grade tiefer steht, als ein trockenes und zwar um so mehr je trockener die Luft ist. Die wichtige Thatsache nun, welche Kammer mann fand und auf welche sich die Prognose grndet, ist, dass die tiefste Temperatur der nchsten Nacht um 4C. niedriger ist, als die Temperatur, welche das feuchte Ther- mometer am Nachmittage des vorhergehenden Tages zeigt. Um die Prognose fr die kommende Nacht zu stellen, hat man daher von der Temperatur, welche das feuchte Thermometer am Nachmittage zeigt 4 " zu subtrahieren; ergiebt die Differenz eine Temperatur unter Null, dann ist Nachtfrost zu erwarten. * Durch eine hnliche Methode, wie die soeben ge- schilderte ist es Dr. Troska, dem oben bereits ge- nannten Gelehrten, auch gelungen, die mittlere Tem- peratur" des nchsten Tages vorausbestimmen zu knnen. Er zeigte nmlich, dass die niedrigste Tempe- ratur der Nacht im allgemeinen in bestimmter gesetz- Nr. !t. Natiiiwissensdiaftliche Woclieiischrift. 69 massiger Beziehung zu der Temperatur um 8 Uhr moigens des darauf folgenden Tages stellt. Die Temperatur um 8 Uhr morgens ist aber erfahrungsgeniss gleich der mittleren Temperatur desselben Tages. Zur Bestimmung des nchtlichen Minimums bediente sich Tros'ka der Taupunktmethode. Unter Taupunkt versteht man bekanntlich den Temperaturgrad, bei welchem sich die atmosphrische Feuchtigkeit kon- densiert: in jedem Elementarlehibueh der Physik findet man Methoden zu seiner Bestimmung. Wir wollen uns merken, dass beim oben be.schriebenen feuchten Ther- mometer die Temperatur des Taupunktes in der warmen Jahreszeit i" C, in der kalten Jahreszeit 3" C. unter dem Stande desselben liegt. Es zeigt sich also, dass die niedrigste Temperatur der Nacht gleich der Temperatur des Taupunktes ist. Gehen wir nun zur Schilderang der Vorhersagung selbst ber. . Es ist eine bekannte Regel, dass auf eine kalte Nacht ein khler Tag und auf eine warme Nacht ein noch wrmerer Tag folgt. Kann man aber, wie soeben gezeigt, schon am Nachmittage oder am Abende das Minimum dei- Nacht bestimmen, dann muss es auch mglich sein, die wahrscheinliche Temperatur fr 8 Uhr am Morgen des nchsten Tages zu ermitteln. Das ncht- liche Minimum tritt regelmssig etwas vor Sonnenaufgang ein und von da an bemerkt man ein Ansteigen dei' Temperatur. Dr. Troska fand liierfr folgende Regel: Die Temperatur um 8 Uhr morgens (= der mitt- leren Tagestemperatur) bersteigt die des ncht- lichen Minimum um soviel Grade, wie Stunden seit dem Aufgange der Sonne verflossen sind. An einem Beispiele mag jetzt gezeigt werden, wie eine Prognose mit Hilfe dieser Regel zu stellen ist: Man bestimme die Temperatui' des nchtlichen Minimum (Tau- punktes) am Nachmittage; sie sei gleich 9 " G. Die Sonne gehe um 6 Uhr auf. Dann ist die Mitteltempe- ratur des folgenden Tages = 9 + (86) = 11" C. Kleinere Mitteilungen. TJeber die geographische Verbreitung des Moschus- ochsen (Ovibus moschatus) in Europa whrend der Quartrzeit machte Struckmanii geli-gHutlich eines Fundes von Resten dieser Art bei Hameln iliifeihing (Zeitseljr. d. deutscl). geolog. Gesellsi'h. 1888 S. 6U1- 604). Hier wurde in einer 10 m unter der l Oberflche befindliehen Kiessehicht ein Sclidelt'rogment entdeckt, i welches liotisclie als zum JJoschusoch.-en gehrig erkannte. Die- | selbe Schicht enthielt Reste des Mammuts (Elephas primigenius), des wdllhaarigen Nashorns (Rbinoceros ticliorhinus), des Kdelbirsches (Cervus ehtphus), des Wisent (Bison priscus). des Auerochsen (Bos primigenius) und des Pferdes (Eqiius caballus). l)iese Fauna gehorte der lteren Diluvialzeit an. Fossile Reste des Moschusochsen sind in Deutschland nur selten, aber weit auseinanderliegend gefunden. Man kennt Knochen desselben vom Kreuzberge bei Berlin, aus Schlesien, von Merseburg, Dmitz, Jena, Unkelstein am Rhein, Langen- brunn im oberen Donauthale, JInselwciss bei (.'oblenz, V'allendar am Rhein und jetzt auch von Hameln an der Weser, Nach Dawkins ist die Art auch ber eineu grossen Teil von Frankreich und Eng- land nnd ber Sibirien verbreitet gewesen. Hchst wahrscheinlich ist es, dass der Moscliusuchs noch zur Zeit des Menschen in Mittel- europa vorhanden war. Man schliesst das aus Funden in der Hhle von Thayingen und aus den von Boyd-l>a wkins nach englischen Hhlenfunden zusammengestellten TiiatsachcMi, sowie aus den von S chaaflhausen an einem Schdel von Moselweiss beobachteten knstlichen Einschnitten, Gegenwrtig lebt der Moschusochs nur noi-h in den hnclinordisi-hen Lndern und Inseln Nordamerikas, Die Vergesellschaftung von jetzt nur in der Nhe des Nordpols lebenden Tieren mit dicht behaaj-ten Verwandten (Mammut, Rhinozenjs) von Solchen, die gegenwrtig nur der heissen Zone angehren, weist auf ein sehr raulies Klima in unseren Breiten hin, was durch die gleich- zeitige Ausdehnung grosser Gletscher besttigt wird. H. J. Kolbe. Steppenhhner in Deutschland. Ein fr rnithL logen hchst bemerkenswertes Ereignis vollzieht sich in den letzten Wochen in Deutschland, Es wandern nmlich, wie schon einmal in grsserer Zahl im Jahre 1863, Steppen- oder Fausthhner (Syrrhaptes paradosus Fall.) bei uns in Deutschland ein. Diese eigentmlichen Vgel haben ihre Heimat in den Steppengegenden Asiens, stlich vom Kaspischen Jleer, in den tartariscen Steppen bis hinauf zum Altai, . stlich bis nach China hinein. Hier leben sie im Frhjahr in kleinen, im Herbst aber in grossen Flgen von oft mehreren hundert Stck; sie nhren sich von Smereien und zarten, grnen l'Hanzenteilen. In ihrer usseren Erscheinung bieten die Steppenhhner manche Eigentmlichkeiten, Der ganze Habitus erinnert teils an Tauben, teils auch an Feldhhner, hinsichtlich der .spitzen Flgel an dieBrach- scliwalben (Glareola). Die erste Schwinge ist wie das mittlere Paar der Schwanzfedern sehr lang und dabei usserst lein zugespitzt, weit feiner noch als bei der Rauchschwalbe. Die Beine sind einschliess- lich der Zehen befiedert; eine Hinterzehe ist nicht vorhanden, die drei Vorderzehen sind in eigentmlicher Weise miteinander ver- wachsen, so dass der Fuss von unten gesehen eine einzige Sohle bildet, aus welcher vorn die drei stumpfen Krallen hervorragen. Die Frbung der Vgel passt sich vortrefflich der des Bodens an: sie ist auf der Oberseite sand- oder lehmfarbig mit kleinen, dunklen Flecken, unten isabellfarben, am Bauch dagegen schwarz. Am Kopf finden sich rostbraune Partien, welche beim Weibchen weniger schn und krftig sind, als beim Mnnchen, Letzteres ist ausserdem noch durch ein feines, schwarzes Band quer ber die Unterbrust kenntlich. Im Fluge sollen die Steppenhhner nach Berichten, welche mir durch Augenzeugen zugingen, viel Aehnlichkeit mit Regenpfeifern haben; auch lassen sie whrend des Fliegens bestndig ein eigentmliches Geschrei hren, welches sich schwer beschreiben lsst. Die asiatischen Gste sind seit den letzten acht Tagen in Posen, Schlesien, der Mark, Sachsen, Hannover, Westfalen etc, bis nach dem Elsass und Lauenburg beobachtet worden. Bei Liegnitz wurden mehrere Ketten bemerkt, welche sich schliesslich zu einem Fluge von etwa 150 .Stck zusammenschlugen. Eine Anzahl der Steppenhhner hat sich durch Anfliegen an Tele- graphendrhte ttlich verletzt. Die Kgi. landwirtschaftliche Hoch- schule in Berlin erhielt durch die Redaktion der Deutschen Jger- zeitung" (Neudamm) ein Weibchen, welches in der erwhnten Weise den Tod gefunden hatte. Der Eierstock war ziemlich stark ent- wickelt, sodass anzunehmen ist, das Tier wrde in einiger Zeit reife Eier produziert haben. Es wre von grossem Interesse, wenn die Steppenhhner dies- mal bei uns brteten und es muss daher mit allen Krften danach gestrebt werden, dass sie mglichst wenig beunruhigt, besonders nicht beschossen werden. Jeder, welcher Gelegenheit hat, in dieser An- gelegenheit thtig zu sein, sollte auf mglichste Schonung der .Steppenhhner dringen. Dr. Ernst Schaff. Ein fruchtbarer Bastard zwischen Wolf und Hund. Ein Bastard zwischen Wolf und Hund, der in dem Londoner Zoo- logischen Garten erzielt worden war, starb, wie The Field" vom Mrz d. J. mitteilt, dieser Tage, ohne dass er sechs vollstndig aus- gebildete Junge wegen eines Fehlers im Becken htte zur Welt bringen knnen. Schon whrend der Zeit der Trchtigkeit war es dem Beobachter W. Lort aufgefallen, dass das trchtige Tier nur geringen Umfang in den Flanken hatte, dass aber die Rippen stark ausgedehnt waren. Der Vater der ungeborenen .lungen war ein Skya Terrier von der ungefhren Grsse des Bastards. Ueber das Eindringen des Lichtes in das Wasser des Genfer Sees hatte Forel bereits 1873 auf photographischem Wege festgestellt, dass die Grenze absoluter Dunkelheit fr das Chlorsilber im Sommer 45 w, im Winter lO m unter der Oberflche liegt. .Seitdem sind von Asper, Pol u. a. teils ebenfalls im Genfer See, 70 Naturwissenschaftliche Wochensclirift. Nr. 9. teils in anderen schweizerischen Seen diese Versuche wiederholt worden, nnd sie sind dabei zu dem Ergebnis g-eliommen, dass fr die ausserordentlich empfindlichen Platten von Monckhoven die Grenze erst in fast doppelter Tiefe liegt. Whrend der letzten Zeit hat Forel nun alle zwei Monate diese Versuche, welche fr die Tiefenfauna ein ganz besonderes Interesse haben, wiederholt. Er hat sich dabei wieder des durch Chlorsilber empfindlich gemachten Papiers bedient, welches sich fr diesen Zweck leichter anwenden lsst, als empfindliche Platten. Um eine Reihe von gleichzeitigen Beobachtungen in verschiedenen Tiefen zu erhalten, befestigte Forel an einem Tau. welches mit einem Senkblei versehen war, immer von 10 zu 10 m die photographischen Apparate; dieses Ganze wurde dann whrend der Nacht in 3,5 km Entfenmng vom Ufer bis zu 130 m Tiefe in das Wasser des Genfer Sees versenkt. Die Apparate blieben dort bis zu einem klaren, sonnigen Tage und wurden in der darauffolgenden Nacht wieder emporgeholt. Aus den Zahlen, welche Forel in den Comptes Rendus" verffentlicht, ergiebt sich, dass fr das Chlorsilber die Grenze absoluter Dunkelheit im Mrz 100110, im Mai 75 m. im Juli 45 w. im September 50 /, im November Februar 85 w( unter der OberfiUche des Wassers liegt. Dass die Durch- lssigkeit des Wassers fr Licht im Sommer betrchtlich kleiner ist als im Winter, schreibt Forel wohl mit Recht dem im Sommer in ausserordentlich grosser Menge suspendierten organischen Staube" zu. Ausserdem ergab sich noch, dass die photographisclie Wirkung nahe der Grenze absoluter Dunkelheit im Sommer in strkerem Grade abnimmt als im Winter. A. Gutzmer. Elektrische Erseheimingen an Bergkrystall und Glas- gewiehten. Bei Gelegenheit der Prfung von Gewichten aus Bergkrystall (Quarz) hat die Normal-Aichungs-Kommission eine eigen- tmliche Wahrnehmung gemacht. Diese Gewichte werden im all- gemeinen in Ksten aufbewahrt, die mit Leder, Sammet oder Seide gefttert sind. Nimmt man nun die Gewichte aus dem Kasten, so zeigen sich dieselben, wohl infolge der Reibung an der Stott'ftterung, elektrisch erregt, und zwar kann ihre Ladung so stark sein, dass selbst Krper mit kleiner Oberflche und einem Gewichte bis zu 50 ni[i an jeder Stelle der C4ewichtsstcke getragen werden. Da diese Ladung auch das Wagengehuse und die einzelnen Teile der Wage elektrisch erregt, treten fremde Krfte in Wirksamkeit, welche die Wgungsresultate unter Umstnden erheblich verflschen. Es empfiehlt sich daher, solche Gewichte, die wegen ihrer Un- vernderliol.keit mit Recht geschtzt werden, auf einem Glasteller unter einer illasglocke aufzubewahren, wenn man nicht genthigt sein will, nach Herausnahme der Gewichte aus dem Kasten mit der Benutzung so lange zu warten, bis die Ladung sich zerstreut hat. Das Letztere kann je nach dem Feuchtigkeitsgehalt der Luft und der Unterlage, auf welcher das Gewicht steht, bis zu zehn Stunden und lnger dauern. Von Vorteil wird auch sein, vor der Benutzung die Oberflche des Gewichtes mit einem frei in der Hand gehaltenen Staniolblatt zu umfahren. Auf Glasgewiclite erstrecken sich die Wahrnehmungen der Kommission nicht, doch iverden sich diese hnlich verhalten. Aehnliche Beobachtungen sind frher gemacht von Regnault. Dumas, Boussignolt und Stas. Die Strke der Elektrisierung scheint noch von weiteren Umstnden abzuhngen, denn Wild und andere Forscher wollen bei der Anwendung von Quarzgewichten wenig von Strungen durch Elektrisierung empfunden haben, aller- dings olme dass erhellt, ob dies besonderen Vorsichtsmassregeln zu danken war. Dr. F. Plato. Elektrieitt und Mathematik. Die Elektricitt, die in unserem Jahrhundert sicherlich eine sehr grosse Rolle spielt, nimmt bekanntlich auch mathematische Kenntnisse von ihren Jiigern in Anspruch. Dafr scheint sie jetzt auch den Mathematikern etwas bieten zu wollen. Nicht zufrieden mit dem Nebengebiet der Elektro- therapie, hat sie nun auch das der reinen J\Iatheniatik betreten sie lst nmlich G 1 eich un gen auf In den Comptes rendus" der Pariser Akademie der Wissenschaften vom 5. Mrz d, J. wird ein Verfahren von P. Lucas verffentlicht, durch welche sich alle algebraischen Gleichungen jedes Grades mit reellen, numerischen Coefficienten vermittels der Anwendung von Elektricitt auf graphi- schem Wege ohne irgend welche Rechnungen losen lassen, und zwar dergestalt, dass alle Wurzeln, reelle wie imaginre, bestimmt werden. Das wesentliche Resultat der Methode lsst sich in die Worte fassen: Die Knotenpunkte der quivalenten Potentiallinien sind die Wurzel- punkte eines Polynomes vom selben Gleichung,sgrad. Lucas sagt am Schluss seines Aufsatzes: So hoch auch der Grad einer alge- braischen Gleichung sein mge, eine einzige Operation gengt, um alle, reellen oder imaginren, Wurzeln zu erhalten. Dr. C. Ochsenius. Das Beharrungsgesetz. Auf Seite 184186 von Bd. I der .Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" finde ich einen Artikel: das Trgheitsgesetz ein Grundgesetz der Physik" von Dr. K. F. Jordan, in welchem der Verfasser die Unhaltbarkeit der Grnde nachweist, welche J. Hensel in seinem Buche; Das Leben, I.Teil: Die Fortdauer der Urzeugung", gegen das Gesetz der Beharrung geltend macht. Nach genanntem Artikel kulminieren die Einwnde, welche J. Hensel gegen das in Frage stehende Axiom erhebt, in der Betrachtung: dass Bewegung ein K raft-Aequi valent sei und daher fr ein endliches Mass von Kralt (im besonderen etwa Stosskraft) keine ewig dauernde Bewegung, d. b. kein unendliches Mass von Bewegung geleistet werden knne; wenn dennoch ein Korper in die Welt hinausgestossen werde, so knne er nur so lange fliegen, bis fr die angewendete Kraft genug Bewegung geleistet worden sei. " Im Anschluss an die Widerlegung des Herrn Dr. Jordan erlaube ich mir noch zu bemerken, dass, wenn Hensel die Bewegung fr ein Kral't-Aequivalent ausgiebt, dies in der theoretischen Mechanik nur insofern einen Sinn hat, als die Bewegung eines Krpers auf eine bestimmte Zeiteinheit bezogen wird, womit gerade das Gesetz der Beharrung und das der Erhaltung oder Energie in Kraft treten wrde, da ein xmal so grosser Stoss" denselben Krper in derselben Zeitgrsse auch xmal soweit bewegen msste. Dieser Voraussetzung gemss wrden wir nicht berechtigt sein, eine Ab- nahme der Geschwindigkeit bewegter Krper, viel weniger noch einen einstigen Stillstand derselben im absolut leeren Raum anzunehmen, indem kein Widerstand, auch nur ein Minimum des treibenden Agens, der aktuellen Kraft vergeht. Anders verhlt es sich, wenn wir nachfolgende ]5etrachtuug anstellen, die ich, ganz unabhngig von irgend welcher Beeinflussung Hensel 's, wie der Gang meiner Studie erweist, in der Natur" (Halle a,/S.) im vorvorigen Jahre verflentlicht habe. In dieser Studie: Erweiterungen im Kalkl der theoretischen Mechanik" betitelt, heisst es: Bei der Annahme des Axioms, dass ein im absolut leeren Raum sich bewegender Krper seine Geschwindigkeit ungeschwcht beibehlt, bersieht man jedoch, dass auch der innere Widerstand, den eine Materie als solche ihrer Fortbewegung entgegensetzt, dazu beitragen inuss, ihre Bewegung zu hemmen oder allmhlich zu vernichten, selbst wenn diese Hemmung oder diese Vernichtung auch rein phnonieneller Natur sein sollte. Fi' unsere Zwecke gengt es hier zu zeigen: wie die den Krper bewegende Kraft und sein Widerstand bei der Bewegung eine Resultierende veranlassen, die kleiner und immer kleiner wird, whrend nach den bisher b- lichen Ansichten in der Physik keine Bewegungsabnalime zulssig ist," Es folgt alsdann der auf dem Kalkl der theoretischen Mechanik fusseude Beweis fr die ganz allmhliche Abnahme der Geschwindig- keit eines sich im vllig leeren Rume bewegenden Krpers, wobei der Widerstand der bewegten Materie, wie es allein geboten ist, als eine unter ISO" kontinuierlich wirkende Kraft gvg'^n das den Krper vorwrts zu treiben suchende Agens aufgefasst wird. Ich muss diejenigen Leser dieser Zeitschrift, welche sich fr dieses Problem der theoretischen Mechanik interessieren, auf die Lektre der genannten Studie verweisen und greife hier nur noch den auf das in Frage stehende Problem Bezug nehmenden Schhiss- satz dieser Arbeit heraus, welcher das Resume meiner Spekulationen enthlt, nachdem ich den theoretischen Nachweis geliefert habe, dass das Trgheitsgesetz, obwdhl in Anbetracht sich bewegender Korper nicht mathematisch zutreffend, dennoch fr praktische Zwecke als giltig erachtet werden muss: Die angestellten Betrachtungen lehren also, dass zur Fortbewegung eines Krpers im vllig leeren Rume sowohl der rckwrts wirkenden Widerstandskraft der bewegten Materie ein Gleichgewicht zu halten als auch ein die Masse fortrckendes Agens erforderlich ist. Weil aber, wie gesagt, der Widerstand als eine kontinuier- lich wirkende Kraft un der der Materie mitgeteilten (momentanen) Kraft bestndig zehrt, so muss dem bisher angenommenen Beharrungsgesetze zuwider auch im vllig widerstandslosen Rume die Geschwindigkeit eines bewegten Krpers, wenngleich unmerklich, den- noch mit jedem Zeitteilchen abnehmen. " Dr. Eugen Dreher, weil. Dozent a. d. Universitt Halle. Unter dem vielversprechenden, aber eigentlich wenig bezeichnen- den Namen Polymeter" empfiehlt der bekannte Gttinger Mecha- niker Lambrecht ein Instrument, das der lokalen Wetterprognose besondere Dienste leisten soll. Dasselbe besteht aus einem Hygro- meter, welches in Verbindung mit einem Thermometer die relative Feuchtigkeit, den Dunstdruck und den Taupunkt durch einfache Ablesung der an dem Instrumente angebrachten Skalen zu bestimmen gestattet. Die Einfachheit der Handhabung lsst dieses Instrument fr meteorologische Dilettanten ganz ntzlich erscheinen, und wer ohnehin von der Unfehlbarkeit der Lokalprognosen berzeugt ist, findet in den der Gebrauchsanweisung beigegebenen Wetterregeln die ntige Strkung seines Glaubens. < b jedoch nach denselben die Nr. 9. Naturwissenschaftliche Wochensclirift. 71 Aufstellung einer Prognose bei den vielen wenn und aber" so ber- aus einlach sein drfte, ist eine andere Sarhe. Im brigen wrden wir auf das Polymeter nicht nher ein- gehen, da es durchaus nichts neues bietet, wenn nicht die Bemer- kungen des Herrn Lambrecht ber die Rsychroinetrie einige auf- klrende Worte niitig machten. Es macht auf Dilettanten bekannt- lich stets den Eindruck der .Schneidigkeit, wenn man den Meteoro- logen von Fach" eins anhngen kann. Letztere wissen aber sehr genau, dass das bekannte vielverbreitete Psychrometer nach August nur ein Nj. ' Hermann Schultze. Verlags-Cto. in Leipzig. Martini & Chemnitz, St/sfematisches Conchylien-Cahinet. Neu herausgegeben u. vervollstndigt von H. 0. Kster u. W. Kobalt. 358. Lfg. 4". (64 S. m. 6 Taf.) Preis 9 ^. Bauer & Raspe in Nrnberg. Medieus, L., Kurze Anleitung zur Mussanalyse. gr. 8". (IX, 144 S.) Preis iJC 40.^; geb. i JC. Buchh. in Tbingen. Michaelis, C. Th., Stuart Mills Zahlhegriff. 4. 1 ..tC. R. Grtners Verlag in Berlin. Nussbaum, J. N. v.. Neue Heilmittel fr Nerven. Vortrag. (Sep.-Abdr.) gr. 8". (16 S.) Preis 60 .j. Eduard Trewendt in Breslau. Peschel, O., Physische Erdkunde. Nach den hinterlassenen Manuskripten selbstndig bearb. u. hrsg. v. G. Leipoldt. 2. Aufl. Neue Ausg. 1. I>fg gr. 8". (96 S.) Preis 1 JC 40 .j. Duncker und Humblot in Leipzig. Potonie, H., Elemente der Botanik, gr. 8". (323 S ra. 539 Illstr.) Preis 2.. .'^0^.; geb. 3 JC HO 4. Moritz Boas, Veri.-Buchh. in Berlin. Rausenberger, O., Lehrbuch der analytischen Mechanik 1. Bd. Mechanik d. materiellen Punkte. gr.S. (VIH, 316 S.) Preis 8 c^. R. G. Teubner in Leipzig. Schmidt, E., Anthropologische Methoden. Anleitung zum Beobachten und .Sammeln fr Laboratorium und Reise. 8". (IV, 336 S.) Preis () Jt. Veit & Co. in Leipzig. Seelhorst, G., Katechismus der Galvanoplastik und Galvanostegie. 3. Aufl. V. G. Langbein. (Webers illustr. Katechismen Nr. 62.) 8. (X, 187 S m^ Illustr.) Preis geb. 2 Jt. J. J. Weber in Leipzig. Semler, H., Die tropische Agrikultur. Ein Handbuch fr Pflanzer und Kaufleute. 3. Bd. gr. 8. (XII, 806 S.) Preis 15 JC. Hinstorfl'sche Hofbuchh., Verl.-Cto. in Wismar. SpeeiaUtarten, Geologische, des Knigreichs Sachsen. 1 : 25000. Hrsg. vom k Finanz-Ministerium. Bearb. unter der Leitg. v. H. Credner. Sect. 1820. Chromolith. gr. Fol Mit Eriutergn. gr. 8". Preis kHJC. Inhalt; 18. Grossenhain-Sksschen. Bearb. von O. Klemm. (27 S.) 19. Schnfeld-Ortrand. Bearb. von 0. Herrman. (57 .S.) 20. Schwepnitz. Bearb. von E. Weber. (23 ,S.) Wilhelm Engelmann in Leipzig. Stein, S. Th., Das Licht im Dienste vissenschaftlicher Forschung. 6. Heft. Die photographische Technik f. wissenschaftl. Zwecke. gr. 8". (2. Bd. XI u. S. 339462 m. lustrat.) Preis 3 JO. Wilhelm Knapp in Halle. Steiner, J., Grundriss der Physiologie der Menschen. 4. Aufl. gr. 8. (VIII, 452 S.) Preis '9 Jt\ geb. 10 JC. Veit & Co. in Leipzig. Still mark, H., Ueber Eicin. e. giftiges Ferment aus den Samen V. Ricinus comm. L. u. einigen anderen Euphorbiaceen. gr. 8". (121 S.) Preis 2 JC. E. J. Karow, Veri -Cto. in Dorpat. Gegen Einsendutig des Betrages (auch in Brief- marken) liefern wir vorstehende U'erke franko. Zur Besorgung litterarisehen Bedarfes halten wir uns bestens empfohlen. erlin SW. 48. I>ie Kx-pedition der IVatnrwissenscliaftlicheii Wochenschrift". Berichtigung. 1. Auf .Seite 55 ist in der Fragebeantwortung fr Famitzin zu setzen: Famintzin. 2. Da (Quecksilber bei 40'' C. erstarrt, muss es aufSeite45 in der Zeile 12 der ersten kleineren Mitteilung heissen: Im Winter sinkt die Temperatur oft bis tief unter 50" herab. Briefkasten. Unsere Post-Ahoiinenteii machen wir hierdurch darauf aufmerksam, dass die Post bei Bestellungen, die ihr nach dem 1. Tage im Quartal zugehen, die Nach- lieferung der bereits erschienenen Nummern nur auf Verlangen besorgt und dafr tarifmssig 10 Pfennig fr Porto erhebt. Sollten einige unserer Post -Abonnen- ten noch nicht alle Nvunmern des laufenden Quartals besitzen, so bedarf es nur einer diesbezglichen Rekla- mation bei der Bestell-Postanstalt. Naturwissenschaftliche Wochenschiift. Nr. 9. ^p^^% namentlich Anzeigen allei- optischen, chemischen, phj'sikalischen etc. Gertschaften, Naturalien. Chemikalien, sowie Bcheranzeigen finden weiteste und passendste Verbreituna-. lyir etHpt'chlen unser Blatt zur Insertion von Stellen- Gesttchen iintl -Angeboten, soirie zu Anzeigen . u-etehe An- gebot, Xae/ifruffe und Tausch naturu-issenschaj'tlicher Sannnlunffen etc. vermitteln. >|MMMMMMJ ^^MMM % Ein Seiteiistck zu Brelims Tierleben. Soeben erscheint in 28 Lieferungen zu je 1 Mark: Pflanzenleben von Prof. Dr. A. Kerner v. Marilaun. Das Hauptwerk lies berhmtenPflanzenbiologen! Glnzend t'esch rieben, ausgezeichnet durch hohen inneru Gehalt und !^'escliiiiiickt mit nahezu 1000 originalen Abbildungen im Text und 40 Aquarelltafeln von wisseuschaftlicbur Treue und knstlerischer Vollendung, bildet es eine prchtige Gabe fr alle Freunde der Pflanzenwelt, ein Hausbuch edelster Art. das in der populrwissenschattlichenLitteratur ohnegleichen dasteht. Preis in 2 Halbfranzbnde gebunden 32 Mark. Prospekte gratis durch alle Buclihanhingen. Verlag des Bibliograph. Instituts in Leipzig. ^flllfffffffff^ CD ; ^ M w B " i's^ s CD . ; Briugegeld bei der Post 15 .j extra. 'r Inserate: Die viergesiialtene Petitzee 30 -j. Grssere Auftrge e;i5 entsprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunl't. Inseraten- JL annhme bei allen Annoucenbureaux, wie bei der Expedition. Abdruck ist niu- mit voIlKtiidlg'er <{iiellenaii;al>e gestattet. Der Zweck der Naturwissenschaft und die Art und Weise wie sie heute betrieben wird.*) Dozent an di.T Iniversitt Halle. Haben nun die Naturwissenschaften unseren Geist in dem Masse gefrdert, wie unsere materielle Wolilfahrt durch sie gehoben worden ist? Die Frage muss leider verneint werden. Der geistige Gewinn bleibt weit, weit liinter dem materiellen zurck. Es wtn-de nicht schwer fallen, diese Behauptung nach allen Seiten hin zu begrnden und durchzufhren. Fr unsere Zwecke gengt es hier, sie dm-ch einige in die Augen fallende Beispiele zu sttzen. Man denke an die vielen, weitreichenden Entdeckungen auf dem Gebiete der Elektricitt und an den sich jedem Fachmann auf- drngenden Mangel einer Theorie, sie m'schlich zusammen zu fassen. Man bcke sich um in der Chemie, welche fast tglich Stoife entdeckt, die fi- unsere Kultur in mannigfachster Beziehung von ganz hervorragender Be- deutung sind, und man beachte dabei die scliwachen, hinflligen Sulen des theoretischen Lehrgebudes, welche die Wucht des vorliegenden emp'ischen Materials tragen sollen. Man berzeuge sich von der Reichhaltigkeit unserer- heutigen Heilmittel und deren ben-asch ender Wirkung, und frage nach dem Wie des Zustandekom- mens der ungealinten Erfolge. Man betrachte die inter- essanten Produkte der Tier- und Pflanzenzucht und be- merke, wie wenig noch der darwinistische Gedanke, vor allem bei dem Systematiker, Eingang gefunden hat! Mit Recht erwecken die uneiwarteten Aufschlsse der Spektralanalyse, welche ihre Macht auf die Sternenwelt wie auf den Mikiokosmus ausdehnt, das grsste Staunen. Die Vorgnge jedocli, welche die charakteristischen Licht- phnomene, die verschiederartigen Spektren erzeugen, ob \'on Dr. Eugen Dreher, weil. Die grossartigen emiiirischen Eriungenschaften, welche die Naturwissenschaft fast" in allen ihren Zweigen in den letzten Decennien aufzuweisen hat, Erfolge von derartiger Tragweite, dass unser ganzes Kulturlelien dadurch eine wesentliche Frderung und Hebung eifahren hat, legen dem besonnenen Denkei- um so mehr die Pflicht auf, zu fragen: ob auch der liierdurch erworbene rein geistige Gewinn diesen glnzenden usseren Vorteilen eutsiiricht. Dass die Naturwissenschaften als ihre Hauptaufgabe die Klrung des LTteils, die Herausbildung des Verstandes, die Erweiterung unserer Erkenntnis, die Befreiung vom Aberglauben und von den mit uns nur zu oft verwachseneu Vorurteilen zu betrachten haben, wozu .sich noch das Erwecken der Lust zu einem sinnigen und gemtsvollen Vertiefen in die Wunder der Schpfung gesellt, unterliegt fr denjenigen keinem Zweifel, welcher das Streben nach dem Ideal als die hchste Aufgabe des Lebens erachtet. Dass aber diese rein ideale Besti-ebung uns nicht der Wirklichkeit entfremdet, sondern vielmehr darauf hinweist: wie auch die ussere Seite des Lebens an- genehm und vorteilhaft zu gestalten ist, die wir wegen ihrer (Quellen reichhaltigen Genusses und wegen ihrer Rckwirkung auf unseren Geist nicht unterschtzen difen, leuchtet jedem ein, der nicht, in blder Einseitig- keit befangen, berall diejenigen Gi'enzlinien schaut, die er sich seiner Bequemlichkeit halber selbst gezogen hat. *) In dem obigen Artikel kmpft \'ert'a.sser gegen einige all- gemein angenommene Principien der Naturwissenschaft ; wir glauben aber der ehrlich gemeinten Kritik so lange sie rein sachlich bleibt unsere .Spalten nicht verschliesseii zu drfen. lied. 74 Natui-wissenschaftliche VVocliensclirift. Nr. 10. atomistische, ob molekulare Prozesse sie bedingen, sind in Dunkel gehllt. Fragen wir jetzt nach dem Grundi^ fr die That- sache: dass die Praxis der Tlieorie so unverhltnismssig voiausgeeilt ist, so knnte es auf den ersten Blick scheinen, dass dies seine volle Begrndung in dem Wesen der Forschung finde, insofern der Foischer angewiesen ist, der Natur ihre Gesetze abzusphen und abzulauschen, was nur langsam und mhevoll geschieht, und den ge- fundenen Thatsachen gemss s'eine Hypothesen und Theorien aufzustellen, und nicht, wie viele Naturphilo- sophen bedauerlicher Weise gethan haben und noch thun: Gesetze. Phnomene und das ihnen zu Grunde liegende Weltprinzip zu erdichten, wo es sich um die heiligsten Fragen handelt. Wie sehr diese in der Philosophie hufige Entweihung der Wissenschaft : vor- zugeben, das Rtsel des Daseins g^j^st zu haben, die nur aus grsster Selbsttuschung oder aus uiederera Egoismus fliessen kann, den Fortschiitt der Wissenschaft nicht nur hindert, sondern auch demoralisierend wirkt, ist leicht zu beweisen. Dass in der angefhrten Entschuldigung der Thai- sache, dass die Theoi'ie der Praxis nachhinkt" ein gut Teil Wahrheit liegt, kann niemand in Abrede ^stellen, der auch niu' eine Ahnung von dem beiaus reichhaltigen widerstrebenden Stoff hat, welchen der Forseher urschlicl; verknpfen soll, und der die Schvvieiigkpit zu wrdigen weiss, befriedigende, zeitgemss erschpfende Erklrungen fr Naturerscheinungen auszusinnen. Sehr wrde man jedoch irren, wollte man diesem Umstnde allein die Ungleichheit des praktischen und theoretischen Fort- schiittes beimessen. Ein viel mehr Aussehlag gebender Grund, warum die Praxis der Theorie vorausgeeilt ist, hegt zweifelsohne in dem geringen wissenschaft- lichen Idealismus unserer Zeitrichtung, die in wissen- schaftliclier Beziehung den usseren Erfolgen den Vorzug vor den Innern einrumt und im mhelosen Fluge die geistigen Gter als nicht gerade zu entbehrendes Bi'i- werk zu erhaschen whut. Dass unserer Zeit der Schwung dei- wissenschaftlichen Geistesbewegung fehlt, die, Ende des vorigen Jaliriuinderts mit veralteten Traditionen brechend, eine der Vernunft entspringende moralische Weltordnung zu grnden traclitete, kann nicht geleugnet werden; und der Umstand, dass dieser hohe Ideenflug, den an ihn gericliteten Anforderungen nicht gewachsen, in den seichten Materialismus umschlug und so den Stoff statt des Geistes zum Trger der Weitordnung ei'hob, kann mit zur Entschuldigung dienen, dass unsere Zeitrichtung mit wenig Zutrauen dem Idealismus ent- gegen kommt. Die Tliatsache ferner, welche namentlich fr- unser Vaterland gilt: dass der blosse Idealismus dem Volksbewusstsein entfremdet ist, indem er uns von den durch Geburt und ^^aterland zunchst Stehenden mehr als thunlich isoliert, insofei'n er die Ideenwelt als das einzig Schtzenswerte vorspiegelt, kann gleichfalls mit zur Recht- fertigung unserer Zeitlichtung angefhrt werden. Was aber an vllige)' Reclitfertigung noch fehlt, muss den Irrtmern und der in mancher Beziehung oberflclilichen und denktrgen Richtung unserer Zeit zugeschrieben werden, die gern anerkannten Autoritten ohne Vor- behalt glaubt, um sie!) die M])e zu spaien, selbst prfen und urteilen zu mssen, die den Eiwob idealer Gter vernachlssigt, um dem materiellen um so besse)' nach- jagen zu knnen. Sehr zutreffend sagt E. du Bois-Rey]i)ond in seinem Vortrage: Kultui'geschichte und Natuiwissenschaft", wo ei' von der in Ame]ika horschenden enghei'zigen Ntz- lichkeitslehre spricht: Aber wie? Sehen wi)' nicht, indem wir ber amoikanische Kultur uns eiheben, den Sytlitter in unseres Binders Auge, und \\-eiden nicht gewahr des Balkens in unserem Auge? Wie steht es mit dem Widerstnde, den die im Vergleich zur ameri- kanischen so alt gesiche)te, so fest gegrndete deutsche Kultu)' jenen bediolilichen Stiebungen entgegensetzt? Wollen wir uns nicht einer der neuerlich bei uns beliebt gewoi'denen Selbsttuschungen hingeben, so mssen wir gestehen, dass wir in der Ameiikanisierung schon be- unruhigende Fortschritte gemacht haben. U. s. w." Es soll in der folgenden N)'. der NatuiAv. Wochenschr. meine Aufgabe sein: die nicht gengende Grndlichkeit unserer modernen wissenschafthchen Rich'.ung an einigen Fllen, die zu den hervorragendsten gehren, eingehend nachzuweisen. (Schluss folgt.) Ueber Stigmaria. V"on Dr. Henry P o t o n i e. Unsere liycopodiaceen, Brlappgewchse, sind kleine ' alles nur kleine Gewchse Pflanzen. Die meisten Arten dauern zwar mit ihren obei'ii'dischen Organen aus, erreichen aber niemals auch nur annhiernd die Grsse von Bumen; in den Tropen knnen sie mehrere Fuss hoch werden, unsere ein- heimischen Arten jedoch erheben sich nicht weit ber den Erdboden, auf welchem .sie meist als Schlangen- moos" weit hinkriechen. Ihnen nahe verwandt sind die Psilotaceen, seltene Gewchse der Tropen, die Selaginella- ceen und die hufig unter Wassei' lebenden Isoetaceen: Diese vier Familien fasst man als Lycopodineen zusammen, da sie sich von den anderen Pteiidophyten (Farugevvchsen im weitesten Sinne) durch besondere gemeinsame Merkmale wohl abgliedern. Ihre Laulibltter sind einfach; die Sporenbehlter sitzen meist einzeln auf der Obeiseite oder in den Winkeln von Blttein, und die Wurzeln sind gabelig verzweigt. Diese chaiakteristisclien Meikmale besitzen auch jene baumfrmigen Pteiidophyten der Vorwelt, besondei's der Steinkohlenzeit, welche namentlich die Gattungen Lepi- Nr. 10. Natuiwissenschaltliclie Woclienschrift. 75 dodendron und Sii^illaria bilden. Die meisten Autoren rech- nen denn aueli diese schon so Vduge vom p]idboden verscliwundenen und uns nur in i-n ;prenkelt. der Rcken dunkel grn- schillernd. Zugleich nahm die Ente die (.Tewo!uilieiteii eines Enterichs sogar den brigen Enten gegenber an Die Sektion ergab eine starke Verkrzung und Vi-rknimerung des Eileiters. Der Eierst'jck war zu einem 15 mm langi'ii und 4 mm breiten Krper am oberen Rande der Niere gewoidi-n; er bestand in seiner Hauptsache aii.s dichtem Bindegewebe, E Zellen waren ni<-ht mehr vorhanden. Der Eierstock konnte also knine Eier mehr erzeugen und die Hahnen- fedrigkeit'" hngt hier demnach mit der bei liohem Alter eingetretenen Unfruchtbarkeit der Ente zusanunen Dieser Fall erinnert an die Wirkungen der Kastration, bei der ebenfalls eine Vernderung des einen Geschlechts nach dem anderen hin stattfindet. Ancli bei Krabben, deren innere Geschlechtsorgane durch die Einwirkung V(m Schmarotzerkrebsen (Bopyrus u. a.) eine Rckliildung erfahren, nhern sich infolgedessen die Weibchen in ihrer usseren Gest:ilinng de Mnnchen und umgekehrt. Das- selbe findet bei manchen Erdbienen (Andrena) statt, die von Stvlops befallen werden. A Giard, der die letzterwhnten Erscheinnngen beschreibt, be- zeichnet dieselben als paras'tilre Kastration". Darwin behauptete das Vorbandensein laienrer Gesehlecl tscharaktere". Danach wrden beim Mnnchen die weililiclien, beim Weibchen die mnnlichen Charaktere latent vorhamlen sein, und diese latenten Geschlechts- charaktere knnen erst dann zur Au-bildung gelangen, wenn die eigentliche vorherrschende Gesclileehtsfnnktion des betreffenden Tieres aus irgend einem Grunde erloschen ist; bei der erwhnten Ente wrde dies mit der Entartung des Eierstocks infolge des Alters eingetreten sein. Dass aber auch die Hahnenfedrigkeit bei jungen, eierlegenden Vgeln vorhanden sein kann, lehrt z B. die in der Zeitsi'hrift Der zoologi.sche Garten" (.Talirg. VIJ. S IfjT) beschriebene und abgebil- dete Henne sowie die weiteren Notizen ber hnliche Vorkommnisse in Bd. IX, S. 94 und Bd. X, S. 63 und 9(1. Lathraea squamaria und Bartsia alpina sind keine fleischfressende" Pflanzen. A. Kerner und lt. Wettsteiu glaubten in einer in den .Siizung^beriiliien der Wiener k k. Aka- demie der Wissenscliafren (Die rhizoiKjdoiden Verdauungsorgane tier- fangender l'fianzen) nachgewiesen zu hahen. dass die in der Ueber- schrift genannten i'flanzenanen Tiere fangen und verdauen. Lathraea sqnaniaria, die Scliuppeiiwurz, blht von Mrz bis Mai und ist, wenn auch nicht gerade hufig, so doch auch nicht selten in ganz Deutschland anzutretieii und in Europa weit ver- breitet. Man sieht der l'tiauze sogleich an, dass sie zu den Schma- rotzern gehrt, da ihr ein Kohlensure- Assimilations-Apparafc, nm- lich grne Laubbltter vollstndig fehlen, und mau kann sich leicht berzeugen, dass sie in der That mit Baumwurzelu, vorzugsweise mit denen des Haselstrauches in organischer Verbindung steht. Ausser einer Aufnahme von Nahrung durch die Wurzeln nimmt nun die Lathraea nach den beiden genannten Autoren organische Nahrung durch Tierfang, welchen die dickfieischigen, .schuppigen Bltter des Uhizoms be.sorgen, zu sich. Die Rhizomschuppen werden nmlich (vergl. die Figur auf Seite 15 Bd. I der N. W.) von 513 in der Lngsrichtung des Blattes verlaufende, lngliche Kammern durch- zogen, welche am Grunde, an der Rckenseite der Schuppen Bin- gangsffnungen fr den Eintritt kleinerer Tiere, vorwaltend Infu- sorien, besitzen. Sobald ein Tierchen in die Kammer gelangt ist, soll dasselbe (hnlich wie die Pseudopodien der Rhizopoden ihre Beute festhalten) von l'rotoplasmafden, die von besonderen Drsen ausgehen, umklammert und am Entschlpfen verhindert werden. Die Eiweissteile sollen verdaut und nur z. B. Chitinsubstanzen zurck- gelassen werden. A. Scherffel weist nun in einer krzlich erschienenen Ab- handlung, betitelt Die Drsen in den Hhlen der Rhizomschuppen Von Lathraea squamariaL." (Mitteilungen des botanischen Instituts zu Graz, Heft II), nach, dass .jene Deutung intmlich ist. Die vermeintlichen Plasmafden haben sich nmlich als Ketten von Stb- chen-Bakterien erwiesen, sodass nach Scherffel die Hohlen der Rhizomschuppen mit dem Tierfange nichts zu thun haben. Es ist hingegen eine offene Frage, ob die der Hhlenwand ansitzenden liakterien nicht irgend eine Rolle bei der Ernhrung der Lathraea spielen oder ob nicht gar ein symbiotisches Verhltnis zwischen beiden Organismen besteht. Es ist nicht so unwahrschein- lich, dass in den Hhleu Stofi'e ausgeschieden werden, die diese Bakterien veranlassen, sich hauptschlich auf den Hhleuwnden an- zusiedeln, ntid dass sie vielleicht chemische Vorgnge einleiten, aus denen die Lathraea dann Nutzen zieht. Dann nisste man die Drsen der Hhlenwand in der That nicht nur als secernierende, sondern auch als absorbierende Organe ansehen. Auch Bartsia alpina, die im arktischen Gebiete und in der Flora der Hochgebirge durch fast ganz Europa verbreitet ist und bei uns nicht selten in den hheren Regionen des Riesengebirges vorkommt, wo sie im Juni und .Tuli blht, ist nacdi Kern er und Wettstein's Darstellung dadurch besonders bemerkenswert, als sie ihre Nahrung auf viererlei Weise zu sich nimmt: nmlich durch Aufnahme von Kohlensure vermittelst der Laubbltter, ferner durch die Wurzeln, die sowohl aus der Erde als auch schmarotzend aus Pflanzen ihrer Umgebung Nhrstoffe beziehen und endlich durch Tierl'ang, Letzterer soll ebenfalls von unterirdischen Schuppen be- werkstelligt werden, welche im Herbste entstehende Sprssehen be- kleiden, die im nchsten Frhjahr zu einem oberirdischen Stengel auswachsen. Der Tierfang soll in derselben Weise von statten gehen, wie bei der Lathraea, nur werden die Schuppen nicht in ihrem Innern von Kammern durchzogen, sondern besitzen ihre rhizopoiden" Zellen an den nach rckwrts riunig zurckgebogenen beiden seitliclien Rndern. Die so entstehenden Rinnen werden von den tieferstehenden Schuppen gedeckt, sodass auch hier von oben 78 Naturwissenscliaftliche Wochenschrift. Nr. 10. Ijer zugangliehe, niorpliologisch allerdings mit denen von Lathraea nicht vergleichbare Kramerchen gebildet werden. Auf Veranlassung des Herausgebers der Mitteilungen des bo- tanischen Instituts zu Gr.iz, des krzlich verstorbenen Prof. Lei t geb. hat nun der Assistent desselben, Dr. Heinriclier, auch die Bartsia einer Nachuntersuchung unterzogen, der nunmehr ebenfalls zu dem Resultate kommt, dass die der Bartsia alpina zugeschriebene , tier- fangende" Eigenschaft in hohem Grade unwahrscheinlich ist. Es scheinen dieser Pflanze selbst die vermeintlichen rhizopoVden V'er- dauungsorgane". welche bei Lathraea also als den Drsen aufsitzende Bacterien erkannt wurden, zu fehlen. Die einzige Uebereinstimmung zwischen Lathraea und Bartsia bestellt in dem Besitz der gleichen Drsentypen auf ihrer Blattunterseite; diese tindet aber in der nahen Verwandschaft der beiden Rhinantideen. welche von Bentham als Angehrige der gleichen Gruppe, der Euphrasieae. betrachtet werden, ihre gengende Erklrung. H. P. Ueber Liebreieh's toten Raum". Auf der JWeutschen Naturforscher- Versammlung zu Herlin machte Liebreich Mitteilung von einigen Erscheinungen, fr welche er eine Erklrung gab, die, im Falle ihrer Richtigkeit, im stnde gewesen wre, eine totale Um- wlzung unserer Anschauungen ber chemische Reaktionen hervor- zurufen. Er glaubte gefunden zu haben, dass einige Reaktionen nicht vllig gleichmssig durch die ganze Reaktionsmasse hindurch verlaufen, sondern dass ein Teil der Mischung, der tote P>aum", sich der Reaktion entziehe. Den experimentellen Nachweis suchte er durch zwei Reaktionen zu fhren: a) Umsetzung von Chloral- hjdrat und Natriumcarbonat zu Chloroform und Xatriumformiat, b) Jodausseheidung durch berschssige .Todsure auf schweflige Sure. Seine Ansichten fasst er folgendermassen zusammen: 1. In Flssigkeiten wird der Raum der chemischen Reaktion durch eine reaktionslose Zone (den toten Raum) begrenzt und zwar da. wo die Flssigkeit mit der Luft in Berhrung oder von der Luft durch eine feine Membran getrennt ist, 2. In engen Rliren tritt die Reaktion langsamer ein als in weiten Rhren. 3. Kapillai-rume sind im stnde, chemische Reaktionen vollkommen aufzuheben. Nachdem v. Fuchs die betreffenden Erscheinungen ohne Ex- perimente matliPiratisch-physikalisch zu erklren versucht hatte, weist neuerdings Dr. R. G arten meister (Liebig's Annalen der Chemie, Band 245, 230) nach, dass sie sich vollkommen durch bekannte Gesetze erklren lassen, und die Hypothese Liebreieh's ber- fl.ssig sei. Gleiche Volume 20prozentige Chloralhydrat- und 14prozentige Natrinmcarbonatlo.sung wurden im verschlossenen Gla.se miteinander gemischt, dann das Reagensglas umgekehrt und stehen gelassen. Es findet eine Zerlegung des Chloralhydrats statt, gemss der Formel: 2CCI3 . CH . H2O + Na.,C03 = 2CCI3 . H + 2CHC ) . ONa -f H/i + COo. Chloralhydrat. Chloroform. Natriuniformiat. Die gebildete Kohlensure wii'd von dem berschssigen Na- triumcarbonat absorbiert, so dass keine Gasentwickelung sichtbar wird. Nach 5 Minuten beginnt die nebelartige Ausscheidung von Chloroform, Es bleiben aber die der r)berflche zunchst gelegenen Schichten (der tote Raum") zuerst vllig klar, trben sich aber allmhlig, so dass die klare Zone immer kleiner und kleiner wird und endlich dauernd verschwindet. Die Erscheinung erklrt sich folgendermassen: Die Reaktion geht allmhlig vor sich; das Chloro- form wird zuerst in der Flssigkeit gelst und scheidet sich nach vollendeter Sttigung derselben aus. In den oberste]) Schichten finden zugleich zwei physikalische Vorgnge statt: Verdunstung des Chloroforms von der Oberflche atis, und Diffusion desselben ans den tieteren nach den oberen Schichten. In letzteren tritt bei Gleichheit von Verdunstung und Neubildung des Chloroforms ein konstanter Zustand ein. .lede Schicht wird durch Diffusion um dieselbe ' 'hloroformmenge rmer, die sich durch die chemische Zer- setzung neu bildet. In den tieferen Schichten nimmt der Gehalt an Chloroform zu, bis der Sttigungsgrad erreicht ist, und dann die sichtbare Ausscheidung beginnt, und zugleich die Diffusion aufhrt. Die Hhe der klar bleibenden .Schicht wird kleiner mit der Abnahme der in der Zeiteinheit gebildeten (.'hloroformmenge und mit der Ab- nahme der Verdunstung zu der Obeiiiche. Ist die ber dem Ge- menge befindliche Luftschicht mit Chloroform gesttigt, so hrt die Verdunstung desselben auf. statt dessen findet seine Ausscheidung in der bis dahin klar gebliebenen Schicht statt; es ist dann die Flssigkeit glei<-hmssig getrbt. Feine Membranen heben die Verdunstung nicht auf; daher findet die Bildung von Liebreieh's totem Raum auch in diesem Falle statt. Dass in der That im toten Raum Chloroformbildung stattfindet, weist Gartennieister in der Weise nacli, d.ass er die verdnnten Losungen in einer Hhe von 2 nini in ein weites Gefss mit ebenem Boden bringt und das Gettlss versehliesst. Die Flssig- keit bleibt vllig und dauernd klar, whrend die ( 'h'oroformbildung sich unzweifelhaft an dem Geruch kenntlich niai'ht. Auch in Kapillarnihren konnte G artenmeister die Chloroform- bildung unter dem Mikroskop au dem .auftreten von Trpfchen erkennen. Aehnlich wie bei der Chloroformbildung erwiesen sich die Ver- hltnisse bei der Reaktion von .lodsure auf schweflige Sure. .\uch hier knnen die von Liebreich zur Begrndung seiner Hypothese geltend gemachten Erscheinungen mit Hilfe bekannter physikalischer Gesetze erklrt werden, so dass die Hypothese vom toten Raum" als abgethan angesehen werden Kann. Dr. M. Bragard, Assistent am chemischen Laboratorium der Kgl. Bergakademie zu Berlin. Diamant in einem Meteorstein. In den Verhandlungen der Russischen Kaiserl. .Alineralog Gesellschaft verft'ent liehen M. Jetofe.jeff und P, Latschinoff eine Arbeit ber den im .Sep- tember 1886 bei Nowo-Urei, Gouv, Pensa in Russland, gefallenen Meteorstein, der ausserordentliches Interesse wegen seines Gehaltes an Diamant beansprucht. Der Stein, etwa 190U g schwer, besteht zum grsseren Teil aus Olivin; geringer treten Augit und Nickel- eisen auf und 2,26 Prozent betrgt der Gehalt an Kohlenstoff, wo- von 1.26 Prozent auf Kohle, 1 Prozent auf Diamant kommen. Der- selbe tritt in Form von sogenanntem Carbonat auf, d. h. nicht in Krystallen, sondern in derben, schwrzliehen Krnern von rauher Oberflche. Chemische Natur (^C), specifisches Gewicht (= 3,1 im Mittel), Hrte (^ 9) und opti.sches Verhalten charakterisieren diese Krner als Diamant. Partsch und Haidinger haben 1846 in dem Meteoreisen von Arva kleine Wrfel aufgefunden, die aus graphit- artiger Substanz bestanden und ber die Gustav Rose bemerkte, dass sie vielleicht Pseudomorphosen nach Diamant seien. Neuerdings fand L. Fletscher ganz entsprechende Wrfel im Meteoreisen von Joundegin (Westaustralien), deren specifisches Gewicht = 2,12, deren Hrte = 2,5 sie vom Graphit .scheiden. Er nannte den Stoff Cliftonit, eine regulre Form des Graphitkohlenstoffes. Diese Funde gewinnen nun neues Interes.se. Wir wissen, dass Diamant bei starker Er- hitzung und unter Luftabschluss in Graphit bergeht. Es liegt sehr nahe, in den Wrfeln graphitischer Natur umgewandelten Diamant zu sehen. Dr. R. Scheibe. Astronomischer Kalender. Am 3. ,Iuni Sonnenaufgang 3 Uhr 43 Minuten, Sonnenuntergang 8 Uhr 13 Minuten; Mondauf- gang niichts 1 Uhr 42 Minuten, Untergang mittags 1 Uhr 27 Mi- nuten. Am 9. .Juni Sonnenaufgang 3 Uhr 40 Minuten, Untergang 8 Uhr 18 Minuten; Mondanfgang vormittags 3 Uhr 53 Minuten. Unter- gang nachmittags 7 Uhr 55 Minuten. Um die brgerliche Zeit aus der wahren Sonnenzeit zu erhalten, muss man von letzterer abziehen am 3. .Juni 2 Minuten 3 Sekunden, am 9. .Tuni Minuten 57 Se- kimden. Am 9. .luni 5 Uhr 28 Minuten nachmittags Neumond. Dr. F. Plato. Fragen und Antworten. loh erbitte eine Vorschrift zur Dngung von Zimmer- und Gartenpflanzen. Die I'hario. Zeit." vom 26. Mrz 1887 giebt die folgende Vorschrift. Man nehme 40 Teile Ammonium nitricum = NHjNO,, 20 phosphoricum = (NH4)3 PO4 25 Kali nitricum ^ KNO3 5 Ammonium chloratum = NH4CI 6 Calcium sulfuricum = -'aS04 4 Ferrum sulfuricum = FeS04 oder: 5 Kali nitricum = KNOg 5 Calcium carbonioum = CaCOg 5 Natrium chloratum = Na Ol 5 Calcium phosphoricum = Ca3(P04)2 5 Natrium silieum = Na2Sir)3 1,5 Ferrum sulfuricum = FeS04, Die einzelnen Prparate werden als grobe Pulver mit einander gemischt. Auf eine Giesskanne von etwa 5 Liter Inhalt beinitzt man einen Theeltt'el voll und begiesst die Blumentpfe etwa 2 3 Mal wchentlich mit der Lsuns-. Litteratur. Engler undPrantl: Die natrlichen Pflanzenfamilien. Verlag von Wilhelm Engelmann in Leipzig. Bis jetzt 18 Liefe- rungen. 1887 1888 ii 1,50 ^li als .Subskriptionspreis und 3 ..H als Einzelpreis. Dieses ausgezeichnete Werk mit seinen zahlreichen, trefflichen Abbildungen (von denen die Figuren 2 und 4 in dieser Nummer der Naturw. Wochenschr." I'roben geben) soll etwa 300 330 Bogen Nr. 10. Naturwissenschaftliche Woclienschrift. 79 in IjcxikDii S" iuisniachiMi, vdii dcMU'ii J;ilirHch i'twa M liogen in Lit't'eruiisi'" ^'"" '^ Bogen ersclieinen. Dil' Hfliandlmig der einzelnen Faniilini erfolgt im wesentlichen nach folgender Vorlage; 1. Wichtigste Litteraturangaben. 2. Merknulle jeder Familie in knapper Form und allgemeinverstnd- licher Darstellung. 3. Hesprcchung der Vegetationsorgane mit llcksicht auf die Existenz- bedingungen. Hervorhebung besonders wichtiger anatomischer N'erhltnisse. 4. Jiesprechung der HltenverhUltnisse mit Rcksicht auf Fjntwicke- lung und Hcstuhungseinrichtungen. 5. ISesprechung von Frucht und .Samen mit llcksicht auf Ent- wickelung und namentlich auf \'erbreitungsmittel. ti. (ieographi.sche Verbreitung. 7. Kurze Errterungen ber die verwandtschaftlichen Beziehungen der F'amilie. 8. Einteilung der Familie in Unterfamilien, (irup|)en und Gattungen. 9. Anfhrung aller bekannten Gattungen, zwar ohne Diagnosen, aber mit kurzer Angabe der wirklich unterscheidenden Merkmale, Sowie des Vorkommens und der Artenzahl. 10. Anfhrung der Arten, welche an der Vegetationsdecke der Erde hervorragenden Anteil nehmen, der Nutzpflanzen und schd- lichen Arten. 11. Ausfhrliche Besprechung der Nutzpflanzen und ihrer l'rodukte, sowie der besonders schdlichen Arten. Die Reihenfolge der I'flanzenabteilungen geschieht nach dem von Engler in einigen Punkten zeitgemiiss umgestalteten natrlichen System, welches wir hier in seinen grosseren Abteilungen anfhren; I.Abteilung. i\l ycetozoa. Klassen: Acrasiei. Myxogasteres, Phytomyxini. 11. Abteilung. Thallophyta. i. Unterabteilung Schizophyta. 2. Unterabteilung Algae. Klassen: Bacillariaceae ([>iatoma'-eae), t'hlorophyceae inkl. Characeae, I'haeophyceae, Rhodophyceae (Florideae). 3. Unterabteilung. Fungi. Klassen ; l'hycomycetes. Ustilaginei, Ascomycetes (inkl Lichenes z. T.), Uredinei, Basidioraycetes (inkl. Lichenes z T ). in. Abteilung. Embryophyta zoidiogaraa (Archegoniatae). 1. Unterabteihmg. Bryophyta (Muscinei). Klassen; Heparicae. Miisci foliosi. 2. l'nterabteilung. Treridophyta. Klasse: Filicinae. Unterklassen: Filicinae isosporae und Filicinae heterosporeae (Hydrupterides). Equisetinae. l'nterklassen: Equisetinae isosporae und hetero- sporae (letztere fos-^il). .Sphenophyllinae (fossil). Lycopndinae. Unterklassen: Lycopodinae isosporae und heterosporae IV. Abteilung. Embryophyta s ipli onogama. 1. l'nterabtei- lung. Gymnospermae Klassen; Cycadinae, CordaVtinae (fossil), lloniferinae. Gnetah'.s. 2. Unterabteilung. Angiospermae. Klasse : Monocotyledoneae. Dicotyledoneae. 1. Unterklasse: Arehichlamydeae. 2. Unter- klasse; Sympetalae Besonders wichtig erscheint die Teilung der Arbeit unter be- Avhrte Systematiker. von denen die meisten monographisch gearbeitet haben; es kann somit vieles zuverl.ssiger geboten werden, als z. B. in der von einem einzigen wenn auch sehr tchtigen Autor bearbeiteten, prchtig illustrierten Histoire des plantes des uner- mdlichen Baillon. Uass andererseits aus diesein (Trunde der Gegen- stand in den natrlichen l'tlanzenfamilien im (iegensatz zu der Histoire des i)hintes eine ungleichmssigere Hearbeitung findet, ist erklrlich aber nur von untergeordneter Jiedeutung Es drfte geboten sein, eine Uebersicht von dem zu geben, was bis jetzt erschienen ist: 'An Ende gebra<-ht sind die Familien der Juncaceen (durch Buchenau). Stemonaceen. Liliaceen. Flagellariaceen , Mayacaceen, Xyridaceen. Rapateaceen. Tyjihaceen. Sauiurai-een, Piperaceeii, ('hlo- ranthaceen. Ijacistemaceen, (.'asuarinaceen, .Inglandaceen. Myrica<'een, Leitneriaceen. t'eratophyllaceen, Lactoridaceen, Philydiaceen. Ulmaceen (durch Enirler). Cycadaceen, Coniteven und Gnetaceen (durch Eichler). Palmen und Cyclanthaceen (durch IJiude). Haeinidoraceen, Amarj'Ili- d: ceen, \'i-lloziaceen, Tarcaceen, Dioscoreaceen. Salicaceen, Cyperaceen. Iridaceeii (durch Pax), Restionaccen. rVntro|c]iidaceen, F^riocaulaceen (durch Hieronynuis). P.andanacecu (diiich H. (irafi-n .Sohns), Betula- ceen, Magnoliaceen, Trochodendraceen. Myristicaceen, Fagaceen (durch l'rantl). Nymphaeacecn (durch Caspary), (iraniineen (durch Hackel). Bromeliaceen (durch Wittniack). Coinmelinaceen u. Pontederiaceen (durch .Schnland). Angefangen sind die F""amilien der Araceen, Sparganiaceen, Moraceen (durch Engler), Ranuuculaceeu (durch Prantl). Ausserdem bieten uns die bisher erschienenen Lieferungen zwei Abschnitte allgemeineren Inhaltes aus der Feiler Engler's, ber- schrieben: Embryophyta siplioiHjgaina" (das sind also die l'hanero- gamen) und Angiospermae. In dein erstg'enannten Abschnitt bietet der Verfasser auch einen IJeberhlick des von ihm angewandten Systemes bezglich der grosseren Abteilungen, welches wir oben zum Abdruck gebracht haben. Die Autoren und die Verlagshandlung halten wie das bri- gens bei dem guten Klange der Namen derselben nur erwartet worden ist voll, was sie versprochen haben. Es wird immer mehr zur Gewissheit, dass die natrlichen Ptlanzenfamilieu ein unentbehrliches Handbuch der systematischen Botanik zu werden bestimmt sind, H. P. Bock, C. E., Hand-AflaH der Anatomie der Menschen. 7. Aufl. umgearb u. hrsg. v. A. Brass. 4 Lfg. 4". (M 8 Taf.) Preis pro Lief. 3 JC. Renger'.sche Buchh. (( tebbardt & Wilisch) in Leipzig. Claus, C, Lamarck als Begrnder der Descendenzlehre. Vortrag, gr, S". (35 S.) Preis 1 'JC Alfred Holder in Wien. Gramer, C, Ueher die rerficiUierten Siphoneen besonders Neomeris und Ct/mnpolia. (Separat-Abdr.) 4". (M. 5 Taf.) Preis 4 v^fC. H. (ieiirg, Verlag in Basel. Daniel, H. A., Leitfaden fr den Unterricht in der Geoc/raphie. 1(56. Au., hrsg. v. B. Volz. Preis 8(t ,j. Einhd. 20.^.' Buch- handlung d. Waisenhauses, \^erl.-t 'to. in Halle. Dietlein, W., i)(e Prorinz Sachsen in yeschichfUchen u. geogra- phischen Bildern, gr. 8". Preis 40 ..j; als Anh. zum vaterlnd. Lesebuch v. Keck u. .lohansen. Preis 25 .?. Ruohhdlg. d. Waisen- hauses in Halle a .S. Fol, H.. et E. Sarasin, Penetration de la lumiere du jour dans les eaux du lac de. Geneve et des Celles de la Mediterranec. 4". (M. 1 Taf.) Preis 1 JC m 4. H. (ieorg, Verlag in Basel. Frh, J. J., Beitrge zur Kenntnis der Nagelfluh der Schweiz. 4". (Jil. 4 Taf.) Preis 8 JC. H. <4eorg. Verlag in Basel. Hartmann, E. v., Moderne Probleme. 2. Aufl. gr. 8". Preis 5 JL Wilhelm Friedrich, K. R Hofbuchh. in Leipzig. Hartmann, Die Chemie fr ttik und specielh'n Pllanzenmorph(dogie. Hofmeister; Allgemeine Morphologie der (iewchse. A. St. Hilaire: Morpliologie vegetale. Potonii-: Elemetite der Botanik" und Illustrierte Flora von Nord- und Mitteldeutschland". 3. Fr anatomische Untersuchungen bestimmte Pflanzenobjekte bewahrt man in Alkohol auf. K. Preise, Stettin. Die von uns eingefhrte Verpackung der Nummern ist rallen sie zurck und zittern. Dieser zitternden Beivegung geben wir den Namen Wrme." John Tyndall bersieht zunchst hiei', dass Atome unserei' modernen Theorie zufolge sich wegen der ihnen innewohnenden abstossenden Kraft gar nicht berhren knnen, dass ferner Atome, falls sie aufeinandei' prallen" knnten, mit einer unendlich grossen Kraft aneinander gekettet sein wrden, mit einer Kraft, die keine Aethei- welle, kein physikalisches noch chemisches Agens zu berwinden vermag. Derartige Atomgruppen wrden Nr. 11. Naturwissenscliaftliclie Wochensclirift. 85 gewissermassen als absolut unteilbar neue Atome bilden. Ferner ist es doch widersinnig, ron elastischen Atomen m sprechm. da ilif Ehmfidft auf der Mui/Iicli- keit der Versdiwhung ron Masseni eilchen beruJtt. Mit en Rechte knnte man von ciiwr Zetstihdnmc] drr Atome lt. *. w. reden, iras nicht minder gec/en den Begriff der Atome Verstssen, als denselben Elasticitt zuziisjn-echen. Derartige Behauptungen streiten nicht nur gegen das Gesetz der Undurchdj-ingliclikeit der Materie, sondern entziehen auch der ganzen exakten Naturwissenschaft" ihren Boden. Sie tragen nicht zur Aufklrung des Geistes bei, die ich als wesentlichstes Merkmal aller Naturwissenschaft erachte. Deswegen will ich es nicht unterlassen, hier zu erwhnen, dass sich in dem bekannten Werke: ,, Ausfhrliches liehrbuch der anoi'ganischen Chemie von Dr. A. Michaelis, auf Grund von Otto's aus- fhrlichem Lehrbuch der Chemie neu bearbeitet, fnfte umgearbeitete Auflage" (Braunschweig. Vieweg & Sohn.) Seite 62 nachfolgende Stelle findet: Wir heben hier ausdrcklich hervor, dass diejenigen Atome, welche die Chemie annimmt, noch die allgemeinen Eigenschaften der Materie vor allem Raumerfllung, Zusammendrckbarkeit und Ausdehnbarkeit be- sitzen. Absolut harte Atome sind ein Unding, da zwischen diesen jede Wechselwirkung unmglich ist." Der Verfasser ahnt nicht: wie unvertrglich Raum- eifllung (Undurchdringlichkeit) mit Zusammendrckbar- keit und Ausdehnbarkeit Ist. Atome sind als die Elementarbestandteile dei' Krper stets als Kraftcentren zu erachten, whrend Molekle u. s. w. ihrer zusammen- gesetzten Beschaffenheit wegen als Kraftsysteme auf- gefasst werden mssen. Dass John Tyndall die Wrme fr eine ato- mistische, statt fr eine molekulare Bewegung erachtet, fllt zu wenig den angefhrten Unrichtigkeiten gegenber ins Gewicht, als dass es hier Beachtung ver- diente, wo vorher schon von der Wrme als Molekular- bewegung gesprochen wurde. Das Angefhlte mag einen Beweis dafr liefern: wie hchst erforderlich es ist, dass der Schlei- nicht bloss lernt, was in anerkannten Bchern steht, sondern dass er bestndig selbei' prft und urteilt. Jeder von uns ist und bleibt aber Schler", wie dies die englische Sprache durch das Wort: scholar", welches Schler und Gelehrte)' bezeichnet, zutre'end ausdrckt. Kleinere Mitteilungen. TTeber den Krankheitskeim des gelben Fiebers und die Schutzimpfung gegen dasselbe sind in den letzten Jahren interessante Untersuchung-en angestellt worden, ber welche Kreis- physikus Dr. med. Schmitz in dem Jahrbuch der Naturwissen- schaften 18871888" wie folgt berichtet: Dr. Dumingos Freire in Rio de Janeiro machte bereits im November 1884 Mitteilungen ber einen Mikro-Organismus, welchen er sowohl in den Organen als auch in den erbrocheneii Massen der am ffelben Fieber erkrankten Personen aufgefunden hatte und welchen r als den Ki-ankheitserreger dieser so gefithrlichen Krankheit er- achtete. Seine Entdeckungen begegneten mannigfaltigen Anzweife- lungen sowohl seitens europischer als brasilianischer Aerzte. Neuer- dings legte derselbe die weiteren Ergebnisse seiner Forschung der franzsischen Akademie vor. welche folgende sind: Untersucht man mikroskopisch das Blut eines im letzten Stadium des Gelben Fiebers belindliclien Kranken, so erkennt man zwischen den Blutkrperchen eine grosse Menge sehr feiner, glnzender, lie- weglicher Mikrokokken; dieselben Mikro-Organismen findet man in der Magenschleimhaut, sowie in den erbrochenen schwarzen Massen der Erkrankten. Entnimmt man mittels einer sterilisierten Pipette eine kleine Menge Blut aus dem Herzen eines am Gelben Fieber Gestorbenen und bringt dasselbe in ein mit sterilisierter Bouillon heschicktes Kulturglas, so findet man, dass die Kultiirflssigkeit sich innerhalb der nchsten Tage immer mehr trbt, whrenddessen sich die Blutkrperchen zu Boden des Glases setzen. Spterhin bildet sich dann eine anfangs kitsig aussehende, hernach dunkel ge- frbte Substanz im Kulturglase, welchem zu dieser Zeit ein eigen- tmlicher Geruch entsteigt, hnlich dem der von den Kranken er- brochenen Massen. Jfikroskopisch untersucht, enthlt die Kulturflssigkeit eine Menge Mikrokokken vnn gleicher Art, wie sie im Blute der Er- krankten vorkommen. Ideselben hngen aneinander und bilden lange, bewegliche, immer wechselnde Ketten. Bringt man von dieser Masse in eine gute Nhrflssigkeit, so geht die Entwickelung des likro- kokkus in Kolonien vnr sich, welche von Anilinfarben leicht gefrbt werden. In Gelatine wach.sen die Mikro-Organisnien in Nagelform, unter allmhlicher Verflssigung drs Nhrbodens. Die chemische I ntersuchung der dunkel gefrbten Massen, welche sich auf dem Boden des Kulturglases abgesetzt haben, zeigt, da.ss diese Pt omaine enthalten von gleicher Art, wie sie sich in den erbrochenen Massen vorfinden. Es lsst sich das Gelbe Fieber auf Tiere Kaninchen, Meer- schweinchen. Vgel durch Injektion sowohl mit den erbrochenen Massen, als auch mit Kulturtlssigkeit bertragen." Zu gleichem Ergebnisse gelangten Rang^, Finlay tmd Mnzel. Bemerkenswert ist, dass die Giftigkeit der Kulturflssig- keit nur 8 10 Tage andauert. Wenn man mit einer lteren Kulturflssigkeit Tiere impft, so gehen dieselben nicht zu Grunde, sondern erlangen umgekehrt eine Sc hu tz kraft gegen das G elbe Fieber, so dass eine Impfung mit unter sonstigen Verhltnissen sicher wirkender Kulturflssigkeit wirkungslos bleibt. Die Heftigkeit der Wirkung der Kultui-flssigkeit nimmt mit dem zunehmenden Alter derselben ab. Demnach hat man es in der Hand, sich einen Impfstoff gegen das Gelbe Fieber zu bereiten, dessen Ein- impfung gefahrlos bleibt und den Geimpften gegen die Krankheit immun macht." Das gew(mnene Resultat hat Freire in der Art verwertet, dass er von Januar 1885 bis September 1886 in Rio de Janeiro 4949 Brasilianer und 1575 Auslnder impfte. Von den Geimpften ver- starben seitdem acht Personen an Gelbfieber (0,12%), Von den nicht Geimpften, deren Zahl auf 160,000 geschtzt wird, welche unter gleichen Verhltnissen und an denselben Orten lebten, gingen innerhalb desselben Zeitraumes 1675 Personen am Gelben Fieber zu Grunde (1,05%). Aus den angefhrten Zahlen lsst sich folgern, dass die Wirksamkeit der Impfiuig ber allen Zweifel erhaben sein drfte. Freire machte auf dem im September 1887 zu Washington abgehaltenen internationalen Kongresse noch folgende Einzelheiten ber seine Entdeckungen bekannt: Die speeifische Mikrobe des (reiben Fiebers ist das Am a ri 1 hi s- Bakterium von 1 IV/^ (1 /./ = 0,001 m) Lnge. Dasselbefindet sich in einer einzelligen Form, anfangs als kleiner runder Punkt beginnend, vor und ist bei einer Vergrsserung von 700 linear knura zu erkennen. Die Punkte vergrssern sich ganz allmhlich und brechen stark das Licht. Die Zellen haben sphrische Gestalt, sind von einem graulichen oder schwarzen Rande umgeben und enthalten Protoplasma in ihrem Innern. Wenn die Zellen grsser geworden sind, dann platzen sie. worauf das Bakterium heraustritt. Gleich- zeitig gehen aus der Zelle zwei verschiedene Pigmente hervor, ein gelbes, welches alle KOrpergewebe des Krauken iiitiltriert und dadurch die gelbe Farbe desselben hervorruft, und ein schwarzes, welches, in den Blutstrom geleitet, zu Verstopfung der Blutkapillaren und zu Blutstauungen innerhalb der Korperorgane fhrt. Die schwarze Farbe der erbrochenen Massen rhrt von dem schwarzen Pigment her." Der Mikrokokkus des Gelben Fiebers scheint demnach ein chromogener. d. i. einen Farbstofl^ hervorbringender zu sein. Der- artiger Organismen sind bereits verschiedene bekannt und nher 86 Natunv^issenschaftliche Wochenschrift. Nr. 11. untersucht, wie z. B. der Bacillus oyanog-eiius, welcher ein blaues Pigment, und der Microcoecus prodigiusus, welcher ein rotes Pigment produziert. Freire demonstrierte auf dem Washingtoner Kongresse Prpa- rate seines Bacillus. Die Einimpfung dieses Bacillus bewirkte das Gelbe Fieber. Meerschweinchen und Kaninchen wurden dadurch in 2 10 Tagen gettet. Die Einatmung der mit dem genannten Mikro- organismus erfllten Luft hatte denselben Erfolg. Durch successive Kulturen wird der Amarillus Bacillus 'weniger giftig. Die vierte Ueberpflanzung wird von Freire in der letzten Zeit als Impfstoff benutzt. Die Kultui-flssigkeit wird in 4 8 g fassende Rhrchen gebracht, durch Hitze sterilisiert und verschlos.sen. 2 15 Tropfen, je nach dem Alter des Impflings, werden mittels einer Pravaz- .schen Spritze unter die Haut bei der Impfung injiziert. Die nach der Impfung auftretenden Symptome sind starkes Fieber, Kopfschmerz, bisweilen Erbrechen und leichte Gelbsucht; jedoch werden diese Krank- heitserscheinungen niemals gefhrlich und schwinden in 2 3 Tagen. Die Mortalitt der geimpften Personen an Gelbsucht betrug nach Freire' s Angabe 0,001 %. Die Gestorbenen seien Arme gewesen, welche unter schlechten hygieinischen Verhltnissen gelebt htten. lieber die Entstehung der Alpen. Bekanntlich sind die hchsten Gebirge der Erde, die Alpen, der Himalaya, die Anden, vor einer geologisch gesprochen kurzen Zeit entstanden (Mitte der Tertirperiode). Auch Apenninen und Pyrenen sind nur um ein weniges lter. Es wre jedoch unrichtig, hieraus den Sohluss zu ziehen, dass in den frheren Abschnitten der Erdgeschichte, der- artige hohe Gebirge gefehlt htten. Man muss vielmehr annehmen, dass zum Teil durch Verwitterung und fliessendes Wasser, zum Teil durch die Brandungswelle des vordringenden Meeres die lteren Ge- birgserliebungen wieder eingeebnet worden sind. Der Geologe vermag nun aus dem Gefge der Schichten, aus der Architektur der Erdrinde zu erkennen, wo frher Gebirge ge- standen haben. Gebirge bilden sich entweder durch Runzelung der Erdrinde, durch Faltung und Aufwlbung der Schichten, oder durch Bruch und Absenkung ausgedehnter Schollen in die Tiefe; die zwischen den Bruchfeldern stehen bleibenden Stcke werden ebenfalls als Gebirge bezeichnet. Wo nun die Schichten stark gefaltet sind, die Oberflche des Landes aber eben ist wie z. B. im sdlichen Russland oder wo gewaltige Brche durch Hhenunterschiede sich an der Oberflche nicht mehr bemerkbar machen, pflegt der Geologe das Vorhandensein eines erloschenen" Gebirges anzunehmen. Z. B. deuten die Faltungserscheinungen, die man im rheinischen Schiefer- gebirge und den angrenzenden belgischen Kohlenrevieren beobachtet, auf das Vorhandensein einer uralten GebirgsKette, die wahrschein- lich die Alpen an Hhe bertroff'en hat. Die Rinebnung ist hier durch das N'ordringen des Meeres erfolgt und die heutige Oberflchen- gestaltiing durch die Erosion des fliessenden Wassers geschaflen. Von Wichtigkeit sind nun die von mir gemachten Beobachtungen (Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft 1887, p. 239 ff. [Ueber Bau und Entstehung der Karnischen Alpen]), welche darauf hinweisen, dass schon am Ende der palozoischen Aera ein spter eingeebnetes Gebirge an der Stelle der heutigen Alpen gestanden hat. Der sdliche Teil der heutigen Ostalpen trgt das Geprge eines Schollen- oder Bruchgebirges; nun fand sich, dass die palo- zoischen Schichten der Karnischen Alpen innerhalb der von Brchen begrenzten Schollen in der mannigfachsten Weise gefaltet und ver- schoben waren. Es ist der Natur der Sache nach undenkliar, dass diese Falten gleichzeitig mit den Brchen entstanden sind, denn bei der Faltung verhlt sich die Erdrinde gleichsam elastisch, bei der Entstehung von Bruchgebirgen hingegen als starre Masse; bei der Faltung findet eine Kompression und Baumverminderung, bei Brchen und Absenkungen hingegen eine Zerrung und Raumerweiterung statt. Da nuTi heute die Brche das formgebende Element des Gebirgs- banes sind, muss die Faltung in frherer Zeit erfolgt sein. Die Altersbestimmung der Faltungsperiode ergab sich aus der Beobach- tung, dass die jngsten palozoischen Schichten (Perm) auf den Schiefern der Steinkohlenperiode ungleichfrmig (mit abweichendem Neigungswinkel) aufgelagert sind. Die Faltung und Aufrichtung des alten Gebirges, das den heutigen Alpen an Hhe wahrscheinlich gleichkam, hat also in der Zwischenzeit, im Beginn der jngsten palozoischen, der Perniperiode. stattgefunden. Aehnliche Beobach- tungen ber ungleichfrmige Auflagerung waren sihon frher in den Westalpen (Dauphine) gemacht; es ist also im hchsten G'rade wahr- scheinlich, dass die Lngserstreckung der palozoischen Alpen" mit der des heutigen Gebirges bereinstimmte. Jedoch ist der Umstand von Bedeutung, dass die Centralkette des alpinen Urgebirges sd- licher (in der Zone der heutigen Sdalpen) lag; aus den heutigen Nordalpen sind keine Anzeichen lterer Faltung bekannt. Die Beobachtung, dass die gebirgsbildende Kraft an bestimmte Regionen der Erde auf unendlich lange Zeiten hin gewissermassen gebunden ist, wurde schon in frherer Zeit gemacht, wichtig, aber leicht erklrlich, ist der Umstand, dass innerhalb dieser Regionen die Zone der strksten Faltung nicht bestndig bleibt. Denn der Teil der Erdrinde, welcher einmal durch heftigen .Seitendrurk ver- festigt und gewissermas.sen komprimiert ist, wird sich gegenber spteren Aeusserungen der gebirgsbildenden Kraft passiv verhalten. Mglicherweise liegt in diesem letzteren Umstand die Erklrung fr den abweichenden Bau der Sdalpen. Die heutigen Nord- und Centr.alalpen bilden den Typus von Faltengebirgen, die Sdalpen sind ein .Schollengebirge soweit sie noch sichtbar geblieben und so- weit sie nicht an einem kolossalen Bruch am Rande der Lombardei abgesunken sind. Hier stossen nmlich die Centralalpen (Monte Rosa-Gruppe) unvermittelt an die Ebene. Erwgt man nun, dass das Centrum der uralten Faltung eben in den Sdalpen lag, so ist die Vermutung nicht ungerechtfertigt, dass das Vorhandensein eines alten gefalteten Gebirges in der Tiefe (unter den mesozoischen Schich- ten) den abweichenden Bau der Sdzone bedingt hat. Dr. F. Frech Privatdozent in Halle. Zur Blitzableiterfrage. Gegenber der bereits seit Jahr- zehnten bestndig zunehmenden Blitzgefahr*) ist es von grsster Wich- tigkeit, nicht nur mglichst vollkommene Blitzschutz- Vorkehrungen zu treffen, sondern auch auf eine wirklich verlssliche, regelmssige Prfung derselben bedacht zu sein. Was die ersteren anbetrifft, so richtete man bisher bei der Anlage eines Blitzableiters das Haupt- augenmerk auf Dinge, die keineswegs zuerst bercksichtigt zu werden brauchen. Schon der elektrotechnische Verein zu Berlin bezeichnete in der von ihm herausgegebenen Schrift Die Blitzgefahr" die An- wendung vergoldeter, silberner oder platinierter Spitzen als keines- wegs unumgnglich notwendig zu einem ausreichenden Blitzschutz. Die gleiche Meinung vertritt jetzt in entschiedenster Weise A. Herricht in seiner Schrift Zur Blitzableiterfrage, Lbeck 1887, Selbstverlag d. Verf., Preis 60-^", indem er ausfhrt, dass eine doch keinesfalls sehr dicke Oxydschicht, welche sich an der Oberflche verzinkter, eiserner oder kupferner Spitzen bildet, nicht im stnde sei. bei dem Ausgleich der bedeutenden Spannungen der Gewitter- elektricitt eine strende Einwirkung auszuben. Viel wichtiger sei es, dafr zu sorgen, dass der Abieiter selbst in allen seinen Teilen gengend stark, leitungsfUhig und unversehrt ist, sowie dass der Uebergangswiderstand der Erdleitung, der entsteht, wenn die Elek- tricitt aus der Erdplatte in das sie umgebende, verschieden be- schaftene, insbesondere nicht immer gleich gut vom Grundwasser durchsetzte Erdreich abfliesst, ein mglichst geringer ist. Diese Widerstandsverhltnisse sind besonders einer regelmssig zu wieder- holenden, messenden Prfung zu unterziehen. Die bisherigen Prfungen, welche sich meist darauf beschrnkten, den oberirdischen Abieiter in den Stromkreis einer Batterie einzuschalten und fest- zustellen, ob danach beim Ingangsetzen der Batterie ein merklicher Strom vorhanden ist, sind durchaus ungengend. Keineswegs unter- lassen darf man es ferner, metallische Ehrenleitungen mit dem Blitz- ableiter zu verbinden. Da nmlich der Uebergangswiderstand einer Rohrenleitung auf jeden Fall geringer als der des Abieiters ist, die elektrische Entladung aber unter allen gebotenen Wegen stets den krzesten und bestleitenden whlt, so wird der Blitz von dem Ab- ieiter auf die Rhrenleitung berspringen, wenn beide nicht mit- einander verbunden sind und sei es auch nur in einem Punkte nahe bei einander liegen; die Folge davon wird die Zerstrung oder Entzndung der zwischen beiden liegenden Hindernisse sein. Als (wenigstens fr zahlreiche Flle) hchst zweckmssiges Blitzschutz- System empfiehlt der genannte Verfasser, ebenso wie in einem jngst in Magdeburg gehaltenen Vortrage Herr Dr. Assmaun, das des hollndischen Prof. Melsens, welches darin besteht, eine grosse Anzahl weniger hoher Spitzen mit zahlreichen Ableitungen und Erdleitungen zu einem -weitmaschigen Netze zu verbinden, und welches vergleichbar den stdtischen Fernsprechnetzen sein wrde, deren auf den Dchern betindliche Trger sowohl untereinander, als mit der Erde in leitender Verbindung stehen, sodass dergestalt die Fernsprechnetze als Schutzmittel gegen die Blitzgefahr gelten knnen. Dr. K. F. Jordan. Astronomisches. Astronomische Neuigkeiten. Ueber die Bestimmung der Bewegung von Sternen im Visionsradius. Im Jahre 1842 machte Doppler darauf aufmerksam, dass gleichwie die Hhe eines Tones sich ndert, wenn die Entfernung zwischen dem Beobachter und dem tnenden Krper sich mit einer im Ver- hltnis zu der des Schalls merklichen Geschwindigkeit vergrssert (jder verkleinert, so auch die Farbe eines leuchtenden Krpers sich ndern msse, sobald derselbe sich in Bezug auf den Beobachter *) Die Opfer, welche der Blitz alljhriicli an Blut und Gut fordert, sind viel betrchtlicher, als man gemeinhin annimmt. Im Knigreich Preussen werden durchschnittlich im Jahre mehr als hundert Jlenschen vom Blitze gettet, in Deutschland Brandschden im Betrage von 68 IMillionen Mark durch den lilitz hervorgerufen. Von 15 Brnden berliaupt, im Knii^reich Sachsen .aber schon .von 5 Brnden, ist einer auf Blitzschlag zurckzufhren. Nr. 11. Naturwissenschaftliclie Wocliensclii-ift. mit ciiiiT Cifscliwindigkeit bewegt, welclc in nicssl)areiii Verliilltnissft zu (lor dfs Lichtes stellt. Die.se P'arliiMiilndeniiig: macht .sich im Spcktriira des Sternes durch eine Versrliicliunjj; der SpeUtrallinieii geltend und zwar werden, wenn der Krper in der Richtung der Gesichtslinie sich vom Beobachter fortbeweg-t. Wellen grlisserer Liinse ankommen, die Spektrallinien sich nach dem weniger brech- baren Knde des Spektrums verschieben und iUinlich umgekehrt beim Khi'rknmmen des Sternes. Diese Versebiebungen bieten daher ein Bttel an die Hand, Sternbewegungen im Visiunsradius direkt zu bestimmen, wie dies schon frher von Huggins und Vogel ge- .scbelien ist. Indessen stellte sich bei den Beobachtungen derUebel- stand heraus, dass bei den geringen Geschwindigkeiten der Sterne auch die Verschiebungen so geringe sind, dass die Messungen, die ausserdem vom Zustande der Atmosphre stark beeintiu.sst werden, ausserordentlich schwierig sich gestalten. Anfang dieses .Jahres machte Professor Vogel den Versuch, die Photographie auf diese ]tsinsHBf^i^tdr:so .gilt die Gleichung: C.L . A ^ Von Dl- :M Die Metlioden, nach demn man gewhnlich das Molekulargewicht einer Substanz bestimmt, setzen vor- aus, dass dieselbe ohne Zersetzung verdampfbar sei. Hat man es nun mit einer Substanz zu thun, bei welcher dies nicht der Fall ist, so sucht man .sie zunchst in ein flchtiges Derivat flbei zufhren. Gelingt dies nicht, so bleibt ihr Molekulargewicht unbekannt, und ihre walire Formel kann nur durch das Studium \on Spaltungen und Umsetzungen wahrsclioinlich gemacht werden. Um- somehr Interesse muss daher ein Verfahren beanspruchen, welches gestattet, die Molokidargrsse nicht unzersetzt tichtiger organischer Substanzen festzustellen. Ein solches st im Jahre 1883 von Prof. Raoult angegeben und in den folgenden Jahren von ihm weiter ausgebildet worden. ..Die Raoult'sche Methode der Molekulargewiclitsbe- >timmung", .sagt Prof. V. Meyer in den Berichten der Deutsch, ehem. Gesellscl. 1888 S. 5.39, ist ohne Zweifel die bedeutungsvollste Bereicherung, welche der Vorrat an physikalischen Hilfsmittehi , ber den die chemische Forschung verfgt, seit der Entdeckung der Dulong- Petit'schen Methode der Atomgewichtsbestimmung er- fahren hat." Das Priuzip ders^lbell ist kurz etwa folgendes: Raoult hatte gefunden, dass ganz aUgemein jede Auf- losung eines festen, flssigen oder gasfmiigen Krpers eine Erniedrigung des Erstarrungspunktes des lsenden Mediums bewirkt und ferner, dass diese Depression der Menge des gelsten Stofl'es direkt, der Menge des Lsungs- mittels aber umgekehrt pr(^portional sei. Ist C die De- pression, welche P y Sub.-itanz in L (/ Lsungsmittel P. 100 Multipliziert man die Grsse A, welche Raoult Depressionscoefflcient" nennt, mit dem Molekulargewicht der gelsten Substanz, so erhlt man nach der Gleichung: M . A = T die sogenannte molekulare Depression" des betreifenden Krpers. Fr jeden Krper ndert sich der Wert von A und folglich auch von T mit der Natur des Lsungsmittels; wie aber Raoult fand, ist bei Anwendung desselben Lsungsmittels der Wert von T fr Verbindungen von analoger chemischer Konstitution (nahezu) konstant, d. h. also, solche Verbindungen besitzen gleiche Mole- kidardepressionen . Bezeichnet man nun weiter mit A nicht mehr die durch 1 g Substanz in 100 (j Lsungsmittel hervor- gerufene Depression, sondern diejenige Depression, welche durch Auflsen von 1 Molekl der betreffenden Substanz in 100 Moleklen des Lsungsmittels bewirkt wird, so besteht die Gleichung: M T Ml Ml in welcher M wie oben das Molekulargewicht des ge- lsten, Ml das des lsenden Krpers ausdrckt. Die- selbe lehrt uns, dass Ti, so lange T konstant bleibt, einen konstanten Wert hat. Dehnt man diese Berechnungen aber auf verschiedene Lsungsmittel aus, so ergiebt sich 90 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 12. das bemerkenswerte Resultat, dass, obwohl T vernderlich ist, Ti dennoch mit grosser Annherung- konstant bleibt und nach "Versuchen von Raoult im Mittel = 0.63" ist. Raoult drckt sein Gesetz das allgemeine Gesetz der Erstarrung" folgendermassen aus: Lst man 1 Molekl einer beliebigen Substanz in 100 Moleklen eines beliebigen Lsungsmittels, so wird der Erstarrungsi:)unkt des letzteren um 0.63" herab- gedrckt" (Ann. chim. phys. [6] 11, 92). Will man nun nach diesem Gesetz das Molekular- gewicht eines Krpers bestimmen, so muss man zunchst dui'ch Versuche mit Substanzen von bekanntem Mole- kulargewicht den Wert der molekularen Depression T fr eine bestimmte Krperklasse und ein bestimmtes Lsungsmittel feststellen. Ist dies geschehen, so findet man das Molekulargewicht jeder beliebigen Substanz derselben Krperklasse, indem man experimentell fr sie den Wert A bestimmt und mit diesem in T dividiert: T M = A In der von Raoult angegebenen Form bietet die Ausfhrung der Methode mannigfache Schwierigkeiten, weshalb dieselbe auch in Deutschland fast gai-nicht in Anwendung gekommen ist. Herrn Prof. V. Meyer ge- bhrt das Verdienst, die Aufmerksamkeit der Chemiker derselben wieder zug^lenkt und der Anwendung der- selben die Wege geebnet zu haben. Auf Veranlassung des Genannten hat sich Dr. Karl Auwers mit der Methode des franzsischen Forschers eingehend beschf- tigt und durch geschickte und zweckmssige Anordnung des von diesem angegebenen Apparates es ermglicht, nach dem Raoult'schen Verfahien bei einiger Uebung und soi-gfltiger Beobachtung eine hinreichend genaue Bestimmung des Molekulargewichtes zu erzielen. Bei der Ausfhrung derselben muss man aber daiauf Bedacht nehmen, dass zwischen der gelsten Substanz und dem lsenden Krpei- keine chemische Wirkung stattfindet, und ferner fr eine passende Konzentration der Lsung Sorge tragen. Von den in Anwendung gekommenen Lsungsmitteln sind Wasser, Benzol und Eisessig am genauesten studiert worden. Auwers empflelt, wo es nur immer angngig ist, letzteren zu benutzen, da er infolge seines hohen ErstaiTungspunktes das Arbeiten bei Temperaturen ge- gestattet, die von der mittleren Tagestemperatur wenig oder garnicht abweichen, und ferner, da er bei allen organischen Krpern ohne Ausnahme anwendbar ist und selbst im allgemeinen nicht vllig \\asserfrei zu sein braucht, hauptschlich aber, da Lsungen von Substanzen in Eisessig bereits von den kleinsten Erniedrigungen des Erstarrungspunktes an dem Raoult'schen Gesetz folgen. Die Raoult'sche Methode giebt natrlich keine ab- solut genauen Werte fr die Molekulargewichte, sondern nur Nherungswerte, welche aber doch, wie die folgenden Beispiele zeigen, vllig ausreichend sind. Name: Mol.-Gew.: Berechnet: Gefunden: Naphtalin Gio Ha 128 % 137143 %, Pikrinsure Co Hs N3 O7 229 "/o 220233 "/o, Acetanilid Cs Ha NO 135 % 152158 7o, Benzil Cu Hio O2 210 "/o 200207 "/o. Aus dem Gesagten erhellt, dass die Raoult'sche Methode in vielen Fllen, wo eine Dampfdichtebestim- mung unmglich ist, als einziges Mittel zur Molekular- gewichtsbestimmung vllig brauchbare Dienste leisten wird, sobald es sich nur darum handelt, zwischen irgend einer Formel und einem Vielfachen oder einem Bruch- teil dei'selben zu entscheiden. Seit Auwers" Mitteilung haben auch andere For- scher, insbesondere Beckmann und Holleraan, ihre Erfahrungen ber diesen Gegenstand verffentlicht, so dass diese Methode der Molekulargewichtsbestimmung in Blde allgemeine Anwendung in unseren Laboratorien finden wird. Fr diejenigen Leser, welche sich ein- gehender mit derselben beschftigen wollen, gebe ich zum Schlass ein Verzeichnis der einschlgigen Litteratur, soweit mir dieselbe bekannt geworden ist. Raoult: Ann. chim. phys. [5] XX, 217; XXVIII, 133; [6j IT, 66, 93, 99, 115; IV, 401; VIII, 289, 317; Compt. rend. GH, 1307. Agend. du chim. 1888, 475. van t'Hoff: Zeitschr. f. phys. Chem. I, 496. Ostwald: Ebend. II, 79; Allg. Chem. I, 406 ff. Meyer: Ber. d. Deutsch, chem. Ges. XXI, 536. (1888). Auwers: Ebend. 701. Auwers u. Meyer: Ebend. 814 u. 106S. Beckmann: Ebend. 766 u. 1163. HoUeman: Rec. trav. chim. VI, 65; Ber. d. Deutsch. chem. Ges. XXI, 860. Tollens u. Mayer: Ebend. 1566. Gattermann u. Wichmann: Ebend. 1634. Ungebetene Gste unserer Tafel. Von Dr. med. et pliil. H. Griesbach, Privatdozent an der Universitt in Basel. Von den Anfngen der Naturwissenschaft, ins- besondere der Zoologie, bis auf die neuere Zeit findet man wohl nirgends soviel Fabelhaftes, soviel Unklarheit und geheimnisvolles Dunkel als in der Geschichte der menschlichen Parasiten. Es hat sich vor allem stets bei Gelehrten und Laien um die Frage gehandelt: Wie di-ingen Parasiten in das Innere des lebenden Organis- mus, der sie als Wirt beherbergt, wie kommen speciell Bandwrmer oder andei-e Eingeweidewi'mer zu ihrem Wohnort, dem menschlichen Darm? Die anatomische Untersuchung eines mit Eingeweidewrmern Behafteten welche von Aerzten und Naturforschern aller Zeiten wenigstens an Tieren angesteDt wurde, Hess ber die Anwesenheit der Schmarotzer berhaupt keinen Zweifel Nr. 12. NaturwissenscluiftlicliH Wocliensdirift. 91 zu; aber nirgends vermochte man aucli nur die geringst zurckgelassene Spur einer Einwanderung zu entdecken. Durcli diesen dunklen l'unkt gewann der Gegenstand immer mehr an Interesse und bei der Bedeutung, welche die schmarotzenden Organismen im Haushalte der Natui' spielen, bei dem Eintluss, welchen sie oft auf den menscli- lidien und tierischen Leib ausben, schien es unisomehr gereclitfei-tigt, dass man von jeher dei- Entstehung dieser geheimnisvollen Tiere auf die Spur zu kommen suchte. Aristoteles mit seinen weitgehenden naturwissen- scliaftlichen Kenntnissen liess Frsche und Aale aus dem Schlamme der Gewsser, in denen sie leben, hervorgehen. Das ganze Altertum und weiter noch das Mittelalter nahm solche und hnliche Entstehungsakte durch ,, Ur- zeugung" an. Man glaubte somit an elternlose Zeugung eines organischen Individuums, man hielt es fr mglich, dass die Entstehung eines organischen Wesens unabhngig von einem lebenden mtterlichen Organismus vor sich gehen knne. Nach solchen Voraussetzungen war fr das Vor- kommen der Eingeweidewrmer (Entozoen) ein Grund gefunden. Man stimmte berein, die Bewohner des Darmes, sowie die anderer Organe, einfach an Ort und Stelle werden zu lassen, ob sie dort aber aus Blut, Lj'mphe odei' Gewebe, odei- aus den genossenen Speisen mit Zu- that von Absonderungssubstanzen durch eine Alt Fulnis- prozess ihre Existenz eihielten, darber war man sich selbst nicht einig. Unsere Entscheidung hinsichtlich dieser Frage geht jetzt dahin, dass von einer Urzeugung nicht mehr die Eede sein kann. An ihre Stelle setzen wir die Fort- pflanzung. Freihch giebt es unter Laien, namentlich- unter der Landbevlkerung, noch immer einige, die da glauben, durch den reichlichen Genuss von schwarzem Roggenbrot erzeuge .sich beim Kinde der Spulwuim, und in gewissen Gegenden, wo grenzenloser Aberglaube herrscht, mag es vorkommen, dass der Baud-noirm mit allerhand verderb- lichem Zauberspuk in Verbindung gebracht oder auch als eine vom Krper ausgehende Krankheit betrachtet wird. Wohl jedem drfte es bekannt sein, dass das Fleisch eines sogenannten tinnigen Schweines von Menschen ge- nossen, unter Umstnden den Bandwurm hervorrufen kann. Da wirft sich dann die Frage auf: Was ist denn eigentlich der Bestandteil des betreffenden Fleisches, welcher, nachdem dieses unserem Verdauungstraktus ein- verleibt, dort nach einer gewissen Zeit einen langen Wurm heiTorbringt ? Auf diese Frage antwortet der mit Messer und Lupe versehene, zergliedernde Beobachter: Jene auch fr den Ungebten bald erkennbaren, dem Schlchter sehr wohl bekannten, hier und dort in dem roten Fleische auftretenden Kntchen von weisslichem Aussehen sind es, welche, so unschuldig scheinend, in ihrem Innern den verderbenbringenden Keim bergen! Beti'achten wir ein solches Gebilde, das oft die Grsse eines Hirsekornes erreicht und welches wir als Finne oder mit wissenschaftlichem Namen als Cysticercus be- zeichnen, ein wenig genauer. Die kleinsten Finnen erkennen wir als feine, weisse, im Muskelrteische verstreute Pnktchen; um die Grsse und die etwas lngliche Gestalt eines Hirsekornes an- zunehmen, welche letztere durch den Druck der um- gebenden Muskulatur bewerkstelligt wird, muss der Cysti- cercus etwa zwei und einen halben Monat an seinem Aufenthaltsort verharren. Die Finne, gleichgiltig in welcher Grsse sie vor uns liegt, wird durch ein Bls- chen dargestellt, welches mit einer hellen Flssigkeit, ber deren Ursprung wir nichts genaues wissen, angefllt ist. Die Wand desselben besteht, obwohl anfangs sehi- dnn, doch aus zwei Zeil-Schichten, von denen die innere, wie wir unter dem Mikroskope erkennen, aus sternartigen Zellen gebildet wird. Dieser einfache Bau aber erleidet mit fortschreitendem Wachstum des parasitren Organis- mus mehrfache Abnderung. Von einer bestimmten Stelle der Blschenwand geht alsbald nach innen zu eine ZeUen- wucherung vor sich, die nach und nach die Gestalt eines kleinen, in das Lumen hineinragenden Zpfchens annimmt. Dieses mikroskopisch kleine, eingestlpte Zpfchen stellt den Kopfteil des spter nach Ellen messenden Bandwurms vor. Ist dieses kleine Zpfchen einmal angelegt, so ent- wickelt es sich mehr und mehr und fllt bald als wesent- lichster Bestandteil des ganzen Finnenleibes die nicht in demselben Masse sich vergrssernde Blase aus. Der in das Innere der Blase hineinragende Kopf- zapfen ist hohl. Die Hhlung, von einer ansehnlichen Wandung umschlossen, mndet auf der Aussenflche der Blase an dem vollendeten Finnenstadium als kleiner Schlitz erkennbar so dass die ussere Zellschicht der Blasenwand, die Cuticula, zugleich den Innenraum des Zpfchens auskleidet. Wenn der eingestlpte Kopfzapfen, an dessen in das Blschen hineinragenden Ende man eine flaschen- oder keulenfimige Erweiterung wahrnimmt, eine gewisse Grsse erreicht hat, so beginnt daran ein eigentmlicher Zer- klftungsprozess. Die Zapfenwand spaltet sich in zwei Lagen, deren eine von der anderen zwar umschlossen wird, im Uebrigen aber keinerlei Verbindung mehi- damit zeigt. Wir haben jetzt also drei wesentliche Teile an dem Cysticei'cus zu unterscheiden. Erstens : die ussere Umhllung des ganzen Blschens, mit anderen Worten die Blschenwand selbst, zweitens: die durch Spaltung entstandene dnne Umhllungsschicht des Kopfzapfens und drittens: den Zapfen selbst. Von jetzt ab bildet letzterer Bestandteil den Aus- gangspunkt aller weiteren Vernderungen. Verbunden mit einfachem Wachstum, treten zugleich mancherlei Differenzierungen daran auf, whrend die beiden ge- nannten Umhlluugsschichten keinen weiteren Umgestal- tungen in ihrem Baue unterliegen, und sich nui- dem Grssenverden ihres fr sptere Zeiten so wichtigen Inhaltes anpassen. Zunchst macht der Kopfzapfen, um sich besser und 92 Naturwissenscliaftliclu^ ^\'o(lnnscll^ift. Nr. 12. schneller ausdehnen zu knnen, eine Knickung, so dass das untere, enveiterte Ende, der eigentliche Koiifteii, mit dem brigen als Halsteil zu bezeichnenden Abschnitt einen Winkel bildet. An dem tlaschenfimig erweiterten, umgelegten Ende nehmen alsbald die zum Festhalten des Tieres hernach so wichtigen Haken und Saugenjife ihren Ursprung und zwar folg'endermassen : Auf dei- Innenwand, im Grunde des Kopfteiles, treibt die auskleidende Cuticula mehrere im Kreise stehende Erhebungen, die einerseits unter sichelfrmiger, nach aussen gerichteter Krmmung in die Hhlung hineinwachsen, andererseits in der ver- dickten Wandung mit zwei ungleich langen Auslufern Wurzel schlagen. Dabei nehmen diese Gebilde duicii Aufnahme anorganischer Substanz Kalk bedeutend an Hrte zu, wodurch sie heinach fhig ^\elden, als Anker zu wirken. Die verdickte Stelle im Grunde des Kopfteiles, in welcher die so gebildeten Haken wurzeln, stellt eine wulstige, \on Muskelschichten ber- zogene, Erhebung dar. Weiter bemerken wh- gleichzeitig mit der Hakenbilduug einen anderen Dierenzierungs- prozess, welcher an ebendemselben Orte an vier seitlich, im griechischen Kreuz einandei' gegenberliegenden Stellen der Innenwand vor sich geht. Es bilden sich, diesmal aber nicht in die Kopfhhle hineinragend, sondern in deren Wandung grubenfrmig sich vertiefend, lialbkugel- frmige, mit Eiugmuskeln versehene Saugn] ife, die eben- falls den Zweck haben, den fertigen Bandwui-iii hernach an seinen Wirt zu befestigen. Der andere bisher in der Entwicklung mehr zurck- gebliebene Schenkel des Winkels, der Halsteil des zapfen- frmigen Gebildes hat unterdessen auch Vernderungen erfahren. Er hat sich bei seinem Wachstum schrfer von dem Kopfteil abgegrenzt, sich gleich diesem mit an- organischer Substanz imprgniert und, um sich den engen Raumverliltnissen anzupassen, mehrfach wellig zusammen- gelegt. Beide Teile das ist wesentlich behalten whrend dieses Eutwicklungsstadiums aber ihre oben beschriebene, hohle Beschaffenheit durchaus bei. Nach diesen Vorgngen sehen wir den Cysticercus fertig vor uns. Bevor wii' aljer zu weiteren Betrachtungen ber seine fernere Lebensgescliichte fortschi'eiten, erbiigt es noch von seiner Lage und F^inbettung im Fleische mit einigen Worten zu reden. Wenn ein Fremdkrper auf irgend welche Weise in einen lebenden Organismus gelangt und in einem be- liebigen Organe desselben sich absetzt, so ist dieses be- mht, sich desselben zu entledigen. Die Ausscheidung gelingt aber nur insofern, als eine direkte Gemeinschaft zwischen Organ und Einwanderer ausgescMossen bleibt, des Fremdlings Anwesenheit berhaupt vermag dei' Organismus aus eigener Macht nicht zu beseitigen. Als- bald tritt in dem betreffenden Organ ein Reizzustand ein. welcher stets einen pathologischen Prezess nach sich zieht. Solcher Fall kann unter Umstnden Funktionsstrungen des betreffenden Organes und dadurch sogar den Tod des Gesamtorganismus herbeifhren. Die Bildung von Harnsteinen ist ein solcher J^iozess, bei welchem ein fremder Krper, sei es ein Parasit, sei es ein Blut- koagulum u. s. w., als Mittelpunkt der Konkretion er- scheinend, den Tod des Gesamte iganismus herbeizufhren imstande ist. Dies drfte vielen bekannt sein; bekannt- lich sind ja auch die kostbaren echten Perlen unserer Geschmeide nichts anderes als pathologische Neubildungen der betreffenden Muscheltiere, zwischen deren Schalen sie entstanden. Immer findet sich als Mittelpunkt der Perle ein fremder Krper, sei es ein anorganischer Be- standteil, den das Wasser in das geffnete Gehuse trug, sei es irgend ein Paiasit, der sich den Muschelieib zu seinem Wohnsitz auserkoren. Gleiche ^"erhltnisse treten uns an den in den einzel- nen Organen und vor allem in den Muskeln des Schweines eingelagerten Cysticercen entgegen. Sobald sich dei' blschenfrmige Finnenleib beispielsweise in der Musku- latur zur Ruhe gesetzt hat, so beginnt in den Muskel- kernen eine lebhafte Wucherung und die zunchst liegende Substanz degeneriert. Die Muskelfaser, in welche die Finne geraten ist, erweitert sich schlauchfrmig und es bildet sich um letztere herum eine von dem infizierten Organe ausgescledene Exsudatmasse, welche im wesent- lichen aus kohlensaui'em Kalk besteht. Diese Umhllung, an der noch das Bindegewebe Anteil nimmt, ist anfangs sehr weich und zart, in kurzer Zeit aber verdickt sie sich diu'ch weitere Schichtung mehr und mehr und wird zu einer festen allmhlich ganz verkalkenden Kapsel oder ("ystt', welcher der Parasit seinen Namen Cysticercus verdankt. Kehren \\ir zur Entwicklungsgeschichte des Cysti- cercus zurck und erinnern wir uns des schon beschriebenen vollendeten Finnenstadiums, so sind wir damit an einen Punkt gelangt, an welchem der weiteren Entwicklung des eingekapselten Parasiten zum Bandwurm Sclu-anken gesetzt sind, die nur dadurch beseitigt werden knnen, dass derselbe unter gnstigen Bedingungen in einen anderen Ti-ger gelangt. Die Natur des zuknftigen Wirtes ist dabei nicht gleichgiltig. Verfttern wir finniges Schweinefleisch an einen Hund oder eine Ratte, so bleiben unsere Bemhungen, auf diese Weise einen Bandwurm zu zchten, erfolglos. Im menschlichen Organismus aljei' ist eine solche Umwandlung- mglich. Gelangt die Schweinefinne nicht auf diesen einzig gnstigen Boden, so bleibt sie einstweilen was sie ist und fllt endlich ber kurz oder lang dem Ilntergange durch Verkalkung anheim. (Scluss folgt.) Nr. 1: Naturvv'issenscliaftliclie WocliRnsdirift. 93 Kl 'iriere Mitteilun2;en. Einwirkung von Gasen auf den Oi-sani.siuus. Unter- suchunn-eii. welcln' uiitiT Li'ining vuii Jl. \, l'rt icnknt'rtr ber Gesumilipitssc'liiidlii'hkeit einiger liygieiiiisch uuil (i'i'linis(;li wichtiger Ga,se und Dumpfe angestellt wurden (Sitzungstier. d. k. bavr. Akad. 1887. 170 tr.. dureh iove die vom theoretischen Standpunkt sehr einleuchtende Behauptung auf, dass das Fortschreiten einer klteren, tieferen Luftmasse vom Pol gegen den Aequator hin, indem sie in Breiten sehnellerer Rotation gelange, ein stetig ver- langsamtes, gewissermassen zurckbleibendes sein msse, whrend hoher befindliche, wrmere Luft, der Sdwestwind der nrdlichen und der Nordwestwind der sdlichen Halbkugel, in vorauseilender Bewegung vom Aequator polwrts strme. Diese Theorie, in dieser Form und als alleinige Erklrung fr die Bahn jener Winde gnz- lich veraltet, hat durch Dr. .Sprung eine wesentliche Ergnzung erfahren, die den thatschlichen Vorgngen besser entspricht als alle anderen die.sbezglichen Erklrungsversuche. Denkt man sich als sinnfllige Verkrperung einer gewissen Luftmasse eine schwere, absolut runde Kugel unweit des Nordpols auf der vllig glatten, unbeweglich verharrenden Erdoberflche auf- ruhend und ohne Reibung auf ihr beweglich, so wird dieselbe als- bald dem Zuge dei' .Schwere folgend, die durch die Abplattung der Polgegend bedingte schiefe Ebene gewissermassen hinabrollend, dem Pol, als tiefstem Punkt, beschleunigt zusteuern, ber ihn, dem Ge- setze der Pendelschwingung folgend, hin-iusschiessen und mit stetig verlangsamter Bewegung bis zu demselben Breitengrade hinauf- roUen", um wieder umzukehren und das Spiel von neuem zu beginnen. Denken wir uns. auf dem Nordpol stehend, nun die Erde fr einen Moment in ihrer Bewegung- von rechts nach links und der Kugel davon mitteilend, so wird offenbar zu jener Pendelschwingung eine neue Bewegung hinzutreten, indem die Kugel nunmehr in elliptischer Bahn den Pol umschlingt. Wie gestaltet sich dieselbe aber, wenn wir uns die Erde rotierend und ihre volle Bewegung der Kugel mitgeteilt denken? Alsdann kommt zu jener, die Kugel polwrts treibenden Schwerkraft die Zentrifugalkraft hinzu, welche die Kugel dein Aequator zuzufhren bestrebt ist. Wie nun aber, wenn der Kugel, hnlich dem Sdwestwinde, eine vorauseilende Bewegung mitgeteilt wird? Alsdann wird die von rechts nach links in die Nhe des Pols strebende Kugel eine stetig zunehmende Ablenkung nach rechts, quatorwrts, erfahren, welche jene zu ihrem Ausgangs- punkte zurckfhrt, indem sie ihre Bahn zu einem vollkommenen, rechts herumziehenden Kreise gestaltet. Bei entgegengesetzter, also wie bei den Polarwinden zurckbleibender Richtung der Bewegung umschlingt die Bahn in weit bedeutenderem Bogen den Pol. Auf der sdlichen Hemisphre sind beide Kreisbewegungen natrlich links- lufig. Man kann sich leicht von der Wahrheit des ber die relative Kreisbahn Gesagten berzeugen, wenn man eine runde Pappscheibe, deren INIittelpunkt den Ei^dpol darstellt und deren Rand 24 Kerben (= Stunden) trgt, schrittweis unter einer hineinpassenden elliptischen (als absoluten Bahn der Kugel) mit ebenso versehenem Rande links bezw. rechts herumdreht und schrittweise rechts bezw. links herum vordringend von letzterem aus auf jene die Bahn des Krpers durch 12 zu einem Kreise zusammenlaufende Punkte markiert. Es ergiebt sich hieraus, dass die Kugel an einem Tage ihre sogenannte Trg- heitsbahn zweimal in gleichtcirmiger Bewegung durchlaufen wrde. Die Grsse des Trgkeitskreises wchst mit der Geschwindigkeit der vorauseilenden Kugel; ist diese gleicli Null, so fllt die Bahn in einen Punkt zusammen, weshalb man die Bahn, die jeder ruhende Krper auf der Erde theoretisch beschreibt, durch seinen Standpunkt zum Ausdruck bringen kann. In der Nhe des Aequators wird die Bahn spiralig, am Aequator selber tUllt sie mit diesem zusammen. Im Bereich der Winde liegt das Bewegungsmoment stets in der Hhe, und finden die Strmungen, die bei stillstehender Erde kaum merklich wren, von den Gebieten hohen nach denen niederen Luft- druckes statt. Die Ablenkung der Windbahnen aber aus ihrer ge- raden Richtung und ihre I>rehung wird durch die errterten Ver- hltnisse bedingt. W. P. Optisches. Bei Gelegenheit seiner berhmten Unter- suchungen ber die Intensitt der Sonnenstrahlung wurde Langley zuerst darauf aufmerksam, dass der infrarote Teil des Sonnen- spektrums eine weit grssere Ausdehnung besitzt, als man sie ihm bisher zuzuschreiben pflegte. Das fr unser Auge sichtbare Spektrum liegt bekanntlich zwischen den Wellenlngen /t=0,00036mm oder 0.36 (1 ,u=0.001 mm) und 0,75 , urafasst also kaum mehr 94 -Natunvissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 12. als eine Oktave; im ultravioletten Teile des Suniieiispektranis hat die Photographie Wellenlilng-en liis zu 0,295 erkennen lassen und die krzesten Wellen . welche von dem zwischen Aluminiumelek- troden bergehenden elektrischen Funken ausgesandt werden, haben eine Lnge von 0,185 . AVhrend diese sogenannten chemisch wirksamen Strahlen den Gfegenstand vielfacher Untersuchungen bildeten, sind die infraroten dunklen Wrmestrahlen bis in die letzte Zeit hinein ziemlich vernachlssigt worden. Nach 1880 gab Drap er die usserste mit Sicherheit beobachtete Grenze des infraroten Spektrums zu 1 an. Langley hat nun die Untersuchung mit Hilfe des von ihm konstruierten Bolometers fortgesetzt; dasselbe besteht im wesentlichen aus einem Platin-, Eisen- oder Kohlefaden von 1 cm Lnge und Viooo bis Vs wo Durchmesser, der in den Stromkreis eines Oalvanonieters eingeschaltet und den Strahlungen ausgesetzt wird; der geringe Durchmesser des Fadens gestattet es, jedesmal nur einen sozusagen linearen Teil des Spektrums, also vollkommen homogenes Licht von einer bestimmten Wellenlnge, zu untersuchen. Die autfallende Strahlung verndert den Widerstand des Drahtes nach einer komplizierten Funktion, welche jedoch inner- halb kleiner Grenzen und um solche handelt es sich bei den vor- liegenden Untersuchungen direkt als den Energieschwankungen proportional angenommen werden darf. Zur Messung dient ein be- sonders konstruiertes Spiegelgalvanometer von hoher Empfindlichkeit, welches bei 20 Ohm Widerstand noch einen Strom von 0.000 OOu 000 5 Ampere anzeigt, was einer Temperaturvariation im Drahte von 0,000 000 001 C. entspricht, 0,000 01" C. kann gemessen werden. Mit Hilfe dieses Apparates erkannte nun Langlej", dass, entgegen der bisherigen Annahme, ein Flintglasprisraa fr Sonnenstrahlen bis 2,7 y. Wellenlnge vollkommen durchlssig ist; hier hrt allerdings das Spektrum pltzlich auf, als ob eine Absorptionsbande vorlge. Es blieb nun die wichtige Frage, welche Wellenlngen im Maximum von irdi sehen Quellen ausgesandt werden. Als solche strahlende Quellen dienten Langley*) der heisseste Teil der positiven Kohle des elektrischen Lichtbogens, ein Platinstreifen zwischen Dunkelrot- glut und Schmelztemperatur, Kupfer bei allen Temperaturen unter- halb der Rotglut, ferner ein Lesl in "scher Wrfel mit Anilin bei 100" und 178" (Siedepunkt des Anilins) oder mit Wasser unter 100", und endlich die Banden des Bolometers selbst fr Temperaturen unter 0". Von den von diesen Quellen ausgehenden Strahlen wurde ein Spektrum entworfen, wozu freilich weder Glasprismen dienen konnten, die diese Wellenlngen vllig absorbieren, noch auch Re- flektionsgitter .allein, da die Spektren verschiedener Ordnung sich bei so grossen Wellenlngen bereinanderlagern; Prisma und Linsen mussten vielmehr aus Steinsalz hergestellt werden. Mit dem Prisma wurden zunchst die Brechungsexponenten und die Energie in den verschiedenen Teilen des Spektrums gemessen; das Maximum der Strablungsenergie rckt mit steigender Temperatur, wie dies auch frher schon gefunden wurde, nach der violetten Seite des Spektrums hin, da die Energie zwar allenthalben zunimmt, jedoch gegen das Violett hin strker als gegen die Grenze des l'ltrarot. Die Messung der Wellenlngen geschah dann durch Verbindung von Gitter und Prisma, Es ergab sich zunchst, dass keine der bisherigen Dispersions- formeln (diejenige von Ketteier wurde allerdings von Langley nicht untersucht) fr diese Wellenlngen noch giltig ist; der Brechungs- exponent wird in diesen Teilen des Spektrums nahezu lineare Funk- tion von X, so dass u. a. theoretisch eine Grenze fr x X nicht ab- zusehen ist. Die Grsse der beobachteten Wellenlngen stellt Lang- ley, ohne dabei Anspruch auf grosse numerische Genauigkeit zu erheben, folgendermassen zusammen : Aeusserste Strahlen des Funkenspektrums zwischen Aluminium- elektroden nach M. A. Cornu 0,185 /it Grenze des ultravioletten Sonnenspektrums am Meeresniveau nach Cornu 0,295^ Violette Grenze des fr normale Augen sichtbaren Spektrums 0,360// Grenze des sichtbaren Spektrums im Dunkelrot .... 0,810 /i Aeusserste mgliche Wellenlngen im Infrarot nach Draper 1881 1,000// Von Becquerel den ussersten Absorptionsstreifen im Sonnenspektrum zugeschriebene Wellenlnge .... 1,500// Aeusserste Grenze des infraroten Sonnen Spektrums nach Langley 2,700// Strahlungen irdischer Quellen: Mit Steinsalzprisma 1886 beobachtete Grenze 6,300// Intensittsmaximum einer irdischen Wrmequelle von 100" C. 7,500 // von C. 11,000// Grsste durch das Bolometer noch angezeigte Wellenlnge (ungefhrer Minimalwert) .... 30,000// Bedenkt man, dass die Lnge der krzesten durch das Ohr wahrnehmbaren Schallwellen (von Savart mit 48 000 Schwingungen *) Die Untersuchungen ber das .Sonnenspektrum sind 1884 als gesonderte I'ublikation, diejenigen ber die Wellenlngen irdischer Quellen 1886 im American Journal of Science erschienen. pro Sekunde bestimmt) 14 mm oder 14 00(1// betrgt, so ist jetzt, wie Langley sagt, die Kluft zwischen der krzesten Schallwelle und der lngsten bekannten Aetherwelle einigermassen berbrckt." Dr. Dessau. Die Grsse der Sterne und das psychophysische Grundgesetz. Wenn in der Astroncjmie von der Grsse der Sterne gesprochen wird, so bezieht sieb dies bekanntlich auf ihren Helligkeitsgrad und nicht auf ihren Durchmesser, da derselbe (bei den Fixsternen) nicht mehr zu messen ist. Nach dem, was man von der Geschichte der Astronomie weiss, war H ipp arch (um 150 v. Chr ) der erste, welcher alle mit blossem Auge sichtbaren Sterne in sechs Klassen teilte, wobei er die Lichtstrke mit seinen Augen schtzte". Die hellsten Sterne, z. B. Sirius und Wega, sind darnach erster Grsse, die, welche dem Auge nur halb so hell erscheinen, zweiter Grsse u. s. f. Eine solche Klassifikation hngt natrlich ganz von der Beschaffenheit des Auges ab und wird hnliche Willkrlichkeiten enthalten wie die Hrteskala in der Mineralogie. Seitdem man aber Methoden besitzt, Licht auf seinen Helligkeits- grad zu untersuchen, und zwar Methoden, welche Messungen" und nicht nur Schtzungen" zu machen erlauben, hat man auch die Intensitt des Lichtes von Sternen der verschiedenen Grssen ge- messen. Wenn wir ein Licht von bestimmter Leuchtkraft haben, so wird dasselbe eine gewisse Lichtmenge in unser Auge senden; stellen wir nun zwei Lichte von genau derselben Baschatfenheit an derselben Stelle und in denselben Entfernung von unserem Auge auf, so senden dieselben doppelt so viel Licht aus, werden uns daher theoretisch doppelt so hell erscheinen mssen. Der Physiker Steinheil war nun der erste, welcher fand, dass in derThat ein bestimmtes Zahlenverhltnis zwischen den Licht- mengen von Sternen der verschiedenen Grssenklassen besteht; er fand, dass die zu uns gelangende Lichtmenge eines Sternes einer be- stimmten Grsse 2,83 mal so gross ist als die eines Sternes der nchsten Grssenklasse. Diese Bestimmungen wurden spter mehr- mals wiederholt und namentlich konnte Zllner mit seinem Polari- sations-Astrophotometer sehr genaue Messungen vornehmen, aus denen hervorging, dass die von Steinheil gefundene Zahl zu gross war, dass dieselbe nher an zwei, dem theoretischen Werte liegen msste. Es ging aber auch daraus hervor, dass unter den Sternen erster Grsse mehrere sich betUnden, welche nach der zu uns ge- langenden Lichtmenge theoretisch in eine noch hhere Grssenklasse gehren mssten, whrend das Auge keinen sehr merklichen Unter- schied emptindet. In neuerer Zeit sind namentlich von Pickering in Cambridge, Nord-Amerika, genaue Messungen vorgenommen worden, bei denen die Sterne in MeridiansteHung untersucht wurden, wobei manche Fehler der frheren Methoden vermieden wurden. Die Resultate dieser Messungen verwertet Dr, Jastrow in dem neugegrndeten American Journal of Psychology" (herausgegeben von Prof, Hall) fr das psycho-physische Grundgesetz von Fechner. Dasselbe sagt bekanntlich aus, dass die Reize in geometrischer Reihe zu- oder abnehmen mssen, damit unsere Empfindungen derselben in arithmetischer Reihe zu- i.der abnehmen; wenn also dem Reize von der Strke R die Empfindung E entspricht, so entspricht dem Reize von der Strke R . R = R- eine Empfindung von der Intensitt E-f B = 2E u, s, f. Wenn wir also eine gleichfrmig abgestufte Reihe von Licht- eindrcken oder Helligkeitsgraden empfinden, so muss nach jenem Gesetz das Verhltnis der von zwei aufeinander folgenden Stufen ausgehenden Lichtmengen eine bestimmte Zahlengrsse sein. Wenn also umgekehrt durch genaue Messungen sich ergeben wrde, dass die Lichtmengen beim Uebergang von einem Helligkeitsgrade zum nchsten stets ein konstantes Verhltnis besitzen, so wre damit eine vorzgliche Besttigung des Fechner'schen Gesetzes gewonnen. Dr. Jastrow schliesst nun a. a. O. aus Pickering's Messungen, dass diese Zahl nicht konstant ist, sondern mit der Helligkeit g-leich- zeitig abnimmt; er giebt dann eine empirische Formel an, aus der man den Multiplikator, wenn die mehrfach bezeichnete A'erhltnis- zahl so genannt wird, berechnen kann im Einklang mit Pickering's Resultaten. Indessen ist damit noch nicht das letzte Wort in dieser Frage gesprochen. Denn aus den Untersuchungen von Dorst geht her- vor*), dass bei den photometrischen Messungen die Helligkeits- unterschiede ganz verschieden aufgefasst worden sind und dass Pickering dieselben bei .schwcheren Sternen kleiner fand als die Mehrzahl der brigen Beobachter. Es wird also weiterer genauer Untersuchungen zur Entscheidung dieser Frage bedrfen. Aber das scheint sieh aus allen bisherigen Bestimmungen zu ergeben, dass das Pechner'sche Gesetz soweit die Helligkeitsgrade der Sterne in Frage kommen bei mittleren Intensitten der auf das Auge ausgebten Reize mit sehr grosser Annherung gilt. r. *) Vgl, a, Naturw. Wochenschrift". Bd. I, S. 154: Astronom. Arb. u. Entd. Nr. 12. Natunvlssenscliaftliclie Woclicnsclii'ift. 95 Litteratur. J. N. vonNussbaum: Neue Heilmittel fr Nerven. Ein pcjpiiliir-wisspiisdiat'tliolior Vortrag-. '2. Aiiti. Verlag von Kiluard Trewcndt in Breslau. 1888. Preis 0,00 JC. Wir geben au.s dieser allgemeinen interessanten Sclirit't itn folgenden ein ansfiihrliclies Referat. Nach einigen einleitenden Hemerknngen ber die Bedeutung der verschiedenen Teile des Nervensystems und der Physiologie des- selben geht Verfasser zunchst auf ein aus dem Turnen hervor- gegangenes Heilmittel fr Nerven ein: auf die schwedische ITeil- jrymnastik. Die schwedische Heilgymnastik ver;inlasst passive, aktive und duplizierte Bewegungen. Die passiven Bewegungen , von denen viele den bei der Massage vorkonmienden ganz gleicli sind, erzeugen Nerven- Vibrationen". die ein neues bedeutendes Heilmittel fr die Ner- ven sind. l)ie aktiven Bewegungen der schwedischen Heilgymnastik werden langsamer ausgefhrt als die beim Turnen und sind fr den Stoffwei'hsel auch wirksamer. lOine (hiplizierte Bewegung ist eine .solclie. die der Patient macht, whrend ein Widerstand geleistet wird. Um die Bewegungen mglichst dem Zweck entsprechend aus- zufhren, hat man eine Maschinen-Gymnastik ersonnen. I)er Ergostat ist z. B. eine faschine die bei Entfettungskuren gebraucht wird: oiiiieineiiti-l']i*iieuei*uns- filr das III. Quartal ISSS bitten wir geflligst bei den betreffenden Bezugsstellen reclit bald bewirken zu wollen. Die Post erhebt fr Bestellungen, die ihr erst nach dein 1. ,Tuli zugehen, vorschvisnissig 10 Ff. fr Nachlieferung der bereits erschienenen Nummern. Wir glauben mit Befriedigung auf das verflossene Vierteljahr zurilckschauen zu knnen, da wir kein Mittel unversucht Hessen, durch Heranziehung be- whrter Krfte als Mitarbeiter und Vorfhrung mg- lichst vieler Illustrationen unser Unternehmen unsern Lesern recht wertvoll zu machen. Bei dem Reich- tum an gediegenem Inhalt und guten Illustrationen ist es uns aber leider nicht mglich, den bisherigen so billigen Abonnementspreis knftig beizubehalten, und haben wir uns deshalb entschlossen, denselben vom nchsten <{iiartal ab nni ]VIark 1. , also anf Blark 3. pi'o t^iiartal. zu erhhen in der Hoffnung, dass unsere Leser diese kleine Mehrausgabe nicht scheuen und unserm Blatte treue Abonnenten bleiben werden. Den beiliegenden Bestellzettel empfehlen wir gti- ger Beachtung. Die Redaktion und Verlagshandlung. Berichtigung. In der kleineren Mitteilung des Herrn H. J. Kolbe; Leuch- tende Insekten' muss es in Zeile 11 von oben heissen 360. 104 Naturwissensdiaftliclip AVorlifuscliiift. Nr. 13. namentlich Anzeigen aller optischen, chemischen, physikalischen etc. Geiiitscluiften. Nataialien, Chemikalien, sowie Bticheranzeigen finden weiteste und ])assondste Verbreitung. II ir cDipJ'c/i/rn imsfr lilatf zur Insertion (iesiichen und -Angebofen, .soirie zu Anzeigen gebot, Suehfrnge iintl Taii.se/i Saininliinf/eii ete. vermitteln. von Stellen- irelche An- natiiricissense/iaj'tlieher Band I (Okt. 1887 Mrz 1888) unseres Blattes liefern wir gegen Einsendung von JC 4,20 (in IJriefinarken) fran- ko, einzelne Quartale des Bandes gegen Emsendung von Ji- 2,10 (in ]iriefniarken.) Einzelne Nummern kosten 2.5 ^. Die Expedition der Naturwissenschaftliclien Woclienschrift" Berlin SW. 48. Friedrieh-Strasse 226. 1 J( 20 -j pru Band (auch in Brief- und die Planeten. Eleg. JMit 68 Ab- jeb. Mit 74 Abbildungen. geb. rjpgen Einsendung vun luarkeu) liefern wirjranko: Becker, Dr. Karl Emil, Die Sonne bilduiigen. Eleg. geb. Gerland, Dr. E., Licht und Wime. Hansen, Dr. Adolf, Die Ernhrung der Pflanzen l'h-L". gt'b. Hartmann, Prof. Dr. R., Die XilUinder. Eleg. geb. Klein, Dr. Herrn. I., Allgemeine Witternngskunde. Eleg. Lehmann, Paul, Die Eide und der Mond. Eleg. geb. Peters, Prof. Dr. C. F. W., I^ie Fix.sterne. Mit 69 Abbildungen. Eleg. geb. Taschenberg, Prof. Dr. E., Die Insekten nach ihrem Nutzen und Siliad. i\lit 70 Abbildungen Eleg. geb. Taschenberg, Dr. Otto, Die Verwandlungen der Tiere. Mit 88 Ab- liildinigen. Kleg. geb. Valentiner, Kmneten und Meteore. Mit 62 Abbildungen. Eleg. geb. Wassmuth, Prof. A., Die Elektricitat und ihre Anwendung. Mit 119 Aliliildungen. Eleg. geb. Berlin SW. 48. Rieiiiaiin & llller. ber 500 Illustrationstafeln und Kartenbeilagen. = Unentbehrlich fr jeden Gebildeten. =^ " MEYERS Konversations-Lexikon VIERTE AUFLAGE. Das l Heft und den 1. Band liefert jede Buchhandlung zur Ansicht. 25G Hefte 50 Pfennig. 16 Halbfranzbnde 10 Mark. 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Die Verbreitung der Pflanzen durch Meeresstrmungen. \'oii Dr. \\enn der Seefalirer die weiten Flchen des Stillen Ozeans duiclifiircht, muss er beim Anblicke manclier Inselgruppen von Staunen ergriffen werden: hunderte von Meilen trennen sie oft vom nchsten Kontinente, unbewolint und Iceine Spur eines menschlichen Kitur- \ersuches aufweisend liegen sie da und doch sind ihre Lfer von Palmen und anderen Gewchsen begrnt. Wer hat die Samen dieser tropischen Wlder ausgestreut? Viele leichte, mit einem Flugapparat versehene Samen mag wol der in jenen Gegenden mit grosser Regel- mssigkeit wellende Wind herbeigetragen haben, manche Steinkerne knnen sodann durch Vgel dorthin versclileppt sein, aber die grossen und oft schweren Frchte der Palmen, wie die Kokosnuss oder die einem Hliuerei an Grsse gleiclikommenden Samen der Riesenhlse knnen von beiden nicht lierbeigefhrt sein. Hier sind es die Strmungen des Meeres gewesen, die oft hunderte von Meilen weit Frclite und Samen vom Heimatsorte wegtrieben und mit den brandenden Wellen auf die oft nur wenige Fuss den Meeresspiegel berragenden Ufer der Atolle und anderer Inseln werfen. Es ist diese Thatsache seit langer Zeit bekannt, doch haben erst die neueren Entdeckungsfahrten, besonders die der Challenger-Expedition, bewiesen, dass diese Art der Pflanzenverbreitung eine wirklich sehi- hufige ist. Schon Rumpf fhrt 1741 in seinem Herbarium am- boinense" ein hbsches Beispiel dafr an: Wenn die reifen .X.ste der strauchartigen Nipapalme (Nipa fruticans Thubg.) ins Wasser fallen, werden sie weit und breit durch das Meer getrieben; werden sie dann an ein !:. Hutii. sumpfiges Ufer geworfen, so keimen sie dort und wachsen zum Strauch__auf^_der dann selber sich wieder vermehrt. Ich selbst fand einst auf der Kste von Hitoe einen solchen im Keimen begriffenen Fruchtballen." Ebenso berichtet derselbe Autor von einer Epheuart Amboinas (Hedera umbellifera D. C): Oft fand ich grssere Zweige dieser Bume, ja selbst halbe Bume hier und dort auf dem Ufer, von welchen die Einwohner genau wussten, dass sie dort nicht gewachsen waren: auch konnte ich an ihnen beobachten, dass sie eine Zeit lang im Meere getrieben hatten. An der Kste von Hitoe lag zu meiner Zeit ein derartig angetriebener Baum, dessen Zweige die Frauen als Ruchermittel abhieben, und in spterer Zeit fanden wir an jener Stelle derartige Bume, die an anderen Stellen der Insel unbekannt waren." Auch von Barringtonia speciosa L., einer auf den Inseln des Indischen und des StUlen Ozeans heimischen Myi'tacee, berichtet Rumpf dasselbe und dass er Recht hatte, beweisen neuere Beobachtungen, denn ihre Frchte werden nach Thiselton Dyer an alle Ksten des Malayischen Meeres angesplt und vor kui-zem erst wieder am Strande der Christmas Island" auf- gefunden;*) dieselben sind nach Betche,**) der sie auf einzelnen Atollen der Marshalls -Inseln antraf, be- sonders zu dieser weiten Verbreitung diu'ch das Meer durch den dicken Korkmantel der Fruchte geeignet. Auch Casuarina equisetifolia Forst, verdankt *) Flora of Christmas Island in ,Nature" 1887, Nr. 917 pag. 78. **) Vegetationsskizze der Marshalls-Inseln. (G.-Z. EQ. 1884. pag. 133.) 106 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 14. jedenfalls den Meeresstrmungen ihie weite Verbreitung, fr welche sie dui'ch den leichten, holzigen Pruchtstand befhigt wird. Decandolle (Prod. XVI. 2. pag. .339) giebt als Fundorte dieser Pflanze unter anderen Orten folgende an: Madagaskar, Mauritius, Bourbon, Ceylon, Sumatra, Java, Borneo und Celebes, Timoi', Araboine und andere Mollucken, Pllippinen, Mariannen, Freundschafts- und Gesellschafts-] nseln, Marqueses, Tahiti etc. eine" geographische Verbreitung, die bei dem gnzlichen Mangel von Kletter-, Flug- oder Lockvorrichtungen fr Tiere einzig durch die Wirkungen der Meeresstrmungen erklrlich ist. Ebenso war es Linne bekannt, dass verscliiedene Frchte von Amerika her bis an die Ksten Norwegens getrieben werden und dort im keimfhigen Zustande an- kommen. Zweifellos ist es hier der Golfstrom, welcher vom Golf von Mexiko aus nach Noiden fliesst, in seinen Verzweigungen die Ksten der Hebriden, Islands, Nor- wegens und Spitzbergens berhrt und tropische Frchte dorthin verscleppt. Auch den Japanern war hnliches seit lngerer Zeit bekannt, denn wie von Siebold berichtet, meldet ein japanisches Werk, dass der Mais, dessen Kultur die Europer in Japan schon antrafen, obschon er in Amerika zu Hause ist, vor 1200 Jahren dort angeschwemmt sei. Aus Holmann" s Reisewerk citiert Darwin eine Stelle, aus welcher hervorgeht, dass Samen und Pflanzen von Sumatra und Java von den Wellen an der vor dem Wind gelegenen Seite der Keeling-Islands angetrieben woi'den sind. Darunter befanden sich die Kokosnuss, der Ricinus, die Sagopalme und andere. Er vermutet, dass dieselben smtlich von dem Nordwest-Monsun nach der Kste von Neu-Holland und von dort durch den Sdost-Passat nach den genannten Inseln getrieben worden sind. In hnlicher Weise ussert sich Chamisso indem Bericht ber seine Weltumseglung, dass das Meer die Samen und Frchte vieler Bume zum Radek-Archipel liinbringe, von welchen die meisten dort frher nicht wuchsen. Eugen Robert fand Samen amerikanischer Pflanzen an den Ksten Islands un(J sogar an denen des weissen Meeres. Aehnliche Thatsachen erfahren wir aus dem Berichte ber die Weltumseglung durch die Uranie" und die Physicienne", welche 1817 bis 1820 stattfand, am ausfhi'lichsten aber eilialten wii- aus dem erst neuer- dings erscliienenen Berichte der Challenger-Expedition", welcher nicht weniger als 97 Arten auffhrt, die als Treibfrchte" beobachtet wurden, Kunde hierber. Manche dieser Frchte sind von vornherein zum Schwimmen ausgerstet; so besitzt die Kokos in der die eigentliche Nuss umhllenden, stark lufthaltigen Faser- schicht einen guten Schwimmappaiat. Die meisten Frchte aber erhalten erst durch das Austrocknen die zum Schwimmen ntige Leichtigkeit. Wie nmlich Darwin experimentell bewiesen, gehen viele Samen im frischen Zustande zu Grunde, die, wenn sie vorher gengend aus- getrocknet sind, oft sehr lange schwimmen. Reife Hasel- nsse z. B. sanken, getrocknete schwammen 90 Tage, eine Spargelpflanze mit reifen Beeren sank nach 23 Tagen, wurde sie getrocknet, erst nach 85 Tagen. Unwillkrlich werfen wir diesen Beobachtungen gegen- ber die Frage auf: Muss denn eine tagelange Bin- wii'kung des Seewassers nicht verderblich fr die Keim- fhigkeit der Samen sein"? Auch nach dieser Richtung hin hat Darwin Versuche angestellt und seine Resultate verffentlicht, von denen wir einige als Beispiel anfhren. Hafer wui-de 85 Tage dem Seewasser ausgesetzt und keimte ausgezeichnet, nach 100 Tagen keimten schon weniger, nach 120 Tagen nur noch einzelne Krner; ganz hnlich verhielt sich Kartoffelsamen, welcher nach 90 Tagen gut keimte, nach 120 Tagen aber vllig ab- gestorben war; bei der Lupine lebte ein Drittel nach 22 Tagen, ein Sechstel keimte nach 36 Tagen, nach 50 Tagen wai-en alle abgestorben. Schon die Widerstandsfhigkeit dieser Pflanzen, die brigens als Landpflanzen dem Seetiansporte noch gar nicht angepasst sind, wrde gengen, sie keimungsfhig durch die Meeresstrmungen weit zu verbreiten, denn der Haupt - Aequatorialstrom durchfliesst tgch eine Strecke von 60, der Kapstrom sogai' eine Strecke von 90 Meilen, so dass wenige Tage gengen wi'den, eine schwimmende Fmcht von einem Kontinente zum anderen oder nach weit gelegenen Inseln zu fhren. Damit stimmen denn auch die Erfahrungen anderer Forscher berein. Ijinne teilt in seinen Amoen. acad. VIII. pag. 3 ausdrcklich mit, dass die nach Norwegen durch das Meer verschleppten Frchte (Cassia Fistula, Anacai'dium occidentale, Mimosa scandens und Cocos nucifera) keimten und sich entwickelten, und hnlich berichtet der oben erwhnte Holmann: Alle krftigen Samen, wie die der Kletterpflanzen, behalten ihre Keimkraft, aber die zarteren Sorten, unter denen sich die Mangostine beflndet, werden auf dem Wege zerstrt.'" In der That giebt es auch viele Frchte, die den Wassertransport nicht er- tragen, wie z. B. Rumph von Canarium decrunanum Willd. erwhnt, dass seine Samen vom Meere oft ans Ufer geworfen werden, aber ilne Keimflgkeit dann eingebsst haben. Da es nun besonders zwei grssei'e Familien sind, welche zahlreichere Reprsentanten mit Treibfrchten" aufweisen, nmlich die Palmen und die Leguminosen, so will ich zum Schlsse einige derselben hier als Beispiele autt'hren. Von ersteren hatten wir die Kokos und die Nipapalme bereits erwhnt: wir nennen als dritte im Bunde die flschlich Maldivische Nuss" genannte Lo- doicea Sechellarum. Ihre Heimat sind nmhch nicht, wie man lange glaubte, die Malediven, sondern allein die Sechellen, wo sie La Boud'onnaie 1743 entdeckt hat. Hier wachsen sie meist am Strande, \on wo die Frchte oft ins Meer fallen und nach den Malediven, der Mala- barkste und anderen Gegenden hingetrieben werden. Die .Javaner haben daher die Tradition, dass diese Frucht nur auf einem einzigen Baume mitten im Meere wachse, in dessen Krone der Vogel Greif niste. Das merkwrdigste Nv. 14. Natiinvissenscliaftliche Wochenschrift. 107 ist wohl liei ilirei \>iliieitunys\veise die aiittailende (Jis.se und Scluvere der Frucht, welche 20 25 IM'und schwei' wird. Trotzdem trat' sie sclion ihr Entdecker ijabiliar- dic'ie mitten ira Meere treibend. Ausser den l'almen sind es, wie bereits gesagt, l)e- sonders viele Arten der Leginninosen, welche durch das Meer vertiieben werden: der Bericht der Challenger-Ex- pedition fhrt deren nicht weniger als 29 Spezies auf. Zu ihnen gehrt die Riesen hlse (Entada Pursaetha DO, welche im tropischen Asien, Afrika und Amerika verbreitet ist und tarnen von der Grsse eines Hhner- eies hat, ferner die Rhren-Cassie, Cassia Fistula, deren rundliclie, 2 Fuss lange Hlse in zahlreiche Fcher geteilt ist, die zwar anfangs mit einem sssen Marke er- fllt sind, beim Austrocknen desselben aber eben so viele llolilrume bilden, und so die Schwimmfhigkeit der Frucht erhhen. Die runden Samen des Kugelstrauches ((iuilandina Bonduc), welche die Gestalt und Grsse einer Flintenkugel haben, wurden aus dem Golf von Mexiko bis nach England vertrieben, wo sie zwar noch keimten, dann aber der Ungunst des Klimas erlagen. Die wenigen hier aufgeflirten Beispiele knnten nun vielleicht beim Leser die Idee erwecken, dass dies Vertreiben der Frchte durch das Seewasser immerliin ein sehr vereinzeltes, und im grossen Haushalte der Natur von sehr ungeordneter Rolle sei. Dass dies aber, wenig- stens fr die tropischen Strandgegenden nicht der Fall ist, erhellt aus Helmsley's Beobachtungen, nach welchen ber 37% aller Phanerogamen der Beimudas-Inseln zu den Treibpflanzen gehren. Die Wirksamkeit der dynamo-elektrischen Maschinen. Von Dr. K. ,1 >ie dynamo-elektrische Maschine, auch kuiz Dynamo- maschine genannt, ist eine jener Ertindungen der Neuzeit, bei welchen wie beim Telephon, Mikrophon und beim Phonographen der einfache und doch so wunderbare unmittelbare Umsatz physikalischer Bewegungsformen eine Rolle spielt. Bei der dynamo-elektrischen Maschine handelt es sich um die Venvandlung von gewhnlicher Massenbewegung in Magnetisnnis und strmende Elektiici- tt. Wenn wir uns die Wirksamkeit einer solchen Maschine klar machen wollen, so gehen wir am besten von der Thtigkeit der magneto- elektrischen Maschine aus, von der sich die dynamo-elektrische dadui'ch unter- scheidet, dass sie nicht wie jene einen im voraus vorhandenen Magneten, z. B. einen durch einen besonderen elektrischen Strom hergestellten Elektromagneten enthlt, sondern dass der von der Maschine gelieferte Strom selbst zur E)- zeugung eines Magneten benutzt wird. Bekanntlich entsteht in einem Stromleiter, z. B. einer Drahtspirale ein elektiischer Strom, wenn ein in ihrer Nhe betindlicher Magnet seine Lage' zu ihr ndert oder wenn sie gegen den Magneten bewegt wird; und zwar ist der Strom nach der Lenz' sehen Regel derart, dass er die entgeg-engesetzte Bewegung zu jener hervorzurufen strebt, durch welche er selbst entstanden ist. Denken wir uns. dass in Fig. 1, welche eine Form der Dynamomaschine schematisiert darstellt, NS und NiSi zwei Elektromagnete sind, an deren Polen eiserne Arma- turen M und Ml angebracht sind, zwischen denen ein starker Eisenring R oder bessei' ein ringfrmiges Bndel zahlreicher dnner Eisendrhte in Umdrehung (um die Achse A) versetzt werden kann. Dieser sich drehende Ring ist von einem Drahtgewinde umgeben. Sobald man den Ring in dem Sinne des grossen, getiederten Pfeiles dreht, werden die einzelnen Windungen desselben gegen die Pole N und Si und die durch die- selben in dem Eisenkern des Ringes erzeugten entgegen- gesetzten Pole verschoben; die Folge ist, dass die Win- F. Jo]rdaii. dngen von einem elektrischen Strom durchflssen werden, dessen Richtung duich die kleinen Pfeile angedeutet wird; dieselbe ist auf dei' linken Hlfte des Ringes deijenigen auf der i'echten entgegengesetzt. Suchen wir diese Richtung fr die obere Hlfte des Ringes festzustellen! Den ganzen Eisenkern des Ringes knnen wir uns aus zwei Magneten einem oberen und einem unteren zusammengesetzt denken; beide haben ihren Nordpol auf der rechten Seite (gegenber Si), ihren Sdpol auf der linken (gegenber N). Die Lage beider Pole an sich (im Rume) bleibt bei der Drehung des Ringes unverrckbar dieselbe, weil sie den festliegenden Polen N und Si der Elektromagnete NS und NiSi ihre Entstehung \erdanken ; den sich drehenden Ring dagegen durchwandern die Pole, oder sagen wir: der Ring dreht sich ber die Pole hinweg. Nach der Ampere 'sehen Vorstellung von der Natur des Magnetismus knnen wii' uns einen Magneten als einen Eisenstab vorstellen, den ein elektrischer Strom von solcher Richtung umfliesst, dass wenn wir mit dem Strome schwimmen und den Stab ansehen der Nordpol sich linker Hand befindet; diese Richtung wrde fr den unteren Magneten durch den Pfeil p angegeben werden. Dem Nordpol dieses Magneten nhert sich nun die rechte Hlfte des den oberen Magneten lun- gebenden Drahtgewindes fortdauernd; nach der Lenz- schen Regel muss daher in den Windungen derselben ein Strom von solcher Richtung erzeugt werden, dass er den den Magnetismus des unteren Magneten darstellenden Strom von der Richtung p abstossen wrde. Da aber entgegengesetzt gerichtete Strme einander abstossen, so muss die Richtung des in dem" rechten oberen Viertel des Drahtgewindes erzeugten Stromes die entgegengesetzte von p sein; sie wh-d durch die Pfeile pi angegeben. Die die linke Hlfte des oberen Magneten umgeben- den Windungen entfernen sich von dem Sdpol des unteren Magneten; daher muss der sie durchfliessende lOS Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 14. Strom dem den Magnetismus darstellenden Strom von der Richtung p gleich gerichtet sein, d. h. so, wie es die Pfeile angeben. In. gleicher Weise, wie hier entwickelt, findet man die Richtung des Stromes in der unteren Hlfte des Ringes. An den beiden oben und unten befindlichen Punkten des Ringes, welche um 90 von den links und rechts befindlichen Polen entfernt liegen, also Inditi'erenzpunkte sind, fliessen die Strme der linken und rechten Hlfte des Drahtgewindes zusammen bezw. auseinander. Oben gehen sie auf die Speichen, welche sich zwischen dem Ringe und einem die Achse umgebenden Holzcylinder H ausspannen, ber und von hier auf Metallstreifen des Holzcylinders selbst (siehe Fig. 2, welche den Ring mit den zunchst daran sitzenden Teilen von oben gesehen zeigt). Mit den letzteren steht ein brstenartig geformter Stromsammler B in Berhrung, von welchem ein Leitungs- di-aht den (positiven) Strom fortflu-t. In den rechts befindlichen Stromsammler Bi tiitt der Strom ein und geht auf die Windungen der unteren Hlfte des Ringes ber und nach beiden Seiten auseinander, wie die Pfeile zeigen. Htten wir es nun mit einer mag neto- elektrischen Maschine zu tluin, so wrde der an Bi befindliche Leitungs- draht gleich dem an B befindlichen frei endigen. Bei der dynamo -elektrischen Maschine sind aber die beiden Bisenkerne NS und NiSi von diesem Drahte umwickelt, so dass der Strom des letzteren ihren Elektromagnetismus erzeugt. Die freien Enden des Diahtes sind durch + und bezeichnet. Nach dem Gesagten entsteht durch die blosse Um- drehung des Ringes : erstens in den Windungen des Ringes der bei + austretende und bei eintretende positiv elek- trische Strom, und dieser Strom ist es zugleich zweitens, welcher NS und NiSi zu Elektromagneten macht. Dagegen knnte der Einwand erhoben werden, dass die Magnete NS und NiSi vorher vorhanden sein mssen, damit dann der das Diahtgewinde durchfliessende Strom entstehe, dass man daher nicht erst mittelst des letzteren Stromes die Magnete erzeugen knne. Allein es ist an- zunehmen, dass in NS und NiSi eine gewisse Menge wenn auch nui' eine Spur von Magnetismus zurck- geblieben ist; infolgedessen entsteht beim Drehen des Ringes in dem Stromleiter, sobald er geschlossen ist, zunchst ein schwacher Strom. Dieser verstrkt nun den Magnetismus der Pole N und Si und wh'd dadurch selbst wiederum strker. So steigern sich gegenseitig Strom und Magnetismus bis zu einer Grenze hinauf, welche eintritt, wenn NS und NiSi bis zur Sttigung magneti- siert sind. Die dynamo-elektrische Maschine liefert nicht nur auf Kosten mechanischer Arbeit einen elektrischen (Strom, der zu verscledenen Zwecken, z. B. zur Speisung elek- trischer Lampen, benutzt werden kann, sondern sie kann auch die umgekehrte Thtigkeit entfalten. Wird nmlich durch den bei + und endigenden Draht ein elektrischer Strom geschickt, so bewirkt derselbe eine Umdi-ehung des Ringes*). In diesem Falle kommt der Maschine der Name elektro-dynamischei- Motor" zu. Wendet man zwei dynamo-elektiische Masclnen an, so kann man eine Uebertragung von Kraft auf weite Strecken in's Werk setzen. Es liefert dann die eine Maschine den Strom, welcher zu der anderen Maschine, die als elektro-dynamischer Motor wirkt, gefhrt wird und dieselbe in Thtigkeit versetzt. *) Wenn der positive Strom die in der Fig-ur angegebene Ricli- tung einschlgt, so dreht sich der Ring in umgekehrter Richtung, als es der gefiederte Pfeil anzeigt. Kleinere Mitteilungen. Elektricitt als Naehrichter. In New- York wurde in den letzten Tagen gesetzlich beschlossen, die zum Tode verurteilten Verbrecher mittelst Elektricitt hinrichten zu lassen. Im Anschlsse hieran machte man den Vorschlag, die Exekution in folgender Weise zu vollziehen. Der Delinquent wird auf einen Sessel gesetzt, welcher mit den Polen einer galvanischen Batterie derart in Verbindung steht, dass der elektrische Strom, welcher der Strke des Blitzes gleichkommt, durch den Krper des Hinzurichtenden hindurchgehen muss. Die Drahtleitung ist an einer Stelle durch das Einschalten einer Wage in der Weise unterbrochen, dass, wenn die Wage in Ruhe verharrt, der elektrische Strom nicht in Thtigkeit tritt, whrend hingegen durch das Hinabgehen einer Wageschale, infolge des Herstellens eines Kontaktes, der elektrische Strom sich auslst. Der Richter, welcher dem Delinquenten sein Urteil ver- kndet, zerbricht dabei einen Stab und wirft die Stcke auf eine Wageschale, worauf diese hinabsinkt und sofort das Urteil vollstreckt. Kreis-Physikus Dr. L. Schmitz zu Malmedy. Ueber die Erforschung des Rio Xing teilt Dr. Max Wildern]anii in dem von ilim herausgegebenen .Jahrbuch der Naturwissenschaften lti87 1888" folgendes mit. Auf unseren Atlanten und Karten sind auch die centralen Teile Brasiliens sehr detailliert mit Flssen und Gebirgen ausgefllt; und doch sind diese Gegenden so unbekannt, wie es bis vor kurzem Nr. 14. Naturwissenschaftliche Wocliensclirift. 109 die centralwi Teile Afrikas waren. Die grosse, usserst erfolgreiclie Xingr-Expeilition der Gebrder von den Steinen im Jahre 1884 hat das fr das (iuellgebiet und den Oberlauf eines der grssten Nebenflsse des Amazonas gezeigt. Die Reisenden fuhren von Montevideo aus den l'araguay aufwrts ber .\sunoJon naeh Corumba und Cuj'aba. Vom Prsidenten der Provinz Mato Orosso erhielten die Herren eine militrische Begleitung von 30 Mann, mit deren Befehlshaber Dr. von den Steinen aber bald in Differenzen geriet. Die Expedition fand, dass der Xingi'i aus drei (^uellflssen entstehe, dem Konuro (westlich), dem Kuliseu (stlich) und dem Batovy (in der Mitte zwischen den beiden ersteren). Die Reisenden fuhren den durch fast zahllose .Stromschnellen ausgezeichneten Batovy auf selbst- gemachten Rindenkhnen hinunter. Die Vereinigung der genannten (^uellflsse erfolgte auf 11" 55' s. Br. Der Batovy ist hier 65 m. der Ronuro 450 in und der Kuliseu 380 m breit. Nach der Ver- einigung fliesst der Xiug in einer Breite von 500 m und mit einer Geschwindigkeit von 40 45 m weiter. Nach den bisherigen An- gaben sollte der Xing erst auf dem elften Grade sdlicher Breite entspringen, whrend er auf dem zwlften Grade schon eine Breite von 500 m hat. Die Weiterfahrt auf dem Hauptstrome war sehr beschwerlich wegen zahlreicher Stromschnellen und WassertUUe. Die Reisenden trafen folgende Indianerstmnie an. Bevor die- selben den Batovy erreicht hatten, stiessen sie auf zwei Drfer mit zahmen Bakairi-ludianern. Whrend der Fahrt auf dem Batovy trafen sie wilde Bakairi und die Kustenau. Am obern Lauf des Xing wohnen die Trumai. Suya und Manitsau. Diese drei Indianer- stmme waren noch niemals mit Europern in Berhrung gewesen und kannten noch kein Metall. Etwas unterhalb der Wohnsitze der Manitsau befindet sich ein grosser Wasserfall, den die Reisenden den Martius-Katarakt" nannten zum Andenken an den grossen deutschen Brasilienforscher. Dieser Wasserfall ist ethtiologisch von grsster Bedeutung als Scheidewand zwischen den nrdlich und sdlich von ihm wohnenden Indianerstmmen. Mehrere Tagereisen nrdlich vom Katarakt sind die Ufer des Xing und wahrscheinlich auch die hinter demselben liegenden Landstrecken gnzlich unbewohnt. Die Indianer oberhalb des Kataraktes haben von den unterhalb des- selben wohnenden nicht die mindeste Kenntnis. Diese letzteren sind zunchst die Yurunas. bei denen man schon verschiedene An- zeichen der Civilisation antrifft. Die Yuruna haben statt der leichten, zerbrechlichen Rindenkhne starke Baumkhne, die sie Ubs nennen. Bei der Weiterfahrt halfen verschiedene Yurunas der Expedition die zahlreichen Stromschnellen und WassertUlle berwinden. Nach einer sehr anstrengenden und gefahrvollen Reise, die ohne die Yurunas kaum mglich gewesen wre, langte die Expedition in Piranhaquara an, dem Endpunkte der denkwrdigen Xingfahrt des Prinzen Adalbert von Preussen. Damit war eines der grssten geogra- phischen Rtsel, an denen Sd-Amerika noch so sehr reich ist, glcklich gelst. Die Erforscher konnten eingehende Studien ber die Krper- beschaffenheit, die Wohnungen. Gertschaften, Waffen, die Sitten und Gebruche der angetroffenen Indianerstmme anstellen. In dem ausfhrlichen Reisewerke von Dr. Karl von den Steinen sind diese Studien, wie auch die meteorologischen Beobachtungen und die Ortsbestimmungen von Dr. Claus s mitgeteilt. Augenblicklich weilt Dr. von den Steinen in Begleitung von Dr. P. Ehrenreich auf einer zweiten Expedition wieder in Brasilien. Whrend die erste Expedition hauptschlich geographische Ziele verfolgte, handelt es sich bei dieser zweiten wesentlich um ein genaueres, eingehendes Studium der unbekannten Indianerstmme am Xing. Die Verwandtschaftsverhltnisse der grossen sdameri- kanischen Indianer-Gruppen sind noch nicht ganz klar; wir knnen die Beziehungen der verschiedeneu sdamerikanischen .Sprachen noch nicht hinreichend bersehen; die Heimat der Karaiben, die Ein- fhrung der Banane, dieser so wichtigen Tropenfrucht: alles das sind ethnologische Probleme, welche nach der Meinung Dr. von den Steinen's und seines sprachkundigen Begleiters gerade hier im Innern Brasiliens am ersten wenn berhaupt gelst werden knnen. Freilich, das eine betrbende Resultat der ersten Expedition wird keine Aenderung erleiden; dass der gewaltige, wasserreiche Xing wegen der Unzahl von Katarakten niemals Handels-, Verkehrs- und Vlkerstrasse gewesen ist und niemals eine solche werden kann. lieber Eiszeiten in frheren geologischen Perioden. Die Frage, ob die Eiszeit, welche der jetzigen Periode voranging, die einzige ihrer Art in der Entwicklungsgeschichte der Erde gewesen sei. hat seit langer Zeit die Geologen beschftigt. Schon vor Jahren glaubte Ramsay in England eine ftere Wiederholung der Eiszeit nachweisen zu knnen. Da er jedoch jede mchtigere Konglomerat- bildung auf glacialen Ursprung zurckfhrte, fanden seine Ansichten keine weitere Beachtung. Neuerdings hat man jedoch in Sdafrika, Ostindien und, wie es scheint, auch in Australien Ablagerungen mit zahlreichen, un- regelmssig gelagerten, gekritzten Blcken gefunden, deren glacialer Ursprung (? Eisberge) sehr wahrscheinlich ist. Die Altersbestimmung dieser Schichten machte niaiiuigfaohe Schwierigkeiten und galj zu interessanten Errterungen ber die verschiedene Entwicklung der Lebewesen im Wasser und auf dem Lande Anlass. Man fand in den mit den glacialen Konglomeraten in Zusammenhang stehenden Bildungen eigenartige Reptilien, sowie eine Flora, die durchaus an die in Europa vorkommenden mesozo- ischen Pflanzen erinnert. Es erschien damit die Zurechnung dieser mchtigen terrestrischen Schichten zu Trias und Jura geboten. Jedoch fand man spter, eingelagert in den oberen Teil der Land- pflanzen fhrenden Bildungen eine Schichtengruppe marinen Ursprungs mit zweifellosen palozoischen (karbonischen) Tierresten. Die An- nahme, dass die lteren Meerestiere in der Sdhemisphre lnger ausgedauert htten, als im Norden, ist hchst unwahrscheinlich. Es bleibt somit nur die Mglichkeit, dass im palozoischen Zeitalter auf einem Kontinent, der das heutige Ostindien, Sdafrika, Australien, sowie die zwischenliegenden Meere umfasste, eine Pflanzenwelt von mesozoischem Charakter gleichzeitig mit den palozoischen Pflanzen des Nordens lebte. Die schneller entwickelte, hher stehende Flora ist dann spter nordwrts gewandert. Zur Erklrung dieser sonder- baren Verhltnisse hat nun Waagen an die glacialen Ablagerungen gedacht, die gleichzeitig mit den Pflanzenschichten auftreten. Er hat die Ansicht ausgesprochen, dass der palozoische .Sdkontinent, dessen Zusammenhang durch die nahe Verwandtschaft der afrikani- schen, indischen und australischen Floren erwiesen wird, von einem, riesige Gletscher tragenden Hochgebirge erfllt war, und dass die hierdurch bedingte Temperaturerniedrigung den abweichenden Charak- ter der Flora erklre. Die Besttigung dieser geistreichen Hypothese muss ferneren Forschungen vorbehalten bleiben. Dr. Fr. Frech. Die Umwandlung von Hyoscyamin in Atropin. Die .Solanumbasen Hyoscyamin und Atropin finden ihrer mydriatisi;heu Wirkung wegen ausgebreitete Anwendung in der Augenheilkunde und werden infolgedessen in grsserem Massstabe technisch dargestellt. Bei der Verarbeitung von Belladonnawurzel auf die genannten Alka- loi'de unter verschiedenen Bedingungen hatte sich nun das bemerkens- werte Resultat ergeben, dass das Verhltnis der ausgebrachten Menge von Atropin und Hyoscyamin je naeh der Art der Verarbeitung ein ganz verschiedenes war. Diese wechselnde Ausbeute an dem einen oder anderen Alkaloid sclu-ieb man fi'her entweder einem von vornherein verschiedenen Gehalt der Wurzel an beiden Basen zu oder aber dem Umstnde, dass je nach der angewandten Methode bald die eine, bald die andere derselben der Wurzel vollstndiger entzogen werde. Sorgfaltige, in der chemischen Fabrik auf Aktien vormals E. Schering angestellte Beobachtungen dieses Prozesses haben nun gezeigt, dass man es vllig in der Hand hat. aus der- selben Wurzel bei zweckmssig geleiteter Extraktion berhaupt niu- Hyoscyamin. bei weniger vorsichtig geleiteter Extraktion dagegen ein atropinreiches Produkt zu erzielen. Diese Erfahrung fhrt notwendig zu der Annahme, dass das Hyoscyamin whrend der Verarbeitung in Atropin umgewandelt werde, imd in der That haben Versuche, welche Dr. W. Will auf Wunsch der genannten Fabrik angestellt und welche er in den Ber. d. Deutsch, ehem. Ges. 1888 .S"; 171717-26 mitgeteilt hat, das interes.sante Ergebnis geliefert, dass sich wirklich Hyoscyamin auf verschiedene Weise leicht in Atropin um wandeln lsst. Diese Umwandlung erfolgt z. B. schon, wenn man Hyoscyamin in einem ausgepumpten Gefss einige Stunden auf die Temperatiu' seines Schmelzpunktes (109 110") erhitzt. Sie tritt ferner, und zwar li ei gewhnlicher Temperatur, ein, wenn man alkoholische Hyoscyaniinlsung mit etwas Natronlauge versetzt. 1 g in etwa zehnprozentiger Lsung wird so durch einen Tropfen Natronhydrat in zwei Stunden vllig in Atropin umgewandelt. Ammoniak wirkt ebenso, aber langsamer. Wie es scheint, geht diese L'mwandluug auch bei lngerem Erwrmen mit verdnnter Salzsure vor sich. Da bei der Verarbeitting. der Belladonnawurzel das Alkaloid aus dem sauren Extrakte stets durch ein Alkali abgeschieden wird, und die alkalische Flssigkeit lngere oder krzere Zeit mit dem AlkaloYd in Berhning bleibt, so ist dadurch das Mengenverhltnis, iu welchem Atropin und Hyoscyamin aus der Wurzel gewonnen werden, bedingt. Dr. Mas Koppe. Eine neue Erscheinung der Totalreflexion hat Dr. C. Pulfrich beobachtet und in den Verhandlungen des naturhistori- schen Vereins der preussischen Rheinlande, Westfalens und des Reg.- Bez. Osnabrck" beschrieben. Fllt man einen rechtwinkligen Glaskasten mit Wasser und lsst dasselbe aus einiger Hhe (etwa der Wasserleitung) in das Gefss strmen, um die mitgefhr- ten und mitgerissenen Luftteilchen im Wasser zu verteilen, setzt man dann das Getass den horizontal einfallenden .Sonnenstrahlen aus und blickt unter 90" etwa gegen die Richtung der letzteren nach dem GefUsse. so erblickt man nach kurzer Zeit einen rtlichen Schein und bald auch die anderen Farben des Spektrums. Bald zeigen sich auch die sogenannten berzhligen" Bogen. Sobald die letzten 11" Naturwissenschaftliche Wocliensciiiift. Nr. U. Luftkiigelehen zur Oberche aufgestiegen und das Wasser verlassen haben, lirt die Ersoheiming auf. Wir haben hier also einen Regen- bogen, hervorgebracht durch die Grenzstrahlen der Totalreflexion der Sonnenstrahlen an den Luftkgelchen im Wasser so dass hier die Luftteilchen dieselbe Rolle im Wasser bernehmen, welche die WasserbUischen in der Luft bei der Hervorliringung der Regen- bogen spielen. i'- Neues aus dem Gebiete der Elektricitt und des Magnetismus. 1. Ueber die Leitungsfhigkeit des Vakuum.s fr das Durchstrmen der ElektricitUt herrschte bisher vielfach die Goldstein-Edlund'sche Ansicht, dass das Vakuum an und fr sich ein guter Leiter der Elektricitt sei und dass der bemerkte Widerstand "nur entweder von einer Polarisation der Elek- troden oder von dem Uebergang von diesen zu den verdnnten Gasen des Vakuums herrhre. In Wiedemann's Annalen ver- ffentlicht jetzt A. Foeppl eine neue Untersuchung, aus welcher hervorgeht J dass die eben ausgesprochene Anschauung nicht zu- treffend ist. Bei seinen Versuchen benutzte A. Foeppl nicht wie gewhnlich ein Paar Elektroden, welche sich im Vakuum betinden. sondern er stellte sich, um von allen sekundren Vorgngen und Erscheinungen unabhngig zu sein, einen homogenen geschlossenen Stromkreis aus Glasspiralen her, in welclien ei' durch eine grosse Kupferdrahtspirale Induktionsstrme hervorzurufen suchte. Es zeigte sich nun bei allen diesen Versuchen kein Induktionsstrom, wie an einem Magnetspiegel beobachtet werden konnte, hingegen entstand, wenn ein Kupferdraht statt der Glasspiralen verwendet wurde, sofort ein grosser Ausschlag, aus welchem man sehliessen kann, dass das Vakuum sicher 4400 mal schlechter als Kupfer leitet. 2. Ueber den Durchgang des elektrischen Stromes durch Schwefel. Bekanntlich ist der Schwefel bei gewhn- licher Temperatur ein usserst schlechter Leiter fr Elektricitt. dagegen wird derselbe, wieE. Duter in den Comptes Rendus" vom 19. Mrz angiebt, sehr gut leiteiul, wenn er auf die Siede- temperatur gebracht wird. Um diese Eigenschaft nachzuweisen, wurde ein Glastubus in ein Sandbad gestellt und in denselben reiner krystallisierter Schwefel eingefhrt, zunchst ohne ihn zu kochen. In den Schwefel wurden zwei Platinelektroden gebracht, whrend ein Kommutator die Elektroden mit einer galvanischen Sule oder mit einem Elektrometer in Verbindung setzte. Auf diese Weise stellte Duter fest, dass die Flatinelektroden polarisiert wurden, doch nuisste er sie, da der Schwefel das Platin angriff, durch Elektroden aus reinem Golde ersetzen; dabeiwar zu beachten, dass das Metall das Glas nicht berhrte, weil das erwrmte Glas ebenfalls ein Leiter wird. Es zeigte sich, dass wieder eine Polari- sation der Elektroden eintrat, ohne dass indessen der Schwefel die- selben angriff. Es wurden nun Versuche mit reinem kochenden Schwefel gemacht, durch welchen jetzt ein starker Strom geschickt wurde. Um die Strke des Stromes zu schtzen, wurde ausserdem in den Stromkreis eine Lsung von Kupfervitriol eingeschaltet, in welche zwei Platinelektroden tauchten. Solange der Schwefel nicht kochte, wurde nichts bemerkt, aber sobald das Sieden eintrat, sah man. wie die eine Platinelektrode sich mit Sauerstoffblschen be- deckte, whrend auf der anderen eine Schicht metallischen Kupfers angesetzt wurde, woraus hervorging, dass ein Strom durch den Stromkreis, also auch durch den kochenden Schwefel ging, oder mit anderen Worten, dass der Schwefel whrend des Siedens die Elek- tricitt leitete. Nach 8 Stunden wurden die Goldelektroden aus dem Schwefel entfernt; sie zeigten sich gleichfalls mit einer Schicht be- deckt, die noch genauer untersucht werden soll. 3. Ueber das Zerstuben glhender Metalle hat A. Berliner Versuche angestellt, ber welche er in den Annalen der Physik berichtet. Es war nmlich von Nahrwald bei Unter- suchungen ber die elektrische Leitungsfthigkeit der Luft die An- sicht geussert worden, dass der schwarze Spiegel, welcher auf der Glaswand entsteht, wenn ein Platindraht in einem abgeschlossenen Glasraume glht, von abgeschleuderten Metallteilchen herrhren, welche die Trger und Leiter der Elektricitt bilden. In seiner Arbeit zeigt nun Berliner, dass hier die in Metall eingeschlo.ssenen und beim Glhen wieder frei werdenden Gase die eigentliche Ursache fr das Zerstuben bilden; beim Freiwerden reisst das Gas, wahr- scheinlich rein mechanisch, kleine Partikelchen mit sich fort, welche sich an der Getasswand ansetzen. Die Versuche wurden sowohl mit Platin als auch mit Palladium gemacht, und es zeigte sich ganz zweifellos, dass der Spiegel auftrat, wenn in dem Metalle Gas eingeschlossen war, dagegen trat derselbe sehr schwach oder gar nicht auf, wenn dem Metalle vorher durch Glhen u. s. w. das Gas entzogen worden war. 4. Ueber den Einfluss der Temperatur auf die Magnetisierung des Eisens. Seit langer Zeit ist bekannt, dass Eisen in der Rotglut seine magnetische Eigenschaft vollstndig verliert. Coulomb und nach ihm viele andere Forscher untersuchten das Eisen darautliin in systematischer Weise, wobei sich das er- wartete Resultat ergab, dass der Magnetismus sich nicht pltzlich, sondern nur sehr schnell bei einer dem Dunkelrotglilheii naben Tem- peratur verliert. Aber die bisherigen Untersuchungen bezogen sich nur auf Hitzegrade bis wenig ber 300", wo die Vernderungen im Magnetismus des Eisens noch nicht bedeutend sind. In einer im Journal de Physique erschienenen Arbeit vtrttentlicht Ledeboer die Resultate seiner Untersuchungen, die sich von der gewohnlichen Temperatur bis zu der der Rotglut durch alle Zwischengrade er- streckten. Die von Ledeboer angewendete sinnreiche Methode und die theoretischen Errterungen, auf welchen dieselbe beruht, lassen sich indessen hier nicht kurz auseinandersetzen, und mssen wir unsere Leser auf das Original verweisen. Es sei nur bemerkt, dass die Erhitzung des Eisens durch eine dasselbe umgebende Platindrahtspirale geschah , welche durch einen Strom von ver- scliiedener Intensitt das Eisen auf verschiedene Temperatiirgrade bis zum Kirschrot zu bringen im Stande war. Es ergiebt sich aus Ledeboer's Resultaten, dass bis nahe 680" die magnetische Per- meabilitt des Eisens fast konstant bleibt. Von 680*' an findet eine usserst starke Abnahme derselben statt, und bei 760" hrt das Bisen gnzlich auf, magnetisch zu sein. Ledeboer schliesst seine Mitteilung mit dem Hinweis auf eine Arbeit Pionchon's ber die speciiischen Wrmen bei hoher Temperatur. Dieser Forscher sohloss aus seinen Untersuchungen, dass das Eisen zwischen 600 " und 720 " eine allotrope" Vernderung erfhrt. V'ielleicht stimmen beide Temperaturen, die Ledeboer's und Pionchon's, berein. A. Gutzmer. Ueber die Entstehungsgeschichte der Spektralanalyse wird in der ..Praktischen Physik" (Sr. 4, 1888) das Folgende mitge- teilt. Mgen die Fachgelehrten ber die wissenschaftliche Bedeutung der Spektralanaly.se schreiben, die Entstehungsgeschichte wurde von Gustav Kirchhoff bei dem Abschiedessen, welches dem scheiden- den Kollegen gelegentlich seiner Uebersiedelung nach Berlin von der Heidelberger Universitt gegeben wurde, in folgender Weise erzhlt ohne dass es mglich ist, die feine, liebenswrdige, humoristische Darstellung getreu zu kopieren. Robert Bunsen war in Breslau mit Kirchhoff bekannt und bald vertraut geworden ; beide wussten. was sie aneinander hatten und fr einander sein konnten. Auf einem der tglichen gemeinsamen Spaziergnge nach dem Mittagessen blieb der berhmte Chemiker in seiner bekannten Art pltzlich stehen und sagte: Kirchhott', man msste einmal eine Entdeckung machen, bei der man sich sagen msste: nein, das ist doch zu dumm!" Beide lachten und setzten, diesen Gedanken weiter ausspinnend, ihren Weg fort. Jahre waren vergangen. Bunsen und Kirchhoff" lehrten an der Ruperto-Carola und arbeiteten zusammen in einem engen Stbchen der oberen Etage des sogenannten Riesen" gegenber dem heutigen physikalischen Institute. Eine Lampe wurde durch Zufall in den Bereich der einfallenden Sonnenstrahlen gesetzt. Kirchhoft' bemerkte, dass eine der hellen Stellen sich verdunkelte. Er glaubte au eine Sinnestuschung, nahm die Lampe fort der Streifen wurde wieder hell. Er wiederholte dasselbe Experiment mit gleicher Wirkung. Jetzt rief er Bunsen herzu, und beitle berzeug- ten sich von der Richtigkeit des Gesehenen. Aber wie ist das mg- lich?! Beide sannen, sprachen, rieten lange hin und her. Endlich meinte Bunsen : So kommen wir nicht weiter. Wir wollen in Ihre Wohnung hinbergehen, eine Cigarre rauchen und von ganz anderen Dingen sprechen, dann wird uns vielleicht nach einiger Zeit das Rich- tige einfallen". Gesagt, gethan. Bunsen streckte sich in seiner ganzen Lnge auf die ihm wohlbekannte Chaiselongue, Kirchhoff sass in seinem Lehnstuhl, und sie qualmten heftig, ber alles mg- liche plaudernd und scherzend, scheinbar gleichgiltig, aber in Wahr- heit tief erregt und in Gedanken nur mit der merkwrdigen That- sache beschftigt. Eine Stunde etwa mochte vergangen sein, da sprang Bunseu pltzlich auf: Kirchhoff, ich hab's! Die Flamme der Lampe wird von demselben Stoft'e gespeist, welcher in der Sonne brennt!" Sie eilten wieder nach dem Riesen", stellten wieder eine Anzahl Versuche an, und die riesige Entdeckung war gemacht und konstatiert ! Zur "Vorausbestimmung der Temperatur. Auf Seite 68 und 69 Bd. II der Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" hat Herr Fr. Ben dt die Frage der Temperatur- Vorausbestimmung er- rtert und dabei auch meiner Methode zu diesem Zwecke gedacht. Sie erlauben mir nun wohl die Mitteilung, dass ich die Methode in letzter Zeit bedeutend habe vereinfachen knnen. Die verbesserte Regel lautet dahin: Die Temperatur, welche das feuchte Thermo- meter eine Stunde vor Sonnenuntergang Im Freien und int Schatten anzeigt, ist, wtnn man xwn Abweichungen bis zu 1^ C. als un- erheblich absieht, in .Vf 'Vo Mer Flle gleich derjenigen Temperatur, welche dasselbe Thermometer trockeH um 8 Uhr des nchsten Vor- mittags im Schatten zeigen wird. Letztere Temperatur ist aber der Regel nach die Mittel-Temperatur des Tages, so dass diese schon am Nachmittage des vorhergehenden Tages bestimmt werden kann." Diese Regel trifft glcklicherweise in der wrmeren Jahreszeit vom April bis Oktober . wo sie am meisten gebraucht wird. Nr. 14. Natuiwlssenscliaftliclie Wochensclirift. 111 am lipsten zu. wUhreiul man in ileii Wintermonaten uocli " von ileni Stande des t'enchten Tlieniionieters aliziehen muss, nni die Mittel- Temperatur des nchsten Tages zu erlialten. Die Grnde fr diese prak- tische Leben, die Verwendung, der Zii>aiiiiiiciilmng mir audereu Gebieten der Xatur hervorgehoben. Die Bildung der Urdrinde, Erd- beben, Vulkane, Erdrutsche, die Formationsylieder und charakteristische Versteinerungen, die geographische Verbreituni; wichtiger Soliicliteu, die Gletscher und die Eiszeit der Erde und endlich die Abschnitte der vorgeschichtlichen Zeit seit dem Auftreten des Menschen findeu Bercksichtigung. Man erkennt, dass Liebe zur .Sache und Beherrschung des Stotfes das Werk gefrdert haben. Einzelnes, so die Darstellung der Krystallsysteme, die Begrndung der Krystallforni, die hier und da eintretende Hufung des .Stoffes wird mancher anders wnschen. Im ganzen erfllt aber das gute Werk seinen Zweck recht wohl. Es wird den Lehrern ein willkommener Leitfaden sein und ihn und die Schler anregen. Bemerken will ich noch, dass als ein Buch, in welchem die Mineralien nicht trocken und kalt beschrieben werden, die Quenstedt'sche Jliiieralogie zu nennen und zum tieferen Ein- dringen zu empfehlen sein drfte. Das Korr - Kenngotfsclie IMineralreich in Bildern wird wohl gerade durch manche Abbildungen falsche Anschauungen hervorrufen. Dr. R. .Scheibe. Block, F., nOOO Flle von Hautkrankheiten aus der dermato- loginchen Klinik von H. Khner . Klinische Analyse nebst the- rapeut. Bemerkg. gr. 8". Preis 1 Jt 80 4. Fischers medicin. Buchh. (H. Kornfeld) in Berlin. Braune, W., u. O.Fischer, Ueber den Anteil, den die einzelnen Gelenke des Scindtergrtels an der Beweglichkeif des menschlichen Hnmenis haben. (Sep. -Abdruck.) Lex. -8". Mit -3 Tafeln. Preis 1 ,l( 60 .(. S. Hirzel in Leipzig. Clessin, S., I)ie Mollnsken-Fauna Oesterreich-Ungams und der Schweiz. 3. Lfg. 8". (S. 321 480.) Vifis S JC. Biiuer Raspe in Nrnberg. Coordes, C, Die klimatologische Karte von Europa, gr. 8". Preis 75 .j. Carl Chiin in Berlin. II. K. Bamberg, Klimatologische Wandkarte roti Europa. 1:3000000. 16Bl;itt. Chroniolitli. Fol. Preis 15 .; auf Leinw. in Mappe 20 JC; mit Stben 22 JC. Carl Chun in Berlin. Czermak, P., Ueber das elektrische Verhalten d. Quarzes, gr. 8". Preis 7n ,(. G. Freytag in Leipzig. Davis, J. il. A., A tcrtbook of biology. S". Preis ca. 15 ^fC. Griftin & Co. in London. Dring, W., Feuer im Schiff'. Selbstentzndung von Steinkohlen- ladiingen und Kohlengas-Explosionen, sowie Mittel zu. deren Verhtung, gr. 8". Preis 1 ^t. Eekardt & Messtorff in Hamburg. Dubief, H., Manuel de mierobiologie. Avec 162 figures dans le texte et 8 planches en couleur liors texte. Kart. 8". Preis ca. 8 JC. 0. Doin in Paris. Fellenberg-Ziegler, A. v., Ueber Blitzableiter und die rationelle Anlage derselbfii, .sou^ie Betrachtungen ber den Bericht der Blitzableifer-Comntission der Bernischen naturforsch. Gesellschaft. 8". Preis 80 JC. W. Bcler in Beni. Fischer, O., E.rperimentelle Untersuchungen ber die Heilung von Sclniiffirunden der Haut unter dem .Todoformverband . 8". Preis tili iV. H. Laupp'sche Buchh. in Tbingen. Fischer, L., Flora von Bern. 5. Atrfl. 8". 306 S. m. 1 Karte. Preis -.1 JC (50 4. Huber & Co. (Hans Krber) in Bern. Praas, E., Die geognostische Profilierung der wrttembergischen Eisenbahnlinien. 4. Lfg. gr. 8". (12S. m. 1 I'rofil in Farben- ilnirk. ) Preis 1 JC 50 ,j W. Kohlhammer in .Stuttgart. Fuchs, E., Herbarien-Etiketten fr die Flora Schleswig-Holsteins einschliesslich Hamburger und Lbecker Gebiet. 4". (34 Blatt.) l'reis 1 JC 50 .f. Kock's Buchh. in Kappeln a. d. Schlei. Heinricius, G., u. H. Kronecker, Beitrge zur Kenntnis des Ein- flusses der Respirationsbeu-equngen auf den Blutlauf im Aorfen- system. (Separat-Abdr.j Lex.-8". Mit 5 Taf. Preis 1 JC 80 .j. ,S. Hirzel in Leipzig. Kariowa, R., Die Verwendung von Oel zur Beruhigung der Wellen. S (35 S. ni. Dlustr.) 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Juli in unseren Hnden sein. Die Exp'edition, Bei Benutzung der Inserate bitten wir un- ; sere Leser hflichst, auf die Naturwissenschaftliche Wochenschrift" Bezug neh- men zu wollen. Inhalt: Dr. E. Huth: Die Verbreitung der Pflanzen durch Meeresstrmungen. Dr. K. F. .lordan: Die Wirksamkeit der dynamo- elektrischen Maschine. (Mit Abbild.) Kleinere Mitteilungen: ElektricitUf als Nachrichter. Ueber die Erforschung des Rio Xingti. Ueber Eiszeiten in frheren geologischen Perioden. Die Umwandlung von Hyosc.vamin in Atropin. Eine neue Erscheinung der Totalreflexion. Neues aus dem Gebiete der Elektricitt und des Magnetismus. Ueber die Entstehungsgeschichte der Spektral- analj'se. Zur Vorausbestimmung der Temperatur. Fragen und Antworten: Was versteht man unter Getreidekrebs, und wo findet man Nheres ber denselben. Litieratur: Dr. Wilh. Uunge; Die Mineralogie in Schule und H.aus. Bcherschau. Inserate. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry l'otonic. Verlag; Hermann Riemann. Druck: Gebrder Kiesau. Smtlich in Berlin. Dr. H. Potonie. Verlag: Hermann Riemann, Berlin SW. 48, Priedrich-Strasse 226. IL Band. Sonntag, den 8. Juli 1888. Nr. 15. Abonnement: Man abonniert bei alle Butliliaiulhmgen und Post- anstalteii, Avie bei der Expedition. Der Vierteljalirspreis ist ^IC 3. ; Briiigegeld bei der Post l .j extra. Y Inserate : Die viergespalteue Petitzeile 3t) ^. Grssere Auftrge eiS) entspreclienilen Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft. luseraten- jL annhme bei allen Annonceubureaux, wie bei der Expedition. Abilrnek ist nur mit volliitiidiger CJnellenaugabe gestattet. Die Feigen und Von Prot'. Dr Wie Galiliii einst die Ansiclit, da.s.s unser Planet das Centrura des Weltalls sei, um das sich alles andere drehe, als eine inig-e erwies, so haben die Sprengel, Fritz und Hermann Mller und andere uns die Meinung genommen, dass die Erde ausschliesslich des Menschen halber da sei, indem sie die Wunder der Blumenwelt, die wir so gerne als Schpfungen zu Freud und Ergtzen des Menschen betrachteten als Anpassungen an andere Wesen, die Insekten erlilrten. Freilich gelang es Ihnen ebensowenig ohne ein gewisses Martyrium, ihre Mitwelt dieses anthropocentrischen Standpunktes zu berauben, als dem grossen A.stronomen die Verrckung des geocentri- schen Standpunktes ohne dasselbe mglich ward. Und welch' wunderbare Klarheit hat diese moderne Blumen- lehre in das Chaos der Blumengestalten gebracht! Welch' zweckms.siges Walten tritt uns da berall entgegen, wo wir vordem nichts als ein launenhaftes Spiel der Natur zu erkennen vermochten! Da erscheinen uns nicht nur die merkmrdigen Bltenmechanismen der Orchideen, der Osterluzei, der Schwalbenwurz und tausend anderer Pflanzen erklrlich, nein jedes Strichel- chen und Hrchen in der Blte erscheint uns wie eine wohlbedachte Einrichtung, die zu den Insekten in Be- ziehung steht. In der ganzen Pflanzenwelt drfte es kaum ein besseres Bei-spiel fi- das Ineinanderleben von Blumen und Insekten geben, kaum auch ein anderes die Frucht- barkeit der neuen Anschauungen schlagender erweisen als das der Feigen und ihrer Liebesboten: der bestubungs- veimittelnden We.spen. Die Geheimnisse, welche der ihre Liebesboten. . J>\ Ludwig:. Bltttenboden der Feige birgt, sollen uns im Folgenden etwas nher beschftigen. *"^c]'n"'deri"Alten war ein Verfahren bekannt, das noch heute in Griechenland, dem frheren Knigreich Neapel etc. bei der gewhnlichen Feige, Ficus Carica, gebt wird, um reichlicheren Ertrag zu erzielen. Herodot, Theoplirast und Plinius berichten darber. Theophrast schrieb: Dem Abfallen der Frchte des Feigenbaumes beugt man, durch die Kaprifikation (Eiinasmosj vor. Mau lingt nmhch an den zahmen Baum wilde Feigen (Erineos, Caprificus), au.s denen Gallwespen hervorkommen, die in die zahmen Feigen von deren Aussenende aus hinein- kriechen. . . Die Gallwespen kommen nur aus wilden Feigen und zwar aus den Kernen. Den Beweis dafr liefert der Umstand, dass die Kerne fehlen, wenn dii' Gallwespen ausgeschlpft sind". Der Entomologe Low hat im Jahre 1843 Studien ber dies Verfahren der Kaprifikation" auf der Insel Leros gemacht. Nach seinem Berichte werden nach Mitte Juni die halbreifen von Wespen befallenen und an ihrer nicht so vollkommen geschlo.ssenen Oeffnung kenntlichen Frchte der wilden Feige gesammelt, je zwei derselben durch Binsen vereinigt und in gleichmssiger Verteilung auf die Zweige der kultivierten Feige gehngt oder ge- schickt geworfen. Beim Einschrumpfen der aufgelingten Frchte brechen die Wespen daraus hervor und legen ihre Eier in die Frchte der Kulturfeige, die aber reift, bevor sich die junge Brut entwickelt. Im Jahre 1881 hat der Professor Graf zu Solms-Laubach in einer gr.sseren Abhandlung die Herkunft, Domestikation und 114 NatuiTvissenschaftliche Woehenschi'ift. Nr. 15. Verbreitung- des gewlmlichen Feigenbaumes (Abli. d. Kgl. Ges. d. Wiss. Gttingen, Bd. XXVIIl)" ber Wesen Ursprung und Verbreitung der Kapriflkation die Resultate eingehenderer Studien niedergelegt, ohne indessen die Zu- gehrigljeit des Kaprifikus, der Ziegenfeige, richtig zu erfassen. Whi-end bei der Feige der ganze Bltenstand saftig wird, Bltenhlle und Bltenstiele anschwellen und sich mit sssem Saft fllen, bleibt das Fruchtgehuse des Kaprifikus hart und milchend bis zur Fruchtreife und vertrocknet schliesslich. Fritz Mller kam erst 18 82 hinter die Bedeutung der zur Kapriflkation verwendeten Ziegenfeigen Graf zu Solms-Laubach hatte die Essfeige als Kulturform der letzteren betrachtet. Fritz Mller wies nach, dass die Ziegenfeige und Ess- feige, von welchen letztere nur weibliche Blten ent- hlt, erstere nur im Grunde weibliche, um den Blten- eingang herum dagegen mnnliche, die sich erst monatelang nach den weiblichen entfalten, zusammengehrige Formen derselben Art sind, wie sie die Biologen in den kleinbltigen, weiblichen Stcken des Thymians und vieler anderen Lippenbltler, Nelkengewchse etc. oder in den lang- und kurzgritieligen Stcken der Primeln etc. erkannt haben, er verglich den Kaprifikus den mnn- lichen, die Essfeige den weiblichen Exemplaren anderer Pflanzen. Damit war eines der wichtigsten Rtsel gelst es war diese Deutung, wie Solms-Laubach selbst sich ausdrckt, das Ei des Columbus. Solms- Laubach fand dann auch bei javanischen Feigen- arten eine hnliche Geschlechterverteilung, so bei Ficus hirta Vahl., wo er bereits nach dem usseren Aussehen der Feigen zweierlei Bsche unterscheiden konnte: die einen trugen kugelige, spter kirschrot und saftig werdende Feigen, die anderen aus kugeliger Basis gegen die Spitze verschmlerte, birnen- frmige, die ihre grne Farbe und lederzhe Kon- sistenz behielten. Die ersteren enthielten stets nur weibliche Blten, aus denen normale Frchtchen sich entwickelten. Die anderen, die mnnlichen Feigen, enthielten oben die mnnlichen Blten (mit 1 2 Staub- gefssen) darunter ausschliesslich (bis zur Mitte der Feige) weibliche Blten, welche unfruchtbar blieben. Es war hierdurch die Zwiegestalt der Feigen und das Wesen der Kapriflkation klargestellt. Die Feigenwespen bei der gewhnlichen Feige Blastophaga grossorum Gasp. mssen den Bltenstaub des Kapriflkus in den weiblichen Bltenstand der Essfeige bertragen, wenn Samen gebildet werden sollen. Auch bei der Sykomore, Ficus Sycomorus, bei der nach Valentiner in Unter- gypten eine Kapriflkation vorgenommen wird, war es nicht anders, nm- besorgt hier Blastophaga Sy- comori die Bestubung. Eine weitere Entdeckung machte zuerst an den javanischen Feigen Graf Solms-Laubach 1885. Schon lnger war es bekannt, dass die Feigen- wespen die geflgelten Weibchen, die Mnnchen sind ungeflgelt ihren Besuch den Feigen zu dem Zwecke machen, um in die Fruchtknoten, die darauf gallenartig anschwellen, ihre Eier abzu- legen, nicht wie andere Insekten dem Honig und dem Pollen nachgehen. Wie bei manchen Pollenblumen zweier- lei Antheren, Bekstigungs- und Befruchtungsantheren gebildet werden, so sind bei den Feigen zweierlei weibliche Blten vorhanden, Gallenblten und Samenblten, von denen die ersteren der Ei- ablage dienen, die letzteren dagegen eben durch jene vor dem Angriff der bestubenden Insekten geschtzt bleiben. Auch bei der gewhnlichen Feige erwiesen sich die weiblichen Blten des Kaprifikus als Gallenblten, die der Essfeige als Samenblten. Diese beiden Bltenformen haben wesentliche Untei'schiede. In den Samenblten der weiblichen Bume (Essfeige), der Ficus Carica, sind die Griffel etwa zweimal so lang, als die Fruchtknoten und konstant gebogen, in den Gallen- blten sind sie ohne Narbenpapillen, krzer als der Frucht- knoten und aufrecht, so dass der Legestachel der Blasto- phaga grossorum bequem in die Samenknospe gelangen kann, wogegen dies bei den Samenblten wegen der Lnge und Krmmung der Grift'el nicht mglich ist. Wir nennen hier einige der javanischen Feigen, bei denen gleichfalls zweierlei Stcke vorkommen, von denen die einen in ihren Feigen nur weibliche Samen- blten, die anderen (mnnlichen Stcke) in dem oberen Teile unter der Ausgangsmndung mnn- liche Blten und darunter frher zur Entwick- lung kommende Gallblten erzeugen. Ficus hirta Val. Bestubungs- ) Blastophaga javanica vermittelnde Gallwespe) G. Mayr F. diversifoha Bl. ,, .. B. quadiatipes G. M. F. Ribes Miq. B. crassipes G. M. F. subapposita Miq. ,. ,, B. constricta G. M. F. canescens Kurz ,. B. Solmsi G. M. F. lepicarpa Miq. ,. B. bisuluata G. M. Die Inquilinen kommen hier also nur auf den mnnlichen Stcken in den Gallblten zur Ent- wicklung. Sie finden beim Verlassen ihrer Feigen reifen Bltenstaub vor, den sie nach den weib- lichen Feigen anderer Stcke tragen. In letz- teren knnen sie aber nur Bestubung vollziehen; die Versuche Eier daselbst abzulegen misslingen. Bei der gemeinen Feige, Ficus Carica, fanden sich an dem mnnlichen (Gallenblten-) Baum, dem Kaprifikus, mehrere Generationen von Inflorescenzen vor, deren wichtigste die berwinternden Mamme" und die spter sich entwickelnden Profichi" sind. Die Mamme enthalten nur weibliche Gallblten und in ihnen die ber- winternde Generation dei' Blastophaga grossorum, whrend die Profichi nur in ihrem unteren Kessel (etwa -/s) Gall- blten (fr die befruchtende Wespengeneration), darber unter dem Ausgang zahlreiche wochen- oder monate- lang spter aufspringende mnnliche Blten erzeugen. Um die Zeit der Entwicklung der letzteren sind die Samenblten der weiblichen Stmme der Essfeige empfngnisfhig. Nr. 15. Natunvissenscliaftliohe Wochenschi'ift. 115 Ueber die Ausbildung dieser eigentmlichen Ge- s-chleelitsauordnung und der Doppelgestalt der weiblichen Blten der Feigen scheinen einige andere Arten Licht zu verbreiten. Bei dem Gummibaum, Ficus (rostigma) elastica (bestubende Wespe Blastophaga clavigera G. M. ), und anderen Urostigmaarten, die dem ltesten Feigen- typus anzugehren scheinen, stehen noch in ein und derselben Feige mnnliche und weibliche Blten regellos durcheinander und die letzteren zeigen keinen Unterschied, so dass es zufllig erscheint, ob aus ihnen samenbergende Frchte oder wespenbergende Gallen werden. Bei anderen J'icus- und Urostigma- arten, z. B. bei rostigma religiosum (Wespe: B. ((uadraticeps G. M.) hat sodann eine Scheidung in eine vordere mnnliche und eine hintere weib- liche Bltenzone stattgefunden. Im weiteren findet eine Scheidung in langgriffelige und damit dem Einstich dei' Inquilinen entzogene Samenblten und kurzgiiffelige, dei' nun bei-flssigen Narbenpapillen entbehrende Gallblten statt, die aber bei Ficus (Sycomorus) glomerata (Wespe: B. fuscipes G. M.) u.a. noch regellos durcheinander stehen. Hieraus drfte sich dann erst die vollkommene Geschlechts- trennung (eine dicische die moncische ist weder beobachtet noch wahrscheinlich) der oben genannten Feigen herausgebildet haben, indem fr die weiblichen IJlten durch gesteigerte Griffelverlngerung die Mglichkeit der Gallenbildung verloren ging. Die hochgradige An- passung der Feigen an ihre Inquilinen wh'd noch auf- flhger, wenn man bercksichtigt, dass inneihalb der Familie noch ein der Windbestubung angepasster Zweig in der Gattung Sparattosyce existiert. (Schluss folgt.) Eine pathologische Wirkung des elektrischen Lichtes. Von A. AMe grosse Sonnenhitze whrend des Sommers hufig den sogenannten Sonnenstich veranlasst, so bt auch elektiisches Lieht von grosser Intensitt eine ganz merk- wrdige, hnliche pathologische Wirkung aus, die man geradezu als ..elektrischen Sonnenstich" bezeichnet hat, obwohl dieser Name etwas sonderbar klingt. In den grossen franzsischen Eisenschmelzwerken zu Creuzot verwendet man seit einiger Zeit die Elek- trieitt in grossem Massstabe zum Schmelzen und Schweissen von Metallen. Man verfhrt dabei so, dass man das zu bearbeitende Metall mit dem einen Pole, und einen Kohlenstab mittels eines Kabels mit dem anderen Pole einer elektrischen Batterie von entsprechen- der Strke verbindet. Der Kohlenstab wird alsdann fr kurze Zeit mit dem Metall in Berhrung gebracht und darauf wieder entfeint: es entstellt infolgedessen zwischen Metall und Kohle ein elektrischer Lichtbogen von so bedeutender Hitze, dass in ihm die Metalle augenblicklich schmelzen. Nichtsdestoweniger ist selbst in nur 5 m Entfernung von einer solchen Schmelzvorrichtung keine merkliche Temperaturerhhung wahrzunehmen. Der auf- tretende Lichtbogen besitzt eine. Strke von ber 100000 Kerzen, und dieser ist es, welcher noch in 10 bis 12 m Entfernung dem Sonnenstich ganz gleiche pathologische Wirkungen auf den Krper ausbt. Dieselben wurden von dem Arzt der Eisenwerke, Dr. Defontaine, der Gesellschaft fr Chirurgie zu Paris in einem ausfhrlichen Berichte mitgeteilt und verdienen allgemeinste Aufmerk- samkeit, da sie zeigen, welchen aussei-ordentlichen Einfluss das Licht haben kann. Die auftietenden Erscheinungen geben sich fr- einen in etwa 10 m Entfernung von dem Lichtbogen befind- hchen Menschen zunchst darin zu erkennen, dass der- selbe nach kurzer Zeit eigentmliche Stiche und ein heftiges Brennen empfindet, trotzdem er keine Temperatur- Gutzmer. erhhung wahrnehmen kann. Die Stellen, wo der Schmerz sticht und zwar findet dies am Halse und im Gesicht, namenthch an der Stirn, statt werden kupferrot bis bronzefarben. Die Augen werden gerade so wie vom Sonnenlicht, selbst bei Anwendung geschwrzter Glser, geblendet, so dass minutenlange Blindheit eintritt; die Retina wird ganz ausserordentlich gereizt, das sogenannte Gelbsehen" tritt ein, das Auge thrnt stark, und Ent- zndungen der Bindehaut folgen, begleitet von der Empfindung, als befnden sich Sandteilchen unter den Lidern. Kopfschmerz und Schlaflosigkeit stellen sich ein, und bisweilen treten Fieberanflle auf. Diese Erschei- nungen halten in der Regel zwei Tage an, um dann nachzulassen. Die Haut lst sich alsdann in grossen Stcken ab, whrend das Gesicht eine hellrote Farbe behlt. Wie man sieht, sind dies sehr hnliche, wenn nicht gleiche Krankheitserscheinungen, wie man sie beim Sonnenstich beobachtet. Zieht man die Umstnde in Betracht, so sieht man, dass es einzig und allein das ausserordentlich starke Licht ist, welches die geschilderten unangenehmen Wirkungen hervorbringt, denn auch die von diesem elektrischen Sonnenstich" betroffenen Personen haben deutlich die Empfindung, dass sie Stiche, aber keine Hitze empfinden. Die Arbeiter schtzen sich gegen den verderblichen Ein- fluss, wenn auch nur in unvollkommener Weise, indem sie Gesicht und Hals bedecken und sich geschwrzter Glser bedienen. Da man ber die Ursachen des Sonnen- stichs selbst noch nicht Gewissheit besitzt, so ist wohl denkbar, dass derselbe gleichfalls von dem von der Sonne ausgestrahlten Lichte und weniger von der begleitenden grossen Hitze herrlnt, wie man gewhnlich annimmt. Dr. Defontaine selbst stellt keine Erklrung der von ihm beobachteten elektrischen Sonnenstiche" auf, und es bleibt daher noch zu untersuchen, welche Strahlen 116 Naturvvissenscliaftlifhe Woclienschrift. Nr. 15. die gelben und roten oder die violetten und ultravioletten (sogenannten chemischen) die Ursache bilden. In- teressant ist es jedenfalls, hierber Aufschluss zu erhalten und hnliche Einflsse des elektiischen IJchtes auf Oi- ganismen testzustellen, was bei der grossen Verbreitung und Verwendung desselben muss ohne Schwierigkeit ge- schehen knnen. Neue Phonographen. Villi Dr. B. Dt'ssau. Die gi'ossen Hoffnungen, welche sich seinerzeit an die Erfindung des Edison'schen Phonographen knpften, haben sich, wie bekannt, in keiner Weise erfllt; der Apparat, der das Briefschreiben bei-flssig machen und die Glanzleistungen berhmter Sngerinnen verewigen sollte, ist zur Rolle eines interessanten Schaustckes physikalischer Kabinete herabgesunken. Trotzdem hat die Technik das einmal aufgeworfene Problem nicht wiedei' aus dem Auge verloren, vielmehr sind eine Reihe Erfindungen aufgetaucht, welche die Mngel des Edison- schen Phonographen beseitigen sollten. Bei dem letzteren war vor allem, um eine mglichst laute Wiedergabe zu erzielen, die Deutlichkeit zum Opfer gefallen, da die Eindrcke, welche eine schwingende Spitze in einem widerstehenden Metall hervorbringt, unmglich das ge- treue Bild dieser Schwingungen sein knnen. Diesen Uebelstand hat nun Graham Bell in seinem ,,Graphophon'' oder photischen Phonographen", einem auch in rein ph.ysikalischer Hinsicht sehr interessanten Apparate zu vermeiden gewusst. Die Aufgaben des Empfngers und des Gebers sind getrennten Vorrichtungen bertragen. Soweit aus den unvollstndigen Beschrei- bungen zu erkennen ist, dienen als Empfnger sogenannte empfindliche Flammen, welche durch Tne in Schwin- horizontaler Verschiebung ihres Mittelpunktes. Die Glas- scheibe ist auf ihrer unteren Flche mit einer Kohlen- schicht bedeckt, welche auf folgende Weise hergestellt wird. Mit Hilfe einer Druckerwalze wird zunchst eine Seite der Scheibe mit einer dnnen I^age von Drucker- schwrze bedeckt, darauf wird jene Flche einer stark russenden Flamme ausgesetzt. Es bildet sich dadurch auf derselben eine zhe, beinahe feste, gleichmssige un- durchsichtige Schicht. Die so prparierte Platte ist dazu bestimmt, das Phonogramm aufzunehmen. Zu diesem Zwecke ist die Membrankapsel wie gewhnlich mit einer Schreibspitze versehen. Die Bewegung derselben jedoch findet nicht senkrecht zur berussten Flche statt, sondern parallel dazu. Die Schwingungen der Membran bringen daher eine Furche in der Kohlenschicht hervor, deren Hauptzge die einer archimedischen Spirale sind; die einzelnen Teile derselben sind wellenartig gezackt und ilire Tiefe ist ber'all gleichmssig dieselbe. Eben dieser Punkt bildet den principiellen Unter- schied des Giamophons von den brigen Phonographen. Whrend bei den letzteren die Schwingungen der Mem- bran in einer Richtung durch den Gegendruck der Folie oder der Kolilenschicht gehemmt werden, in der anderen aber fi'ei stattfinden, ja \^on jenem Gegendruck untersttzt gungen geraten, oder vibrierende, gefrbte Flssigkeits- i werden, erfhrt der Stichel und mit ihm die Membran schichten, durch welche ein Lichtstrahl fllt. Vermittelst beider Einrichtungen werden den Schallwellen entsprechend schwankende Lichtintensitten erhalten, welche man auf einer kontinuierlich bewegten photograplschen Platte (etwa einer CyUnderflche) nebeneinander abbildet. Als lichtempfindliche Substanz fungiert dabei vei'mutlieh Chromgelatine, welche an den vom Lichte getroffenen Stellen erhrtet und so bei nachheiigem Waschen mit Wasser eine Art von Reliefbild de)- Schallschwingungen liefert. Auf diesem lsst man behufs Reproduktion der Tne einen Miki'ophonkontakt gleiten, welcher, in den Stromkreis eines Telephons eingeschlossen, in bekannter Weise dieses zum Tnen bringt. Die ganze Einrichtung ist jedenfalls sehr sinnreich; ob der Apparat jedoch in der Praxis dem Edison'schen berlegen ist, bleibt vor- erst abzuwarten. Von den zahlreichen anderen Apparaten zur zeit- lichen Aufbewahrung und Wiedergabe von Tnen ist namentlich Berliner's ,,Gramophon" bemerkenswert. Die Elektrotechnische Zeitschrift" (Jan. 1888, Nr. 59) entwirft von demselben folgende Beschreibung: Ein LTirwerk bewegt eine Glasscheibe horizontal um ihre vertikale Axe unter gleichzeitiger geradliniger in Berliner's Gramophon stets denselben, brigens sehr geringen Widerstand, so dass die Form der Schwingungen eine regelmssigere ist und diese nicht deformiert werden. Das erhaltene Phonogramm ist direkt nicht ver- wendbar, sondern muss erst in haltbarerem Material re- produciert werden. Dies geschieht entweder durch Abguss mit Wachs oder leichtschmelzbarem Metall oder durch Galvanoplastik, odei' endlich vorzugsweise auf chemischem Wege durch das Chromgelatine -Verfahi-en. Aus den derai't erhaltenen Negativen werden dann die eigentlichen Phonogramme in beliebiger Zahl meist durch Galvano- plastik hergestellt. Die Wiedergabe der Sprache wird ebenso wie beim Phonographen durch Umkehrung des Vorganges erzielt, wobei Berliner die Methode empfiehlt, ein scharf zu- gespitztes Bambusstbchen zwischen die Zhne zu nehmen und unter Zuhaltung der Ohren die Scheibe rotieren zu lassen, whrend man die Spitze leicht in die Furche presst; man soll dann die Stimme vollkommen deutlich wieder hren." Neuerdings ist nun Edison selbst mit einer wesent- lich verbesserten Auflage seines alten Phonographen her- vorgetreten; auf die Intensitt des Tones ist verzichtet Nr. 15. Natiirwissenscliaftllclie Woclienschrift. 117 und dafr soll eine grssere Schrfe und (Jenauigiceit der Wiedeigabe erzielt sein. Das zu wenig- naciigiebige Stanniol des alten Apparates ist durch einen l^eberzug von besonders prpariertem Wachs auf dem Cylinder ersetzt. Dieses Material ist jedenfalls fr Eindrcke ^empfnglicher, dafr aber drften nunmehr die Leistungen des Apparates sehr von der Temperatur abhngig sein. Whlend frher der Cylinder sicli drehte und dabei zu- gleich eine Lngsverscliiebung erhielt, erfhrt er in der neuen Anordnung nui' di(^ Drehung, wogegen der Schall- trichter sich versciiiebt eine Vernd(>rung, die fr den Sprechenden oder Hrenden kaum vorteilhaft sein difte. Die Bewegung des Medianismus geschieht nicht mehr von der Hand, sondern mittelst eines elektromagnetischen Motors von sehr einfacher Konstruktion und, wie es heisst, sehr regelmssigem (iange. Als wesentliche Ver- besserung muss es gelten, dass zur .Vufnalmie und Wiedergabe der Tne Diaphragmi>n von versdiiedener Kinrichtung dienen, welche, an dem Apparate befestigt, sich rasch gegeneinander auswecliseln lassen; eine einfache Vorrichtung dient ferner dazu, die Wachstlche jedesmal vor dem Gebrauche zu gltten. So die Beschreibungen amerikanischer Quellen, nach welchen ferner besondere Ksten zum Postversandt der Wachscylinder konstruiert worden sind. Man ist drben des Lobes voll fi' die neue Erfindung, welche wieder einmal Telegrai)li, Telephon etc. verdrng-en soll. Dem ist aber doch entgegenzuhalten, dass eine phonographische Mitteilung im besten Falle den Wert eines durch die Stimme beglaubigten Briefes haben, aber niemals die Schnelligkeit des Telegraphen oder die Vorteile der tele- plionischen Unterhaltung im sofortigen Austausch von Eede und Antwort bieten kann. Kleinere Mitteilungen. Sarraoenia purpurea. Um ein kleines Beispiel aus dem weitei- hinten be- spioi-lienen Ker- ne r 'sehen Werke rilanzenleben" 7.U bieten, geben wir hier eine Ab- bililuntr der in Smpfen des st- lirhen Xord- anierika von der Hiidsoiisb;ii herab bis Florida vor- koninipiiden, tier- fanffenden San'a- cenia purpui'ea, von der Keiner das Foleeiide sagrt. Die in Scluche metamorpho- sierten Bltter .sind rosettig: ge- stellt, liegen mit ihrer Basis der feuchten Erde auf, krmmen sich von da bogenfiTnig empor, sind un- gefhr in der Mitte etwas blasig aufgetrielien, an der Mndung da- gegen wieder ver- engert und gehen dort in die ver- hltnissmssig kleinelilattspreite ber. Die Blattspreite ist von roten Striemen wie von Bliitadeni durchzogen, hat eine miischelformige Gestalt und wendet ilire konkave Seite dem einfallenden liegen zu. Sie dient zum Auf- fangen der Regentropfen, welche von ihr in den Gnmd des Schlauches hinabfliessen und diesen mehr oder weniger hoch uiit "Wasser fllen. Aus den bogig gekrmmten Schluchen verdunstet das Wasser nm- sehr langsam. Selbst dann, wenn es eine Woche lang nicht geregnet hat, findet man in der Tiefe von frher her noch immer etwas Wasser angesammelt. Die Zellen, welclie die Innenseite des Schlauches auskleiden, sind wie die Schmelzschuppeu auf dem Rcken eines Hechtes angeordnet; die gegen den Hohlraum vorspringende Wand jeder dieser Zellen gestaltet sich zu einer starren, nach abwrts gerichteten Spitze, und je weiter nach ab- wrts, desto lnger werden diese Spitzen. Die muschelformige Blattspreite ber der verengerten Mndung des Sehlauches dagegen ti-gt Drsenhaare, welche Honig ausscheiden, so dass die Umgebung der Schlauchmlldung mit einer dnnen Schicht des sssen Saftes berzogen ist. Durch diesen Honig werden nun zahlreiche kleine Tiere an- gelockt, teils ge- flgelte, welche angeflogen kom- men, teils unge- flgelte, welche eine eigentm- liclie, an der kon- kaven Seite des Schlau dies vor- springende Leiste zum Empor- kriechen benut- zen. Gelangen diese Nscher des Honigs von der Blattspreite weg in jene Region der schlauch- frmigeu Kanne, welche mit den nach abwrts ge- richteten glatten und schlpfrigen Zellen tapeziert ist, was sehr leicht geschieht, so sind sie auch so gut wie ver- loren ; sie gleiten ber diese Zellen nach abwrts; jeder Versuch, wieder in die Hhe zu kommen, wird durch die tiefer unten die Wand bekleidenden, abwrts starrenden nadel- fonnigen Spitzen vereitelt, und schliesslich fallen sie in die mit Wasser gefllte Tiefe, wo sie ertrinken und verwesen. Die Pro- dukte der Verwesung aber werden von den Oberhautzellen im Grunde des Schlauches als Nahrung aufgesaugt. Manchmal ist die Menge derartig verunglckter Tiere so gross, dass sich von den zerfallenen Leichen ein widerlicher Geruch entwickelt, der den Schluchen ent- steigt und sich auf ziemliehe Entfeniung bemerkbar macht. Im Freien sollen die kannenfiirmigen Schluche oft bis ziu- Mitte mit ersuften Tieren erfllt sein, und es wird erzhlt, dass sich dami auch Vgel einstellen, welche einen Teil der toten Tiere aus den Schluchen herauspicken. Ob die Flssigkeit, welche den Grund der Schluche erfllt, nur aus Regenwasser besteht, oder ob dieses Regenwasser nicht doch vielleicht durch eine aus den drsenartig gruppierten Zellen her- 118 Naturwissenschaftliche Wocliensehrift. Nr. 15. stammende Ausseheiihiiij,^ des San-aeenia-Blatteti veriidei't wird, ist noch zweifelhaft. Ein ber 4 cm langer Tausendfnss, welcher im Laufe der Nacht in einen der Schluche der Sarracenia purpurea fielj war nur zur Haltte unter "Wasser gekonmien. die ohere Hlfte des Tieres ragte ber die im Schlauchgrunde antresammelte Flssig- keit empor und machte lebhafte Versuche zu entkommen : der untere Teil aber war nach wenigen Stunden nicht nur bewegungslos ge- worden . soiulern erhielt infolge des Euiflusses der umgehenden Flssisrkeit auch eine weisse Farbe, war wie maceriert und zeigte Ternderungen. welche an den in gewhnliches Regenwasser ge- fallenen Tanseudfssern in so kurzer Zeit nicht beobachtet werden. Sind einmal nirlnere in die Falle gegangene Tiere in Zersetzung bergegangen, dann frbt sich che FUissigkeit braun und liekonimt ganz das Ansehen einer Jauche. (Vergl. auch die Mitteilung ber S. p. in Bd. 1 der Xaturw. Woi'henschr." Seite 23.) Kormoranflsehen in Japan. Im Januarheft d. J. des American Naturalist" findet sich eine interessante Besehreibung einer neuen Art und Weise des Fischfanges vermittelst abgerichteter Kor- morane, wie sie von .long in Japan gesehen wurde. Gewhnlich wird die Fischerei mit Kormoranen in der Weise betrieben, dass der Fischer sich in einem Boot befindet, auf dessen Band eine Anzahl Ton gezhmten Kormoranen sitzen. Die A'Ogel sohiessen von hier aus in das Wasser und fangen in gewohnter Weise Fische. Damit sie dieselben nicht verschlingen knnen, ist ihnen ein Messingring um den Hals gelegt! Oft sind die Vgel gewhnt, auf einen Pfltf oder ein hnliches Zeichen ihres Herrn zum Boot zurckzukehren. Manchmal jedoch niuss der Fischer sehen, wie er seine Beute erlangt'; er wirft, wie Doolitle erzhlt (cf. Brehm, Tierleben) einen an einer Stange befestigten, netzartigen Beutel ber Vogel und Fisch und zieht so beide zu sich heran, worauf er dem Kormoran den Fisch abnimmt. In dieser lange bekannten Manter benutzen die Oliinesen auf ihren ruhig messenden Gewssern die gelehrigen beschwingten Fischer, Ganz anders ist dagegen das Fischen mit Kormoi-anen in den reissenden Berg-Strmen Japan's, Man fischt hier des nachts und zwar je ein Fischer mit nur einem Kormor.an. .long schildert in seinem Tagebuch den Fang in folgender Weise: . . . Der Mann erwartete uns an dem steinigen Ufer des Flusses mit seinem Vogel und mit einer hell brennenden Kienfackel. Der Vogel war sehr zahm und sass auf einem Felsen dicht dabei. Eine Leine war ziemlich straff um den unteren Teil der Kehle und zwischen den Schultern befestigt; an derselben war ein Stck Bambusrohr (mit einem Wirbel an jedem Ende) angebracht, laug genug um ber des Vogels Flgel hinauszuragen und zu verhindern, dass die Leine sich verwickelte, whrend der Vogel im Wasser war. Der IMann trug einen Korli an der Seite, um die Fische hineinzutlmn, und eine Art Schrze, in welcher er Kienspne hatte, um Licht zu maclien. Die Laterne war ein an einer langen Stange befestigter Drahtkfig oder -Korb, Diese, sowie die an dem Vogel befestigte Leine, welche jenem einen .Spielraum von ungefUhr 20 Fuss giebt, wird in der linken Hand gehalten, whrend die rechte damit beschftigt ist, den Vogel zu lenken, das Feuer anzufachen und die Fische einzustecken. Wenn Alles bereit ist, nimmt der Fischer die Fackel in die linke Hand, wickelt die Leine frei, welche den Vogel hlt und watet in den Strom. Der Vogel folgt ihm und nachdem er eilig Toilette gemacht hat, indem er Kopf und Hals ins Wasser taucht und sich putzt, beginnt die nchtliche Arbeit. Der Fischer hlt das Feuer gerade nacli vorn uiul ber den Kopf des Vogels, so dass er den Fisch in dem klaren Wasser sehen kann. Der Vogel scheint vllig furchtlos zu sein und wenn er empor kommt fallen Feuerfunken ihm bestndig auf Kopf und Rcken, Das Fischen geschieht strom- aufwrts uncl der Mann hat genug daran zu thun, mit dem Vogel Schritt zu halten, da das Wasser beinahe bis an seine Schenkel reicht. In der Tliat war es fr uns an der Kste ein hartes Stck Arbeit, in dem ungewissen Licht ber die Felsen weiter zu kriechen und gleichzeitig auf den Vogel zu achten. Der Vogel taucht, schwimmt 8 oder 10 Ellen weit unter Wasser, kommt herauf und ist wieder hinunter; er .Trbeitet sehr schnell und ergreift bestndig Fische, Wenn diese klein sind, darf er 2 oder 3 gleichzeitig in seiner Kehle behalten, aber ein Fisch von guter Grsse wird ihm sofort abgenommen und in den Korb gethan. Whrend einer halben Stunde wurden 15 Fische gefangen, was fr einen guten Fang erklrt wurde in Anbetracht der Hellig- keit der Nacht. Die grssten dieser Fische, welche alle derselben Art angehrten, waren 9 bis 10 Zoll lang und kaum verletzt, da sie dem Vogel sofort aus dem Schnabel genommen waren .... Die Vgel werden besonders fr diese Arbeit abgerichtet und fischen am Tage nicht. Unser Vogel war 2 Jahre alt und wurde als vorzglicher und eifriger Fischer angesehen, da er in guten Nchten, wenn die ganze Nacht gefischt wurde, nicht weniger als 400 Fische gefangen hatte, whrend 300 als gute Leistung angesehen wurden. Nur ruhige Nchte sind gnstig und je dunkler, desto besser. Der Fang erstreckt sich auf einen besonderen Fisch aus der Familie der Salmoniden, den Plecoglossus altivelis T. und S. Dieser Fisch, der Ai" der .Japaner steht seinem Aeussern nach zwischen einer Forelle und einem Stint, wird 12 bis 14 Zoll lang und ist von silberglnzender Farbe mit einem goldigen Fleck an jeder Schulter. Er ist von ausgezeichnetem Geschmack und fr die Tafel sehr ge- sehtzt. In einem Lande, welches durch die Mannigfaltigkeit und Vortrefflichkeit seiner Fische berhmt ist. nimmt diese Art den ersten Platz ein und erzielt den hchsten Marktpreis. Sie wird auf viele sinnreiche Art und Weise gefangen, von denen die mit dem Kormoran die interessanteste ist. Dr. Ernst Schaff. Ueber die Fixierung des StiekstofFs durch den Pflanzenboden hat sich zwischen den franzsischen Forschern Schl(]esing und Berthelot ein Streit erliuben, der sich in den Sitzungen der Academie des Sciences und in den Comptes Rendus abspielt, ohne bisher zu einer Erledigung der streitigen Frage zu fhren. Ks handelt sich dabei natrlich nur um die Fixierung des in unserer Atmosphre enthaltenen Stickstoffs durch die Pfianzen- decke. Whrend Schloesing und mit ihm Boussingault diese Fixierung leugnen, behauptet Bertlielot. dass dieselbe unter ge- wissen Bedingungen stattfinde. Die Wichtigkeit der Fragestellung ist ohne weiteres einleuchtend, und schon seit 1884 hat Berthelot eine Reihe von einschlgigen Versuchen angestellt. Er glaubt nach- gewiesen zu haben, dass manche Thonbden und Sandarten durch Fixierung des Stickstoffes der Atmosphre sich mit stickstoffhaltigen organischen Verbindungen anfllen knnen. Und zwar geschieht dieses nach Berthelot unter dem Eiiifiuss gewisser Mikro- organismen, welche den Boden durchsetzen. Ein weiteres Moment, das gleichfalls gnstig auf die Aufnahme des Stickstoffes durch den Boden einwirken soll, ist die Zirkulation der atmosphrischen Luft im Boden, also Porositt desselben u. s w. Demgegenber behauptet Schloesing, dass diese .stickstoftfixierende" Mikrobe vorlufig nur eine Hypothese sei. Der von Berthelot gemachten Angabe, dass dieser Mikroorganismus bis zu 1200 kg Stickstoff auf 1 ha fixieren knne, stellt Schloesing die Frage gegenber, warum die Land- wirte alsdann fr grosse Summen Ammoniumnitrate u. s. w. kaufen, um schliesslich nur 40 bis 60 kg Stickstoff auf den Hektar zu haben, Wie bemerkt, ist die so entbrannte Frage noch nicht zu einer vllig zufrieden- stellenden Erledigung gelangt; wir wollten aber nicht verfehlen, die Aufmerksamkeit unserer Leser auf den Gegenstand zu lenken. A. (;. Apparat fr Experimente bei hoher Temperatur in Gasen unter hohem Druck. In La Nature" (11. Februar) beschreibt L. Cailletet einen von ihm erfundenen und bereits seit, mehreren .Tahi'en benutzten Apparat, welcher das Experimentieren in Gasen bei hohem Druck und hoher Temperatur gestattet. Der- selbe besteht aus einer cylindrich geformten Stahlraasse, welche innen einen Hohlraum besitzt. Dieser steht einerseits mit dem Be- hlter des komprimierten Gases, andererseits mit einem Metall- manometer in Verbindung und erlaubt die Vorgnge im Innern durcli ein sehr dickes, kleines Glasfenster von aussen zu beobachten. Diesem gegenber befindet sich innen der zn untersuchende Krper entweder zwischen zwei Platinplatten, die wie Schmelztiegel gehhlt sind, oder in einer Spirale von Platindraht oder auch zwischen zwei Kohlen- spitzen. Diese stehen durch Kupferdrhte mit einem Akkumulator in Verbindung. Geht ein Strom durch die Drhte, so wird der innen befindliche Korper in Glhen versetzt, geschmolzen u. s. w. und kann dabei bequem beobachtet werden. Die erreichte Temperatur kommt der des Schmelzpunktes von Platin ziemlich nahe. Mit diesem Apparat hat Cailletet Versuche ber elektrisches Licht unter Druck und ber das Verhalten gewisser JNIineralien bei hohem Druck und hoher Temperatur angestellt und empfiehlt denselben fr chemische und raineralogische Untersuchungen. r. Zur Kenntnis des Frbungsvorganges. LMmi chemische Vorgnge, welche beim Frlien der Wolle und Seide mir basischen Theerfarben stattfinden, berichtet Edm. Knecht (Ber. d. d. ehem. Ges. 21, 1.556) auf finnul quantitativer Versuche. Die Erklrung der Thatsache, dass WoUe oder Seide in Lsung basischer Theerfarben (Fuchsin, Methylviolett) den Farbstoff anziehen und so gefrbt werden, war bisher die, dass entweder der Farbstoff' mechanisch von der Faser absorbiert werde oder damit eine chemische Ver- bindung eingehe. Um den Vorgang klar zu stellen, lste Knecht abgewogene Mengen basischer Farbstoffe, nmlich Fuchsin, Chrysoldin imd Krystallviolett in Wasser auf, brachte zu den Lsungen Wolle oder Seide, und kochte, bis die Lsmigen entfrbt waren. Die WoUe oder Seide hatte dann den Farb.sfoff aufgenommen. Doch stellte es sich heraus, dass nicht der gesamte Farbstoff', sondern nur ein Theil von der Faser aufgenommen wird. Besagte Farbstoffe sind die Chloride von Basen der allgemeinen Formel X . OH. Die an sich farblosen Basen gehen in Farbstoft'e ber, wenn sie sich unter Wasseraustritt mit Suren verbinden. So ist Fuchsin das Chlorid des Rosanilins. Knecht untersuchte die durch Wolle oder Seide entfrbten Lsungen auf Chlor und fand, dass der Gesamt- chlorgehalt des Farbstoffs in Lsung geblieben war. Daneben Hess Nr. 15. Natiu-wissenschaftliche Wochenschi'ift. 119 >ich auoli Aimiiiiiiiiik ninliwri^i'n. I'N li;inili'lr ^ill iImIut l.i-i der Frliiimr ticrisi-lirr Kuser nur Ijasisflirii 'riMTt'ailii'ii iiiilit um i'iui- mpi'hiinisclii' Alisor])fion, soudfni riiio iiuuutirativi' rliriuisclic Uni- sptzuus', Vfrliuiiili'ii mit Si)alnni2- dt's l'"arlistiirt's. Das ilarin ent- luiltriii' Cliloi' vci-liiiuli't sii'h mit Aunuouiak, das walu-sclifinlich von fuvr trilwinseii Zcrsi't/.uui!- der Fa.sor liiTriihrf. wlu-cnd die ]'"arli('n- liasc sii'li mit dvv Wolle vei-liiudet, unter Fi-l)U!iS' letzterer. Dafr, ilass in der That luu' die liase an sieh aut'yeuiinnnen wiril, sprieht der l'nistaud, dass sich Wolle in tarhioser Hosaniliulsunn- oluu' Sure intensiv fuehsinrot t'iirht. Was alier fr Verliindunyen sieh auf der Faser lieim Frben mit diesen Farhstotfen bilden, ist eine Frage, die sieh vorlutiy noeh nicht entscheiden lsst. F. Knecht lieahsichtig-t den Oe;renstanil noch trenauer zu untersuchen. Dr. M. HraLiard. Fragen und Antworten. 1. Wird die Richtung eines Gewitters, wenn es auf seinem Wege an einen grsseren Fluss kommt, durch denselben beeinflusst? 2. Es wird behauptet, dass ein Gewitter nicht ber einen Ort heraufziehen knne, wenn derselbe im Mond- schein hegt. Inwiefern knnte ein Gewitter in dieser Weise von dem Monde beeinflusst werden? 1. Die Zni^riehtuUL; eines Cewitters wird im allyeneiuen durch einen sri'Ossereii Fluss nicht gendert, wohl aber haben die grossen Wasserlufe einen entscheidenden Anteil an der Verbreitung de.s Gewittei's. da der ber Flssen und Seen vorherrschende absteigende Luftstroni der Weiterverbreitung- eines Gewitters ein Hindernis zu bieten geeignet ist, und das Fortschreiten des Gewitterzuges an die T!eding\uig aufsteigender Luftstrnie geknpft ist. Es kommt sehr- hufig vor, dass ein Gewitterzug an der Elbe Halt macht, imd nicht auf das jenseitige Ufer tritt, oder dass bei strkeren Gewittern Iiltzlich auf beiden Seiten des Fliisses, aber in grsserer Entfernung von demselben die Linien gleichzeitigen ersten Donners parallel verlaufen. Dieser Einfluss lsst sich mit Sii-herheit nicht durch Beobachtungen an einem einzelnen Ort wohl aber durch die synop- tische Methode entscheiden. 2. Dass der neuerdings wiederum lietoute, immer noch sehr jiroblematische Zusaumieuhang zwischen Mondumlauf und Gewitter- iiufigkeit sich in der geusserten Weise zeigen sollte, ist eine so -sonderbare Ansicht, dass sie deswegen bei manchen Anklang finden drfte; die Behauptiuig selbst beruht nur auf ungengenden Be- obachtungen. . Dr. E. Wagner. Litteratur. Anton Kerner von Marilaun: Pflanzenleben. I. Bd.: Gestalt und Theben der l'tlanze. Mit 5.53 Abbildungen im Text imd 20 AquarelltafeLn. Verlag des Bibliographischen Instituts. Leipzig 1888. Preis IG JC. Die Entwicklung aller naturwissens haftlicher Disdplinen ist wesentlich von zwei Faktoren abhngig, die sich unbedingt erfordeni und deren Ineinandergreifen zum guten Teile diesen Disciplinen den l'harakter inductiver Forschung verliehen hat. Die unendliiiie ZaU von Xaturobjekten, deren verschiedene Verbreitung und Vernderlich- keit hat nmlich seit Beginn wissenschaftlicher Forschung stets fine grosse Zahl von Menschen angezogen und beschftigt. Von momentanen und oft zuflligen Einflssen beherrscht, arbeitet der einzelne und sammelt Thatsachen bis endlich der kommt, der diese Unsumme von Einzelbeoliachtungen sammelt, in Verbindung- bringt, aus ihnen Gesetze allgemeinen Charakters aVileitet und endlich die Bahnen vorzeichnet, auf denen die Forschung zu wandern hat. So war es auch zu allen Zeiten auf dem Felde der Botanik als Gesammtwissenschaft wie ihrer einzelnen Disciplinen; neben der grossen Zahl eifriger Forscher ragen dann die Namen einzelner Mnner, wie Linne. Jussieu, Utiger, Darwin u. a. hervor, die die Resultate ihrer Vorgnger sammeln, verwerten und Epochen in der Geschichte der Wissenschaft kennzeichnen. Im Laufe dieses Jahrhunderts halten sieh die einzelnen Zweige der Botanik ent- wickelt, und sie alle. ^Morphologie und Entwicklungsgeschichte, Anatomie und Physiologie etc. haben es bis heute zu einem hohen Grade der Ausbildung gebracht. Xeben diesem hohen Werte der Aj'beitsteilung lirachte dieselbe auch den Schaden weitgehender Specialisierung; die Zahl der Botaniker w-d immer kleiner, jene der .Pflanzenanatomen", Physiologen", Systematiker" etc. immer grsser. In einer solchen Zeit muss es einem Bedrfnisse entspri'chen, wenn ein Buhepunkt geschaffen wird, von dem aus wir Rckblick halten knnen auf die zurckgelegten Wege, in dem diese alle zu- sammenlaufen, und von dem aus wir nach allen Seiten Ausblicke auf die einzuschlagenden Richtungen erhalten knnen. Einen solchen Ruhepunkt kennzeichnet in der Entwicklung der Wissenschaft ein soeben erschienenes Werk: Das Pflanzenleben" von A. von Kerner, von dem uns der I. Band vorliegt, der jedoch vollkommen die Be- deutung desselben abschtzen lsst. Es ist das erste Mal, dass man durch Zusammenfassung der Resultate aller einschlgigen D'sciplinen ein anschauliches Bild von dem Zusammenhange usserer Kiu-m und innerer Organisation, zwischen Form, Bau und Funktion erhlt, mithin Einblick in all' das, was wir Pttanzeideben nennen knnen. Durch Kerner's Werk ersieht der Fachmann, welchen Wert die wissenschaftlich testgestellte einzelne Thatsache durch Verbindung mit anderen erhalten kann, lernt der Laie die Pflanze als ein lebendes, fr die niannigfachen Erfordernisse des Lebens ausgerstetes Wesen kenneu. Wir entnehmen demselben aber auch allerorts Weisungen, welche Wege die Wissenschaft zunchst zu gehen hat, um Lcken in der Erkenntnis auszufllen. Die lieicldialtigkeit des Inhaltes und der Gedankengang des vorlieoenilen 1. Bandes wird am besten aus einer kurzen Uebersicht des behandelten StoH'es hervorgehen. Nach einer dem Entwicklungsgange der botanischen Forschung gewidmeten Einleitung, die insbesonilere eine Darlegung der gegen- wrtiijen Ziele und Aufgalien enthlt, wendet sich der Verfasser zur Schilderung des Lebendigen in der l'flanze". Die Lebensthtigkeit des Protoplasten, in Bewegungen, Ausscheidungen \md Bauthtigkeit, ferner in den wechselseitigen Beziehungen sich ussernd, fimlen wir im Zusammenhange mit den l'rinzipieu der Pflanzeuanatomie ge- schildert. Das nchstliegende Ziel des Lebens der Pflanzen ist die Aufnahme der Nahrung, welche den Gegenstand des 2. Abschnittes bildet. Derselbe gliedert sich naturgemss in eine Besprechung der Aufnahme organischer Strte, da Aufnahme organisclier Stoffe au.s verwesenden Pflanzen und Tieren, der Aufnahme der Nahnmg durch Schmarotzer, der Aufnahme des Wassers, der Ernhrungsgenossen- schaften, sowie der durch die Ernhrungsttigkeit der Pflanze be- dingten Veriulerungen des Substrates. In diesen Abschnittten finden wir insbesondere die lebendige Schilderung der mannigfachen Einrichtungen zur Versorgung der Pflanze mit der ntigen Nahrung, dei- Tierfnger und Schmarotzer u. s. w., erlutert durch zahlreiche prchtige Illustrationen.*) In natrlicher Folge schliesst sich an diesen Abschnitt des Werkes jener ber die Leitung der Nahrung an die Stellen des Verbrauches, in welchem die verschiedenen Ur- sachen der Nalu'ungsleitung, vor allem die Transpiration geschildert wird, sowie die Regulierung und Abhngigkeit derselben von usseren Faktoren. Der i. Alischnitt behandelt die Bildung organischer Stoffe aus der aufgenommenen anorganichen Nahrung durch Ver- mittlung der Chlorophylls, die Bildung und Verteilung der grnen Bltter," die f^eziehungen der Blattform^ z\ir ]51attstellung, endlich die Schutzmittel des Blattes. In einem weiteren Abschnitte finden wir die Besprechung der Stoffwandlung in der lebenden Pflanze, der Zu- luid Ableitung der Stofle, der Bedeutung des Anthocyans fr die Stott'wandlung, sowie der die Wandlung und Wanderung der Stoffe beeinflussenden Krfte (Licht, Wrme etc.). Die Aufnahme und Umwandlung der Nahi'ung bedingt das weiterlun abgehandelte Wachstum luid den Aufliau der Pflanze. Nach einer Darlegung der Theorie des Wachstums zeigt Verfasser die mannigfachen Beziehungen des Wachstums der Pflanze, resp. dieser sellist zur Wrme. Den Abschluss des Werkes bildet eine allgemein morphologische Dar- stellung, in der wir von der Entstehung und Ausbildung des Keim- blattes ausgehend einen Ueberblick ber die mannigfachen Organe der Pflanze, sowie des innigen Zusammenhanges der Form derselben mit ihrer Funktion erhalten. In allen Teilen des Werkes tritt die umsichtige Benutzung der frheren Litteratur hervor, zum gi-ossen Teile enthlt es aber neue Thatsachen als Resultate der Untersuchungen des Verfassers. Als Kapitel, die sich dvu-ch die Flle neuer, wichtiger Beobachtungen auszeicluien, nenne ich insbesondere jene ber die Aufnahme der Nahrung, besonders mit Rcksicht auf die Aufnahme organischer Substanz, von Wasser und auf den Einfluss der Pflanzenernhruug auf den Boden, das Kapitel ber die Bildung organischer Stofle in der Pflanze, jenes ber Wachstum und Aufliau u. s. w. Einen erhhten Wert gewinnt das Werk durch die prchtige Sprache liei wirklich populrer Schilderung. Dort, wo wir zur Be- zeichnung von Objekten und Vorgngen deutsche Worte haben oder haben knnen, sind dieselben angenommen oder gebildet vuid kon- sequent durchgefhrt. Die Ausstattung kann die hchsten Ansprche befriedigen; ganz besonders sind die bildlichen Darstellungen hervor- zuheben, die ZTim Teil in Farbendruck, zum Teil in geradezu muster- haftem Holzschnitte ausgefhrt Schnheit der Darstellung mit grsster wissenschaftlicher Genauigkeit vereinigen. Ausserdem sind es durchweg Originalabbildungen nachUntersuchimgen des Verfassers, die vielfach berhaupt noch nicht illustrirte Gegenstnde und Vorgnge darstellen. Wenn ein englisches Fachblatt in jngster Zeit den Ausspruch that: Es ist dies ein Werk, um das wir die Deutschen beneiden", SO' mochte ich mit den Worten schliessen : Es ist ein Werk, auf das wir Deutsche stolz sein knnen, das einen IMarkstein auf dem Boden wissen- schaftlicker Entwicklung zu. bilden berufen ist. Dr. B. v. Wettstein. *) Vergl. die kleinere Mitteilung ber Sarracenia pm-purea und die dazu gegebene Figur in dieser Nummer der Naturw. Wochen- schrift". Red. 120 Natiirwissensehaftlielii^ "WocliPiisclnift. Nr. 15. l^^a,fe namentlich Anzeigen aller optischen, chemischen, physikalischen etc. Gei-tscliafteii, Naturalien, Bcheranzeig-en finden weiteste und passendste Vei'bivitunsr. Chemikalien, sowie Band I (Okt. 1887 Mrz 188) unseres Blattes liefern wii- gegen Einsendung- von JC 4,20 (in Briefmarken) fran- ko, einzelne Quartale des Bandes g-egen Eiusendiing; von .-/^ 2,10 (in Briefmarken.) Einzelne ^'nmmern kosten 25 .,/. Die Expedition der Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" Berlin SW. 48. Friedrieh-Strasse 226. Be = 9 S Buchhandlung fr Naturwissenschaft und verwandte Fcher Berlin SW. 48. Friedrichstrasse 226 eraplielilt sich zur IJesorgung von uaturwissensebaft- liohpii Werken und Zeitschriften. ^ Ansichtssendungen .stehen jederzeit zu Diensten. )^ Beliufs anhaltender Verbindung wolle man sich mit der Firm;i in Kurn'.sii'indi'nz setzen. r- Q D = g "-HC ^. *- a W H ^ n K 2_ o g C'eiitral"Aiizei}or fr Epd- und Vlkenkunde JJ Wegweiser durch d. geograph. Litteratur alter u. neuer Zeit. Neueste Nactirichten fr alle Freunde der Erdkunde. fnter ^lirwiikuiii;- dt-r llerreii rrotessnr 1 ir. K. W. v. Dalla Torre, Doz. a. d. l'niv. Innsbruck; Dr. 0. Feistmantel, i^rof a. d. techn. Hoch- schule in Prag; Dr. Gnther, I'rnf. d. lirdkunde a. d. techn. Hochschule in Mnschen; Dr. Jentzseh, Dir. d. .geol. l'rovinzialraus. u. Doz. a. d. Univ. Kuiffsherg; lir, K. Keilhack, kul. J3ezirksgeol. in Berlin; Dr. 0. Kriimmel, Pnit'. d. ErJk. a. d. Univ. Kiel; Dr 0. Lenz, Prof. d i;rdk. n. d. Univ. Prag; Dr. F. Regel, Doz. d. Erdk. a. d. Univ. Jena; Dr. RIggenbach, Doz. a. d Univ. Pjasel; Dr. F. Wahnschaffe, kg Landesgeol. u. Doz. a. d. Univ. Berlin u. a. lierau.sgegcbeu von Dr. PanI Itnchholx. Monatlich erscheint ein Heft von 1 _' linpen. Der Jahrgang beginnt im April Zu beziehen durch aUe Huchhandlungen zum Preisi- von 3 ^Ik. pro Hnibjalir. Willi. Scliliiteriii Halle aS., Naturalien- und Lelirmlttelhanillung. 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PLotograph und Zeichner ai Seitdem die Photographie sich aus ihren besclieide- nen Anfngen zu der heutigen Vollkommenlieit empor- geschwungen und fr die verschiedensten Zwecke dienst- bar g-emacht worden ist, war man bestrebt, sie auch von dem, besonders in nrdlichen Khmaten, hutig ungengen- den Tagesliclit mittelst knstUcher Beleuchtung unabhngig zu machen. Der Wert eines solchen knstlichen Ersatz- lichtes hngt naturgemss von der Sonnenhnhchkeit des- selben, mit anderen Worten, von dem Spektrum und der intensitt ab. Bei dem elektrischen Licht, der strksten knstlichen Beleuchtung, die der Menschengeist in weiser Benutzung geheimer Naturkrfte schuf, werden jene Be- dingungen in so reichem Masse erfllt, dass dasselbe fr photographische Zwecke noch einer Abscliwchung bedarf, jedoch steht seiner grsseren Verbreitung die kostspiehge und umstndhclie Einrichtung entgegen. Man war daher unablssig bemlit, neue billigere und einfacher zu hand- liabende Lichtquellen zu entdecken, oder bekannte zu ver- bessern. Versuche mit Gas-, ja selbst mit Kerzenlicht seien liier nur der Vollstndigkeit wegen erwhnt, dagegen scheint dem Magnesium, welches schon lange vor dem elektrischen Lichte zu photographischen Beleuchtungs- zwecken diente, neuerdings noch eine bedeutende Rolle vorbehalten, nachdem die Brennvorrichtung mittelst eigens zu diesem Behufe konstruierter Lampen wesentliche Ver- besserungen erfalu'en hat. Diese Lampen, welche von . Ney in Berlin und dem Eisenwerk Gaggenau in Baden gefertigt werden, bestehen aus einem Uhrwerk, welches in Thtigkeit gesetzt, das auf di-ehbarer RoUe aufgerollte Magnesiumband successive austreten lsst, so der Kgfl. Preuss. geologischen Landesanstalt. dass es, entzndet, eine andauernde Flamme bildet, welche, je nach dem zu erreichenden Zwecke entweder mittelst Reflektors auf eine grssere Flche, wie in der Portrt- photographie, oder mittelst Linsenkombination auf einen bestimmten Punkt konzentriert wh'd, wie dies in der Mikro- photographie, d. h. der Darstellung stark vergrsserter photographischer Bilder von tierischen und pflanzlichen Gewebsteilen, Gesteins-Strukturen u. dergl. der FaU ist. Fr letztgenannten Zweck hat diese Beleuchtung vielfache Anwendung gefunden, dagegen steht ihi-er Ein- fhrung in die Portrtphotograpliie die verhltnismssig lange Expositionszeit entgegen. Gleichwohl drfte, wenn nicht alle Zeichen trgen, gerade im Porti'tfach sich das Magnesium bald ein weites Gebiet erobern, nur in anderer Form und zwar in Pulverform und (zur Erhhung der Entzndbarkeit) mit chlorsaurem Kali gemischt. Die Anwendung dieser neuen und originellen Beleuchtungs- methode, womit im vei-flossenen Jahre Vogel und Gaedicke die photographische Welt berraschten, und deren ersten staunenerregenden Versuchen Referent bei- wohnte, geschieht auf folgende Weise. Zunchst wird das aufzunehmende Objekt mittelst einer gewhnlichen Lampe oder Kerze in die richtige Beleuchtung gebracht, und die Schattenseite dui'ch Aufstellen einer weissen Wand etwas aufgelichtet. Nachdem sodann das Bild auf der Visierscheibe eingestellt worden, wird die Lampe entfernt und an ihrer Stelle das vorher aufgeschttete geringe Quantum Magnesiumpulver mit einem Wachsstock oder dergleichen entzndet, welches den dunklen Raum auf einen Moment fast sonnenhell erleuchtet und so die Auf- 122 Natunvissenschaftliche Wochensclirift. Nr. 16. nhme bewirkt. Die Vorzge dieser Beleuchtung-methode drngen .sich .sofort auf, wenn man sich die grossartige Entwicklung der heutigen Poiirtphotographie infolge Erfindung der jetzt ausschliesslicli dazu benutzten schnell w-kenden Trockenplatten vergegenwrtigt. Jene Portrts mit dem starren, ermdeten Gesichtsausdruck, jene steifen, durch Kopf- und Rckenhalter erzwungenen Stellungen und Haltungen, wie sie das Ergebnis der langsam wirkenden, sogenannten nassen Platten waren, haben lng.st einem freien, ungezwungenen Aussehen und einer natrlichen Ki-perhaltung Platz gemacht, und lieb- liche Kinderaufnahmen, die frliei' fast zu den Unmglich- keiten gehrten, erfreuen allenthalben mit kstlicher An- mut das Auge. Aber das Bessere ist stets der Feind des Guten, und da es in unserer sehr an Nervositt leidenden Zeit sehr viele Menschen giebt, die, ein Schrecken fr den Photographen, namentlich bei, infolge trben Wetters erforderlicher lngerer Expositionszeit auch nicht einige Sekunden sich absolut ruhig zu verhalten im Stande sind, so wild eine mglichst kui'ze Beliclitung, oder, wie es bei vorgenannter Beleuchtungsmethode geschieht, eine Momentaufnahme im Atelier sets anzustreben sein. Ein weiterer, dei' knstlichen Beleuchtung im allgemeinen zu gute kommender Umstand betrifft die Einrichtung des Ateliers; das Publikum, namentlich in Grossstdten wre nicht mehr gezwungen, vier bis fnf Etagen hoch zu klettern, sondern die Aufnahme knnte in jedem dunklen Parterre-Hinterzimmer vor sich gehen. Eine dritte in jngster Zeit zu grsserer Vervollkomm- nung gediehene Art knstlicher Beleuchtung geschieht mittelst Zirkonlicht. Dieselbe ist besonders fr Re- produktionen, Vergrsserungen und mikrophotographische Aufnahmen geeignet und beruht im wesentlichen auf einer Verbesserung des bekannten, zu hnlichen Zwecken sowie auf Leuchttrmen etc. angewandten Drumond'schen KalkUchtes, die sich sowohl auf das dazu benutzte Leucht- gas-Sauerstoffgeblse, als auch auf das zum Glhen zu bringende Kalki^lttchen (hier also Zirkon) bezieht. Whrend die bisher gebrauchten Knallgas-Brenner smtlich den Fehler hatten, dass die Verbrennung der Gase schon innerhalb der Dse stattfand, hat Professor Linnemann diesem Mangel durch Konstruktion eines neuen Brenners in erfolgreicher Weise abgeholfen. Der Sauerstoff tritt lerbei unter fnfzehnmal strke- rem Drucke wie das Leuchtgas in den Cylinder des Brenners und entzndet sich erst beim Austritt an der Gasflamme, wodurch eine solche Hitze erzielt wird, dass die bisher blichen Kalkplttchen zwar im ersten Augen- blick auch ein gutes Licht gaben, aber binnen kurzem unbrauchbar wurden. Dagegen gelang es Linnemann ausZirkonerde (ZrOa), dauerhafte Plttchen herzustellen, was freilich jahrelange Schwierigkeiten verursachte. Die Zirkonerde wird in Platin gefasst und in den heissesten Punkt der Flamme gebracht; .sie giebt ein prachtvolles, weisses Licht, dessen kontinuierliches Spektrum den besten Ersatz fr Sonnenlicht bietet. ZirkonpltUtrben In Fig. I ist der neue Knallgasbrenner, wie der- selbe von der optischen Werksttte von Franz Schmidt & Haensch in Berlin gefertigt wird, mit Stativ in ein Fnftel natr- licher Grsse, in Fig. II der Lngs- schnitt des Brenners selbst in natr- licher Grsse dargestellt. Das in o (Fig. II) einstrmende Leuchtgas tritt in den hohlen Raum der Dse, um- kreist den Cylinder, welcher durch die Schraube c verstellbar ist und tritt aus der Dse aus. In h tritt Sauerstoff unter fnfzehnmal hherem Druck wie das Leuchtgas durch vier Lcher in das Innere der vorher erwhnten Schraube c ein, um dann mit grosser Vehemenz aus der kapillaren Dui'ch- bohrung D dieser Schraube zu ent- weichen und nun in gemeinsamer Ver- brennung mit der Leuchtgasflamme das bei Fig. I sicht- bare Zirkonpltt- chen zum Glhen zu bringen. Diese neueste Beleuchtungsme- thode findet z. B. bei den mikropho- tographischen Ar- beiten an der Kgl. Preuss. geologisch. Landesanstalt und Bergakademie be- hufs einer vom Ministerium der ffentlichen Arbei- ten angeordneten mikroskopischen Eisenuntersuchung ihre erste Anwen- dung, wobei der eigenartigen, einer besonderen Besprechung vorbehaltenen Beleuchtung wegen Tageslicht nicht benutzt werden kann. Wenn es somit auch der Erfindungsgabe des Men- schen gelungen ist, die Hilfe des Tagesgestirns bei Ausbung einer Kunst zu entbehren, die nur seinen Zaubei-strahlen ilire Entstehung verdankt, so wird das- selbe dennoch, namentlich in der von knstlerischem Blick geleiteten Portrt-Photograple, wo es gilt, die feinsten Nuancierungen von Licht und Schatten mit weisem Ver- stndnis auszuntzen, wohl stets der Urquell bleiben, der Licht und Leben in reichster Flle und Vollkommen- heit spendet. Nr. I. Naturwissenschaftliclie Wochenschrift. 123 Die Feigen und ihre Liebesboten. Von Prof. Dr. F. Ludwig. (Scliluss) r Nocli rtselhafter fast, als die Feigen selbst, waren ihre zahlreichen Bewohner und vor allem ihre Liebes- boten, die zur Familie der Agaoniden (Clialcidix) ge- hrigen Gallwespen, ber welche besonders von Paul Mayer, Gustav Mayr, und Fritz Mller merkwrdige Thatsachen zu Tage gefrdert worden sind. Nachdem schon frker von Rudow, Valentiner, Solms-Lau- bach u. a. der sexuelle Dimorphismus von Mnnchen und Weibchen der Blastophaga grossorum der gemeinen Feige und der Blastophaga Sycomori und Blastophaga crassipes der Sycomore nachgewiesen worden die Mnnchen sind gelb, ungeflgelt, die Weibchen schwarz, geflgelt, mit Punktaugen versehen , hat Paul Mayer Begattungsweise und Entwicklung der Blastophapa gi'osso- lum genau geschildert (Mitt. d. zool. Stat. Neapel Bd. III Heft 4 1882, p. 551590 Tf. XXV, XXVI). Betreffs der Zahl und Folge der Generationen hat er darauf hin- gewiesen, dass nicht alle Feigenbume ihre Insekten zu gleicher Zeit entlassen. Die Neapolitanischen Grtner unterscheiden bereits zweierlei Kaprifikusformen, eine frhreife und eine sptreife C. tempestivo" und tardivo"). Von den drei zeitlich verschiedenen Bltenstnden des Kaprifikus, den Mamme, Profichi, die bereits frher erwhnt wurden und den Mammoni (welche zur Aufnahme, Entwicklung und Ueberwinterung der Bestuber der Essfeige dienen) werden die Mammoni eines frhreifen Baumes von den Insekten aus den Profichi eines sptreifen Baumes und um- gekehrt aufgesucht. Paul Mayer hat an der Ficus Carica nun noch eine zweite Wespe Ichneumon ficarius Carolini" untersucht, die Fritz Mller gleich- falls als Bestubungsvermittler betrachtet. Ein stndiger Gast der Feige Anguillula Caprifici Gasp. lsst sich von der weiblichen Blastophaga von den alten zu jungen Feigen tragen, hnlich wie der stndige Gast der ghrenden Eschen, das Eichenlchen , ber welches wir krzlich berichteten durch Hornissen von Baiun zu Baum getragen wird. Die flgellosen Mnnchen der Feigenwespen .sind zuweilen mundlos, so die der yykomore, bei denen der sehr dehnbare Hinterleib ein Paar seitlich ab.stehende, sehr lange Fortstze trgt, an denen Luftrhren mnden. Sie dienen nach Mayers N'ermutung zum zeitweiligen VerscMuss der grossen im sechsten Hinterleibsringe befindlichen Luftlcher, die sonst von dem braunroten, klebrigen Saft der Sykomore an- gefllt wrden. In den Feigen und Sykomoren der alten Welt ist die Zahl der Wespenarten eine sehr geringe. Ganz anders sind die Verhltnisse die Fritz Mller (18851887) und G. Mayr (1885) an den brasilianischen Feigenarten vorfanden. Wie bei den Feigen anderer Lnder sind zwar auch hier die Blastophagaarten die hervorragendsten Bestubungs- vermittler. Whi-end aber in der alten Welt ab- gesehen von Blastophaga grossorum, der den Alten bereits bekannten Wespe, welche auf verschiedenen nahe ver- wandten Feigenarten in Kleinasien, Persien, Afghanistan, am Nil und in Abessynien auftritt jede Blastophaga- species zu einer besonderen Feigenspecies gehrt, ist Blastophaga brasiliensis in fnf bis sieben Fikusarten des Itajahy besonderer Be.stubungs- vermittler, nur eine zweite Blastophaga, B. bifossuluta fand sich in einer einzigen Feigenart. Neben den Blastophagaarten (von denen fa.st ausschie.s.slich nur eine Species in einer Feigenart sich findet) kommen in den brasilianischen Feigen bisher als Parasiten derselben betrachtet, nach Fritz Mller aber gleichfalls Gallenerzeuger und Bestubungsvermittler noch schlanke Wespen mit langer Legescheide vor, Tetragonaspisarten, deren ungeflgelte Mnnchen von G. Mayr als Ganoso ma be,schrieben worden .sind. (Bei Ficus Carica: Phitotrypesis Garicae, der frher erwhnte Ichneumon ficarius" Cavolini,s). Tetra- gonaspis flavicollis mit seinem Mnnchen (Ganosoma robustum) kommt allein in sieben von den neun untersuchten Feigenarten des Itajahy vor. Um- gekehrt sind zuweilen bis sechs verschiedene Tetra- gonaspisarten in derselben Feige enthalten und dann ist es schwer zu verstehen, wie die flgellosen Mnnchen (Ganosoma) die GaUen der zugehrigen Weib- chen finden, in welche sie ein Loch beissen, um die Weibchen zu befruchten. Whrend bei den meisten brasilianischen Fikusarten der Untergattung Urostigma Blastophaga und die ihnen geselligen Tetragona.spis Ganosoma die Liebesboten sind, felilen diese Wespen bei der Gattung Pharmacosycea (P. radula), die sich berhaupt am frhesten von dem Fikusstamm abgezweigt zu haben scheint. Blastophaga ist bei dieser Feige vertreten durch Tetrapus americanus G. Mayr und Tetragonaspis-Ganosoma durch Trichaulus, dessen ungeflgeltes Mnnchen von G. Mayr als Critogaster beschrieben ward. Oft finden .sich die di'ei Arten Critogaster singularis, C. piliventiis, C. nuda G. Mayr mit den zu ihnen gehrigen Weibchen Trichaulus versicolor in derselben Pharmacosyceafeige. Andere Inquilinen fehlen der Pharmacosycea, da .sie be- sondere Schutzmittel gegen ungebetene Gste zu haben scheint, whrend es bei anderen Feigen noch von allerlei Wespenarten wimmelt, deren Verhalten in der Feige nur teilweise bekannt ist. In einer der von Fritz Mller untersuchten Feigenarten fanden sich z. B. nach G. Mayr: Blastophaga brasiensis, Physothorax disciger und annuliger, Tetragonaspis flavicollis, T. gracili- cornis, T. forticornis, Ganosoma parallelum, G. attenuatum Diomorus variabilis, Plesiostigma bicolor, Decatoma aequiramulis , D. breviramidis, Heterandium longipes, Colyostichus longicaudus, Aipocerus excavatus, A. amar- 124 Naturwissenschaftliche Wocliensclirift. Nr. 16. ginatus, A. simplex, A. flavomaculatus, A. piinctipannis, A. inflaticeps. G. Mayr hatte in seinem Werk ber Feigeninsekten (Wien 1885) im Ganzen 67 Arten (21 Genera) von Feigenwespen (66 Chalcidier und 1 Braconidus, Psenobolus pygmaeus Reinh. aus brasil. Urostigma) be- schrieben, von denen 63 (15 Gattungen) neu waren, 25 aus der alten Welt, 38 vom Itajahy in Brasilien stammten, dabei ist zu bercksichtigen, dass man erst kaum den zwanzigsten Teil der bekannten Feigenarten und von diesen die meisten hchst ungenau untersucht hat. Die fortgesetzten mit ausserordentlichem Eifer betriebenen Untersuchungen der Inquilinen der neun erwhnten Feigenarten durch Fritz Mller haben von diesen ver- meintlichen Arten allerdings manche beseitigt und zu sehr merkwrdigen Resultaten gefhrt. Er schrieb mir darber: Die Feigen und mehr noch ihre Bestubungs- vermittler und sonstigen Insassen haben mich whrend der letzten Monate fast ausschliesslich beschftigt, und es haben schon die recht zeitraubenden und langweiligen Untersuchungen der letzteren einen ber Erwarten gnsti- gen Erfolg gehabt. So hatte G. Mayr aus den Feigen eines Baumes nicht weniger als zwanzig verschiedene Arten beschrieben, darunter neun " ohne 9 und vier ? ohne cf ; dadurch, dass ich aus 40 Feigen dieses Baumes die Wespen gesondert sammelte und die jeder Feige ge- sondert untersuchte es waren im ganzen ber 2000 Wespen gelang es mir fast fr alle diese Flle die zusammengehrigen cf und ? herauszufinden. Der Ueber- schuss der cf erklrt sich daraus, dass in mehi-eren Fllen dasselbe 9 zweierlei cf hat: geflgelte, die ihm sehr hnlich sind, und ungeflgelte, die nicht die geringste Aehnlichkeit mit ihm haben. So ist Physothorax disciger G. M. das flgellose cf von Diomorus variabis (9 cf). [Diomorus variabils G. M. und Diomorus n. sp. finden sich bei Ficus (Urostigma) doliaria nicht selten beide in derselben Feige. Sie ent- wickeln sich in grossen Gallen, die nichts mit den Blten der Feige zu thun haben; die der D. variabilis sind sitzend Seepocken (Baianus) hn- lich, die der zweiten Art gestielt, Entenmuscheln (Lepas anatifera) hnlich]. Heterandrium longipes G. M. das flgellose ind gelblich weiss; die lundteile schwarz; die rrothorakalslJigmen gelb. Das Afterende bildet, einen grossen hornartigen, etwas ausgehhlten, schwarzen Stigmentrger, auf welchem die beiden gekrmmten, keglig zugespitzten Stigmen stehen. Die Lnge des Krpers betrgt 4 Linien. Die Verpuppung findet im Herbst innerhalb der Gnge statt. Im Api'il und Mai des folgenden Jahres fliegt die Fliege aus. Die Puppe ist nach demselben Beobachter ein langgestrecktes hellbraunes Tnnchen ; das Kopfende ist oben flach gedi-iickt, wulstig <:erandet nnd auf der Unterseite jederseits mit einem tiefen Lngs- eindrucke versehen; der Mund ist vorn schwarzbraun. An dem .schwarzbraunen Afterende stehen die beiden einander genherten Stigmen auf einem gemeinschaftlichen pj'raraidalisohen Trger. Die Lnge des Krpers betrgt 3 Linien. H. J. Kolbe. Litteratur, 1. Im \'erlage von Vandenhoeck & Ruprecht in Gttingen ist erschienen : Ambronn, L., Beifrag zur Bestimmung der Refraktions-Kon- sttmfen. 4". <28 S. m. 2 Taf.) Preis 2 JC. Becker, E., Beitrge zur Geschichte der Aspirationapneumonie. gr. 8". (75 S.) Preis \ JC- 9,0 4. Berggreen, H., Zur Kenntnis der Thiophosgens. Anh.; Zur Kenntnis der Isunitrosokrper. gr. 8''. (45 S.) Preis 1 ^H. Drude, P., TJelier die Gesetze der Reflexion und Brechung des Lichtes ati der Grenze absorbierender Krystalle. gr. 8". (47 S.) l'reis 1 M. 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Bei Benutzung der Inserate bitten wir un- sere Leser liflichst, auf die Naturwissenschaftliche Wochenschrift" Bezug neh- men zu wollen. Inlialt: \V. Ptz: Die knstli.he Bi leu<'htung in der Photographie. (.Mit Abbild.) Prof Dr. F. Ludwig: Die Feigen und ihre Liebes- boten. (Schliiss). Kleinere Mitteilungen : r)ie Fauna der Azoren. Ueber die Lebenszhigkeit unserer gemeinsten Ssswasserfische. Langsame Verbrennung organischer .Substanzen. Ueber die Fortpflanzungsgeschwindigkeit des Erdbebens zu Charlestone. Welches ist die geringste Lichtstrke, welche ein normales Auge gerade noch wahrzunehmen vermag? Fragen und Antworten: Was wissen wir ber die Spargelfliege? Bcherschau. Inserate. . Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry l'otonie. Verlag: Hermann Riemann. Druck: Gebrder Kiesau. Smtlich in Berlin. Redaktion: ' Dr. H, Potonie. '_.-'^' "" V^.^, Verlag: Hermann Riemann, Berlin SW. 48, Friedrich-Strasse 226. IL Band. Soiintao-, den 22. Juli 1888. Nr. 17. Abonnement: Man abonniert bei aUen Buchliandlungen und Post- anstalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljahrspreis ist JC 3. ; Bringegeld bei der Post 15 -f extra. Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 30 ^. Grssere Auftrge entsprechenden Rabatt. Beilagen nach Debereinkunft. Inseraten- annahme bei allen Annoncenbureaux, wie bei der Expedition. Abdruck ist nar mit vollstndiger ({nellenangabe gestattet. Der Farbenwechsei des Saftmais Vii Prof. i)r. Tor einer Reihe von .Jahren wies ich auf die mir damals neue Thatsache hin, dass der als Saftmal dienende Fleck am Grunde der Blumenbltter der Rosskastanie (Aesculus Hippocastanum L.) unmittelbar nach dem Auf- blhen gelb ist, spter diese Farbe aber allmhlich in Carminrot ndert. (Sitzb. bot. Verein Brandenb. 1877 S. 11 4 j. Diese Beobachtung war anf einem der von mir geleiteten botanischen Ausflge von einem meiner Zuliier, dem jetzigen Gymnasiallehrer 0. Ohmann ge- macht worden; Herin Di'. Koehne war dieser Sachverhalt seit Jahren bekannt. Selbstverstndlich unterliess ich es da- mals nicht, mich in der Litteratur umzusehen, ob diese so leicht festzustellende Thatsache auch schon frher auf- gezeichnet sei ; durch einen eigentmlichen Zufall versumte ich, das Werk zu vergleichen, in dem ich in erster Linie htte eiTvarten drfen, Aufschluss zu finden : das klassische Buch Konrad Sprengels ber das Entdeckte Geheimnis der Natur im Bau und in der Befruchtung der Blumen", in dem diese Erscheinung S. 210 212 eingehend be- sprochen wird. Es ist charakteristisch, dass mit dem SprengeTschen Werke auch diese auffllige Thatsache so vllig in Vergessenheit geriet, dass sie fast hundert Jalu-e spter fr neu gehalten werden konnte. Sprengel spricht a. a. O. mit Recht sein Erstaunen aus, dass das Saftmal in dem zweiten Stadium, das doch den Insekten verknden soll, dass fr sie nichts mehr in der Blte zu holen ist, wenigstens fr ein menchliches Auge auffUiger ist als im ersten.*) Dagegen ist seine *) Die Blten verhalten sich also entgegengesetzt wie die der Macrotomia echioides (L.) Boiss. (= Arnehia e. Alph. D. C), bei der, in den Blten der Rossitastanie. P. Ascherson. Bezugnahme auf den ihm nur aus der Litteratur (Leers Flora Herbornensis, S. 66) bekannten Umstand, dass bei Ribes alpinum L. die Krone der mnnlichen Blten gelb, die der weiblichen Blten aber rot gefrbt sei, in doppelter Hinsicht unzutreffend. Die Annahme Sprengeis, dass die Blten der Rosskastanie proterandrisch seien, dass also die rote Frbung des Saftmals das weibliche Stadium anzeige, wird durch die Beobachtungen von Hildebrand und H. Mller, nach denen sie vielmehr proterogynisch sind, nicht besttigt. Jedenfalls aber Ist ein Vergleich der lebhaft purpui-nen Saftmale der Rosskastanie mit den weiblichen Blten von Ribes alpinum L. kaum berechtigt. Bekanntlich wird die Augenflligkeit der Ribes-Blten hauptschlich durch den Kelch hervorgebracht und die Kronbltter sind nui' in ganz untergeordneter Weise dabei beteiligt. Ob die Leers' sehe Angabe zutreffend ist, davon konnte ich mich an dem mir jetzt allein zu Gesicht stehenden trockenen Material nicht berzeugen. Dass die Blumenbltter der weiblichen Blten, wenn berhaupt deut- lich rot gefrbt, jedenfalls sehr unscheinbar sein mssen, geht aus der Angabe von H. Mller hervor, der (Befruch- tung der Blumen dui'ch Insekten, S. 94) die Blten von Ribes alpinum beschreibt und abbildet aber, wie die meisten Floren, die weiblichen nur im Gegensatz zu den aufflligeren, gelblich grnen, mnnlichen als mehr grn" bezeichnet. Auch bei Besprechung der Blumen von Saxifraga umbrosa L., deren Saftmal aus mehreren kleinen roten und zwei grsseren gelben, am Grunde der Blumenbltter befind- nach der schnen Beobachtung von E. Loew (Berichte D. Bot. Ges. 1886, S. 165). die Honigsignale eingezogen" werden. 130 Naturwissenschaftliche Woclienschrift. Nr. 17. liclien Fleclieii besteht, spriclit Sprengel (Sp. 247) noch einmal unter Bezugnahme auf die Rosskastanie die Ver- mutung aus, jjdass die gelbe Farbe fr die Insekten mehr Reiz liaben, oder denselben strker in die Augen fallen msse, als die rote." Die richtige biologi.sche Deutung des auf den ersten Blick paradox erscheinenden Farben- wechsels bei Aesculus ist aber sicher nicht in dieser Rich- tung zu suchen, sondern ohne Zweifel die von H. Mller fr farbenwechselnde Blumen im allgemeinen, wie Ribes aureum, Lantana, Weigela (Bot. Zeit., 1882, Sp. 280) und Pulmanaria (Kosmos XIII, 1883, S. 214, Nature XXVIII, S. 81) gegebene. Durch das gleichzeitige Vorhandensein aufflligei-er abei' ausbeuteloser und un- scheinbarer Blumen, die die Vermittler der Bestubung durch Ausbeute belohnen, wird eine Auslese der Besucher bewirkt, indem die dmmeren und nutzlosen auf die auf- flligeren abgelenkt werden, die intelligenten und ntz- lichen aber den unscheinbaren sich zuwenden. Denselben Farbenwechsel des Saftmals wie bei den Rosskastanien*) finden wir auch bei dem zu derselben Familie (Sapindaceen) gehrigen cliinesischen Zierstrauche Xanthoceras sorbifolia Bunge (vgl. Wittmack, Garten- zeitung, 1884, S. 247). I *) Auch an Aesculus carnea Willd. und A. flava Ait. hat Martelli dieselbe Farbennderung des Saftnials beobachtet (Giorn. bot. it. 1888 p. 402). Das Skelet eines weiblichen Ur (Bos primigenius). Von l'i'of. Dr. Am 12. Mai 1887 wurde auf der Sohle des Torf- moores von Guhlen unweit Goyatz, also westlich von dem Sdende des Schwieloch-Sees in der Niederlausitz, das Skelet eines grossen Rindes gefunden, welches sich dem- nchst bei genauerer Untersuchung als zu Bos primigenius gehrig erwiesen hat. Die betreffenden Skeletteile lagen nahe bei einander, meistens noch in natilichem Zu- sammenhange, so dass man unzweifelhaft annehmen darf, dass smtliche Knochen an dem Fundorte vorhanden waren; da aber der ganze Fund spt abends, als die Arbeiter schon nach Haus gehen wollten, gemacht wurde, hat man einige Stcke beisehen; es fehlen die unteren Knochen des rechten Vorderbeines, die unteren Knochen des linken Hinterbeines, die Mehrzahl der Schwauzwirbel, sowie einige kleine Knchelchen der Hand- und Fuss- wurzeln. Auch sind einige Zhne abhanden gekommen. Die brigen Teile sind vollzhlig vorhanden und aus- gezeichnet erhalten. Durch Vermittlung des Herrn Pastor Overbeck in Zaue (am Schwieloch-See) kam der Fund bald in den Besitz des Herrn Baumeister Overbeck zu Berlin. Nachdem dieser die Skelettee durch Herrn J. Wickers- heimer kunstgerecht hatte montieren lassen, (wobei die fehlenden Knochen aus Holz ergnzt wui'den), ist das Skelet krzlich von dem Curatorium der Knigl. land- wirtschaftlichen Hochschule in Berlin angekauft und der zoologischen Sammlung der letzteren eingereiht worden. Aus der Schmalheit des Schdels, aus der Schlank- heit der Extremittenknochen und manchen anderen Verhltnissen ergiebt sieh, dass wir das Skelet eines A. Xehring. weiblichen Bos jirimigenius, also einer Urkuh, vor uns haben. Die Widerristlihe betrgt bei der jetzigen annhernd richtigen Aufstellung 168 cm; die Lnge des Schdels 65 V2 cm, die Lnge eines der Hornkerne, aussen der Krmmung nach gemessen 70 an, die grsste lichte Weite zwischen den inneren Ki'mmungen der Hornkerne 74 cm, die Entfeinung ihrer Spitzen voneinander 67 cm. Zur Vergleichung sei erwhnt, dass das in unserer Sammlung befindliche Skelet einer sehr grossen Kuh holln- discher Rasse eine Wideiri-sthhe von 148 cm, eine Schdel- lnge von 54 V2 cm. zeigt, und dass die Hornkerne des Schdels viel krzer und schwcher sind, als die jener Urkuh. Der Gesamthabitus des subfossilen Skelets von Guhlen erinnei't stark an die Steppenrinder von Podolien und Ungarn, namentlich auch in der Form und Grsse der Hornkerne. Das Steppenklima scheint ganz allgemein einen frdernden Eintluss auf die Hornbildung der Rinder auszuben; in vielen Steppengegenden der Erde, welche berhaupt frachtbar genug fr die Zucht von Rindern sind, findet man sehr ansehnliche Hrner bei den letzteren, so in Podolien, in Ungarn, in Sdafrika, in den Campos von Brasilien. Die sogenannten Franqueiros" der Cam- pos von Brasilien gehen in ihrer Hornentwicklung noch ber Bos primigenius hinaus; ihre Hrner erreichen eine fast unglaubliche Grsse. Da jene Franquekos von euro- pischen Rindeni abstammen, welche keineswegs so gross- hrnig waren, so drfen wir annehmen, dass die eigen- tmlichen Lebensbedingungen der Campos von Brasilien die Hornentwicklung der Rinder ganz besonders frdern. Die sdliche baltische Endmorne des ehemaligen skandinavischen Eises in der Uckermark und Mecklenburg-Strelitz. Von Prof. Dr. G. Berendt, Kgl. Preuss. Landesgeologe. Es ist immer und immer die alte Eifahrung, die der Mensch von neuem zu machen hat, dass er in oft weiter Ferne sucht oder schon kennt, was er im eigenen Vater- lande hat, aber nicht kennt; dass er sich die Lsung fernliegender Rtsel zur Aufgabe macht und die nchst- liegenden Fragen nie gestellt hat. So gehen auch wir Norddeutsche bis jetzt, um alte Gletschermornen kennen zu lei-nen, in die Alpen oder nach Norwegen und haben Ni-. i: Naturwissenscliaftliche "Wochenschrift. 131 niclit g-ewusst, (hi.ss wir sie in Nortldeutscliiantl in der schnsten Ausbildung besitzen, ja im stnde sind auf einer dreitgigen Fussreise uns ein Bild alter End- mornen zu verscha'en, wie es grossartigei' kaum in der Ferne zu finden. In der Mai -Sitzung der Deutschen geologischen Gesellschaft entrollte ich ein Bild der alten sdbaltischen Endmorne des giossen einstmaligen skandinavischen Eises die ich im voiig'en Herbste auf eine Erstreckung von vollen acht deutschen Meilen in ununterbrochenem Zu- sammenhange duicli die Uckermark hin verfolgt hatte. Zweck dieser Zeilen war es anfanglich nur, auch hier einen kurzen Bericht ber jenen Vortrag zu geben. Da ich jedoch inzwischen Gelegenheit genommen habe, zum Teil in Gemeinschaft mit Herrn Dr. Wahnschaffe, den weiteren Verlauf dieser grossartigen Endmorne bis ins Mecklenburgische hinein, also nunmehr auf ber zwanzig Meilen hin, zu verfolgen, so kann ich mir das Vergngen nicht versagen, den Lesern auch hierber zu berichten. Es wii'd , dadurch an dieser Stelle zum ersten Male ein Ueber- blick ber dieses grossartige und unwiderlegliche Zeug- nis von der zusammenhngenden ehemaligen Eisdecke unseres engeren Vaterlandes gegeben*). Endmornen sind bekanntlich die, vor dem stetig abschmelzenden Gletscherrande noch heute unter den Augen des Hochgebirgsbewohners sich bildenden bezw. vei'grssernden Hgel oder Kmme von Gesteinsschutt, zum Teil auch grossen Blcken, welche das Gletschereis auf, in und unter sich mitfhrt. Ganz in derselben Weise mu-sste das skandinavische Eis der Diluvial-, Glaeial oder Eiszeit, welches einst von den skandinavischen Gebiigen heiab bis an die Deutschen Mittelgebirge hinan unser Vaterland bedeckte, falls es abschmelzend auf seinem Rckzuge irgendwo lngere Zeit Halt machte, so dass an seinem scharfen Sdende Nach- schub und Abschmelzen, wie beim Gletscher der Jetztzeit, in der Wage gehalten wurde, sich ein mehr oder weniger deutlicher Kamm, eine mehr oder weniger zusammen- hngende Linie von Schutt- und Steinhgeln bilden, welche diese zeitweise Sdgrenze bezeichnet. In berraschender Weise hat sich diese immer wieder von den verschieden- sten Seiten angezweifelte, noch in den jngsten Tagen aufs entschiedenste geleugnete Steinmorne nun derartig verfolgen lassen, dass sie in ihrer Lngenausdehnung bereits auf dem kleinsten Kartenbilde Deutschlands zum deutlichen Ausdruck gebracht werden kann. Ich sage in berraschender Weise ; denn es ist, wie so oft hinter- fher, kaum glaublich, wie es mglich war, dass diese End- morne in ihrer Deutlichkeit bisher bersehen werden konnte. Zwar ist ein Teil der Endmorne unter dem Namen der Steinberge durch die Steinlieferungen fr das Berliner Strassenpflaster aus der Gegend von Joachimsthal, von *) Eingehendere Nachrichten geben zwei im Drucke befindliche Abhandlungen ber diesen Gegenstand im Jahrbuche der Kgl. Geolog. Landesanstalt fr 1887. Chorin und von Liepe bei Oderberg bereits seit langem bekannt geworden und auch von Geologen vielfach besucht worden hatte Berichterstatter doch selbst die Ehre den Deutschen Geologentag im Jahre 1880 zu einem der schn.sten Aufschlsse des sogenannten Geschiebewalles bei Liepe zu fhlen immer aber war es nur der innere Aufbau des Geschiebewalles, die Verschiedenartigkeit der Gesteine u. dgl. fast nie aber die eigentliche Lngs- erstreckung desselben, welche Beachtung fand*). Zwar spricht ferner schon BoU, dessen Verdienst um die Geologie . Mecklenburgs unvergessen bleiben wird, im Jahre 1846 von mehreren Geschiebewllen, welche in nordwestlicher Richtung Mecklenburg und die Uckermark durchsetzen und werden seine Angaben nunmehr in ge- wissem Grade glnzend gerechtfertigt. Aber diese An- gaben sind doch auch wieder so unbestimmt, vermengen so oft den grsseren Geschiebereichtum einer Gegend mit Anhufungen von Geschieben zu einem wirklichen Geschiebewall und umgekeln-t, ja ziehen ganze Feldmarken, welche als steinarm bezeichnet werden knnen, in die Streifen hinein, whrend andere, durch welche der Stein- rcken hindurchzieht, ausserhalb liegen bleiben, dass man sieht, auch er hat nie den Geschiebewall als eine schmale, fortlaufende Endmorne wirklich verfolgt, sondern zum grcssen Teil auf Mitteilungen ortskundiger Bewohner ber besonderen Steinreichtum einzelner Gegenden, wie solcher in der Nhe der Endmorne vielfach bemerkbar wird, mehr oder weniger breite Streifen erkannt, welche einiger- massen gleichlaufend das Land durchsetzen. Die aus dem beigegebenen Kartenbild ersichtliche Erstreckung der Endmorne von Oderberg bis Strelitz, zum Teil mit einer zweiten ein paar Meilen dahinter gelegenen voji Gerswalde bis Frstenwerder und bezw. Wendorf bis Neuhof bei Feldberg, ist nun endlich das Ergebnis thatschlicher Beobachtungen, wie ich sie teils im vorigen Herbste, teils in diesem Frhjahr zunchst allein, hernach zum Teil in Gemeinschaff mit Dr. Wahnschaffe gemacht habe. So hatte ich im vorigen Herbste Gelegenheit, den Verlauf der Endmorne aus der Gegend von Oder- berg und Liepe ber Kloster und Doif Chorin bezw. Chorinchen bis Senftenhtte mit einer Rckbiegung bis in die Gegend von Schmargendorf und zurck, vorbei an Amt Grimnitz, bis Alte Htte, sowie weiter ber Joachims- thal, Friedrichswalde und Ringenwalde, mit einer aber- mahgen Rckbiegung nach Alt-Temmen zu, und weiter bis Gross- und Alt-Klpin in ununterbrochenem, mit der jedesmaligen Oberflche auf- und absteigenden Zuge volle 8 deutsche Meilen oder etwa 60 km genauer zu verfolgen**). Die Breite des Geschiebewalles oder der eigent- *) Prof. Remele in Eberswalde, Bergassessor Busse, in seiner derzeitigen geognostischen Arbeit zum Bergreferendarexaraen, und Dr. Heiland in Christiania waren bisher die einzigen, welche mit mir fr die Endmornennatur des bisher bekannten Teiles des Qeschiebe- walles eintraten. **) Siehe die demnchst erscheinende Abhandl. im Jahrb. d. Kgl. Geolog. Landes-Anstalt fr 1887. 132 Naturwissenscliaftliche Woi-hi^nsclirift. Nr. 17. liehen Endmorne sehwankt auf diese ganze Erstreckung hin in der Hauptsache nur zwisclien 100 und 400 m. Das Doppelte, also 8 900 m, erreichende Verbreiterungen kommen nur ganz vereinzelt an zwei Stellen, einerseits bei Senftenhtte, andererseits bei Ringenwalde vor. Was die Hhe dieses Kammes oder der einzelnen ihn zuweilen zusammensetzenden Kegelberge betrifft, so berragen sie ihre Umgebung um durchschnittlich etwa 5 10, abei- anch zuweilen bis 20 m mit mehrfach 35 und 40 Grad erreichendem Bschungswinkel. Ihre innere Beschaffen- heit lassen schon oberflchlich die zuweilen diclit bei dicht aus der Gras- und Moosdecke des sie vielfach bedecken- den Waldes hervor- blickenden oder nament- lich kleine Kuppen und Vorsprnge unverhllt bildenden Geschiebe- blcke erkennen. Auf- geschlossen und bis auf eine Tiefe von 8 und 10 m aus richtiger Stein- packung bestehend, in welche nur untergeordnet eine Mergel- oder Sand- bank eingelagert ist, zeigen diese innere Be- schaffenheit der End- mornen alle die zal- reichen Steingruben einerseits bei Joachims- thal, andererseits bei Senftenhtte und Chorin- chen und drittens in der Gegend von Liepe und Oderberg. Ueberblickt man den soeben angedeuteten Verlauf des Ge- schiebewalles an der Hand des beigegebenen Krtchens genauer, so sieht man, dass man es auf der in Rede stehen- =-"'==""'" ^Enomo den Strecke mit zwei grossen gegen W. bezw. WSW. vorgeschobenen bogenartigen Ausbuchtungen der grossen Endmorne zu thun hat, innerhalb welcher, also gegen O. bezw. ONO., der Geschiebemergel, die alte Grund- morne, in der Hauptsache die Oberflche bildet, whrend ausserhalb der Bogen weite, anfangs wellige, weiterhin zum TeU vllig ebenflchige und nur von aufgesetzten Dnenkmmen durchzogene Sandflchen, nach Art der aus Island vor dem Eise bekannten Sandes, sich vorlegen. Diu-ch solche Sandberschttungen auf lngere Strecken verhllt und nur in seinen hchsten Kuppen hervorragend setzt nun der bei Alt-Temraen beginnende und bis Gross- und Alt-Klpin in seiner Mornennatur sclin ausgeprgte dritte Bogen, an Kieuzkrug, Kloster- walde und Wartlic vorbei foi't. Nordwestlich Warthe bei Malllendorf, wo die Endmorne ber die Senke des Kstrin- und des Boitzenburger Haus-Sees setzt, verliert man auf kurze Strecke ihre Spur, findet dieselbe jedoch schon westlich Brsenwalde wieder, westlich an Thomsdorf vorbei, wo sie lngs des sogenannten Alten-Grundes bei Charlottenthal und im Priesterholze die volle Deutlichkeit wiedererlangt, geht sie auf kurze Strecke in der Halbinsel nordwestlich Thomsdorf in eine breitere Steinbeschttung ber, taucht dann aber bei Karwitz in voller Urwchsig- keit aus dem gleichnamigen See wieder auf, um in ge- schlossenem Zuge und sdbaltische Endmorne scharf nrdlicher Rich- tung in die grossherzog- lich mecklenburgische Porst Hullerbusch ein- zutreten. Ja die kammartige Ausbildung der End- morne kommt hier so- gar in dem Grade zur Erscheinung, dass man sich in der Mitte des Hullerbusch mit dem Fahrwege auf einem kaum mehr als 30 Schritt oder 20 m breiten, beider- seits steil abfallenden Kamme befindet. Whrend nun , gerade von dieser schmlsten Stelle aus, einerseits eine Fortsetzung in nordst- licher Richtung auf Wittenhagen zu zu ver- folgen ist, auf die ich demnchst zurckkomme, setzt die eigentliche lteste Morne, einen vierten Bogen beginnend, spitzwinklig zurck / ///o-.eitig. fi.ci.ok.. G., .. M poil ,J^,ch deu Schmalcu Luzin See, welcher hier nicht nur seine schmlste, sondern auch, durch Steingerll bekannte, flachste Stelle hat, er- scheint auf etwa Vs Meile sdhch Feldberg dui'ch deut- liche Wasserwirkung in eine Reihe ziemlich kegeliger, flacher Hgel zerlegt, setzt dann aber lngs des Feldberg- Neuhfer Weges in gesclossenem Kamme und fast genau westlicher Richtung zur Lttenhagener Forst fort. Die Ausbildung der Morne hier beiNeuhof als schma- ler, im Ganzen vielleicht 50m breiter, nur mit Schleh- dorn und Besenginster bewachsener Steinwall mit- ten im fruchtbaren Felde, ist so in die Augen sprin- gend, dass es kaum verstndlich ist, wie sein Bekanntwerden gerade den Geologen so lange sich hat entziehen knnen. Nr. 1- Natni''isspn>;(ii;iftliche Wocliensclirift. 133 Der in genau westlicher Richtung in der genannten Forst beginnende sogenannte Herrenweg luft sodann etwa eine lialbe deutsehe Meile unmittelbar auf dem Rcken der Morne entlang und trgt, nach Aussage der Leute, seinen Namen davon, dass anfnglich bevor die Steine allmhlich zu Steinmauern beiderseits aufgepackt waren, hchstens Herren im stnde waren zum Besuche der prachtvollen Buchenwaldung, der sogenannten Heiligen Hallen, Pferde und Wagen auf demselben aufs Spiel zu setzen. Hinter einer sandigen Unterbrechung am Dolgener Teerofen Hess sich der Geschiebewall der Endmorne sodann durch die Warsberge, ber die Steinberge bei Goldenbaumer Mhle und zwischen dieser und dem Dorfe Goldenbaum stets in westlicher Richtung aufs schnste weiter verfolgen bis in die Gegend der Willerts- oder Judenmle. Jenseits derselben biegt die Endmorne, etwa eine Meile vor den Thoren von Alt-Strelitz, ziem- lich scharf wieder nrdlich ber den Aussichtsturm und das Denkmal beim Schweizerhaus und verliert sich, nach Aussage des dortigen Frsters, nach Dianenhof zu, um wahrscheinlich, hnlich wie zwischen Frstenwerder und Feldberg, vor dem noch breiteren durch die dortigen grossen Seen gekennzeichneten Schmelzwasser-Abfluss von Alt- und Neu-Strelitz abermals auf eine Strecke aus- zusetzen. Kehren wir jetzt noch einmal zu jenem flachen, mittleren Bogen von Warthe, zwischen Feldberg einer- seits und Alt-Temmen andererseits, zurck, so sehen wir demselben parallel, etwa zwei Meilen nordstlich zurck- gelegen, einen zweiten ebenso flachen Endmornenbogen verlaufen und erkennen hier mit Leichtigkeit die Ursache des scheinbar geringeren Zusammenhanges des Mornen- kammes von Warthe. Haben wir es doch bei letzterem oifenbar mit der eigentlichen ersten Endmorne zu thun, welche von dem der Zeit nach spteren Eisrande der Frstenwerder Gerswalder Endmoine aus zum Teil mit Sandmassen berschttet oder durchwaschen wurde. Diese zweite Endmorne, welche sich in der Hauptsache immer lngs der, nur einmal von dem Tliale des Boitzenburger Fliesses oder sogenannten Stromes unterbrochenen, fast nrdlich streichenden Hauptboden- erhebung verfolgen lsst, beginnt schon nrdlich der etwa meilebreiten Gerswalder Senke zwischen Gerswalde und Buchbolz deutlich in die Erscheinung zu treten. An- fangs die eigentliche Hhe der genannten Hauptboden- erhebung beherrschend, bleibt sie in der Folge mehr auf dem westlichen Gehnge und wird von dahinter liegenden Sandkmmen noch ben-agt. Nrdlich Hasleben vorber noch in einem einfachen Kamme, beginnt sie sich schon vor dem Boitzenburger Thale in mehrere ParalleLketten zu spalten, welche nach der Unterbrechung des Thaies in der grossen Zenveliner Forst westlich Berkholz und Naugarten nach den Beobachtungen Dr. Wahnschaffe's zu vollster Entwickelung kommen. Die von dem Ge- nannten ausgefhrte Kartenaufnahme der Sektion Boitzen- burg, deren nordstliche Ecke die Endmorne durch- setzt, verzeichnet hier sechs deutlich unterscheidbare Hauptkmme und einige Nebenkmme. In der Gegend des Forsthauses Zerwelin, sdlich Arendsee, westlich Naugarten, wo ich in diesem Frh- jahr in Gemeinschaft mit Dr. Wahnschaffe die Beobachtungen wieder aufnahm, haben sich diese Para- lellkmme jedoch bereits wieder zu einem schmalen, kaum mehr als 100 m breiten Walle vereinigt, welcher nun nur auf kurze Strecken oberflchlich mit Sand bedeckt oder von, nach Westen ihn durchquerenden Wasserzgen unterbrochen, sich mit seiner Steinflle ber Arendsee (sdwestlicher Rand des Parkes) an Parmen vorbei ber die Parmener Mhle und Schulzenhof bis unmittelbar vor das Sdthor von Frstenwerder verfolgen lsst und hier verluft. Dass letzteres in der That der Fall ist, zeigt sich schon etwa 7* Meile sdlich Frstenwerder, wo er nur noch eine 1,50 m mchtige Gerll- imd Geschiebebescht- tung auf dem Geschiebemergel ausmacht, welche bei genanntem Stdtchen selbst sogar auf 0,5 in zusammen- schmilzt. Nrdlich von Frstenwerder bis Woldegk und bis Idnauf auf die Hhe des den baltischen Hhenrcken hier beherrschenden Helpter Berges berschreitet man fast nichts weiter als die welhge Flche des gewhn- lichen, sogar als verhltnissmssig fett und steinarm zu bezeichnenden Geschiebemergels. Erst nach einer, ungefhr eine deutsche Meile breiten Unterbrechung, in welcher eine Anzahl grosser Seen unschwer einen Hauptabfluss namhafter Schmelzwasser des alten Inlandeises, und gleichzeitig der Blockreichtum der echten Mornenlandschaft zwischen Wrechen und Neugarten auch wieder die Fortsetzung erkennen lassen, beginnt die Endmorne in fast gleich unscheinbarer, der Hauptsache nach nur in einer dnnen Beschttung des Geschiebemergels bestehenden Weise, wie sie bei Fi'sten- werder geendet hat, genau westlich bei Wendorf von neuem. Schon eine halbe Meile weiter sdUch ist sie jedoch wieder unverkennbar, setzt in fast genau nord- sdlicher Richtung mit deutlicher Unterlagerung durch den Geschipbemergel , durch den Breiten Luzinsee, ver- breitert sich dann zwar namhaft bei Tornowshof und Wittenhagen, wodurch sie an wallartiger Erscheinung einbsst, gewinnt aber sdlich genannten Dorfes im sogenannten Hullerbusch diese Ausbildung in solchem Masse wieder, dass bereits oben auf die besonders schmale und scharfe Kammausbildung in dieser Gegend des An- schlusses an die erste Endmorne aufmerksam gemacht werden musste. Es wird nun in der Folge Aufgabe des Geologen sein, die beiderseitige Fortsetzung sowohl nach Westen wie nach Osten aufzusuchen. Nach Westen, fr Mecklen- burg, geben dazu die bereits erwhnten Mitteilungen Bolls ber die nordwestliche, besser westnordwestliche Richtung der durch Geschiebereichtum ausgezeichneten Landstriche, sowie das in dem vorUegenden Uebersichts- 134 Natiii-wissen.scliaftliclie Wochenschrift. Nr. 17. krtchen gebotene Bild der eigentmlichen Art des Ver- laufes der Endmorne den besten Anhalt. Oestlich der Oder dagegen, bis zu welcher der Geschiebewahl sich von Oderberg an in einem Bogen bis Lunow noch ver- folgen liisst, whrend Geschiebeanhufungen auf der Oderinsel bei Brahlitz auch in dieser Richtung ein Fort- setzen vermuten lassen, fehlt es dagegen bisher noch an jeder sicheren Nachiicht. Zu vermuten ist, dass die Hauptstreichrichtung der Endmorne, die auch hier sicherlich nicht fehlt, dem genderten Streichen der poniraerschen Seenplatte ent- sprechend, ebenfalls eine mehr stliche beziehungsweise ostnordsthche Richtung annimmt. Gewaltige Geschiebe- anhufungen, echte Steinpackung, wie ich sie gerade auf den hchsten Kuppen der Gegend von Bublltz schon vor Jahren zu beobachten Gelegenheit hatte, deuten darauf hin und bieten zu recht baldiger Auffindung die beste Aussicht. Kleinere Mitteilungen. Aus der Hygiene. 1. Ueher den Einfiuss der Getmss- mittel auf die Mai/envcrdaKung hat Herr A. Henczynski, Assistenz- arzt der Rostocker Medizinist:hen Klinik neuerding-s Versuche angestellt, indem er nach vier Stunden den Magen von rersoneii aus- pumpte, welclie gewisse Speisen in Verbindung mit Genussmitteln zu sich genommen hatten, und dann den unverdauten lickstand untersuchte. Die Versuchstabellen hat der Genannte in einer Inau- guraldissertation (Rostock 1887j niedergelegt. Wir entnehmen der grossen Reihe von Untersuchungen folgende Ergebnisse. 1) Wasser bt in einem (Quantum bis zu 650 y einen merklichen Eintluss nicht aus 2) Alkolische Lsung in massiger Konzentration von ca. 4% und in massiger JMenge bis zu ^/^ l hat, wenn auch keine direkt befrdernde, so doch sicherlich keine hemmende Wirkung, da- gegen verzgert sie in einer Konzentration von IO^/q schon merklich, in einer solchen von SU"/,, sehr erheblich die Verdauung. 3) Dem Biere ist, bis etwa % l getrunken, eine gleiche Wirkung wie einer schwachen alkoholischen Lsung zuzuschreiben. Bei mangelhafter Magenbewegung befrdert es sogar die Verdauung. 4). Rotwein, bis zu i,'.2 / einverleibt, steht dem Biere gleich. Weisswein wirkt liefrdernd. 5j Am gnstigsten auf die Verdauung wirken Kaffee luid Thee und (bei Rauchern) massiges Rauchen, whrend starkes Rauchen die Verdauung verzgert. 2. Einem Vortrage M. v. Pettenkofer's, geh. in der bayer. Akademie der Wissenschaften (Sitzungsber. 1887, 11, 179194), womit die Hauptresultate einer von dem Doc. Dr. Lehmann im hygienischen Institute ausgeflu'ten Untersuchung ,,ber Gesundheits- schadlichkeit mehrerer hygienisch und technisch wichtiger Gase und Dmpfe" dargelegt werden, entnehmen wir folgendes: Die gewhn- lichen currenten Anschauungen , welche , in Mer Litteratur ber die Menge gewisser schdlicher Gase, welche, in der Ateraluft vorhan- den, schon Gefahr bringen, sind von der Wahi'heit weit entfernt und bedrfen sehr der Berichtigung. 1) Salzsuredampf. Schon 0,1 pro mille erzeugt bei Kaninchen, Katzen etc. lebhafte Unruhe, Speichel- und Kasensekretion; bei 1,5 bis 2%o treten Dyspnoe, Thrnen, Canjunctivitis und Trbung der Cornea auf und sekundre Katarrhalpneumonien fhren oft zum Tode. Der Mensch scheint noch empfindlicher gegen HCl zu sein, als die Tiere. 2) Amoniak. Die Wirkung ist in mancher Beziehung hnlich, nur schwcher als bei HCl. Lehmann giebt nach Versuchen an Menschen und an Tieren 0,3''/ix, als Grenze fr die Gesundheitsschdlichkrit und hlt 0,5''/(X) fr die usserste bei Gewhnung lngere Zeit zu ertragende Konzentration fr Menschen. 2,5 bis 4^/00 geben bei mehrstndiger Einwirkung Anlass zu gefhi-lichen Lungenentzndungen! 3) Chlor. Schon sehr- geringe Mengen (0,01 "/oq) bringen Reizsymptome in den Atmungsorganen hervor; 0,015 bis 0,030/00 lebhafte Reizsymptome, Bronchitis, katarrhalische I'neumonien. Gaben von 0,04 bis 0,06 "/qq sind lebensgefhrlich; 0,6 "/o^ ttet rasch. 4) Brom wirkt genau wie Chlor. Die Angaben in Bchern (z. B, in Hirt's Gewerbekrank- heiten) berschreiten die zuls-sig^en Mengen von Amoniak Chlor und Brom um das 100-, ja lOOOfache. 5) Schwefelwasserstoff. ' Die grosse Giftigkeit von Hp ist allgemein bekannt; doch wird sie ge- whnlich hher angenommen, als die von Cl und Br, was sich aber nicht bewahrheitet. Dosen von 0,7 %o wirken ttlich. 6) Schwefel- kohlenstoff. Verschiedene Schwefelkohlenstoffe erweisen sich als verschieden giftig. Whrend einer si^hon bei einem Gehalt von 0,2 mg in 1 / Luft sehr- heftig wirkte, verm-sachte ein aus einer anderen Quelle bezogener bei 0,84 mg in 1 l Luft keine ernsteren Symptome. 7) Anilin und N i t r b e n z 1. Anilin, in 0,84 mg in 1 1 (=0,10/00 des Volums) zeigen sich schon gefhrlich. Katzen und Menschen sind dafr fast gleich empfnglich, Kaninchen und Meer- schweinchen dagegen merkwrdigerweise fast unempfindlich. Nitro- benzol scheint dui-ch die Lungen nur sehr- wenig aufgenommen zu werden, anders verhlt es sich dagegen, wenn es vom Magen aus verabreicht wird. Pettenkofer spricht am Schlsse seines Vortrages die Meinung aus, dass die Schdlichkeit der genannten Gase und Dmpfe nicht liloss auf lokalen Vernderungen des Blutes berulien, sondern auch auf Wirkungen auf das Nervensystem und namentlich seine Centralorgane. Weiterhin scheint festzustehen, dass, je hher ein Organismus entwickelt ist, desto empfindlicher er fr schdliche Gase und Dmpfe ist. Bakterien ertragen giftige Gase in der Luft so lange und in so grosser Menge, wie sie fr Menschen und warm- bltige Tiere sieher und in krzester Zeit ttlich sind. Das .sei auch vielleicht der Grund, warum gerade der lyiensch in seiner Woh- nung eine reinlichere Luft braucht als alle seine Haustiere. Dr. Ackermann. Biber an der Elbe. Oberhalb Ranies am Gegenwehrs- berg unweit Schnebeck a. E., Provinz Sachsen, haben sich seit Mitte Mrz etwa 30 Biber eingefunden, die in Ermangelung von Burgen vorlufig in dem den Eibdamm bekleidenden Buschwerke Schutz suchen. Gegenwrtig beginnen sie den Damm zu unter- whlen, so dass dieser leicht gefhrdet werden kann, weshalb es fraglich erscheint, ob man die Gste auf die Dauer wird dulden drfen. Fr den Zoologen und Naturfreund ist diese in Nr. 30 des Weidmann (Jahrg. 1888) sich findende Notiz von hohem Interesse. Der Biber ist in Deutschland eine ausserordentlich seltene Erschei- nung, und es ist daher sehr erfreulich, zu hren, dass sich noch eine Gesellschaft von 30 Stck dieser Tiere zusammenfindet. Leider giebt es in denjenigen Gegenden, wo noch Biber \'orkommen, Leute, welchen es ruhmvoller erscheint, die seltenen Tiere zu erlegen als zu ihrer Erhaltung dm-ch Schonung beizutragen. So wird in Nr. 28 der oben genannten Zeitschrift gemeldet und wie wir mit Genug- thuung lasen getadelt, dass zwei Jagdberechtigte hei Griebo in Anhalt zwei Biber an der Elbe erlegten. Die anfangs erwhnten Biber werden mglicherweise durch Hochwasser veranlasst worden sein, ihre bisherige Heimat zu verlassen. H'oft'entlich gelingt es ihnen, neue Wohnsitze zu finden, an welchen sie ungestrt ihr Da- sein fristen knnen. Dr. E. S. Bildung von Haarsilber. Opificius (Chem. Ztg. 1888, 649) macht darauf aufmerksam dass man durch Glhen von pulvri- gem Schwefelsilber im Wasserstoffstrom das Silber in Form feiner Haare erhlt, die aus der Masse emporschiessen. Es entsteht zuletzt ein dichter Wald von centimeterlangen feinen Fden metallischen Sbers. Wendet man das Schwefelsilber in Stcken an, so dauert die Reduktion etwas lnger, aber man erhlt strkere Fden von Silber, darunter Exemplare von 7 cm Lnge und 23 mm Dicke. Man kann auf diese Weise dem natrlichen dendrytischen Silber hnliche Bildungen knstlich darstellen. Steine mit passenden Ver- tiefungen werden mit dem Schwefelsilber im Wasserstoft'strom erhitzt. Die entstehenden Silberfden schmiegen sich genau den Vertiefungen des Steines an. Durch Erhitzen im Kohlensurestroni wird das SUber aus Schwefelsilber in derselben Form genommen. Die grs- seren Fden wachsen dabei entgegengesetzt zur Richtung des Gas- stromes. Wie Schwefelsilber verhlt sich auch Kupfersulfr, welches schon ausgebildetes Haarkupfer liefert. Diese Versuche sprechen fr die Annahme, dass das in der Natur vorkommende haarfrmige Silber aus Schwefelsilber entstanden sei. Dr. M. B. Wirkungen des elektrischen Stromes auf feine Wagen. Da feine Wagen oft durcli geringe Wirkungen sehr stark beein- flusst werden, sei es dm-ch kleine Temperatm-schwankungen oder geringe Erschtterungen u. dgl. , so ist auch die Frage berechtigt, inwieweit dieselben da sie Eisen oder Stahl enthalten, durch elektrische Strme in ihi-er Empfindlichkeit gestrt werden. Da ver- schiedene amerikanische Fabrikanten, so schreibt die Centralzeitung fr Optik und Mechanik, die Einfhrung des elektrischen Lichtes in ihren Fabriken abgelehnt haben, weil sie von dem elektrischen Strome eine nachteilige Einwirkung auf ihre Wagen frchteten, Nr. 17. Natiirwissenscliaftliche Wochensclirift. 135 so liat (i. 11. Torrey in Xew-Voik eiiif Uiitersiiihiiii!; iibrr ili-niitisri' Eintliissf ann:estellt. Zu diesem Zweeke .stellte er l'rei.sionswa'.fen in der Niihe sehr starker Strme auf und liemhte sich, etwai^^e VeriiderunLren an denselben zu entdeeken. Doch hat er iiiehts tiudeii knnen, was den vermuteten l'^intluss naehsrewiesen htte 1 Die Wuijen enthielten nur sehr wenitr Kisen oder Stahl. Um sieh zu verge- wissern, weli'hen Kinrtuss der Strom auf Waijeu mit frrsseren Risen- teilen hat, le;;te Torrey ein Stck Kisen in eine Wag-schale und brachte einen stromdurclitlosscnen Leiter in die X:ihi> desselben. Der nierUliare Kintluss entstand erst, als die Entfernung' des Eisens vom Tjciter auf '! mm vermindert worden war. Aus diesen Untersuchuns'en geht hervor, dass die Strome de IJeleuchtung-sanlan^eu einen EinHuss auf die Pracisionswagen nicht haben kiinnen. A. G. Vernderungen auf der Oberflche des Mars. Unter allen Planeten ist iMars unstreitiir der interessanteste, nicht nur weil er schon Nr. 18. Natiirwissenscliaftiiche Wochensclinft. 139 das Tierclien nur einige Augenblicke zu betraclilen wagte, aus Furclit, es zu stren. Er liatte die Geduld, bis zum l'olgenden Tage zu warten und dann von neuem naeli- zusehen. Da liatte er die Freude, zu sehen, dass die junge Larve sich deutlich ausgedehnt hatte. Am 31. Juli hatte sie sich zum ersten Male gehutet. Dieselben l^eobachtungen wurden an mehreren Larven gemacht, welche in die Zellen von.Osmia gesetzt waren; es waren im ganzen zehn Larven, welche nunmehr Aussicht auf weitere Entwicklung gewhrten. Die mit Megachilehonig geftterte Lai've war am 4. August schon 6 mm lang. Aber, sie war mit ihrem Vorrat an Honig ungefhr zu Ende gekommen und es wurde ihr eine halbe Honigzelle von Osmia geieicht und sie darin in eine Glasrhre ge- sperrt, deren Grund mit Erde angefllt war. Nach zwei Tagen war auch das neue Futter veizehrt. Die Larve mass jetzt 10 )iii)i. Eine weitere halbe Honigzelle von Osmia war gleichfalls nach zwei Tagen ausgeleert. Da- nach hutete sich die Larve zum zweiten Male und war 14 nun lang. Es war am 10. August. In zwlf Tagen hatte die Lnge der Larve, nachdem sie die erste Nah- rung bekommen, um 13 mm zugenommen. Hiermit war sie auf der Hhe ihrer Entwicklung angelangt; denn am folgenden Morgen, als sie nicht mehr frei zu sehen war, fand sie sich am Grunde der Glasrhre, zusammen- gekrmmt in einer aus Erde angefertigten Zelle liegend. Sie verwandelte sich jetzt nach einer nochmaligen Hutung in die Pseudonymphe, um zu berwintern. Letztere ist von strohgelber Farbe, kurz kahnfrmig, mit drei Paar kurzen Beinen, Antennen und sehr reduzierten, kurze Stummel bildenden Mundteilen versehen. Sie verbleibt den Winter ber in absoluter Rulie bis ziun Frhling. Alsdann tritt sie nach einer Hutung wieder in gewhn- licher Larvenform auf, um sich wie andere Kfer in eine Nymphe und dann in das vollkommene Insekt zu ver- wandeln. Also ausgerstet mit der Kenntnis der verschiedenen Verwandlungsstadien der Cantharis reiste Beauregard im Oktober nach Aramon, einem kleinen Dorfe bei Avi- gnon, wo die spanischen Fliegen jedes Jahr sehr hufig sind, und woher er auch im Juni die lebenden Tieie be- kommen hatte. Anfangs wurde hier und auch bei Seri- gnon nichts gefunden. Schliesslich aber fand sich bei Aramon eine sandige Bschung, welche wie ein Sieb durchlchert und wie ein Schwamm von den Minirgngen unterirdisch lebender Bienen durchzogen war. Die Bschung wurde umgegraben und untersucht. In der Tiefe eines Metei's fand sich endlich eine Pseudonymphe, nur eine einzige; sie hatte alle Charaktere von derjenigen der Canthaiis. Aber zugleich wurden gegen hundert Stck einer Art kleiner eifrmiger Puppen gefunden, welche gelbbraun und dem Entdecker ganz unbekannt waren, der aber mit dieser freilich geringen Ausbeute nach Paris zurckkehrte, letztere bestmglichst unterbrachte und den Frhling erwartete. Die Pseudonymphe, welche derjenigen von Cantharis so hnlich sah, lieferte Cerocoma Schreberi; die kleinen eifrmigen Krporchen Stenoria apicalis, die auch zu den Vesicantien gehrt. Die Entwicklungsgeschichte dieser beiden Arten war bisher noch unbekannt. Die Hyme- nopterenart, bei der sie ihre parasitische Lebensweise fhrten, war Colletes signata. Im Dezember 1884 reiste Beauregard wiederum nach Aramon, um dort seine Eidarbeit fortzusetzen. Zwei Pseudonymphen wurden gefunden, welche deijenigen der Cantharis glichen. Diese wurden unter Beobachtung grsster Vorsicht mitgenommen und entwickelten sich, zur Genugthuung ihres Finders, im folgenden Frhling zu Larven, die nach ihrer Umwandlung in Nymphen die offizineile Cantharis lieferten. Beauregard hatte auch diese Pseudonymphen in Zellen von Colletes signata gefunden, einer kleinen Bienenart, welche zu lausenden ihre Nester in der Erde einige Meter von der Oberflche entfernt baut. Es war kein Zweifel, dass der Honig dieser Zellen den Larven zur Nahrung gedient hatte, seitdem wir wissen, dass der Honig ihre Nahrung bildet. Die Kleinheit der Zellen gestattet den Schluss, dass sie nacheinander mehrere Zellen angreifen. Zudem liegen immer mehrere Zellen, fnf oder sechs, zusammen. Dass die Cantharislarven im natrlichen Zustande aber auch in den Nestern anderer Bienenalten schmarotzen, wie schon die obigen knst- lichen Zuchten nicht unwahrscheinlich machen, bewies demnchst eine direkte Beobachtung. Denn es wurden Pseudonymphen von Cantharis in der Nhe von Zellen einer grossen mit Meliturgus verwandten Imme gefunden, und ebenso entwickelte sich eine Cantharis in einem Tu- bus, welcher Megacliilezellen enthielt. Die Entwicklungsgeschichte der Cantharis vesicatoria lsst sich demnach in folgender Weise zusammenfassen: Die Eier werden in die Erde gelegt; die daraus hervorkommenden Triungulinen graben sich Dank ihrer Behendigkeit in den Boden ein und suchen nach Zellen unterirdisch lebender Bienen. Sicher werden die Eier von den Kfern in die Nhe solcher Honigzellen gelegt; wenn nicht, und wenn der Triungulin stirbt, bevor er seinen Lebensunterhalt gefunden hat, so gengt die Zahl der Eier, welche jedes Weibchen legt, um in jedem Falle einige Nachkommenschaft zu sichern. Wenn der Triun- gulin die gesuchten Zellen von Colletes, Meliturgus oder Megachile gefunden hat, verzehrt er den Inhalt dieser Zellen und hutet sich unterdessen einige Male. Als- dann, ohne in einer Bienenzelle zu verbleiben, wie die Larve von Meloe und Sitaris, verlsst er dieselbe, grbt sich in den Boden ein, hutet sich nochmals, worauf sie zur Pseudonymphe wird und berwintert in diesem Zu- stande. Dieses bestndige Leben in der Erde erklrt die frhere Hyiiothese, dass die Cantharislarven von Pflanzenwurzeln lebten. In der That kommt auch erst das entwickelte Insekt aus der Erde hervor. Die Cantharis lebt also parasitisch bei mehreren Hymnenopterenarten aus der Gruppe der einsam lebenden 140 Natui-wissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 18. Bienen, und diese Thatsache bring-t sie Meloe und Sitaris nahe, entfernt sie aber von Epicauta, welche Gattung frher hufig mit Cantharis (Lytta) vereinigt wurde. Da von amer^anischen Epicautaarten bekannt ist, dass sie als Larve in Locustidennestern leben^ so galt es, die noch unbekannte Lebensweise einer europischen Art dieser Gattung, Epicauta verticalis, zu untersuchen. Beauregard beschftigte sich also nunmehr mit der Aufzucht der Larven der europischen Epicauta. Er bekam die Larven aus Eiern von Kfern, die er lebend zu Hause hielt. Das Glck war diesem Forscher auch in diesem Falle gnstig. Anfangs gab er den aus- geschlpften Larven ein Eiernest der Gottesanbeterin, Mantis rehgiosa, und hatte das Vergngen, dass sich die kleinen Larven nicht zweimal bitten Hessen und mit Appetit die Eier verzehrten. Danach nahmen sie auch die von anderen Orthopteren (Dasypoden) gelegten Eier an. Die Larven gediehen gut, und alle Entwicklungs- stadien wurden erzielt. Es war nun festgestellt, dass der einzige europische Reprsentant von Epicauta dieselbe larvale Lebensweise hat, wie die amerikanischen Arten. Dies gengt, um diese Gattung von Cantharis zu unterscheiden. Der franzsische Forscher hat somit die Kenntnis der Entwicklungsgeschichte der Vesicantien um vier typische Beispiele vermehrt. Er hatte das eigentmliche Glck, eine wahrhaft merkwrdige Anomahe aus der Welt zu schaffen. Ein weltbekanntes Insekt, seit Jahr- hunderten gebraucht, ber einen grossen Teil Europas verbreitet, erschien jedes Jahr in grossen Scharen, ohne dass es mglich war, zu wissen, woher es kam. Es kommt aus der Erde, hiess es; und das war alles, was man wusste, bis auf Lichtenstein, welcher versuchte, den Schleier zu heben. Aber erst Beauregard gelang es, diesen Punkt der arzneiwissenschaftlichen Natur- geschichte vollends aufzuhellen. Die Publikationen des letztgenannten Forschers finden sich in den Comptes-Rendus" der Pariser Aka- demie der Wissenschaften (Band 99, 1884; 100, 1885 und 101, 1886); im Auszuge auch in den Annales" der franzsischen P^ntomologischen Gesellschaft (6. Ser., 5. Band p. 118 119) und in den Annais and Magazine of Natural History" (5. Ser., 16. Band p. 74ff.); schliess- lich ein Resume in dem Journal de Pharmacie et de Chimie" (Paris 1888). Ueber Verwendung des Torfs. Von R. Eaab, Kniglich Torf ist in erster Linie Feuerungsmaterial. Die Hausfrauen werfen ilim vor, dass er leicht zerbrckele, einen hsslichen Geruch verbreite und eigentlich nur glimme. Jene Uebelstnde haften nur dem gewhnlichen Torf, nicht aber dem steinkohlenartigen Presstorf an, der aus gestochenem und mit Messern zerschnittenen Torf durch Maschinen gewonnen wird und durch seinen Heiz- wert die besten Steinkohlen aus dem Felde schlgt. Er brennt wie Buchenholz mit gleichmssiger Flamme, voll- kommen geruchlos, und eignet sich fr jeden Ofen. Als Brennmaterial verdienen auch Presstorf briketts*) und Pi'esstorfkoks Beachtung. Der letztere ist gepresster Torf, welcher in Meilern oder Koksfen in Koks (Torf- kohle) verwandelt worden ist. Die Torfkole wird wegen ihrer Porositt, hnlich wie Holzkohle, zum Entfrben von Flssigkeiten, zur Entfuselung von Branntwein u. s. w. verwendet. Bei dem Verkohlen (Verschwelen) des Torfes destil- lieren Dmpfe und Gase ab, die sich zum Teil verdichten lassen. Aus dem hierbei erhaltenen Teer stellt man Photogen, Solarl, Paraffin, Schmierle, Asphalt dar. Diese Substanzen unterscheiden sich wenig von den gleich- namigen Produkten der Braimkohlendestillation. *) Das Dictionnaire de TAcadOmie giebt folgende Erklrung; Briquette; Petita masse faite de houille, ou de tourbes. ou de tan qui sert de combustible". Hiernach darf man, obwohl als Briketts zuerst solches Brennmaterial auftrat, dem ein Bindemittel zugesetzt war, auch Kohlenziegel, Holzkohle und sogar Lohkuchen, dem franzsischen Sprachgebrauche gemss, zu den Briketts zhlen. Preussischer Post-Direktor Wenn man den Torf wie Steinkohlen in von aussen stark erhitzten Retorten bei gnzlichem Luftabfluss trocken destilliert, so bildet sich unter anderem auch Torfgas, fr Heizung sowohl als Beleuchtung. Die obere Lage der Moore bis zu 1 m Tiefe, frlier ein lstiger, wegen seines Gehaltes an unzersetzter Pflanzen- fasei' zum Brennen unbrauchbarer Abraum, wird jetzt an der Luft getrocknet und zu Torf st reu und Torfmull verarbeitet. Die Torfstreu hat als Einstreu in Viehstlle fr die Landwii'tschaft eine hervorragende Bedeutung erlangt. Der Staub odei- Mull, wie er allgemein heisst, wird bei Bereitung der Torfstreu durch Siebwerke von der aus den Zerreissmaschinen kommenden Streumasse getrennt. Die Torfstreu ist ebenso wie der Torfmull ein leider bei weitem nicht gebhrend gewrdigtes Desinfektions- mittel. Durch die Aufsaugungsfhigkeit des Materials wird jede Flssigkeit festgehalten und ein Versickern in den Boden, welcher hufig zufolge der Durchlssig- keit der Senkgruben ein Herd von Miasmen ist, ver- hindert. Die Humussure des Torfes bindet das Ammoniak. In einigen Stdten in Christiania schon vor dreissig Jahren ist den Hausbesitzern die Verwendung von Torfabfllen zum Desinfizieren der Gruben durch i'olizei- verordnung vorgeschrieben. Mchte doch die in sani- trer Hinsicht so aussei'ordentlich wichtige Massregel an vielen Ort^en Nachahmung finden und auch auf Schulen, Krankenhuser, Kasernen und andere ffentliche Gebude ausgedehnt werden! Nr. 18. Natunvissenschaftliclie Wacliensclirift. 141 Eine rlirig-e und segensreiche Tiiiitigkeit entfaltet der Verein zur Frderung der Moorlcultur im Deutschen Reiche, von welchem im Februar d. J. in Berlin eine Ausstellung, die erste dieser Art, veranstaltet wurde. Rittergutsbesitzer Ringau auf Cuniau (Provinz Sachsen) ist der Begrnder einer rationellen Niedenings- moorkultur. Nach seinen Feststellungen lsst sich der kalkreiche Moorboden durch Bedecken mit einer Sand- schicht in ein Kulturmedium umwandeln, welches ledig- lich der Zufuhr von Phosphorsure und Kali bedarf, um hohe Ertrge an allen Frchten zu liefern. Als schlechter Wrmeleiter wird der Toifmull zur Ausfllung der Doppelwnde bei Eisschrnken benutzt. In jngster Zeit hat sich die Presse vielfach mit der Beraudine beschftigt, welche ja die Damenwelt be- sonders- interessieren muss. Ich habe micli mit dem Erfinder direkt in Verbindung gesetzt und noch andenveit Erkundigung eingezogen, bin daher in der Lage, sichere Auskunft zu geben. Die Beraudine ist eine nach dem Erfinder benannte, dem Torf entnommene, prparierte, zum Verweben ge- eignete Pflanzenfaser, zu deren Fabrikation und Aus- nutzung sich in Maastricht (Holland) eine Gesellschaft H. Berauld Fils & Cie. gebildet hat. Den bisher un- benutzten und infolgedessen weillosen Grundstoff giebt diejenige Faser ab, welche den Torf wie eine Art Fll- haar einschliesst und die entfeint werden muss, bevor man den Torf als Brennmaterial verwenden kann. Das Herstellungs- Verfahren wird geheim gehalten. Die Gesellschaft beabsichtigt, nach und nach in Holland zehn Fabriken zu errichten, und lsst gegen- wrtig zwei grosse Fabriken in Italien und in Russland bauen. Nach dem mir von Berauld Fils & Cie. zugegange- nen Schreiben verkaufen sie die Faser nach fnf ver- schiedenen Nummern. Da der Verlust beim Spinnen ein hchst gering- fgiger ist, so erklrt sich die geradezu verblftende Billigkeit der Beraudine-Stofle. Aus den Faser -Abfllen gewinnen Berauld Fils & Cie. einen Kohlenstofi", welcher das weit teurere Bein- schwarz beim Klren des Zuckers in den Zuckerfabriken ersetzt, und ein Oel fr die Frbereien. Chemiker haben aus der Beraudine fluorescierende Farben in allen Schattierungen ausgezogen. Bedenken sind gegen die Beraudine als Spinnfaser laut geworden. Der niedersterreichisclie Gewerbeverein, Abteilung fr Textil-Industrie , hat nach Untersuchung der Faser und einiger daraus erzeugter Stoffe ein wissen- schaftliches Gutachten abgegeben. Dasselbe bezeichnet die Beraudine als ein stark von l'itumen durchirnktes, spissiges, sprdes Material von voi-wiegend holzigem Charakter und gelangt zu ddii Schluss, dass sie nicht berufen sei, eine hervorragende RoUe unter den Spinn- fasern einzunehmen. Dem gegenber habe ich hervor- zuheben, dass die von Berauld Fils & Cie. mir ber- mittelten Proben eines aus Beraudine gewebten Tuchs an Festigkeit nichts zu wnschen brig lassen und auch gut aussehen. Aus einem Stck gemusterten Tuchs habe ich ein Kleidungsstck anfertigen lassen, das unverwst- lich zu sein scheint. Auch der an der Knigl. landwirtschaftlichen Hoch- schule in Berlin unterrichtende Professor Dr. H. Grner hegt kein Vertrauen zu der neuen Erfindung. Er schreibt mir u. a.: Da die Torffaser als Zusatz zur Pappe sich nicht- eignet, diese also brchig macht, so bezweifle ich die erfolgreiche Verwendung. Die von Berauld empfangenen Garne erschienen ziemlich grob und kann ich mir Halt- barkeit nicht vei'sprechen." Das freundliche Entgegenkommen der Aktiengesell- schaft fr Torfstreu-Fabrikation vorm. Fedor Wolff & Co. in Bremen hat mich in den Stand gesetzt, den ganzen Entwicklungsprozess des Garnes aus der Torffaser zu berblicken. Das vor mii- ausgebreitete Bndel roher, der Torfstreu entnommener Fasern erinnert an einen zerzausten Lockenkopf, dessen ausgetrocknetes Haar jede Geschmeidigkeit eingebsst hat. Das mir von der Ge- sellschaft zugegangene gefrbte, mit Wolle versetzte Garn ist ebenfalls recht massiv. Aus dieser Grobheit" lsst sich doch aber nicht auf mangelhafte Haltbarkeit, sondern nur auf Derbheit des Gewebes ein Schluss ziehen. Mag sein, dass die Beraudine es mit anderen Spinn- fasern, namentlich mit der Baumwolle und Jute, in Bezug auf Qualitt nicht aufnehmen kann. Selbst wenn alles, was Berauld Fils & Cie. mir von den feinen torfge-' borenen Damenkleidern erzhlen, in das Reich der Fabel gehren, selbst wenn nur grbere Waare aus dem Neuling emporspriessen sollte, will es mich bednken, dass die Beraudine auch als Spinnfaser fr torfreiche Gegenden eine erhebliche Bedevitung erlangen wird. Der niedrige Preis drfte ihr die Untersttzung des Unbemittelten und in vielen Fllen die Ueberlegenheit sichern. Speziell fr Holland, dessen Torfmoore nicht weniger als 216000 ha Oberflche einnehmen, ist es doch wahrlich in volks- wirtschaftlicher Hinsicht von grosser Tragweite, dass durch die Ausnutzung des Berauld'schen Verfahrens der Wert der Torflndereien eine namhafte Steigerung erfhrt. Auf der Berliner Ausstellung erregten Man- schettenknpfe, Eierbecher, Cigarrenspitzen, Kegelspiele, Dosen, Thei'mometersulen, Bilderrahmen, Briefbeschwerer, Dolche und Messer aus Torfmasse, sowie in Torf ge- stochene Wappen begreifliches Aufsehen. Das Material ist Presstorf vom Torfwerk Kolbermoor in Oberbayern, welchen der Verwalter Schill durch eigenartige Be- handlung in eine harte, feste Masse verkehrt. Die Hand des Drechslers oder Bildhauers verleiht die Gestalt. Apotheker Herold in Rosenheim hat ein Verfahi-en erfunden, aus Moorschlamra und zwei ihr Inkognito ge- wissenhaft wahrenden Helfei'shelfern allerlei ebenholz- schwarze Gerte hervorzuzaubern. Allerdings nicht wie beim Tischchen-decke-dich. Der Schlamm bedarf mehrerer 142 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 18. Wochen zum allraliliclien Trocljnen unter bestndiger Luftziifhrung. Die von Henn Herold fr mich be- sonders angefertigten und mir zugescliickten Nippsachen aus Eburit so hat er das Prparat getauft sehen den schwarzlackierten Papiermache-Artikeln von Gebr. Adt in Farbach tuschend hnlich. Gegenwrtig handelt es sich um wenig mehr als eine Spielerei. Wer wollte bestreiten, dass hier ein Boden sich darbietet, worin ein neuer Industriezweig zu ge- deihen vermag? Zu den in Torflagern auftretenden Mineralien ge- hrt der Fiehtelit, ein Kohlenwasserstoff. Das Mineral findet sicli amorph im Kolbcrmoor an den Stcken der sogenannten Mooskiefer. Apotheker Herold lsst die formlosen Stcke zu zarten, weissen Krystallen zusammen- wachsen. Mehr und mehr in Aufnahme kommen -die Moor- bder gegen Rheumatismus. Auf den Hochebenen von Schottland bauen; sich die Bauern Htten von Torf. Auf Schonen werden Dcher mit Beihilfe von Rohr und Schilf mit Torf gedeckt. In Norwegen wird bei der Erbauung von Dmmen der Raum zwischen zwei Mauern mit Torfziegeln ausgefllt. Kleinere Mitteilungen. Physiologische Wirkung des Methans und seiner Chlorderivate. Interessante Versuche ber die physiologische Wirkung des Methans, der Grundsubstanz des Chloroforms, teilt Herter mit (Ber. d. d. ehem. Ges. XXI, Ref. 304). Ein Gemisch von ca. 21% Sauerstoif und 79% reinem Methan wurde in kon- tinuierlichem Strom durch eine Glasglocke geleitet, unter welche ein Kaninchen gebracht war. Das Tier verhielt sich darin nicht anders als in atmosphrischer Luft und hatte auch nicht an blen Nach- wirkungen zu leiden. Eingehende Versuche von. Pouritz erwiesen, dass durch die Einatmung von Methan weder die Atmung noch Sauerstoft'aufnahme, noch der Blutdruck beeinHusst wird. Zu dem- selben Resultat fhren Versuche, welche von J. Regnault und E. Villejean (Bull. gin. de th^r. 55) an Meerschweinen, Musen und Vgeln angestellt wurden. Das Methan ist daher als ein vllig indiiferentes G&s anzusehen. Ganz anders verhalten sich die gechlorten Methane; sie ben smtlich eine ansthesierende Wirkung aus. Der Luft als Dampf beigemischt, ruft Methylchlorid, CH3 Gl, eine zwei bis drei Minuten andauernde, ^Methylchlorid, C'H.j CU, eine vollkommene Ansthesie hervor. Die Wirkung des Chloroforms, CH CI3. ist allbekannt. Tetrachlorkohlenstoff, CCI4, endlich wirkt wie Methylenchlorid, aber ungleich getShrlicher, da er leicht Herz- lhmung erzeugt. Dr. M. B. Parasiten in Hhnereiern. Es mag wohl ^Manchem ein unbehagliche? Gefht erregen, dass selbst in Hhnereiern Parasiten und zwar aus der Klasse der Wrmer gefunden werden. Ein Trost ist es jedoch, dass dies nur in usserst seltenen Fllen vorkommt. Im American Naturalist". Januarheft 1888. findet sich eine Notiz von Edw. Linton (aus Proeeedings U. S. Nat Mus. 1887) ber das Vorkommen von Distomum ovatum im Weissen eines Hhnereies. Der Wurm hlt sieh gewhnlieh in der Bursa Fabric auf, jenem eigentmlichen Drsensack an der Hinterwand der Kloake. Durch Zufall kann gelegentlich ein Individuum in die Kloake kommen und von hier aus in den Eileiter dringen. Wandert er in diesem auf- wrts, so ist es wohl mglich, dass er mit einem Eidotter gleich- zeitig von dem in besonderen Drsen gebildeten Eiweiss umhllt wird und, nachdem das Ei eine Schale erhalten, in dem fertigen Ei eingeschlossen bleibt. Ueber einen anderen Parasiten, einen Fadenwurm, Heterakis intiexa Rud., berichtet Prof. Mob ins in den Schriften des natur- wissenschaftlichen Vereins fr Schleswig-Holstein, Bd. VII. Heft 1. Da.s Tier wurde lebend im Eiweiss eines frischen Hhnereies gefunden. Es war ein Weibchen der erwhnten Species, welche im Darm ver- schiedener V^gel z. B. des Haushuhns, des Truthuhns, der Ente gefunden wird. Auch diese Art gelangt in das Ei, indem sie zu- nchst vom Darm in die Kloake wandert und dann von hier in den Eileiter dringt. Das vorliegende Exemplar hatte eine Lnge von 84 mm bei einer Breite von 1,4 mm in der Mitte des fadenfrmigen, nach dem Kopf- und dem Schwanzende etwas verjngten Krpers. Dr. E. S. Die Flora der gyptisch-arabischen Wste ist von Dr. Georg Volknns untersucht worden; wir greifen aus seinen Mit- teilungen in den Berliner Akademie-Schriften einzelnes heraus, wohl geeignet , einen weiteren Kreis zu interessieren. Der Wechsel der Jahreszeiten zeigt im Ganzen in Beziehung zur Vegetation nur einen Gegen.satz zwischen der Regenzeit, die zu- meist in den Februar und Mrz fllt, und der ganzen brigen trockenen Periode des .Jahres. Eine Besonderheit der Wstenflora, welche in direkter Beziehung zum Klima steht, zeigt sich darin, dass die ein- zelnen Arten sich nicht in so bestimmter Weise wie die unserigen in ein-, zwei- und mehrjhrige gliedeni lassen,, da manche Arten in der Mehrzahl der Flle zwar nach der Blten- und Fruchtreife vllig absterben, jedoch, wenn ihre Wurzeln tief genug in den Boden gedi'ungen sind, unterirdisch dadurch berdauern, dass sie kurze und zunchst unentwickelt verbleibende Sprsschen treiben, wnlche die ganze trockene Zeit hindurch ruhen und erst bei Befeuchtung des Bodens schnell hervorwachsen. Besondere Eigentmlichkeiten im Bau werden bei den Wsten- pflanzen vermisst, deren Dauer auf die Regenzeit beschrnkt ist; ebenso verhalten sich die Zwiebelgewchse. Jedoch besitzen die anderen Gewchse besondere jMittel, um des fr das Leben so notwendigen Wassers, namentch durch Ab.sorption des Boden- wassers seitens der Wurzeln habhaft zu werden. Sie thun dies, indem sie ungemein lange, senkrecht in den Boden bis zum Grund- wasser hinabsteigende Wurzeln entwickeln, die um das 20fache an Jjnge die oberirdischen Teile bertreffen knnen. Fand man doch bei Gelegenheit der Ausgrabung des Suezkanals auf dessen Sole Wurzeln!, die zu hoch oben auf seitwrts gelegenen Hhen wachsen- den Bumen gehrten. Manche Erodien besitzen Wurzelknollen, die gegen Verdunstung durch einen starken, vielschichtigen Kork- mantel geschtzt sind und Speicherorgane fr Wasser darstellen. Was die Absorption von Luftfeuchtigkeit und Tau seitens oberirdischer Organe anbetrifft, so kann diese durch einen hygros- kopischen Salzkorper, der von Blattdrsen ausgeschieden wird, be- wirkt werden, so dass z. B. Reaumuria hirtella sich durch eine whrend und unmittelbar nach der Regenzeit erfolgende Ausschei- dung eines solchen Salzes die Mglichkeit schafft, in der folgenden langen Periode der Drre die in der Atmosphre dampffrmig vor- handene Feuchtigkeit tropfbar flssig niederzuschlagen und mit Hilfe der oberirdischen Organe fr ihr Fortbestehen zu verwerten. Eine andere Gruppe von Arten nimmt den Tau direkt durch die ober- irdischen Organe in das Innere auf, indem z. B. Haare die Tau- tropfen auffangen und nach Stellen der Oberhaut fhren, die fr Wasser besonders durchlssig sind. Ebenso funktionieren zarte fadenfrmige Wurzeln, die nach jedem strkeren Taufall, nach dem geringsten Regenschauer zahlreich in krzester Zeit an die Ober- flche kommen, um die geringe Feuchtigkeitsmenge aufzunehmen, und schnell wiedei- verschwinden. Bin Schutzmittel gegen bermssige Verdunstung wird sehr oft durch verhltnismssige Herabminderung der Verdunstungsflche geboten. Wachsbedeckungen, stark cuticularisierte Aussenwandungen dienen dem gleichen Zweck. Bei zahlreichen Arten sind die Epi- dermis-Lumina mit Cellulosescleim erfllt, der einmal aufgenom- menes Wasser mit grosser Kraft festzuhalten vermag. Auch Gerb- stoffinhalt hat wohl dieselbe Bedeutung. Zuweilen zeigen sich die oberirdischen Organe von einem dichten Haai-filz bekleidet, der wohl geeignet ist, die Verdunstung herabzudriicken ; ausserdem hlt ein Filz am besten von allen Apparaten, ohne hygroskopisch zu sein, geringe Mengen auftropfenden Wassers fest. Hufig scheiden ge- wisse Drsen unter dem Filz therische Oele aus, und dies bietet insofern einen Vorteil, als eine mit den Dnsten eines solchen Oeles geschwngerte Luftschicht die strahlende Wrme weit weniger durch- lsst als reine Luft. Der Spaltoffnungsapparat liegt immer beson- ders geschtzt, luid das Gewirr feiner mandrischer Intercellularen bei Gramineen befreit die aus dem Innern kommenden Gase mg- lielist von dem Wasserdampf. Die ohneln als Speicherorgan fr Wasser bei den Pflanzen berhaupt aufzufassende Epidermis ist dieser Funktion bei den Wsten- pflanzen besonders angepasst. Nicht selten finden sich im Innern der Organe besondere Wasserspeicher-Gewebe. H. P. Nr! 18. Nntiirwissfiiscliaftliche Wochenscliiift. 143 Fragen und Antworten. Warum gebrauchen die Mitarbeiter der N. W." in der Benennung der Tiere und Pflanzen nicht stets deutsehe Namen; die Anwendung von Namen aus dem Lateinischen und Griechischen macht doch wohl eine weitgehende Kenntnis dieser beiden Sprachen notwendig? Wir antworten auf ilieso P^rage mit den Wurten aus einem in der Tag-lichen Kundsohau vom 2G. Februar 1888 erschienenen Auf- satze Carus Sterne's Vom Standesanite der Natur". Carus Sterne sagt; Naclidem die lateinische Sprache in unserer Zeit aufgehrt hat, zur notwendigen Ausrstung des Gebildeten zu geliren. haben die Einen behauptet, auch die lateinischen Namen der Naturdiiige mssten niuimehr abgeschafft und fi' uns durch deutsclie ersetzt werden, whrend andere wieder aus der Unentbelirliclilieit der lateinischen Namen die unbedingte Notwendigkeit des lateinischen Unterrichtes fr jedermann beweisen wollten. Beide Anforderungen sind aber gleich unberechtigt, denn man bedarf notwendig fr jedes Natur- wesen eines von allen Vlkern anzuerkennenden internationalen Doppelnamens, dem der erste Besclireiber seinen eigenen Namen i meist in Abkrzung z. B. L. fr Linne) mit genauem .Steckbrief Diagnose) hinzufgt, damit es immer wieder darnach erkannt werden kann, und welche andere Sprache als die lateinische knnte dazu gewhlt werden? Etwa Volapk'? Das wre berflssig, weil diese Namen, wie wir gleich sehen werden, gewissermassen die lteste Form des Volapk darstellen; lateinisch ist an den meisten von ihnen berliaupt nur die Endung. Aber diese Einhllung in eine tote, starre, unvernderliche Sprache hat den Vorteil, sie selbst unantast- bar zu machen. Der Vorschlag, den man fter gemacht, an ihre Stelle die oft hochpoetischen und sinnigen Volksnamcn zu setzen, ist schon darum nicht ausfhrbar, weil diese Volksnamen nach Zeit, Land und ( irt fortwhrend wechseln, daher keinerlei Sicherheit und Bestndigkeit darbieten. Unter Butterblumen versteht m.an in sechs preussischen Provinzen ebensoviele grundverschiedene Dinge, die Pfingstrose hat mit der Weihnachtsrose und eigentlichen Rose, das Gelbveilchen mit dem Mondveilchen oder dem blauen Veilchen gar nichts zu thun. Lateinisch zu lernen, um Tier- und I'flanzennamen zu ver- stehen, wre verlorene Liebesmh, denn die meisten der sogenannten lateinischen Pflanzen- und Tiernamen entstammen in ihrem ersten Teile dem Griechischen, nur der zweite oder Artnamen ist meist wirklich lateinisch. Aber wenn man auch Griechisch und Latein be- herrscht, ist damit nicht viel gewonnen, denn ein sehr ansehnlicher Teil der wissenschaftlichen Namen entspringt nicht den klassischen, sondern den barbarischen Sprachen, bis auf die gurgelnden und schnalzenden .Sprachen der Wilden herab. Wie der Menscli ihres Vaterlandes sie nannte, so hat man es bei unzhligen Pflanzen und Tieren, auch in den wissensehaftliclien Namen, aufgenommen. Wenn wir z. B. auf unsere Zierpflanzen einen flchtigen Blick werfen, so "werden wir finden, dass sogar in Europa wildwachsende Pflanzen, wie Tulpen. Traubenhyazinthen, Gemswurz und Stechapfel, barba- rische Namen empfangen haben: Tulipa stammt aus dem Trkischen, Muscari, Doronicum, .Tasminum und Datura aus dem Arabischen. Gingko, Akebia und Kadsura sind Pflanzennamen japanischen Ur- sprungs, Araucaria, Dammara, Inga, Puja, Tacsonia, Teeoma und Yucca den amerikanischen Ursprachen entlehnt, und bei den Heil- pflanzen wrde man noch viel mehr solcher aus barbarischen Spraclien stammenden Namen antreffen; ganz ebenso verhlt es sich aber mit den Tiernamen. Manche andere lateinische" Pflanzennamen, wie Beccabunga, Bovista, Prunella u. a. sind in ihrem Ursprnge sogar deutsch. Bedenkt mau ferner, dass ein sehr grosser Anteil, vielleicht ein Drittel der naturwissenschaftlichen Namen aus latinisierten Personennamen besteht, eine betrchtliche Anzahl heute berhaupt nicht mehr entrtselbar ist, so ergiebt sich leicht, wie vergeblich es wre, Latein zu lernen, um die wissenschaftlichen Namen zu verstehen. Namen sind da, um gerufen zu werden, oder um Personen und Dinge damit zu bezeichnen, nicht aber, um zergliedert und ver- standen zu werden. Wenn Eltern ihre Kinder Friedrich, Hans und Grete taufen lassen, so wird ihnen wenig daran liegen, zu wissen, dass nur erstererName deutschen Ursprungs, der zweite hebrischer und der dritte griechischer Herkunft ist, oder was ihr Sinn wre. Im Gegenteil ist das Wortableiten eine fr Ungelehrte lichst be- denkliche Leidenschaft, weil dazu nicht allein Sprach-, sondern auch .Sachkenntnis gehrt. Von hundert .Sprachkundigen werden vielleicht neunundneunzig den Namen der Bern;amottbirne auf die Stadt ]5erganio in Gber-Italien, oder gar auf Pergamon zurckfln-en, bis der hundertste, allein wohlberatene kommt und uns sagt, es sei ein trkisches Wort (heg armdi) und bedeute Herr der Birnen". Leipzig 1888, Th. Grieben's Verlag (L. Fernau). 8". 354 S. " Preis brochiert 3,60 J('. Nach dem am 22. .Januar 1886 erfolgten Tode des Dr. W. von Beetz, weil. Professor der Physik an der Technischen Hoch- schule zu Mnchen, liat Professur Henrici die Bearbeitung und Herausgabe der 9. Auflage des Leitfadens der Physik" bernommen, der sich in seinen ersten 8 Auflagen eines guten Rufes erfreute und mit der grssten Bndigkeit des Ausdrucks" eine ausserordentliche Flle physikalischer Thatsachen zusammenfasste. Auch die jetzt vorliegende Bearbeitung gewhrt in gedrngter Krze einen Ueber- blick ber die hauptschlichsten Errungenschaften der Physik Bei der Reichhaltigkeit sind die Erklrungen allerdings bisweilen etwas zu kurz geraten, so z. B. beim Radiometer S. 308 u. a., .aber man muss im Auge behalten, dass man einen Leitfaden" und kein aus- fhrliches Lehrbuch vor sich hat. Als einen Vorzug der jetzigen Bearbeitung mchten wir hervorheben, dass in dieselbe die Zustze der letzten Auflagen in den brigen Stoff Verflochten worden sind, wodurch eine grssere Einheitliiihkeit erreicht worden ist; es betrifft dies besonders die Einfhrung des absoluten Masssystems und die Erklrung elektrischer Erscheinungen durch den Begriff des Potentials. Wie der Wortlaut kurz und treffend ist, so sind auch die 339 Holzschnitte in einfachen Linien und schematisch gehalten; so vortreffliche Abbildungen, wie sie z. B. das bekannte Lehrbuch der Physik von Mller-Pfaundler enthlt, kann man natrlich nicht erwarten. Dennoch sind die gegebenen Figuren im allgemeinen zweckentsprechend. .Jedenfalls drfte kaum ein zweites Werk dieser Art von gleicher Reichhaltigkeit bei solcher Krze und einem so massigen Preise vorhanden sein. Die Gliederung des .Stoffes er- giebt sich am besten aus der folgenden Einteilung; Einleitung: Krper und Krfte im allgemeinen. I. Abschnitt: Von den Krften, welche auf die ganzen Krper wirken. II. Abschnitt: Von den Krften, welche auf die Molekel wirken. III. Abschnitt: Von der Wrme. IV. Abschnitt; Von dem Magnetismus und der Elektricitt. V. Abschnitt: Wellenlehre. VI. Abschnitt: Vom Schalle. VU. Abschnitt: Vom Lichte. Wenn wir fr die 10. Auflage einen Wunsch ussern drften, so wrde derselbe die Aufnahme eines historisch oder alphabetisch geordneten Verzeichnisses derjenigen Forscher, welche frdernd auf die Entwickelung der Physik eingewirkt haben, und der wichtigsten Entdeckungen derselben betreffen. Wir sind berzeugt, dass vielen damit ein angenehmer Dienst erwiesen werden wrde. A. Gutzmer. Litteratur. W. von Beetz: Leitfaden der Physik. 9. Auflage, nach Grnfeldt, Die Zimmergymnastik. Ihr Wesen, ihre Bedeutung und Anwendung. (64 S. m. Illustr.) Medizinische Hausbcher. 35 Bd, 8". Preis 1 JC. Martin Hampel in Berlin. Handwrterbuch der Zoologie, Anthropologie und Ethnologie. Herausgegeben v. A. Reichenow. 5. Bd. gi. S"' (640 S.) Preis 16 M. Eduard Trewendt in Breslau. Hettner, A., Reisen in den columbianischen Anden, gr. 8". (X, 3'JS S. m. 1 Karte.) Preis 8 J(^. Duncker & Humblot in Leipzig. Hof meier, M., Grundriss der gynaekologischen Operationen, gr. 8". (X, 8.52 S. m. Illustr.) Preis " 9 ^^. Franz Deuticke, Verlag in Wien. Holzapfel, E.,' Die Molhishm der Aachener Kreide. 1. Abteil. Oephalopoda und Glossophora. (Sep.-Abdr.) gr. 4". (IV, 150 S. m. 18 Taf.) Preis 40 Ji-. E. Schweizerbart'sohe Verlag.sbuchh. in Stuttgart. Hutchinson, J., Syphilis. Deutsche Ausg., bearb. und durch Erluterungen und Zustze vermehrt v. A. Kollmann. 8". (XV, 606 S. ni. 3 Taf.) Preis geb. 9 M. Anioldische Buchhandlung in Leipzig. Igel, B , Ueber einige algebraische Reciproritts-Stze. (Sep.-Abdr.) 4". (.20 S.) In 'Komm, l'i-eis 1 .//f. G. Freytag in Leipzig. Jacob, J. , Ueber simvlirte AugenkranMieiten. gr. 8". (29 S.) Preis 1 JC. Lipsius und Tischer in Kiel. Plassmann, J., Beobachtungen vernderlicher Sterne, angestellt in den .Jahren 1SSI18S8. Beilage zum .Jahresbericht der math,- phvsik.-chem. Sektion des Westf. Pro vinzial -Vereins fr Wissen- .scliaft u. Kunst. Mnster i. W. 1888. Gegen Einsemlung des Betrages (auch in Brief- marken) liefern nur vorstehende Werke franlco. Zur Besorgiim/ litterarischen Bedarfes halten wir uns bestens empfohlen. Berlin S^V. 4S. Die Expedition der STatnrwissenschaftlichen Wochenschrift". 144 Naturwissenschaftliche "Wochenschrift. Nr. 18. Imp^^^ib namentlich Anzeigen aller optischen, chemisclien, physikalischen etc. Gertsciiaften, Naturalien, Chemikalien, sowie Bclieranzeigen finden weiteste und passendste Verbreitung. g^~" HemerK-iinff fr t:iiidiger <|Helleniing;abe gestattet. Ueber die Einwirkung des vom Winde getriebenen Sandes auf die an der Oberflche liegenden Steine. Von Dr. Felix Wahn schaffe, Kniglicher Lande Diuch .sorgfltige Beobachtungen in der Natur ist in den letzten Jahien eine Erscheinung endgiltig erklrt worden, welche frher Veranlassung zu mehrfachen Deu- tungen gegeben hatte. Es handelt sich um die Ent- .stehuDg der .sogenannten Pyramidalgeschiebe, Ge- schiebe-Dreikanter oder Kantengerlle. Es .sind dies Geschiebe oder Gerolle von sehr verschiedener Grsse und Gesteinsbeschaffenheit, deren eine Seite meist das gewhnliche Aussehen zeigt, whrend die entgegen- gesetzte ZAvei oder mehrere glatte, schwachgewlbte Flchen besitzt, die sich hufig in scharfen Kanten schneiden, wie dies die beigefgten Abbildungen deutlich erkennen lassen. Treten drei solcher Flchen an einem Geschiebe auf, so erhlt dasselbe eine pyramidale Zu- spitzung, ein Umstand, der F. Meyn bestimmte, den derartig gestalteten milchweissen Quarzen, welche er 1872 im Holsteinsehen aufgefunden, mit dem Namen Pyramidalgeschiebe" zu belegen. Jedoch schon zuvor hatte A. von Gutbier ganz entsprechende Gebilde in der Gegend von Dresden beobachtet und in den Jahren 1858 und 186 beschrieben. Als Anhngei' der damals all- gemein hen'schenden Drifttheorie nahm er an, dass diese Steine an der unteren Seite des Di'ifteises eingefroien waren und durch die Bewegung der Meere.swellen an darunter hegenden Steinen abgeschliffen worden. Da- durch nun, dass sie sich lockerten, ihre Lage vernderten, von neuem festfroren und wiederum ber steinigen Grund fortgefhrt wurden, soll die Abschleifung der anderen Flchen bewkkt sein. geologe und J'rivatdozeiit an der Universitt Berlin. Es kann nicht befremden, dass man anfangs, ehe die gi-osse Verbreitung der Dreikanter nachgewiesen worden war, bei Auffindung derselben in der Nh(^ von alt- heidnischen Grabsttten^ in der Lausitz (1870) und spter auch in sogenannten Hnengrbern auf dem Flming (1874) an menschliche Erzeugnisse dachte, eine An,sicht, welcher anfangs auch R. Virchow zuneigte, ihr jedoch bald nachher lebhaft entgegentrat. Schon im Jahre 1871 hatte sich Braun dahin ausgesprochen, dass die Drei- kanter durch gegenseitige Reibung nebeneinander liegen- der Gesteinsstcke entstanden seien, welche durch das Wasser hin und her bewegt, jedoch nicht von der Stelle gerckt worden wren. Er glaubte sich hierbei auf ge- wisse von Schimper an RheingerUen gemachte Beobachtungen beziehen zu knnen. G. Berendt legte in der April-Sitzung des Jahres 1876 der deutschen geologischen Gesellschaft eine Samm- lung von Dreikantern aus der Umgegend von BerUn, sowie aus der Altmark voi- und veranlasste in betreff ihrer Entstehung einen sehr lebhaften Meinungsaustausch, ohne dass jedoch eine wirklich befriedigende Erklrung von irgendeiner Seite abgegeben worden wre. Da nun in der Folge im norddeutschen Flachlande die Kanten- Geschiebe fast immer und oft in grosser Anzahl an der Oberflche des oberen Geschiebe.sandes .sich fanden, der von den Anhngern der TorelTschen Inlandeistheorie (Vergleiche die Naturwissenschaftliche Wochen.schrift Bd. n, 1888, S. 47) als Rck.stand der duich die Schmelzwasser des Inlandeises ausgewaschenen Grund- 140 Naturwissenschaftliche Wochensclirift. Nr. 19. morne ang-esehen wurde, so veranlasste dieser Umstand G. Berendt zur Aufstellung einer der Braun'schen Auffassung nahestehenden Theorie ber die Entstehung der Geschiebe-Dreikanter oder Pyramidal-Ge- schiebe. Seine im Jahrbuche der knigl. preuss. geolo- gischen Landesanstalt fr 1884 (Berlin 1885) verffent- lichte sogenannte Packungstheorie kommt im wesent- lichen darauf hinaus, die Schmelzwasser des Inlandeises zur Hervorbringung der bewegenden Kraft in Anspruch zu nehmen, durch welche die in natrlicher Packung auf- einander liegenden Geschiebe in eine derartig rttelnde Bewegung versetzt sein sollen, dass sie sich gegeneinander kantig zuschliffen. Der schwache Punkt der Berendt'- schen Erklrung, welcher auch F. E. Geinitz anfangs beitrat, liegt darin, dass bisher niemals in der Natur durch die Wirkung strmenden Wassers ein den Drei- kantein xollig entsprechendes Gebilde hervorgerufen worden ist und ferner bleibt die hufig zu beobachtende narbig-grubige Oberflchenbeschafl'enheit der Dreikanter und das Auftreten von warzigen Hervorragungen bei der angenommenen gegenseitigen Abscleifung durch bewegtes Wasser vllig unerklrt. Auch Fontannes glaubte im Gegensatz zu der schon frher ausgesprochenen Flugsandtheorie die an Gerollen in Sand- und Gerllablagerungen auf den Abhngen der Hgel im Rhonetal zwischen Lyon und dem Mittelmeer beobachtete Kantenbildung nicht auf eine Wirkung des Windes, sondern vielmehr des strmenden Wassers zurck- fhren zu mssen. Demgegenber hebt jedoch De Lap- parent mit Recht hervor, dass die Einwendungen Fon- tannes, sich zum grssten Teile nur dagegen richten, dass die Schliflchen an den Gerollen sich unter den gegen- wrtigen Verhltnissen durch Wind dort nicht mehr bilden knnen, dass dagegen dem nichts entgegensteht, in einer frlieren geologischen Periode im Rhonetal wsten- artige Verhltnisse anzunehmen, whrend welcher die Gerolle durch Flugsand angeschliffen worden seien. Keilhack berichtet, dass er auf seiner Reise durch Island (188.3) in den recenten Mornen Pyramidal- geschiebe gesehen habe, von denen einzelne an der Gletscherstirn auf dem Eise selbst lagen. Aus ihrem Vorkommen in der Morne schliesst er, dass sie echte Gletscherbildungen sein mssten. Da nur die lirtesten Gesteine (Dolerite und Basalte) sich dort in der Form von Pyramidalgeschieben finden, so meint er, dass die erste Veranlassung zu ihrer Bildung dadurch gegeben sei, dass bei der Zertrmmerung dieser Gesteine Bruch- stcke mit mehreren annhernd ebenen Flchen entstanden, die dann nachhei- bei dem Eistransporte eine weiteie Abarbeitung und scharfkantige Zuschleifung erhalten htten. De Geer hat darauf aufmerksam gemacht, dass Keilhack gleich nach der Beschreibung der Pyramidal- geschiebe die Wirkungen heftiger Strme in den dem ausschlmmenden Einflsse der Gletscherwasser entzogenen kahlen Geschiebesandflchen scliildert. Nach De Geer' s Annahme, der auch ich mich anscliliesse, sind die Drei- kanter, welche bisher und doch nur immer in verhltnis- mssig seltenen Fllen in Mornen beobachtet sind, im Vorlande des Gletschers gebildet und nachhei' beim Vor- lcken des letzteren in die Grundmorne aufgenommen. In entschiedenem Widerspruch mit den thatschlichen Beobachtungen im schsischen Eibgebiete steht die der Keilhack'schen Auffassung .sehr hnliche Ansicht Dr. F. Theile's, nach welcher die Dreikanter unter dem Drucke der Gletscher in der Grundmorne ent- standen seien. Sie finden sich nmlich dort vorzugsweise an der Oberflche sandiger Bildungen und sind hinsichtlich ihrer Gestalt von den kantengerundeten, hufig geschliflenen und gekritzten Geschieben des als Grundmorne aufzufassenden Geschiebemergels sehr scharf zu unterscheiden. (Siehe die Abbildung in dieser Zeit- schrift 1888, Nr. 1, S. 5.) Leider waren die bereits im Jahre 1869 von Tra- vers gegebenen Mitteilungen ber die Bildung sand- geschliffener Steine in dem Dnengebiet an der Evans- Bay auf Neu-Seeland,*) welche einen Fingerzeig fr die Bildung der Dreikanter htten geben knnen, den meisten deutschen Geologen unbekannt geblieben. Dasselbe war der Fall mit den von Enys 1878 in demselben Gebiete angestellten Untersuchungen, durch welche die Entstehung kantiger Gerolle durch die abschleifende Wii-kung des vom Winde getriebenen Dnensandes zweifellos fest- gestellt wurde. Unter den norddeutschen Geologen gebhit Gott- sche das Verdienst, die Bildung der Pyramidal-Geschiebe zuerst auf dieselbe Ursache zurckgefhrt zu haben. In seiner Schrift ber Die Sedimentr-Geschiebe der Pro- vinz Schleswig-Holstein. Yokohama 1883" findet sich die nachstehende wichtige Bemerkung: Die sogenannten pyramidalen Geschiebe, welche im Gebiete des Decksandes hufig auftreten, knnen dennoch weder fr diese noch fr eine andere Schicht des Diluviums als chai-akteristisch gelten. Sie finden sich vielmehr berall, wo lockere Sande und Kiese der Einwirkung des Windes unterliegen (besonders schn auf grossen Halden, wo die Hauptsclff- flchen dann stets in derselben Weise nach der Haupt- windrichtung orientiert sind) und mssen daher als sand- cuttings", als Produkt der vereinigten Wind- und Sand- erosion betrachtet werden." *) Man hatte elienso wie in Europa die dort aufgefundenen KantengerUe anfang-s fr (von den Maoris g:efertlg-te) Kimstprodukte gehalten. Nr. 19. Naturwissenschaftliche Wochenschrift. 147 Der schon erwhnte schMedische Gculoge De Geer, welcher bei einem Besuche Gottsche's in Kiel 1880 dessen Ansicht ber die Bildung der Dreikanter kennen lernte, konnte bereits im .Jahre 1883 der geologischen (Jesellschaft in Stockholm einige windgesclilitiene Steine vorlegen, die er in Flugsandgebieten Schnens aufgefunden hatte. Von besonderer Wichtigkeit war jedoch eine von ihm im Jahre 1885 entdeckte Lokalitt 9 Jim westsiid- westlich von Kristianstad , woselbst am Fusse einer in nordwestlicher Eiclitiing sich erstreckenden Dne an der Erdoberflche eine Menge Gerolle lagen, die durch Fort- wehung des Sandes daselbst angereichert zu sein schienen. Dieselben sassen fest in der Grasnarbe und nur- ihr ber die Erdoberflche hervoiragender Teil war wind- geschliffen und glnzend. Die meisten dieser Steine be- sassen nur eine deutlich ausgeprgte Kante, deren mittlere mit dem Compass bestimmte Richtung N22''W ergab. Durch besonders gnstige Teri'ainverhltnisse ist dieses Gebiet derartig geschtzt, dass nur die Winde der daselbst herrschenden mittleien Windrichtung (SSoW) dasselbe ungehindert bestreichen knnen. Da nun die mittlere Windrichtung ungefhr senkrecht auf der mitt- leren Richtung der Kanten steht, so folgerte De Geer, dass letztere der abschleifenden Wirkung des vom Sd- west wehenden Windes ihre Entstehung verdanken. Ein von ihm im Verein mit H. Lundbohm an einem Sandgeblse ausgefhlter Versuch zeigte ausserdem, dass die frische Bruchflche eines Quarzitsandsteins schon nach 1.5 Minuten langer Einwirkung die fr die Drei- kantei' so charakteristische schwachgrubige Politur annahm. Durch Wind geglttete Gerolle waren auch von dem schwedischen Geologen G. Holm auf seiner geologischen Reise diu-ch Estland in dem Flugsandgebiet bei Nmme unweit Reval 1884 aufgefunden worden, den Nachweis wirklicher KantengerUe daselbst verdanken wir jedoch erst dem Ingenieur A. Mickwitz in Reval. lieber die Entdeckung des letzteren gab zuerst der Akademiker Friedrich Schmidt St. Petersburg im Neuen Jahr- buche fr Mineralogie und Geologie (1885. Bd. IT. S. 177) eine kurze Mitteilung, an welche sich 1886 ein sehr interessanter Aufsatz von Mickwitz selbst anschloss. Derselbe trgt die Aufschrift: Die Dreikanter, ein Produkt des Flugsand-schliffes, eine Entgegnung auf die von Herrn G. Berendt aufgestellte Packungstheorie." Auf meiner geologischen Reise durch die rus.sischen Ostseeprovinzen im Frhjahr 1887 hatte Herr Mick- witz die Freundlichkeit, mich zu jenem Fundoit zu fhren und ich konnte mich an Ort uud Stelle von der Richtig- keit seiner .sorgfltigen Beobachtungen berzeugen. Zwei von mir daselbst entnommene Dreikanter sind in der beigegebenen Abbildung an zweiter und dritter Stelle zur Daistellung gebracht. Das eine Gerolle ist von einem kleinen Quarzgange durchzogen, welcher der Ab- schleifung grsseren Widerstand entgegengesetzte, als das brige Ge.steinmaterial , sodass er nun als eine schmale leistenfrmige Erhebung aus demselben heivortritt. Die an der Reval-Baltischporter Eisenbahn gelegenen blauen Berge bestehen aus einem Gerll-fhrenden Diluvialsande. Die im Sande selbst liegenden Gerolle, welche in den Aufschlssen unmittelbar an dem Bahnstrange beobachtet werden knnen, zeigen keine Spur von Kantenbildung oder Glttung. An der Oberflche dieses Diluvialsandes finden sich jedoch an einer Stelle, an welcher der feine Sand durch den Wind fortgeweht ist, zahlreiche Gerolle, welche nur an dem aus dem Boden herausragenden Teile geschlift'en sind und alle Uebergnge der Kantenbildung bis zur echten Dreikanterform zeigen. Vielfach treten warzenfrmige Erhebungen und grubige Vertiefungen auf den Schlitt'flchen hervor. Die mit dem Kompass ge- messene Lage der Kanten ergab, dass sie mit grosser Regelmssigkeit nach drei mittleren Richtungen, nmlich N, S60"O und S50"W orientiert sind, ein Umstand, der Mickwitz veranlasste, die Kantenbildung auf drei herrschende Windrichtungen, welche senkrecht gegen die Richtung der Kanten wirkten, zurckzufhren. In dieser Hinsicht stimme ich nicht mit ihm berein, da nach meiner Auflassung nur zwei herrschende Windrichtungen erforderlich sind, um als Duichschnittselemente der ge- * bildeten Ebenen drei scharfe Kanten hervorzurufen. Jm Jahre 1885 sprach sich auch Professor A. G. Nathorst in Stockholm entschieden fr die Entstehung der Dreikanter durch Winderosion aus, indem er die Berendt 'sehe Packungstheorie durch schlagende Grnde zu widerlegen suchte. Von besonderer Bedeutung jedoch war seine Mitteilung ber das Vorkommen echter Pyramidalgerolle in dem eambrischen Eophyton- sandstein von Lugns. Unter der ^'Voraussetzung, dass sich Dreikanter nur durch die Einwirkung des vom Winde getriebenen Sandes bilden knnen, lsst sich aus diesem Vorkommen der wichtige Schluss ableiten, dass whrend der eambrischen Periode dort bereits ein Fest- land vorhanden war. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Entstehungsort der eambrischen Pyramidalgerolle einen mit Dnen besetzten Strand bildete, welcher zeit- weilig vom Meere berflutet wurde, so dass auf diese Weise die Dreikanter in Schlamm eingebettet und er- halten werden konnten. Nathorst hebt hervor, dass die von ihm beschriebenen Pyramidalsteine meist auf beiden Seiten Schlifl'flchen zeigen und mithin den sogenannten Doppeldreikantern entsprechen, wie sie auch bisweilen im norddeutschen Flachlande beobachtet worden sind. Es lsst sich diese Erscheinung am besten auf folgende Weise erklren. Durch den Wind wurde der Sand in gewissen Fllen soweit vor dem bereits gebildeten Drei- kanter weggeblasen, bis der Schwerpunkt desselben nicht mehr senkrecht ber dem Untersttzungspunkte lag. Die Folg-e davon war, dass das Gerolle umschlug und nun auf der unteren Seite zum Dreikanter zugeschliffen werden konnte. Wie so hufig, wenn erst einmal die Aufmerk- samkeit auf einen Gegenstand gelenkt worden ist, 148 Natui'wissenschaftliche Woclienschrift. Nr. 19. sich in schnelles Aufeinanderfolge die Beweise fr die Kichtigkeit einer Auffassung mehren, so auch hier. In der Februarsitzung 1887 konnte ich der deut- schen geologischen Gesellschaft eine Anzahl von Pyra- midalgeschieben aus dem oberen Geschiebesande der Gegend von Rathenow vorlegen, deren Lagerung (nur der aus dem Sande hervoiragende Teil zeigte die Ab- schleifung) und Gestalt unzweifelhaft auf Windwirkung hinzudeuten schien. Das an erster Stelle abgebildete Kantengerlle stammt aus diesem Gebiet. Hieran an- schliessend besprach Professor Dames ein sehr be- merkenswertes Vorkommen von Kantengeschieben, bei welchem die Wirkung von Sand, der durch Wind daran getrieben ist, nach seiner Autfassung die allein annehm- bare P]rklrungsweise darstellt. Unter dem Senon-Sand- stein-Felsen des Regensteins am Harz befindet sich nmlich ein frher fast vllig vegetationsloses, jetzt mit Nadelholzschonungen bestandenes Gebiet von lockerem weissen Sand, auf dessen Oberflche mehr oder minder dicht Diluvial-GerUe von weitaus grsstenteils Harz- Gesteinen liegen. Dieselben sind fast ausnahmslos Kantengeschiebe und zwar zeigen sie die Kanten nur auf dem aus dem Sande herausragenden Teile. In vielen Fllen Hess sich beobachten, dass die nach Sden gewen- deten Seiten der Steine nicht angeschliffen waren, weil sie hier durch den steilen Nordabfall des Regensteins vor der Einwirkung sdlicher Winde geschtzt sind. Zu erwhnen ist noch eine wichtige Mitteilung ber die Entstehung von Kantengerllen in der Galalawste, welche Dr. J. Walther Jena der knigl. Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig im November 1887 machte. Auf seiner Reise durch die sogenannte arabische Wste z\\ischen Nil und Rotem ^leer hatte ei- melirere mit Gerlllagern erfllte Tler beobachtet, die auf einen frher weit grsseren Wasserreichtum dieses Gebietes hindeuteten. An der Obei'flche der lteren Fussablage- rungen nun, in welche das hevitige Rinnsal etwas einge- schnitten war, zeigten sich zahlreiche GerUe, welche, soweit sie aus der Erde herausschauten, jenen speckigen Glanz besassen, welchen das Sandgeblse der Chamsin- strme fast allen Gesteinen der Wste giebt. Unter ihnen befanden sich alle mglichen Uebergnge von vl- lig runden Flchen zu kaum bemerkbaren Kanten und endlich bis zu schneidenden Schrfen. Einige vom Ver- fasser dui-ch Lichtdruck wiedergegebene Dreikanter sind den im norddeutschen Flaehlande sich findenden zum Verwechseln hnlich, sodass nunmehr kein Zweifel ber die Entstehung dieser frher so verschiedentlich gedeu- teten Gebilde bestehen kann. In einer jngst ersclencnen theoretischen Betrachtung ber Kantengeschiebe aus dem norddeutschen Diluvium spricht sich Professor Albert Heim dahin aus, dass es sich hier nicht um Gletscher- oder Gletscherbach- wh'kung, sondern nur um die Wirkung von Sandwind- erosion handeln kann. Dagegen ist er der Ansicht, dass die verschiedenen Pyramidalflchen der Kanten- gei'lle nicht auf ebensoviele heri-schende Windrichtungen zurckgefhrt werden drfen, da die Form der geschlif- fenen Pyramiden von der ursprnglichen Umrissform des Gesteinsstckes abhngt. Mag der Wind von irgend- einer Seite blasen, stets wird ihn der bi'eite Umriss des Gesteinsstckes derartig ablenken, dass er ber denjenigen Umrissseiten als leitende Basis Ebenen anschleifen muss, welche dem Winde quer oder schief entgegenstehen. Wirkungsart der krankheiterregenden Mikroorganismen im tierischen Krper. A'on Kreisphysikus Von allgemeinem Interesse ist ein Hinweis daiauf in welcher Weise die in den tierischen Krper hineingeratenen pathogenen (krankheiterregenden) Mikroorganismen ihre schdliche Wirkung entfalten''. Man kann die pathogenen Spaltpilze bezglich ihrer Wirkungsart in vier Gruppen einteilen. Die erste Gruppe umfasst solche Mikroorganismen, welche nur im Blute der Erkrankten ihr Leben ab- spinnen, whrend dieselben die Blutgefsse nicht ver- lassen und keinen direkt schdigenden Einfluss auf die Krpergewebe ausben. Hierzu gehren von den bis jetzt als Kranklieitserreger bekannten Mikrobien der Milzbrandbacillus, der Bacillus der Musesepti- mie, der Micrococcus tetragenus und sepsis, welche gleichfalls bei Musen eine ttliche Krankheit erzeugen. Nur usserst selten vermgen diese Mikro- organismen auch an der Eingangspforte, durch welche sie in den tierischen Krper gelangen, in den Krper- geweben eine krankhafte Sti'ung zu veranlassen, welche dann ajjer gegen den sich im Blute abspinnenden Pi'o- Dr. L. Schmitz. zess sehr zuilicktritt. Von den angefhrten Mikrobien wird infolge ihrer Lebensthtigkeit ein Giftstoff heivor- gebracht, dessen Anhufung im Blute die Erscheinungen der betreffenden Krankheit und schliesslich den Tod bewirkt. Zu derselben Gi'uppe gehi'en noch einzelne Mikro- organismen, welche intermittierend im Blute auf- treten. Es sind diese die Obermeier'sche Recurrens- spirille, welche das Rckfallfieber herbeifhrt, und der Malariabacillus, welcher das Wechselfieber hervorruft. Die zweite Gruppe begreift solche Mikroorganis- men, welche nur in Geweben wuchern und daselbst einen Zerstrungsprozess veranlassen. Von manchen dieser Organismen werden giftige Substanzen Pto- maine liervorgebracht, deren Uebergang in das Blut alsdann ausser lokalen auch allgemeine Krankheits- erscheinungen hervorrufen kann. Diesem Umstnde ist es daher zuzuschreiben, dass sich aus einem anfng- lich lokalen Leiden spter ein allgemeines entwickelt. Die genannte Gruiipe umfasst eine grosse Anzahl Nr. 19. Natiirwi-sseiiscliartliclie. Woclieuscihrift. 149 patliogencrMikrobien. Der Kocli'sclie CholiM-abacillus sowie der Typliusbacillus bewirken Eiitzmhuiir-ser- sflieinunsren im Darmkanale, welche sicii diireii Diai'ilie kundgeben. Die diiit^li die Lebenstlitiirkeit dieser Ba- cillen hervorgebrachten Toxine, welche in das Blut gelangen, rufen die ausgeprgten Erscheinungen der riiolera und des Typhus liervor. In linliclier Weise verhlt es sich mit dem Bacillus des Wundstarr- krampfes, welcher am Orte seiner Ansiedelung ein Gift erzeugt, dessen Aufnahme in das Blut die Erscheinungen des Starrkrampfes bewirkt. Einfache Entzndungen veranlassen in der Regel der Micrococcus erysipelatosus, welcher Rotlauf, der Diplococcus pneumoniae Friedlnder, welcher croupse Lungenentzndung, und der Bacillus oedema- tosus, welcher das malinge Oedem hervorruft. Zu dieser Gruppe gehren ferner die verschiedenen Mikroorganis- men, welche Eiterung bewirken: Staphylococcus pyo- genes aureus, albus und citreus, Streptococcus pyogenes und Bacillus foetidus. Alle die zur zweiten Gruppe zugehrigen Mikro- organismen besitzen die Eigenschaft, nicht nur lokal, sondern auch temporr beschrnkt zu sein, indem sie nach einiger Zeit iiires Bestehens in ihrer Lebenskraft erlahmen. Die dritte Gruppe bilden Miki'oorganismen, welche vorerst im Blute kreisen und darauf, nachdem sie sich entsprechend vermehrt haben, in die verschiedenen Kipergewebe bertreten, um daselbst lokale Strungen zu veranlassen. Hierzu gehren die Mikroorganismen der akuten Exantheme (Rteln, Scharlach, Pocken), ber welche die Untersuchungsakten noch nicht vollgiltig abgeschlossen sind, sowie die Krankheitserreger der Hhnercholera, des Rauschbrandes, der Pymie und Osteomyelitis. Zur vierten Gruppe sind Mikroorganismen zuge- hrig, welche Infektionsgeschwlste erzeugen: Die Mikrobien der Tuberkulose, des Rotzes, der Sy- philis, des Aussatzes (Lepra), des Krebses u. a. m. Durch ihre Thtigkeit entsteht vorerst ein Zerfall des betreffenden Gewebes, worauf dann die benachbarten Gewebszellen in lebhafte Thtigkeit geraten, indem sie gleichsam gegen das AVeiterumsichgreifen des feindlichen Mikrooiganismus einen Schutzwall bilden, infolgedessen immer mehr an Umfang zunehmende Geschwlste ent- stehen. Der Vorgang, welchei- sich in dem von pathogenen Mikroorganismen befallenen Ki-per abspinnt, ist ein Kampf um's Dasein zwischen den mikroskopiscli kleinen Ki'i)erzellen und den noclj kleineren, feindlich ein- gedrungenen Mikrobien. Hierbei hngt es wesentlich von der Superioritt und grsseren Resistenzfhigkeit der einen oder anderen Art von lebenden Wesen ab, ob die feindliche Mikrohie das Feld i'umen muss, oder ob der in seinei- Gesamtheit weit strkere tierische Krper Schaden nehmen resp. zu Grunde gerichtet wird. Dieser Kampf en miniature lsst sich bisweilen mit Hilfe des Miki'oskopes beobachten. Bestimmte Zellen des tierischen Krpers sind bestrebt, den eingedrungenen miki'oskopisch kleinen Feind durch Umzingelung und Absperrung vom weiteren Vordringen in die Gewebe abzuhalten und den- selben kamitfunfhig zu machen dadurch, dass sie die pathogenen Mikroorganismen in ihren Leib aufnehmen und gleichsam verspeisen (Phagocyten). Wesentlich hngt es bei diesem Kampfe und daher bezglich des Krankheits Verlaufes davon ab, bis zu welcher Menge die pathogenen Mikrobien sich innerhalb des tierischen Organismus vermehrt haben. Da nm- lich die als Krankheitserreger bekannten Schimmel- Spross- und Spaltpilze im tieiischen Krper die Bedin- gungen fr ihre Existenz vorfinden, so nehmen sie als- bald durch Teilungsvorgnge an Menge zu. Daher kommt es, dass sich aus einer ursprnglich winzigen An- zahl von Infektionskeimen nach und nach eine Legion herausbildet. Diese Vermehrung erfordert eine bestimmte Zeitdauer, whrend welcher hutig die Anwesenheit des verderbendrohenden Feindes im tierischen Organismus nicht geahnt wird (latentes Stadium der Krankheit). Die bezglich der Vermehrungsgeschwindigkeit der Bak- terien neuerdings angestellten Beobachtungen haben er- geben, dass mit Wahrscheinlichkeit die Zeit von 15 Minuten als das Minimum bezeichnet werden muss, unter welches die Generationsdauer in keinem Falle und bei keinem Spaltpilze herabsinkt." Man kann liieraus folgern, dass die Zaldenzunahme der eingewanderten Krankheitskeime inneihalb einei' Stunde jedenfalls sich nicht hher be- ziffert als das 16 fache der ursprnglich in den tierischen Krper gelangten Menge, innerhalb zwei Stunden nicht hher als das 256 fache u. s. w. Hieraus ergiebt sich fr die Thei-apie, wie wichtig es ist, die auf einer Infek- tion mit Miki'oorganismen beruhenden Krankheiten so bald als mglich in Behandlung zu nehmen, um der Weiter- vermehrung der Infektionskeime mglichst Einhalt zu thun, indem es ja um so leichter gelingt, einem Feinde wirk- sam entgegenzutreten, in je geringerer Anzahl derselbe voi-handen ist. Kleinere Mitteilungen. Die Httinger Breceie. Die Umgebung von hiHsbriick bietet i'iinii iiiterpssaiireii I'nHkr. der solioii lange zwischen Phyto- paliiontologen und Geologen ein Gegenstand des Streites war. nun aber, wie es scheint, endgiltig ausgetragen ist. Wandert man am nrdlichen 'J'algehnge bei Innsbruck lngs des Hottinger Grabens und tritt aus dem Mittelgebirge" in das eigentliche Gehnge des inntales, so gelangt man zu der Stelle, wo der Graben sich teilt; der Hauptzug steigt nach NT^W. an, ein Arm liist sich nach O. los, und am linken Gehnge des letzteren kaum 500 m von der er- whnten Gabelungsstelle trifft man den die Flora einschliessendeu Kalktuff und die Breceie in etwa 1200 m Meereshhe an. Schon in den fnfziger Jahren beschftigten sich die Gelehrten mit derselben. 150 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 19. Persea, Laurus, Lauri-^ nea, Quercus. } Ulmus BroDD Heer, i Carpinus ? ? Rhamnus Frangula L. A'iburnum Lantaua L. Acer trilobatum AI. Br. Acer Pseudoplatanus L. F. U liger erklrte die l'Hanzen der Hottiiiger Breccie fr keines- wegs jnger als die miocenen Pflanzen von Parschlug in Steiermark, wogegen die Geologen Penck, Blaas. Bhm die Breccie auf einer Morne ruhend fanden, die in ihm eingeschlossene Flora fr inter- glacial , daher diluvial hezeichneten. Der Ansicht der Geologen schloss sich auch C. r. Ettingshausen an, der in seiner Arbeit ber die fossile Flora der Httinger Breccie dieselbe ebenfalls als der r)ihivialperiode angehrig ansprach. Um so berraschender musste daher die im Vorjahre erschienene Arbeit D. Stur's sein, der mit seiner bekannten Grndlichkeit die von Unger und C. v. Ettingshausen benutzten Originale und andere Funde einer neutn Untersuchung unteiwarf und darauf auf den Standpunkt Unger's zurckkehrte. Die auffallende Abweichung der drei so gebten Phytopal;i<:intlogen in ihren Bestimmungen wird am besten aus der folgenden Zusammenstellung sichtbar. Unger. v. Ettingshansen. Stur. Arundo Cjoepperti Heer. .irunilo Goepperti Heer. Cyperu.s Siremim Heer.i ^ Chamaerops f. Helvetica C. pjicatus Heer, f Heer. Salix arbuscula L. } S. nigricans Sm. \ Sali.\ sp. pl. S. Caprea L. ) Actinodapline Hoettin- gensis Ettgsh. sp. Actinodaphne Frangula Ettgsh. sp. Viliurnum cf. LantanaL. (an : Eucbauania sd. scu Semecardus sp.). Acer f.trilobatuniAl.Br., A. f Ponzianum Gaud. A. f. Pseudo-PlatanusL.' CnestisV sp. Ledum palustre L. Dalbergia bella Heer. Stur erklrt daher den Kalktutf und die mit ihm innig ver- bundene gelblieh-weisse Breccie fr gleichartig mit der Flora von Oeningen; den darber liegenden Tegel mit Zapfen von Pinus Pu- milio als glacial; die rote Breccie der Tegelgrube, von der er selbst sagt, dass sie sich nicht wesentlich von der pflanzenfhrenden Kalk- breecie unterscheide, sie aber dennoch petrographisch auseinanderhlt, als interglacial und keine Pflanzen fhrend. Es wre dies daher ganz gewLss von grossem Interesse gewesen, die Zeugen einer in der Tertirzeit thtig gewesenen Kalkquelle gefunden zu haben; aber die jngsten Untersuchungen haben der .Sache eine andere Deutung verliehen. Es ist schon von vornherein ersichtlich, dass sich die drei ausgezeichneten Phytopalontologen in ihrem Urteile kaum so weit von einander htten entfernen knnen, wenn nicht die Pflanzenreste in einem nur zu fragmentarischen Zustande wren , wie dies .schon ein Blick auf die Tafeln Stur's lehrt, und deren Ursache, wie wir sehen werden, von Penck richtig erkannt, von den Phytopalon- tologen aber unbercksichtigt blieb. Vor allem fand nun E. Palla nach eingehender Untersuchung, dass Stur's Falmenblatt durchaus nicht als solches gelten kann, sondern dass dies vielmehr eine Mono- kotyle sei, die dem Formenkreis der Juncaceeii. Cyperaceen oder Gra- mineen angehren mag. Er nennt sie Cyperites Hoettingensis und spricht dabei den wohl hinlnglich gerechtfertigten Wunsch aus, dass man den Namen Cyperites zu einer Collektivbenennung erweitere, da es sieh bei einem schmalen parallelnervigen Blattfragment in vielen Fllen unmglich entscheiden lsst, welcher der drei erwhnten Gruppen es angehren mag. "Wurde schon dnrch diese Untersuchung eine bedenkliche Lcke in den vermeintlichen tertiren Charakter der Httinger Flora gerissen , die durch die Aeusserung eines anderen Fachmannes, dass Actinodaphne Httingensis auch mit Rhododendron Ponticum verglichen werden kann, nur erweitert wird, so haben die grndlichen stratigraphischen Untersuchungen Penck's die Lcke zur Bresche erweitert. Entgegen der Ansicht Stur's konnte er konstatieren, dass die weisse und rote Breccie zusammen ein Ge- stein bilden, denn die weisse lagert ber der roten und ist zwischen beiden keine scharfe Grenze zu ziehen. Ebenso ist es sicher, dass die rote Breccie nicht nur auf Mornen liegt, sondern in ihren unteren Partieen mit solchen wechselt, wie es auch nicht richtig sei, dass sie petrefaktenlos sei, denn Prinzinger, Pichler und Blaas fanden Pflanzenreste in ihr, so wie solche von Penck auch in den gelblichen Zwischenmitteln des roten Gesteins gefunden wurden. Schliesslich fand man das letztere anderwrts auch auf dem zhen, die schon erwhnten Zapfen enthaltenden Tegel lagern. Die weisse Breccie ist somit das oberste und jngste des fraglichen Schichten- komplexes, und dass sie daher interglacial sei, wird auch durch diese Thatsache besttigt, dass sie selbst gertete Gesteine fhrt. Die Lagerungsverhltnisse erklren aber auch nach Penck die ab- weichenden Genusbestimmungen der Botaniker. Die Httinger Brec- cie ist nmlich ein von einem "Wildbach aufgehufter Schuttkegel und seine die Ptianzenreste einschliessende I'artie erinnert weit eher an verfestigten zhen Schlamm, welchen Murgnge herabzuwlzen pflegen, als an den wohlgeschiehteten, sichtlich im stehenden Wasser abgesetzten Kalk von Oeningen. Die in ihr enthaltenen Pflanzen- reste liegen nicht auf Schichtflchen, sondern durchsetzen das Gestein oft der Quere nach, wobei sich vielfach eine parallele Anordnung der einzelnen Formen geltend macht. Diese Verhltnisse mahnen lebhaft an die Schleppungeii , welche der Pflanzenteppich einer ver- murten Wiese aufweist. Penck mchte daher die in der Breccie- eingeschlossenen Ptianzenreste am ehesten als Reste einer Wiesen- vegetation ansehen, whrend man sonst bei palophytologischen Untersuchungen ganz mit Recht geneigt ist, zuerst eine Waldvege- tation beim Vergleiche in Betracht zu ziehen. (Staub: Referat ber Penck Die Httinger Breccie" in Bot. Ceutralbl. XXXIU). Durch eine ganz neuerdings erschienene Arbeit des Botanikers R. V. Wettstein: ..Rhododendron Ponticum L., fossil in den Nord- alpen" findet die Ansicht Penck's eine wesentliche Sttze. Wett- stein fand nmlich in der Httinger Breccie nur Reste von solchen Pflanzen, die noch gegenwrtig wenn auch nicht mehr an jenem Standorte leben. In seinem Referat der Wettstein'scheu Arbeit (Bot. Centralbl. XXXV) sagt Fritsch: Die auflfallendste- Pflanze ist Stur's Actinodaphne Hoettingensis, die von anderen Palontologen als Laurus, Persea etc. bestimmt worden war. Ver- fasser weist auf Grund eingehender Untersuchungen (in Bezug auf Blattstellung. Blattform und Nervatur) mit Bestimmtheit nach, dass diese Reste von Rhododendron Ponticum L. herrhren. Die brigen Reste gehren fast durchweg solchen Pflanzen an, die auch heute in Gesellschaft des Rhododendron Ponticum wachsen. Es muss also zur Zeit der Bildung dieser Breccie am Sdabhange der Innsbrucker Kalkberge in einer Hohe von 1100 1200 m eine Flora gelebt haben,, die mit der heutigen der pontischen Gebirge in gleicher Hhe ber- einstimmt. Bercksichtigen wir das Vorkommen des Rhododendron Ponticum (und anderer Pflanzen des Orientes) in Sdspanien, und andererseits das Vorhandensein von Inseln mediterraner Flora an den Nordabhngen der Alpen, so sind wir wohl zu der Annahme be- rechtigt, dass diese letzteren Vorkommnisse eben nur die letzten Reste aus einer lngst entschwundenen Zeit darstellen, in welcher in unseren Gegenden ein weit milderes Klima herrschte, welche.s. die Entwicklung von Pflanzenarten ermglichte, die sich inzwischen nach sdlicheren Gegenden zurckgezogen haben." ITeber die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Schalles. haben .1. Violle und Th. Vautier neue Versuche angestellt, ber welche sie in den Coraptes Rendu.s" berichten. Von der Versuchs- anordnung wollen wir nur bemerken, dass in einer 0,70 m weiten Rhre eine Pistole abgeschossen wurde und nun die Zeiten bestimmt wurden, welche die Welle gebraucht, um einmal, zweimal u. s. f. die Wellenlnge zu durchlaufen. Es wurde dabei die Pistole verschieden stark geladen , und zwar wurden Ladungen von 3 gr, 2 gr und 1 gr beziehungsweise verwendet . um so den Einfluss der Intensitt zu bestimmen. Aus den Zahlen, welche die beiden Forscher fanden, geht hervor, dass die Fortpflanzungsgeschwin- digkeit der Schall welle sich mit der Intensitt vermindert. Es zeigt sich hier also ein anderes Resultat als bei der Ausbreitung der Lichtwellen, fr welche Dr. Ebert feststellte, dass hier die In- tensitt ohne Einfluss ist (vgl. Frage in N. W. Bd. II S. 8). Indem nun andererseits zahlreiche Versuche mit verschiedenen Instrumenten (DanipfpfeifHii , Orgelpfeifen u. s. f.) angestellt wurden , konnten "V'iolle und Vautier konstatieren, dass die Hhe des Tones auf die Au sbr ei tu n gsge s ch windigkeit der Schallwelle keinen Einfluss hat. A. G. Photographische Aufnahme eines Begenbogens. Professor Dr. H. Kayser zu Hannover, welcher vor einigen Jahren vom Dache des physikalischen Instituts zu Berlin aus ganz vorzg- liche Blitzphotographien aufnahm, welche in den Sitzung.sberichten der mathematisch-naturwissenschaftlichen Kla.sse der Akademie zu Berlin verflen flicht wurden, hat neuerdings einen Regenbogen photographiert. Es geschah dies vom Rigikulm aus mit Beachtung besonderer \''orsichtsmassregeln und mit Anwendung einer gefrbten Azalin-Trockenplatte. Die photographische Aufnahme eines Regen- bogens ist deshalb von ganz hervorragendem Interesse, weil man dieselbe bi.sher nicht fr mglich hielt; man war allgemein der An- sicht, dass ein Regenbogen keine .Strahlen bes.s.^e, welche auf die photographische Platte eine Wirkung ausben. Diese Meinung ist jetzt durch die Thatsache widerlegt worden, und zugleich ist dar- gethan, dass auch farbige Ersi'heinungen eine pliotographische Auf- nahme erlauben, obwohl man hierin noch nicht vieles erreicht hat. A. G. Zur Konstitution der Lsungen. Professor Dr. R- dorff hat (Ber. d. D. ehem. Ges. 1888, S. 411 und 188285) Diftiisionsversuche mit Lsungen von Doppelsalzen angestellt und dabei gefunden, dass die von Graham, Marignac, Ingenhoes u. a. ausgesprochene und in viele Lehrbcher bergegangene An- sicht, dass Doppelsalze in Lsungen nicht bestehen, sondern in ihre Komponenten zerfallen, in dieser allgemeinen Form nicht zutre.fl'end ist. Vielmehr difl'undieren bei gleicher Zeitdauer gewisse Doppel- Nr. 10. Naturw'issenschaftliclie Wochenschrift. 151 >ial7,e als molekiilaiv Vorliindungen, \valir''iiil arnJcii' in iliiv Kinzi-I salze zerlegt in der Lsung' zur Ditl'usion 'j:i'lanf;eu. Zu den von Rudorff untersucliten Krpi-rn der ersten Gruppe gebildet zu haben schien. Maclay hatte ihren Nationalreichtuni vermehrt, hatte friedlichen Verkelir gepflegt, und dadurch der Bonguspraehe die Bedeutung der Handelssprache auch fr Bocadji, Bili-Bili, Maragun und die nahen Orte der Berge verschattt. Ganz begeistert war der alte Saul in Bongu, als er mir die erste Papaia zeigte, welche der russische Forscher dort gepflanzt habe, und aus deren Kernen weiter, als er anzugeben vermchte, diese Fruchtbume im L'anzen Lande erwachsen seien. Die Gurken und Krbisse werden .angebaut und gesehrzt. Von dem Vieh, welches Maclay in Bongu lie>s, war ein Kinderpaar mit Kalb noch erhalten. Die frheren Klber ~ind regelmssig, wenn .sie gross ge- nug waren, crettet worden. Wenig fortgekommen sind der Mais, ^derselbe gedeiht in den Kulturen der X. G. C. sehr gut), und ein zarteres Gras, welches man heute nur an dem Platze der einstigen Niederlassung des russischen Forschers sieht. Auch wo er selbst nicht ge-tt-esen ist, blieb sein Xame in dankbarer Erinnerung. Ich bin nicht der einzige, der in einem neu besuchten Dorfe als Mac- lay begrsst wurde und die Versicherung, ich sei Maclay ati (wie Jlaclaj') beruhigte die misstrauischen Schwarzen bald und bewies ihnen meine friedlichen Absichten zur Genge. Charakteristisch ist, dass man ihm trotz alledem eine Ohrfeige nicht vergessen kann, die er einmal im Zorn einem seiner schwarzen Begleiter in Maragee ge- geben hat. denn so wenig der l'apua sich ber verdiente .Strafe beklagt, so schwer ertrgt er eine ilini uni.'ereclit erscheinende iie- handlung. Es ist seilen, dass die ethnograpliischen Zustnde eines Volkes einmal eingehend studiert, dann dieses 1.5 .Tahre hindurch. abi.'esehen von gelegentlichem und sehr seltenem Anlegen eines Schiffes, sich .selbst berlassen wurde, ehe sich wieder Weisse dort niederliessen. Es ist begreiflich, dass sii.h die Sitten und Gebriniche der l'apuas jener Gegi'ud nur wenig gcmlert haben, aber es wre interessant, zu verfolgen, wie weit Vernderungen eingetreten sind. Leider hat Maclay nur kleine Abhandlungen veriifl'entlicht und diese sind meist in hollndisclien Zeitschriften zerstreut. Auf .spteren Reisen hatte er auch den englischen und hollndischen Teil von Neu-Guinea be- sucht und seit langen .lahren sich nur der Ausarbeitung seiner Tage- bcher gewidmet. Sein Tod ist der Verffentlichung eines umfang- reichen Werkes, welches er versprochen hatte, zuvorgekommen. Hott'entlich unterbleibt die Herausgabe nicht ganz, da sie nach ver- schiedenen Seiten hin Vergleiche ermglichen drfte. Dr. Karl Schneider. Congresse. 1. Der Ophthalmologische Congress wird au.s Anlass des '25jhrigen Bestehens der Ophthalmologischen Gesellschaft in Heidelberg daselbst am 9. August abgehalten werden. 2. In den Tagen vom 7. 10. August wird in Glasgow die 56. .lahres- versammlung der British medical Association"* unter dem Prsidium von Prof. (Jairdner tagen. 3. Vom 6. bis 9. August findet Anthropologen-Versammlung in Bonn statt. Fragen und Antworten. Wo haben die Flhe ihre natrliche systematische Stellung? Trotzdem sie ungeflgelt sind und keineSch'wing- klbchen haben, werden sie in manchen Lehr-Bchern zu den Dipteren gerechnet. Die Abteilung der Flhe, Pulicidae (Siphonaptera) bildet nach Brauer und Krpelin eine selbstndige und der der Dipteren gleichwertige Ordnung. .Jene unterscheiden sich von liiesen nament- lich durch die typisch verschiedene Bildung der Mundteile, des Thorax und der Ausmndung der Speicheldrsen. Bei den Puli- ciden ist das Saugrohi' aus der Oberlippe und den Mandibeln ge- liildet, whrend die Unterkiefer hierzu nicht oder nur teilweise seit- lich am (irunde verwendet werden. Der Hypopharynx fehlt. Der Thorax besteht aus drei freien Segmenten und ist ohne Spur von Flugorganen. Der Ausfuhrungsgang der Speicheldrsen ist paarig in den Oberkiefer- Rinnen. Die Augen sind keine Facettenaugen; nur eine einfache Cornea ist vorhanden. Bei den Dipteren be- steht der Rssel aus der zu je einem Halbrohre ausgebildeten Ober- und Unterlippe , und die Kiefernpaare sind borsten- oder messer- formige Stechorgane. Die drei Segmente des Thorax sind mit- einander verwachsen ; der Abschnitt des Mesothorax ist am grssten und trgt mit wenigen Ausnahmen Flgel, der Metathorax Schwing- kolbchen (Halteren I. Der Ausfhrungsgang der Speicheldrsen ist an der unteren Schlundwand in eine unpaare Stechborste (Hypo- pharynx) verlngert. Die Augen sind meist gross und bestehen aus Facetten. Die Verwandlungsstadien in beiden Ordnungen bestehen aus Larve und Nymphe. Brauer meint, dass die Puliciden Beziehungen zu den Kfern haben. H. J. Kolbe. Litteratur, Prof. Dr. C. Claus: Lamarek als Begrnder der Deseendenzlehre. Alfred Holder in Wien 1888. Preis 1 Mk. Allgemein ist jetzt die von Darwin in seinem 1859 erschienenen Werke Die Entstehung der Arten" wissenschaftlich begrndete Des- eendenzlehre, welche die Blutsverwandschaft aller Lebewesen so gut wie gewiss macht, angenommen; anders aber ist es mit dem Dar- vinismus im engeren .Sinne", der Selektionstheorie, Theorie der Zucht- wahl, mit deren Hilfe Darwin die Entstehung neuer Arten erklrt: die Meinungen ber den Wert der Selectionstheorie gehen nach ver- schiedenen Richtungen auseinander. Die Descendenz- oder Transmutation-slehre ist bekanntlich keineswegs neu. *) Der hervorragendste und auch durch die Ergeb- nisse seiner Forschungen verdienstvollste dieser Mnner ist .Jean Baptist de Lamarek, der die Grundstze seiner Abstammungslehre zuerst im Jahre 1802 in der Schrift: Considerations sur l'organisa- tions des corps vivants" bekanntgab, aber erst in der 1809 er- schienenen Philosophie zoologiiiue" ausfhrlicher begrndete. Die Lehren dieses so hervorragenden Forschers sind durch Darwin's Schriften stark in den Schatten gestellt und keineswegs in dem Masse, als sie es verdienen, gewrdigt worden. Lamarek, am 1. August 17-44 als das 11. Kind eines Edel- manns in der Picardie geboren, war zum geistlichen Stande bestimmt, entzog sich aber den Hnden der Jesuiten zu Amiens, die seine sptere Erziehung leiteten, nach dem Tode seines Vaters durch die Flucht, um .Soldat zu werden. Er kmpfte als solcher gegen *) Vergl. H. Potonie : Die Geschichte der Darwinschen Theorie (Naturwissenschaftliche Wochenschrift Bd. I Seite 181 183 und 189192). 152 Naturwissenschaftliche Wochenschrift. Nr. 19. die verl)iideten deutschen Heere, zeichnete sich durch Mut und Tapferkeit aus und avancierte zum Oflizier. Nach Reendiguna' des Krieges kam er nach Toulon und Monaco in (Jarnison. Die Pflanzen der rniiieliung- der.-elben machten ihn zum Botaniker, nachdem er aus dem Militrdienst ausgetreten war. Alier nur in seinen Musse- stunden konnteer studieren: seinen Lebensunterhalt erwarb er durch Arbeit bei einem Bankier in Paris. Als Frucht seines Studiums erschien 1778 die Flore fraii(;aise" in drei Bande)), u))d ausserdem bearbeitete La)narck botanische Artikel fr die von Diderot und D'Alembert herausgegebene Encj'clopedie methodique. Aber es wollte ihm nicht glcken, eine gesicherte Stellung im Staatsdienste zu erringen; seine besten Lebensjahre vorbrachte er in Sorge und Kot. Erst beinahe Ojhrig wurde ihm 'an dem neu gegrndeten Musee d histoire naturelle eine Professur fr Zoologie verliehen, die er nach einjhiiger Vorbereitung 1794 antiat. Er beschftigte sich nanie))tlich mit dem System der Tiere, das vo) .Jahr zu Jahr durch ihn verbessert wurde. Die mhevollen Studien, dieLajuarck zu den Vobesserungen fhrten, sind in seiner 7 bndigen Histoire natu)-elle sur les animaux sans vertebres" niedergelegt, das ein Werk ersten Ranges ist und auch lange Jahre fr die Formkennt))is der niederen 'l'iere massgebend blieb. Seine frher erschienene ,.Phil(i- sophie zoologiipie" geriet jedoch bald in Vergessenheit. Die an- gestrengte Thtigkeit bei Unti'rsuohung kleiner Objekte hatte Lamarck's Augen derartig geschwcht, dass sie zuletzt vollstndig erblindeten. Die letzte)) zehn Jahre lebte er in Finsternis versenkt" und materiell beschrnkt, bis er am 18. Dezen)ber 1821) i)n Alter von iSf) .Tahren starb. Die weitesten Erfahrungen haben La)narck zu seiner Theorie gefhrt, die er in der u)nsichtigsten Weise begrndete. Zur Erklrung der Verschiedenheit der Arten bildet er auf (irund zahlreicher Beobach- tungen und thatschlicher Vorg))ge eine Theorie aus, welche auf dem Principe der direkten Anpassu))g be)'uht. Er geht davo)) aus, dass die Verhltnisse auf die Lebewesen einen Einfluss ausben, und da die ersteren sich ndern, so wirken sie a)ich umgestaltend auf die letzteren.- Besonders bemerkenswert ist der schon in seinen Recherches sur les corps vivants" von La)uarck ausgesprochene Satz: Nicht die Organe, d. h. die Natur und Cestalt der Krper- teile eines Tieres haben seine Gewoh)iheiten und seine besonderen Fhigkeiten hervorgerufen. sonde)n unigekehrt seine (lewohnheite)). seine Lebensweise und die Verhltnisse, in de))en sich das Individuum, von denen das Tier abstam)nt, befanden, haben )nit der Zeit seine Krperteile, die Zahl und den Zustand seiner Organe und seine Fhigkeiten besti)umt." Also der Wille des Tieres, zu leben, hat die besonderen Einrichtunge)) hervorgerufen. Ausser der Erwerbung neuer Eigenschafte)) durch den Gebrauch und Vererbung derselben auf die Nachkommen, nahmLa)narck die gleichzeitige Wirkung organischer Bildungsgesetze an, die von einer onerforschlichen erste)) Ursache, von dem Willen des Urhebers aller Dinge ausgehen. Diese Entwicklungsgesetze sollten die Stufenfolge bewirkt haben, in welcher sieh 'i'iere und Pflanzen in fortschreitender Ausbild))ng der Organisation von) Einfachen zum Verwickelteren ausbildeten. Wre die unaufhrlich auf Verwirklichung der Oroani- satio)) binstrebende Ursache die einzige, welche Abnderungen jener hervorruft, so wrde die Stufenfolge der Tiere eine regehnssige sein ; inWahrhe.it aber erscheint dieselbe sehr unregelmssig, und zwar in- folge der zweiten, auf Abnderungen hinwirkenden Ursache, des Einflusses einer grossen Zahl verschiedener Ve)-hltnisse, welche die Anpassung im einzelnen vermitteln und bestrebt sind, Strungen in der durch die Bildungsgesetze bedingten Aibeit der Natur, sowie Abweichunge)) in der continuierlichen Stufenfolge der Organisation herbeizufhren. Die einfachsten Lebewesen entstehen nach Lamarck unter gnstigen Beding)ingen durch Urzeugung. Lamarck nimmt also vom Schpfer gegebene Bildungsgesetze in Anspruch und Darwin lsst den Schpfer das erste oder die ersten Lebewesen erschaffen: die Grenze unseres ErkenntnisvernjOgens wird liierrait .gekennzeichnet. Schon von Kant war diese bestimmt worden: dieser stellt es zwar als Aufgabe aller Naturwissenschaft hin, einer mechanischen Erklrung aller Nat))rprodukte soweit als mglich nachzugehen, aber das Vermgen, damit allein auszulangen, spricht er dem menschlichen Geiste ab. H. P. Kerschbaum, G., Beweis, dass es eine Quadratur des Kreises yiebt, und dass die bisher zur Berechnung des Kreises bentzte Ludolph'sche Zahl elu-as zu klein ist. 2. Aufl. 8". (16 S. m. 1 Taf.) Preis 1 M. E. Riemann jr. in Koburg. Kiefer, A., lieber die geraden Kegel und Cylinder, welche durch gegebene Punkte des Raumes gehen, oder gegebene gerade Linien des Raumes berhren. 4". (30 S.) Preis 1 JC 60 .j. J. Huber in Frauenfeld. Kstler, H. , Leitfaden der ebenen Geometrie fr hhere Lehr- anstalten. 2 Heft. Lehre vom Flcheninhalt. Construktionslehre. 2. Aufl. 80. (42 S.) Preis 75 .j, kart. 80 ^. Louis Neberfs Verlag in Halle. Eossei, A., Leitfaden fr medizinisch-chemische Kurse. 2. Aufl. g)-. 8. (63 S.) Preis 2 M; geb. 2 JC 50 .j. Fischer's med. Buchh. in Berlin. Kramer, E., Uilfsbuch fr den ersten geographischen Unterricht. 1. und 2. Teil. 5. Aufl. S". Preis 70 4. Inhalt: 1. Geographie von Schlesien. (32 S. m. 1 Karte.) Preis 30 .^ ; 2. Kurze Ueber- sicl)t der Erdteile. (59 S.) Preis 40 -j. E. Morgenstern, Verl.- Biuhh. in Breslau. Krenzler, E., Ein Jahr in Ostafrika. 8. (124 S. m. 1 Karte.) Preis 2 ^IC 50 -j. J. Ebner'sche Buchhandlung in Ulm. Kronfeld, M., lieber vergriinte Blten von Viola alba Bess. (Sep.-Abdr. ) gr. 8\ (10 S. m. 1 Tafel.) In Komn). Preis 40 -j. Z. Freytag i)) Leipzig. Krzel, R. , Ueber die Lage des Uterus und die physiologiscke Bedeutung des Sphincter ani tertius. gr. 8 ". (42 S. m. 5. Taf.) Preis 2 M. M. Waldbauer's Buchhandlung (Max Coppenrath) in Passau. Lagrange, P. , Physiologie des exercices du corps. 8". Preis kart. 6 fr. Felis Alcan in Paris. Land, R., Ueber die Berechnung und die bildliche Darstellung von Trgheits- und Centrifugalmomenten ebener Massenfiguren. (Sep.-Abdr.) gr. 8. (66 S.) Preis 1 JC 80 -j. Arthur Felix in Leipzig. Lehmann, P., Die vernderlichen Tafeln des astronomischen und chronologischen Teiles derkgl. j^^euss. Normalkalenders fr IS 89. Nebst einem allgemeinen statistischen Beitrage vo)) B. Blenck. gr. 8". Preis 5 JC. Verlag d. kgl. Statist. Bureaus in Berlin, Liznar, J., Die tgliche u. jhrlidie Periode der magnetischen Inklination. (Separat-Abdr.) gr. 8". In Komm. Preis 40 .4, G. Freytag in Leipzig. Lock, C.Gc., Coffee ifs culture and commerce. 8". Preisl2sh6d, E. & F. N. Spon in London. Loewenthal, W., Deutsche Zeit- u. Streit-Fragen. Herausgegeb. von F. V. Holtzendortf. Inhalt: Die Aufgaben der Medizin in der Schule. Preis 80 -j. J. F. Richter in Hamburg. Gegen Einsendtaig des Betrages (auch in Brief- marken) liefern irir vorstehende It'erke franko. Zur Besorgung litterarischen Bedarfes halten unr tins bestens empfohlen. Berlin SW. 48. Die ^Expedition der ,,9fatnrwi$sen!;cliaftlicheD Wochenschrift". Briefkasten. Herrn Leube. 1. In der 3. Auflage meiner Ulustrierten Flora finden Sie die bei uns i)n Freien aushaltenden hufigeren u])d ge- whnlichen Zier- und Kulturpflanzen, in weiterem Un)fange als e.s sonst in Floren gebruchUch ist, angefhrt, )ind zwar sowohl die Holzgewchse, sowie auch die einjrigen und Staudenpflanzen. Die Arten sind nach de)n Buch bestimjubar und syste)natisch a))geordnet. Die Flora ist 1887 erschienen und kostet 5 Mk. Wollen Siesich eingehender mit Gartenpflanzen beschftigen, auch mit solchen, die bei uns ))ur in Tpfen gehalten werden, so kann ich Ihnen fr die einjhrigen und Stauden-Gewchse Vilmorins illustrierte Blumen- grtnerei" (2. Auflage, bearbeitet und he)-au.sgegeben von Rmpler 1879. Preis 20 Mk.) empfehlen nebst dem 1888 erschienenen Er- gnzungsband (Preis 7 Mk.) Ueber den letzteren wird de)n))chst eine Besprechung in der N. W." erscheine)). Die Arten sind in der Blujuengrtnerei alphabetisch a)igeordnet. Fr eine eingehendere Kenntnisnah)ne der Geholze en)pfehle ich Ihnen Karl Koch 's Den- drologie, Bujne, Strucher und Halbst)-ueher, welche in Mittel- )ind N'ordeuropa im Freien kultivie)-t werden. Das Werk erschien 1869187:1 und kostet 33 JC. Wie ich hre, sind zwei gewiegte Autore)) )uit der Abfassung neuer Dendrologieen beschftigt; sobald eine derselben erschienen ist, werde ich auf den Gegenstand zurck- kommen. H. P. Inhalt: Dr. Felix Wahnschaffe: Ueber die Einwirkung des vom Winde getriebenen Sandes auf die an de)' Obei-flche liegenden Steine. (Mit Abbildung.) Dr. L. Schmitz: Wirkungsart der krankheiter)-egenden Mikroorganismen im tierischen Krper. - Kleinere Mitteilungen: Die Httinger Breccie. Ueber die Aus hreitungsgesch windigkeit des Schalles. Photographische Auf- nahme eines Regenbogens. Zur" Konstitution der Lsunge)). Miclucho Maclay. Kongresse. Fragen und Antworten. Litteratur: Professor Dr. C. Claus: Lamarck als Begrnder der Descendenzlehre. BUcherschau. Briefkasten. Inserate. Verantwortlicher Redakteur: Dr. Henry Potonie. Verlag: Hermann Riemann. Druck: Gebrder Kiesau. Smtlich in Berlin. Hierzu eine Inseraten-Beilase. Redaktion: ^ Dr. H. Potonie. Verlag: Hermann Riemann, Berlin NW. 6, Luisenplatz 11. IL Band. Somitao-, den M. Ano-nst 1888. Xr. 20. Abonnement : Mau abonniert bei allen Buelibaudlungen und Post- anstalten, wie bei der Expedition. Der Vierteljalirs])reis ist M 3. ; Bringegeld bei der Post 15-) extra. Y Inserate: Die viergespaltene Petitzeile 30 -(. Grssere Auftrge E) entsprechenden Rabatt. Beilagen nach Uebereinkunft. Inseraten- Jt annhme bei allen Annoncenbureaiix, wie bei der Expedition. Abdruck ist nur mit vollstndiger C^uellensmjjabe gestattet. Arbeitsteilung und Genossenschaftsleben im Pflanzenreich. Von Dr. F. G. Kolil, Den freundlichen Leser ersuclie ich, mit mir auf kurze Zeit einzutreten in eine grossartige "Werlistatt, gefllt mit Legionen emsiger Arbeiter. Man frchte nicht sinnverwirrendes , nervenangreifendes Gerusch , sondern lasse sich im voraus versichern, dass diese Werlf statt den Vorzug vor anderen hat, dass in ihr eine fast lautlose Stille herrscht, es sei denn, dass etwa die schwere Bide oder ein heftiger Windstoss einem alten Arbeiter ein Sthnen abpresst, oder dass ein Gerusch wie Blttersuseln heimliches Zwiegesprch verrt oder dass reife Frchte mit Knall die samen- bedeckende Hlle zersprengen. Sonst kein Ton, der von den Arbeitenden selbst herrhrte. Die Werkstatt, in die mich zu begleiten ich bitte und von dei-en Einrichtungen ich einige von einem besonderen Standpunkte aus hier auseinanderzusetzen versuchen wUl, ist, es wird lngst erraten sein, die Natur, soweit sie von Pflanzen belebt ist. Welche sind die Erzeugnisse dieser "Werkstatt, fragt man mich vielleicht beim Eintreten? Es sind nicht nur die das menschliche Auge entzckenden, duftspen- denden Blten, nicht nur die gaumenletzenden Frchte, die Kleidung liefernden Fasern oder die zum Bauen ver- wendeten Hlzer, sondern diese und alles Organische, mit einem Wort die gesamte organische Substanz, welche wir auf dieser Erde kennen, welche fortwhrend produziert wird und in den mannigfachsten Formen in die Erscheinung tritt, die organische Substanz, welche im eigentlichsten Sinne des Wortes das Weltgetriebe erhlt." Die Rohmaterialien, aus welchen sie bereitet wird. l'rivatdoCHiit in Marljuig'. sind die Kohlensure der Atmosphre und das Boden- wasser mit seinen Mineralsalzen, die winzig kleinen Maschinen, welche die Rohstoffe verarbeiten, sind grne Plasmakiperchen, Chlorophylkrnei', die sich in den Blattzellen der Pflanzen angehuft finden, und die treibende Kraft ist die Energie des Sonnenlichtes. Der Kohlenstoft' der atmosphren Kohlensiue wird durch die mechanische Kraft der Lichtwellen vom Sauerstoft' losgerissen und mit den Elementen des Bodenwassers vereinigt zu Strke, welche in Form mikroskopisch-kleiner Krnchen mit Leichtigkeit in den Chlorophylkrnein ge- sehen werden kann. Aus dieser Strke gehen alle Bestandteile des Pflanzenkrpers hervor; jeder neue Spross, jedes junge Blatt, jede Frucht, jede Holzfaser entsteht in letzter Linie aus der in den Blttern erzeugten Strke, denn diese wird, kaum gebildet, verflssigt und als Zuckerlsung berall hingeleitet, wo die Pflanze an ihrem Krper baut oder zu spterer Verwendung in irgendeinem Reservestotfbehalter abgelagert. Man liebt es, die Bedeutung des Wassers im Haus- halt der Natur zu veranschaulichen, indem man die ein- zelnen Phasen seines ewigen Kreislaufs kennzeichnet. Auch der Kohlenstoft' zeigt mutatis mutandis solchen Kreislauf. x\_nfangs gasig, ein Bestandteil der Atmosphre wird er durch die mechanische Kraft des Sonnenlichts und die Thtigkeit des Blattgrns der Pflanzen in or- ganische Substanz verwandelt, aus welcher die Pflanze zunchst ihren Krper autbaut. Hat die letztere den Gipfel ihrer Entwicklung erreicht, so stirbt sie ab und ihre Leiche verwest, wenn Luft zutreten kann, sie v er- 154 Natui'wi.ssenschaftlielie Wodiensclirift. Nr. 20. kohlt, wenn diese fehlt. Im ersten Fall wird der Kohlenstoff der organischen Substanz langsam wieder zu Kohlensure verbrannt und der Atmosphre zuick- gegeben, im letzteren bleibt er in dem Toif, der Bi'aun- oder Steinkohle so lange in der Erde deponiert, bis der Mensch diese ausgrbt, um sie in seinen Oefen zu ver- brennen. Auch hier wird wieder Kohlensure erzeugt, raschei- als dort, und in die Luft gefhrt und die mit Recht so gehassten Schornsteine sind Kanle, welche die vieltausendjhi'ige Vegetation vergangener Zeiten mit der heutigen verbinden, denn dieselben Kohlenstoff- Atome, welche vor tausenden von Jahren aus der Atmosphre in die damalige Pflanzenwelt bergingen, strmen jetzt dem Luftmeer wieder zu. Doch nicht immer ist die Wanderung des Kohlenstoffes eine so kurze. Nicht alle Pflanzen sterben eines natrlichen Todes. Menschen und Tiere vernichten bei einer einzigen Mahlzeit grosse Mengen von Pflanzenleben, ja sie bauen aus Pflanzen- stoffen ihren ganzen Krpei- auf, stammt doch das Fleisch, welches sie neben Vegetabilien geniessen, zuletzt immer von Pflanzenfressern lier. Nur einen Teil des ver- schluckten Kohlenstoffs atmen sie als Kohlensure wieder aus, wenn Tier und Mensch nicht mehr atmen, geben sie der Erde zurck, was sie auf die Dauer ihres Lebens von ihr geliehen, daruntei' allen nicht bereits veratmeten Kohlenstoff. Man sieht, welche eminent wichtige Rolle die Pflanzen in diesem Kreislauf des Kohlenstoffs spielen. Ihre grnen Bltter, mit denen sie das Sonnenlicht auf- saugen, sind die Werkzeuge, die uneimesslichen Mengen des gasfrmigen Kolilenstoffs gleichsam zu condensieren, damit er in fester Form in's Leben eintrete. Doch nicht alle Pflanzen haben grne Bltter. Auch nicht alle Gewchse sind in dieser Weise aktiv und selbstschpferisch. Es giebt unter ihnen auch Raubgesindel, zu eigenem Schaffen unfhig, im Verborgenen oft auflauernd, selbst den Mord nicht scheuend, um die Beute auszuplndern. Diesen Gesellen der Finsternis ist der Stempel der Ver- worfenheit gleichsam auf die Stirn gedrckt. Sie prangen nicht im grnen Gewand; sie sind meist von bleicher Farbe, ihr spinnewebartiges Fadengeflecht schleicht oft im Dunkeln dahin, lebende Organismen zu befallen dann nennen wir sie Parasiten, oder in bereits ab- gestorbenen Pflanzen und Tieren ihre Nahrung zu suchen (Saprophyten). Der Verlust des Chlorophylls, welches auch sie frher besassen, ist die Strafe ihrer Trgheit und die Ursache ihrer jetzigen Unselbstndigkeit und dependenten Stellung. Ihnen ist im Laufe der Zeit die Fhigkeit, organische Substanz zum Aufbau ihres Krpers sich selbst zu bereiten, abhanden gegangen, sie mssen fertige organische Substanz in sich aufnehmen, Stoffe, welche im Krper eines Tiei-es oder einer Pflanze noch dienen oder gedient haben. Die soziale Stellung dieser farblosen Geschpfe des Pflanzenreichs ist sehr ver- schieden. Viele sind herabgesunken zu bedeutungslosen Kreaturen, denn kurz, kaum einen Tag mitunter, ist ihr Dasein, unschdlich aber auch nutzlos ihr Leben. Das Pilzreich weist genug derartiger Eintagsfliegen auf! Viele (voran ein grosser Teil der Bacterien) sind verderbliche Feinde andei'er Lebewesen geworden, sie tten und vernichten alles, was sie befallen, sie kmpfen und besiegen meist, sie schwrzen das Pflanzen- blatt, sie machen dem Fisch das Atmen schwer, sie vei'- giften den Kuss, sie lassen die Lungen erkranken, sie fliegen wie die ai)okalyptischen Reiter von Land zu I^and, Pest, Hungeisnot, Tier- und Vlkersterben im Gefolge. Vielen endlich, und sie sind es, welche uns hier zu- nchst interessieren, ist ein Wirkungskreis bestimmt, der ihnen eine, wenn auch vllig verschiedene, doch nicht minder grosse Wichtigkeit verleiht, als ihren grnen Genossen. Sie haben eine Arbeit zu verrichten, durch welche sie in eine Art Antagonismus zu den grngefrbten Pflanzen tiefen und es dokumentiert sich hier eine Arbeitsteilung im Pflanzenreich von fundamentaler Bedeutung. Die gesamte Naturordnung ist darauf ge- grndet, dass die Krper, in welchen das Leben erloschen ist, der Auflsung anheimfallen, damit ihre Bestandteile neuem Leben dienstbar werden knnen. Die Seelen- wanderung der alten Indier, Aegypter und Griechen ist ein Mythus, die Stoff'wanderung ist eine lngsterkannte naturwissenschaftliche Thatsache, sie ist eine unabnder- liche Notwendigkeit, weil die Masse des Stoffes, welcher sich zu Lebewesen ausgestalten kann, auf Ei'den be- schrnkt ist. Neues Leben blht nur aus Ruinen!" Den in Rede stehenden pflanzlichen Wesen ist nun die grosse Aufgabe zuerteilt, jeden abgestorbenen Tier- und Pflanzenleib wieder zur Erde weiden zu lassen, von der er genommen. Brauche ich wohl zu sagen, dass die Bacterien zum Teil und die Ghrungspilze es sind, die hier in Frage kommen. Man pflegt sie wohl auch Spalt- und Sprosspilze zu nennen, weil sie sich, um sich zu vermehren, fort- gesetzt spalten; auch ihre Thtigkeit msste iiinen diesen Namen einbringen, denn sie spalten fortwhrend, sich selbst ernhrend und vermehrend, die komplizierten Verbindungen ihrer Substrate in einfache und bewirken und beschleunigen den totalen Zerfall der letzteren und helfen in hervorragender Weise den sozusagen leben- digen Kohlenstofl" als toten der Atmosphre wieder ein- veiieben, damit er von neuem seinen Kreislauf beginne. Kann man wohl einen grsseren Gegensatz denken, als ihn die grnen Pflanzen und genannte Pilze in ihrer Lebensarbeit aufweisen. Jene bauen zeitlebens aus Ele- menten organische Substanz auf, diese sind ununter- brochen thtig, letztere wieder in ihre Elemente zu zer- legen, eine Arbeitsteilung, deren Bedeutung ohne weiteres einleuchtet. Betrachtet man einen jener Spaltpilze unter dem Mikroskop, so findet man nichts weiter als ein mit farb- losem Plasma erflltes Zellhautblschen. Alle Lebens- einrichtungen, (Ernhrung, Stoffwechsel, Fortpflanzung) Nr. 20. Natiirwissenschaftliclie Wochenschrift. 155 gellen in dem einen l'iasmatrpfclien vor sicii, das in der sie einschliessenden Zeihvand eine g-eniigende Sttze hat. Jede Zelle ist ein Individuum, sortrt allein fi- sich und schenkt nach kurzem Dasein seinen Leih seinen Kindern. Anders, wenn wir eine hochentwickelte Pflanze unter- suchen. Ein vielzellig-es Gebilde liegt vor uns, ein Ganzes, wie jeder Vogel, jeder Kater, jeder Fisch ist, und doch hininielweit von diesen verschieden. Der tiei'ische Krjjer ist (mit wenigen Ausnahmen ) ein einheitliches, unteilbares (ianze, zusammengesetzt aus Organen, welche sit venia verbo gezhlt sind. Nur durch ihre Wechsel- wirkung erhalten sie das Leben des Ganzen wie ihr eigenes. Aus dem Verband gelst atmet die Lunge nicht, hrt das Herz auf zu schlagen, leitet der Nerv, zuckt der Muskel nicht mehr. Anders bei den Pflanzen! Im viel loserem Zusammenhang stehen ihre Glieder, die wir tVeilich auch Organe nennen. Wir knnen vom Baum viele liitter i'eissen, viele Zweige und Aeste ab- schneiden, das brige lebt weiter; wir knnen eine Weide ber der Wurzel abhauen, der zurckgebliebene Stumpf treibt neue Sprosse, wir knnen die wurzellose Krone in feuchte Erde setzen, sie bewurzelt sich wieder. Eine Zweigspitze, ein Stck Blatt, ja oft nur ein paar Zellen oder gar nur eine einzige ist lebens- und entwicklungs- fhig. Das Tier ist ein einheitliches Wesen, dessen Glieder nur Organe, nicht selbst Individuen sind; die Pflanze ist ein Organismus, dessen Organe selbst wieder Organismen darstellen. Es ist nicht neu, die Organismen mit Staaten zu vergleichen und ich wrde mich dieser Vergleichung nicht bedienen, htte sie nicht den Vorzug leichter Verstndlichkeit, wenn sie auch hinkt. Thue ich es, so kann ich das Tier mit einem zentralisierten Einheitsstaat vergleichen, dessen Glieder von einem einzigen Willen beherrscht werden, die Pflanze aber mit einem freier organisierten Bundesstaate, dessen Brger bei aller Hingebung an die Gesamtheit eine gewisse Selbstndigkeit und Selbstverwaltung bewahrt haben. Wie der Staatsbrger in berechtigtem Egoismus zunchst die Frderung seines eigenen Wohles im Auge hat, und damit zugleich frdernd in das Getriebe des Staats- oi'ganismus eingreift, so fhrt jede Pflanzenzelle (das ist der Brger des Ptianzenstaates) ein individuelles Leben, hilft aber dadurch das Leben der Gesamtpflanze erhalten. Der Zellenstaat der Pflanze ist, wie der geistvolle Sozial- politiker Herbert Spencer gelegentlich sagt, nach dem Typus eines Industrietstaates organisiert, in welchem zahllose Arbeiter in demokratischer Gleichberechtigung nebeneinander thtig sind, wertlose Rohstoffe der toten Natur zu veredeln und in kostbare Erzeugnisse umzu- wandeln, nach dem Typus eines Staates, in dem wir das Princip der Arbeitsteilung in ausgedehnter Weise in Anwendung finden. Die Zellen der Pflanze sind nicht ordnungslos in ihrem Krper zerstreut, sondern sie gruppieren sich je nach ihrer besonderen Befhigung zu dieser oder jener Verrichtung miteinander zu Verbnden, sie bilden Ge- webe, welche man eben nach ihren Vei'richtungen zu sondern pflegt. Das Grundgewebe, das sich anatomisch scharf von allen brigen unterscheiden lsst, reprsentieit den eigentlichen Arbeiterstand, den Nhrstand. Grund- gewebezellen verrichten die ihnen vorhin charakterisierte Kohlensurespaltung, sie erzeugen die organische Grund- lage der Pflanze, in ihnen gehen alle wichtigen Prozesse des Stoffwechsels vor sich, ohne welche die "\\'achstums- und Fortpflanzungsvorgnge unmglich wren. Die Ele- mente eines anderen Gewebes, des Leitgewebes, bernehmen den Transport der Stoffe, sie vei'krpern den Handel. Auf sinnreich gebauten Communications- wegen fhren sie die organische Substanz von ihren Entstehungsorten den Blttern, zu den entlegensten Teilen des Pflanzenkrpei's, das Bodenwasser mit den darin gelsten Mineralsalzen leiten sie von den ussersten Wurzelspitzen durch den Stamm hinauf in die Aeste, Zweige und Bltter, in welchen uns die Strombahnen, unendlich fein verzweigt, als Nervatur" entgegentreten. Aber kein Staat darf wehrlos sein, auch nicht der Zellenstaat. Endlos ist die Reihe seiner Feinde; zahl- lose Pilzsporen suchen ihre Keimschluche in ihn ein- zutreiben, trockene Luft strebt ihn auszutrocknen. Regen, schdliche Gase, Tiere bedrohen fortwhrend seine Grenzen und so schaff't sich denn jede Pflanze in seinem Haut- gewebe eine lebendige Mauer, einen festgeschlossenen Grenzkordon, einen Wehrstand, der in fort-hrender Defensive verharrt. Die Zellen dieses Hautgewebes schliessen fest aneinander, so dass sie wie die Glieder einer tapferen Phalanx eher zerreissen als sich voneinander trennen lassen. Manche dieser Hautgewebszellen wlben sich nach aussen vor und werden zu Haargebilden, die einen dichten wrmenden und zugleich die Transpiration verringernden Filz zusammensetzen, andere erstarren zu scharfen Stacheln, die wie der Stachel der Biene, in die Haut des berhrenden Feindes eindringen und oft noch ein scharfes Gift in die Wunde ergiessen lassen, welches unertrgliches Biennen verursacht. (Die Loasaceen odei- Brennwinden, und unsere Nesselgewchse!). Nach Bedarf wird die Oberhaut widerstandsfhiger gemacht durch Ver- kieselung und Verkorkung ihrer Zellen, das Hautgewebe vermehrt die Zahl seiner Zellschichten und wird zum Korkmantel, der vor unseren Mnteln den unschtzbaren Vorzug hat, dass er mit dem Trger fortwchst! Allein ganz abgeschlossen darf das Innere der Pflanze durch die Oberhaut nicht sein, denn die Pflanze will atmen und sich dadurch wie das Tier seine Lebenswrme er- zeugen, sie will ferner kohlensurereiche Luft in sich aufnehmen, sie muss durch ihie oberirdischen Organe fortwhrend Wasser in Dampfform abgeben, damit neues Bodenwasser von unten her in sie eintreten knne. Dazu ist der Zellenpanzer von kleinen Oeffnungen, Spalt- ffnungen (stomata), durchbrochen, welche die Zwischen- zellrurue der Pflanze mit der Aussenluft verbinden, oder durch ein Zellenpaai' wie durch Thorflgel geschlossen werden knnen; den Thorwchter spielt das Sonnenlicht. 156 Naturwissenschaftliche Wochenschiift. Nr. 20. Jeder auffallende Sonnenstrahl ffnet schnell die mikros- kopisch-kleinen Eingnge, bei Dunkelheit werden sie wie die Thore mittelalterlicher Stdte geschlossen. Bis 700 solcher kleiner Pforten auf 1 (jwm Blattflche hat man bei manchen Pflanzen gezhlt, kein Wunder deshalb, dass sie trotz ihrer Kleinheit eine betrchtliche Gesamt- arbeit leisten, kein Wunder aber auch, dass durch sie viele Feinde, besonders Pilze, ihren verderbenbringenden Eintritt nehmen. Trotz dieser nui- flchtigen Skizze sieht man schon an diesen einfachen, beliebig heraus- gegriffenen Beispielen, wie das Prinzip der Arbeits- teilung in jedem Zellenstaate zum Ausdruck kommt, aber es ist, so klar es auch entgegentritt, nicht das einzig herrschende Prinzip, sondern es ereignet sich oft, dass es mit anderen in Konflikt gert davon ein Beispiel. Die Natur hat etwas von einer Ober- rechnungskammer", sie sieht in ihren Gesamt- und kleinen Einzelstaaten auf mglichste Sparsamkeit, so dass wir bera auch im Pflanzenreich auf Erscheinungen treffen, welche der Pflanzenphysiolog unteiordnet dem Prinzip Es wird ge- des geringsten Materialaufwandes, spart, wo es geht, und so kommt es, dass ein Gewebe ausser seiner Hauptfunktion auch noch Nebenfunktionen aufgebrdet erhlt: ad exemplum. Das Leitgewebe hat, wie der Name sagt, den Hauptzweck, Stofte zu leiten, aber gewissen Elementen desselben kann zugleich die Festigung des Pflanzenkrpers bertragen sein. So wie im vorliegenden Falle gert das Prinzip der Arbeitsteilung oftmals mit andei'en den Zellenstaat be- herrschenden in Konflikt, aber auch da, wo es beein- trchtigt und zu Gunsten eines anderen in den Hinter- grund gedrngt wird, drckt es doch der ganzen Pflanze das Geprge auf. An jeder Pflanze, mag sie am Grund der Gewsser vegetieren, wie die Meeresalge, mag sie stolz ihren Scheitel in den Luftraum erheben, wie der Eichbaum oder haltlos andere Gewchse umschlingen, wie die Liane des Urwalds, an jeder finden wir das Princip der Arbeitsteilung in allen Abstufungen ver- wirklicht. (Schluss folgt.) Ni Hl fx, lieber einen neuen Von A. G Die jetzt allgemein in Gebrauch befindlichen Fern- sprechapparate sind bekanntlich .so eingerichtet, dass man sich einer (oder zwei) Hrmuschel zum Empfangen der Worte, als Empfnger, be- dient, whrend man zum Sprechen ein an der Wand fest angebrachtes Mikrophon be- nutzt. Bei dieser Anordnung ist es viel- fach, namentlich bei hufigem Gebrauch, wie auf den Veimittlungsmtern, als eine grosse Unbequemlichkeit empfunden worden, dass man sich erst zu dem feststehenden Apparat begeben und zum Sprechen eine bestimmte Stellung einnehmen muss. Ein Apparat, welcher diese Unbequem- lichkeiten besei- tigt, ist daher mit Freuden zu be- grssen. Der von der Firma Mix & Genest zu Berlin Fig. 1 hergestellte transportable Fernsprechapparat mit Mikrophon entspricht den gestellten Forderungen vollkommen. Der- selbe ist auf verschiedenen Vermittlungsmtern Deutsch- lands, in Berlin, Hamburg u. s. w. erprobt und als sehr brauchbar befunden worden, und da dieser Apparat nicht nur fr die Vermittlungsbeamten usserst bequem und bei denselben bereits vielfach in Gebrauch ist, sondern auch fr private Zwecke, bei Luftschiftahrten, in Krankenzimmern u. s. w. grosse Bequemlichkeiten bietet, so drfte eine Be- schreibung desselben das Interesse unserer Leser finden. Der neue Fernsprechapparat von Mix & Genest vereinigt das Mikrophon und das Hr-Telephon zu einem Fernsprechapparat. utzmei-. Ganzen und gestattet, denselben in jeder beliebigen Lage zu benutzen, ohne die Klarheit und Deutlichkeit zu be- eintrchtigen. Fig. 1 stellt einen Schnitt dui'ch diesen Apparat dar und zeigt die innere Einrichtung desselben. Unten sieht man zunchst das Mikrophon. Zwischen dem Mund- stck F und dei- Messingdose D ist die Membran m ein- geklemmt, und zwar ist dieselbe aus Tannenholz her- gestellt und durch Lackanstrich gegen den Einfluss der Feuchtigkeit geschtzt. Die so verfertigten Membranen haben sich sehr gut bewhrt, whrend die aus knst- licher Kohle hergestellten Membranen hnlicher fran- zsischer Apparate leicht zerbrachen. Auf der Membran m sind die beiden Kohlenlager h h angebracht, zwischen denen sich die Kohlenrolle K befindet, welche durch eine Bremsfeder /' gegen die Membran gepresst wird. Die beiden Kohlenlager h h stehen mit den Stromzufhrungs- di'hten in Vei'bindung. Dieses Mikrophon ist auf dem Messingbgel C angebracht und kann in einem Schlitz desselben verschoben werden. Dei' Bgel C trgt an seinem obeien Ende zugleich den Empfnger. Die Hr- ft'nung und die aus Eisenblech gefertigte Membran N befinden sich in der Messingbuchse E, welche ihrerseits durch ein auf der Innenseite befindliches Muttergewinde auf die Platte i? aufgeschraubt ist. Dieses Gewinde ermglicht zugleich eine Regulierung des Telephons durch Annherung bezw. Entfernung der Membran X von den Magnetkernen, whrend mittels eines kleinen Druckhebels * die gefundene Stellung fixiert werden kann. Schlies,slicli ist um den Messingwinkel C und um den Hufeisen- magneten /( /< ein Handgrift" // angebracht und ausser- dem durch Schrauben ermglicht, die Entfernung der Nr. 20. Natundssenscliaftliche Woclienschrift. 157 Teleptionrt'nuiii,' <> vom P.gel (' der Kopfform ent- sprechend zu verndern. Zur vollstndigen Ausrstung des Fernsiirech- apparates g-eiiren nun noch Wecker, Taster, Induktions- weiches auf dem Tische angebracht ist und entweder direkt oder durch Vermittlung eines Apparates, der sich auch in einem anderen Zimmer betinden kann, an das Fernsprechnetz angeschlossen ist. rolle, Umschaltvorrichtung und Blitzfnger. Dieselben sind in einem Schrnkchen untergebracht, wie es Fig. 2 zeigt. Eine andere Anordnung stellt Fig. -3 dai'. Der ge- samte Zubehr befindet sich in einem zierlichen Kstchen, Fig. ;5 Diese Anordnung ist sehr bequem und ermglicht die Benutzung des Telephons vom Tisch, Krankenbett u. s. w. aus, eine Annehmlichkeit, welche dem neuen Instrument eine grosse Verbreitung sichei-n wird. Kleinere Mitteilungen. lieber giftige Fische der Marschall-Inseln macht Dr. Johannes MUi-r einig-p ReniHrkinifren in der Gaea" (V. Heft 1888). Das Interesse, sagt Dr. Mller, welches in den letzten Jahren die Miesmuschel grenomnien liat, sowie die von Zeit zu Zeit immer wieder auftretenden Vergiftungsersclieinungen, die besonders bei den Muschehi vorl